Archive for März 2018

Der japanische Autor Keigo Higashino ist bekannt durch seine überaus raffinierten Kriminalromane. In Deutschland wurde er durch „Verdächtige Geliebte“ bekannt, der 2012 in Südkorea unter dem Titel „Perfect Number“ verfilmt wurde. Mit „Unter der Mitternachtssonne“ erschien nun im Tropen Verlag ein weiterer Roman Higashinos aus dem Jahr 1999.

Es geht um einen Mordfall aus dem Jahr 1973. Ein Pfandleiher wird erstochen in einem leeren Gebäude von zwei Kindern entdeckt. Doch so sehr die Polizei auch ermittelt, der Täter wird nicht gefunden. Der Fall lässt Kommissar Junzo Sasagaki jedoch nicht mehr los. 20 Jahre lang versucht er, das Geheimnis um den Mord zu lösen.

„Unter der Mitternachtssonne“ steht in Sachen Spannung den übrigen Romanen von Higashino in nichts nach. Im Gegenteil, sein früher Thriller ist sogar noch dichter und packender. Der Roman konzentriert sich nicht auf die eigentliche Ermittlungstätigkeit, sondern verfolgt die Lebenswege verschiedener Menschen, die alle irgendwie etwas mit dem Mordfall zu tun haben.

Im Zentrum der Geschehnisse stehen dabei zwei Figuren: Ryo Kirihara, der Sohn des ermordeten Pfandleihers, und Yukiho Nishimoto, deren Mutter ebenfalls unter rätselhaften Umständen gestorben ist. Während Ryo eine kriminelle Karriere hinlegt, entwickelt sich Yukiho zu einer erfolgreichen Unternehmerin. Doch beide umgibt stets eine Aura des Bedrohlichen und Unheimlichen.

Mehr soll hier nicht verraten werden, nur so viel: wie in jedem seiner Romane überrascht Higashino den Leser mit einem unerwarteten Ende. Bis dahin ist jede der mehr als 700 Seiten vollgepackt mit Nervenkitzel. Die Zwischenfälle, die sich im Laufe des voluminösen Romans ereignen, sind dermaßen ausgeklügelt und haben es so sehr in sich, dass dem Leser an manchen Stellen regelrecht die Sprache wegbleibt, wenn man bedenkt, wie jemand ticken muss, der solche Taten begeht.

„Unter der Mitternachtssonne“ ist ein erstklassiger Thriller, dessen Handlung den Leser packt und nicht mehr los lässt. Es kommt zu keinen Durchhängern, jede Szene erfüllt ihren eigenen Zweck. Und wenn es schließlich zum Finale kommt, ist es geradezu schwer, die Spannung auszuhalten. Genau so muss ein guter Thriller funktionieren.

Interessant ist, dass Higashino, trotz der Handlung, die sich über 20 Jahre erstreckt, nur selten mit konkreten Jahreszahlen arbeitet. Die Zeitpunkte ergeben sich durch die Beschreibungen der jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, den Hinweisen auf Ereignisse in der Popkultur oder der technischen Innovationen. – Kurz „Unter der Mitternachtssonne“ kann man schon jetzt ohne weiteres als Thriller-Highlight des Jahres bezeichnen.

Keigo Higashino. Unter der Mitternachtssonne. Tropen Verlag 2018 (Übersetzung aus dem Japanischen: Ursula Gräfe), 720 Seiten, 25,00 Euro, ISBN: 978-3-608-50348-7

 

 

 

 

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„Bleak House“; Illustration der Erstausgabe von Phiz

Viele Kritiker halten „Bleak House“ (erschienen 1853) für Dickens‘ besten Roman. Und in der Tat ist die Geschichte um einen seit Jahren andauernden Gerichtsprozess überaus spannend und trotz seines enormen Umfangs von ca. 1150 Seiten (Ausgabe Fischer Verlag) extrem dicht. Seit langem wollte ich den Roman lesen und genauso lange habe ich es immer vor mich hergeschoben. Schließlich aber gab es kein Zurück mehr, denn wenn man „Bleak House“ zu lesen beginnt, so lässt einen dieser Roman einfach nicht mehr los.

