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Archive for August 2015

Wes Craven war nicht nur irgendein Horrorregisseur. Zusammen mit Tobe Hooper und George Romero zählte er zu den Gründern des postmodernen Horrorfilms. Nicht nur das, denn Mitte der 90er Jahre belebte er mit „Scream“ das brach liegende Horrorgenre neu.

cravenCraven, der eigentlich Philosophie studiert und zunächst als Englischlehrer gearbeitet hatte, legte 1972 mit „Last House on the Left“ einen regelrechten Skandalfilm hin. Es handelt sich um das Remake von Ingmar Bergmans Klassiker „Die Jungfrauenquelle“. Craven verlegte die Handlung aus dem Mittelalter in die Gegenwart, mehrere Szenen aber übernahm er von Bergman beinahe eins zu eins. Die Geschichte von zwei jungen Frauen, die in die Hände einer Gruppe brutaler Verbrecher geraten, verschlägt einem auch heute noch den Atem. Damals wurde der Film mit dem Slogan „Keep repeating: It’s only a movie“ beworben. Bis heute ist die ungeschnittene Fassung in Deutschland verboten. Andererseits zeigt sich an diesem Beispiel einmal mehr, wie mit Horrorfilmen umgegangen wird. Während Bergmans „Die Jungfrauenquelle“ hoch gelobt wurde, wurde Cravens Remake getadelt, Hauptdarsteller David Hess hatte danach Schwierigkeiten, weitere Rollen zu bekommen.

craven1Mit „The Hills have Eyes“ (1977) führte Craven die mit „Last House on the Left“ begonnene Thematik weiter. Wiederum geht es um die Frage, ob die Kategorien gut und böse überhaupt noch eine Gültigkeit besitzen. Es geht um eine Familie, die mitten in der Wüste Nevadas eine Autopanne hat. In unmittelbarer Nähe haust eine Gruppe degenerierter Menschen, die auf die Familie Jagd macht. So lange jedenfalls, bis sich ihre Opfer beginnen zu wehren. Ähnlich wie in „Last House“, so zieht Craven auch hier mächtig die Daumenschraube an. Aus Opfern werden Täter, die in ihrer Brutalität ebenfalls keine Rücksicht kennen. Wes Craven verwies hier auf den Aspekt, wie schnell sich Zivilisation in Barbarei verwandeln kann.

craven2Seinen endgültigen Einzug in die Popkultur erreichte der Regisseur durch „Nightmare on Elmstreet“ (1984). Die Figur des Freddy Krüger im Ringelpullover und mit Stahlklingenhandschuhen wurde zur Ikone des Horrorfilms. Interessant ist, dass im Vorspann des Films statt Special Effects von Theatereffekten die Rede ist. Doch egal, wie man die Effekte bezeichnen möchte, sie haben es auf jeden Fall in sich. Man denke nur an Johnny Depp, der in das Bett hineingezogen wird. So bizarr und surreal die Geschichte auch sein mag, der Hintergrund der Freddy-Figur ist real und historisch belegt. Sie bezieht sich auf einen Mann, der irgendwann im 19. Jahrhundert von aufgebrachten Bürgern einer Kleinstadt in einen Ofen gestopft und verbrannt wurde, da man ihn bezichtigte, Kinder missbraucht und ermordet zu haben.

craven31996 zog Wes Craven den Horrorfilm aus der Versenkung. Die Welle der Slasherfilme war längst abgeklungen, als er mit „Scream“ zu seinem erfolgreichsten Schlag ausholte. Der Film belebte nicht nur das Horrorgenre neu, sondern sorgte für eine bis heute anhaltende Welle von Slasherfilmen. Die berechtigte Frage lautet, wie es heute mit dem Horrorfilm als solchen aussehen würde, wenn Craven „Scream“ nicht gedreht hätte. Wie dem auch sei, „Scream“ zählt zu den Klassikern des Horrorfilms. Und es zeigt sich einmal mehr, dass Wes Craven ein wahrer Meister des Horrors gewesen ist.

