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Posts Tagged ‘Trashfilme’

Interessanterweise schlich sich in Roger Cormans berühmte Reihe von Poe-Verfilmungen auch ein Drehbuch, das auf einem Roman von H. P. Lovecraft basiert. Es handelt sich dabei um die Adaption von „Der Fall des Charles Dexter Ward“. Wie in fast allen Horrorfilmen der amerikanischen Produktionsfirma American International Picture, die sozusagen die amerikanische Konkurrenz zu den englischen Hammer-Filmen darstellte, spielte auch hier Horrorikone Vincent Price die Hauptrolle.

Der Film beginnt im Neuengland des Jahres 1756. Der Hexenmeister Curwen wird auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Kurz vor seinem Tod verflucht er das Dorf Arkham bis in alle Ewigkeit. Etwa 100 Jahre später zieht Charles Dexter Ward, ein entfernter Verwandter Curwens, in das Haus des Hexenmeisters. Doch kaum ist er zusammen mit seiner Frau Ann darin eingezogen, als es auch schon zu mysteriösen Todesfällen kommt. Die Einwohner erinnern sich an den Fluch und beschuldigen Ward, dafür verantwortlich zu sein. Unglücklicherweise hat dieser die Aufzeichnungen seines Vorfahren entdeckt und beginnt zunehmend die Eigenschaften Curwens anzunehmen …

Nachts am Friedhof – ein Beispiel für die erstklassige Farbgebung und die wundervollen Kulissen des Films; „Die Folterkammer des Hexenjägers“ (1963); Copyright: e-m-s

„The Haunted Palace“, so der Originaltitel, gehört zu den besten Filmen Roger Cormans. Zwar bezieht sich der Film nur in Ansätzen auf die Romanvorlage und teilt damit das Schicksal der verfilmten Werke Edgar Allan Poes, doch liefert Corman in diesem Streifen eine durchgehend düstere und bedrückende Atmosphäre sowie eine durchweg spannende Handlung. In kleinen Anspielungen auf Lovecrafts Werk tritt ein Fischmensch auf und gegen Ende des Filmes sogar Cthulhu höchstpersönlich.

Die Kulissen, welche die Stadt Arkham darstellen, sind äußerst liebevoll und bis ins Detail gestaltet. Lovecraft hätte sicherlich seine Freude daran gehabt. Vincent Price spielt einmal mehr eine durch und durch tragische Figur, deren psychischer Schmerz Ursache für alles Unheil ist. Dies gelingt Price wie immer hervorragend. Sein dämonisch-finsterer Blick sowie seine klassisch anmutende Gestik sind einfach typisch für fast alle seine Filme und besitzen bis heute Kultcharakter.

Auf diese Weise gelang des Corman, Lovecrafts Vorlage äußerst feinfühlig umzusetzen. Dies macht „Die Folterkammer des Hexenjägers“ zu einem wunderbaren Filmvergnügen – und zwar immer wieder von neuem.

Die Folterkammer des Hexenjägers (OT: The Haunted Palace), Regie u. Produktion: Roger Corman, Drehbuch: Charles Beaumant, Darsteller: Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney, Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook Jr., John Dierkes. USA 1963, 84 Min.

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Wer in Deutschland einen Horrorfilm machen möchte, steht zunächst einmal vor verschlossenen Türen. Viele Produzenten rümpfen vor diesem Genre die Nase, da sie Horror von Anfang an in die Schmuddelecke verbannen. Daher werden in Deutschland kaum Horrorfilme produziert. Und die, die produziert werden, müssen mit sehr wenig Geld auskommen.

So erging es auch Regisseur Andreas Marschall mit seinem Film „Tears of Kali“ aus dem Jahr 2004. Die Handlung: Anfang der 80er Jahre gründen sich in Indien eine Reihe esoterischer Gruppen, die Anlaufstellen für Geistesschwache, Drogensüchtige und Leute auf der Suche nach Selbsterfahrung sind. Eine dieser Gruppen trägt den Namen Taylor-Eriksson-Group. Diese Sekte treibt die Suche nach Selbsterfahrung und Selbstfindung weit über die Grenzen des menschlichen Verstandes hinaus. Eines Tages jedoch sind alle Mitglieder der Sekte spurlos verschwunden. Ihre abartigen Methoden aber werden von manchen Menschen weiterhin praktiziert …

Ein Beispiel für die tolle Optik: „Tears of Kali“ (2004); Copyright: Anolis Entertainment

