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Posts Tagged ‘SF-Filme’

Regisseur Irwin Allen war auch unter dem Namen Master of Desaster bekannt, da er sich auf die Produktion von Katastrophenfilmen spezialisiert hatte. Auf sein Konto gehen Filme wie „Die Höllenfahrt der Poseidon“ (1972), „Flammendes Inferno“ (1974) oder auch „Der tödliche Schwarm“ (1978). Nebenher schuf er auch TV-Serien, die inzwischen zu Klassikern geworden sind, wie etwa „Time Tunnel“, „Lost in Space“ oder „Land of the Giants“.

1961 drehte er mit „The Voyage to the Bottom of the Sea“, der unter dem Titel „Unternehmen Feuergürtel“ in die deutschen Kinos kam, eine rasante Mischung aus Action-, SF- und Katastrophenfilm, dessen Erfolg (er spielte mehr als das Dreifache der Produktionskosten ein) ebenfalls zu einer gleichnamigen TV-Serie führte. Es geht um die Abenteuer der Besatzung der Seaview, eines Atom-U-Boots, das von Admiral Nelson selbst entworfen und gebaut wurde. Gerade als sich die Seaview am Rand der Arktis befindet, kommt es zur Katastrophe: ein Meteoritenschauer setzt den Van-Allen-Gürtel, der die Erde umgibt, in Flammen, was zu einem drastischen Temperaturanstieg auf unserem Planeten führt. Admiral Nelson und der Wissenschaftler Lucius Emery berechnen, dass man von einer bestimmten Stelle des Pazifik aus eine Atombombe auf den Van-Allen-Gürtel abfeuern könnte, um durch diese gezielte Explosion das Feuer zu löschen. Doch bis dahin gibt es so allerhand Gefahren zu überstehen.

Dr. Susan Hiller (Joan Fontaine), Cathy Connors (Barbara Eden) und Lucius Emery (Perer Lorre) im Cockpit der Seaview; „Unternehmen Feuergürtel“ (1961), © Koch Media

Die Kritiker mochten den Film nicht. Sie fanden ihn albern und wissenschaftlich völlig plemplem. Aber die Zuschauer störte das nicht – und sie bekamen dafür auch die volle Ladung Spannung, Action und Unterhaltung geboten. Und das ist es ja eigentlich auch, was zählt. Denn in kaum einem anderen Film gibt es so viele Abenteuer zu bestehen und so viele Konflikte zu lösen wie in „Unternehmen Feuergürtel“. Der Kampf mit einem Riesenkraken ist dafür nur ein Beispiel.

Denn während äußere Gefahren lauern – durch Unterwasserminen, zusammenbrechende Eisberge, einem feindlichen U-Boot, das Jagd auf die Seaview macht -, steigern sich die Konflikte an Bord. Aufgrund der globalen Katastrophe möchte die Mannschaft lieber nachhause und beginnt daher zu meutern. Noch dazu ist ein unbekannter Saboteur mit an Bord, der versucht, das U-Boot zu vernichten.

Bei all der Action und Spannung und bei all dem Nervenkitzel vergisst Allen auch nicht, seine Figuren Diskussionen über Religion und das Wesen Gottes führen zu lassen, da es schließlich um das Ende der Welt geht. Ironischer Weise entpuppt sich ausgerechnet einer der Wissenschaftler als ein religiöser Fanatiker, was durchaus originell ist und den Dialogen eine interessante Tiefe verleiht.

Schon allein das Intro des Films ist so etwas wie ein Meilenstein der Überraschung. Denn nach einem furiosen Orchesterauftakt, setzt auf einmal Frankie Avalons Sülzsong „A Voyage to the Bottom of the Sea“ ein. Doch kaum sind auch diese Klänge verhallt, als mit einem riesen Spektakel die Seaview aus dem Meer geschossen kommt – und schon beginnt der rasante Teil des Films, der ohne Durchhänger bis zum Ende fortläuft.

All dies  macht „Unternehmen Feuergürtel“ zu einem der mit Sicherheit unterhaltsamsten Filme überhaupt, der noch dazu mit allerhand überraschender Wendungen aufwartet.

