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Archive for April 2016

orion3000Um Commander Rod Jackson gibt es eine ganze Filmreihe. Jackson ist ein heldenhafter Weltraumalleskönner, der die Erde stets vor einer tödlichen Gefahr rettet. In dem Film „War between the Planets“ (Italien 1965), der in Deutschland unter dem Titel „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ lief, hat Jackson wiederum alle Hände voll zu tun.

Die Erde wird von Tsunamis und noch nie dagewesenen Erdbeben heimgesucht. Europa liegt in Schutt und Asche. Commander Jackson, der der Chef der Raumstation Gamma 1 ist, bekommt den Auftrag, nach der Ursache dieser Katastrophen zu suchen. Denn manche Experten sind der Meinung, dass die katastrophalen Heimsuchungen nur durch einen kosmischen Einfluss hervorgerufen werden. Tatsächlich entdeckt Jacksons Mannschaft einen ominösen Planeten, der sich mit großer Geschwindigkeit der Erde nähert. Bewaffnet mit einer Antimateriebombe fliegt der Commander zusammen mit einer Crew aus Freiwilligen auf den fremden Himmelskörper, um diesen zu vernichten.

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Commander Jackson (Giacomo Rossi Stuart) und seine Freundin Terry (Ombretta Colli).

Die damaligen und auch späteren Kritiken zu „Orion 3000“ waren größtenteils schlecht. Nun ja, Big Budget-Kino sieht anders aus. Aber in der Regel sind es ja auch die B-Picture, die besser unterhalten als die aufgeblasenen Großproduktionen. In dieser Hinsicht liefert auch der Film des italienischen Regisseurs Antonio Margheriti (1930 – 2002) beste Trash-Unterhaltung. „Orion 3000“ ist äußerst kurzweilig. Die Szenen sind stets schnell und hektisch, die Dialoge fliegen wie Pistolenkugeln hin und her. Erst beim Besuch des fremden Planeten drückt Margheriti etwas auf die Bremse, sodass manche Szene auf und im Planeten dann doch ein wenig langatmig wirkt.

Ein interesssantes Bild liefert die Figur des Commander Jackson ab. Ganz Mann, scheißt er erst einmal seine Freundin Terry zusammen, die sehnsüchtig auf ihn in der Raumstation gewartet hat. Diese lässt die nicht enden wollende Schimpftirade tapfer über sich ergehen. Widerworte duldet Jackson nicht. Emanzen haben beim Commander keine Chance. Interessant ist bei der Figur ebenfalls, dass sich herausstellt, dass Terry eigentlich seine Geliebte ist und er auf der Erde noch eine Verlobte hat.

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Commander Jackson (Giacomo Rossi Suart) gibt Anweisungen für den Notfall.

Seine heldenhaften Taten, wie etwa Crewmitglieder davor zu retten, im Weltraum abzudriften, kommentiert Jackson mit Worten wie: „Da kann man schon mal einen halben Arsch riskieren.“ Nur, um später sich mit seinem besten Freund Dobrovski in die Haare zu bekommen und ihn als „dumme Sau“ zu bezeichnen.

Nicht weniger witzig, sind die Szenen, in denen Jackson und andere durch den Weltraum schweben. Irgendwie unbeholfen hängen sie im schwarzen Raum herum, wirken dabei schon fast wie Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Dennoch gab man sich Mühe, die Schwerelosigkeit als solche darzustellen. Recht gelungen ist in dieser Hinsicht die Sequenz, in der für einen kurzen Moment die Schwerkraft auf Gamma 1 aufgehoben wird. Denn im selben Moment beginnen die Gegenstände in der Kommandozentrale unkontrolliert durch die Luft zu schweben.

„War between the Planets“ bzw. „Orion 3000“ macht richtig Spaß. Und wenn sich manche Kritiker darüber geärgert haben bzw. noch immer ärgern, so sind sie selbst schuld.

