Tierhorror (3): Kat

katWer schon immer mal wissen wollte, ob das Verschwinden seiner Nachbarn möglicherweise etwas mit seiner Katze zu tun haben könnte, der bekommt Aufschluss darüber in einem dänischen Katzen-Thriller, der sich speziell dieses Themas annimmt. „Kat“ ist ein recht interessanter Tierhorrorstreifen des dänischen Horrorregisseurs Martin Schmidt.

„Kat“ handelt von der Studentin Maria, die gemeinsam mit ihrer Freundin und ihrer Katze in einem Appartement wohnt. Die Obermieter sind die Großeltern von Marias Freundin und haben ein äußerst skurriles Hobby: Sie versuchen mit Dämonen in Kontakt zu treten. Bei einer der Seancen aber geht etwas schief. Ein äußerst boshafter Dämon übertritt die Schwelle in unsere Welt. Und auf einmal überschlagen sich die Ereignisse. Äußerst brutale Morde geschehen. Mit Marias Katze scheint etwas nicht zu stimmen. Maria selbst wird immer wieder von bizarren Visionen geplagt. Schließlich glaubt die Polizei, Maria selbst sei die Mörderin. Aus Mangel an Beweisen wird sie jedoch wieder freigelassen. Doch sucht nun Maria selbst nach den Ursachen für diese plötzlichen Geschehnisse. Anscheinend hängt alles mit ihrer Katze zusammen …

Für Leute aus dem Horrorgenre ist es recht einfach, mit Filmen über Spinnen beim Zuschauer Ekel bzw. Grauen zu erregen. Bei Filmen über unsere schnurrenden Hausgenossen aber wird dies schon schwieriger. In der Tat stellt es einen Regisseur vor eine schier unlösbare Aufgabe, einen Horrorfilm über eine Katze zu drehen. Die Sympathie der Zuschauer ist auf alle Fälle auf Seiten des Stubentigers. Daher bleibt der einzige Weg, eine äußerst subtile Art der Darstellung zu wählen, um somit auch beim größten Katzenfreund eine (kleine) Gänsehaut hervorzurufen.

Dies gelingt Martin Schmidt allemal. Die Katze mutiert in „Kat“ nach und nach zu einer mordenden Bestie, die sämtlichen Menschen, die sie streicheln wollen, eine mit ihren Krallen verpasst. Dabei spielt Schmidt mit den gängigen abergläubischen Vorstellungen über das Wesen der Katze. Auch die typische Fähigkeit von Katzen, plötzlich zu verschwinden, um irgendwann mal genauso plötzlich wieder aufzutauchen, wird dadurch zu etwas äußerst Unheimlichem und Bedrohlichem umgewandelt.

Die Figuren wirken dabei sehr überzeugend und werden von recht guten Schauspielern verkörpert. Die Spezial-Effekte sind durchaus gelungen und werden gegen Ende überaus blutig. Trotzdem ist „Kat“ alles andere als ein Splatter-Film. Vielmehr ist Martin Schmidts Gruselstreifen ein Garant für stilvollen Horror und bedrohliche Atmosphäre. – Aber denkt dran: nicht eure Katze sehen lassen …

Kat, Regie: Martin Schmidt, Drehbuch: Marie Trolle Larsen, Produktion: Henrik Danstrup, Darsteller: Liv Corfixen, Soren Pilmark, Martin Brygmann, Charlotte Munck. Dänemark 2001, 85 Min.

Tierhorror (2): Centipede

centipedeMonster in Höhlen. Solche Geschichten haben sich sicherlich bereits unsere Vorfahren in der Steinzeit erzählt. Für einige Zeit war dieses Thema wieder interessant geworden. So führte der Film The Descent zu einigen Nachfolgeproduktionen, zu denen man unter anderem auch Centipede zählen kann.