Unternehmen Feuergürtel (Voyage to the Bottom of the Sea). Regie u. Produktion: Irwin Allen, Drehbuch: Irwin Allen, Charles Bennett, Darsteller: Walter Pidgeon, Joan Fontaine, Peter Lorre, Barbara Eden, Frankie Avalon, Robert Sterling. USA 1961, 105 Min.

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Knapp vorbei ist auch daneben. Ungefähr so könnte man Luc Bessons neuesten Streich zusammenfassen. Und es zeigt sich, dass es nicht reicht, die Leinwand voll mit CGI zu stopfen – nein, es sollte auch so etwas wie eine spannende Story haben und interessante Charaktere wären auch ganz nett. Doch von den letzten beiden Punkten besitzt „Valerian“ leider nichts.

Die „Valerian“-Comics von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières sind längst Kult und ein wichtiger Bestandteil der französischen Comic-Historie. 1967 erschien der erste Band und 2010 der bisher letzte. Auch wenn in Deutschland der Bekanntheitsgrad sich in Grenzen hält, so haben die Ideen von Christin und Mézières viele spätere Autoren beeinflusst.

Valerian und Veronique (im Original Laureline), die sich immer wieder in die Haare bekommen, werden in Luc Bessons Umsetzung von Dane DeHane und Cara Delevingne verkörpert – und dies war schon der erste große Fehler. Denn beide Darsteller wirken so flach wie noch etwas. Schuld daran ist sicherlich auch, dass beide Figuren im Film den Figuren im Comic so gut wie nicht gleichen. Es ist wirklich schade, dass hier der gelungene Witz nicht übernommen, sondern durch äußerst lustlose Gags und diverse Rohrkrepierer verdrängt wurde. Auf diese Weise wirken DeHane und Delevingne ständig verkrampft und unbeholfen, ja eigentlich so, als hätten sie ihre Rollen in der Lotterie gewonnen.

Von der Story bekommt man eigentlich nicht viel mit. Die Handlung ist mit der Dampfhammermethode in eine so komplexe Form gegossen worden, was dazu führt, dass man irgendwann einfach den Faden verliert und den Rest des Films nur mehr gelangweilt folgt. So als wollte Besson die Zuschauer zwischendrin wieder aufwecken, gibt es eine dämliche Tanzeinlage von Rihanna, die anscheinend nur dazu dient, den Spielfilm auf die gewünschte Länge zu dehnen. Ganz witzig, aber genauso überflüssig ist Ethan Hawk als Zuhälter. Man brauchte halt Namen, um den Film finanziert zu bekommen.

So ist das einzige, das an Bessons Valerian-Adaption wirklich gut ist, das Design, das sich in der Tat sehr an den Comiczeichnungen orientiert. Hätte Besson die Muse besessen, diese Genauigkeit auch auf die Figuren und die Handlung zu übertragen, so wäre daraus sicherlich ein ansehnlicher Film geworden. So aber kann man nur den Kopf schütteln.

Valerian. Regie, Drehbuch, Produktion: Luc Besson, Darsteller: Dane DeHane, Cara Delevingne, Clive Owen, Sam Spruell, Kris Wu, Ethan Hawk. Frankreich 2017, 138 Min.

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Es hätte im Grunde genommen sehr gut werden können. Der Anfang versprach durchaus ein tiefgründiges SF-Abenteuer. Doch dann geschah folgendes: Regisseur Ridley Scott wollte sich dann doch nicht allzu tief in theologische und philosophische Diskussionen einlassen und beließ es dann weitestgehend bei der Oberflächichkeit.

Nachdem man bei der Alien-Reihe mit den Zahlen durch ist, beginnt man nun die Reihe mit der Aufzählung von Raumschiffnamen. Nach der Prometheus ist daher nun die Covenant an der Reihe. „Alien: Covenant“ will sich als Fortsetzung von „Prometheus“ verstehen, doch kommt der Film nicht wirklich über ein Quasi-Remake hinaus. Auf diesen Umstand verweist bereits die Musik von Jed Kurzel, die sich an der Originalmusik von Jerry Goldsmith orientiert.

