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Archive for the ‘Buchrezension’ Category

Der Roman „Party bei den Jacks“ ist für Thomas Wolfe (1900 – 1938) durchaus außergewöhnlich. Hier fehlt die epische Breite, wie etwa in „Schau heimwärts, Engel“, stattdessen konzentriert sich Wolfe ganz auf den Ablauf eines einzigen Tages.

Das Ehepaar Esther und Frederick Jack (der Mann ist Banker, die Frau Bühnenbildnerin) möchten am Abend in ihrer großen Wohnung eine Party geben. Eingeladen sind alle Namen der High Society. Die Party nimmt jedoch von Mal zu Mal groteskere Züge an. Als sich alle wieder verabschieden wollen, bricht im Hochhaus, in dem die Jacks wohnen, plötzlich ein Feuer aus …

Der Roman basiert, wie üblich bei Wolfe, auf einer tatsächlichen Begebenheit. Damals besuchte Wolfe die Party seiner Geliebten, der um 18 Jahre älteren Bühnenbildnerin Aline Bernstein, die mit einem Banker verheiratet gewesen ist. Und tatsächlich brach gegen Ende der Party in dem Hochhaus ein Feuer aus.

Aline Bernstein, die im Roman als Esther Jack vorkommt; Copyright: Yale University

Wie Kurt Darsow in dem Nachwort der im BTB-Verlag erschienenen Übersetzung erwähnt, verfasste Wolfe die erste Fassung des Romans in Form einer Erinnerung an diese Geschehnisse. Sämtliche Namen der Figuren entsprachen denjenigen der tatsächlichen Gäste. Erst im Laufe der Überarbeitung kam es zu einer „literarischen Distanz“, was dazu führte, dass Wolfe sich in folgenden Versionen auf bestimmte Themen konzentrierte, wodurch es ihm gelang, seinen Roman als eine Art Abbild der damaligen Epoche zu gestalten.

Im Zentrum steht dabei ein durchaus satirischer Blick auf das Leben der Partygäste, die ein Sammelsurium aus Wichtigtuern, Künstlern und reichen Geschäftsleuten darstellt. Höhepunkt der Party ist dabei der skurrile Auftritt des Puppenspielers Piggy Logan, der auf dem Boden mit einfachen aus Draht gefertigten Figuren eine Aufführung darbietet, die allerhöchstens Kleindkinder fasziniert.

Thomas Wolfe, der sich im Roman als „Der Gebliebte“ bezeichnet

Minutiös beschreibt Wolfe das Verhalten der Gäste, gibt ihre Dialoge wieder (Darsow meint, dass es sich teilweise um die tatsächlichen Gespräche der damaligen Partygäste handeln könnte) und zeigt dabei zugleich, dass es sich bei allem um eine bloße Fassade handelt, die in kürze durch die Weltwirtschaftskrise zusammenbrechen würde.

Auch für sich selbst findet Wolfe in dem Roman einen Platz, indem er sich als der Gebliebte durch die Party schlängelt und dabei die unterschiedlichen Situationen in Form von Momentaufnahmen in sich aufnimmt. Mit Esther Jack ist natürlich Wolfes tatsächliche Geliebte Aline Bernstein gemeint.

Thomas Wolfe schrieb an dem Roman insgesamt sieben Jahre. Aufgrund seines frühen Todes wurde „Die Party bei den Jacks“ jedoch nie veröffentlicht, Erst 1995 wurde das Manuskript bei der Durchsicht seiner literarischen Hinterlassenschaft entdeckt. Wiederum verzaubert einen die wunderbare Sprache Wolfes, die den Leser direkt an der Party teilnehmen lässt. Ein faszinierendes und zugleich prägendes Leseerlebnis.

 

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1951 erschien mit „Puppet Masters“ einer der bekanntesten und zugleich einflussreichsten SF-Romane von Robert A. Heinlein. Die Geschichte um eine außerirdische Invasion, bei der Menschen zu Sklaven der fremden Wesen werden, wurde nicht nur mehrfach verfilmt, sondern auch in den unterschiedlichsten Variationen literarisch als auch visuell umgesetzt.

