J-Pop: Niemand weiß was oder Das Kuriosum um Scandal weitet sich aus

Scandal „Platform Syndrome“; © Epic Records

In dem vorangegangenen J-Pop-Beitrag haben wir über das Verschwinden der Videoclips der Girl-Rockband Scandal berichtet. Was sich zunächst nur auf Youtube und auf Musikvideos bezogen hat, hat nun ein weitaus größeres Ausmaß angenommen.

Wie das internationale Scandal-Fanforum mitteilt, sind nun auch alle Songs der Band von sämtlichen Streaming-Diensten gelöscht worden. Dieser radikale Löschvorgang betrifft nur Scandal und ist wahrscheinlich einzigartig in der bisherigen Geschichte des J-Pop. Im Gegensatz dazu werden die CDs weiterhin international verkauft.

Ironisch könnte man natürlich sagen, hier möchte wohl jemand kein Geld mehr verdienen. Aber die Sache ist doch recht eigenartig. Vor allem, da bisher weder seitens des Managements noch seitens der Band irgendwelche Statements gemacht wurden. Für uns von FuB schaut dies jedoch nach einem ziemlich heftigen Rechtsstreit aus, der da hinter den Kulissen im Gange ist.

Auf jeden Fall trifft dies die Band auf unschöne Weise, da sie kurz vor ihren Tourneen durch Asien und die USA stehen. Man darf gespannt sein, wie sich dieser Fall weiterentwickelt und ob demnächst doch Informationen über die Ursachen der Löschvorgänge bekannt gegeben werden.

 

J-Pop: Keine Videoclips mehr – Die Girl-Rockband Scandal verschreckt ihre Fans

Scandal „Platform Syndrome“; © Epic Records

Eine ziemlich seltsame Sache vollzog sich in den vergangenen Tagen bei der japanischen Girl-Rockband Scandal. Denn auf einmal wurden bis auf zwei Videoclips alle anderen Videos für das Ausland gesperrt. Weder auf der Homepage der Band noch auf ihrer Facebook-Seite gibt es einen Kommentar dazu. Die Fans macht dies jedenfall ratlos.

Was der Grund für diese Aktion auch immer sein mag, die Sperrung ereignet sich im wohl schlechtesten Augenblick. Im Sommer beginnt die Asien-Tour und im Herbst startet die Tour der Band durch die USA. Eventuell treten sie auch mal wieder in Europa auf.

Möglich wäre es, dass es bei den Videos um irgendwelche Rechtsstreitigkeiten geht. Betroffen sind interessanterweise nur die Clips, die sich auf der offiziellen Youtube-Seite der Band befinden. Clips, die von Fans hochgeladen wurden, können weiterhin gesichtet werden.

Überhaupt tut sich die Band schwer, wenn es um Gerüchte oder – wie gerade jetzt – um Ereignisse geht, welche durchaus einer Erklärung ihren Fans gegenüber bedurften. Nur immer auf die neuesten Konzerte und diverse Merchandizingprodukte hinzuweisen wirkt dann doch zu oberflächlich und fast schon lieblos. Wobei die Bandmitglieder selbst wahrscheinlich nichts dafür können, sondern eher das Management, dem wohl Geld wichtiger ist als eine funktionierende Kommunikation mit den Fans und eine Einbeziehung der Fans.

So wurde bis heute nicht auf die Gerüchte eingegangen, die besagen, dass es innerhalb der Band Streitigkeiten gebe und die Bassistin Tomomi Ogawa vor habe, aus der Band auszusteigen. Mindestens auf eine solche Gerüchtewelle hätte das Management (evtl. mit einem Dementi) reagieren müssen. Denn bei dem Auftritt der Band bei der Japan Jam 2018 merkte man eindeutig, dass es zwischen den Mitgliedern etwas kriselt. Und nun eben die Sache mit der Sperrung der Videoclips. Dem Image der Band tut das sicherlich nicht gut, denn ihre Fans werden schlicht und ergreifend alleine gelassen.

FuBs Best of 2017

Das Jubiläumsjahr (5 Jahre FILM und BUCH) geht langsam aber sicher zu ende. Aber keine Angst, der 550. Beitrag ist auch nicht mehr fern. Es gibt also schon bald wieder etwas zu feiern :) .  Auf jeden Fall haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was uns in diesem Jahr am besten an Büchern, Filmen und K-Pop/J-Pop-Videoclips gefallen hat.

Cover des Albums „Yellow“; © Epic Records

In der Kategorie Videoclips fiel uns die Entscheidung mehr als nur leicht. Zwar gibt es die Band schon seit 11 Jahren, doch haben wir sie erst in diesem Jahr entdeckt: Scandal, eine japanische Girl-Indie-Rock-Band, die ihre Songs stets selbst schreiben und sich irgendwo zwischen Alternative Rock, Punk-Rock und Pop-Rock befinden. Sehr poetisch-melancholische Texte verbinden sich dabei mit eingehenden Melodien, die genauso hart wie weich sein können. Ein neues Album ist für das kommende Jahr geplant und in Sachen Videoclips darf man gespannt sein, wie sich die Visualisierung der Band in dieser Hinsicht weiter entwickeln wird, hat doch der Clip „Koisuru Universe“ (Universe of Love) aufgrund seiner sinnlichen Symbolik für viel Diskussionsstoff gesorgt. Interessanterweise orientiert sich die Band bei ihren aktuellen Auftritten nicht daran, sondern gibt sich dem Schlabberlook hin.