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peerreviewUnser Artikel über falsche Angaben in wissenschaftlichen Artikeln (Falsch informiert) verlangt nach einem Nachtrag oder besser Nachtritt: Die Beispiele, die wir nannten, sind bei weitem nicht alle, in denen sich fehlerhafte Angaben finden oder in denen Behauptungen aufgestellt werden, die völlig in der Luft hängen und damit alles mögliche liefern, außer plausiblen Erklärungen.

Wir haben schon in früheren Artikeln erwähnt, dass es wichtig ist, auf dieses Verhalten hinzuweisen, gibt es doch sehr viele Kultur- und Medienwissenschaftler, die der Meinung sind, das Wissen für sich gepachtet zu haben. Gerne möchte ich hierbei nochmals auf einen Kölner Medienwissenschaftler hinweisen, der in einem Gespräch meinte, man dürfe bei Filmanalysen keine Interviews mit Regisseuren führen, da diese nur Schwachsinn erzählen würden. Eine solche Aussage schießt über den Begriff Überheblichkeit und Arroganz weit hinaus, beinhaltet diese Aussage doch, dass unser Kölner Medienwissenschaftler mehr über einen Film weiß, als der Regisseur, der den Film gedreht, vielleicht sogar mit produziert hat. In Wirkichkeit also müsste man eben den oben genannten Mann bezichtigen, nichts als Schwachsinn von sich zu geben.

Und nun zum eigentlichen Thema, das sich als Folge der beschriebenen Tatsachen ergibt. Die meisten wissenschaftlichen Artikel erscheinen in diversen Fachmagazinen, die per Peer Review-Verfahren die Artikel auswählen. Peer Review bedeutet, dass eine Gruppe Professoren bestimmte Artikel zugeschickt bekommt, die sie dann zur Sau machen oder durchwinken dürfen. Dies wird deswegen gemacht, um die Seriösität und Wissenschaftlichkeit der jeweiligen Magazine aufrechtzuerhalten.

Doch gibt es hierbei ein (bekanntes) Problem: Peer Review dient zugleich als Machtinstrument. Denn die jeweiligen Professoren haben es in der Hand, welche Artikel veröffentlicht werden können. Dies impliziert, dass Artikel ihrer eigenen Mitarbeiter durchgewunken werden, während andere Artikel (die z.B. eine andere Sichtweise einnehmen, als die der Professoren) abgelehnt werden. Dadurch wird Wissenschaft manipuliert und gesteuert.

Hinzu kommt aber ein weiterer Punkt, der sich aus unserem Artikel „Falsch informiert“ ergibt: Denn, wie sich gezeigt hat, werden auch Artikel mit völlig falschen oder haltlosen Inhalten durchgewunken. Hier macht sich einmal mehr das berühmtberüchtigte Netzwerk bemerkbar, das nach dem Motto eine Hand wäscht die andere verläuft. Besonders in Zeiten, in denen sich die jeweiligen wissenschaftlichen Netzwerke immer stärker gegen Außenstehendes verschließen, ist eine solche Kritik notwendig und wichtig.

Das bedeutet nicht, dass nur Schwachsinn produziert wird. Nein, es gibt auch überraschend gute und informationsreiche Abhandlungen. Doch sind diese in der Minderheit. So befindet sich z.B. in dem Fachbuch „American Horror Film – The Genre at the Turn of the Centrury“ von 13 Artikeln gerade mal ein einziger, der richtige Informationen liefert und Zusammenhänge richtig darstellt. Der Rest ist entweder das, was man als belangloses Geschwafel bezeichnen kann, oder beinhaltet Fehler.

Peer Review ist also kein ideales Instrument, um die Spreu vom Weizen zu trennen, sondern eine Form von Willkür und Vetternwirtschaft.