Das extrem kleine Budget, das Marschall zur Verfügung stand, gab er nicht für Effekte aus, sondern konzentrierte sich mehr auf die Schaffung einer bedrohlichen, dichten Atmosphäre. Sein Film „Tears of Kali“ ist aus dieser Sicht ein genialer Horrorfilm, der es durchaus  – im Hinblick auf die unheimliche Charakterisierung – mit Genrelichtern wie „Ring“ aufnehmen kann. Der Episodenfilm ist in drei Geschichten aufgeteilt, die jedoch alle durch die Machenschaften der Taylor-Eriksson-Group zusammenhängen. Dabei geht Andreas Marschall in lovecraftscher Manier vor, indem er immer wieder Leute auftauchen lässt, die über ein bizarres Wissen verfügen, das letztendlich nur dazu dient, die Menschen ins Chaos zu stürzen. Dadurch deutet der Film  – ebenfalls im Sinne Lovecrafts – ein kosmisches Grauen an, das jenseits des menschlichen Verstandes liegt.

Aufgebaut sind alle drei Geschichten wie Kammerspiele. Durch einfallsreiche Kameraperspektiven und unterschiedliche Schnittfolgen aber gelingt es Marschall, über das geringe Budget hinwegzutäuschen. Durch die Enge der Räume, in denen sich die Protagonisten aufhalten, wird von Beginn an eine alptraumhafte Atmosphäre erzeugt, die dadurch verstärkt wird, dass den Figuren jeglicher Fluchtweg verwehrt bleibt. Hinzu kommen sehr gute und intensive Dialoge, in denen die Erfahrungen der Taylor-Eriksson-Group zu einer Art kosmischen Bedrohung aufgebaut werden.

„Tears of Kali“ ist sehr spannend und kurzweilig inszeniert und bietet eine Reihe recht unheimlicher Szenen. Spätestens dann, wenn die Patientin einer Irrenanstalt ständig von einem „toten Mädchen“ faselt, wird es dem Zuschauer zunehmend ungemütlich …

Marschalls Film wurde in Deutschland kaum beachtet. Im übrigen Europa dagegen, ja sogar in den USA erhielt „Tears of Kali“ auf Filmfestivals diverse Preise und wurde mehrfach nominiert. Ein überaus sehenswerter Horrorfilm, der zeigt, dass für Qualität kein großes Budget notwendig ist.

Tears of Kali, Regie und Drehbuch: Andreas Marschall, Produktion: Olivera Becker, Heiner Thimm, Darsteller: Mathieu Carriere, Peter Martell, Cora Chilcott, Vronie Kiefer, Deutschland 2004, 90 Min.

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diemonsterdie„Can you stand PURE TERROR?“ war auf dem damaligen Kinoplakat zu dem Film „Die, Monster, Die!“ zu lesen, der in Deutschland unter dem Titel „Das Grauen von Schloss Witley“ in die Kinos kam. Das Drehbuch basiert auf der Erzählung „Die Farbe auf dem All“ von H. P. Lovecraft. Obwohl auch dieser Film von American International Pictures stammt, wirkt hier nicht Stammschauspieler Vincent Price mit. Stattdessen ließ die Produktionsfirma einen weiteren Star des Horrorgenres auf die Zuschauer los. Es handelte sich dabei um keinen Geringeren als Boris Karloff, der als wahnsinniger Wissenschaftler für Furore sorgen sollte.

Der Film erzählt von Stephen, der seine Verlobte Susan auf Schloss Witley besucht. Kaum ist er dort, als Susans Mutter beide drängt, das Schloss sofort zu verlassen. Doch Stephen möchte unbedingt hinter das Geheimnis des Schlosses kommen, in dem Susans Vater unheimliche Experimente durchführt. Schließlich treten sie dem „puren Terror“ von Angesicht zu Angesicht gegenüber …

„Die, Monster, Die!“ ist zwar ein gelungener Trash-Horror aus dem Hause AIP, besitzt aber zugleich nicht die Qualität und den Charme der Vincent-Price-Filme, auch wenn SF- und Horrorautor Jerry Sohl das Drehbuch verfasste. In David Hallers Film stehen Alleskönner Stephen und seine stets kreischende Verlobte einem müde erscheinenden Boris Karloff gegenüber. Was man dem Film aber dennoch zugute halten muss, ist, dass es ihm gelingt, den Zuschauer immer wieder zu überraschen.

Ebenso interessant ist, dass „Die, Monster, Die!“ gezielt auf Schockeffekte setzt. Im Kino verfehlten diese sicherlich nicht ihre Wirkung. Es handelt sich dabei um den Einsatz von nervenaufreibender Stille, der unerwartet ein lautes Geräusch folgt, um dadurch das Publikum aus den Kinositzen fahren zu lassen. Gerne wird diese Methode auch in heutigen Filmen eingesetzt wird. So wirken die Schockeffekte, mit denen „Das Grauen von Schloss Witley“ gewürzt ist, auch heute noch, was den Unterhaltungsgrad des Films noch erhöht.