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aguishDer Regisseur und Künstler Bigas Luna (1946 – 2013) gilt neben Pedor Almodovar als einer der wichtigsten Vertreter des spanischen Kinos. Mit „Im Augenblick der Angst“ (1987) schuf er einen Klassiker des Horrorfilms der 80er Jahre.

Der Film erzählt zwei Geschichten. Zum einen gibt er die Handlung eines Films wieder, dem Zuschauer in einem Kino folgen. Darin geht es um den wahnsinnigen Mörder John, der von seiner Mutter dazu angestachelt wird, Menschen zu töten, indem er ihnen die Augen ausschneidet. Dieser Handlung stehen die Geschehnisse in dem Kino, in welchem der Film gerade läuft, gegenüber. Dort gruseln sich die Zuschauer fast zu Tode. Zugleich scheint auch in dem Kinosaal ein Verrückter sein Unwesen zu treiben.

Luna nahm sich bei seinem Film dem Thema Wahrnehmung an. Es geht darum, wie wir etwas wahrnehmen, sowie um die Beeinflussung visueller Medien, wobei der Film die in den 80er Jahren von Pädagogen angestachelte Diskussion über die Gefahr, welche von Horrorfilmen angeblich ausgeht, mit schwarzem Humor würzt.

„Anguish“, so der Originaltitel, wirkt jedoch nicht als typischer Slasher-Movie. Im Gegenteil, Bigas Luna setzte die Thematik so genial um, dass sein Werk mittlerweile zu den intelligentesten Horrorfilmen zählt, die jemals gedreht wurden. Luna arbeitete mit unterschiedlichen Perspektiven, ließ Handlungen parallel ablaufen, spielte mit der Wahrnehmung der fiktiven Zuschauer in dem fiktiven Kino und zugleich mit derjenigen der realen Zuschauer, welche sich den Film im Kino ansahen. Interessanterweise aber funktioniert seine Trickserei auch heute noch auf dem TV-Bildschirm.

„Im Augenblick der Angst“ kann man sich nicht einfach so anschauen. Man muss sich auf den Film einlassen und ihn konzentriert folgen, denn nur so kommt man in den Genuss von Lunas exzellent durchdachten Spielereien, welche mit Perspektiven und den unterschiedlichen Wahrnehmungen zu tun haben. So ist die Optik des Kinofilms eine andere als diejenige, welche die Geschehnisse in dem Kino verfolgt. Zugleich ändert sich immer wieder die Perspektive des Kinofilms. Zum einen ist es diejenige der Kamera, mit welcher der Kinofilm aufgenommen wurde, zum anderen diejenige der Zuschauer, welche auf der Leinwand den Film verfolgen. Daher gilt im wahrsten Sinne des Wortes: Augen auf.

Bigas Luna wird beinahe größenwahnsinnig, indem er teilweise einen irren Parallelismus kreiert. Während die Kinobesucher den Film betrachten, beobachten sie zugleich andere, fiktive Kinobesucher, welche sich ebenfalls einen Film im Kino ansehen. Dies geht so weit, dass sich die Ereignisse in der „Realität“ denen des Kinofilms und denen des Films im Film angleichen. Aufgrund dessen wirkt der Film auch heute noch überaus extrem. Ein Klassiker eben.

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Originalplakat von Roy Anderssons Film „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“.

„Schön zu hören, dass es euch gut geht!“ Der schwedische Regisseur Roy Andersson nutzt diesen Satz für eine böse-ironische Blossstellung des menschlichen Miteinanders. Der Satz durchzieht fast den ganzen Film. Immer wieder schafft er Szenen, die trostloser oder makabrer nicht sein können und in denen die Figuren eben diesen Satz beim Telefonieren von sich geben. Die moderne Gesellschaft als ein trister Ort, in dem es eigentlich nichts zum lachen gibt.

