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Archive for the ‘K-Pop’ Category

Man glaubt es kaum, aber es ist bereits 20 Jahre her, seitdem die Filmwelt komplett auf den Kopf gestellt wurde. Denn 1998 gilt als offizieller Startschuss für die Korean Hallyu, die koreanische Welle, welche die Popkultur durcheinanderwirbeln sollte.

Eigentlich begann alles bereits in der ersten Hälfte der 90er Jahre, als die Filmproduktion, die bis dahin in staatlicher Hand gewesen war, privatisiert wurde. Als Resultat erschienen die sogenannten Big Three auf der Bildfläche: Cinema Service, Showbox und Lotte Entertainment, die von da an den Filmmarkt in Südkorea bestimmen sollten. Ziel war es, Hollywood durch hochgradige Eigenproduktionen den Kampf anzusagen.

Der Plan ging auf. Schon die erste Produktion des neuen koreanischen Kinos, der Horrorfilm „Whispering Corridors“ (1998), sorgte für volle Kassen. Dies vor allem aufgrund des Skandals, den er ausgelöst hatte. Schülerinnen, die von Lehrern misshandelt werden? Die Lehrervereinigung in Südkorea sah sich verunglimpft und wollte den Film verbieten lassen. Doch beruhte „Whispering Corridors“ teilweise auf Tatsachen, und der Film trug dazu bei, dass die Zustände an den dortigen Schulen genauer unter die Lupe genommen wurden.

Von da an ging es quasi Schlag auf Schlag. So ziemlich jeder Film wurde ein Erfolg, auch dann, wenn er schlecht gemacht war. Mit eigenen Actionfilmen, Thrillern und Horrorfilmen verdrängte man in den einheimischen Kinos die Produktionen aus Hollywood an den Rand. Der Agententhriller „Shiri“ spielte mehr Geld ein als Camerons „Titanic“.

Originalposter zu „Il Mare“

Viele der Filme gelten heute als Klassiker des neuen koreanischen Kinos. So z.B. die Horrorfilme „Memento Mori“, „A Tale of two Sisters“ oder „Into the Mirror“. Ebenso das SF-Liebesdrama „Il Mare“ sowie die Comic-Adaption „Oldboy“.

International trat der neue koreanische Film zum ersten Mal im Jahr 2001 auf der Berlinale mit dem Soldatendrama „JSA“ auf. Bis dahin hatten Kritiker Filme aus Korea kaum registriert. Doch „JSA“ rief großes Erstaunen hervor, und von da an gab es auch international kein Halten mehr. Bisherige Höhepunkte in dieser Hinsicht waren der Zombiefilm „Train to Busan“ und der SF-Film „Snowpiercer“.

Parallel dazu lösten koreanische TV-Serien, die sog. Dramas, einen internationalen Hype aus. Die Serien, die anfangs vor allem kitschige Liebesgeschichten in 12 Folgen darboten, wurden nach und nach ebenfalls vielfältiger. Das 12 Folgen-Schema wurden zwar beibehalten, doch nun gesellten sich zu den Liebesgeschichten auch überaus aufwändige Historiendramen sowie Agententhriller und sogar Horrorserien hinzu.

Wonder Girls; © JYP

Während der Erfolgswelle in den Kinosälen und auf den Bildschirmen kam es auch zu radikalen Veränderungen in der Popmusik. Spätestens seit „Gangnam Style“ des Sängers Psy wissen auch Leute, die mit Asien nichts am Hut haben, dass es so etwas wie K-Pop gibt. Dieser Stil überrante innerhalb kürzester Zeit die internationale Popkultur. Schräge und überaus farbenfrohe Videoclips, die von den Produktionsfirmen und natürlich auch von den Fans auf Youtube hochgeladen wurden, forcierten diese Welle. Allen voran die ersten und zugleich erfolgreichsten Girl Bands „Girls Generation“ und „Wonder Girls“, die als erste koreanische Girl Group durch die USA tourte.