 

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Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen, um Filme zu analysieren. Eine davon ist die psychoanalythische Untersuchung. In dieser Hinsicht werden Filme wie Träume analysiert und mithilfe von Freuds Methode symbolisch abgeklopft.

falschinformiert3Im April diesen Jahres erschien der Sammelband „The Dread of Difference“, der sich mit der Rolle der Frau in Horrorfilmen auseinandersetzt. Unter anderem ist darin ein Artikel der Kulturwissenschaftlerin Barbara Creed enthalten, die darin versucht, eine psychoanalythische Gender-Forschung auf den Film anzuwenden.

Nun, der Versuch kann durchaus als Fehlschlag beurteilt werden. Der Artikel wirkt beinahe schon paranoid. Es gibt kaum einen Satz, in dem nicht die Begriffe Phallus oder bezahnte Vagina vorkommen. Hinzu kommen Kastrationsängste und die Abwendung von der eigenen Mutter.

All dies, behauptet Creed, fände man in dem Film „Alien“. Nun gut, die Sexualsymbolik des Aliens sowie des außerirdischen Raumschiffs sind nicht zu übersehen. Und dass eine Frau dem Monster entkommt, nimmt quasi den Aspekt des Final Girl vorweg. Aber was hat das nun wieder mit der Abwendung von der Mutter zu tun? Genau: nichts. Dennoch beißt sich Creed daran fest und sucht nach allen nur möglichen und unmöglichen Gründen, um ihre Behauptung als richtig hinzustellen, frei nach dem Motto: Nur ich habe Recht.

Creed gerät in ihrem Artikel geradezu außer sich. Man glaubt, eine Hardcore-Vertreterin der Gender-Studies haue auf die Tasten ihres Laptops. Dabei geht sie soweit, völlig falsche Informationen in ihren Text einzubauen. So verwechselt sie ständig Hitchcocks „Vögel“ mit „Psycho“ und reitet darauf herum, dass die Abwendung von der Mutter im Zentrum des erstgenannten Filmes stehen würde. Tut es dummerweise aber nicht. Das Thema Mutter-Sohn-Beziehung spielt zwar in „Die Vögel“ eine gewisse Rolle, steht aber nicht im Vordergrund wie in dem anderen Klassiker.

Nichtzuletzt setzt sie noch eins drauf, indem sie „Blade Runner“ als Horrorfilm bezeichnet. Spätestens hier sollten bei sämtlichen Lesern die Alarmglocken schrillen.

falschinformiert1In dem Buch „Korean Horror Cinema“ behaupten die beiden Herausgeber Alison Peirse und Daniel Martin, dass es sich bei dem koreanischen Film „Howling“ um einen Werwolffilm handelt. Das tut es aber nicht. Zwar ist der Titel identisch mit dem Werwolfklassiker „The Howling“, doch hat es sich damit auch schon. In der Tat handelt es sich um einen Thriller im Stil der Trashfilme der 70er Jahre.

Mitsuyo Wada-Marciano behauptet in ihrem Artikel über J-Horror (erschienen in dem Sammelband „Horror of the Extreme“), dass die modernen japanischen Horrorfilme nichts mit Emanzipation zu tun haben würden. Hier liegt sie leider vollkommen falsch. Denn J-Horrorfilme gelten quasi als Sprachrohr der Emanzipationsbewegung der 90er Jahre und des Beginns des neuen Jahrtausends. Die Themen dieser Filme handeln von den Problemen, vor denen Frauen in Japan stehen, die versuchen, ihr eigenes Leben zu leben.

James Kendrick ist in seinem Artikel „Return of the Graveyard“ (erschienen in dem Sammelband „American Horror Film“) der Meinung, dass das verstärkte Aufkommen der Geisterfilme Ende der 90er Jahre etwas mit den Gothic Novels des 18. Jahrhunderts zu tun habe. Nur was? Genau diese Antwort bleibt der gute Mann uns schuldig. Er verweist nicht einmal auf Interviews mit Regisseuren oder Autoren, die seine Theorie belegen könnten. Nichts. Der Artikel ist bloßes Gerede, ohne die einzelnen Thesen zu untermauern.

