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US-Filmplakat von „La Residencia“

Ende der 60er Jahre wollte die spanische Filmindustrie hoch hinaus. Mit dem Horrorstreifen „La Residencia“ verfolgte man den Plan, auf dem internationalen Filmmarkt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bis dahin waren spanische Filme vor allem für das einheimische Publikum produziert worden. Mit „La Residencia“ sollte sich dies ändern.

Aus diesem Grunde ließ man sich für die Produktion auch Zeit. Beinahe sechs Monate dauerten die Dreharbeiten. Und der Erfolg? Während man in Europa und in Südamerika durchaus positive Resultate erzielen konnte, wurde der Film in den USA, wo er – wie jeder europäische Horrorfilm – von American International Pictures vertrieben wurde, ein Flop.

In Deutschland lief „La Residencia“ unter dem Titel „Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat“ und war dadurch vor allem an die Bahnhofskinos gekettet. Der englische Verleihtitel lautet „The House that screamed“. Bis heute gilt der von Narciso Ibáñez Serrador gedrehte Film als ein Meilenstein in der Geschichte des spanischen Films. Davor hatte Serrador nur für das Fernsehen gearbeitet.

„La Residencia“ spielt im 19. Jahrhundert. Die 19jährige Teresa kommt in ein abgelegenes Mädchenpensionat und muss bald feststellten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Bisher sind drei junge Frauen spurlos verschwunden. Das Pensionat wird von der sadistischen Señora Fourneau geleitet, die zusammen mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt. Als es Teresa in dem Heim nicht mehr länger aushält, versucht sie zu fliehen …

Serradors Film beeinflusste viele spätere Horrorfilme, so u. a. auch Dario Argentos „Suspiria“ (1978). Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der die Mädchen Tanzunterricht haben. Argento übernahm diese Szene beinahe eins zu eins, sodass man sich in der Rolle der Señora Fourneau (gespielt von Lilli Palma) nur Alida Valli vorstellen muss, um auf Argentos Meisterwerk zu kommen. Aber auch die spezielle Optik, die „La Residencia“ aufweist, findet sich in „Suspiria“ wieder.

Italienisches Filmplakat

Nicht zuletzt beeinflusste der spanische Film auch die koreanische Horrorfilm-Reihe „Yeogogoedam dubeonchae iyagi“ (Geistergeschichten aus der Schule), von der leider nur „Memento Mori“ (1999) und „Wishing Stairs“ (2003) in Deutschland erschienen sind. Vor allem im ersten Film dieser außergewöhnlichen Filmreihe „Whispering Corridors“ (1998) macht sich der Einfluss bemerkbar. Die beiden letzten Filme lauten „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009).

In „La Residencia“ wollte man alles richtig machen. Stimmte bei einer Szene auch nur eine Kleinigkeit nicht, so wurde sie komplett neu gedreht. Dabei beherrscht vor allem die deutsche Schauspielerin Lilli Palmer die Szenerie. Sie geht vollkommen in ihrer Rolle auf und sorgt dabei für eine gehörige Portion Beklemmung, welche den gesamten Film durchzieht. Doch war Regisseur Serrador im Ganzen seiner Zeit voraus. Als Beispiel seien hier die Death Scenes genannt, in denen Serrador eine radikale Zeitlupe verwendet, die er bis zum Stillstand der Bilder vorantreibt. In einem anderen Zusammenhang verwendete Peter Fonda diese Technik 1971 für seinen Western „Der lange Ritt“.

„La Residencia“ vermischt dabei unterschiedliche Stile des Trash-Films. Vom Gothic-Horror mit vielen unheimlichen Momenten ausgehend, gelingt es ihm mühelos in das Sexploitation-Genre überzugehen, wenn Señora Fourneau eine der jungen Frauen von drei anderen Schülerinnen auspeitschen lässt. Auf dieser Ebene nimmt der Film bereits alles vorweg, was dann in der berühmten Schmuddelfilm-Ära auf der Leinwand erscheinen sollte.

Damit das Projekt auch gelingen konnte, wurde es teilweise von der spanischen Regierung mitfinanziert. Die Ironie dabei: der Film kritisiert indirekt Francos Regime, was anscheinend von den Geldgebern nicht bemerkt wurde. Doch unabhängig davon ist „La Residencia“ einer der Horrorfilme, die man gesehen haben muss.

Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat (La Residencia). Regie u. Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador, Produktion: Arturo Gonzales, Darsteller: Lilli Palmer, Cristina Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude, Candida Losada. Spanien 1969, 104 Min.