Coffee Prince, eines der erfolgreichsten koreanischen Dramas

Der enorme Erfolg führte dazu, dass US-amerikanische Musikproduzenten nach Südkorea reisten, um bei den dortigen Kollegen „in die Lehre“ zu gehen. Inzwischen aber dümpelt K-Pop eher vor sich hin. Waren Witz und Originalität die Kernpunkte von K-Pop, so versuchte man sich nach wenigen Jahren in einer Sexualisierung der diversen Gruppen, in der Hoffnung, noch mehr Erfolg zu haben.

Doch ging der Schuss in Sachen Kreativität nach hinten los. Denn das Ergebnis war bzw. ist, dass eben jene Originalität und jener Witz fast vollkommen verloren gingen. Im Gegensatz dazu werden koreanische Filme immer aufwändiger produziert, egal, ob es sich um Dramen, Horrorfilme oder Actionfilme handelt. Man darf also gespannt sein, was die nächsten 20 Jahre bringen werden.

 

 

 

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Ende vergangenen Jahres erregte die nun schon seit 11 Jahren bestehende Band Scandal Aufsehen durch ihr Video „Koisuru Universe“ (Universe of Love), in dem es um sexuelle Erregung und eine lesbische Beziehung geht – insgesamt also recht ungewöhnlich für eine Band, die sich bis dahin emanzipiert gab und in keinem ihrer Clips sexualisiert wurde.

Daher durfte man gespannt sein, wie sich die Band in visueller Hinsicht weiter entwickeln würde, was durch den oben genannten Clip eher schwierig war. Die Lösung fand sich dann in einem neuen Musikvideo, das lediglich eine Perfomance der Gruppe zeigt. Es handelt sich dabei um „Platform Syndrome“, einen Song, der zugleich das neue Album „Honey“ eröffnet.

Seit Herbst vergangenen Jahres wurde dafür kräftig die Werbetrommel gerührt. Und das Ergebnis? „Honey“ ist eines der besten Rock-Alben geworden, die es in letzter Zeit gab, unabhängig ob aus Japan, den USA oder sonst woher. Hatten die ersten CDs der nur aus Frauen bestehenden Gruppe auf eine sympathische Art und Weise eher konzeptlos gewirkt, also so, als hätten sie einfach mal ein paar Songs zusammengestellt, ohne sich groß Gedanken um die Platzierung auf dem jeweiligen Album zu machen, so ist „Honey“ in dieser Hinsicht völlig anders.

Gleich mit „Platform Syndrome“ liefert die Band einen schnellen, rockigen Einstieg, gefolgt von weiteren Songs, die zwischen Punkrock, Alternative und ein wenig Pop liegen. In der Mitte des Albums werden die Songs etwas ruhiger, bevor es gegen Ende nochmals so richtig zur Sache geht. Dabei erinnert der Song „Short Short“ dann doch ein wenig zu sehr an „Love me do“ aus dem vorangegangenen Album „Yellow“, doch ansonsten lässt sich das Album immer wieder anhören, ohne dass auf irgendeine Weise Langeweile entstehen würde.

Mit „When I open a Window“ (Mado wo Aketara) liefert die Bassistin Tomomi Ogawa ein erstklassiges. leicht jazziges Stück ab, ebenfalls ein Ohrwurm ist „Midnight City“, das eigentlich den typischen Scandal-Rock beinhaltet, im Refrain aber auf gewitzte Weise in einen 70er Jahre-Disco-Stil umschwenkt.

Einen kleinen Abstrich gibt es bei den Texten, die dieses Mal fast ausschließlich von der Drummerin Rina Suzuki stammen und in Sachen Poetik nicht die Klasse erreichen wie diejenigen von Tomomi Ogawa, die bis dahin die meisten Texte verfasst hat. Insgesamt aber ist „Honey“ ein richtig tolles Rockalbum, das von Anfang bis Ende Spaß macht.