Und daher sehen wir einmal mehr ein Raumschiff, in dem die Besatzung aus dem Tiefschlaf erwacht, da ein sonderbares Signal empfangen wurde. Nach kurzer Diskussion macht man sich dann auf, um nach der Quelle dieses Signals zu suchen. Und siehe da: praktisch wie aus dem Ei gepällt, springen der Besatzung die Aliens um die Ohren.

Versagt der Film dabei, seine angepeilte Tiefgründigkeit aufrechtzuerhalten, so versucht er, dies durch eine geniale Optik wieder wett zu machen. Die sorgfältig konzipierten Aufnahmen, die sich manchmal an modernen und klassischen Gemälden orientieren (in einer kurzen Sequenz sieht man dann auch Arnold Böcklins „Die Toteninsel“ als einen direkten Hinweis darauf) sind beinahe zu schade für den neuesten Alien-Streifen. Denn hätte Scott diese noch mit einer Geschichte verwoben, die sich mit den zentralen Fragen des menschlichen Daseins beschäftigt, so wäre daraus eine Art „Silence“ auf Speed geworden, kurz: ein toller SF-Streifen.

Aber Scott  wollte das anscheinend nicht. Dies macht sich dann auch in Fassbenders Darstellung von David bzw. Walter bemerkbar, die im Prolog überrragend ist, aber im Laufe des Films von Mal zu Mal weniger beeindruckt, so als habe er sich während des Drehs zunehmend  gelangweilt, da die Herausforderungen wegfielen. Statt also eine grundlegende Diskussion anzustoßen, nähert sich der Film dem Splatter-Genre der 80er Jahre an, wobei eine Mischung aus Puppen- und CGI-Effekten verwendet wird. Dabei nimmt man auch bewusst das Tangieren des Trash-Genres in kauf, was nicht schlimm ist, doch verliert man sich dabei hin und wieder in ein paar Ungereimtheiten. Das ist alles sehr schade, denn, wie gesagt, der Film hätte das Potential gehabt, wirklich gut zu werden. Aber Hollywood ist nun einmal Hollywood und daher braucht man sich eigentlich nicht über das Ergebnis zu wundern.

Alien: Covenant. Regie: Ridley Scott, Drehbuch: John Logan, Dante Harper, Produktion: Ridley Scott, Walter Hill, Darsteller: Michael Fassbender, Katherine Waterston, Billy Crudup, Danny McBride, Guy Pearce. USA 2017, 117 Min.

 

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Einmal gegrilltes Huhn bitte; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Wenn es einen Regisseur gibt, der mit dem Phantastischen Film eng verbunden ist, so ist dies Ishiro Honda. Auf sein Konto geht nicht nur „Godzilla“, sondern auch jede Menge weiterer Monsterfilme, die das Image des japanischen Films (neben den Werken Akira Kurosawas) im Ausland prägten.

1957 drehte Honda den SF-Film „Weltraumbestien“, den Kritiker gelegentlich als die japanische Version von „Krieg der Welten“ bezeichnen. In Hondas Film als auch in der berühmten Adaption von H. G. Wells‘ Klassiker geht es um eine Invasion vom Mars. Nur, dass sich die Hintergründe der Invasion in „Weltraumbestien“ ein wenig komplexer gestalten.

Originalplakat von „Weltraumbestien“

Denn in diesem Film stammen die außerirdischen Invasoren von einem Asteroiden namens Mysteroid, der einst Teil eines Planeten gewesen sein soll. Von dort seien die Außerirdischen auf den Mars geflohen und wollen nun die Erde besetzen. Das alles beginnt mit einem sonderbaren Waldbrand, der bereits das erste Anzeichen der Landung der Mysteroiden ist. Kurz darauf greift ein Riesenroboter eine kleine Stadt an. Während das Militär vergeblich gegen die Invasoren kämpft, versucht eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, eine Waffe zu entwickeln, die gegen die überlegene Technik der Außerirdischen doch noch etwas bewirken kann …

„Weltraumbestien“ weist in allererster Linie eine hervorragende Optik auf. Auch wenn aus heutiger Sicht der Roboter ziemlich trashig wirkt, so ist die riesige Kampfmaschine dennoch genial in Szene gesetzt. Doch bleibt es nicht allein bei dem Angriff der gewaltigen Maschine, sondern es kommt zu Erdbeben und Überflutungen – und nicht zuletzt ist da der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die Außerirdischen.

