FuBs Klassikbox: Flucht ins 23. Jahrhundert (1976)

Logan 5 (Michael York) und Jessica 6 (Jenny Agutter) auf der Flucht; „Logan’s Run“; © MGM

Eigentlich sollte der Roman „Logan’s Run“ bereits 1969 verfilmt werden. George Pal, der mit Filmen wie „Wenn Welten zusammenstoßen“ (1951) und „Die Zeitmaschine“ (1960) nicht nur extrem erfolgreiche Filme produziert hatte, sondern dadurch auch in die Filmgeschichte einging, hatte die Rechte des Romans der beiden Autoren William F. Nolan und George Clayton Johnson erworben. Allerdings zerstritt er sich mit diversen Drehbuchautoren, die alle die Story anders konzipieren wollten als Pal, sodass das Projekt letztendlich zu den Akten gelegt wurde.

Jahre später erwarb die Produktionsfirma MGM die Rechte, um von der Science Fiction-Welle weiter profitieren zu können. Obwohl sich Roman und Film sehr unterscheiden, ist das Grundthema einer ewig jungen Gesellschaft gleich. Regie führte Michael Anderson, der ein Jahr zuvor mit „Doc Savage – Der Mann aus Bronze“ einen solchen Flop hinlegte, dass sich der oben erwähnte George Pal, der den Film produziert hatte, nach und nach aus dem Filmgeschäft zurückzog.

„Logan’s Run“ oder „Flucht ins 23. Jahrhundert“, wie der deutsche Titel lautet, war ein enormer Erfolg. Bei Kosten von neun Millionen Dollar spielte er 25 Millionen Dollar ein, trotz schlechter Filmkritiken. Die Handlung spielt im Jahr 2274. Nach einer globalen Seuche, welche ein Großteil der Menschheit vernichtet hat, leben die übrigen Menschen in einer mit Glaskuppeln überdachten Stadt. Für alle Belange des Lebens ist bestens gesorgt. Allerdings dürfen die Einwohner nicht älter als 30 Jahre werden. Um dies zu kontrollieren, wird jedem Menschen eine Lebensuhr implantiert, die anfängt zu blinken, wenn die Zeit abgelaufen ist.

Diese Menschen kommen zur „Erneuerung“ ins sog. Karussell, wo sie während eines Rituals getötet werden. Menschen, die sich diesem Ritual entziehen, werden als Läufer bezeichnet und von den sog. Sandmännern gejagt und getötet. Logan 5 ist ein solcher Sandmann. Ebenso sein Freund Francis 7. Doch als Logan 5 eines Tages ein kreuzförmiges Symbol findet, das der Großcomputer, der die Stadt und das Leben darin steuert, als ein Hinweis auf einen Ort namens Zuflucht identifiziert, gibt er Logan 5 den Auftrag, nach diesem Ort zu suchen. Dabei muss er sich als Läufer tarnen, was wiederum die Sandmänner auf ihn hetzt. Zusammen mit Jessica 6, die Mitglied einer geheimen Gruppe von Läufern ist, versucht Logan 5 nicht nur Die Zuflucht zu finden, sondern auch vor den Sandmännern, allen voran Francis 7, zu entkommen.

Das Ritual der Erneuerung beginnt; „Logan’s Run“ (1976); © MGM

Damals wurde „Logan’s Run“ wegen seiner erstklassigen Kulissen gelobt – sogar die ärgsten Kritiker konnten nicht anders, als diese positiv zu beurteilen. Die Kritiken bezogen sich daher auf den Umstand, dass die Handlung auf Kosten der Action und der Spezialeffekte zu oberflächlich bleibt.

Dennoch greift der Film ein Thema auf, das heute nicht weniger aktuell ist wie damals. Es geht darum, den Tod aus der Gesellschaft auszublenden und darum, ewig jung zu bleiben. Die beiden Autoren Nolan und Johnson betrachteten ihre Idee als eine Art Satire auf die Hippie-Bewegung, die Ende der 60er Jahre voll im Gange war. Der Film geht in dieser Hinsicht einen Schritt weiter, indem er – in Ansätzen – auf das Thema Schönheits-OPs verweist, mit dem sich die Bewohner der Stadt ein anderes Aussehen verschaffen können.