 

 

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Die Band Scandal in dem Clip „Pineheel Surfer“; Copyright: Epic Records

Im Jahr 2006 tingelten die jungen Damen von Scandal noch als Indie-Band von einem Auftritt zum nächsten, bis schließlich zwei Jahre später der japanische Ableger von Epic Records auf die Gruppe aufmerksam wurde. Bereits in ihrer Indie-Zeit durfte sich die Band großer Beliebtheit erfreuen. Kein Wunder also, dass der noch größere Erfolg nicht lange auf sich warten ließ.

Tomomi, Haruna, Rina und Mami sind inzwischen eine nicht mehr wegzudenkende Größe im japanischen Musikgeschäft. Was ihren Stil anbelangt, gab es jedoch nie den Bruch zwisch Straßen-Perfomances und den Auftritten auf großer Bühne. Noch immer schreiben die vier Musikerinnen ihre Songs selbst, was dem Stil von Scandal nur gut tut.

Tomomi (hier in den Clip „Pineheel Surfer“) schreibt die meisten der sozialkritischen Songs; Copyright: Epic Records

Denn oberflächlicher Schnickschnack ist der Band quasi ein Fremdwort. Neben Liebesliedern oder Songs, die sich mit der Leidenschaft, Musik zu machen (wie etwa in dem Lied „Overdrive“), beschäftigen, gibt es auch eine Menge an Songs, die sich mit gesellschaftlichen Themen befassen. So etwa in dem Song „Pineheel Surfer“ (als Pineheel bezeichnet man in Japan die Stöckelschuhe, die zum Outfit von Büromitarbeiterinnen gehören).

Darin geht es um die Probleme, die Frauen am Arbeitsplatz haben. Der fast schon als Hymne angelegte Song zeigt auf, dass sich Frauen nicht von den patriarchalen Strukturen unterkriegen lassen sollen, sondern versuchen sollen, ihren eigenen Weg zu gehen. Damit ist er ein Beitrag zur neuen japanischen Emanzipationsbewegung, die Mitte/Ende der 90er Jahre ihren Anfang genommen hat.

Die Band in einer Szene des Clips „Pineheel Surfer“; Copyright: Epic Records

In eine ähnliche Kerbe schlägt der Song „Stamp!“, in dem es wiederum darum geht, dass Frauen ihre eigenen Ziele verfolgen und sich nicht von Männern etwas vorsschreiben lasssen sollen. Schon ihre erste bei Epic Records veröffentlichte Single „Dolls“ verweist, wenn auch indirekt, auf dieses Thema. Der Song handelt von Schein und Sein in der Gesellschaft, indem quasi der männliche Blick hinterfragt wird.

Und genau dies findet sich auch in den Videoclips der Gruppe wieder, die frei sind von erotisierenden Merkmalen. Die Clips konzentrieren sich auf die Band als Musikerinnen und nicht als Produkt, in heutiger Zeit ein durchaus seltenes Phänomen. Die Bilder und Szenen stellen ständig die Optik in Frage, was dazu führt, dass die Clips, obwohl eigentlich nichts besonderes, einen doppelten Sinn erhalten. Zum einen scheinen sie schlicht und ergreifend eine Perfomance zu zeigen, zugleich aber schleicht sich eine Art subtile Ironie in die Aufnahmen ein, sodass die Clips eine nicht leicht zu findende sozialkritische Tiefe erhalten. – Alles in allem macht dies Scandal zu einer sehr interessanten Band innerhalb von J-Pop.

 

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Und einmal um das Auto rum. Dance Shot aus dem Clip „Chocolate Cream“ von Laysha; Copyright: JS Enternainment.

Wir haben es in unsere K-Pop-Rubrik bereits mehrfach erwähnt: K-Pop ist längst nicht mehr das, was es einmal war. Die schrillen, vollkommenen Plem Plem-Videoclips sucht man heute vergeblich. K-Pop ist seine Verspieltheit nach und nach los geworden. Grund dafür ist der internationale Musikmarkt und der Glaube daran, dass man Produkte nur durch eine gewisse Erotisierung an den Mann oder die Frau bringen kann.