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Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

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Besonders in den 50er Jahren war das Personalpronomen „It“ in den Filmtiteln recht beliebt. Es stand schlicht und ergreifend für das Andere, das Nicht-Weltliche und damit für eine überaus fremdartige Bedrohung. Das Wörtchen it wurde danach seltener, doch gelegentlich tauchte es wieder auf. Im folgenden haben wir daher eine kleine Liste mit den entsprechenden Filmen aufgestellt:

It came from Outer Space (1953) ist nicht nur ein Filmklassiker, sondern wurde zudem in 3D gedreht. Die damalige 3D-Welle sollte – nicht weniger wie heute – die Zuschauer wieder zurück in die Kinos bringen, die ab den 50er Jahren lieber vor dem Fernseher saßen. Parallel dazu wurde für denselben Zweck auch Cinemascope entwickelt. Jack Arnolds SF-Thriller nimmt zudem die Idee von „Invasion der Körperfresser“ vorweg: Bizarre Außerirdische übernehmen menschliche Körper. Also Paranoia-Kino pur. Das Monster mit dem Glotzauge ist rasch zum Bestandteil der Popkultur geworden. Für das Drehbuch war übrigens der amerikanische SF-Autor Ray Bradbury verantwortlich.

It came from beneath the Sea (1955) hatte den einzigen Zweck, um auf die Zuschauer ein Effektgewitter loszulassen. Ein Riesenkrake greift San Francisco an – und natürlich muss mal wieder die Golden Gate Bridge dran glauben. Ray Harryhausen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, ging es doch darum, einem achtarmigen Riesenoktopus Leben einzuhauchen. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch sehen, ein gelungener und spannender SF-Horror-Monster-Film, der die Stop Motion-Technik voll zur Geltung bringt. Später bezeichnete Harryhausen seine für die Großleinwand kreierten Effekte als Dynamation. Ab den 80er Jahren jedoch erhielt er immer weniger Aufträge, da er seine eigene Technik nicht weiter entwickelte, während andere Firmen bereits mit Computereffekten arbeiteten.

It conquered the World (1956) ist ein typischer Roger Corman Film. Corman, der in seiner gesamten Karriere als Regisseur und Produzent nur zwei Flops hinlegte, erzählt darin die Geschichte von einem Monster von der Venus, das auf der Erde landet, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei macht es sich einen Wissenschaftler zunutze, der glaubt, dass das Monster der Welt Frieden bringen wird. Das rettichartige Ungetüm mit Augen und spitzen Zähnen hat Kultcharakter. In England war der Film zunächst nur für Erwachsene zugelassen, da man das Abfackeln des Monsters unter den Aspekt der Tierquälerei betrachtete. Man sieht, nicht nur unsere deutschen Behörden haben einen an der Waffel. Der Film zählt zu den besten Produktionen aus dem Hause Corman.

From Hell it came (1957) dürfte eine der wohl originellsten Handlungen besitzen. Der Prinz eines Südsee-Stammes erhält die Todesstrafe, nachdem er einen Mann ermordet haben soll. Seine Leiche wird in einem hohlen Baumstamm gelegt und begraben. In der Nähe führen Wissenschaftler Experimente mit radioaktiven Elementen durch. Die Radioaktivität erweckt den Prinzen wieder zum Leben – als wandelnden Baumstamm. „From Hell it came“ zählt zu den schlechtesten Filmen der Filmgeschichte. Allerdings ist der Film so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wer auf Baumstämme steht, die kreischende Bikini-Frauen herumschleppen, ist hier genau richtig – Schlammcatchen inklusive.

It! The Terror from Beyond Space (1958) handelt von einer Marsexpedition im Jahr 1973, die eine verschollene Gruppe Wissenschaftler auf dem Roten Planeten aufspüren soll. Tatsächlich finden sie einen Überlebenden. Doch dieser faselt ständig etwas von einem Monster, das auf dem Mars sein Unwesen treibt. Erst glaubt ihm niemand. Doch dann? Genau, dann bekommt einer nach dem anderen eines auf die Mütze. Neben „Planet der Vampire“ gilt auch dieser Film als Inspirationsquelle für Ridley Scotts „Alien“. „It!“ ist ein durchweg spannender Film und das Monster genial in Szene gesetzt.

