Der Meister des Horrors – Zum Tod von Wes Craven

Wes Craven war nicht nur irgendein Horrorregisseur. Zusammen mit Tobe Hooper und George Romero zählte er zu den Gründern des postmodernen Horrorfilms. Nicht nur das, denn Mitte der 90er Jahre belebte er mit „Scream“ das brach liegende Horrorgenre neu.

cravenCraven, der eigentlich Philosophie studiert und zunächst als Englischlehrer gearbeitet hatte, legte 1972 mit „Last House on the Left“ einen regelrechten Skandalfilm hin. Es handelt sich um das Remake von Ingmar Bergmans Klassiker „Die Jungfrauenquelle“. Craven verlegte die Handlung aus dem Mittelalter in die Gegenwart, mehrere Szenen aber übernahm er von Bergman beinahe eins zu eins. Die Geschichte von zwei jungen Frauen, die in die Hände einer Gruppe brutaler Verbrecher geraten, verschlägt einem auch heute noch den Atem. Damals wurde der Film mit dem Slogan „Keep repeating: It’s only a movie“ beworben. Bis heute ist die ungeschnittene Fassung in Deutschland verboten. Andererseits zeigt sich an diesem Beispiel einmal mehr, wie mit Horrorfilmen umgegangen wird. Während Bergmans „Die Jungfrauenquelle“ hoch gelobt wurde, wurde Cravens Remake getadelt, Hauptdarsteller David Hess hatte danach Schwierigkeiten, weitere Rollen zu bekommen.

craven1Mit „The Hills have Eyes“ (1977) führte Craven die mit „Last House on the Left“ begonnene Thematik weiter. Wiederum geht es um die Frage, ob die Kategorien gut und böse überhaupt noch eine Gültigkeit besitzen. Es geht um eine Familie, die mitten in der Wüste Nevadas eine Autopanne hat. In unmittelbarer Nähe haust eine Gruppe degenerierter Menschen, die auf die Familie Jagd macht. So lange jedenfalls, bis sich ihre Opfer beginnen zu wehren. Ähnlich wie in „Last House“, so zieht Craven auch hier mächtig die Daumenschraube an. Aus Opfern werden Täter, die in ihrer Brutalität ebenfalls keine Rücksicht kennen. Wes Craven verwies hier auf den Aspekt, wie schnell sich Zivilisation in Barbarei verwandeln kann.

craven2Seinen endgültigen Einzug in die Popkultur erreichte der Regisseur durch „Nightmare on Elmstreet“ (1984). Die Figur des Freddy Krüger im Ringelpullover und mit Stahlklingenhandschuhen wurde zur Ikone des Horrorfilms. Interessant ist, dass im Vorspann des Films statt Special Effects von Theatereffekten die Rede ist. Doch egal, wie man die Effekte bezeichnen möchte, sie haben es auf jeden Fall in sich. Man denke nur an Johnny Depp, der in das Bett hineingezogen wird. So bizarr und surreal die Geschichte auch sein mag, der Hintergrund der Freddy-Figur ist real und historisch belegt. Sie bezieht sich auf einen Mann, der irgendwann im 19. Jahrhundert von aufgebrachten Bürgern einer Kleinstadt in einen Ofen gestopft und verbrannt wurde, da man ihn bezichtigte, Kinder missbraucht und ermordet zu haben.

craven31996 zog Wes Craven den Horrorfilm aus der Versenkung. Die Welle der Slasherfilme war längst abgeklungen, als er mit „Scream“ zu seinem erfolgreichsten Schlag ausholte. Der Film belebte nicht nur das Horrorgenre neu, sondern sorgte für eine bis heute anhaltende Welle von Slasherfilmen. Die berechtigte Frage lautet, wie es heute mit dem Horrorfilm als solchen aussehen würde, wenn Craven „Scream“ nicht gedreht hätte. Wie dem auch sei, „Scream“ zählt zu den Klassikern des Horrorfilms. Und es zeigt sich einmal mehr, dass Wes Craven ein wahrer Meister des Horrors gewesen ist.

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