Mit dem Werk Lovecrafts hat der Film natürlich kaum noch etwas zu tun. Als klassischer Horrorfilm aber ist er immer wieder sehenswert.

Das Grauen auf Schloss Witley (OT: Die, Monster, Die!), Regie: Daniel Haller, Drehbuch: Jerry Sohl, Produktion: Pat Green, Darsteller: Boris Karloff, Nick Adams, Susan Farmer, Freda Jackson, Paul Farrell, Terence de Marney. USA 1965, 75 Min.

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centipedeMonster in Höhlen. Solche Geschichten haben sich sicherlich bereits unsere Vorfahren in der Steinzeit erzählt. Für einige Zeit war dieses Thema wieder interessant geworden. So führte der Film The Descent zu einigen Nachfolgeproduktionen, zu denen man unter anderem auch Centipede zählen kann.

Der Film handelt von einer Gruppe Hobbyhöhlenforscher, die eine Reise nach Indien unternehmen, um dort die noch unerforschte Shankali-Höhle zu erkunden. Doch kaum sind sie in der Höhle angekommen, als sie auch schon von einem nicht sehr zahmen Tausendfüßler angegriffen werden. Im Laufe des Filmes werden diese Biester nicht nur mehr, sondern auch noch größer …

Klar ist, bei Centipede handelt es sich um einen Trash-Film, und etwas anderes hatte Regisseur Gregory Gieras auch nie vorgehabt. Mit einem Budget von etwa 500.000 Dollar war wirklich nicht viel Geld vorhanden, immerhin aber reichte es für ein paar Gummitausendfüßler. Dass sich deren Beine nicht bewegen, sondern sie an einem Seil über den Boden gezogen werden, ist hierbei nicht einmal schlimm, sondern sogar richtig spaßig. Interessant hierbei ist, dass der Film tatsächlich in Indien gedreht wurde.

Gieras blieb der Kombination aus Trash und Tierhorror treu und schrieb bzw. schreibt seine Filme weiterhin selbst. So stammte aus seiner Feder u. a. die spätere Trash-Granate Big Ass Spider.

Centipede, Regie u. Drehbuch: Gregory Gieras, Produktion: Eileen Craft, Darsteller: Larry Casey, Margaret Cash, Trevor Murphy. USA 2004, 94 Min.

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dawnofthemummyAgramas Dawn of the Mummy steht im Subgenre des Mumienfilms einzigartig dar. Er ist der einzige Mumienfilm mit kannibalischen Einschüben. Bis dahin erwürgten die wiedererweckten Mumien ihre Opfer, schickten ihnen diverse Plagen hinterher oder erschreckten sie einfach. Bei Dawn of the Mummy aber haben wir es mit Mumien zu tun, die es auf Menschenfleisch abgesehen haben.

Die Handlung ist folgende: Vier Models reisen mit ihrem Fotographen für ein Fotoshooting nach Ägypten. Als geeignetes Set bietet sich ein gerade eben entdecktes Grab des mysteriösen Pharaos Safiram an. Niemand von ihnen weiß, dass ein entsetzlicher Fluch auf diesem Grab lastet. Tatsächlich erwacht die Mumie zum Leben. Nach und nach werden die Models Opfer des untoten Pharaos. Doch dabei bleibt es nicht. Denn zusammen mit Safiram ist auch seine Armee aus Zombies erwacht. Der Kampf der Lebenden gegen die Toten hat somit begonnen …

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Die Mumien kommen! „Dawn of the Mummy“ (1980); Copyright: Eurovideo

Der Filmtitel sollte eine Anspielung auf Romeros ein Jahr zuvor erschienenen Zombiefilm Dawn of the Dead sein. Natürlich versteckte Agrama zwischen den Zeilen seines Drehbuchs keine sozialkritischen Aspekte, wie dies seinerzeit Romero tat. Vielmehr wollte er den einschlägigen Mumienfan einfach überraschen und dieses Genre etwas auffrischen. Seine Idee: die Brutalität des Films von Szene zu Szene steigern, um zum Schluss in eine regelrechte Splatterorgie auszuarten. Dabei wirkt Dawn of the Mummy subgenreüberschreitend. Er macht zum einen Anleihen bei den sog. Kannibalenfilmen, die durch Joe D’Amatos Ende der 70er entstandenen Cannibal Holocaust für Furore sorgten. Zum anderen greift Agrama zu Aspekten des klassischen Zombiefilms. Dadurch schrieb Dawn of the Mummy sozusagen Mumienfilmgeschichte, da diese Kombination davor noch nie gewagt wurde. Mit mehreren überraschendenWendungen und einer insgesamt spannenden Inszenierung wurde der Film zum heimlichen Klassiker von Horror- und Trash-Fans.

