Sonderausgabe 3: „Das Ding“ mal drei – Sozialer Wandel im Film

Die dritte Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit dem Thema Sozialer Wandel im Film. Am Beispiel des SF-Klassikers „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1951 und dessen beiden Remakes von 1982 und 2011 untersucht der Beitrag, auf welche Weise die Gesellschaft in den drei Filmen jeweils dargestellt wird. Wie sieht es z.B. aus mit der Rolle der Frau oder mit sozialen Ängsten? Zwischen den drei Filmen liegt jeweils eine Zeitspanne von ca. 30 Jahren. Daher erscheinen gerade „Das Ding“ und seine beiden Nachfolger überaus geeignet, um sozialen Wandel im Film zu untersuchen.

Achtung: Der Text ist urheberrechtlich geschützt und zudem mit vielen wichtigen und bekannten sozial- und kulturwissenschaftlichen Organisationen verlinkt.

Hier könnt ihr Sonderausgabe 3 gratis downloaden: Das Ding mal drei

Peer Review: Etwas zum kaputt lachen? – Ein kurzer Nachtritt zu „Falsch Informiert“

Unser Artikel über falsche Angaben in wissenschaftlichen Artikeln (Falsch informiert) verlangt nach einem Nachtrag oder besser Nachtritt: Die Beispiele, die wir nannten, sind bei weitem nicht alle, in denen sich fehlerhafte Angaben finden oder in denen Behauptungen aufgestellt werden, die völlig in der Luft hängen und damit alles mögliche liefern, außer plausiblen Erklärungen.

Wir haben schon in früheren Artikeln erwähnt, dass es wichtig ist, auf dieses Verhalten hinzuweisen, gibt es doch sehr viele Kultur- und Medienwissenschaftler, die der Meinung sind, das Wissen für sich gepachtet zu haben. Gerne möchte ich hierbei nochmals auf einen Kölner Medienwissenschaftler hinweisen, der in einem Gespräch meinte, man dürfe bei Filmanalysen keine Interviews mit Regisseuren führen, da diese nur Schwachsinn erzählen würden. Eine solche Aussage schießt über den Begriff Überheblichkeit und Arroganz weit hinaus, beinhaltet diese Aussage doch, dass unser Kölner Medienwissenschaftler mehr über einen Film weiß, als der Regisseur, der den Film gedreht, vielleicht sogar mit produziert hat. In Wirkichkeit also müsste man eben den oben genannten Mann bezichtigen, nichts als Schwachsinn von sich zu geben.

Und nun zum eigentlichen Thema, das sich als Folge der beschriebenen Tatsachen ergibt. Die meisten wissenschaftlichen Artikel erscheinen in diversen Fachmagazinen, die per Peer Review-Verfahren die Artikel auswählen. Peer Review bedeutet, dass eine Gruppe Professoren bestimmte Artikel zugeschickt bekommt, die sie dann zur Sau machen oder durchwinken dürfen. Dies wird deswegen gemacht, um die Seriösität und Wissenschaftlichkeit der jeweiligen Magazine aufrechtzuerhalten.

Doch gibt es hierbei ein (bekanntes) Problem: Peer Review dient zugleich als Machtinstrument. Denn die jeweiligen Professoren haben es in der Hand, welche Artikel veröffentlicht werden können. Dies impliziert, dass Artikel ihrer eigenen Mitarbeiter durchgewunken werden, während andere Artikel (die z.B. eine andere Sichtweise einnehmen, als die der Professoren) abgelehnt werden. Dadurch wird Wissenschaft manipuliert und gesteuert.

Hinzu kommt aber ein weiterer Punkt, der sich aus unserem Artikel „Falsch informiert“ ergibt: Denn, wie sich gezeigt hat, werden auch Artikel mit völlig falschen oder haltlosen Inhalten durchgewunken. Hier macht sich einmal mehr das berühmtberüchtigte Netzwerk bemerkbar, das nach dem Motto eine Hand wäscht die andere verläuft. Besonders in Zeiten, in denen sich die jeweiligen wissenschaftlichen Netzwerke immer stärker gegen Außenstehendes verschließen, ist eine solche Kritik notwendig und wichtig.