Der Film handelt von einer Gruppe Hobbyhöhlenforscher, die eine Reise nach Indien unternehmen, um dort die noch unerforschte Shankali-Höhle zu erkunden. Doch kaum sind sie in der Höhle angekommen, als sie auch schon von einem nicht sehr zahmen Tausendfüßler angegriffen werden. Im Laufe des Filmes werden diese Biester nicht nur mehr, sondern auch noch größer …

Klar ist, bei Centipede handelt es sich um einen Trash-Film, und etwas anderes hatte Regisseur Gregory Gieras auch nie vorgehabt. Mit einem Budget von etwa 500.000 Dollar war wirklich nicht viel Geld vorhanden, immerhin aber reichte es für ein paar Gummitausendfüßler. Dass sich deren Beine nicht bewegen, sondern sie an einem Seil über den Boden gezogen werden, ist hierbei nicht einmal schlimm, sondern sogar richtig spaßig. Interessant hierbei ist, dass der Film tatsächlich in Indien gedreht wurde.

Gieras blieb der Kombination aus Trash und Tierhorror treu und schrieb bzw. schreibt seine Filme weiterhin selbst. So stammte aus seiner Feder u. a. die spätere Trash-Granate Big Ass Spider.

Centipede, Regie u. Drehbuch: Gregory Gieras, Produktion: Eileen Craft, Darsteller: Larry Casey, Margaret Cash, Trevor Murphy. USA 2004, 94 Min.

Tierhorror (1): 12 Days of Horror

12daysofterrorNew Jersey 1916. Vor der Küste taucht eines Tages ein großer Weißer Hai auf. 12 Tage treibt er sein Unwesen, bevor ein alter Fischfänger versucht, das Tier zu fangen …

Die Geschichte von einem Weißen Hai, der vor der Küste ahnungslose Badegäste verspeist, kommt natürlich recht bekannt vor. Während Steven Spielberg mit „Jaws“ sich auf den gleichnamigen Roman von Peter Benchley bezog, bezog sich dieser wiederum auf eine wahre Begebenheit, die sich zwischen dem 1. und 12. Juli 1916 zugetragen hat. Diese Originalstory wurde 2004 von Horrorveteran Jack Sholder fürs Fernsehen verfilmt.

Das Budget war anscheinend ein bisschen größer als bei gewöhnlichen TV-Produktionen und so kam ein recht ansehnlicher Film heraus. Die Story beschränkt sich nicht nur auf die Jagd auf den Hai, sonders zeigt auch, wie aufgrund wirtschaftlicher und politischer Interessen Gefahren vertuscht oder verharmlost werden. Dadurch erhält Sholders Film eine gewisse Tiefe, die der Handlung unwahrscheinlich gut tut.

Eine deutliche Schwachstelle ist, dass der Hai größtenteils als Computeranimation in Erscheinung tritt. Ansonsten aber ist „12 Days of Terror“ ein gelungener Tierhorrorfilm, der ein hohes Maß an Spannung liefert.

12 Days of Terror, Regie: Jack Sholder, Drehbuch: Jeffrey Reiner, Tommy Lee Wallace, Produktion:Dennis Stuart Murphy, Richard G. Fernicola, Darsteller: Colin Egglesfield, John Rhys-Davis, Mark Dexter, Jenna Harrison, USA 2004, 86 Min.

Keiler – Tierhorror aus Südkorea

keiler„Mensch gegen Keiler“. So lautet einer der Slogans für diesen Film. Hinzu kommt die Bemerkung, dass es sich hier um ein riesiges, Menschenfleisch fressendes Wildschwein handelt. Zunächst denkt man: „Razorback“ lässt grüßen. Doch dann sieht man diesen Film und denkt nur noch eines: klasse!

Mit „Keiler“ liefert der junge Regisseur Jung-Won Shin eine extrem unterhaltsame und amüsante Mischung aus Satire, Komödie und Tierhorror. Es geht um ein kleines Dorf, das plötzlich von einer Serie unheimlicher Morde und Grabschändungen heimgesucht wird. Während die Polizei nach einem Serienmörder sucht, behauptet ein alter Jäger, dass es sich hier vielmehr um ein Wildschwein handeln könnte. Seine Vermutungen werden zum großen Schrecken der Bewohner bestätigt. Denn es ist kein gewöhnliches Wildschwein, sondern ein gigantischer Mutanten-Keiler, der hier sein Unwesen treibt. Kurz darauf heißt es: Mensch jagt Keiler bzw. Keiler jagt Mensch.