Aber das ist … das ist doch … 🙂 ; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Es ist also mächtig was los in dem Film, der, ähnlich wie in „Godzilla“, die Verzweiflung und die Tragik der Katastrophe hervorhebt, was „Weltraumbestien“ recht düster und ernst erscheinen lässt. Man sieht, dass hier die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet wurden. Die Bilder der fliehenden Bewohner der Stadt erscheinen beinahe wie aus einer Wochenschau.

US-Plakat von „Weltraumbestien“

Diesem Realismus gegenüber stehen die detailverliebten Spezialeffekte sowie der geniale Trash-Faktor des Films, der sich z.B. bei der Entführung der Frauen bemerkbar macht, da die Außerirdischen sich mit ihnen paaren wollen, um den zunehmenden Mutationen entgegenzuwirken. So steht plötzlich einer der fremden Besucher im Garten, schnappt sich die Frau und zieht sie mit sich hoch in das im Himmel schwebende UFO, was ungefähr so aussieht, als würde ein verkleideter Ken auf einem unsichbaren Seil Barbie in die Höhe ziehen. Immerhin handelt es sich bei der Darstellerin um Momoko Kochi, die durch ihre Rolle in Hondas „Godzilla“ weltberühmt wurde.

Auf jeden Fall ist „Weltraumbestien“ ein durch und durch sehenswerter Film, bei dem einem aufgrund seines Lärmpegels nur so die Ohren dröhnen. Während der Film in Japan ein großer Erfolg war, wollte sich dieser im Ausland und vor allem in den USA leider nicht einstellen.

Weltraumbestien (OT: Chikyū Bōeigun). Regie: Ishiro Honda, Drehbuch: Takeshi Kimura, Produktion: Tomoyuki Tanaka, Darsteller: Kenji Sahara, Yumi Shirakawa, Momoko Kochi, Akihito Hirata, Takashi Shimura. Japan 1957, 89 Min.

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Anspruchsvolle SF-Filme sind eher ein seltenes Vergnügen. Um so schöner ist es, wenn sich einmal wieder ein junger Regisseur daran wagt, eine Geschichte zu kreieren, die abseits des Mainstreams angesiedelt ist. Mit seinem Debüt „Eden Log“ liefert Franck Vestiel ein düsteres Zukunftsszenario, das durchaus mit der Ästhetik des französischen Comickünstlers Bilal zu vergleichen ist.

Der Film handelt von Tolbiac, der durch ein seltsames Höhlensystem kriecht. Hier und da gibt es alte, rostige Aufzüge. In verlassenen Kontrollstationen taucht immer wieder der Name Eden Log auf. Tolbiac versucht herauszufinden, was überhaupt geschehen ist und weswegen er sich in diesem unterirdischen System befindet. Dabei wird er von unheimlichen, halbmenschlichen Kreaturen gejagt, genauso wie von Wachpersonal, das nur in schweren Schutzanzügen das unterirdische Labyrinth betrtt …

Mit Sicherheit ist „Eden Log“ keine leichte Kost, sondern verlangt von dem Zuschauer große Aufmerksamkeit. Insgesamt geht der Film zum großen Teil nur in Bildern auf, indem Vestiel versucht, Dialoge soweit wie möglich zu vermeiden. Dies hat zur Folge, dass er sich voll und ganz auf die Visualisierung der Geschichte konzentriert und diese voll ausreizt.

Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die einzelnen Teile zusammen, um schließlich am Ende des Films Vestiels bizarre und erschreckende Vision als Ganzes darzustellen. Die Beleuchtung der einzelnen Szenen ist stark reduziert, so dass dadurch zugleich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in einer beinahe klaustrophobischen Dunkelheit zum Tragen kommt.