It (1990) lautet die erste Adaption von Stephen Kings Klassiker. Der zweiteilige TV-Film hätte eigentlich von George A. Romero gedreht werden und Tobe Hooper hätte das Drehbuch schreiben sollen. Doch wurde leider daraus nichts. Stattdessen übernahm Tommy Lee Wallace, der mit „Halloween 2“ sein Debut gefeiert hatte, die Regie und schrieb auch am Drehbuch mit. Mit fast 30 Millionen Zuschauern wurde „It“ zu einem der größten Erfolge der TV-Geschichte. Dies vor allem auch durch Tim Currys Darstellung von Pennywise. Stephen King selbst war von der Adaption begeistert. 1991 erhielt „It“ den Prime Time Emmy Award.

It Follows (2014) übernahm wieder das Pronomen aus den SF-Horror-Filmen der 50er Jahre. Das Debut von Regisseur David Robert Mitchell handelt von einem unheimlichen Wesen, das Jugendliche verfolgt. Erst wenn sie mit einer anderen Person Sex haben, wird der „Fluch“ auf jemand anderen übertragen. „It Follows“ ist vor allem ein gut gemachter Zitatenschatz, der von „Halloween“ bis zu „Ring“ reicht. Die einfache Handlung ist dicht und spannend umgesetzt, wobei die Musik nicht weniger interessant ist und sich irgendwie an Dario Argentos Hausband Goblin orientiert. Die Low Budget-Produktion wurde ein Riesenerfolg. Leider wird zurzeit an einem zweiten Teil gebastelt, der wahrscheinlich wieder alles vermasselt.

It (2017) ist die zweite Adaption von Stephen Kings Roman. Schon jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2017. Allerdings wurde nur die erste Hälfte des Romans verfilmt. Die zweite Hälfte soll angeblich 2018 in die Kinos kommen. Irgendwie hat die Neuverfilmung anscheinend den Zahn der Zeit getroffen. Nur so ist der Erfolg zu erklären. Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr, dass Horror längst zum Mainstream gehört, auch wenn unsere Pädagogen noch immer dagegen angehen. Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber das Plakat sieht nicht schlecht aus :D .

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Im Jahr 1965 wechselte der italienische Meisterregisseur Mario Bava kurz einmal das Genre. Statt eines reinen Horrorfilms, lieferte er eine Mischung aus SF und Horror ab, die in Deutschland unter dem Titel „Planet der Vampire“ (der Originaltitel lautet „Terrore nello spazio“) erst 1968 in die Kinos kam. Der Film entstand im Auftrag der American International Pictures, die in den 60er Jahren eng mit den italienischen Filmstudios zusammenarbeiteten.

Es geht darum, dass die Besatzungen zweier Raumschiffe, Argos und Galliot, plötzlich ein Notsignal empfangen, dessen Ursprung auf dem Planeten Aura liegt. Während die Galliot abstürzt, wird das zweite Raumschiff durch eine unbekannte Macht zur Landung gezwungen. Für einen Moment verliert die Besatzung das Bewusstsein. Als alle wieder zu sich kommen, ist klar, dass die Argos nicht sofort wieder starten kann. Während der Reparaturen, beschließt Captain Markarys den Planeten zu erkunden und stößt dabei auf ein vor Jahren auf dem Planeten gestrandetes Raumschiff aus einer anderen Galaxie. Zugleich beginnen sich manche Mitglieder von Markarys Mannschaft sonderbar zu benehmen …

Obwohl Ridley Scott behauptet, dass „Alien“ nichts mit Bavas „Planet der Vampire“ zu tun habe, sind die Ähnlichkeiten doch überraschend groß. Das Notsignal, das fremde Raumschiff, ja sogar die Überreste der fremdartigen Außerirdischen finden sich in Scotts Klassiker aus dem Jahr 1979 wieder. Der Ideenklau ist nicht zu übersehen, auch wenn dies nur den Anfang von „Alien“ betrifft.

Die Reste eines der seltsamen Außerirdischen in „Planet der Vampire“, verbunden mit Bavas intensiver Farbgebung; „Planet of the Vampires“ (1965); Copyright: MGM

Doch unabhängig davon, schuf Bava mit „Planet der Vampire“ einen sehr spannenden und dichten SF-Horrorfilm, der alles hat, was einen typischen Mario Bava-Film ausmacht: wundervolle Farben, surreale Kulissen und gespenstische Laute. Die Spannung erhöht sich noch dadurch, da es zu Konflikten innerhalb der Mannschaft von Captain Markarys kommt, da einer nach dem anderen von einer unbekannten Macht beeinflusst wird.