Das bedeutet nicht, dass nur Schwachsinn produziert wird. Nein, es gibt auch überraschend gute und informationsreiche Abhandlungen. Doch sind diese in der Minderheit. So befindet sich z.B. in dem Fachbuch „American Horror Film – The Genre at the Turn of the Centrury“ von 13 Artikeln gerade mal ein einziger, der richtige Informationen liefert und Zusammenhänge richtig darstellt. Der Rest ist entweder das, was man als belangloses Geschwafel bezeichnen kann, oder beinhaltet Fehler.

Peer Review ist also kein ideales Instrument, um die Spreu vom Weizen zu trennen, sondern eine Form von Willkür und Vetternwirtschaft.

 

Falsch informiert – Über Fehler und Nichtssagendes in wissenschaftlichen Filmanalysen

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen, um Filme zu analysieren. Eine davon ist die psychoanalythische Untersuchung. In dieser Hinsicht werden Filme wie Träume analysiert und mithilfe von Freuds Methode symbolisch abgeklopft.

falschinformiert3Im April diesen Jahres erschien der Sammelband „The Dread of Difference“, der sich mit der Rolle der Frau in Horrorfilmen auseinandersetzt. Unter anderem ist darin ein Artikel der Kulturwissenschaftlerin Barbara Creed enthalten, die darin versucht, eine psychoanalythische Gender-Forschung auf den Film anzuwenden.

Nun, der Versuch kann durchaus als Fehlschlag beurteilt werden. Der Artikel wirkt beinahe schon paranoid. Es gibt kaum einen Satz, in dem nicht die Begriffe Phallus oder bezahnte Vagina vorkommen. Hinzu kommen Kastrationsängste und die Abwendung von der eigenen Mutter.

All dies, behauptet Creed, fände man in dem Film „Alien“. Nun gut, die Sexualsymbolik des Aliens sowie des außerirdischen Raumschiffs sind nicht zu übersehen. Und dass eine Frau dem Monster entkommt, nimmt quasi den Aspekt des Final Girl vorweg. Aber was hat das nun wieder mit der Abwendung von der Mutter zu tun? Genau: nichts. Dennoch beißt sich Creed daran fest und sucht nach allen nur möglichen und unmöglichen Gründen, um ihre Behauptung als richtig hinzustellen, frei nach dem Motto: Nur ich habe Recht.

Creed gerät in ihrem Artikel geradezu außer sich. Man glaubt, eine Hardcore-Vertreterin der Gender-Studies haue auf die Tasten ihres Laptops. Dabei geht sie soweit, völlig falsche Informationen in ihren Text einzubauen. So verwechselt sie ständig Hitchcocks „Vögel“ mit „Psycho“ und reitet darauf herum, dass die Abwendung von der Mutter im Zentrum des erstgenannten Filmes stehen würde. Tut es dummerweise aber nicht. Das Thema Mutter-Sohn-Beziehung spielt zwar in „Die Vögel“ eine gewisse Rolle, steht aber nicht im Vordergrund wie in dem anderen Klassiker.

Nichtzuletzt setzt sie noch eins drauf, indem sie „Blade Runner“ als Horrorfilm bezeichnet. Spätestens hier sollten bei sämtlichen Lesern die Alarmglocken schrillen.

falschinformiert1In dem Buch „Korean Horror Cinema“ behaupten die beiden Herausgeber Alison Peirse und Daniel Martin, dass es sich bei dem koreanischen Film „Howling“ um einen Werwolffilm handelt. Das tut es aber nicht. Zwar ist der Titel identisch mit dem Werwolfklassiker „The Howling“, doch hat es sich damit auch schon. In der Tat handelt es sich um einen Thriller im Stil der Trashfilme der 70er Jahre.

Mitsuyo Wada-Marciano behauptet in ihrem Artikel über J-Horror (erschienen in dem Sammelband „Horror of the Extreme“), dass die modernen japanischen Horrorfilme nichts mit Emanzipation zu tun haben würden. Hier liegt sie leider vollkommen falsch. Denn J-Horrorfilme gelten quasi als Sprachrohr der Emanzipationsbewegung der 90er Jahre und des Beginns des neuen Jahrtausends. Die Themen dieser Filme handeln von den Problemen, vor denen Frauen in Japan stehen, die versuchen, ihr eigenes Leben zu leben.