In der Kategorie Film haben uns eine neue Produktion und ein Klassiker am besten gefallen. Wonder Woman hat gezeigt, dass Hollywood auch anders kann. Für uns war es die Überraschung des Jahres, einen witzigen, actionreichen und zugleich durchaus tiefgründigen Superheldenfilm zu sehen, also etwas, an das man schon gar nicht mehr glauben wollte. Aber Regisseurin Patty Jenkins hat dies möglich gemacht und ging dafür sogar in die Filmgeschichte ein.

Bei den Klassikern fiel uns die Entscheidung ebenfalls recht leicht. The Ghost and Mrs Muir ist eine wundervolle, zeitlose Mischung aus Tragikomödie, Fantasy und Romance, die mit schlagfertigen Dialogen, einer unglaublich guten Optik und einer tollen Story daher kommt und dabei ganz ohne Kitsch auskommt. In Deutschland ist der Film leider noch immer unbekannt, während er in den USA zu den Klassikern Hollywoods zählt und vom American Film Institute auf Platz 10 der besten Fantasyfilme gewählt wurde.

Auch in der Kategorie Buch wählten wir zwei Romane aus. Beides Klassiker. Zum einen Schau heimwärts, Engel von Thomas Wolfe (1900 – 1938), der darin über die Geschichte seiner Familie schreibt und dies in einem solchen Sprachrausch, einem solchen Witz und einer solchen Tragik, das einen der Roman schlicht und ergreifend packt und mitreißt. Die knapp 800 Seiten liest man in einem Rutsch durch. Leider verstarb Wolfe bereits im Alter von nur 38 Jahren, sodass er lediglich zwei Romane veröffentlichen konnte. „Zeit und Fluss“ ist mit ca. 1200 Seiten noch umfangreicher und setzte die Geschichte um Eugene Gant fort. Diesen Roman werden wir uns im kommenden Jahr vornehmen.

Der zweite Roman, der uns regelrecht hinweggefegt hat, ist Zeiten des Aufruhrs von Richard Yates (1926 – 1996) aus dem Jahr 1961. Der Roman eines Ehepaars in den 1950er Jahren, das in einem Vorort lebt, ist einerseits eine grandiose Satire, andererseits aber auch ein packendes Drama, in dem die Verzweiflung der Figuren regelrecht zum Greifen ist. Besonders der Schluss nimmt einen dermaßen mit, dass man nachher fix und fertig ist. Sollte wirklich jeder mal gelesen haben. Richard Yates sagte selbst, dass er seinen besten Roman gleich am Anfang seiner Laufbahn als Schriftsteller geschrieben habe. Und tatsächlich sollte er nie wieder diese Eindringlichkeit erreichen.

Und das war auch schon unser Best of 2017.

Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch, Gesundheit und viel Glück für 2018.

 

 

 

 

K-Pop: Red Velvet zum Zweiten: „Dumb Dumb“ als Videokunst

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Zeitgleich zum Release ihres ersten Albums, veröffentlichte die Girl Group Red Velvet den Titelsong „Dumb Dumb“. Über Red Velvet haben wir bereits einen eigenen Artikel verfasst, inzwischen aber hat sich die Gruppe innerhalb des K-Pop etabliert, obwohl sie durch ihre skurrilen Songs und ihre Videoclips eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright SM Entertainment)

Bereits mit ihrem ersten Clip „Happiness“ erregten sie in Japan Empörung, da in einer der Bildmontagen der Atompilz von Hiroshima zu sehen war. Das Video musste umgeschnitten werden und liegt seitdem nur in der zensierten Version vor. Es folgte das elegante, nur aus Danceshots bestehende Video zu „Be Natural“ und das eher schwächelnde Video zu „Automatic“, das in denselben Kulissen gedreht wurde. Mit „Ice Cream Cake“ brachen sie ihre Soul-Phase ab und kehrten zu ihren skurrilen Anfängen zurück.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Mit dem Clip zu „Dumb Dumb“ erreichten sie nun einen neuen Höhepunkt, neben dem so ziemlich alle anderen Clips langweilig wirken. In der Tat ist K-Pop längst nicht mehr das, was es mal war. Hin und wieder wachen die Produzenten auf und entwickeln interessante Konzepte, im Großen und Ganzen aber zeigt sich eine Ideenlosigkeit. Die Gruppe Red Velvet kommt hier gerade richtig, denn ihre Videoclips überschreiten die Grenze zwischen Kommerz und Kunst.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

„Dumb Dumb“ beginnt recht harmlos. Auffällig sind zugleich die hellen, reinen Farben. Als Zuschauer ist man zunächst enttäuscht, doch schon wenige Sekunden später erfolgt der Paukenschlag. Der Clip wandelt sich schalgartig von Durchschnitt zu Aberwitz. Bewegungsstudien, Spiegelungen und Videoeffekte, die an die 80er Jahre erinnern, werden überdreht dargestellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Das Video beginnt banal, wird dann aber zu einem bizarren Rausch fast schon unheimlicher Ideen, die beinahe an Wahnsinn grenzen. Doppelgängerinnen stehen emotionslos um eine Holzkiste und schlagen mit einem Hammer darauf, menschliche Puppen werden am Fließband gefertigt und erinnern dabei an Werbeplakate aus den 50er Jahren. Die oben genannten Bewegungsstudien zitieren die Anfänge des Films und verdrehen diese zugleich ins Obskure. „Dumb Dumb“ wird damit zu einer visuellen Achterbahnfahrt zwischen Kafkaeskem und Postmoderne, die ihresgleichen sucht.