In Sachen K-Pop ist das fraglich. K-Pop erregte nicht Aufsehen dadurch, dass erotische Musikvideos veröffentlicht wurden, sondern eben dadurch, dass diese Clips farbenfroh und voller durchgeknallter Ideen waren. Natürlich gab es auch zu Beginn des internationalen Erfolgs Clips, die einen Hauch von Erotik wagten, doch alles innerhalb eines Rahmens, der noch immer das kennzeichnete, was typisch für K-Pop war.

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Gleich zu Beginn möchte der Clip provozieren. Laysha „Chocolate Cream“; Copyright: JS Entertainment.

Nun aber nehmen die erotischen Anteile in den Clips zu. K-Pop verliert dadurch seine Originalität und wird zu etwas völlig Banalem. Banal in dem Sinne, da die Erotisierung in den Medien im Grunde genommen zu etwas Normalem geworden ist. Um dennoch aufzufallen, versucht man sich skandalträchtig. Doch das Ergebnis einer solchen Methode ist meistens, dass der Schuss nach hinten losgeht.

Die Formation 4L (Four Ladies) hat es vorgemacht. Mit großem Trarar wurde ein Musikvideo präsentiert, über das sich kurz nach Veröffentlichung viele Leute aufgeregt hatten. Sowohl Video, das teilweise so schlecht produziert worden war, dass es unfreiwillig komisch wirkte. als auch die Gruppe sind inzwischen Geschichte und dies, obwohl die Produzenten damals dick auftrugen, indem sie meinten, dass das nächste Video von 4L noch freizügiger werden würde. Und wir fragen uns natürlich heute: Von welchem nächsten Video sprach denn dieser gute Mann?

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Bei all dem Durchschnitt freut man sich über ein wenig Überbelichtung. Laysha „Chocolate Cream“; Copyright: JS Entertainment.

Statt 4L weiter zu produzieren, tauchte Ende des Frühjahrs eine neue Gruppe auf mit Namen Laysha, die ebenfalls eine Art Adult-Konzept darstellen soll. Doch sowohl Video als auch das Konzept der Girl Group sind so langweilig und geradezu überflüssig, dass Laysha mit Sicherheit genauso schnell wieder von der Bildfläche verschwinden wird wie 4L. Das wäre keinesfalls etwas Außergewöhnliches, da in Südkorea neue Boy und Girl Groups wöchentlich erscheinen – und auch wieder verschwinden.

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Sieh in meine Augen! – Laysha: „Chocolate Cream“; Copyright: JS Entertainment.

Das Video „Chocolate Cream“ von Laysha ist eine einfache Andernanderreihung von Dance Shots, man verzichtete ganz auf narrative Elemente, wahrscheinlich, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. So geht man quasi im Vergleich mit 4L einen Schritt zurück, dort war es immerhin eine angedeutete lesbische Liebesbeziehung, die den narrativen Teil ausmachte und für einen Skandal sorgte. Bei Laysha möchte man dagegen kein finanzielles Risiko eingehen bzw. dieses so gering wie möglich halten. „Chocolate Cream“ hat alles andere als einen Skandal ausgelöst. Man muss sogar sagen, dass das Video im Verhältnis zu anderen dieser Art regelrecht brav, vielleicht sogar zu brav wirkt. Somit hatte man wohl so seine Schwierigkeiten, ein ausgeprägteres Konzept durchzusetzen. Allerdings sorgen die Auftritte der Gruppe wegen ihrer lasziven Choreographie für viel Gesprächsstoff. Doch war dies bei 4L derselbe Fall gewesen.

Laysha wird folglich genauso schnell in Vergessenheit geraten wie andere Gruppen vor ihnen. Was bleibt, ist die Tatsache, das K-Pop einmal mehr an Reiz verloren hat.

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Szene aus dem Video „Dr. Feel Good“; Coypright: DR Music.