So haben es auch die beiden Scherzartikelvertreter Sam und Jonathan schwer, den Menschen dabei zu helfen, Spaß zu haben. Das liegt nicht allein an ihrem trostlos-misanthropischen Umfeld, sondern auch daran, dass beide darin alles andere als geschickt sind. Dennoch setzen sie unbeirrt ihren Weg fort und geraten dabei in teils komische, teils surreale und teils groteske Situationen.

Anderssons Film „Eine Taube sitzt auf einem Zweig und denkt über das Leben nach“ ist eine Mischung aus Kafka, Satire und Komödie. Andersson positioniert die Kamera so, dass sie die Rolle eines unbeteiligten Beobachters einnimmt. Genau dadurch wird auch der Zuschauer zu einem reinen Beobachter, zu einem Voyeur, genauso wie es ja das Kino will. Kameraschwenks gibt es nicht. Andersson kehrt dadurch zum ursprünglichen Sinn des Begriffs Kino zurück, welcher nichts anderes bedeutet, als die Aufzeichnung einer Bewegung. So bewegen sich allein die Figuren im Film. Allen voran die beiden unglücklichen Scherzartikelverkäufer.

Ein Höhepunkt ihrer surrealen Wanderung durch die Stadt ist der Besuch eines Cafés, um den Besitzer nach dem richtigen Weg zu fragen. Im selben Moment betreten die Soldaten Karls des XII. das Lokal und jagen alle Frauen weg. Der König möchte ein Glas Mineralwasser trinken, bevor er in die Schlacht zieht.

Auch wenn manche Szenen den Anschein haben, als handele es sich um Außenaufnahmen, so täuscht dies. Roy Andersson hat alles in einem kleinen Studio gedreht. Die Häuser, die Straße, ja sogar der Strand sind selbstgefertigte Kulissen. Insgesamt sollen die Arbeiten an dem Film mehrere Jahre gedauert haben.

Roy Anderssons tiefgründiger Humor dürfte Leuten, die nur Hollywoodkomödien gewöhnt sind, schwer im Magen liegen. Dem Regisseur gelingt das Paradxon, schlechte Laune zu verbreiten und dennoch urkomisch zu sein. 2014 erhielt Roy Andersson für diese Meisterleistung den Goldenen Löwen.

 

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Totmacher 6Gerd Frank schließt mit dem sechsten Band seine Serie über historische Serienmörder. Ziel der Reihe war es, das sowohl kriminalistische als auch soziale Phänomen Serienmörder in den verschiedenen Kontinenten und Kulturkreisen zu erfassen. Dieses Ziel ist dem Autor mehr als nur geglückt. Ein jeder Band liefert spannende und informationsreiche Darstellungen über das Thema. Band sechs nun setzt sich mit Serienmördern in Mittel- und Südamerika auseinander. Hierfür recherchierte der Südamerikaexperte in verschiedenen Quellen und fand für alle lateinamerikanischen Länder hoch interessante Fälle.

Die Kriminalitätsraten in vielen dieser Länder sind ungeheuer hoch. Schuld daran ist einerseits die hohe Arbeitslosigkeit, andererseits die starke Korruption und die fehlerhafte Politik. Trotz Modernisierungsbemühungen zerbrechen diese Gesellschaften. Der Historiker Michael Kirchschlager lieferte zu diesem Band ein interessantes Nachwort, das man sich jedoch vor dem Lesen der einzelnen Kriminalfälle vornehmen sollte. Denn hier erklärt Kirchschlager den sozialen und historischen Hintergrund, innerhalb dessen man die einzelnen Fälle betrachten sollte.