James Kendrick ist in seinem Artikel „Return of the Graveyard“ (erschienen in dem Sammelband „American Horror Film“) der Meinung, dass das verstärkte Aufkommen der Geisterfilme Ende der 90er Jahre etwas mit den Gothic Novels des 18. Jahrhunderts zu tun habe. Nur was? Genau diese Antwort bleibt der gute Mann uns schuldig. Er verweist nicht einmal auf Interviews mit Regisseuren oder Autoren, die seine Theorie belegen könnten. Nichts. Der Artikel ist bloßes Gerede, ohne die einzelnen Thesen zu untermauern.

Schon allein an diesen Beispielen zeigt sich, dass kultur- und medienwissenschaftliche Filmanalyse teilweise voller Fehler steckt. In einem anderen Artikel haben wir auf eine hanebüchene Statistik von Horrorfilmen hingewiesen, die im Grunde genommen keine brauchbaren Ergebnisse liefert. Interessanterweise häufen sich die Fehler und falschen Angaben bei Texten, die von Kultur- und Medienwissenschaftlern verfasst wurden. Und es ist erschreckend, dass diese falschen Angaben von den jeweiligen wissenschaftlichen Kollegen anscheinend nicht bemerkt werden. Hier werden keine Erkenntnisse offenbart, sondern Fehler auf Fehler gehäuft, was dazu führt, dass sich die jeweiligen Autoren ihre eigene Wahrheit zusammenschustern und die Leser, die sich in der Thematik nicht auskennen, falsch informieren.

Wir haben natürlich ein paar der Autoren angeschrieben und, wen wundert’s, keine Antwort erhalten.

 

 

Gespenster der Technokratie oder Medien im J-Horror

technokratieVor kurzer Zeit wurde ein Buch veröffentlicht, das sich mit dem Thema Medien in japanischen Horrorfilmen beschäftigt. Das hat uns von FILM und BUCH natürlich neugierig gemacht, da einer unserer Schwerpunkte K- und J-Horror ist.

Autor ist Lars Robert Krautschick, der über dieses Thema seine Dissertation verfasste. Die Fragestellung ist durchaus interessant und wichtig, spielen doch in manchen J-Horrorfilmen Handys, Telefone, Fernseher und auch das Internet eine zentrale Rolle. „Ring“ (1998) machte hierbei den Anfang. Krautschick untersucht nun, auf welche Weise die jeweiligen Medien in den Filmen dargestellt werden. Hierzu nahm er sich drei Filme vor: „Ring“, „One missed Call“ (2003) und „Kairo“ (2001).

Seine Darstellung umfasst als jeweiligen „Vorspann“ einen Überblick über die historischen Entwicklungen der jeweiligen Medien (im Westen, nicht in Japan), bevor er sie in den oben genannten Filmen analysiert. Originell ist hierbei, dass er zusätzlich parapsychologische Fachliteratur hinzuzieht, in denen dieselben Medien (Telefon, Fernseher, Internet) auf ihre Heimsuchungsqualitäten untersucht werden.  In den Filmen sucht er nach Parallelen zu diesen Aspekten und findet diese auch, wie etwa im Weißen Rauschen, das in „Ring“ stets die Geisterfrau Sadako ankündigt.

So gesehen macht dies die Analyse durchaus spannend. Allerdings finden sich in Krautschicks Buch auch weniger gute Aspekte. An einer Stelle, in der er kurz auf die US-Remakes eingeht, lässt er sämtliche asiatische Horrorfilme unter der Bezeichnung J-Horror erscheinen –  also auch Horrorfilme aus Südkorea und Thailand. J-Horror ist jedoch kein Überbegriff für asiatische Horrorfilme, sondern bezieht sich eben nur auf den modernen japanischen Horrorfilm, der Ende der 90er Jahr entstand. Urbane Legenden an einer anderen Stelle als urbane Märchen zu bezeichnen, ist ebenfalls weniger gelungen. Bei dieser oralen Narrationsform handelt es sich um moderne Legenden, die vor allem an Unis, Schulen oder in Feriencamps weiter erzählt werden, keinesfalls um Märchen.