Einmal mehr beweist die Girl Group, dass man mit ihr rechnen muss. Die Produktionsfirma SM Entertainment, die sonst eher für üblichen K-Pop a la Girl’s Generation bekannt ist, zeigt, dass es auch anders geht. Das macht Red Velvet und ihre Videoclips zurzeit einzigartig im K-Pop.

K-Pop: Wonder Girls – Ein Reboot zwischen zwei Kulturen

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Die Formation Wonder Girls der Firma JYP Entertainment ist neben Girls Generation die erfolgreichste Gruppe innerhalb des K-Pop. 2007 gegründet, legten sie zunächst innerhalb Koreas einen Hit nach dem anderen hin. Das Konzept offenbarte sich zunächst in der Debut-Single „Irony“, zu der es jedoch kein Videoclip gab. Das erste Musikvideo folgte mit „Tell Me“, das sich über das Verhalten von Männern gegenüber Frauen lustig machte.

Dieser ironischen Darstellung sozialer Konflikte folgte mit „So Hot“ ein Seitenhieb auf Frauen, die sich gerne zur Schau stellen. Nach und nach aber gingen die satirischen Elemente in den Clips zurück. Die Videos wurden mittelmäßiger, um nicht zu sagen einfallsloser. Dem Erfolg der Gruppe stellte sich diese negative Entwicklung jedoch keineswegs als Hindernis dar.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Zu erwähnen ist noch, dass die Wonder Girls die erste koreanische Girl Group war, die eine US-Tour absolvierte. JYP ebnete damit den Weg des K-Pop in die USA. Der Produzent und Sänger nutzte dabei seine Kontakte, die er während seines langjährigen Aufenthalts in den USA knüpfen konnte. War er vor seinem „US-Ausflug“ eher erfolglos tätig gewesen, so veränderte sich dies nach und nach, als er nach Südkorea zurückkehrte.

So ist es auch nicht verwunderlich, dass in seine Musik immer wieder westliche Stile miteinfließen. Besonders macht sich dies nun in dem aktuellen Song der Wonder Girls „I feel you“ bemerkbar, zu dem das Video Anfang August veröffentlicht wurde.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Anscheinend ging ihm die einfallslose visuelle Umsetzung seiner Songs selbst auf die Nerven, denn das neueste Video unterscheidet sich komplett von den optischen Rohrkrepierern. Bringt man das Video auf einen Punkt, so lässt sich sagen, dass es eine Zitatensammlung aus Videoclips der 80er Jahre ist. Von Robert Palmer bis hin zu Prince reichen die diversen Anspielungen.

Der Hook dient zugleich als witzige Provokation: eine Frau sitzt mit gespreizten Beinen auf einer Toilettenschüssel, die Kamera nähert sich ihrem Schritt, parallel öffnet sie den Reißverschluss. Zugleich dient dies als Übergang zum Dance-Shot des Videos, der im offenen „Hosenstall“ eingeblendet ist und in dem die Sängerinnen in Badeanzügen auftreten. Dieses Mal mit Musikinstrumenten, was die Zitatitis, die in dem Video hingelegt wird, nochmals unterstreicht.

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Wonder Girls „I feel You“; Copyright: JYP Entertainment

Zum einen ist klar, dass JYP auf die derzeitige Erotikwelle innerhalb des K-Pop aufspringt. Doch im Gegensatz zu anderen Gruppen, deren Videos das Verspielte bisheriger Clips aufgeben, um sich nur noch auf die Sexualisierung zu konzentrieren, löst „I feel you“ das Problem durchaus elegant. Farbgebung und Optik überzeugen und lassen die Wonder Girls als neues Konzept auferstehen (die neue LP trägt nicht ohne Grund den Titel „Reboot“). Das neue Konzept ist das, worauf JYP stets hingearbeitet hat: eine Synthese zwischen K-Pop und US-Pop. Wie andere Produzenten auf diese Steilvorlage reagieren werden, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: in Sachen K-Pop bleibt es weiterhin spannend.

K-Pop 2014 oder Mit Erotik zum Abschwung?

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Hook des Clips „Marionette“ der Gruppe Stellar.

Über koreanische Boy-Groups braucht man nicht sonderlich viel zu erzählen. Die Konzepte der jeweiligen Gruppen gleichen sich wie ein Ei dem anderen. Auch 2014 änderte sich dies nicht. Im Gegensatz dazu legten die Produktionsfirmen den (vor allem visuellen) Fokus auf ihre Girl-Groups.

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Gekonnter Hüftschwung im Dance-Shot von „Marionette“.