Gerd Frank gab sich alle Mühe, um einen detaillierten Überblick der diversen Untaten präsentieren zu können. So reichen die Fälle vom 19. Jahrhundert bis in die 2000er. Die meisten Täter stammen aus armen Familien und zerstörten Familienverhältnissen. In einem Fall aber war es der Sohn eines Diplomaten, der zum Serienmörder wurde. Der jüngste Täter war gerade einmal 15 Jahre alt, als er mehrere Morde verübte. Die besondere Grausamkeit und soziale Destruktion macht sich dann bemerkbar, wenn der Leser von Tätern erfährt, die ihre Morde aus reinem Vergnügen begangen haben. Zu den Tätern zählten nicht nur Männer. So eröffneten drei Schwestern ein Bordell, in dem sie junge Mädchen aus armen Verhältnissen ausnutzten und danach brutal ermordeten.

Wie immer bemüht sich Gerd Frank, den Blickwinkel nicht allein auf die Fälle zu beschränken. Zugleich versucht er, hinter die Biographien der Mörder sowie deren Opfer zu kommen. Zugleich durchleuchtet er die Arbeit der Polizei und der Gerichte, wobei er auf unglaubliche Dinge stößt. Einmal wurde ein Serienmörder einfach wieder frei gelassen, ein anderer erhielt eine Gefängnisstrafe von gerade einmal vier Jahren.

Gerd Franks letzter Band ist nicht nur spannend, sondern zugleich ungemein aufwühlend. Die Berichte über das soziale Elend und korrupte Polizeibeamte zeigen objektiv, dass der Modernisierungsprozess in den südamerikanischen Ländern nicht wirklich voranschreitet. Die in Deutschland einzigartige Buchreihe hat mit dem sechsten Band einen krönenden Abschluss gefunden.

Gerd Frank: Totmacher 6. Das Monster der Anden und andere unheimliche Kriminalfälle lateinamerikanischer Serienmörder (1880-2014). Verlag Kirchschlager 2016, 200 Seiten, 12,80 Euro, ISBN: 978-3934277618.

 

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mordpitavalAls Pitaval bezeichnet man eine Sammlung historischer Kriminalfälle. Der Archivar und Autor Frank Esche hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine solche Sammlung für Thüringen zu erstellen. Der Band umfasst 15 Schwerstverbrechen, die sich zwischen den Jahren 1766 und 1938 zugetragen haben.

Es handelt sich dabei vor allem um Morde und Doppelmorde. Ursachen für die Gräueltaten waren meistens Habgier, aber auch verschmähte Liebe konnte als Grund für den einen oder anderen Mord ausfindig gemacht werden. Frank Esche fand die Quellen für die diversen Mordfälle in den thüringischen Staatsarchiven. Akribisch ging er den jeweiligen Fällen nach, was sich auf das Buch überaus positiv auswirkt. Denn vor dem Leser entfalten sich nicht nur spannende Kriminalfälle, sondern zugleich detaillierte Momentaufnahmen historischer Ereignisse.

Hierbei geht Esche auch sehr genau auf die Arbeit der Polizei ein. Es ist wirklich überraschend, mit welcher Sorgfalt bereits Ende des 18. Jahrhunderts bei Kriminalfällen ermittelt wurde. Esche beschreibt jedoch nicht allein die Arbeit der Polizei, sondern geht auch auf die jeweiligen Verläufe der Gerichtsprozesse ein. Hierbei zitiert er aus Briefen, Gerichtsdokumenten und Zeitungsartikeln.

Dem Leser begegnen dabei Menschen, die aus Geldnot oder aus reiner Habgier mordeten, die ihre Frau umbrachten, um ihre Geliebte heiraten zu können, und auch Menschen, die ihre Geliebte umbrachten, da diese von ihnen nichts mehr wissen wollte. Aber auch Serienmörder und Triebtäter treten in Erscheinung. In einem der Fälle tranken zwei Frauen das Blut eines hingerichteten Raubmörders, da sie sich dadurch Heilung von ihren Krankheiten erhofften.