So erging es jedenfalls mir. Ich war selbst überrascht, wie schnell ich den Roman zu ende gelesen hatte. Aus heutiger Sicht kann man „Bleak House“  durchaus als eine Art Pageturner bezeichnen. Schon von Anfang an herrscht diese düstere und geheimnisvolle Atmosphäre, die einen gleich auf der ersten Seite packt und in die Geschichte hineinzieht.

Charles Dickens (1812 – 1870)

Man spürt den Schlamm der Straßen regelrecht unter den eigenen Füßen und man ist nahe daran, einen Hustenanfall zu bekommen, wenn Dickens die schlechte Londoner Luft beschreibt. Hinzu kommt der „Londoner Echter“, der dichte Nebel, der alles und jeden einhüllt und damit ein zusätzliches Symbol für das Geheimnis wird, indem es nicht allein um den Rechtsstreit geht, sondern ebenso um die rätselhafte Geschichte von Esther Summerson, die von der strengen Miss Barbary erzogen wird, da Esthers Eltern angeblich tot sind.

Esther hat jedoch einen Gönner, einen älteren Mann, der sich schließlich als John Jarndyce entpuppt, der Besitzer von Bleak House, wo Esther als Haushälterin arbeitet. Ebenfalls wohnen dort Richard und Ada, die heiraten wollen, aber kein Geld haben. Jarndyce betont immer wieder, das dieser Gerichtsprozess „Jarndyce contra Jarndyce“ jeden, der sich damit beschäftigt, ins Verderben zieht. Und in der Tat, als es Richard sich zur Aufgabe macht, hinter das Geheimnis des Prozesses zu kommen, verliert er zunehmend seinen psychischen Halt.

Wie in jedem seiner Romane, so ist auch „Bleak House“ vollgepackt mit skurrilen, tragischen und zwielichtigen Figuren. Alle sind auf irgendeine Art und Weise mit dem Prozess verbunden. Da ist z.B. die alte Miss Flite, die täglich das Gericht aufsucht und lauter Vogelkäfige besitzt, die sie erst öffnen möchte, um die darin eingesperrten Vögel freizulassen, wenn der Prozess ein Ende findet. Oder der exzentrische und weltfremde Harold Skimpole, der mit Geld nicht umzugehen weiß und praktisch mit einem Bein auf der Straße lebt. Dann natürlich der zwielichtige Anwalt Mr. Vholes, dessen Bösartigkeit man eigentlich nur erahnen kann. Nicht zu vergessen die schöne und zugleich sinnliche Lady Dedlock, die erpresst wird.

Obwohl der Gerichtsprozess im Mittelpunkt steht, so ist „Bleak House“ kein Gerichtsdrama. Vielmehr ist es eine Mischung aus Gesellschaftsroman, Satire und Kriminalroman. Denn als ein Mord geschieht, ruft dies Inspector Bucket auf den Plan, der mit allen Mitteln versucht, den Fall zu lösen. Ist der Roman schon von Anfang an extrem spannend und beherrscht von einer unglaublichen Lebendigkeit, so steigert sich die Spannung ab etwa der Mitte von „Bleak House“, als Bucket beginnt, sich an die Lösung des verzwickten Falls heranzumachen.

Der verfallene Stadtteil „Toms Einöd“ (Tom All Alones), in dem die Ärmsten der Armen wohnen; Illustration der Erstausgabe von Phiz

Die Lektür von „Bleak House“ hat sich mehr als nur gelohnt. Es ist nicht nur ein kolossaler Roman, sondern zugleich ein kolossal guter Roman. Bisher existiert leider nur die Übersetzung von Gustav Meyrink. Seitdem hat sich anscheinend keiner an eine Neuübersetzung herangewagt. Denn was bei Meyrink etwas stört, ist der Einsatz von bayerischem Dialekt, wenn im Original der Londoner Straßen-Slang verwendet wird.

Eine Katastrophe in Sachen Lektorat liefert die Ausgabe im Fischer Verlag. Dort geben sich Zeichen- und Schreibfehler die Klinke in die Hand, manchmal gelingt es sogar, statt eines Wortes sinnlos aneinandergereihte Buchstaben abzuliefern. Und das in der 2. Auflage! Das ist nicht nur peinlich, sondern gegenüber den Lesern eine absolute Frechheit.

