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Posts Tagged ‘SF-Filme’

Acht Jahre bevor King Kong auf die Zuschauer losgelassen wurde, sorgte die Conan Doyle-Adaption „The lost World“ 1925 für volle Kinosäle. Als Stummfilm konzipiert, konnten die dort auftretenden Dinosaurier zwar noch nicht brüllen, doch die damaligen Kritiker waren sich einig, dass die Kreaturen unglaublich lebendig wirken.

Gestaltet hatte die Spezialeffekte Willis O’Brian, der als einer der besten Spezialeffektkünstler galt und später auch dem berühmten Riesenaffen Leben einhauchte. Das Besondere an „The lost World“ war, dass hier zum ersten Mal Schauspieler und Ungeheuer in ein und demselben Bild zu sehen waren. Zum einen gelang dies durch das sog. Splitscreen-Verfahren, das O’Brian im Laufe der Produktion mehr und mehr verfeinern sollte, zum anderen mit Rückprojektionen, in denen die Darsteller vor einer Leinwand agierten.

Lloyd Hughes als Reporter Malone, Wallace Beery als Prof. Challanger und Betty Love als Paula White; „The lost World“ (1925)

Mit einem Budget von 700000 Dollar waren die Produktionskosten geradezu enorm und damit teurer als der spätere „King Kong“, doch allein in den USA spielte der Film fast 1,5 Millionen Dollar ein. Auch heute ist der Film überaus spannend, kurzweilig und bringt einem regelrecht zum Staunen. Es geht um Professor Challenger, der im Amazonasgebiet ein Plateau entdeckt hat, auf dem noch immer Dinosaurier leben. Natürlich wird er von den Akademikern verspottet. Daher beschließt er, auf das Plateau zurückzukehren, um einen Beweis von dort mitzubringen. Finanziert wird das ganze von einer Londoner Zeitung, die sich dadurch höhere Auflagen erhofft. Doch die Expedition hat noch einen weiteren Zweck, denn Challengers Kollege ist auf dem Plateau zurückgeblieben und es gilt daher, den Vater von Paula White zu finden, die ebenfalls an der Expedition teilnimmt.

Besetzt mit damals bekannten Schauspielern (u. a. Betty Love als Paula White, Lloyd Hughes als Reporter und Wallace Beery als Challenger) entwickelt sich „The lost World“ zu einem furiosen Abenteuerspektakel, dessen Einfluss bis heute reicht. So orientieren sich z.B. die „Jurassic Park“-Filme nicht nur an diesem Klassiker, sondern übernahmen auch mehrere Szenen dieses Films in ihre eigene Handlungen. Dieses Mal natürlich als aufgemotzte CGI-Variante, doch der Unterschied zu „The lost World“ ist nicht groß.

Der Brontosaurus stampft durch London; „The lost World“ (1925)

Dies macht sich besonders dann bemerkbar, wenn der von Professor Challenger mitgebrachte Brontosaurus in London Amok läuft, Häuser zum Einsturz bringt und schließlich sogar die London Bridge demoliert. Ein weiterer Höhepunkt des Films ist der sensationelle Vulkanausbruch, vor dem nicht nur die Menschen, sondern auch sämtliche Dinosaurier fliehen. Insgesamt elf verschiedene Arten hat O’Brian für den Film ins Leben gerufen, darunter einen Alosaurus, mehrere Brontosaurier und mehrere Triceratops.

Das, was damals wie heute so fasziniert, war bzw. ist, dass O’Brian die Atembewegungen der Dinosaurier zeigte, sogar wie sich ihre Pupillen verändern. Er versuchte, die Kreaturen so lebendig wie möglich zu gestalten, und dies ist ihm auch gelungen. All dies machte und macht den Film zu einer wahren Sensation.