Heinlein schildert die Ereignisse aus der Sicht des Agenten Sam, der zusammen mit Mary und seinem Vorgesetzten versucht, der Invasion Herr zu werden. Doch ist dies alles andere als einfach. Die Invasion geht von schneckenartigen Wesen aus, die sich zwischen den Schultern festsetzen und auf diese Weise ihre Wirte steuern. Ein zusätzliches Problem ist, dass sich diese Wesen nicht nur schnell teilen, sondern weitere Ufos landen …

Im Gegensatz zu Jack Finneys Roman „Invasion der Körperfresser“ aus dem Jahr 1955, in dem die heimtückische Invasion eher den Charakter eines Paranoia-Thrillers annimmt, wirkt Heinleins Invasions-Roman insgesamt wie eine Satire. Dabei nimmt er so ziemlich alles aufs Korn, was es nur gibt. Ob es sich um Wissenschaftler handelt, um Politiker oder um die Medienmacher, alle bekommen in „Puppet Masters“ ihr Fett weg.

Immer wieder liefert Heinlein dabei Seitenhiebe auf die damalige Sowjetunion, indem sich Sam an einer Stelle zum Beispiel fragt, ob eine Invasion, in der alle gleich geschaltet werden, dort überhaupt wahrgenommen werden würde. Auf diese Weise halten sich Witz und Spannung die Waage, wobei die erste Hälfte des Romans eindeutig besser ist als die zweite.

Denn ab der Mitte beginnt sich die Geschichte ein wenig zu ziehen. Etwas zu breit getreten hierbei ist vor allem der Aufenthalt von Sam und Mary in einer Berghütte, nachdem beide geheiratet haben. Wesentlich negativer aber wirkt sich der Wandel von Sam aus. Dieser wird gegen Ende ziemlich spießig, was den satirischen Humor gar nicht gut tut. Insgesamt aber ist „Puppet Masters“, der in der nun überarbeiteten Übersetzung den Titel „Die Invasion“ trägt, sehr unterhaltsam.

 

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Normalerweise lässt sich darüber streiten, inwieweit es sinnvoll ist, Klassiker neu zu übersetzen, besonders dann, wenn es bereits diverse Übersetzungen gibt, von denen behauptet wird, dass sie die besten und genauesten seien. Besonders gilt dies für die jetzige Zeit, in der es Neuübersetzungen nur so hagelt.  – Doch gibt es hier auch Ausnahmen.

Eine geradezu originelle Veröffentlichung ist kürzlich bei DTV erschienen. Man könnte fast sagen, dass hier jemand eine wirklich schöne Idee hatte. Der Autor, der neu übersetzt wurde, ist der Großmeister der Gänsehaut Edgar Allan Poe.

Es handelt sich dabei jedoch nicht um einfach irgendeine neue Sammlung seiner Erzählungen, sondern um eine ganz spezielle Veröffentlichung, nämlich um die Zusammenstellung, die Poe-Fan Charles Baudelaire 1856 veröffentlichte. Baudelaire war von dem amerikanischen Schriftsteller mehr als nur begeistert. In seinem Nachwort gibt er zu, dass er sich von Eddie, wie Baudelaire ihn liebevoll nannte, ganz falsche Vorstellungen machte. Er glaubte, dass ein solches Genie von seinen Veröffentlichungen leben könne und daher reich und angesehen sei. Wie erstaunt war er dann, als er erfuhr, dass Poe zeit seines Lebens an Geldmangel litt.

Edgar Allan Poe (1809-1849)

Um Edgar Allan Poe in Frankreich und letztendlich auch in Europa bekannt zu machen, beschloss Baudelaire, eine fünfbändige Sammlung von Poes Erzählungen herauszugeben. Der erste Band dieser Sammlung ist nun bei DTV unter dem Titel „Unheimliche Geschichten“ erschienen. Im Original lautet der erste Band „Histoires Extraordinaires“ , also eigentlich „außergewöhnliche Geschichten“. Und in der Tat trifft der französische Titel den Inhalt des ersten Bandes besser als derjenige der deutschen Übesetzung, handelt es sich hierbei doch vor allem um eine Art Überblick über die unterschiedlichen Genres, in denen Poe tätig gewesen war.