Das Motto, unter dem die Konzepte weiter entwickelt wurde, lautete: Provokation. Und am leichtesten geht dies durch die Zunahme von erotischen Aspekten in den Videoclips. So überraschte die Formation Stellar, die bis dahin als eine der schlechtesten K-Pop-Groups überhaupt galt, mit dem Clip „Marionette“. Ziemlich freizügige Kostüme und eine Nahaufnahme des weit ausgeschnittenen Dekoltees einer der Sängerinnen, sorgten dafür, dass das Video erst zu später Stunde ausgestrahlt werden durfte. Besonders dieses Jahr legten es die Musikkonzerne darauf an, Clips nur für Erwachsene zu drehen, in der Hoffnung, dadurch den gewünschten Medienrummel zu verursachen. Bei „Marionette“ klappte dies auf jeden Fall. Da die Konkurrenz zwischen den Firmen und den einzelnen Gruppen immer intensiver wird, bleibt den Machern gar nichts mehr anderes übrig, als mit Erotik zu trumpfen. Andere Gruppen müssen unweigerlich nachziehen.

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Dance-Shot in dem Clip „Mask“ der Gruppe Stellar.

Doch schon der Nachfolge-Clip mit dem Titel „Mask“ fiel weit hinter „Marionette“ zurück. Auf antik gestylte Kostüme und eine lesbisch angehauchte Choreographie sollten für eine gewisse Dekadenz sorgen. Aber der erhoffte Knall verhallte ungehört. Die Dance-Shots haben zwar durchaus Stil, doch das angedeutete Busenstreicheln hilft nicht einmal, um einen Möchtegern-Skandal auszulösen. Besonders, da speziell diese einstudierte Handbewegung mittlerweile zum Standardprogramm verschiedener Girl-Groups gehört.

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Eine Szene aus dem Style-Film der Gruppe Rainbow-Blaxx.

Die Produzenten der neu gegründeten Girl-Group „Rainbow Blaxx“ gingen sogar soweit, eine Art Softerotikkurzfilm zu drehen, der wenige Wochen vor dem Videorelease ausgestrahlt wurde (wir berichteten darüber). Das als „Style-Film“ bekannt gewordene Filmchen erwies sich als äußerst medienwirksam. Es gab kaum ein Magazin, in dem nicht darüber berichtet wurde. Das Video, das daraufhin veröffentlicht wurde, wirkte dagegen eher harmlos, obwohl es gut gemacht war.

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4L beim Po-Wackeln. Die Dance-Shots wirken teilweise unfreiwillig komisch.

Schließlich war es die Gruppe 4L (Four Ladies), welche mit ihrem Clip „Move“ für ein negatives Echo im Internet sorgten. Durch Nahaufnahmen der Leistengegenden und angedeutete Selbstbefriedigung erhoffte man sich anscheinend einen Knüller. Doch die Sängerinnen wurden mit übelsten Schimpfwörtern angegriffen. 4L war bewusst als Erotik-Formation ins Leben gerufen worden. Während die narrativen Elemente, die einen lesbischen Liebesakt andeuten, gekonnt umgesetzt waren, wirkten die angeblich erotischen Dance-Shots doch eher unfreiwillig komisch. Die Produzenten meinten damals, das Video „Move“ sei erst der Anfang. Doch nach den schlimmen Reaktionen, die dadurch ausgelöst wurden, dürfte es fraglich sein, ob das Konzept weiter aufrecht erhalten werden kann.

Und wie wird all das weitergehen? K-Pop ist noch immer einer der erfolgreichsten Musikstile, welcher derzeit auf dem internationalen Markt zu finden ist. Dennoch haben es die koreanischen Produktionsfirmen schwer, an den früheren Erfolgen anzuknüpfen. Unserer Meinung nach drücken die Erotik-Konzepte eher eine Einfallslosigkeit aus. Der anfänglichen Kreativität, welche K-Pop so populär gemacht hat, geht langsam die Luft aus. Es werden höchstwahrscheinlich weitere, vielleicht sogar intensivere Erotik-Konzepte entwickelt werden, um mit der sog. Dampfhammermethode die erhoffte Aufmerksamkeit zu erlangen. Was wie ein derzeitiger Trend wirkt, könnte auch der Anfang einer Krise sein.

 

 

 

Red Velvet – K-Pop kann auch künstlerisch sein

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Red Velvet „Happiness“. Kaldeidoskopartige Spiegelungen sind nur ein Aspekt der Ideenvielfalt des Videoclips.

Es begann überaus bunt. Gemeint ist das Debut-Video der koreanischen Girl Group Red Velvet. Man glaubte schon fast, dass die Zeit der Bonbonfarben innerhalb von K-Pop vorbei sei. Da kam mit dem Song „Happiness“ ein extremer Farbenrausch daher, der den Zuschauer zum Staunen brachte. Verbunden mit einer sehr guten Kameraführung, welche auf originelle Weise die vier Mitglieder der Gruppe vorstellt, ergab sich ein Video, das fast schon einzigartig ist in der derzeitigen K-Pop-Phase, die vor allem mit eher reduzierten, fast schon düsteren Farben und einem hohen Erotikgrad gekennzeichnet ist.

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Die 80er Jahre lassen grüßen: Fotomontage im Bildhinter- und vordergrund.