The lost World. Regie: Harry O. Hoyt, Drehbuch: Marion Fairfax, Produktion: Earl Hudson, Darsteller: Betty Love, Lloyd Hughes, Wallace Beery, Lewis Stone. USA 1925, 100 Min. (Rekonstruierte Fassung); 55 Min. (damalige Kinofassung)

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In den 50er Jahren hatte das Kino starke Konkurrenz bekommen: das Fernsehen. Immer mehr Leute blieben lieber zuhause, um sich Filme und TV-Serien anzusehen, als ins Kino zu gehen. Hollywood steckte in einer nicht zu verkennenden Krise. Um die Menschen wieder in die Kinosäle zu locken, dachte man sich neue Sensationen aus: die Riesenleinwand und 3D. Monumentalfilme im Cinemascope versprachen das ultimative Filmerlebnis, nicht weniger das 3D-Verfahren, mit dem vor allem Universal seine Monster auf das Publikum los ließ. James Dean, der noch während der Dreharbeiten zu seinem dritten Film „Giganten“ (1956) starb, wurde, neben Elizabeth Taylor, zu einer der Hollywood-Ikonen schlechthin. Die 50er Jahre waren aber auch das Jahrzehnt der Paranoia, die sich vor allem in den sog. B-Movies bemerkbar machte. In Deutschland versuchte man indessen mithilfe des Heimatfilms das vorangegangene Jahrzehnt unter den Teppich zu kehren.

1954 schuf Alfred Hitchcock einen seiner wohl interessantesten Filme. „Das Fenster zum Hof“, basierend auf einer Kurzgeschichte des Krimiautors Cornell Woolrich, handelt von dem Fotographen L. B. Jeffries, der durch einen Unfall an einen Rollstuhl gefesselt ist. Und was tut ein Fotojournalist, wenn er nicht arbeiten kann? Er beobachtet seine Nachbarschaft. Dabei wird Jeff Zeuge eines heimtückischen Mordes.

Für „The rear Window“ ließ Hitchcock eine der größten Studiofilmkulissen bauen. Gemeint ist damit natürlich der Innenhof und das gegenüberliegende Gebäude, in dem es etwa 30 Wohnungen gab, die noch dazu möbliert waren. Durch einen Zugang sieht man außerdem einen kleinen Teil einer belebten Straße samt Geschäften. Die Bauten dauerten mehrere Wochen, letztendlich verschlang die Produktion fast 2 Millionen Dollar.

Zwar ist „Das Fenster zum Hof“ als Krimi konzipiert, doch im Grunde genommen geht es vor allem um das eine: um Voyeurismus. Jeff beobachtet interessiert seine Mitmenschen in den gegenüberliegenden Wohnungen, verfolgt dabei ihre Tagesabläufe und erlebt dabei den Alltag der anderen emotional mit. Jeff macht damit genau dasselbe wie der Kinozuschauer, denn Kino ist nichts anderes als Spannen. In einem abgedunkelten Raum sitzen die Zuschauer, während sie das Leben anderer Menschen beobachten.

Die großartige Kulisse in „Das Fenster zum Hof“; „Das Fenster zum Hof“ (1954); Copyright: Paramount

Aus diesem Grund wurde „Das Fenster zum Hof“ schnell zum zentralen Bestandteil der Filmtheorie. Doch geht es in Hitchcocks Klassiker noch um viel mehr. Der Film offenbart zugleich Jeffs Distanz zu seinen Mitmenschen. Er hat keinen Kontakt zu ihnen, sondern beobachtet sie lediglich aus der Ferne. Dadurch bleiben sie Fremde für ihn – und dieser Aspekt zeichnet eine Kritik an der modernen Gesellschaft nach, in der sich die Menschen mehr und mehr entfremden, bis sich nicht einmal mehr die Nachbarn kennen. Natürlich ist diese Kritik eingepackt in eine sanfte Ironie und Witz, dennoch – sozusagen zwischen den Zeilen – ergibt sich ein recht trostloses Bild der modernen Gesellschaft.

Auf diese Weise ist es auch dem Mörder möglich, unbemerkt seine Tat zu begehen. Erst als er Jeff bemerkt, wird die Anonymität unterbrochen und die Folge davon ist ein Kontakt, der sich für Jeff bedrohlich auswirkt – letztendlich ein durchaus satirischer Aspekt, wenn man die eingewobene Gesellschaftskritik zugrunde legt.

1956 kam es im sog. Paranoia-Kino zu einem der wichtigsten Filme. Action-Regisseur Don Siegel verfilmte den Roman „The Body Snatchers“ von Jack Finney aus dem Jahr 1954. Es geht darin um einen Arzt in einer Kleinstadt, der auf einmal Zeuge eines seltsamen Phänomens wird: Menschen, die Dr. Bennell seit Jahren kennt, benehmen sich plötzlich irgendwie anders. Zunächst meint Bennell, einer Massenhysterie auf der Spur zu sein. Doch dann entdeckt er, dass dahinter eine außerirdische Invasion steckt.