Obwohl das Buch ein interessantes Thema bearbeitet, fehlen an vielen Stellen soziokulturelle Hintergründe. Zum großen Teil bleibt offen, was genau diese Medien im sozialen und kulturellen Kontext (Japans) unheimlich macht. Der Bezug auf parapsychologische Artikel, so faszinierend dieser auch ist, ist hierbei zu wenig. Beim Thema Telefon macht sich Krautschick auf einer psychologischen Ebene darüber Gedanken, auf welche Weise dieses mit dem Thema Angst in Verbindung steht. Beim Handy wird dies schon eher vage und beim Internet ebenfalls. Auch fehlen Einblicke in die japanische Gesellschaft, die seine Ergebnisse untermauern könnten. Zwar gibt es hier und da kleinere Einschübe, doch sind diese recht oberflächlich. Hier hätte sich der Autor mehr Mühe machen müssen, da sein Buch nun einmal von japanischen Filmen handelt und man diese nur ganz verstehen kann, wenn man die jeweiligen soziokulturellen Hintergründe kennt.

Doch im Hinblick darauf, wie die jeweiligen Medien in J-Horrorfilmen zur Geltung kommen, wie sie filmisch dargestellt werden, um ihnen einen unheimlichen Touch zu verleihen, liefert das Buch durchaus interessante Informationen.

Lars Robert Krautschick: Gespenster der Technokratie. Medienreflexionen im Horrorfilm. Bertz + Fischer 2015, 314 Seiten, 25 Euro, ISBN: 978-3-86505-390-9.

 

 

 

 

Sonderausgabe 1/2015: Japanische Horrorfilme und deren Remakes

Mit der FILM und BUCH-Sonderausgabe starten wir eine neue Reihe. In unregelmäßigen Abständen möchten wir umfangreichere Artikel als „Einzelausgaben“ herausbringen. Den Anfang macht ein Vergleich zwischen den J-Horrorfilmen Ringu und Ju-On und deren US-Remakes. Der Fokus liegt dabei auf den kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen der Filme und wie diese sich in den jeweiligen Filmen unterscheiden. Der Download ist wie immer gratis.

OriginalundRemake-Seite001Hier der Link zum Download: Original und Remake

Haben Medienwissenschaftler etwa Angst?

Medienwissenschaftler sehen in einem Film nichts anderes als einen Text. Man könnte auch mit Heinz Rühmann kommen und im übertragenen Sinn meinen: „Ne Dampfmaschin is `n schwarzer Kessel mit nix drin“. Und wehe es kommt jemand, der etwas anderes behauptet. Für den haben die Medienwissenschaftler nichts anderes als Hohn und Spott übrig.

Angst
So ungefähr blickt ein medienwissenschaftlicher Filmanalytiker auf die Filmemacher und Soziologen.

Bereits in unserem früheren Artikel über den Konflikt zwischen medienwissenschaftlicher und soziologischer Filmanalyse haben wir kurz skizziert, dass die Vertreter der Medienwissenschaft nichts anderes gelten lassen wollen als ihre eigene Disziplin, wenn es darum geht, Filme zu analysieren. In der Tat behaupten viele Vertreter dieser Zunft, dass z. B. Filme keine sozialen Merkmale widerspiegeln. Filme seien nämlich in aller erster Linie Texte und damit verbunden mit Mythen, nicht aber mit gesellschaftlichen Strukturen. In der Tat gehen medienwissenschaftliche Untersuchungen zu Filmen so gut wie nicht auf gesellschaftlicher Hintergründe ein. Sie vergleichen „Texte“ mit anderen „Texten“ und sind ganz stolz, wenn sie herausfinden, dass z.B. in „Star Wars“ unterschiedliche Mythen zu finden sind.
Doch an diesem Punkt bleiben sie stehen. Nichts kommt danach.

Nun hat bereits Emil Durkheim in seinem Buch über die religiösen Formen herausgearbeitet, dass Mythen soziale Strukturen wiederspiegeln. Medienwissenschaftler würden dies mit dem Wort „Schwachsinn“ kommentieren, nur um ja nicht von ihrem Sockel der Erklärung von Narrationen durch andere Narrationen heruntergestoßen zu werden. Ein weiterer Punkt, der diese medienwissenschaftliche Vorgehensweise fraglich werden lässt, ist, dass keine Interviews mit Regisseuren oder Drehbuchautoren durchgeführt werden. Medienwissenschaftler sind interessanterweise der Meinung, dass diese Personengruppe ebenfalls nur „Schwachsinn“ erzählen würde.