Schon allein an diesen Beispielen zeigt sich, dass kultur- und medienwissenschaftliche Filmanalyse teilweise voller Fehler steckt. In einem anderen Artikel haben wir auf eine hanebüchene Statistik von Horrorfilmen hingewiesen, die im Grunde genommen keine brauchbaren Ergebnisse liefert. Interessanterweise häufen sich die Fehler und falschen Angaben bei Texten, die von Kultur- und Medienwissenschaftlern verfasst wurden. Und es ist erschreckend, dass diese falschen Angaben von den jeweiligen wissenschaftlichen Kollegen anscheinend nicht bemerkt werden. Hier werden keine Erkenntnisse offenbart, sondern Fehler auf Fehler gehäuft, was dazu führt, dass sich die jeweiligen Autoren ihre eigene Wahrheit zusammenschustern und die Leser, die sich in der Thematik nicht auskennen, falsch informieren.

Wir haben natürlich ein paar der Autoren angeschrieben und, wen wundert’s, keine Antwort erhalten.

 

 

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planetdesgrauensVier Jahre vor seinem großen Durchbruch in „Die Zeitmaschine“ (1960) spielte Rod Taylor in dem SF-Film „World without End“ (1956) einen von vier Astronauten, die den Mars von einer Umlaufbahn aus erkunden sollen. Bei ihrer Rückkehr geraten sie in eine Art Zeitstrudel, der sie zwar zurück zur Erde, doch nicht zurück ins Jahr 1957 bringt.

Inzwischen sind mehr als 500 Jahre vergangen. Die Menschheit hat sich durch einen Atomkrieg fast komplett ausgelöscht. Auf der Erdoberfläche leben nur noch Mutationen, wie etwa in Höhlen hausende Riesenspinnen oder einäugige „Urmenschen“. Durch Zufall aber gelangen Dr. Galbraith und sein Team in eine unterirdische Siedlung. Die Menschen dort empfangen sie zunächst freundlich, doch dann entwickelt sich eine Intrige, um den drohenden sozialen Wandel, der durch die Zeitreisenden verursacht wird, zu verhindern.

In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Planet des Grauens“ Mitte der 50er Jahre in den Kinos. Nicht nur das Plakat ist Aufsehen erregend. Die Mischung aus Trash, Zukunftsvision und Horrorelementen geht hervorragend auf. Auch wenn die riesigen Spinnen aus Gummi sind und von Leuten des Filmteams ins Szenenbild geworfen werden, ist ihr Erscheinen durchaus effektvoll. Auch die mutierten Menschen, die auf der Erdoberfläche leben, wirken aufgrund ihrer einäugigen Monstermasken regelrecht unheimlich.

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Die Mutanten bereiten einen Angriff vor. World without End (1956).

Interessant ist die dargestellte Gesellschaft, die sich im Erdinneren befindet. Fast schon soziologisch wird diese analysiert. Trotz der patriarchalen Struktur, erweisen sich die Frauen als das eigentlich stärkere Geschlecht. Das fehlende Sonnenlicht führte bei den Männern zu einer zunehmenden Schwäche, die sich auch auf deren Sexualität auswirkt. Kein Wunder also, dass sich die Frauen um die fremden Besucher bemühen.

Das Team um Regisseur Edward Bernds, der sich davor einen Namen durch diverse „Three Stooges“-Filme gemacht hatte und später weitere Trash-Filme produzierte, gab sich für „World without End“ große Mühe und schien mit größter Motivation an der Arbeit gewesen zu sein. Der Film ist von Anfang an spannend inszeniert und die Ideen typisch für die damalige Zeit. Obwohl für den Film nur ein geringes Budget vorhanden war, brachte die Firma Allied Artists die Produktion in Farbe und in Cinemascope heraus, ein durchaus risikoreiches Unterfangen, galt die Firma damals nämlich Insolvenz gefährdet. Doch die Strategie, die dahinter steckte, lautete, genau durch diese Aspekte für einen Erfolg zu sorgen (fast alle damaligen B-Pictures wurden in schwarzweiß gedreht).