Der Name Paranoia-Kino entlehnt sich aus der damals in den USA tatsächlich herrschenden Paranoia. Diese bezog sich auf die Angst vor einer heimtückischen kommunistischen Invasion, durch die das Gesellschaftssystem untergraben werden sollte. Es wurde Jagd auf vermeintliche Kommunisten gemacht, und dabei standen – wie immer – als erstes Autoren, Filmemacher und Künstler im Visier der Behörden. Drehbuchautoren erhielten Berufsverbote, Schriftsteller erhielten Besuch vom FBI.

Diese Angst machte sich vor allem das SF-Kino der 50er Jahre zunutze, um sie in beklemmende Geschichten zu verpacken. „Das Ding aus einer anderen Welt“, „It came from Outer Space“ oder eben auch „Invasion der Körperfresser“ sind wichtige Beispiele dafür. In dem letztgenannten Film geht es um eine heimtückische Gleichschaltung der Menschen. Alle agieren auf äußere Befehle hin, Individualität ist verboten und wird mit dem Tod bestraft.

Dr. Bennell und seine Freundin auf der Flucht; „Invasion der Körperfresser“ (1956); Copyright: Universal Pictures

Hinzu kommt, dass niemand Dr. Bennell glaubt. „Ich bin nicht geisteskrank!“, mit diesem verzweifelten Ausruf begegnen wir dem Arzt zum ersten Mal. Erst dann folgt die Geschichte, die die Polizei für unmöglich hält. Wie in den meisten damaligen SF-Filmen wird eine Kleinstadt von der Invasion bedroht. Der Grund, in kleineren Orten kennt noch jeder jeden, im Gegensatz zu den Großstädten, wo eine Tendenz zur Anonymität und sozialem Desinteresse herrscht.

Im dramaturgischen Sinne besäße eine solche Invasion einen geringeren Effekt als nun mal in einem kleinen Ort, wo eher noch auf Tradition gepocht wird. Auf diese Weise kann auch das Idealbild, das die USA von sich selbst hatte, am besten nach außen vermittelt werden: eine fast konfliktfreihe Gesellschaft, bestehend aus fleißigen Mitmenschen, in der noch auf Moral und Ordnung geachtet wird. Der damalige Rassenkonflikt wird radikal ausgeblendet, indem Schwarze in den Filmen so gut wie nicht auftauchen.

Doch unabhängig von all den ideologischen Faktoren, entstand in den 50er Jahren eine Vielzahl der bekanntesten SF-Filme, die  bis heute nichts von ihrer Spannung und Faszination verloren haben. „Invasion der Körperfresser“ wurde mehrfach neu verfilmt: 1978 unter dem Titel „Die Körperfresser kommen“ (statt in einer Kleinstadt, spielt die Handlung in San Francisco), 1993 als „Body Snatchers – Angriff der Körperfresser“ (wobei dort die Handlung auf einem Militärstützpunkt liegt) und 2007 unter dem Titel „Invasion“, wobei auch hier der Film in einer Großstadt spielt und aus dem Arzt eine Ärztin wurde.

 

 

 

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Science Fiction-Filme aus Deutschland sind ein sehr seltenes Phänomen. Interessant ist daher, dass Regisseur Sebastian Hilger für seine Abschlussarbeit sich dieses Genre ausgewählt hat.

„Wir sind die Flut“ handelt von dem Physiker Micha, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter Gelder für ein neues Forschungsprojekt beantragen möchte. Doch schon die Vorstellung seines Projekts vor einer Handvoll Professoren sorgt für Unmut. Denn niemand möchte ihm die Gelder bewilligen. Der Grund: Micha möchte ein bisher ungelöstes Naturphänomen lösen. Vor dem kleinen Küstenort Windholm ist vor 15 Jahren das Meer verschwunden. Am selben Tag verschwanden auch die Kinder des Ortes. Seitdem wird Windholm als eine Art Sonderzone vom Militär abgeriegelt.