So befinden sich darin sowohl die berühmten Kriminalgeschichten um den Privatermittler Auguste Dupin, als auch zwei von Poes genialen Satiren, aber ebenso eine Auswahl seiner unheimlichen Geschichten, wie etwa „Die Fakten im Fall M. Valdemar“. Andreas Nohl hat diese Klassiker wunderbar übersetzt. Es macht Spaß, Poe auf diese Weise neu zu entdecken.

Charles Baudelaire (1821-1867)

Der Band beinhaltet ebenfalls Schriften von Charles Baueldaire über Poe (übersetzt von Kristian Wachinger). Hierbei vor allem hervorzuheben ist der etwa dreißigseitige Überblick über Poes Leben und Werk, in dem der Dichter der „Blumen des Bösen“ nicht nur seiner Bewunderung über Poe Ausdruck verleiht, sondern viele interessante Informationen wiedergibt, wie z.B. Francis Osgoods liebevolle Erinnerung an ein Treffen mit Poe und dessen Frau.

Nicht weniger wichtig zu erwähnen, ist die wundervolle Aufmachung des Bandes. Dem DTV-Verlag ist hier ein sehr schönes Buch gelungen, das man eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch ein netter grafischer Gag ist gelungen: Auf dem Cover befindet sich die Zeichnung eines Schwans. Nimmt man den Schutzumschlag herunter, so ist auf dem Einband derselbe Schwan als Skelett abgebildet. Nein, an dieser Ausgabe gibt es nichts zu meckern. Besser hätte man Edgar Allan Poe nicht neu veröffentlichen können.

Edgar Allan Poe. Unheimliche Geschichten. Hausgegegben von Charles Baudelaire. DTV 2017, 421 Seiten, 28,00 Euro, ISBN: 978-3-423-28118-8

 

 

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Jack Kerouac (1922 – 1969) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Beat Generation. Mit seinem Roman „On the Road“ verfasste er einen seiner größten Erfolge und wurde zum gefeierten literarischen Star. Die Geschichte von Jack Duluoz und seines Freundes Cody, die quer durch die USA reisen, sich um nichts großartig kümmern, sondern im Grunde genommen eine Dauerparty feiern, schrieb Kerouac zwar bereits 1951, wurde aber erst 1957 veröffentlicht.

Der Ruhm aber fraß Kerouac regelrecht auf. Drogen und Alkohol trieben ihn in eine Krise, hinzu kam die ständige Belestigung von Fans, die sogar in sein Haus eindrangen, um mit ihm eine Party zu feiern.

Um diese Phase seines Lebens zu verarbeiten, verfasste Jack Kerouac 1961 den Roman „Big Sur“, wie „On the Road“ ein autobiographisch geprägter Roman, in dem Jack Duluoz, der inzwischen ein gefeierter Autor ist, vor seinen Fans in eine Ferienhütte flieht. Völlig abgeschieden von der Öffentlichkeit verbringt er dort drei Wochen, bevor er wieder zurück nach San Francisco kehrt.

Eigentlich hofft Jack, sich in der Einsamkeit von dem ganzen Rummel um seine Person erholen zu können. Nachdem er jedoch wieder bei seinen Freunden ist und er erneut mit dem Trinken beginnt, kommt es zum psychischen Zusammenbruch …

Jack Kerouac (1956)

Wenn man will, könnte man „Big Sur“ als die direkte Fortsetzung von „On the Road“ betrachten. Während der erste Roman allerdings von einer nicht versiegenden Lebensfreude und einem wahren Lebensrausch erfüllt ist, so schleichen sich in „Big Sur“ mehr und mehr düstere Töne ein. Wie auch „On the Road“, so verfasste Kerouac „Big Sur“ ebenfalls in einem rasenden Schreibstil, nur dass er dieses Mal sein Alter Ego Jack Duluoz in einen psychischen Abgrund reißt.