Rod Taylors Zeit kam, wie bereits erwähnt, vier Jahre später, als er in einer anderen Zukunft gegen die Morlocks kämpfte. Doch bereits in diesem Film zeigte er, dass ohne ihn die SF-Horror-Thriller-Sparte um ein Vielfaches ärmer gewesen wäre.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Die Formation Wonder Girls der Firma JYP Entertainment ist neben Girls Generation die erfolgreichste Gruppe innerhalb des K-Pop. 2007 gegründet, legten sie zunächst innerhalb Koreas einen Hit nach dem anderen hin. Das Konzept offenbarte sich zunächst in der Debut-Single „Irony“, zu der es jedoch kein Videoclip gab. Das erste Musikvideo folgte mit „Tell Me“, das sich über das Verhalten von Männern gegenüber Frauen lustig machte.

Dieser ironischen Darstellung sozialer Konflikte folgte mit „So Hot“ ein Seitenhieb auf Frauen, die sich gerne zur Schau stellen. Nach und nach aber gingen die satirischen Elemente in den Clips zurück. Die Videos wurden mittelmäßiger, um nicht zu sagen einfallsloser. Dem Erfolg der Gruppe stellte sich diese negative Entwicklung jedoch keineswegs als Hindernis dar.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Zu erwähnen ist noch, dass die Wonder Girls die erste koreanische Girl Group war, die eine US-Tour absolvierte. JYP ebnete damit den Weg des K-Pop in die USA. Der Produzent und Sänger nutzte dabei seine Kontakte, die er während seines langjährigen Aufenthalts in den USA knüpfen konnte. War er vor seinem „US-Ausflug“ eher erfolglos tätig gewesen, so veränderte sich dies nach und nach, als er nach Südkorea zurückkehrte.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass in seine Musik immer wieder westliche Stile miteinfließen. Besonders macht sich dies nun in dem aktuellen Song der Wonder Girls „I feel you“ bemerkbar, zu dem das Video Anfang August veröffentlicht wurde.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Anscheinend ging ihm die einfallslose visuelle Umsetzung seiner Songs selbst auf die Nerven, denn das neueste Video unterscheidet sich komplett von den optischen Rohrkrepierern. Bringt man das Video auf einen Punkt, so lässt sich sagen, dass es eine Zitatensammlung aus Videoclips der 80er Jahre ist. Von Robert Palmer bis hin zu Prince reichen die diversen Anspielungen.

Der Hook dient zugleich als witzige Provokation: eine Frau sitzt mit gespreizten Beinen auf einer Toilettenschüssel, die Kamera nähert sich ihrem Schritt, parallel öffnet sie den Reißverschluss. Zugleich dient dies als Übergang zum Dance-Shot des Videos, der im offenen „Hosenstall“ eingeblendet ist und in dem die Sängerinnen in Badeanzügen auftreten. Dieses Mal mit Musikinstrumenten, was die Zitatitis, die in dem Video hingelegt wird, nochmals unterstreicht.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Zum einen ist klar, dass JYP auf die derzeitige Erotikwelle innerhalb des K-Pop aufspringt. Doch im Gegensatz zu anderen Gruppen, deren Videos das Verspielte bisheriger Clips aufgeben, um sich nur noch auf die Sexualisierung zu konzentrieren, löst „I feel you“ das Problem durchaus elegant. Farbgebung und Optik überzeugen und lassen die Wonder Girls als neues Konzept auferstehen (die neue LP trägt nicht ohne Grund den Titel „Reboot“). Das neue Konzept ist das, worauf JYP stets hingearbeitet hat: eine Synthese zwischen K-Pop und US-Pop. Wie andere Produzenten auf diese Steilvorlage reagieren werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: in Sachen K-Pop bleibt es weiterhin spannend.