Nach Dawn of the Mummy kehrte erst einmal für sehr lange Zeit Ruhe in Sachen Mumienfilm ein. Zwar wurden ein paar Fernsehfilme produziert, doch die Kinos durften die Mumien erst einmal nicht mehr unsicher machen. Erst Talos – Die Mumie aus den 90er Jahren schlug wieder Wellen und schließlich Sam Raimis Die Mumie, die (wie soll’s anders sein) ein Remake des gleichnamigen Films aus den 30er Jahren war. Doch eine Verbindung zwischen Kannibalen- und Mumienfilm hat bisher niemand mehr in Angriff genommen.

Dawn of the Mummy, Regie u. Drehbuch: Frank Agrama, Produktion: Ahmed Agrama, Darsteller: Brenda King, Barry Sattles, George Peck, John Salvo, Ibrahim Kahn, USA/Italien 1981, 88 Min.

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reitendeleichenMit Die Nacht der reitenden Leichen schuf Regisseur Amando de Ossorio einen zeitlosen Klassiker des spanischen Horrorkinos. Der Film hat die Legenden der grauenvollen Riten der Tempelritter zum Thema, die auch noch nach ihrem Tod als blutgierige Zombiegerippe durch die Landschaft reiten.

Der Film beginnt mit dem Wanderurlaub eines jungen Paars, das plötzlich in Streit gerät. Die Folge des Streits: Virginia flüchtet in die Ruinen eines verfallenen Klosters, um dort zu übernachten. Doch sobald die Sonne untergeht, kommen die Templer aus ihren Gräbern. Als ihrem Freund Roger es doch etwas zu merkwürdig vorkommt, dass Virginia nicht mehr zurückkehrt, beschließt er, sie auf eigene Faust zu suchen. Dabei kommt er ebenfalls zu dem abgelegenen Kloster …

Die beiden größten Fragen, die dieser Film seit jeher aufgeworfen hat, lauten: wieso 1. die Pferde der Tempelritter nicht auch nur aus Knochen bestehen und 2. woher diese Pferde überhaupt stammen. Wenn man sich jedoch nicht weiter darüber den Kopf zerbrechen möchte, so bietet Die Nacht der reitenden Leichen eine schöne Geistermär, in der um Mitternacht die Geisterglocke durch das Kloster hallt, die Einwohner jene gespenstische Gegend seit jeher meiden und furchtbar langsame Gerippe in staubigen Mönchskutten auf Opfersuche gehen. In der Tat wundert man sich immer wieder, wieso die Menschen diesen extrem langsamen Knochenmännern nicht entkommen können. Aber sei’s drum. Wenn die Leichen erst auf ihren Pferden sitzen, liefern sie eine herrliche Gespensterästhetik, die jedes Mal von neuem begeistert.

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Die Tempelritter sind erwacht. „Die Nacht der reitenden Leichen“ (1971); Copyright: Atlas Film

Insgesamt drehte Ossorio noch drei Fortsetzungen mit den Titeln Die Rückkehr der reitenden Leichen, Das Geisterschiff der reitenden Leichen sowie Das Blutgericht der reitenden Leichen. Während im zweiten Teil die knöchernen Tempelritter eine spanische Kleinstadt überfallen und dieser Film mit einem gewissen Tempo aufwartet (manche halten ihn sogar für besser als das Original), besitzt Teil drei eine sehr schöne Geisterschiffkulisse. Hinzu kommt eine angenehm trashige Handlung, in der es darum geht, dass eine Gruppe Fotomodells auf das Schiff der reitenden Leichen gerät. Teil vier schließlich ist der schlechteste Film der Reihe. Hier zieht ein Ehepaar in einen kleinen Küstenort, dessen Einwohner alle sieben Jahre den Templern Opfer darbringen.

Mir persönlich gefällt der Originalfilm am besten. Die Darstellung des auf Volksglauben basierenden Spuks ist hier überaus gelungen. Dieser Film macht aufgrund seiner Mischung aus wundervoll gefilmter Gruselästhetik und Trash einfach immer wieder Spaß. Natürlich drehte Ossorio auch noch weitere Trash- und Horrorfilme, doch wurden diese nie auf dieselbe Weise wahrgenommen wie seine Filme über die reitenden Leichen.

Die Nacht der reitenden Leichen (OT: La Noche del terror ciego), Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produktion: Jose Antonio Perez Giner, Darsteller: Lone Fleming, Cesar Burner, Elena Apron, Joseph Thelman, Maria Silva. Spanien 1971, 97 Min.

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aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

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Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

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Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

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