Vestiel setzte dabei noch eines drauf, indem er eine radikale Farbreduktion durchführte, die den gesamten Film in einer Art metallisch anmutendem Schwarzweiß erscheinen lässt. Das dabei erzeugte extreme Spiel zwischen Licht und Schatten gibt dem Film den Anschein eines Comics, ja, einzelne Bilder erscheinen wie die Eins-zu-eins-Umsetzung einer sog. Graphic Novel. All dies macht „Eden Log“ zu einem sehr dichten und extrem beklemmenden SF-Film, der einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Eden Log, Regie: Franck Vestiel, Drehbuch: Franck Vestiel, Pierre Boridage, Produktion: Cedric Jimenez, Darsteller: Clovis Cornilliac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou, Frankreich 2007, 98 Min.

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Acht Jahre bevor King Kong auf die Zuschauer losgelassen wurde, sorgte die Conan Doyle-Adaption „The lost World“ 1925 für volle Kinosäle. Als Stummfilm konzipiert, konnten die dort auftretenden Dinosaurier zwar noch nicht brüllen, doch die damaligen Kritiker waren sich einig, dass die Kreaturen unglaublich lebendig wirken.

Gestaltet hatte die Spezialeffekte Willis O’Brian, der als einer der besten Spezialeffektkünstler galt und später auch dem berühmten Riesenaffen Leben einhauchte. Das Besondere an „The lost World“ war, dass hier zum ersten Mal Schauspieler und Ungeheuer in ein und demselben Bild zu sehen waren. Zum einen gelang dies durch das sog. Splitscreen-Verfahren, das O’Brian im Laufe der Produktion mehr und mehr verfeinern sollte, zum anderen mit Rückprojektionen, in denen die Darsteller vor einer Leinwand agierten.

Lloyd Hughes als Reporter Malone, Wallace Beery als Prof. Challanger und Betty Love als Paula White; „The lost World“ (1925)

Mit einem Budget von 700000 Dollar waren die Produktionskosten geradezu enorm und damit teurer als der spätere „King Kong“, doch allein in den USA spielte der Film fast 1,5 Millionen Dollar ein. Auch heute ist der Film überaus spannend, kurzweilig und bringt einem regelrecht zum Staunen. Es geht um Professor Challenger, der im Amazonasgebiet ein Plateau entdeckt hat, auf dem noch immer Dinosaurier leben. Natürlich wird er von den Akademikern verspottet. Daher beschließt er, auf das Plateau zurückzukehren, um einen Beweis von dort mitzubringen. Finanziert wird das ganze von einer Londoner Zeitung, die sich dadurch höhere Auflagen erhofft. Doch die Expedition hat noch einen weiteren Zweck, denn Challengers Kollege ist auf dem Plateau zurückgeblieben und es gilt daher, den Vater von Paula White zu finden, die ebenfalls an der Expedition teilnimmt.

Besetzt mit damals bekannten Schauspielern (u. a. Betty Love als Paula White, Lloyd Hughes als Reporter und Wallace Beery als Challenger) entwickelt sich „The lost World“ zu einem furiosen Abenteuerspektakel, dessen Einfluss bis heute reicht. So orientieren sich z.B. die „Jurassic Park“-Filme nicht nur an diesem Klassiker, sondern übernahmen auch mehrere Szenen dieses Films in ihre eigene Handlungen. Dieses Mal natürlich als aufgemotzte CGI-Variante, doch der Unterschied zu „The lost World“ ist nicht groß.

Der Brontosaurus stampft durch London; „The lost World“ (1925)

Dies macht sich besonders dann bemerkbar, wenn der von Professor Challenger mitgebrachte Brontosaurus in London Amok läuft, Häuser zum Einsturz bringt und schließlich sogar die London Bridge demoliert. Ein weiterer Höhepunkt des Films ist der sensationelle Vulkanausbruch, vor dem nicht nur die Menschen, sondern auch sämtliche Dinosaurier fliehen. Insgesamt elf verschiedene Arten hat O’Brian für den Film ins Leben gerufen, darunter einen Alosaurus, mehrere Brontosaurier und mehrere Triceratops.