Jack kann einfach nicht mehr aufhören mit dem Trinken. Er nimmt keine Nahrung mehr auf, sondern frönt ständig nur dem Alkohol. Wenn kein Wein oder Schnaps in der Nähe ist, beginnen bei ihm sofort die Entzugserscheinungen. Jack Kerouac blickt in „Big Sur“ hinter die Fassade seines eigenen Ruhms, beschreibt beinahe minutiös seinen psychsichen Verfall. Der Roman treibt den Leser genauso mit sich wie „On the Road“, doch herrschen in der Quasi-Fortsetzung eher finstere Farben, eine unheimliche Ernücherung macht sich breit, der Figur Jack wird auf einmal klar, dass er nie an die Konsequenzen seines Dauer-Spaßes gedacht hat.

„Big Sur“ ist ein düsterer Sprachrausch. Jack Kerouacs atemloser Schreibstil lässt den Leser in geradezu rasendem Tempo durch die Geschichte gleiten, die tragisch, aber nicht ohne Witz, auf eine unaufhaltbare Katastrophe zusteuert. Es macht den Eindruck, als würde Jack mit hundertachtzig Sachen auf eine Mauer zu rasen. Ein toller Roman, der noch lange in einem nachhallt.

Jack Kerouac. Big Sur – Die Zerstörung. Festa Verlag 2017, 320 Seiten, 16,80 Euro, ISBN: 978-3-86552-504-8

 

 

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Im Jahr 2013 erschien unter dem Titel „The Collaboration“ ein Buch, das in den USA sofort hohe Wellen schlug. Eigentlich erregen Abhandlungen, die sich mit der Geschichte Hollywoods beschäftigen, so gut wie nie Aufsehen. Der Historiker Ben Urwand aber beschäftigt sich in seinem nun auf Deutsch erschienenen Sachbuch mit der dunklen Seite der US-amerikanischen Produktionsfirmen.

Deutschland war seit der Stummfilmzeit ein wichtiger Markt für Filme aus den USA. Dies änderte sich auch nicht nach der Machtergreifung Hitlers. Aber um welchen Preis. In den 30er Jahren versuchten 20th Century Fox, MGM, Warner und andere Firmen alles, damit sie weiterhin Geschäfte machen konnten.

Auf diese Weise hatte Nazi-Deutschland Hollywood regelrecht in der Hand, denn den Produzenten wurde diktiert, was sie in ihren Filmen zeigen durften und was nicht. Kamen die Studiobosse den Bestimmungen nicht nach, so drohten die Behörden mit einem Aufführungsverbot. Extra für diese Aufgabe wurde ein deutscher Diplomat namens Georg Gyssling nach Los Angeles gesandt, der die Drehbücher und die fertigen Filme überprüfen sollte. So mussten sämtliche Szenen aus Kriegsfilmen und Dramen entfernt werden, in denen die Deutschen, wenn auch nur ansatzweise, schlecht dargestellt wurden.

Später durften auch keine Filme vertrieben werden, in denen jüdische Figuren vorkamen oder an denen jüdische Regisseure, Kameramänner etc. mitgearbeitet hatten. Die Produzenten, die selbst Juden waren, fügten sich dem Verbot, um im Deutschen Reich weiterhin Filme vermarkten zu können. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, als sowieso keine US-Filme mehr in deutschen Kinos gezeigt wurden, änderte sich das Verhalten der Produzenten nach und nach, und es kam zu Filmen wie „Casablanca“, welche veranschaulichten, für welche Politik das Deutsche Reich tatsächlich stand.

Ben Urwand schildert diese Geschehnisse nicht nur extrem spannend, sondern überaus detailliert. In einem flotten Schreibstil beschreibt er, was niemand für möglich gehalten hätte,  nämlich, dass sich Hollywoods Produzenten quasi zu Lakaien des Deustchen Reiches degradierten, nur aus dem Grund, um weiter im Geschäft zu bleiben.  Dabei lesen sich manche Ereignisse so, als seien sie einer Satire entsprungen. Aber nein, das, was Urwand herausfand, ist zwar unglaublich, aber wahr. Über neun Jahre verbrachte der Historiker damit, nach Quellen zu recherchieren und diese auszuwerten. „Der Pakt“ ist ein wichtiges Buch, das die goldene Ära Hollywoods in einem völlig anderen, geradezu erschreckenden Bild zeigt. Für jeden, der sich für Filme und Filmgeschichte interessiert, ist Ben Urwands Abhandlung ein echter Gewinn.