Die einzelnen Fälle lesen sich nicht nur wie dichte Kriminalgeschichten, sondern vermitteln zugleich einen lebendigen Einblick in die Geschichte. Auch geht Esche auf die Biografien der Täter als auch der Opfer ein. Somit verfolgt der Leser den „Werdegang“ der jeweiligen Straftäter bis zur Verkündigung ihres Urteils. All dies macht Frank Esches „Thüringer Mord-Pitaval“ zu einem sehr spannenden und zugleich informationsreichen Buch, das man nicht so schnell aus der Hand legt.

Frank Esche. Thüringer Mord-Pitaval. Verlag Kirchschlager 2016, 285 Seiten, 12,95 Euro, ISBN: 978-3-934277-65-6.

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dermannderzuvielwusste„Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) mit James Stewart und Doris Day in den Hauptrollen zählt zu Alfred Hitchcocks bekanntesten Filmen. Es handelt sich dabei um eine Neuverfilmung seines erfolgreichsten Films seiner Londoner Zeit aus dem Jahr 1934, welche denselben Titel trägt. Damals engagierte Hitchcock Peter Lorre für die Rolle des Bösewichts Abott, der ein Attentat auf einen wichtigen Staatsmann plant.

Die Geschichte beginnt in der Schweiz, wo das Ehepaar Bob und Jill Lawrence gerade Urlaub machen. Auch ihre Tochter Betty ist mit dabei. Alle sind vergnügt, doch dann, bei einer Party, kommt es zu einem Mord. Ein Freund der Familie wird erschossen. Seine letzten Worte richten sich an Jill, die ihrem Mann ausrichten soll, dass er nach einem Zettel in einem Rasierpinsel suchen soll. In der Tat findet Bob den Zettel, auf dem sich eine verschlüsselte Botschaft befindet. Zugleich wird seine Tochter entführt. Bob und Jill kehren aufgebracht zurück nach London, wo sie wegen des Mordfalls in der Schweiz von der Polizei verhört werden. Beide aber dürfen nichts sagen, denn sonst würde Betty sterben. Also machen sich Bob, Jill und ein Freund Bobs auf eigene Faust auf die Suche nach den Verbrechern, um Betty zu befreien.

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Peter Lorre als Abott in „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934).

Hitchcock fand die Originalversion von 1934 nicht schlecht, doch betrachtete er sein Remake als weitaus besser. Das erstaunt, denn im Unterschied zu der Version von 1956 ist die Version von 1934 schneller, dichter und auch drastischer. Wirkt der Film aus dem Jahr 1956 in manchen Squenzen etwas zu brav, so schlägt der Originalfilm so ziemlich alle Register. Vor allem verdankt dies der Film Peter Lorre, der als Abott eine wirkliche Glanzleistung in Sachen Übeltäter abliefert. Nicht nur widerwärtig, sondern regelrecht schmierig kommt Lorre daher, auffallend hierbei seine breite, helle Haarsträhne.

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Bob und Jill Lawremce (Leslie Banks und Edna Best) als Gefangene Abotts (Peter Lorre). In: „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934).

Hitchcock machte aus Charles Bennetts Stoff eine rasante Verfolgungsjagd, in der es vor allem um eines geht: um die Zeit. Denn viel Zeit haben die Protagonisten nicht, wenn sie Betty retten und zugleich einen Mordanschlag verhindern wollen. Tatsächlich kommt der Film nie zur Ruhe, ständig geschieht etwas, eine der Actionhöhepunkte ist die Szene, in der sich die Kontrahenten mit Stühlen bewerfen. Eine nicht weniger einprägende Szene ist diejenige, in  welcher Bob zusammen mit seinem Freund einen falschen Zahnarzt aufsuchen, um an nähere Informationen über das Versteck der Attentäter zu erhalten. Es wird offensichtlich, dass der „Zahnarzt“ ein Sadist ist und man fühlt sich erinnert an die Zahnarztszene in „Der Marathon Mann“ und zwar so sehr, dass man nicht umhin kommt zu denken, dass John Schlesinger diese Szene an Hitchcock angelehnt hat.