Das, was damals wie heute so fasziniert, war bzw. ist, dass O’Brian die Atembewegungen der Dinosaurier zeigte, sogar wie sich ihre Pupillen verändern. Er versuchte, die Kreaturen so lebendig wie möglich zu gestalten, und dies ist ihm auch gelungen. All dies machte und macht den Film zu einer wahren Sensation.

The lost World. Regie: Harry O. Hoyt, Drehbuch: Marion Fairfax, Produktion: Earl Hudson, Darsteller: Betty Love, Lloyd Hughes, Wallace Beery, Lewis Stone. USA 1925, 100 Min. (Rekonstruierte Fassung); 55 Min. (damalige Kinofassung)

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In den 50er Jahren hatte das Kino starke Konkurrenz bekommen: das Fernsehen. Immer mehr Leute blieben lieber zuhause, um sich Filme und TV-Serien anzusehen, als ins Kino zu gehen. Hollywood steckte in einer nicht zu verkennenden Krise. Um die Menschen wieder in die Kinosäle zu locken, dachte man sich neue Sensationen aus: die Riesenleinwand und 3D. Monumentalfilme im Cinemascope versprachen das ultimative Filmerlebnis, nicht weniger das 3D-Verfahren, mit dem vor allem Universal seine Monster auf das Publikum los ließ. James Dean, der noch während der Dreharbeiten zu seinem dritten Film „Giganten“ (1956) starb, wurde, neben Elizabeth Taylor, zu einer der Hollywood-Ikonen schlechthin. Die 50er Jahre waren aber auch das Jahrzehnt der Paranoia, die sich vor allem in den sog. B-Movies bemerkbar machte. In Deutschland versuchte man indessen mithilfe des Heimatfilms das vorangegangene Jahrzehnt unter den Teppich zu kehren.

1954 schuf Alfred Hitchcock einen seiner wohl interessantesten Filme. „Das Fenster zum Hof“, basierend auf einer Kurzgeschichte des Krimiautors Cornell Woolrich, handelt von dem Fotographen L. B. Jeffries, der durch einen Unfall an einen Rollstuhl gefesselt ist. Und was tut ein Fotojournalist, wenn er nicht arbeiten kann? Er beobachtet seine Nachbarschaft. Dabei wird Jeff Zeuge eines heimtückischen Mordes.

Für „The rear Window“ ließ Hitchcock eine der größten Studiofilmkulissen bauen. Gemeint ist damit natürlich der Innenhof und das gegenüberliegende Gebäude, in dem es etwa 30 Wohnungen gab, die noch dazu möbliert waren. Durch einen Zugang sieht man außerdem einen kleinen Teil einer belebten Straße samt Geschäften. Die Bauten dauerten mehrere Wochen, letztendlich verschlang die Produktion fast 2 Millionen Dollar.

Zwar ist „Das Fenster zum Hof“ als Krimi konzipiert, doch im Grunde genommen geht es vor allem um das eine: um Voyeurismus. Jeff beobachtet interessiert seine Mitmenschen in den gegenüberliegenden Wohnungen, verfolgt dabei ihre Tagesabläufe und erlebt dabei den Alltag der anderen emotional mit. Jeff macht damit genau dasselbe wie der Kinozuschauer, denn Kino ist nichts anderes als Spannen. In einem abgedunkelten Raum sitzen die Zuschauer, während sie das Leben anderer Menschen beobachten.

Die großartige Kulisse in „Das Fenster zum Hof“; „Das Fenster zum Hof“ (1954); Copyright: Paramount

Aus diesem Grund wurde „Das Fenster zum Hof“ schnell zum zentralen Bestandteil der Filmtheorie. Doch geht es in Hitchcocks Klassiker noch um viel mehr. Der Film offenbart zugleich Jeffs Distanz zu seinen Mitmenschen. Er hat keinen Kontakt zu ihnen, sondern beobachtet sie lediglich aus der Ferne. Dadurch bleiben sie Fremde für ihn – und dieser Aspekt zeichnet eine Kritik an der modernen Gesellschaft nach, in der sich die Menschen mehr und mehr entfremden, bis sich nicht einmal mehr die Nachbarn kennen. Natürlich ist diese Kritik eingepackt in eine sanfte Ironie und Witz, dennoch – sozusagen zwischen den Zeilen – ergibt sich ein recht trostloses Bild der modernen Gesellschaft.