Micha lässt das Rätsel jedoch nicht los. Noch am selben Abend bricht er zusammen mit seiner Exfreundin Jana nach Windholm auf, um eine Lösung für das außergewöhnliche Phänomen zu finden. Dabei stößt er auf weitere Sonderbarkeiten …

In düsteren Bildern erzählt Hilger diese Geschichte, die Science Fiction mit Mystery-Elementen verbindet. Sicherlich hätte er die Story auch als Action-Thriller inklusive Schockeffekten verfilmen können, doch wählte er eine subtile Form des Unheimlichen und des Rätselhaften, wobei er sich vor allem auf die durchgehende Aufrechterhaltung einer beklemmenden Atmosphäre konzentrierte, die dem Film die passende Dichte verleiht.

Von Anfang schwelgt der Film in wunderbaren Bildern. Egal, ob weite Landschaftsaufnahmen, ob lange Korridore oder überwucherte Hausfassaden, Hilger gelingt stets eine fast vollendete Ästhetik des Mysteriösen, die den Zuschauer berauscht und ihn dadurch in ihren Bann zieht. Es scheint beinahe so, als wollte er den übrigen Filmemachern Deutschlands zeigen, wie Kino funktioniert. Denn eigentlich kommen deutsche Kinofilme nie über das Niveau eines TV-Films hinaus.

So schön alles ist, so hapert es dann doch bei der Auflösung des Ganzen. Hilger schien sich am Ende nicht entscheiden zu können, welche der möglichen Pointen er nun für das Finale wählen sollte und so kommt es zu einem Kuddelmuddel aus SF-Drama und Mystery-Kitsch, das dann doch enttäuscht, hat man sich doch eine spannendere Lösung erhofft.

Der Film an sich aber ist sehr schön gemacht und zeigt uns einen Regisseur, von dem wir noch viel erwarten dürfen.

Wir sind die Flut. Regie: Sebastian Hilger, Drehbuch: Nadine Gottmann, Produktion: Anna Wendt, Darsteller: Max Mauff, Lana Cooper, Gro Swantje Kohlhof, Roland Koch. Deutschland 2016, 84 Min.

 

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Bereits mit seinem Mysterythriller „Cure“ stieß Regisseur und Drehbuchautor Kiyoshi Kurosawa nicht nur in Japan auf großes Interesse. Weitere Filme wie „Pulse“ oder „Loft“, die sich ebenfalls dem Horrorgenre verschrieben haben, folgten. Mit „Real“ wechselte Kurosawa 2013 das Genre, indem er einen Film schuf, der irgendwo zwischen Science Fiction und Liebesdrama angesiedelt ist.

Es geht darin um Koichi, dessen Freundin seit einem Selbstmordversuch im Koma liegt. Um sie aus dem Koma zu holen, wird ein neuartiger Versuch gewagt. Koichi soll mithilfe einer Maschine in das Bewusstsein Atsumis eintauchen, um auf diese Weise mit ihr in Kontakt zu treten. Die Behandlung aber hat einen Nebeneffekt: Koichi kann bald zwischen Realität und Wahn nicht mehr unterscheiden …

Die Adaption eines bekannten japanischen SF-Romans mit dem Titel „A Perfect Day for a Plesiosaur“ (verfasst von Rokuro Inui) erscheint zunächst als ein ruhiger und melancholischer Film über Liebe, Schuld und Vergänglichkeit. Doch nach und nach schleichen sich sonderbare und bizarre Erscheinungen in die elegant anmutenden Bilder, die den Film bestimmen. Während Koichi und Atsumi sich über ihre Beziehung unterhalten, liegt auf einmal direkt neben Koichi eine verunstaltete Leiche am Boden. Menschen erscheinen wie unheimliche Traumgebilde, die Ärztin und Leiterin des medizinischen Projekts bezeichnet diese als „philosophische Zombies“.

Dr. Ahiara (Miki Nakatani) bereitet Koichi (Takeru Satoh) auf den Bewusstseinstransfer vor; Copyright: Toho Inc.

Die Kritiker mochten „Real“ dennoch nicht. In Deutschland ist der Film so gut wie unbekannt. Eigentlich schade, denn Kurosawas SF-Drama ist alles andere als langweilig. Im Gegensatz zum zwei Jahre später produzierten „Inception“, versucht Kurosawa den Film nicht durch Action in die Länge zu ziehen. Für ihn steht die Entwicklung der Handlung im Vordergrund. Dafür lässt sich der Regisseur Zeit, doch die zwei Stunden, die der Film dauert, vergehen beinahe wie im Flug.