Wenn man also darüber nachdenkt, so ist zwar „Der Mann, der zuviel wusste“ aus dem Jahr 1956 die eindeutig teuerere Version, „Der Mann, der zuviel wusste“ aus dem Jahr 1934 aber die doch irgendwie unterhaltsamere.

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In der Reihe FuBs Fundsachen wollen wir hin und wieder auf interessante, teils nur noch antiquarisch zu erhaltende Bücher aufmerksam machen. Den Anfang macht der Roman „Die fliegenden Bomben“ von Rick Raphael.

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Cover der 1967 erschienenen deutschen Übersetzung.

Der Roman erschien 1967 in der Science Fiction-Reihe des Heyne Verlags mit der Nummer 3099. Im Original lautet der Titel „Code Three“ und erschien 1963 in den USA. Rick Raphael (1919 – 1994), der als Journalist tätig gewesen war, veröffentlichte, laut der Encyclopedia of Science Fiction gerade einmal zehn Kurzgeschichten und zwei Romane. Während der Autor in Deutschland so gut wie vergessen ist, wurde 2010 eine Sammlung seiner Kurzgeschichten neu herausgebracht. Sein Roman „Code Three“ gilt innerhalb seines schmalen Oevres als sein bekanntestes Werk.

Es geht darin um die Arbeit der Autobahnpolizei im Jahr 2000. Was klingt, wie die lahme Idee einer typischen lahmen ARD-Vorabendserie, entpuppt sich schnell zu etwas völlig anderem. Im Jahr 2000 gibt es vierspurige Superhighways, welche den gesamten nordamerikanischen Kontinent durchziehen. Die Autos, die teilweise mit Düsenantrieb funktionieren, erreichen eine Geschwindigkeit von 1000 Kilometern pro Stunde. Klar, dass es hier zu heftigen Unfällen kommt. Im Zentrum der Handlung steht das dreiköpfige Team um Ben Martin, das mit ihrem aufgerüsteten Polizeiauto die Highways entlangpatrouilliert, um für Sicherheit zu sorgen.

codethreeIn mehreren Episoden erzählt nun Raphael, was alles auf den Straßen der Zukunft los ist. Von Megaunfällen bis hin zur Gangsterjagd ist alles dabei. Nebenher beschreibt der Autor ziemlich genau die Strukturen der Polizei der Zukunft. Aus der deutschen Übersetzung wird leider nicht ersichtlich, was es mit dem Originaltitel „Code Three“ auf sich hat. Diese Bezeichnung kommt im ganzen Roman nicht vor. Der deutsche Titel „Die fliegenden Bomben“ aber passt dennoch recht gut. Denn Rick Raphael berücksichtigt auch die technische Entwicklung. Da die Autofahrer immer schnellere Wagen haben wollen, entwickeln die Autokonzerne superschnelle Automobile mit Nuklearantrieben. Der Prototyp, der eine Geschwindigkeit von 2400 Kilometer pro Stunde erreicht, wird von der Polizei getestet. Unter den Beamten ist das Fahrzeug auch als „Die Bombe“ bekannt.

Rick Raphaels Roman liest sich wie das Drehbuch zu einem Actionfilm. Am Beginn des Romans trifft sich die Crew in der Zentrale, um auf Patrouille zu gehen, Funksprüche weisen die Beamten ein und machen auf die jeweils aktuelle Verkehrslage aufmerksam. Dann geht es auf die Straße, und schon ist man mitten im Treiben. Vorbeibrausende Schnellwagen, Probleme mit LKWs, Unfälle und schließlich die eine und andere Verfolgungsjagd. Gegen Ende des Romans geht das Tempo etwas raus. Das tatsächliche Ende lässt einen etwas betroffen zurück. Es wundert jedenfalls, dass Hollywood diesen Roman nie verfilmt hat. Denn im Grunde genommen müsste man das Buch nur in einen Filmprojektor stopfen.

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