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urban legend„Candyman“ (1992) zählt zu den ersten Filmen, in denen der Begriff urbane Legende auftaucht. Interessanterweise wird hier gezielt auf den wissenschaftlichen Aspekt wert gelegt, indem zwei Volkskundlerinnen versuchen, den realen Ursprüngen der Legende um Candyman auf die Spur zu kommen. Die Bezeichnung selbst wurde titelgebend in dem Slasher-Film „Urban Legend“ (1998), der als „Düstere Legenden“ in den deutschen Kinos lief und inhaltlich auf alle bekannten urbanen Legenden anspielte.

Urbane Legenden sind keine Erfindung des Horrorgenres. Der amerikanische Volkskundler Jan Harold Brunvand veröffentlichte 1983 seinen Klassiker „The vanishing Hitchhiker“, in dem er ein paar der Legenden zum besten gibt, sich aber vor allem auf die soziokulturellen Hintergründe konzentriert. Er gilt übrigens auch als erster Wissenschaftler, der den Begriff „urbane Legende“ in Umlauf gebracht hat.

brunvandVor Brunvands Studie galt die Theorie, dass Legenden ein Markenzeichen vormoderner Gesellschaften seien. Eines der Hauptmerkmale ist, dass Legenden mündlich überliefert werden. Diese Form der mündlichen Überlieferung, so hieß es, existiert in modernen bzw. postmodernen Gesellschaften nicht, in denen Geschichten jeglicher Art schriftlich festgehalten werden. Auch zeigten die bis dahin durchgeführten Untersuchungen von Legenden, dass deren Ursprung nicht in der Moderne oder Postmoderne liegen.

Brunvand zeigte durch seine Forschung aber, dass die bisherigen Theorien völlig falsch lagen. Legenden sind kein alleiniger Bestandteil vormoderner Gesellschaften, sondern existieren auch in den heutigen Industriegesellschaften. Wie „klassische“ Legenden, so gilt auch bei den urbanen Legenden, dass sie ausschließlich  mündlich weitergegeben werden. Dabei fand Brunvand heraus, dass sogenannte Knotenpunkte der Überlieferung Schulen, Unis und Ferienlager sind.

In seinem Buch erwähnt der Volkskundler mehrere bekannte urbane Legenden, von denen aber vor allem drei das Horrorkino beeinfusst haben. Es handelt sich dabei um die Legende des verschwundenen Anhalters, die Legende vom Babysitter und die Legende vom Alligator, das durch das Klo in die Kanalisation gelangte.

hitcherVon jeder dieser Legenden gibt es unterschiedliche Versionen, die sich von Region zu Region unterscheiden. So gibt es Anhalter-Geschichten, in denen ein junger Mann oder eine junge Frau (in der Regel noch Student bzw. Studentin) nachts auf einer einsamen Landstraße einen Anhalter in das Auto einsteigen lässt, um ihn in den nächsten Ort mitzunehmen. Bei der Ankunft ist der fremde Mann entweder spurlos verschwunden oder er entpuppt sich als ein wahnsinniger Mörder, der mithilfe eines Eisenhakens dem Fahrer/der Fahrerin die Kehle aufschlitzt.

Auch von den Babysitter-Geschichten gibt es verschiedene Versionen. Die bekannteste ist die, dass das Telefon klingelt, die Studentin, die auf die Kinder aufpasst, abhebt und eine Stimme am anderen Ende der Leitung sagt, sie solle nach dem Baby schauen. Als sie das Kinderzimmer betritt, erwartet sie dort ein schreckliches Blutbad.