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Das Riesenwildschwein greift an, „Keiler“ (2009); Copyright: Lotte Entertainment

Vor wenigen Jahren lieferte Südkorea mit „The Host“ seinen ersten Big-Budget-Monsterfilm. Bereits dieser Film beinhaltete starke satirische Elemente, wobei er vor allem die US-amerikanische Außenpolitik aufs Korn nahm. „Keiler“ wendet sich hier der eigenen Gesellschaft zu und zieht so ziemlich alles durch den Kakao, was es gibt. Egal, ob es sich um unfähige Beamte, geldgeile Manager, Öko-Welle oder Umweltschutz handelt. Alle und alles bekommt hier sein Fett weg. Dies geschieht mit einem solch herrlichen Sinn für Humor, dass es sich schon allein deshalb lohnt, diesen Film anzusehen. Ein zusätzliches Vergnügen bieten die geniale Action sowie die einwandfreien Spezialeffekte, die dem Riesenwildschwein Leben einhauchen. Die Trickleute, die auch teilweise an den Effekten für „Star Wars“ und „The Day after Tomorrow“ mitarbeiteten, verwendeten sowohl digitale als auch Puppeneffekte, um das Schwein richtig wild erscheinen zu lassen. Seine Proportionen lassen es als tonnenschweres Monster erscheinen, das mühelos Mauern durchbricht, laut quiekt und quietscht und öfters auf seinen Rüssel fällt, besonders dann, wenn es die Kurve nicht mehr kriegt.

Ob Jung-Won Shin tatsächlich ein Remake des australischen Klassikers „Razorback“ abliefern wollte, ist nicht sicher. Manches spricht dafür, anderes wieder dagegen. Wie dem auch sei, „Keiler“ ist knappe zwei Stunden purer Spaß. Oder anders ausgedrückt: wildsaumäßig gut.

Keiler (OT: Chaw), Regie u. Drehbuch: Jung-Won Shin, Produktion: Kyung-Duk Park, Darsteller: Tae-Woong Eum, Yu-Mi Jung, Hang-Sun Jang, Jea-Moon Yoon, Hyuk-Kwon Park. Südkorea 2009, 117 Min.

The 80s: White Dog -Erst verboten, dann gerühmt

whitedogKaum ein anderer Film erregte Anfang der 80er Jahre so viel Aufsehen wie „White Dog“ von Regisseur Samuel Fuller. Der Film geriet bereits kurz nach seiner Fertigstellung ins Kreuzfeuer der Kritik und zwar auf eine solche Weise, dass Paramount den Film in den USA nicht veröffentlichte. Obwohl nur wenige Filmkritiker das Werk überhaupt sichten konnten, transformierte sich die negative Kritik über diesen Film in eine Art Selbstläufer, was soviel heißt wie, dass vor allem Leute den Film kritisierten, die ihn überhaupt nicht gesehen hatten.

„White Dog“ bezeichnet in den USA einen Hund, der von Weißen abgerichtet wurde, um Schwarze anzugreifen und zu töten. Dabei handelt es sich leider um keine urbane Legende, sondern um rassistische Realität. In dem Film läuft der jungen Schauspielerin Julie ein solcher Hund direkt vors Auto. Sie bringt den Hund zum Tierarzt, der sich um die Verletzungen kümmert, und adoptiert ihn schließlich, ohne zu ahnen, was für ein Monster sie sich ins Haus geholt hat. Als sie schließlich selbst merkt, dass etwas mit dem Hund nicht stimmt, bringt sie ihn zu einem Tiertrainer. Dort arbeitet auch Keys, ein Schwarzer, der bereits einmal vergeblich versucht hat, einen White Dog „umzuerziehen“. Nun möchte es Keys noch einmal versuchen …