Doch unabhängig davon ist „Bleak House“ eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe. 2005 wurde der Roman von der BBC als TV-Serie verfilmt, mit Gillian Anderson als Lady Dedlock. Die Serie erhielt durch die Bank weg positive Kritiken und gilt als eine der genauesten Umsetzungen eines Dickens-Romans.

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„Atomic Blonde“ hat ein Problem: Der Film möchte sich als Agententhriller verstehen, scheitert in dieser Hinsicht jedoch auf ganzer Linie. Regie führte Stuntman und Regisseur David Leitch, der gleich mit seinem Debut „John Wick“ einen enormen Erfolg für sich verbuchen durfte. So ist es dann auch kein Wunder, dass die Produzenten oder besser die Produzentin ihm gleich die Regie für die Comic-Adaption „Atomic Blonde“ anvertraute.

Immerhin geht es auch in dieser Story knallhart und ohne Kompromisse zu. Statt Keanu Reeves ballert Charlize Theron durch die Gegend, und weil man das Jahr 1989 und das Ende des Kalten Krieges feiert, müssen nochmals die Russen dran glauben. Das alles wäre ja ganz schön, wenn der Film eben nicht nur als Adaption, sondern auch als Agentenfilm funktionieren würde. Tut er aber nicht.

MI6-Agentin Lorraine Broughton kommt nach Berlin, um nach einer Liste zu suchen, auf der die Namen diverser westlicher Agenten verzeichnet sind. Zugleich ist sie auf der Suche nach dem Doppelagenten Satchel, der diese Liste auswendig kann, um ihn nach England zu bringen. Doch schon sind ihr die Russen auf den Fersen, die diese Liste ebenfalls in die Hände bekommen möchten.

Das alles klingt recht spannend und nach schönen klassischen Agentenspielchen, doch David Leitch gelingt es tatsächlich, eben diese Handlung uninteressant und oberflächlich abzuarbeiten. Dass im Kalten Krieg zwei Ideologien aufeinaderprallten, davon ist keine Rede. Hier geht es nur um die bösen Russen und die guten Engländer, die sich gegenseitig eins auf die Ömme geben. Mehr aber kommt bei „Atomic Blonde“ nicht heraus.

Das ist wirklich schade. Denn der Film hätte durchaus das Potenzial dazu gehabt, das Genre des klassischen Agententhrillers neu zu beleben, so wie dies bereits 2013 der koreanische Film „Berlin File“ getan hat. Und anfangs versucht er dies ja auch, indem er kurz „Der Spion, der aus der Kälte kam“ und „Der dritte Mann“ zitiert. Aber danach verließen Leitch die guten Geister und den Rest des Films kann man getrost in der Pfeife rauchen.

Selbst im Hinblick auf die Popkultur stellt sich die Frage, weswegen „Atomic Blonde“, dessen Handlung Ende der 80er Jahre spielt, Songs der Neuen Deutschen Welle zitiert, die es damals schon seit knapp fünf Jahren nicht mehr gab. Auch die übrigen Songs sind natürlich Hits der 80er, aber spiegeln eben nicht das Ende der 80er Jahre wider.

Auf diese Weise zieht sich der Film 115 Minuten lang hin, die einem beinahe wie gefühlte drei langatmige Stunden vorkommen. Anscheinend hatte man deswegen noch auf Toby Jones und John Goodman für die Randfiguren zurückgegeriffen, um dem Film doch noch so etwas wie Stil zu verleihen. Aber selbst die beiden schaffen es nicht, den Film zu retten.

Atomic Blonde. Regie: David Leitch, Drehbuch: John Johnstad, Produktion: Charlize Theron, Darsteller: Charlize Theron, James McAvoy, Toby Jones, John Goodman, Sofia Boutella, Eddie Marsan. USA 2017, 115 Min.

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Cover der Neuübersetzung im Manesse Verlag

Ein Thema, das sich durch beinahe alle Romane von Henry James (1843 – 1916) zieht, ist das Aufeinandertreffen der US-amerikanischen Kultur auf die europäische. So auch in seinem kleinen, aber feinen Meisterstück „Die Europäer“, in dem es um Baronin Eugenia von Münster (geborene Young) und ihren Bruder Felix geht, die in den USA entfernte Verwandte besuchen wollen, um durch sie wieder zu Geld zu kommen.