Cover der im Heyne Verlag 1977 erschienenen Übersetzung

Dadurch wirkt der Film nicht weniger aktuell als damals, versuchen doch auch heute mehr und mehr Menschen, sich durch solche OPs zu verändern oder auch zu „verjüngen“. Jugendlichkeit ist sozusagen zum Zwang geworden, der nicht nur von der Werbung propagiert wird, sondern z.B. auch die Voraussetzung für eine erfolgreiche Stellensuche ist. In diesem Sinne ist auch die Gesellschaft in der Zukunftsstadt keineswegs frei, sondern unterliegt einem Zwang, der sogar zu einer Beschränkung ihrer Lebenszeit führt.

„Logan’s Run“ wird damit zum typischen Vertreter der sozialkritischen SF der 70er Jahre und ist aufgrund seines stylischen Designs zugleich ziemlich untypisch dafür. Der Film scheint selbst aus einer eher späteren Zeit zu stammen und man muss sich jedes Mal vergegenwärtigen, dass er im Jahr 1976 produziert wurde. Das macht „Flucht ins 23. Jahrhundert“ zu einem der faszinierendsten Filme der 70er Jahre.

Durch den Erfolg des Films motiviert, schrieben Nolan und Johnson zwei Fortsetzungsromane. Seit dem Jahr 2000 ist immer wieder von einem Remake die Rede, bisher wurde das Projekt jedoch nicht weiterverfolgt.

Mortal Engines oder Originalität sucht man woanders

Wenn ein Autor zur Adaption seines Romans meint, dass viel verändert wurde, aber die Handlung doch irgendwie gleich sei, dann fragt man sich, ob dies ein höflicher Hinweis darauf ist, dass die Verfilmung im Grunde genommen mit dem Buch nichts mehr zu tun hat. „Mortal Engines“, nach dem Roman von Philip Reeve, ist solch ein Fall.

Das Drehbuch verfasste Peter Jackson, Regie führte Christian Rivers, der bis dahin als Assistant Director tätig gewesen war. Das Ergebnis ist ein einfallsloser Actionfilm, der wie ein Flickwerk von Ideen anderer Filme wirkt. Die Handlung ist dermaßen vorhersehbar, dass nicht einmal die kleinste Überraschung aufkommt. Dabei erscheinen die Figuren derart blass, dass man mehr auf das Drumherum achtet, als auf die Darsteller. An ein paar Stellen versucht man sich im Humor, doch erweisen sich die Gags allesamt als Rohrkreprierer.

Im Groben und Ganzen erscheint „Mortal Engines“ dann auch wie eine Art Gibli-Produktion auf Speed, wobei der große Unterschied darin liegt, dass Rivers Adaption derart seelenlos und lieblos daherkommt, dass dadurch die gesamte Handlung uninteressant wird. Es ist wirklich schade, hätte man die Figuren wenigstens komplexer gestaltet, dann wäre vielleicht am Ende des Films etwas hängen geblieben. So aber hat man ihn bereits beim Nachspann aus dem Gedächtnis verbannt. Was an „Mortal Engines“ zusätzlich nervt, ist die ständige Berieselung durch die überlaute Musik, die hier vergeblich versucht, die Dramatik zu unterstreichen und auf diese Weise zu einer Endlosschleife immer gleicher Tonfolgen verkommt.

„Mortal Engines“ hat dann auch nicht zu dem Ergebnis geführt, das man sich anscheinend erhofft hatte, wurden doch nicht einmal die Produktionskosten eingespielt. Damit ist der Film ein weiteres Beispiel für die Oberflächlichkeit, mit der wir es im Mainstream-Kino zu tun haben. Brenzlige Themen werden lediglich kurz angeschnitten, um sie dann schnell unter einem Teppich aus Spezialeffekten zu verstecken. Die Angst vor allzu direkter Kritik ist bei den Filmemachern zurzeit recht groß. Daher verpassen sie sich lieber gleich selbst einen Maulkorb, als irgendwo anzuecken. Wie gesagt, Jackson und seine Mitstreiter hätten viel daraus machen können, haben es aber nicht.

Mortal Engines – Krieg der Städte. Regie: Christian Rivers, Drehbuch u. Produktion: Peter Jackson, Fran Walsh, Darsteller: Robert Sheehan, Hera Himlar, Hugo Weaving, Jihae Kim, Stephen Lang. Neuseeland/USA 2018, 128 Min.

Die 90er: Event Horizon (1997)

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

„Wollen sie etwas Heißes, Schwarzes in sich haben? – Wollen sie einen Schluck Kaffee?“ Spätesten bei dieser Dialogzeile ist eines klar: Man befindet sich bereits mitten in der rasanten Handlung einer der SF-Horror-Perlen der 90er Jahre. Obwohl in den 90ern die Hollywoodkrise ihren Anfang nahm, kamen dennoch eine Reihe ganz passabler Filme in die Kinos – vor allem in die kleineren Kinos, denn ein Film wie „Event Horizon“ würde heutzutage entweder gleich auf DVD erscheinen oder von Netflix gekapert werden.