Die Girl Group RaNia wurde 2011 als ein koreanisch-US-amerikanisches Projekt gegründet. Die koreanische Produktionsfirma DR Music ging dabei eine Kooperation mit dem amerikanischen Produzenten und Komponisten Teddy Riley ein, der u. a. auch mit Michael Jackson zusammengearbeit hat. Die Gruppe sollte folglich sowohl auf dem koreanischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt Fuß fassen. Letztendlich wurde aus dem US-Plan nichts, die Vermarktung von RaNia blieb auf Südkorea beschränkt.

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Danceshot aus „Dr. Feel Good“. Copyright: DR Music.

Für Tedd Riley bedeutete dies, dass er aus dem Projekt wieder aussteigen wollte, vor allem auch deshalb, da der erwartete Erfolg nicht eintraf. Dieser Hintergrund erklärt, weswegen das erste Video der Gruppe sowohl in einer koreanischen als auch in einer englischen Version vorhanden ist. Der Titel des Songs lautete „Dr. Feel Good“ und löste in Südkorea einen Skandal aus. Das ungekürzte Video erhielt ein Aufführungsverbot und musste daher von DR Music um wenige Sekunden gekürzt werden, manche Szenen mussten mit neuen Kostümen nachgefilmt werden.

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Danceshot aus „Dr. Feel Good“; Copyright: DR Music.

Der Grund: In dem Clip wird zweimal eine Totale der Leistengegend der Leadsängerin gezeigt. Das war Südkoreas Erziehungsministerium zu viel. Auch die Lack und Leder-Kostüme waren den Beamten ein wenig zu anrüchig, weswegen Manches neu gedreht werden musste. Von der Musik her erinnert „Dr. Feel Good“ irgendwie an den Stil  der Eurythmics. Das Alles wäre weniger interessant, wenn nicht die Gruppe RaNia durch dieses Konzept die Entwicklung des K-Pop drastisch verändert hätte. Man kann sagen, dass das Konzept, das DR Music vorlegte, zugleich der Startschuß für die nachfolgende Erotisierung koreanischer Girl Groups darstellte. Hielt sich davor alles in kitschig-bonbonfarbenen Grenzen, wurde ab da eine Art Sexualisierungs-Wettbewerb zwischen den einzelnen Produktionsfirmen losgetreten, jeder wollte das Konzept vorlegen, das in Sachen Erotik alle vorangegangenen Konzepte in den Schatten stellte.

Die Folge davon war, dass das koreanische Erziehungsministerium strengere Altersfreigaben für Videoclips erarbeitete, die zu einer Verunsicherung unter den Produzenten führte. Somit gab es auf einmal eine Phase, welche eine Quasi-Rückkehr zum althergebrachten K-Pop einläutete, die allerdings nur von kurzer Dauer war. Denn statt sich vor dem Ministerium zu ducken, begannen die Produzenten, die Strenge der neuen Regelungen auszutesten und nahmen dabei auch Altersfreigaben „ab 19“ (nur für Erwachsene) in Kauf.

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RaNia beim Stöckeschwingen: Danceshot aus „Pop Pop Pop“; Copyright: DR Music.

Diese Entwicklung tat RaNia nicht gerade gut. Das Konzept war klar als Provokation ausgelegt, doch musste DR Music die Notbremse ziehen. Gleich das Nachfolgevideo „Pop Pop Pop“ beschränkte sich auf einzelne Danceshots, niemand räkelte sich mehr lüstern auf dem Boden. DR Music wollte daraufhin zu dem eigentlichen Erotikkonzept mit dem Song „Killer“ zurückkehren, doch da genau in dieser Planungsphase die strengeren Altersfreigaben eintraten, entschied man sich für ein eher normales, teils ironisches Konzept mit dem Titel „Style“, in dem sich die Gruppe lustig macht über typisch männliches Verhalten.

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Szene aus „Style“; Copyright: DR Music.

Mit „Just Go“ beschränkte man sich wieder auf Danceshots, ebenso wie in „Push up“, das zugleich RaNia in die „Normalo“-Ecke verfrachtete. Es handelte sich dabei um einen banalen Sommersong, den die Sängerinnen in Bikinis in einem Schwimmbad zum Besten geben. Danach herrschte erst einmal für längere Zeit Funkpause.