Dies liegt nicht nur daran, dass die Ästhetik des Films den Zuschauer in ihren Bann zieht, sondern auch in den unerwarteten Wendungen, welche „Real“ eine zusätzliche Spannung und Dichte verleihen. Es geht um die Frage, was Wirklichkeit überhaupt ist und ob man diese mit all seinen Sinnen erfassen kann. Wenn auf einmal Dinge geschehen, die nicht dem Alltagswissen entsprechen, bedeutet dies, dass diese nicht wirklich, sondern Wahnvostellungen sind?

Kurosawa wird, trotz des schwierigen Themas, nie philosophisch. Es geht ihm vielmehr um das Schicksal der einzelnen Figuren, deren Ängste und Probleme. Dies führt dazu, dass der Regisseur es auch nicht an Sozialkritik mangeln lässt. Hierbei steht vor allem der japanische Arbeitsalltag im Zentrum der Kritik, wenn Menschen wegen Überarbeitung sterben oder Selbstmord begehen.

„Real“ wird dadurch zu einem durchaus nachdenklichen Film, mit dem man sich nach der Sichtung noch lange beschäftigt. So eindrücklich sind die Bilder und Situationen, die uns Kurosawa präsentiert.

 

 

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Die 50er Jahre waren das Zeitalter der kreischenden Frauen und schrecklichen Ungeheuer. Neben der ideologischen Paranoia vor einer kommunistischen Unterwanderung beschäftigte sich das SF- und Horrorgenre auch mit einer kritischen Sichtweise der Wissenschaft. Ein Ergebnis dieser Reflexion war der SF-Klassiker „Der Schrecken des Amazonas“ (The Creature from the Black Lagoon; 1954). Hier wird das rücksichtslose Vorgehen der Wissenschaftler dargestellt, während sie auf Biegen und Brechen versuchen, neue Erkenntnisse zu sammeln. Das Monster wird somit zum eigentlichen Opfer. Regie führte damals Jack Arnold, der auch SF-Klassiker wie „Tarantula“ (1955), „Der Schrecken schleicht durch die Nacht“ (1958) oder „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“ (1957) schuf.

„Der Schrecken des Amazonas“ erwies sich als so erfolgreich, dass 1958 eine Fortsetzung mit dem Titel „Die Rache des Ungeheuers“ produziert wurde. Wiederum führte Jack Arnold Regie. Mit von der Partie ist Genrestar John Agar, der auch schon in „Tarantula“ gegen die bekannte Riesenspinne ins Feld zog.

Der Film handelt von einer Expedition, die erneut in das Amazonasgebiet vordringt, um den Kiemenmenschen zu fangen. Er soll als Attraktion in einem Meeresaquarium in Florida dienen. Gleichzeitig wollen Wissenschaftler das menschenähnliche Ungeheuer genauer untersuchen. Es wird in einem Becken an eine Kette gefesselt, damit die Forscher in Ruhe mit ihm experimentieren können. Doch die Wut des Kiemenmenschen kennt keine Grenzen. Er befreit sich und macht von da an die Küste Floridas unsicher.

Leg dich nicht mit dem Kiemenmenschen an! „Revenge of the Creature“ (1955); Copyright: Koch Media

Wie auch schon im Originalfilm, so ist auch in der Fortsetzung die Sympathie eindeutig auf Seiten des Ungeheuers. Wiederum wird das fast schon als kaltblütig zu bezeichnende Vorgehen der Wissenschaftler stark kritisiert. Lebendige Dinge werden als reine Objekte betrachtet. Dabei ist es egal, ob dem Wesen Schmerzen zugefügt werden oder ob es an Hunger leiden muss. Wichtig sind allein die Erkenntnisse und die Hoffnung, dadurch schnell Karriere machen zu können. Diese Sichtweise hat bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren. Der Kiemenmensch macht dieses Spiel jedenfalls nicht lange mit. Ab hier kommt der Titel der Fortsetzung voll zur Geltung. Das Ungeheuer nimmt Rache. Dabei entführt es natürlich eine hübsche Meeresbiologin. Der Kampf zwischen Mensch und Monster ist damit eröffnet.