SM Entertainment, eine der drei größten Produktionsfirmen in Südkorea, suchte anscheinend nach Alternativen. Heraus kam ein Girl Group-Konzept, das einerseits verspielt und kitschig, andererseits erwachsen und ernst ist. In der Tat kreierte man hier eine Art Paradoxon. Das Ergebnis war ein faszinierender Clip, der beeinflusst ist von den Videoeffekten der 80er Jahre. Eine kunterbunte Mischung aus witzigen Dancehots, Fotomontagen und kaleidoskopartigen Spiegelungen. Bei der ersten Sichtung wird einem fast schwindelig. Beim zweiten Betrachten erkennt man die Details.

Man war gespannt, ob und wie das Konzept von Red Velvet weiterentwickelt wird. Mit „Be Natural“ kam nun die zweite Single und das zweite Video an den Start. Die Verblüffung war groß. Das Farbkonzept des ersten Clips wurde ad acta gelegt. Nun herrschen kühle, dunkle Farben. Die Gruppenmitglieder erscheinen in schwarzen Damenanzügen. Gegen Ende des Clips erscheinen sie – ihrem Namen entsprechend – in roten Kostümen. Obwohl man sich hinsichtlich der Farbgebung den übrigen K-Pop-Clips annäherte, wollte man das Konzept nicht wirklich angleichen.

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Red Velvet „Be Natural“ mit reduzierten, kühlen Farben und einer ungewöhnlich tiefen Raumoptik.

Das Besondere an dem neuen Clip sind daher die Kamerafahrten. Die Danceshots präsentieren sich ohne Schnitt. Lediglich angenehm altmodische Überblendungen führen in die nächste Kulisse. Die Kamera kreist dabei um die Sängerinnen herum, verändert dabei immer wieder ihre Höhe und die Distanz zu den Gruppenmitgliedern. Der Hintergrund besteht aus einem extrem weiten Raum, der für K-Pop-Clips ungewöhnlich ist. Die Mitglieder wirken beinahe verloren.

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Abschließender Danceshot von „Be Natural“. Die Raumtiefe setzt sich auch hier fort.

Regisseur Si versuchte, die kühlen Jazzklänge, welche den Song „Be Natural“ – der fast schon an Jamie Cullum erinnert –  prägen, visuell umzusetzen. Dies gelingt ihm auf hervorragende Weise. Die visuelle Ästhetik, mit der Si arbeitet, ist grandios. Das Konzept von Red Velvet ist derzeit einzigartig in der K-Pop-Landschaft. Man setzt auf eine Mischung aus Mainstream und Indie und einen hohen Grad an Videokunst. Es bleibt zu hoffen, dass die Kreativität, mit der das Konzept ausgestattet ist, erhalten bleibt.

Korean Lovestory – Die Videoclips des Rappers San E

Koreanische Rapmusik ist, was Anspruch und Ästhetik anbelangt, in den obersten Rängen zu finden. Sie stellt eine besondere Form des Geschichtenerzählens dar, in der sich Herzschmerz, Sozialkritik, Ironie und Selbstironie zu einem besonderen Ganzen vermengen. Innerhalb dieser Konstellation ragt zurzeit vor allem der Musiker San E heraus, der seine Songs sowohl selbst komponiert als auch die Texte dazu schreibt.

Bereits vor seiner Karriere im Musikgeschäft machte er auf diversen Wettbewerben auf sich aufmerksam, was ihm schließlich einen Vertrag bei JYP, einer der drei einflussreichsten koreanischen Musikkonzerne, einbrachte. Mitte 2013 wechselte er zu Brand New Music, einer Tochterfirma der LEON-Gesellschaft. Erst hier schien sich seine Kreativität frei zu entfalten. Seine selbstironischen Texte aus der JYP-Zeit wandelten sich in interessante, leicht melancholische Liebesgeschichten, die ganz ohne Kitsch auskommen.

Der Erfolg seiner Songs ist sicherlich auch viel den dazu gehörenden Videoclips zu verdanken. Die Videos aus der JYP-Zeit sind recht einfach und strikt. Ab 2013, also nach seinem Wechsel zu Brand New Music, werden die Clips komplex. Sie besitzen mehrere Erzählebenen, weisen einen vorbildlichen Spannungsbogen auf und ziehen dadurch den Zuschauer in ihren Bann.

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Szene aus dem Clip „Where did you sleep last Night“.

In dem Clip „Where did you sleep last Night?“ geht es um einen Mann, der versucht, aus seiner Freundin herauszubekommen, wo sie die vergangene Nacht zugebracht hat. Diese Befragung verläuft im Clip auf drei Ebenen. Zum einen ist es San E selbst, der in Form einer Fantasiefigur eine Frau in seiner Wohnung ausfragt, während er ihre Antworten auf eine Schreibmaschine tippt. In der zweiten Ebene untersucht ein Kommissar San Es Wohnung, um Hinweise darüber aufzuspüren, was in der vergangenen Nacht geschehen ist. Dabei kommt es zu einem Verhör von San Es Freundin in der Polizeistation. Schließlich, auf der dritten Ebene, erscheint eine Gruppe Gangster in San Es Wohnung, welche die Befragung auf ihre Weise weiterführen. Die Befragung der Freundin findet dementsprechend in einer leeren Lagerhalle statt. Alle drei Erzählebenen zeigen die unterschiedlichen Vorstellungen, die der Erzähler von seiner Freundin hat. Zum einen ist da seine Erinnerung an sie, welche sie als liebevoll charaktersieren. In der zweiten Ebene wird sie zur Verbrecherin und in der dritten zum Luder. Alle drei vermengen sich, um zum Schluss zu zeigen, dass gar nichts geschehen ist.