Dies führt dazu, dass die Reparaturen an dem Raumschiff sabotiert werden, um einen Abflug zu verhindern. Und schließlich tauchen auch noch die Besatzungsmitglieder des abgestürzten Raumschiffes Galliot auf, die sich wie Zombies auf die Argos zubewegen.

Bava lässt in seinem Film nichts aus, um die Spannung noch höher zu schrauben. Nicht weniger faszinierend ist Captain Markarys Erkundung des fremden Raumschiffes. Hierbei arbeitet Bava vor allem mit Andeutungen im Hinblick auf die Fremdartigkeit der Außerirdischen, was speziell diese Szenen herausragend macht. Denn Bava spielt dabei mit der Fantasie der Zuschauer, ein wundervoller Aspekt, der in heutigen Produktionen leider vollkommen abhanden gekommen ist.

Man ist geradezu gefesselt von der Handlung, die geradezu rasant von einem unheimlichen Moment zum nächsten führt, dabei jedoch nie den Faden verliert, sondern alles innerhalb des vorgegebenen Rahmens behält. All dies macht „Planet der Vampire“ zu einem faszinierenden Filmerlebnis, auch wenn man Bavas Klassiker bereits unzählige Male gesehen hat.

 

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Die Produktionsfirma Amicus verstand sich als Konkurrenz zu Hammer Films. Doch im Gegensatz zu Hammer, die in den 70ern nur noch Flops einfuhren, erkannte Amicus die Zeichen der Zeit und verlegte sich in den 70er Jahren weg vom Horrorgenre zu Fantasy-Abenteuer-Filmen, in denen vor allem der US-amerikanische Schauspieler Doug McClure die Rolle des draufgängerischen Helden spielte.

Neben den „Caprona“-Filmen, war es schließlich „Tauchfahrt des Schreckens“ (im Original: „Warlords of Atlantis“), der einer der größten Erfolge für Amicus wurde. Der Film erzielte Rang 15 der erfolgreichsten Kinofilme im Jahr 1978. Es geht um eine Expedition ins Bermuda-Dreieck am Ende des 19. Jahrhunderts, in dem der Ingenieur Greg Collinson eine neuartige Taucherglocke testen möchte. Mit an Bord des Forschungsschiffes ist auch der Archäologe Charles Aitken, der am Meeresgrund die Reste eines versunkenen Reiches vermutet. Kaum sind Collinson und Aitken unter Wasser, als sie plötzlich von einem Plesiosaurier angegriffen werden.

Am Meeresboden entdecken sie tatsächlich eine sonderbare Skulptur aus reinem Gold. Doch da taucht das nächste Ungeheuer auf, ein Riesenkrake, der das Schiff angreift und die Taucherglocke in eine Höhle zerrt. Von dort aus werden sie von einer Strömung aus der Höhle gerrissen und gelangen wieder an die Oberfläche. Und schon haben sie es mit weiteren Monstern und einem sonderbaren Volk zu tun …

Wie die Inhaltsangabe bereits verrät, geht es in dem Film von einem Abenteuer ins nächste. In der Tat gibt es in „Tauchfahrt des Schreckens“ keine ruhige Minute. Collinson und Aitken haben stets alle Hände voll zu tun, um sich aus diversen gefährlichen Situationen zu retten, zwischendurch meutert die Besatzung an Bord es Forschungsschiffes, um die Goldstatue zu ergattern, während am Meeresgrund bereits wieder andere Gefahren lauern.

„Tauchfahrt des Schreckens“ gilt als Klassiker des Fantasyfilms und verwebt darin klassische Lost Race-Merkmale, ohne sich dabei jedoch explizit auf eine literarische Vorlage zu beziehen. Dennoch liegt auf der Hand, dass hier einmal mehr die Werke von Edgar Rice Burroughs Pate gestanden haben, auf die sich bereits die beiden Filme „The Land that Time forgot“ und „The People that Time forgot“ (dt.: „Caprona- Das vergessene Land“ und „Caprona 2“) aus den Jahren 1975 und 1977 bezogen.

Das Besondere an den späten Amicus-Filmen ist, dass hier nicht an Monstern gespart wurde. So kommen auch in „Tauchfahrt des Schreckens“ neben dem Riesenkraken und dem Plesiosaurier weitere Riesenungeheuer vor, den Höhepunkt bildet dabei der furios in Szene gesetzte Angriff zweier Ungeheuer auf die mysteriöse Stadt, in die Collinson und Aitken geraten.