Jack Arnold inszenierte diesen Film ungeheuer rasant und spannend. Das Kostüm des Kiemenmenschen, das seit über 50 Jahren Kultcharakter besitzt, kommt hier wieder wunderbar zur Geltung. Die Jagd nach dem Kiemenmenschen fordert nicht wenige Opfer. Schließlich ist sogar eine ganze Polizeiarmee hinter ihm her. Wie schon im Originalfilm, so tauchen auch in der Fortsetzung Überlegungen über das eigentliche Wesen des Kiemenmenschen auf. Die Fragen nach einer Art Missing Link oder einer Laune der Natur beleben die Dialoge und charakterisieren dadurch das Ungeheuer als tragische Figur.

„Die Rache des Ungeheuers“ zählt inzwischen ebenfalls zu den Klassikern der Universal-Studios. Die Jagd des Kiemenmenschen durch das Meeresaquarium ist geradezu legendär und wurde in späteren Horrorfilmen wie etwa „Weißer Hai 3“ (1983) immer wieder zitiert. Clint Eastwood hatte übrigens mit diesem Film sein Schauspieldebut in einer Nebenrolle.

Die Rache des Ungeheuers (OT: Revenge of the Creature), Regie: Jack Arnold, Drehbuch: William Alland, Martin Berkeley, Produktion: William Alland, Darsteller: John Agar, Lori Nelson, John Bromfield, Nestor Paiva, Grandon Rhodes. USA 1955, 75 Min.

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Vincenzo Natali gehört zu denjenigen SF-Filmemachern, die es verstehen, hervorragende SF-Thriller zu drehen. Gleich mit seinem Debüt „Cube“ erntete er viel Lob und Begeisterung. Auch sein zweiter Film, „Cypher“, muss sich nicht verstecken, sondern ist ein erstklassiger SF-Film, der wie auch „Cube“ mit mehreren Preisen bedacht wurde.

Mit „Nothing“ legte Natali 2003 seine erste SF-Komödie vor. Während „Cube“ und „Cypher“ extrem düstere und verstörende Werke sind, so ist „Nothing“ ein sehr heller, gut gelaunter Film, der jedoch bei weitem nicht oberflächlich wirkt, sondern sich mit interessanten philosophischen Fragen über unser Dasein und die Welt überhaupt beschäftigt.

Es geht darin um Dave und Andrew, die seit ihrer Kindheit die besten Freunde sind und schon immer auf der Verliererseite gestanden haben. Zusammen wohnen sie in einem abbruchreifen Haus, das exakt zwischen zwei Autobahnbrücken steht. Eines Tages wird ihre Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, als nämlich Dave zu seiner neuen Freundin ziehen möchte. Doch dann verliert Dave seinen Job und wird wegen Unterschlagung gesucht, während Andrew als Kinderschänder verleumdet wird. Zugleich teilt man ihnen mit, dass ihr Haus in wenigen Minuten abgerissen wird. Gerade in dem Augenblick, als die Situation droht, völlig aus den Fugen zu geraten, verschwindet auf einmal alles. Dave und Andrew befinden sich in einer endlosen Leere …

Dave und Andrew (David Hewlett u. Andrew Miller) befinden sich plötzlich im Nichs. „Nothing“ (2003); Copyright: Eurovideo

Die beiden Außenseiter Dave und Andrew (übrigens zugleich die Vornamen der beiden Hauptdarsteller) geraten von einer Sekunde auf die andere in eine tiefe existentielle Krise, aus der es so gut wie kein Entrinnen gibt. Doch dann, wie durch Zauberhand, ist alles verschwunden. Einfach alles. Um Dave und Andrew breitet sich eine endlose Leere aus. Wo befinden sie sich plötzlich? Im Himmel? In einer anderen Dimension? Der Film lässt diese Fragen offen, und genau das macht seinen Reiz aus. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, zu überlegen, was mit den beiden Freunden geschehen ist und was diese vollkommene Leere, das Nichts, darstellen soll.