Denn Eugenia musste ihren adeligen Mann verlassen, da dessen Familie von Anfang an gegen die Heirat mit einer Bürgerlichen war, und Felix, ein erfolgloser Maler, der in den Tag hinein lebt, leidet nicht weniger unter Geldmangel. Auf diese Weise begegnen sie schließlich den Wentworths, die in einer großen Villa in der Nähe von Boston leben, und bringen deren Alltag gehörig durcheinander.

„Die Europäer“ ist ein leichter, geradezu schwungvoller Roman über die Unterschiede zwischen der amerikanischen und der europäischen Kultur, die sich im Verhalten der jeweiligen Protagonisten zeigt und für allerhand Verwirrungen und witzige Zwischenfälle sorgt. Dies fängt schon damit an, dass die Wentworths Puritaner sind, die mit dem Vergnügen nichts anfangen können, im Gegensatz zu Eugenia und Felix, die beide das Leben in vollen Zügen genießen und stets versuchen, das Beste daraus zu machen.

Henry James

So vor allem Felix, dessen Name Programm ist. Denn er ist immer und überall glücklich, was natürlich auf die beiden Töchter Charlotte und Gertrude eine anziehende Wirkung hat. Das Problem ist nur, Getrude ist dem Pfarrer Mr. Brand versprochen, doch diese möchte von ihrem Zukünftigen plötzlich nichts mehr wissen und setzt alles daran, ihn mit ihrer Schwester zu verkuppeln.

Aber auch Eugenia zieht durch ihr sinnliches und selbstsicheres Verhalten die Aufmerksamkeit der Männer auf sich. Nebenbei soll sie ausgerechnet dem recht schüchternen Bruder von Charlotte und Gertrude dazu verhelfen, sein Leben wieder in geordnete Bahnen zu bringen. Und dann ist da auch noch Mr. Acton, der sich in Eugenia verliebt und dabei ins Selbstzweifel gerät.

Henry James‘ herrliche Beziehungskomödie ist ein Roman, den man ohne weiteres immer wieder lesen kann. Der Witz geht dabei nie verloren, denn die Verwicklungen und die wunderbare Komik, die sich durch die völlig unterschiedlichen Weltsichten und Verhaltensregeln ergeben, ist immer wieder aufs Neue unterhaltsam. Nicht weniger faszinierend sind die lebendigen Charaktere, die den Roman mit ihren Eigentümlichkeiten beherrschen und schon allein dadurch für allerhand Situationskomik sorgen.

1979 wurde der Roman von James Ivory unter demselben Titel verfilmt – mit Lee Remick als Eugenia. Die Adaption wurde damals sehr gelobt und auch mehrfach für diverse Preise nominiert. Es ist wirklich verwunderlich, dass in unserer Zeit der Remakeitis bisher kein Regisseur sich an eine Neuadaption herangewagt hat. Denn im Grunde genommen müsste man den Roman nur in eine Filmrolle stecken, das Drehbuch liefert der Roman quasi von selbst.

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Die Band Scandal vor ihrem Auftritt „Storytellers“ in Osaka; © Epic Records

Seit ein paar Tagen gehen im Internet Gerüchte um, dass die japanische Girl-Rock-Band Scandal bald eine Bassistin weniger haben wird. Denn angeblich möchte sich Tomomi Ogawa von der Band trennen. Diese Behauptung basiert auf verschiedenen TV- und Web-Auftritten der Band, in denen Tomomi stets wirkt, als sei sie mit den Gedanken woanders. Auch erscheint ihr Mitwirken an eben jenen Interviews eher halbherzig, ja geradezu lustlos.

Seitens der Plattenfirma oder der Band selbst gibt es allerdings keine Kommentare dazu. Beide reagierten nicht einmal dann, als ein Fan eine Anmerkung über diese Gerüchte auf der Facebook-Seite der Band hinterließ.