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Danceshot aus „Demonstrate“; Copyright: DR Music.

Erst in diesem Jahr kehrte die Gruppe mit dem Song „Demonstrate“ zurück. Drei der Sängerinnen schieden inzwischen aus, dafür kamen zwei neue Mitglieder hinzu. Das Konzept ist wiederum eine Aneinanderreihung verschiedener Danceshots, die genauso austauschbar sind wie der Song. Die Gruppe, die 2011 mit ihrem Debut Koreas Medien aufgewirbelt hat, ist nun einfacher Mainstream. Was jedoch bleibt, ist ein weiterhin existierender Einfluss von „Dr. Feel Good“ auf andere koreanische Musikvideos.

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Hook des Clips „No Playboy“.

Tatsächlich besteht die Formation Nine Muses zurzeit nur aus acht Mitgliedern. Gegründet 2011, bestand die Girl Group aus gecasteten jungen Frauen, die zuvor als Models oder Darstellerinnen in Werbefilmen gearbeitet haben. Trotzdem die Gruppe mit ihren Songs recht gute Erfolge erzielte und mehrfach ausgezeichnet wurde, stand und steht sie eher im Abseits des K-Pop-Trubels. Hinzu kommt, dass die Produktionsfirma kürzlich Konkurs angemeldet hat und damit die Zukunft der acht Sängerinnen in den Sternen steht.

Als würden die Sorgen der Firma sich in ihrem neuesten Song widerspiegeln, trägt dieser den Titel „Sleeples Night“. Natürlich geht es darin nicht um die Probleme der Produktionsfirma, sondern um den Nachhall einer einstigen (lesbischen) Liebe, dennoch ist der Titel bezeichnend für die derzeitige Lage.

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Immer mit ein wenig Ironie werden eindeutige Symbole in den Clips präsentiert. Hier z.B. in „Glue“.

Ihr Debut hatten Nine Muses mit dem Song „No Playboy“, zu dem ein hervorragender Clip gedreht wurde, der ohne weiteres zu den besten Musikvideos in Sachen K-Pop gezählt werden kann. Ihre früheren Berufe als Models kommen hierbei voll zur Geltung, sind die Dance Shots doch in Form von Modeshows umgesetzt. Doch statt Glitzer, gibt es kühle, düstere, bis ins Schwarz hineinreichende Farben. Das Video und die Musik erinnern entfernt an die 80er Jahre.

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Schluss des Videos „Wild“, das in Südkorea ein strenges Jugendverbot erhielt.

Diesen Bezug verfolgten Nine Muses in den nachfolgenden Clips („Figaro“ und „News“ bis hin zu „Glue“) weiter. Stets kühl und zugleich dezent erotisch, bis die Erotikwelle auch von der Produktionsfirma aufgenommen wurde. Die Folge war das Musikvideo „Wild“, welches in Südkorea nur für Erwachsene zugelassen wurde und somit zur Hauptsendezeit nicht gesendet werden durfte. So extrem war das Video zwar nicht, dennoch wurde die hohe Altersfreigabe beibehalten. Auch musikalisch veränderte sich dabei die Gruppe. Von den 80er Jahre- und Soul-Klängen blieb nichts mehr übrig, Musik aus dem Computer verdrängten die echten Instrumente.

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Irgendwie zurück zu den Anfängen. Wieder bestimmten düstere Farben das neueste Video „Sleepless Night“.