Ben Urwand. Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hilter. Theiss Verlag 2017, 320 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3806233711

 

 

 

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historischeserienmoederivBand eins der Reihe „Historische Serienmörder“ gehört zu den erfolgreichsten Veröffentlichungen aus dem Hause Kirchschlager. Die Reihe beschäftigt sich mit unheimlichen und außergewöhnlichen Kriminalfällen, die vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert reichen.

Band IV steht in Sachen Spannung und Gänsehaut den vorangegangenen Büchern in nichts nach. Der Historiker Michael Kirchschlager entdeckte bei seinen Recherchen u. a. illustrierte Flugblätter aus dem 16. Jahrhundert, in denen von eigenartigen Mordfällen die Rede ist. So ging in Ferrara im Jahr 1573 ein siebzigjähriger Serienmörder um, der ahnungslosen Frauen auflauerte. 1581 suchte ein Raubmörder in der Nähe von Köln den Ort Bernkastel heim. Er selbst hauste in einer Erdhöhle im Wald, wohin er eines Tages eine Frau entführte.

Während des Dreißigjährigen Kriegs ging der Raubmörder Jasper Hanebuth um und im Jahr 1780 suchte ein Serienmörder Österreich heim, der teils kannibalische Neigungen aufwies, indem er das Herz eines seiner Opfer aß, da er glaubte, dadurch unsichtbar werden zu können. Im Jahr 1811 kam es in London zu einer Reihe brutaler Raubmorde. Der Täter John Williams trieb dabei vor allem auf dem Ratcliff Highway sein Unwesen. Der Fall wird eindrücklich von dem Kriminalisten Robert Heindl (1883-1958) erzählt.  1888 schließlich ging der wohl berühmteste Serienmörder Jack the Ripper um. Hierzu fand Michael Kirchschlager einen überaus interessanten Artikel von Leopold Engelhardt, wie Heindl ebenfalls bei der Kriminalpolizei tätig gewesen (seine Lebensdaten sind allerdings nicht bekannt), in dem der Autor verschiedene Theorien analysiert, die versuchen, die wahre Identität des Täters zu ergründen.

Gerd Frank, der bereits sein sechsbändiges Werk „Totmacher“ im Verlag Kirchschlager veröffentlicht hat, befasst sich in seinem Beitrag mit den Untaten des „französischen Jack the Ripper“ Joseph Vacher, einem Herumtreiber, der zwischen den Jahren 1894 bis 1897 vor allem Hirtenjungen und Mädchen auflauerte.

Der Autor Armin Rütters berichtet von dem deutschen Serienmörder Karl Großmann, der 1921 in Berlin Frauen als Haushälterinnen anwarb, um sie in seiner Wohnung zu ermorden. Die beiden Kriminalautoren Birgit Lautenbach und Johann Ebend schließlich schildern ausführlich die sonderbare und zugleich schreckliche Biographie des Mörders Rudolf Pleil, einem sadistischen Psychopathen, der in den 1950er Jahren vor allem Leuten auflauerte, die zwischen den damals besetzten Zonen hin und her reisten.

Der Band beinhaltet nicht nur die erwähnten Beiträge, sondern ergänzt diese z.B. durch ärztliche Gutachten von damals sowie – im Falle Pleils – durch autobiographische Schriftstücke. Ebenfalls enthält das Buch zahlreiche historische Fotos zu den Fällen. Die einzelnen Beiträge sind nicht nur überaus spannend geschrieben, sondern liefern zugleich historisch intersssante Informationen. Die Autoren versuchen stets, ein Gesamtbild der jeweiligen Mörder zu liefern, indem sie deren Biographien nachgehen und dabei versuchen, Gründe für ihr anormales Verhalten zu finden. Dies macht die einzelnen Texte auch aus einer psychologischen Perspektive sehr interessant. Kurz: Mit „Historische Serienmöder Band IV“ ist dem Verlag Kirchschlager einmal mehr ein hervorragendes Werk gelungen.