Auf diese Weise ist es auch dem Mörder möglich, unbemerkt seine Tat zu begehen. Erst als er Jeff bemerkt, wird die Anonymität unterbrochen und die Folge davon ist ein Kontakt, der sich für Jeff bedrohlich auswirkt – letztendlich ein durchaus satirischer Aspekt, wenn man die eingewobene Gesellschaftskritik zugrunde legt.

1956 kam es im sog. Paranoia-Kino zu einem der wichtigsten Filme. Action-Regisseur Don Siegel verfilmte den Roman „The Body Snatchers“ von Jack Finney aus dem Jahr 1954. Es geht darin um einen Arzt in einer Kleinstadt, der auf einmal Zeuge eines seltsamen Phänomens wird: Menschen, die Dr. Bennell seit Jahren kennt, benehmen sich plötzlich irgendwie anders. Zunächst meint Bennell, einer Massenhysterie auf der Spur zu sein. Doch dann entdeckt er, dass dahinter eine außerirdische Invasion steckt.

Der Name Paranoia-Kino entlehnt sich aus der damals in den USA tatsächlich herrschenden Paranoia. Diese bezog sich auf die Angst vor einer heimtückischen kommunistischen Invasion, durch die das Gesellschaftssystem untergraben werden sollte. Es wurde Jagd auf vermeintliche Kommunisten gemacht, und dabei standen – wie immer – als erstes Autoren, Filmemacher und Künstler im Visier der Behörden. Drehbuchautoren erhielten Berufsverbote, Schriftsteller erhielten Besuch vom FBI.

Diese Angst machte sich vor allem das SF-Kino der 50er Jahre zunutze, um sie in beklemmende Geschichten zu verpacken. „Das Ding aus einer anderen Welt“, „It came from Outer Space“ oder eben auch „Invasion der Körperfresser“ sind wichtige Beispiele dafür. In dem letztgenannten Film geht es um eine heimtückische Gleichschaltung der Menschen. Alle agieren auf äußere Befehle hin, Individualität ist verboten und wird mit dem Tod bestraft.

Dr. Bennell und seine Freundin auf der Flucht; „Invasion der Körperfresser“ (1956); Copyright: Universal Pictures

Hinzu kommt, dass niemand Dr. Bennell glaubt. „Ich bin nicht geisteskrank!“, mit diesem verzweifelten Ausruf begegnen wir dem Arzt zum ersten Mal. Erst dann folgt die Geschichte, die die Polizei für unmöglich hält. Wie in den meisten damaligen SF-Filmen wird eine Kleinstadt von der Invasion bedroht. Der Grund, in kleineren Orten kennt noch jeder jeden, im Gegensatz zu den Großstädten, wo eine Tendenz zur Anonymität und sozialem Desinteresse herrscht.

Im dramaturgischen Sinne besäße eine solche Invasion einen geringeren Effekt als nun mal in einem kleinen Ort, wo eher noch auf Tradition gepocht wird. Auf diese Weise kann auch das Idealbild, das die USA von sich selbst hatte, am besten nach außen vermittelt werden: eine fast konfliktfreihe Gesellschaft, bestehend aus fleißigen Mitmenschen, in der noch auf Moral und Ordnung geachtet wird. Der damalige Rassenkonflikt wird radikal ausgeblendet, indem Schwarze in den Filmen so gut wie nicht auftauchen.

Doch unabhängig von all den ideologischen Faktoren, entstand in den 50er Jahren eine Vielzahl der bekanntesten SF-Filme, die  bis heute nichts von ihrer Spannung und Faszination verloren haben. „Invasion der Körperfresser“ wurde mehrfach neu verfilmt: 1978 unter dem Titel „Die Körperfresser kommen“ (statt in einer Kleinstadt, spielt die Handlung in San Francisco), 1993 als „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ (wobei dort die Handlung auf einem Militärstützpunkt liegt) und 2007 unter dem Titel „Invasion“, wobei auch hier der Film in einer Großstadt spielt und aus dem Arzt eine Ärztin wurde.

 

 

 

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