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Das Split-Screen-Verfahren in „Midsummernight Sweetness“ zeigt zwei parallel zueinander verlaufende Lebensweisen.

„A Midsummernight Sweetness“ arbeitet wie auch „Where did you sleep last Night“ und „Brake up Dinner“ mit Split Screen-Verfahren. Dies scheint schon fast ein Markenzeichen der Videos von San E zu sein. In dem erst genannten Clip wird eine sehr zarte Liebesgeschichte erzählt, in der es um einen Mann geht, der eine Frau bei einem Vorstellungesgespräch kennenlernt und sich später mit ihr trifft. Die Geschichte ist einfach, aber visuell aufgrund der Anwendung des Verfahrens komplex umgesetzt. Das Leben zweier Menschen wird praktisch parallel zueinender erzählt. Die Parallelität löst sich auf, um zum Schluss erneut diese Form anzunehmen. Das Ende bleibt dadurch offen. Der Clip weist zugleich auf den Alltag von jungen Uni-Abgängern hin, der zwischen „Zuviel Arbeit“ und der Schwierigkeit, Arbeit zu finden, pendelt. Man könnte in dem Clip fast schon einen Hang zum Neorealismus sehen.

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Split-Screen als „Markenzeichen“ der Clips von San E.

In dem Clip zu „Brake up Dinner“ wird eine Geschichte a la „Ghost“ erzählt. Ein Mann möchte sich mit seiner Freundin zum Dinner verabreden. Doch auf dem Weg dorthin verunglückt der Mann tödlich. Das Dinner findet dennoch statt. Man muss sich den Clip mehrmals ansehen, um hinter die unterschiedlichen Erzählebenen zu kommen. Zum einen ist da die „Geistergeschichte“. Zum anderen das tatsächlich stattfindende Abendessen. Spätestens beim zweiten Mal wird klar, dass die Frau sich mit einem ganz anderen Mann trifft. Dies wird gegen Ende des Videos offensichtlich, doch bereits während des Clips angedeutet, da die Ärmel des Mannes, die links in den Bildrand hineinragen, nicht zu San Es Kleidung gehören. Diese Szenen sind sehr kurz und gleichen fast nur Andeutungen. In Sachen Optik ist dies sicherlich das bisher beste Video des Rappers.

Es muss also nicht immer gleich kitschig sein, wenn es um Liebesgeschichten geht. San Es Erzählweise und die Narrationen der Clips weisen hierbei eine sehr hohe Kunstfertigkeit auf.

 

K-Pop: Rainbow Blaxx und die möglichen Folgen

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Der sog. „Style Film“ brachte der neuen Formation Rainbow Blaxx sofort große Aufmerksamkeit.

Bereits in früheren Artikeln haben wir die zunehmende Sexualisierung koreanischer Girl Groups erwähnt. Diese Form der Marketingstrategie ist eine schlichte Folge des internationalen Erfolgs von K-Pop. Doch die Konkurrenz zwischen den einzelnen Gruppen ist hart. Es muss nach Möglichkeiten gesucht werden, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Die einfachste Lösung verspricht in dieser Hinsicht, die Erotik in den Videoclips zu steigern. Das Duo Sistar 19 machte es vor, wenn auch noch relativ harmlos. Es folgten Nine Muses mit ausgefeilteren Projekten (wie etwa den Clips zu „Wild“ und „Glue“). Im Sommer 2013 wurde in den Videos die Bikinisaison strategisch verwertet, so z.B. bei der Gruppe Rania in dem Clip „Up“ und bei dem alles andere als gelungenen Clip „Bikini“ von Kim So-Ri. Ende 2013 übernahm auch die ansonsten eher emanzipiert konzipierte Gruppe Miss A in dem Clip „Hush“ deutlichere erotische Konzepte. Eine überaus langweilige, weil fast schon lächerliche Erotisierung wurde in dem Video „Miniskirt“ der Gruppe AOA angewandt. Im Gegensatz dazu konnte die Formation Dal Shabet mit dem Clip „B. B. B.“ die Qualität wieder etwas steigern.

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Rainbow Blaxx „Style Film“

Einen Höhepunkt der Erotikwelle in koreanischen Musikvideos wurde Mitte Januar 2014 mit der Gruppe Rainbow Blaxx erreicht. Die neu ins Leben gerufene Formation machte nicht allein durch ihr Video „Cha-Cha“ Furore. Vor der Veröffentlichung des Clips und des Minialbums wurde ein ca. drei minütiger Clip gedreht, der unter dem Namen Style Film schlagartigen Medienrummel auslöste. Hinzu kamen eine Reihe von Fotos, die in Presse und Internet veröffentlicht wurden.

