Im Augenblick der Angst – Biga Lunas Meisterwerk

aguishDer Regisseur und Künstler Bigas Luna (1946 – 2013) gilt neben Pedor Almodovar als einer der wichtigsten Vertreter des spanischen Kinos. Mit „Im Augenblick der Angst“ (1987) schuf er einen Klassiker des Horrorfilms der 80er Jahre.

Der Film erzählt zwei Geschichten. Zum einen gibt er die Handlung eines Films wieder, dem Zuschauer in einem Kino folgen. Darin geht es um den wahnsinnigen Mörder John, der von seiner Mutter dazu angestachelt wird, Menschen zu töten, indem er ihnen die Augen ausschneidet. Dieser Handlung stehen die Geschehnisse in dem Kino, in welchem der Film gerade läuft, gegenüber. Dort gruseln sich die Zuschauer fast zu Tode. Zugleich scheint auch in dem Kinosaal ein Verrückter sein Unwesen zu treiben.

Luna nahm sich bei seinem Film dem Thema Wahrnehmung an. Es geht darum, wie wir etwas wahrnehmen, sowie um die Beeinflussung visueller Medien, wobei der Film die in den 80er Jahren von Pädagogen angestachelte Diskussion über die Gefahr, welche von Horrorfilmen angeblich ausgeht, mit schwarzem Humor würzt.

„Anguish“, so der Originaltitel, wirkt jedoch nicht als typischer Slasher-Movie. Im Gegenteil, Bigas Luna setzte die Thematik so genial um, dass sein Werk mittlerweile zu den intelligentesten Horrorfilmen zählt, die jemals gedreht wurden. Luna arbeitete mit unterschiedlichen Perspektiven, ließ Handlungen parallel ablaufen, spielte mit der Wahrnehmung der fiktiven Zuschauer in dem fiktiven Kino und zugleich mit derjenigen der realen Zuschauer, welche sich den Film im Kino ansahen. Interessanterweise aber funktioniert seine Trickserei auch heute noch auf dem TV-Bildschirm.

„Im Augenblick der Angst“ kann man sich nicht einfach so anschauen. Man muss sich auf den Film einlassen und ihn konzentriert folgen, denn nur so kommt man in den Genuss von Lunas exzellent durchdachten Spielereien, welche mit Perspektiven und den unterschiedlichen Wahrnehmungen zu tun haben. So ist die Optik des Kinofilms eine andere als diejenige, welche die Geschehnisse in dem Kino verfolgt. Zugleich ändert sich immer wieder die Perspektive des Kinofilms. Zum einen ist es diejenige der Kamera, mit welcher der Kinofilm aufgenommen wurde, zum anderen diejenige der Zuschauer, welche auf der Leinwand den Film verfolgen. Daher gilt im wahrsten Sinne des Wortes: Augen auf.

Bigas Luna wird beinahe größenwahnsinnig, indem er teilweise einen irren Parallelismus kreiert. Während die Kinobesucher den Film betrachten, beobachten sie zugleich andere, fiktive Kinobesucher, welche sich ebenfalls einen Film im Kino ansehen. Dies geht so weit, dass sich die Ereignisse in der „Realität“ denen des Kinofilms und denen des Films im Film angleichen. Aufgrund dessen wirkt der Film auch heute noch überaus extrem. Ein Klassiker eben.