Trotz des enormen Erfolgs von „Tauchfahrt des Schreckens“, schlossen sich die Tore der Produktionsfirma Amicus Ende der 70er Jahre für immer. Grund waren nicht fehlende Einnahmen, sondern dass die Gründer der Firma nicht mehr weiter machen wollten. Was bleibt sind nicht nur spannend inszenierte Horrorfilme, sondern auch eine Reihe faszinierender Fantasy-Abenteuer, die bis heute nichts von ihrem grandiosen Unterhaltungswert verloren haben.

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Die junge Amerikanerin Lisa Reiner verläuft sich in einem Labyrinth aus kleinen Straßen und Gassen in einer spanischen Kleinstadt. Schließlich gelangt sie zu einer seltsamen Villa, in der eine Gräfin, ihr Sohn und ein Butler wohnen. Der Sohn ist davon überzeugt, in Lisa die Reinkarnation seiner verstorbenen Frau zu sehen. Der Butler schleppt stets eine eigenartige Puppe mit sich herum. Auch die alte Gräfin scheint irgendwie nicht ganz in Ordnung zu sein. Auf Lisa wartet eine Nacht voller Schrecken und Alpträume…

Mit seinem Werk „Lisa und der Teufel“ kommt Bava dem Traumhaften so nahe wie in keinem anderen seiner Filme. „Lisa e il Diavolo“, so der Originaltitel, ist ein Film, der im Grunde genommen keine Geschichte erzählt, sondern eine Ansammlung an surrealen Elementen ist.

Lisa verliert sich immer mehr in einem Labyrinth aus seltsamen Geschehnissen, für die sie keine Erklärung findet. In dem Butler glaubt sie das Ebenbild des Teufels zu erkennen, das sie auf einem merkwürdigen Gemälde in einer Kirche gesehen hat. Sie wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, der einer menschengroßen Puppe sehr ähnlich sieht. Zugleich liegt ein tiefer Schatten über der Verträumtheit der Villa, der die düstere Atmosphäre dieses Ortes widerspiegelt. „Lisa und der Teufel“ lässt sich mit Filmen wie Jess Francos „Eugenie“ oder Jean Rollins „The Naked Vampire“ vergleichen, die ungefähr im selben Zeitraum entstanden. Aber auch „Tanz der toten Seelen“ von Herk Harvey aus dem Jahr 1962 scheint dem Film Pate gestanden zu haben, zumindest zitiert Bava vor allem am Anfang und im Finale eben diesen Klassiker.

Lisa (Elke Sommer) findet die unheimliche Puppensammlung; „Lisa und der Teufel“ (1972); Copyright: e-m-s

Bei „Lisa und der Teufel“ liegt der Fokus nicht auf einer zu erzählenden Geschichte, sondern auf einer Aneinanderreihung von surrealen Begebenheiten. In dem Film ging Bava voll in seinem Sinn fürs Schauerliche, in seiner Liebe zum Surrealen und in seiner Ästhetik auf. Das Problem jedoch war, dass damals kein Verleih diesen Film haben wollte. Produzent Alfredo Leone drehte auf rasche und völlig unprofessionelle Weise zusätzliche Szenen, die mit Bavas Werk gar nichts mehr zu tun hatten, sondern ihm einen Touch von „Der Exorzist“ verliehen, da die Vertriebe damals Filme dieser Art besser vermarkten konnten. Die veränderte Fassung kam letztendlich auch in die Kinos. Bavas ursprüngliches Werk jedoch wurde damals nie aufgeführt. Erst zu Beginn der 2000er wurde die von Bava gedrehte ursprüngliche Fassung restauriert und veröffentlicht.

Als Regieassistent agierte übrigens sein Sohn Lamberto Bava, der sich in den 80er Jahren einen Namen durch die „Demons“-Trilogie machte. Bavas Filme sind hervorragende Beispiele für die Ästhetik des Grauens und beeinflussen bis heute das Genrekino. Der Einfluss von Mario Bava ist sogar im koreanischen Horrorgenre zu bemerken. Filme wie „A Tale of Two Sisters“ oder „Wishing Stairs“ sprechen eindeutig eine bavasche Sprache. So gesehen könnte man durchaus behaupten, dass Mario Bava nicht nur der Vater des modernen italienischen Horrorfilms ist, sondern des modernen Horrorfilms überhaupt.

Lisa und der Teufel (OT: Lisa el i Diavolo), Regie: Mario Bava, Drehbuch: Mario Bava, Alfredo Leone, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Telly Savalas, Silva Koscina, Alida Valli, Alessio Orano. Italien/Deutschland/Spanien 1972, 92 Min.