Historische Serienmörder Band IV. Menschliche Ungeheuer vom späten Mittelalter bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts. Hrsg. Michael Kirchschlager. Verlag Kirchschlager 2017, 240 Seiten, 18,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-60-1

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Cover der Erstausgabe aus dem Jahr 1959

John Wyndhams Roman „Griff nach den Sternen“ zählt zu den zehn besten SF-Romanen aus dem Jahr 1959. Im Gegensatz zu seinem sonstigen Stil, schuf Wyndham mit „The Outward Urge“, so der Originaltitel, einen Hard-SF-Roman, in dem es um die Besiedelung des Weltalls geht.

Erzählt wird dies in vier längeren Episoden. Die erste handelt vom Bau der ersten Raumstation im Jahr 1994. Die zweite Episode spielt im Jahr 2044 auf der ersten Mondstation, während auf der Erde ein Atomkrieg wütet. Die dritte Episode handelt von der ersten Marsexpedition im Jahr 2094. Die letzte Episode schließlich beschreibt eine Expedition zur Venus im Jahr 2144.

John Wyndham, der eigentlich für seine spannenden Invasions-Romane bekannt ist („The Day of the Triffids“ oder „The Midwich Cuckoos“ sind Klassiker des SF-Genres) versuchte mit „Griff nach den Sternen“ einen realistischen SF-Roman zu schreiben, was ihm auch durchaus gelungen ist. So erscheinen die von ihm gewählten Jahreszahlen, in denen die jeweiligen Geschichten spielen, alles andere als aus der Luft gegriffen. 1990 wurde zum Beispiel die erste internationale Raumstation in Betrieb genommen. Die erste bemannte Marsexpedition soll etwa im Jahr 2050 stattfinden.

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Cover der Penguin-Ausgabe aus dem Jahr 1962

Wyndhams Buch war so untypisch für ihn, dass ihm der Verleger vorschlug, für die Veröffentlichung entweder ein Pseudonym oder einen zweiten Autor zu nennen. John Wyndham entschloss sich daraufhin für einen Weg, der irgendwie beides umschloss. Lucas Parkes war eines seiner verschiedenen Pseudonyme. Dieses wählte er als Name für den (eigentlich nicht vorhandenen) Zweitautoren aus.

Doch egal, ob Pseudonym oder Zweitautor, das Buch muss sich hinter den anderen Romanen, die John Wyndham geschrieben hat, nicht verstecken. In einem flotten, ja fast schon rasanten Stil schildert er vier überaus spannende Ereignisse, die durch den Namen Troon miteinander verbunden sind. Troon ist der Name einer Familie aus Weltraumpionieren, die alle ihrem inneren Drang folgen, die Sterne zu erforschen. Dadurch erzählt der Roman zugleich eine Art Familiengeschichte, die ebenso ereignisreich wie tragisch ist.

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Cover der ersten deutschen Übersetzung aus dem Jahr 1965

Überaus intensiv wirkt gleich die erste Episode, in der Ticker Troon am Bau der ersten Weltraumstation mitarbeitet. Er sehnt sich bereits nach dem Urlaub auf der Erde, dieses Mal besonders, da er soeben von der Geburt seines ersten Sohnes erfahren hat, als auf die Station plötzlich eine Atomrakete zufliegt, abgefeuert von einer feindlichen Nation. 2044 droht auf der Mondstation ein Aufstand, da die Besatzung Angst hat, von Raketen der Sowjetunion beschossen zu werden. Ticker Troons Sohn Michael hat das Kommando über die Station und muss entscheiden, was er tun soll.

Schlag auf Schlag geht es auf diese Weise weiter. Den Mars beschreibt Wyndham dabei keineswegs als bewohnt, sondern als Felswüste. Auf der Venus, die er als eine Art Wasserplanet beschreibt, tummeln sich verschiedene Fische in den Meeren. Alles in allem ist „Griff nach den Sternen“ ein toller Roman, der den Leser regelrecht mitreißt. Auf Deutsch erschien der Roman 1965 im Heyne Verlag unter der Nummer 3055 der damaligen SF-Reihe.

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