Wieviel Gore ist denn da drin? – Über eine Untersuchung, die keine brauchbaren Ergebnisse liefert

americanhorrormovies
Das Buch erschien 2010 und wurde 2013 neu aufgelegt. Darin befindet sich auch die Untersuchung von Davis/Natale.

Vor wenigen Jahren veröffentlichten die beiden Kulturwissenschaftler Blair Davis und Kial Natale eine Untersuchung über den Gore-Gehalt von Horrorfilmen, die zwischen den Jahren 1997 und 2007 erschienen sind. Für jedes Jahr suchten sie zehn Filme aus und überprüften, wieviel Sekunden/Minuten an Gore-Szenen im jeweiligen Film vorkommen. Das Ziel ihrer Untersuchung war es oder besser sollte es sein, einen Überblick darüber zu erhalten, ob sich der Gore-Gehalt von Horrorfilmen über die Jahre hinweg verringert oder vergrößert hat.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2003 der Gore-Gehalt von Horrorfilmen am höchsten war (alle rezipierten Filme kamen insgesamt auf ca. 400 Sekunden). Danach ging der Gehalt wieder zurück. Und was sagt uns das? Im Grunde genommen überhaupt nichts. Denn Davis und Natale können mit ihrer Untersuchung nicht wirklich etwas über den Gore-Gehalt von Horrorfilmen innerhalb des angegebenen Zeitraums aussagen.

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Die Auswahl der Filme erfolgte rein subjektiv. Der wichtige Film „Event Horizon“ wurde z.B. nicht ausgewählt.

Sie wählten die Filme rein subjektiv aus, sodass – wie sie selbst in ihrer Untersuchung zugeben -, es schwer fiel, für manche Jahre zehn Filme zusammenzubekommen. Zweitens wählten sie nur Filme aus, die im Kino liefen. Drittens berücksichtigten sie überhaupt nicht Filme, die direkt für den Video- bzw. DVD-Markt produziert wurden, also sog. Direct to Video-Productions.

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Direct to Video-Productions wurden nicht in die Untersuchung aufgenommen, was die Ergebnisse zusätzlich verfälschen.

Das Problem an Horrorfilmen, die für die Leinwand produziert wurden, ist, dass sie eigentlich nicht als Horrorfilme vermarktet werden, obwohl sie natürlich dem Genre nach Horrorfilme sind. Dies hat den Grund, um auch Leute ins Kino zu locken, die Horror gegenüber abgeneigt sind. Die Produktionsfirma vermarktet folglich den Film eher als eine Art Event. Eine solche Marketingstrategie ist seit Ende der 90er Jahre festzustellen. Bestimmte Horrorfilme wurden nun einmal für ein breiteres Publikum konzipiert und genau auf diese Filme gehen die beiden Forscher ein, obwohl sie behaupten, dadurch ein Gesamtbild der Entwicklung innerhalb des Genres zeichnen zu können.

Dass beide Autoren die Direct to Video-Productions, in denen normalerweise mehr Gore-Szenen enthalten sind, da sie für ein spezielles Publikum produziert wurden, nicht berücksichtigten, ist ein großer Fehler und verzerrt nicht nur die gewonnenen Erkenntnisse, sondern macht diese völlig unbrauchbar. Auch die Beschränkung der Auswahl auf zehn Filme pro Jahr ist fragwürdig, da selbst dadurch kein Gesamtbild entworfen werden kann. Davis und Natale gingen nie wieder daran, um die Untersuchung erneut durchzuführen. Was bleibt sind Schaubilder und Tabellen, die niemandem etwas nützen.

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