Damals aber wirkten die 80er Jahre noch immer irgendwie nach und vor allem die privat betriebenen Kinos waren froh, wenn sie ihr Stammpublikum mit Filmen wie „Event Horizon“ beglücken durften. Doch leider war diesem Film damals nicht der große Erfolg beschieden. Der Film spielte nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten ein. Für Regisseur Paul W. S. Anderson war es nach „Shopping“ (1994) und „Mortal Kombat“ (1995) der dritte Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Philip Eisner, der eigentlich Dozent für Drehbuchschreiben an verschiedenen Universitäten ist.

Die geniale Idee bei „Event Horizon“ ist zugleich ganz simpel: Eisner verlegte einfach die Aspekte des Geisterhausfilms in den Weltraum, und dies auf eine so überragende Weise, dass der Film einen immer wieder gefällt, selbst dann, wenn man sämtliche Dialoge auswendig kann. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen: Die Besatzung eines Rettungsschiffs erhält den Auftrag, einem Signal nachzugehen, das in der Nähe von Proxima Centauri plötzlich aufgetaucht ist. Ursprung des Signals soll die Event Horizon sein, die vor sieben Jahren dort spurlos verschwunden ist. Tatsächlich finden Captain Miller und sein Team das Schiff. Zusammen mit Dr. Weir, der das Schiff und den Antrieb entworfen hat, gehen sie an Bord …

Erst vor wenigen Tagen, als das Foto eines Schwarzen Lochs durch die Medien geisterte, twitterte Sam Neill, der Dr. Weir spielt, dass er bereits dort gewesen sei. Alle SF-Fans waren darüber hellauf begeistert, war dies doch als nette Anspielung auf „Event Horizon“ gemeint. Dass der Film damals floppte, lag wahrscheinlich auch an der recht unglücklichen Ankündigung von Paramount, dass es sich dabei um einen unheimlichen Film handele, bei dem man die Bedrohung jedoch nicht wirklich sehen würde. Man könnte sagen, dass damit das Schicksal des Films bereits besiegelt war. Denn vor allem die voreingenommenen Filmkritiker konnten mit „Event Horizon“ nicht wirklich etwas anfangen.

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

Wie gesagt, orientiert sich der Film am Geisterhausgenre, was dazu führt, dass er genauso auch funktioniert. Dementsprechend tauchen auch keine Monster auf, sondern die Besatzung des Rettungsschiffs hat es teilweise mit klassischen Spukphänomenen zu tun. Wenn dann etwas von außen gegen die Tür der Brücke der Event Horizon klopft, dann ist der Bezug noch deutlicher, handelt es sich dabei doch um ein Zitat aus dem Klassiker „Bis das Blut gefriert“ (1963).

Spannungsaufbau, Action und Dialoge erscheinen dabei wie aus dem Lehrbuch, was, wie bereits erwähnt, kein Wunder ist, gehört Philip Eisner doch zu den renommiertesten Dozenten für Drehbuchschreiben. Actionregisseur Paul W. S. Anderson tat sein Übriges und fertig war einer der unterhaltsamsten SF-Horror-Filme überhaupt – mit einem der besten Raumschiffdesgins. Der Film hat bis heute nichts von seiner Frische verloren. Die Darsteller sind voll bei der Sache und steigern sich gegenseitig richtig in ihre Rollen hinein, was dazu führt, dass ihre Lust am Spiel dem Film eine ungeheure Lebendigkeit verleiht. Kurz: „Event Horizon“ ist schlicht und ergreifend ein klasse Film.

Event Horizon. Regie: Paul W. S. Anderson, Drehbuch: Philip Eisner, Produktion: Lawrence Gordon, Darsteller: Laurence Fishburn, Sam Neill, Kathleen Quinlan, Jason Isaacs, Richard T. Jones, Sean Pertwee, Jack Noseworthy, Joely Richardson. England/USA 1997, 96 Min.

 

Auslöschung oder Endlich mal wieder richtige Science Fiction

Der SF-Film „Annihilation“ von Regisseur Alex Garland wurde, um es auf den Punkt zu bringen, Opfer des aktuellen Produktions- und Kinogeschehens. Die Produktionsfirma hielt den Film für zu intellektuell und anspruchsvoll und wollte, dass Garland „Annihilation“ komplett umschneidet. Zum Glück konnte dies verhindert werden und „Auslöschung“, so der deutsche Titel, wurde in der Version veröffentlicht, die der Regisseur gewollt hatte.