Die Alligator-Geschichten sind dagegen weitestgehend identisch. Es geht stets darum, dass ein Junge ein kleines Alligatorbaby geschenkt bekommen hat und dieses eines Tages das Klo runterspült. In der Kanalisation wächst es zu einem riesigen Raubtier heran, dem gelegentlich Kanalarbeiter zum Opfer fallen.

alligatorWie obern erwähnt, beeinflussten diese drei Legenden das Horrorkino und führten dort zu Klassikern des Genres. Zum einen ist hierbei John Carpenters „Halloween“ (1978) zu nennen, dessen Handlung auf der Babysitter-Legende basiert. Wie auch in der oben skizzierten Legendenversion hat es Laurie letztendlich mit einem Serienmörder zu tun, der sie und ihre Freunde bedroht.

Beinahe eins zu eins setzte der Tierhorrorstreifen „Alligator“ (1980) die Legende um den Alligator im Abwassersystem um. Im Prolog des Films wird sogar die Szene dargestellt, in der ein Junge ein Alligatorbaby ins Klo wirft und die Spülung drückt.

Die Legende von dem Anhalter findet sich in dem Horrorthriller „Hitcher, der Highwaykiller“ (1986) wieder, wobei hier die Story natürlich weiter ausgeschmückt wird. Dennoch bleibt die Grundstruktur der urbanen Legende erhalten.

Dass urbane Legenden Ideengeber für Horrorfilme darstellen, beschränkt sich allerdings nicht auf Hollywood. Sowohl in Japan als auch in Korea dienen urbane Legenden als Grundlage für so manchen Gruselstreifen.

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Carved – The Slit mouthed Woman (2007)

In Japan wird das Thema urbane Legende in dem Klassiker „Ringu“ (1998) zumindest angeschnitten, als die Reporterin Asakawa ein paar Schülerinnen über die Gerüchte befragt, die von ominösen Anrufen einer unbekannten Frau handeln. Eine tatsächliche urbane Legende fand ihren Weg durch den Film „The Slit-mouthed Woman“ (2007) in die Kinos. Die urbane Legende existiert ebenfalls in unterschiedlichen Versionen. In einer davon geht es um eine Frau, deren eifersüchtiger Mann ihr mit einer Schere den Mund aufgeschnitten hat. Seitdem wandert sie mit einem Mundschutz durch die Straßen Tokios und bringt demjenigen den Tod, der ihr begegnet. Der Film setzt die Legende ziemlich genau um. Auch der Knotenpunkt Schule spielt hier eine zentrale Rolle.

voice

Voice (2005)

In Südkorea werden urbane Legenden ebenfalls hauptsächlich an Schulen erzählt. So ist es kein Wunder, dass Schulhorrorfilme dort äußerst beliebt sind. Angefangen von „Whispering Corridors“ (1998) über „Memento Mori“ (1999) bis hin zu „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009) verarbeiten diese Filme nicht nur die Kritik am koreanischen Schulsystem, sondern gehen gezielt auf die Gerüchte und Legenden ein, die von einem Schüler zum nächsten weitergegeben werden. In der Regel handelt es sich dabei um Spukgeschichten, in denen verstorbene Schülerinnen (sie begingen meistens Selbstmord) sich an ihren Peinigern rächen wollen. Im Untertitel wird noch deutlicher, dass sich die jeweiligen Filme auf urbane Legenden beziehen. Übersetzt heißt dieser „Geistergeschichten aus der Mädchenschule“.

Ähnlich wie die beiden Doktorandinnen in „Candyman“, so machte sich auch Jan Harold Brunvand auf, um nach den realen Ursprüngen dieser urbanen Legenden zu suchen. Er fand dabei heraus, dass die Alligatorgeschichte einen historisch belegbaren Hintergrund hat. Tatsächlich soll ein solcher Fall in den 60er Jahren in New York geschehen sein. Da Legenden in der Regel auf reale Ereignisse beruhen, so ist anzunehmen, dass auch die Anhalter- und Babysitter-Geschichten auf irgendeine Art und Weise einmal geschehen sind. Durch das mündliche Weitererzählen verändern sie aber ihre Struktur, manchmal wird etwas hinzuerfunden oder weggelassen oder es kommt zu unterschiedlichen Arten von Zwischenfällen. Sicher ist, dass diese Legenden das Horrorgenre ungemein bereichern. Und da urbane Legenden hauptsächlich von jungen Leuten erzählt werden, ist es kein Wunder, dass vor allem Slasher-Movies darauf eingehen.