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Über mehrere Jahrzehnte hinweg produzierten die Hammer Studios einen Horrorfilm nach dem anderen, bis sie Mitte des 70er Jahre von der Entwicklung des modernen amerikanischen Horrorfilms überholt wurden. Meistens wurden in den Drehbüchern die Themen der Gothic-Novels sowie der viktorianischen Schauergeschichten verarbeitet, sodass sich viele Filme um Vampire, Spukhäuser und Hexen drehten. Aber auch SF-Thriller wie „XX-Unbekannt“ oder die „Quatermass“-Filme entstanden im und um das legendäre Hammerstudio. Die düsteren, liebevoll bis ins Detail gestalteten Kulissen trugen dabei zu dem besonderen Stil dieser Filme wesentlich bei. Die beiden Horror-Ikonen Christopher Lee und Peter Cushing starteten bei Hammer ihre Karrieren.

Als einer der vielen Hausregisseure der Hammer Studios galt Terence Fisher, dessen Dracula-Verfilmung bis heute als eine der besten Adaptionen des gleichnamigen Romans von Bram Stoker gilt. Für seine Stoffe suchte sich Fisher am liebsten Ideen von Robert Louis Stevenson, Mary Shelley oder eben Stoker aus. Mit dem Film „Dracula und seine Bräute“ (The Brides of Dracula) aus dem Jahr 1960 schuf er den ersten Vampirfilm, der mit dem Titel gebenden Held rein gar nichts zu tun hat.

Noch ahnt Marianne (Yvonne Monlaur) nicht, wer da neben ihr steht; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Die Geschichte spielt in Transsylvanien am Ende des 19. Jahrhunderts. Die junge Lehrerin Marianne befreit den Baron Meinster aus seiner Gefangenschaft, ohne zu ahnen, dass es sich bei ihm um einen bösartigen Vampir handelt. Kaum entkommen, fällt er auch schon über ein Mädchenpensionat her, in dem Marianne ihre neue Stelle antritt. Zum Glück aber befindet sich der berühmte Vampirjäger Dr. Van Helsing in der Nähe. Mit Kruzifix, Weihwasser und Holzpflock versucht er, das Treiben des blutgierigen Grafen zu stoppen.

„Dracula und seine Bräute“ ist der einzige Film, in dem ein blonder Vampir sein Unwesen treibt. Der unbekannte Schauspieler David Peel verleiht diesem Untoten einen wirklich teuflischen Charakter, der an Intensität seinesgleichen sucht. Leider sollte dies Peels einzige Vampirrade sein. Kurz darauf zog er sich aus dem Filmgeschäft zurück, um sein Geld als Immobilienmakler zu verdienen. Das schöne Opfer spielt Yvonne Monlaur, die ein Jahr zuvor durch den damaligen Skandalfilm „Der rote Schatten“ (1959) bekannt wurde.

Graf Meinster (David Peel) bei der Arbeit; „Dracula und seine Bräute“ (1960); Copyright: Koch Media

Fishers zweiter Vampirfilm („Dracula“ entstand wenige Jahre zuvor) glänzt durch eine aufregende Handlung, Witz und natürlich – wie bereits erwähnt – jene Hammer-typischen Kulissen, von denen diesmal die alte Windmühle, in welcher der Showdown stattfindet, wundervoll in Szene gesetzt wurde. Das Design diente später Tim Burton als Vorbild für „Sleepy Hollow“, sozusagen seine Hommage an die Zeit der Hammer Studios.

Im Gegensatz zu den Horrorfilmen der American International Pictures, die Vincent Price unter Vertrag hatten und bis Ende der 60er kaum Blut und nur wenig nackte Haut zeigen durften, fielen die Hammerfilme in der Regel drastischer und sinnlicher aus. Besonders bei „Dracula und seine Bräute“ wagten sich Terence Fisher unf Drehbuchautor Jimmy Sangster über die Grenze des Moralischen hinaus. So kommt es in einer zentralen Szene zu einer Art Inzest, indem Graf Meinster seiner eigenen Mutter das Blut aussaugt. Eine Szene, die bis heute innerhalb des Vampirgenres einzigartig sein dürfte.

Dracula und seine Bräute (OT: The Brides of Dracula), Regie: Terence Fisher, Drehbuch: Peter Bryan, Edward Percy, Jimmy Sangster, Produktion: Amthony Hinds, Darsteller: Peter Cushing, Martita Hunt, Yvonne Monlaur, Freda Jackson, David Peel. England 1960, 82 Min.

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