Der sog. Style Film präsentiert die drei Gruppenmitglieder in Art eines Lingerie-Clips. Die Sexualisierung der Sängerinnen war für koreanische TV-Verhältnisse doch ziemlich gewagt, sodass der Clip erst ab 19 freigegeben wurde. Anscheinend gibt es auch eine geschnittene Version, die eine Altersfreigabe ab 15 erhalten hat. Untermalt von Lounge-Musik präsentieren sich die Mitglieder in verschiedenen Posen. Das Spiel zwischen Licht und Schatten besitzt dabei durchaus Niveau, insgesamt aber reicht der Kurzfilm nicht über die Qualität eines gewöhnlichen Fotoshootings hinaus. Die Posen wirken gelegentlich wenig natürlich, sondern zu sehr konstruiert.  Zudem haben sich zwei kleine Fehler in den Clip eingeschlichen. So ist in zwei Szenen, die vor einem Spiegel spielen, der Kameramann zu sehen. Unserer Meinung nach handelt es sich hierbei nicht um Absicht, da der Mann nicht zur Bildkomposition passt. Wie dem auch sei, der Clip erregte enormes Aufsehen, da hier zum ersten Mal in der Geschichte des K-Pop ein  Softerotikvideo gedreht wurde. Die Reaktion schwankt zwischen Empörung und Begeisterung. Auf jeden Fall hat dieses Marketingkonzept eine Schwelle überschritten, da hier Verspieltheit durch eine direkte Aussage ersetzt wurde.

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Rainbow Blaxx „Style Film“

Das Video „Cha-Cha“ setzt interessanterweise das in dem Style Film präsentierte Konzept eher unwesentlich fort. Natürlich sind auch in dem Musikvideo die Sängerinnen stark sexualisiert, doch spielt sich alles innerhalb eines surrealen Rahmens ab, der die Aufmerksamkeit der Rezipienten auf die Story lenkt und weniger auf die Sängerinnen. Der Clip erzählt von drei jungen Frauen, die von einer Art Hexe mit Kuchen und anderen Süßigkeiten gefüttert werden. Als Folge erbrechen die Frauen Diamanten, welche die Hexe hortet. Das Video ist sowohl surreal als auch grotesk und erinnert im Grunde genommen an die deutschsprachige Phantastik der Jahrhundertwende. Dort gibt es z. B. eine Geschichte, die davon handelt, dass ein Mann ständig Diamanten erbricht. Wem das zu weit hergeholt erscheint, dem sei gesagt, dass in Südkorea die klassische deutschsprachige Phantastik nicht unbekannt ist. Gleichzeitig entlarvt der Clip die männlichen Zuschauer als Spanner. Dadurch setzt er das eigene Projekt sowie die Reaktion darauf in ein ironisches Licht. Teile des Clips dienen klarerweise dem Eye Catching, immerhin geht es letztendlich darum, ein Produkt zu vermarkten. Doch genau diese Methode und die dadurch angezogenen Rezipienten werden mithilfe dieser Darstellungsweise, die hinein ins Groteske reicht, durch den Kakao gezogen.

Die Qualität des Videos reicht von „durchschnittlich“ bis „gut“. Die Danceshots sind nicht unbedingt einfallsreich, sondern gleichen sämtlichen anderen Videoclips. Die narrativen Elemente allerdings sind gut in Szene gesetzt.

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In dem Clip „Cha-Cha“ der Gruppe Rainbow Blaxx werden junge Frauen mit Kuchen gefüttert, um darauf Diamanten zu erbrechen.

Wie bereits erwähnt, hat das Konzept der Gruppe eine bestimmte Grenze überschritten. Die Frage, die man sich stellen kann, lautet, wie die weitere Entwicklung des K-Pop aussehen wird. Zwar gibt es noch immer Gruppen wie z.B. Crayon Pop, die weiterhin auf Verspieltheit setzen. Die Mehrheit aber tendiert zu der oben erwähnten Erotisierung und Sexualisierung. Da in dieser Hinsicht aufgrund des Style Films eine neue Vorgabe gemacht wurde, dürfte es nicht lange dauern, bis auch andere Gruppen nachziehen werden. Innerhalb des dadurch entstehenden Wettbewerbs werden sich klarerweise die erotischen Aspekte erneut verstärken. Viele Fans, die von der Verspieltheit des K-Pop fasziniert waren und sind, wird dies sicherlich nicht gefallen. Die Frage ist, wie weit die Musikproduzenten dieses Spiel treiben werden. Sicher ist nur, dass man nicht lange auf den „Style Film“ einer anderen Gruppe warten muss.

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Das Video entlarvt zugleich auf ironische Weise die Reaktion des männlichen Publikums.

Vu-Den – Eine Art Nachruf

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Die Girls-Group Vu-Den in einem ihrer bekanntesten Outfits.