Was uns selbst aufgefallen ist, hängt damit zusammen, dass die Bassistin seit ihrem „Heimspiel“ bei dem Storytellers-Konzert in Osaka (der Heimatstadt der Bandmitglieder) Ende Oktober 2017 eher zurückhaltend und irgendwie distanziert wirkt. Dieses Verhalten steigerte sich von da an von Auftritt zu Auftritt.

Unserer Meinung nach aber liegt hier mal wieder ein Konzept der Marketingabteilung zugrunde. Nachdem man mit dem Kuss zwischen Tomomi und Mami in dem Video „A Universe of Love“ Gerüchte darüber ausgelöst hat, ob beide ein Paar seien, und die Band damit werbetechnisch mitten ins Rampenlicht buchsiert hatte, versucht man es nun mit einer anderen Form. Und dabei sind Trennungsgerüchte immer hilfreich.

Denn erst im Februar erschien die neue CD „Honey“ auf dem Markt und in den kommenden Monaten ist eine Tour durch Asien geplant. Auch wenn Scandal eine der erfolgreichsten Rockbands Japans ist, so ist die Konkurrenz dennoch enorm. Also müssen sich die Marketingleute immer wieder neue Tricks überlegen, damit die Band im Gespräch bleibt. Hierbei muss man den Strategen wirklich gratulieren, denn die Idee einer subtilen Art der Körpersprache ging an den Fans nicht spurlos vorbei, sondern zeigte Wirkung. Kurz: keine Trennung, sondern alles nur Show.

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Man glaubt es kaum, aber es ist bereits 20 Jahre her, seitdem die Filmwelt komplett auf den Kopf gestellt wurde. Denn 1998 gilt als offizieller Startschuss für die Korean Hallyu, die koreanische Welle, welche die Popkultur durcheinanderwirbeln sollte.

Eigentlich begann alles bereits in der ersten Hälfte der 90er Jahre, als die Filmproduktion, die bis dahin in staatlicher Hand gewesen war, privatisiert wurde. Als Resultat erschienen die sogenannten Big Three auf der Bildfläche: Cinema Service, Showbox und Lotte Entertainment, die von da an den Filmmarkt in Südkorea bestimmen sollten. Ziel war es, Hollywood durch hochgradige Eigenproduktionen den Kampf anzusagen.

Der Plan ging auf. Schon die erste Produktion des neuen koreanischen Kinos, der Horrorfilm „Whispering Corridors“ (1998), sorgte für volle Kassen. Dies vor allem aufgrund des Skandals, den er ausgelöst hatte. Schülerinnen, die von Lehrern misshandelt werden? Die Lehrervereinigung in Südkorea sah sich verunglimpft und wollte den Film verbieten lassen. Doch beruhte „Whispering Corridors“ teilweise auf Tatsachen, und der Film trug dazu bei, dass die Zustände an den dortigen Schulen genauer unter die Lupe genommen wurden.

Von da an ging es quasi Schlag auf Schlag. So ziemlich jeder Film wurde ein Erfolg, auch dann, wenn er schlecht gemacht war. Mit eigenen Actionfilmen, Thrillern und Horrorfilmen verdrängte man in den einheimischen Kinos die Produktionen aus Hollywood an den Rand. Der Agententhriller „Shiri“ spielte mehr Geld ein als Camerons „Titanic“.

Originalposter zu „Il Mare“

Viele der Filme gelten heute als Klassiker des neuen koreanischen Kinos. So z.B. die Horrorfilme „Memento Mori“, „A Tale of two Sisters“ oder „Into the Mirror“. Ebenso das SF-Liebesdrama „Il Mare“ sowie die Comic-Adaption „Oldboy“.

International trat der neue koreanische Film zum ersten Mal im Jahr 2001 auf der Berlinale mit dem Soldatendrama „JSA“ auf. Bis dahin hatten Kritiker Filme aus Korea kaum registriert. Doch „JSA“ rief großes Erstaunen hervor, und von da an gab es auch international kein Halten mehr. Bisherige Höhepunkte in dieser Hinsicht waren der Zombiefilm „Train to Busan“ und der SF-Film „Snowpiercer“.