Die Filmhistorikerin und Bürgerrechtlerin Robin Coleman berichtet in ihrem überaus lesenswerten Buch „Horror Noir“, dass Paramount eigentlich so etwas wie Spielbergs „Weißer Hai“ haben wollte, nur mit einem anderen Tier. Aber außer dem Adjektiv „White“ im Titel gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen dem ersten Blockbuster der Filmgeschichte und der von Samuel Fuller kreierten Parabel. Verärgert darüber, habe sich Paramount nicht weiter um den Film gekümmert. Als aber dann der Aufruhr um den Film immer größer wurde, zog die Produktionsfirma den Film zurück. Zwar wurde er in Europa gezeigt*, wo er u. a. in Cannes positive Kritiken erntete, doch in den USA wurde er erst im Jahr 2008 veröffentlicht.

Die Leute, die den Film in den USA so heftig kritisierten, waren – wie man sich denken kann – Weiße. Sie sahen in dem Film eine verzerrte Darstellung der Realität und vermuteten, dass sich die Bürgerrechtsorganisation NAACP dahinter verberge. Man warf dadurch dem Film einen Rassismus gegen Weiße vor, was aber völliger Quatsch ist.

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Keys beim Versuch, den Hund zu bändigen. „Whiter Dog“ (1982), Copyright: Paramount Pictures.

Obwohl der Film als Tierhorror bezeichnet wird, handelt es sich eigentlich nicht um einen Horrorfilm, sondern – wie oben bereits erwähnt – eher um eine Parabel, die sich mit dem Rassismus in den USA beschäftigt. Fast schon verbissen, versucht der Tiertrainer Keys, den Hund davon abzubringen, auf Schwarze loszugehen. Diese Szenen nehmen den Hauptteil des Films ein. Das Problem: der Hund verändert sich nicht, bricht einmal sogar aus und fällt einen Mann an, der gerade aus der Kirche kommt. Die kurze Sequenz davor, in der der Weiße Hund durch das Schwarzenviertel läuft, wobei er vereinsamte Straßen überquert, sich durch puren Zufall Kinder gerade ins Haus begeben, knapp bevor der Hund sie sieht, ist inzwischen zwar unglaublich berühmt geworden, führte aber dennoch nicht dazu, dass dem Film das Siegel eines B-Movies abgenommen wurde.

Der Grund ist, dass sich Samuel Fuller bei der Inszenierung an den Blacksploitationfilmen der 70er Jahre orientiert. Dies betont Fuller zusätzlich dadurch, indem er Trash-Ikone Paul Winfield als Keys auftreten lässt. Winfield spielt in diesem Film einfach nur überragend, sodass alle anderen Darsteller ihm nicht das Wasser reichen können, obwohl sie natürlich auch ihre Arbeit gut machen. Doch Winfield überzeugt in seiner Rolle über alle Maßen, sein Kampf mit dem Hund ist zugleich der symbolische Versuch, gegen Rassismus und Hetze anzukämpfen. Dies macht „White Dog“ zu einem Film, der einen nachdenklich stimmt und der dadurch noch lange im Gedächtnis bleibt.

* In Deutschland wurde der Film allerdings um fünf Minuten gekürzt und teilweise falsch synchronisiert, um dadurch die eigentliche Thematik des Films nicht deutlich werden zu lassen.

White Dog (Die weiße Bestie/Der weiße Hund von Beverlyhills), Regie: Samuel Fuller, Drehbuch: Samuel Fuller, Curtis Hanson, Produktion: Jon Davison, Darsteller: Kristy McNichol, Paul Winfield, Burl Ives, Jameson Parker. USA 1982, 90 Min.