Dave und Andrew entwickeln dabei einen wahren Entdeckergeist. Sie beginnen, das Nichts zu erkunden, und stellen fest, dass man u. a. darauf wie auf einem Trampolin springen kann. Natürlich bleibt die anfängliche Harmonie zwischen den beiden nicht lange bestehen. Nach einiger Zeit beginnen sie sich zu zanken, und dies dürfte der wohl skurrilste Streit sein, den man je gesehen hat. Der Film entwickelt sich dadurch weg von einer bizarren Komödie hin zu einer Satire auf den Menschen bzw. das menschliche Dasein. Dabei verhindert es Natali, in den Kitsch abzudriften, sondern bleibt stets angenehm ironisch und sehr witzig.

„Nothing“ wurde mehrfach nominiert und erhielt im Jahr 2005 u.a. den Preis als Bester Film. Vincenzo Natalis schräge SF-Komödie, die sich abseits jeglichen Mainstreams befindet, ist wirklich sehenswert und bleibt durch seinen netten philosophischen Beiklang noch lange im Gedächtnis.

Nothing, Regie: Vincenzo Natali, Drehbuch: The Drews, Produktion: Steven Hoban, Darsteller: David Hewlett, Andrew Miller, Marie-Josée Croze, Gordon Prinsent. Kanada 2003, 85 Min.

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Die Eidgenossen haben sich in Sachen Film bisher eher zurückgehalten. Umso erstaunlicher war es daher, dass im Jahr 2009 wie aus dem Nichts eine teure SF-Produktion auf den Markt kam. Man könnte dies als die positive Konsequenz der Krise in Hollywood bezeichnen, da sich seit Ende der 90er verstärkt kleinere Filmländer an größere Produktionen trauten, weil diese aufgrund der Krise besser wahrgenommen wurden.

Natürlich kamen die Schweizer Filmemacher nicht von heute auf morgen auf die Idee, einen solch groß angelegten Film zu drehen. Anscheinend sollen Planung und Produktion insgesamt neun Jahre gedauert haben. Und hat sich der Aufwand gelohnt? – Die Antwort lautet: Durchaus.

Der Film spielt im Jahr 2270. Die Erde ist unbewohnbar geworden. Aus diesem Grund leben die Menschen im All und versuchen, einen Platz auf einem Frachter zu ergattern, der sie auf andere bewohnbare Planeten bringt. Auch die junge Ärztin Laura möchte endlich wieder richtigen Boden unter den Füßen spüren. Daher heuert sie auf dem Frachter Kassandra an, dessen Ziel die entfernt liegende Station 42 ist. Doch mitten auf dem Flug dorthin ereignen sich sonderbare Dinge an Bord. Nach und nach gerät die Situation außer Kontrolle. Die Frage, die Laura versucht zu beantworten, lautet: Welche Fracht befindet sich wirklich an Bord?

Welche Fracht transportiert das Raumschiff „Kassandra“ tatsächlich? – „Cargo“ (2009); Copyright: Ascot Elite

„Cargo“ geizt zwar in Sachen Tempo, sodass die ein oder andere Szene etwas zu lange ausgefallen ist, doch insgesamt haben wir hier einen ordentlichen SF-Film mit recht guten Effekten und spannender Handlung. Die Vorbilder für „Cargo“ liegen auf der Hand: „Event Horizon“, „Sunshine“, „Alien“. Gelegentlich wird einer dieser Filme zitiert. Doch zum Glück versuchen die beiden Regisseure Ivan Engler und Ralph Etter nicht, ihre Vorbilder zu kopieren. Sie schaffen einen eigenen, vielleicht auch teilweise eigenwilligen Film, der stark atmosphärisch wirkt und diese düstere, beklemmende Aura bis zum Schluss mitnimmt.

Der Aufbau der Spannung sowie die Schaffung einer zunehmenden, nicht zu definierenden Bedrohung erinnert ein bisschen an den österreichischen Horrorfilm „Hotel“. Wer glaubt, SF sei nur auf Action aus, wird hier eines Besseren belehrt. Engler und Etter liefern einen tiefgründigen Film ab, der durch gelungene Einfälle überzeugt.

Cargo – Da draußen bist du allein, Regie: Ivan Engler, Ralph Etter, Drehbuch: Arnold H. Bucher, Ivan Engler, Patrik Steinmann, Johnny Hartmann, Thilo Roscheisen Produktion: Marcel Wolfisberg, Darsteller: Anna Katharina Schwabroh, Martin Rapold, Regula Grauwiller, Claude-Oliver Rudolph, Yangzom Brauen. Schweiz 2009, 110 Min

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