Dieser Trend setzte sich (leider) fort. Als Tiefpunkte können die beiden Clips „Drama“ und „Heart Locker“ betrachtet werden. Nicht nur die Musik ist konzept- und einfallslos, sondern auch die Musikvideos an sich. Fast scheint es, als hätte die Firma schon Anfang 2015 finanzielle Schwierigkeiten gehabt und versucht, mindestens irgendetwas auf den Markt zu werfen. Schließlich aber schaffte die Gruppe dann doch wieder die Kehrtwende. Zurück zu Ansätzen aus den 80ern und ein komplexes Video, in dem es (man höre und staune) so gut wie keinen Dance Shot gibt. Der Clip „Sleeples Night“ ist fast zu 99 Prozent bestimmt von narrativen Elementen, die eine zu ende gegangene lesbische Liebesbeziehung schildern. Unserer Meinung nach dürfte der Clip in Südkorea bald der Zensur zum Opfer fallen, gibt es doch einen kurzen narrativen Strang, in dem eine der beiden Protagonistinnen versucht, sich umzubringen. Koreas FSK-Äquivalent ist hierbei äußerst zimperlich, sogar Videos, in denen Autofahrer ohne Gurt im Auto sitzen, werden aus dem Fernsehprogramm verbannt.

Im schlimmsten Fall, d. h. wenn Nine Muses nicht von einer anderen Produktionsfirma übernommen wird, dürfte dies die Sängerinnern nicht mehr jucken, da ihre Karrieren zwangsweise ein Ende finden werden. Es bleibt also weiterhin spannend.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Zeitgleich zum Release ihres ersten Albums, veröffentlichte die Girl Group Red Velvet den Titelsong „Dumb Dumb“. Über Red Velvet haben wir bereits einen eigenen Artikel verfasst, inzwischen aber hat sich die Gruppe innerhalb des K-Pop etabliert, obwohl sie durch ihre skurrilen Songs und ihre Videoclips eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright SM Entertainment)

Bereits mit ihrem ersten Clip „Happiness“ erregten sie in Japan Empörung, da in einer der Bildmontagen der Atompilz von Hiroshima zu sehen war. Das Video musste umgeschnitten werden und liegt seitdem nur in der zensierten Version vor. Es folgte das elegante, nur aus Danceshots bestehende Video zu „Be Natural“ und das eher schwächelnde Video zu „Automatic“, das in denselben Kulissen gedreht wurde. Mit „Ice Cream Cake“ brachen sie ihre Soul-Phase ab und kehrten zu ihren skurrilen Anfängen zurück.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Mit dem Clip zu „Dumb Dumb“ erreichten sie nun einen neuen Höhepunkt, neben dem so ziemlich alle anderen Clips langweilig wirken. In der Tat ist K-Pop längst nicht mehr das, was es mal war. Hin und wieder wachen die Produzenten auf und entwickeln interessante Konzepte, im Großen und Ganzen aber zeigt sich eine Ideenlosigkeit. Die Gruppe Red Velvet kommt hier gerade richtig, denn ihre Videoclips überschreiten die Grenze zwischen Kommerz und Kunst.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

„Dumb Dumb“ beginnt recht harmlos. Auffällig sind zugleich die hellen, reinen Farben. Als Zuschauer ist man zunächst enttäuscht, doch schon wenige Sekunden später erfolgt der Paukenschlag. Der Clip wandelt sich schalgartig von Durchschnitt zu Aberwitz. Bewegungsstudien, Spiegelungen und Videoeffekte, die an die 80er Jahre erinnern, werden überdreht dargestellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Das Video beginnt banal, wird dann aber zu einem bizarren Rausch fast schon unheimlicher Ideen, die beinahe an Wahnsinn grenzen. Doppelgängerinnen stehen emotionslos um eine Holzkiste und schlagen mit einem Hammer darauf, menschliche Puppen werden am Fließband gefertigt und erinnern dabei an Werbeplakate aus den 50er Jahren. Die oben genannten Bewegungsstudien zitieren die Anfänge des Films und verdrehen diese zugleich ins Obskure. „Dumb Dumb“ wird damit zu einer visuellen Achterbahnfahrt zwischen Kafkaeskem und Postmoderne, die ihresgleichen sucht.

Einmal mehr beweist die Girl Group, dass man mit ihr rechnen muss. Die Produktionsfirma SM Entertainment, die sonst eher für üblichen K-Pop a la Girl’s Generation bekannt ist, zeigt, dass es auch anders geht. Das macht Red Velvet und ihre Videoclips zurzeit einzigartig im K-Pop.

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