 

 

Urbane Legenden in Realität und Film

urban legend„Candyman“ (1992) zählt zu den ersten Filmen, in denen der Begriff urbane Legende auftaucht. Interessanterweise wird hier gezielt auf den wissenschaftlichen Aspekt wert gelegt, indem zwei Volkskundlerinnen versuchen, den realen Ursprüngen der Legende um Candyman auf die Spur zu kommen. Die Bezeichnung selbst wurde titelgebend in dem Slasher-Film „Urban Legend“ (1998), der als „Düstere Legenden“ in den deutschen Kinos lief und inhaltlich auf alle bekannten urbanen Legenden anspielte.

Urbane Legenden sind keine Erfindung des Horrorgenres. Der amerikanische Volkskundler Jan Harold Brunvand veröffentlichte 1983 seinen Klassiker „The vanishing Hitchhiker“, in dem er ein paar der Legenden zum besten gibt, sich aber vor allem auf die soziokulturellen Hintergründe konzentriert. Er gilt übrigens auch als erster Wissenschaftler, der den Begriff „urbane Legende“ in Umlauf gebracht hat.

brunvandVor Brunvands Studie galt die Theorie, dass Legenden ein Markenzeichen vormoderner Gesellschaften seien. Eines der Hauptmerkmale ist, dass Legenden mündlich überliefert werden. Diese Form der mündlichen Überlieferung, so hieß es, existiert in modernen bzw. postmodernen Gesellschaften nicht, in denen Geschichten jeglicher Art schriftlich festgehalten werden. Auch zeigten die bis dahin durchgeführten Untersuchungen von Legenden, dass deren Ursprung nicht in der Moderne oder Postmoderne liegen.

Brunvand zeigte durch seine Forschung aber, dass die bisherigen Theorien völlig falsch lagen. Legenden sind kein alleiniger Bestandteil vormoderner Gesellschaften, sondern existieren auch in den heutigen Industriegesellschaften. Wie „klassische“ Legenden, so gilt auch bei den urbanen Legenden, dass sie ausschließlich  mündlich weitergegeben werden. Dabei fand Brunvand heraus, dass sogenannte Knotenpunkte der Überlieferung Schulen, Unis und Ferienlager sind.

In seinem Buch erwähnt der Volkskundler mehrere bekannte urbane Legenden, von denen aber vor allem drei das Horrorkino beeinfusst haben. Es handelt sich dabei um die Legende des verschwundenen Anhalters, die Legende vom Babysitter und die Legende vom Alligator, das durch das Klo in die Kanalisation gelangte.

hitcherVon jeder dieser Legenden gibt es unterschiedliche Versionen, die sich von Region zu Region unterscheiden. So gibt es Anhalter-Geschichten, in denen ein junger Mann oder eine junge Frau (in der Regel noch Student bzw. Studentin) nachts auf einer einsamen Landstraße einen Anhalter in das Auto einsteigen lässt, um ihn in den nächsten Ort mitzunehmen. Bei der Ankunft ist der fremde Mann entweder spurlos verschwunden oder er entpuppt sich als ein wahnsinniger Mörder, der mithilfe eines Eisenhakens dem Fahrer/der Fahrerin die Kehle aufschlitzt.

Auch von den Babysitter-Geschichten gibt es verschiedene Versionen. Die bekannteste ist die, dass das Telefon klingelt, die Studentin, die auf die Kinder aufpasst, abhebt und eine Stimme am anderen Ende der Leitung sagt, sie solle nach dem Baby schauen. Als sie das Kinderzimmer betritt, erwartet sie dort ein schreckliches Blutbad.

Die Alligator-Geschichten sind dagegen weitestgehend identisch. Es geht stets darum, dass ein Junge ein kleines Alligatorbaby geschenkt bekommen hat und dieses eines Tages das Klo runterspült. In der Kanalisation wächst es zu einem riesigen Raubtier heran, dem gelegentlich Kanalarbeiter zum Opfer fallen.

alligatorWie obern erwähnt, beeinflussten diese drei Legenden das Horrorkino und führten dort zu Klassikern des Genres. Zum einen ist hierbei John Carpenters „Halloween“ (1978) zu nennen, dessen Handlung auf der Babysitter-Legende basiert. Wie auch in der oben skizzierten Legendenversion hat es Laurie letztendlich mit einem Serienmörder zu tun, der sie und ihre Freunde bedroht.