 

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wrightpattersonDer angebliche UFO-Absturz in der Nähe des kleinen Ortes Roswell sorgt bis heute für viel Gesprächsstoff. Viele Abhandlungen und Romane wurden darüber geschrieben und mehrere Filme darüber gedreht. Die nicht enden wollende Diskussion darüber, was 1947 in der Wüste New Mexicos tatsächlich abgestürzt war, teilt die Beteiligten in genau zwei Lager: in Skeptiker und in Leute, die der Meinung sind, dass damals tatsächlich ein außerirdischer Flugkörper abgestürzt sei.

Die beiden Journalisten Thomas J. Carey und Donald R. Schmitt veröffentlichten nun eine weitere Untersuchung über das Thema mit dem Titel „Im Inneren der wahren Area 51 – Die geheime Geschichte von Wright-Patterson“. Seit den 90er Jahren recherchierten sie in diesem Fall. Das Ergebnis ihrer historischen Spurensuche ist ein fesselndes, interessantes und überaus informatives Sachbuch.

Die Spannung und die Informationsfülle ergibt sich daraus, da beide Autoren den Fall rein objektiv untersuchten. Zur Verfügung standen ihnen dabei historisches Quellenmaterial unterschiedlicher militärischer Archive, Briefe von an dem Roswell-Fall beteiligten hochrangigen Militärs und Interviews mit Angestellten und Wissenschaftlern, die direkt mit dem Fall zu tun hatten.

Ausgangspunkt ist, dass kurz nachdem es in einer Pressekonferenz hieß, dass tatsächlich ein UFO abgestürzt sei, diese Aussage dementiert wurde und nur noch von einem Wetterballon die Rede war. Carey und Schmitt drehten bei ihren Recherchen so ziemlich jeden Stein um. Dabei stießen sie auf viele Ungereimtheiten und Vertuschungsaktionen. Aus dem ihnen vorliegenden Quellenmaterial ergibt sich, dass die Wetterballon-Geschichte ein hastiger Versuch seitens des Militärs war, das Interesse der Öffentichkeit von dem Fall abzulenken. Denn wenn es ein solcher Ballon gewesen sein sollte, wieso wurden dann Teile des Materials, aus dem er bestand, zur Untersuchung in verschiedene Labors gebracht? Aus Interviews mit damals beteilgten Wissenschaftlern zeigt sich, dass diese über die ungewöhnliche Zusammensetzung des Metalls erstaunt waren, da es eine solche Legierung damals (noch) nicht gab. Ein Beweis, dass damals wirklich ein UFO abgestürzt war?

Carey und Schmitt zeigen, dass die Aufregung und die damalige Verhängung einer höchsten Geheimhaltungsstufe zumindest einen bloßen Wetterballon ausschließen. Etwas anderes muss damals in Roswell passiert sein, etwas, von dem die Öffentlichkeit nichts wissen sollte. Eine wesentliche Rolle spielte dabei die Militärstation Wright-Patterson, auf die sämtliche Wrackteile und angeblich auch Leichen unbekannter Herkunft gebracht wurden.

Beide Autoren erledigen ihre Aufgabe überaus professionell. Sie liefern keinen reißerischen Bericht ab, sondern informieren geradezu nüchtern über die damaligen Vorgänge. Die Details, die Carey und Schmitt ans Tageslicht bringen, sind überaus erstaunlich und regen zum Nachdenken und Diskutieren an. Unsere Meinung: sehr lesenswert.

Thomas J. Carey/Donald R. Schmitt. Im Inneren der wahren Area 51 – Die geheime Geschichte von Wright-Patterson. Kopp Verlag 2015, 336 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-86445-224-6

 

 

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