Parallel dazu lösten koreanische TV-Serien, die sog. Dramas, einen internationalen Hype aus. Die Serien, die anfangs vor allem kitschige Liebesgeschichten in 12 Folgen darboten, wurden nach und nach ebenfalls vielfältiger. Das 12 Folgen-Schema wurden zwar beibehalten, doch nun gesellten sich zu den Liebesgeschichten auch überaus aufwändige Historiendramen sowie Agententhriller und sogar Horrorserien hinzu.

Wonder Girls; © JYP

Während der Erfolgswelle in den Kinosälen und auf den Bildschirmen kam es auch zu radikalen Veränderungen in der Popmusik. Spätestens seit „Gangnam Style“ des Sängers Psy wissen auch Leute, die mit Asien nichts am Hut haben, dass es so etwas wie K-Pop gibt. Dieser Stil überrante innerhalb kürzester Zeit die internationale Popkultur. Schräge und überaus farbenfrohe Videoclips, die von den Produktionsfirmen und natürlich auch von den Fans auf Youtube hochgeladen wurden, forcierten diese Welle. Allen voran die ersten und zugleich erfolgreichsten Girl Bands „Girls Generation“ und „Wonder Girls“, die als erste koreanische Girl Group durch die USA tourte.

Coffee Prince, eines der erfolgreichsten koreanischen Dramas

Der enorme Erfolg führte dazu, dass US-amerikanische Musikproduzenten nach Südkorea reisten, um bei den dortigen Kollegen „in die Lehre“ zu gehen. Inzwischen aber dümpelt K-Pop eher vor sich hin. Waren Witz und Originalität die Kernpunkte von K-Pop, so versuchte man sich nach wenigen Jahren in einer Sexualisierung der diversen Gruppen, in der Hoffnung, noch mehr Erfolg zu haben.

Doch ging der Schuss in Sachen Kreativität nach hinten los. Denn das Ergebnis war bzw. ist, dass eben jene Originalität und jener Witz fast vollkommen verloren gingen. Im Gegensatz dazu werden koreanische Filme immer aufwändiger produziert, egal, ob es sich um Dramen, Horrorfilme oder Actionfilme handelt. Man darf also gespannt sein, was die nächsten 20 Jahre bringen werden.

 

 

 

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Nun erschien auch schon Band 9 der eBook-Serie „Prähuman“ mit dem Titel „Tödliche Schatten“. Und auch in diesem Band kommen die Freunde des Skurrilen, bizarrer Ideen, jeder Menge Spannung und Humor voll auf ihre Kosten.

In Band 9 geht es um Gray House, das sich auf einer Felseninsel vor San Francisco befindet. Merkwürdige Gerüchte ranken sich um das alte Gebäude und dessen früheren Besitzer, einem Exzentriker, der vor Jahren spurlos verschwunden ist. Angeblich soll in dem Haus ein wertvoller Schatz versteckt sein. Andere Leute behaupten, dass es in der Villa spukt. Erst kürzlich hat sich darin ein rätselhafter Todesfall ereignet. Als Frederic Tubb, Maki Asakawa und Hans Schmeißer Gray House besuchen, um dem Historiker und Archäologen Mark Ranger bei seinen Forschungen zu unterstützen, scheinen sich die Gerüchte auf unheimliche Weise zu bewahrheiten. Denn schon bald befinden sie sich in Lebensgefahr …

Band 9 ist nicht weniger spannend und witzig als seine Vorgänger. Die Story schreitet schnell voran und lässt eigentlich kaum eine ruhige Minute aufkommen. Ständig geschieht etwas, wobei der Verlauf, den die Handlung nimmt, wirklich interessant ist. Wie bei „Prähuman“ üblich, so ist „Tödliche Schatten“ eine Mischung aus Fantasy, SF, Abenteuer und Horror, wobei die Grenzen klarerweise verschwimmen. So lebt auch Band 9 von seinen lebendigen Charakteren und jenen oben bereits erwähnten bizarren Ideen. Leute ohne Sinn für Humor und Selbstironie werden sich wie immer ärgern, alle anderen werden mit „Tödliche Schatten“ einen köstlichen Spaß haben. Kurz: wie auch die Vorgängerbände bietet Band 9 spannende und äußerst kurzweilige Unterhaltung.

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