Beinahe eins zu eins setzte der Tierhorrorstreifen „Alligator“ (1980) die Legende um den Alligator im Abwassersystem um. Im Prolog des Films wird sogar die Szene dargestellt, in der ein Junge ein Alligatorbaby ins Klo wirft und die Spülung drückt.

Die Legende von dem Anhalter findet sich in dem Horrorthriller „Hitcher, der Highwaykiller“ (1986) wieder, wobei hier die Story natürlich weiter ausgeschmückt wird. Dennoch bleibt die Grundstruktur der urbanen Legende erhalten.

Dass urbane Legenden Ideengeber für Horrorfilme darstellen, beschränkt sich allerdings nicht auf Hollywood. Sowohl in Japan als auch in Korea dienen urbane Legenden als Grundlage für so manchen Gruselstreifen.

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Carved – The Slit mouthed Woman (2007)

In Japan wird das Thema urbane Legende in dem Klassiker „Ringu“ (1998) zumindest angeschnitten, als die Reporterin Asakawa ein paar Schülerinnen über die Gerüchte befragt, die von ominösen Anrufen einer unbekannten Frau handeln. Eine tatsächliche urbane Legende fand ihren Weg durch den Film „The Slit-mouthed Woman“ (2007) in die Kinos. Die urbane Legende existiert ebenfalls in unterschiedlichen Versionen. In einer davon geht es um eine Frau, deren eifersüchtiger Mann ihr mit einer Schere den Mund aufgeschnitten hat. Seitdem wandert sie mit einem Mundschutz durch die Straßen Tokios und bringt demjenigen den Tod, der ihr begegnet. Der Film setzt die Legende ziemlich genau um. Auch der Knotenpunkt Schule spielt hier eine zentrale Rolle.

voice
Voice (2005)

In Südkorea werden urbane Legenden ebenfalls hauptsächlich an Schulen erzählt. So ist es kein Wunder, dass Schulhorrorfilme dort äußerst beliebt sind. Angefangen von „Whispering Corridors“ (1998) über „Memento Mori“ (1999) bis hin zu „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009) verarbeiten diese Filme nicht nur die Kritik am koreanischen Schulsystem, sondern gehen gezielt auf die Gerüchte und Legenden ein, die von einem Schüler zum nächsten weitergegeben werden. In der Regel handelt es sich dabei um Spukgeschichten, in denen verstorbene Schülerinnen (sie begingen meistens Selbstmord) sich an ihren Peinigern rächen wollen. Im Untertitel wird noch deutlicher, dass sich die jeweiligen Filme auf urbane Legenden beziehen. Übersetzt heißt dieser „Geistergeschichten aus der Mädchenschule“.

Ähnlich wie die beiden Doktorandinnen in „Candyman“, so machte sich auch Jan Harold Brunvand auf, um nach den realen Ursprüngen dieser urbanen Legenden zu suchen. Er fand dabei heraus, dass die Alligatorgeschichte einen historisch belegbaren Hintergrund hat. Tatsächlich soll ein solcher Fall in den 60er Jahren in New York geschehen sein. Da Legenden in der Regel auf reale Ereignisse beruhen, so ist anzunehmen, dass auch die Anhalter- und Babysitter-Geschichten auf irgendeine Art und Weise einmal geschehen sind. Durch das mündliche Weitererzählen verändern sie aber ihre Struktur, manchmal wird etwas hinzuerfunden oder weggelassen oder es kommt zu unterschiedlichen Arten von Zwischenfällen. Sicher ist, dass diese Legenden das Horrorgenre ungemein bereichern. Und da urbane Legenden hauptsächlich von jungen Leuten erzählt werden, ist es kein Wunder, dass vor allem Slasher-Movies darauf eingehen.