Die japanische Girlband Vu-Den (manchmal auch Biyuuden geschrieben) gibt es seit fast fünf Jahren nicht mehr. Dennoch besitzt sie noch immer sehr viele Anhänger. In diversen Foren über japanische Popmusik wird noch immer über die drei ehemaligen Band-Mitglieder Rika Ishikawa, Erika Miyoshi und Yui Okada diskutiert. Im Grunde genommen ist japanische Popmusik gewöhnungsbedürftig und damit nicht jedermanns Sache. Die Bandkonzepte reichen von typisch japanischer Kindfrau bis hin zu Punk und Adult-Konzepten. Vu-Den war in dieser Hinsicht ein echtes Phänomen, da diese Gruppe in keine der bisherigen Kategorien, in welche man japanische Popmusik einteilen kann, passte. Zugleich aber, und das macht sie ebenfalls zu einem Phänomen, spiegelten ihre Videoclips typisch patriarchale Frauenvorstellungen wider

Die Band wurde 2004 gegründet und 2008 aufgelöst. Das Ende der Band bleibt rätselhaft. Bestimmt lag es nicht daran, dass es zu einem Rückgang des Erfolgs gekommen wäre. Der Produktionsfirma Hello! Project zufolge wurde die Band aufgelöst, da die Gruppenmitglieder das 20. Lebensjahr erreicht hätten. Bizarr, aber so stand es in einer Pressemitteilung geschrieben. 2009 wurde die Band mit anderen Mitgliedern wiederbelebt, verschwand aber gleich wieder in der Versenkung.

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In dem Clip „Kacchoi ze! Japan“ wird auf eine lesbische Dreierbeziehung eingegangen.

Wie oben schon gesagt: interessant ist das Frauenbild, das in den Videoclips von Vu-Den wiedergegeben wird. Es liefert sämtliche Klischees, welche traditionelle japanische Männer von Frauen haben und die sich teilweise auch mit den Darstellungen in den japanischen Mangas decken. Hier ein paar Beispiele:

In dem Video „Kacchoi Ze! Japan“ wird eine Beziehung zwischen drei Frauen dargestellt. Der narrative Teil schildert, wie sich zwei Frauen in eine dritte Frau verlieben. Daraus resultiert eine kurze Eifersuchtsszene, die sich am Ende des Videos jedoch löst. Das heißt, die Umbuhlte geht schlicht und ergreifend eine Beziehung mit beiden Frauen ein. Dieses lesbische Konzept findet sich in vielen Mangas wieder und hat mit dem eigentlichen Song überhaupt nichts zu tun. Denn in diesem geht es nur darum, wie toll Japan ist.

Das Video „Issai gassai anata ni A-ge-ru“ schildert, wie sich drei ungeschickte Frauen abmühen, um jeweils gute und pflichtbewusste Hausfrauen zu werden. Hierbei ist auch der Text des Songs wichtig, in dem sich die Frau quasi dem Mann vollkommen unterordnet, um ihm zu diensten zu sein. Dies spiegelt nicht weniger eine patriarchale Perspektive wider. Traditionelle japanische Männer haben Angst vor emanzipierten Frauen. Sie möchten Frauen, die sich den Befehlen des Mannes fügen. Genau dies kommt letztendlich, wenn auch recht witzig dargestellt, in dem Clip zur Geltung.

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Vu-Den als ungeschickte Hausfrauen. Dies in dem Video „Issai Gassai“.

„Aisucream to my purin“ ist der umstrittenste Song des Trios. Viel wurde darüber diskutiert, ob der Text pornographischen Inhalts ist. Das Video selbst zeigt die drei Bandmitglieder in Bunny-Kostümen. Übersetzt bedeutet der Titel des Songs ungefähr „Eiscreme auf meinem Pudding“. Was zunächst verblüfftes Schulterzucken hervorruft, wird etwas klarer, wenn man annimmt, dass hier Pornobegriffe verballhornt werden. Dies wäre ein Indiz dafür, dass der Song in der Tat pornographischen Inhalts ist. Innerhalb des Pronogenres gibt es den Begriff Creampie. Dieser bezeichnet einen Geschlechtsverkehr mit innerer Ejakulation. Auf diesen Begriff scheint „Icecream to my Pudding“ anzuspielen. Dass dies eine durchaus plausible Möglichkeit darstellt, ergibt sich aus dem Clip selbst, der aufgrund der Kostüme auf erotische Zusammenhänge verweist.

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In „Jaja Uma Paradise“ geht es um Frauen, deren Freizeitbeschäftigung in der Hauptsache aus Shoppen besteht.

Ein viertes Beispiel wäre „Jaja Uma Paradise“, was man als „Frauenparadies“ übersetzen könnte. Darin geht es einfach darum, dass Frauen nichts anderes im Sinn haben, als einzukaufen. Kaufsucht als Hauptmerkmal für Frauen, verweist genauso auf eine traditionell geprägte japanische Einstellung und gibt eindeutige Klischees wieder. Einmal mehr drückt sich hierbei eine patriarchale Sichtweise auf.

Wie schon erwähnt, wurde die Band 2008 aufgelöst. Ihr letzter Song war zugleich eine Art Abschiedslied mit dem Titel „I love you“. Der Clip ist in Form eines Urlaubsvideos gehalten und vermittelt sozusagen die Botschaft: „Schön war’s.“ Hier trifft man auf keine Klischees oder traditionelle Sichtweisen. Es ist wirklich ein Rätsel, weswegen die Gruppe, trotz ihres Erfolgs, aufgelöst wurde. Sicher ist nur, dass sich damit die Produktionsfirma quasi selbst ein Bein stellte.