Die Frage, die sich unsere Medienwissenschaftler gefallen lassen müssen, lautet: welchen Wahrheitsgehalt ihre tollen Analysen beinhalten, wenn nicht letztendlich anhand von Interviews mit Regisseuren und Autoren überprüft wird, ob die Analyse stimmt oder völlig falsch ist? Anscheinend haben Medienwissenschaftler Angst davor, ihre „genialen“ Analysen könnten sofort zu Staub zerfallen, wenn man die Macher der Filme über den ästhetischen und mythologischen Inhalt befragt. In dieser Hinsicht suhlen sich die Filmanalytiker in einer unerhörten Arroganz, indem sie behaupten, den Film besser verstanden zu haben als der Regisseur.

Eine Folge dieses Vorgehens ist, dass die meisten Texte dieser Disziplin (damit ist die medienwissenschaftliche Filmanalyse gemeint) aus bloßem Gschwafel bestehen. Ein reines Herumgerede, das sich strikt dagegen wehrt, mithilfe soziologischer Fragestellungen Untersuchungen zu kreieren, die Hand und Fuß haben und nicht einfach in der Luft schweben.

Man fragt sich wirklich, was das soll und wie man ein solches Gezicke noch als ernstzunehmende Wissenschaft bezeichnen kann. Ein leichtes Umdenken ist in den USA bemerkbar. Dort diskutieren Medienwissenschaftler zumindest darüber, ob man sich nicht doch der Soziologie annähern sollte, um bessere Resultate erzielen zu können. In Deutschland scheinen diese Überlegungen noch nicht angekommen zu sein. Hier rennen die Leute weiterhin mit Scheuklappen herum, in der Hoffnung, auf niemanden zu stoßen, der ihre Analysen als fragwürdig outen könnte.

Soziologische oder kulturwissenschaftliche Filmanalyse – eine Frage der Ehre?

Die Film- und Medienanalyse in Deutschland hat eindeutig ein Problem. Sie teilt sich auf in eine sozialwissenschaftliche und eine geistes- bzw. kulturwissenschaftliche Disziplin. Während in Frankreich und den agelsächsischen Ländern diese Kluft so gut wie nicht existiert, scheinen die Experten in Deutschland der Meinung zu sein, dass es eine solche Kluft unbedingt geben muss. So genau weiß eigentlich niemand, aus welchem Grund es diese Aufteilung gibt (nicht einmal die Betroffenen selbt). Sicher ist nur, dass beide Lager zum großen Teil miteinander verfeindet sind.

Soziologie und Kulturwissenschaft stehen sich feindlich gegenüber.

Anscheinend gleicht es in Deutschland eine Frage der Ehre, ob man soziologische oder kulturwissenschaftliche Filmanalyse betreibt. Hierbei begehen besonders die Vertreter der Kulturwissenschaft den Fehler, dass sie Kultur abgrenzen von allem, was irgendwie nach Sozialwissenschaft riecht. Eine solche Perspektive ist lächerlich. Denn anscheinend haben jene Vertreter nicht verstanden, was Kultur eigentlich ist, und noch weniger kapiert, dass Kultur ohne menschliches Handeln überhaupt nicht existieren würde. Die Frage ist daher, ob eine kulturwissenschaftliche Analyse, welche die sozialwissenschaftlichen Aspekte verneint, überhaupt zu brauchbaren Erkenntnissen kommen kann. Die Antwort dürfte ein klipp und klares Nein sein.

Dieses Problem haben wir uns keineswegs aus den Fingern gesaugt. Durch Mail-Wechsel mit verschiedenen Professoren wurde uns zum Teil direkt mitgeteilt, dass er oder sie Kulturwissenschaftler/in ist und von den sozialwissenschaftlichen Aspekten nichts wissen würde. Man könnte auch sagen: ehrliche Antworten.

So lange es aber diesen Konflikt zwischen beiden Disziplinen gibt, darf man nicht darauf hoffen, Forschungsergebnisse zu erhalten, welche die internationale Filmwissenschaft bereichern könnten. Da hilft weder Arroganz noch Wut auf den Anderen. Das Einzige, das helfen würde, wäre ein Blick über den Tellerrand.