Die Folge jedoch war, dass der SF-Streifen lediglich zwei Wochen in den US-amerikanischen Kinos lief, bevor er von Netflix online veröffentlicht wurde. In Deutschland wurde „Auslöschung“ nicht einmal in den Kinos gezeigt. Einmal mehr haben damit Kinobetreiber und Produzenten bewiesen, dass Anspruch für sie ein Pfui-Wort darstellt und sie nichts anderes haben wollen, als gehirnlose Kost.

Es geht in „Auslöschung“ um eine Gruppe Forscherinnen, die ein Gebiet untersuchen sollen, in dem sich sonderbare Veränderungen abspielen. Bisherige Expeditionen sind nicht zurückgekehrt – bis auf Kane, dem Mann von Lena, einer Molekularbiologin, die sich der Forschergruppe anschließt. Kane kann sich an nichts erinnern, daher hofft Lena herauszufinden, was in dem Gebiet vor sich geht.

Die Handlung erinnert ein wenig an Robert Charles Wilsons SF-Roman „Darwinia“, in dem sich in ganz Europa seltsame Veränderungen abspielen, doch handelt es sich bei „Annihilation“ um die Adaption eines Romans des SF-Autors Jeff VanderMeer. Regisseur Alex Garland schuf einen ruhigen, doch nicht weniger intensiven Film, in dem es um die Frage der menschlichen Existenz und den Sinn des Lebens an sich geht. Nicht weniger steht dabei die Frage der eigenen Identität im Mittelpunkt sowie die Wahrnehmung des Anderen und damit das Hinterfragen, was das Andere überhaupt ist.

Alles in allem schürft der Film damit in zentralen philosophischen Fragen, was „Auslöschung“ eine solche Tiefe verleiht, die man im heutigen Kino nicht mehr oder kaum noch gewohnt ist. Garland aber reizt das Thema vollkommen aus und macht aus der Expedition einen geradezu psychedelischen Trip. Der Film bekommt dadurch eine solch düstere Atmosphäre, dass er an manchen Stellen eine regelrechte Trostlosigkeit zelebriert, indem er nach dem Sinn von allem fragt, jedoch keinen Sinn findet.

Auf diese Weise schuf Garland einen großartigen und tiefschürfenden SF-Film, absolut jenseits hohler Actionszenen, ja in dem sogar die wenige Action, die in dem Film vorkommt, eine wesentliche Tiefe besitzt. Garlands Film fasziniert jedoch nicht nur aufgrund seiner Thematik, sondern ebenfalls aufgrund seiner ungeheuer guten Optik. Die Kameraführung ist exzellent, die Bilder, die uns Garland zusammen mit seinem Kameramann Rob Hardy präsentiert, wirken wie surreale Gemälde.

Wirklich schade, dass ein so großartiger Film quasi mit Füßen getreten wurde. Aber in einer solchen Epoche leben wir nun einmal.

Auslöschung (OT: Annihilation). Regie u. Drehbuch: Alex Garland, Produktion: Andrew MacDonald, Darsteller: Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodrigues, Tuva Novotny, Tessa Thompson, Oscar Isaak. England 2018, 115 Min.

 

 

 

 

Yo-Yo-Girlcops – Kult-Trash aus Japan und ein weniger kultiges Remake

Szenenfoto aus „Sukeban Deka 1“; Copyright: Rapid Eye Movies

Irgendwie kam und kommt aus Japan der bessere Trash. Ein wunderbares Beispiel dafür dürften die beiden Kazama-Schwestern sein, die mithilfe ihrer Yo-Yos den Bösewichten den Garaus machen. 1987 und 1988 entstanden zwei Filme, die so erfolgreich waren, dass die Schauspielerinnen sogar als Bandformation durch die Präfekturen tingelten.

Bei den Kazama-Schwestern handelt es sich um außergewöhnliche Schulmädchen, deren Herkunft im Dunkeln liegt. Auf jeden Fall sind sie sehr kampferprobt. Auch ihre Waffen sind alles andere als gewöhnlich: so gibt es Killer-Origamivögel oder auch die oben genannten Yo-Yos, mit deren Hilfe unter Umständen sogar Helikopter vom Himmel geholt werden können. Die Schwestern arbeiten im Geheimauftrag der Polizei und sollen größenwahnsinnige Verbrecher aus dem Weg räumen.

In Teil 1 aus dem Jahr 1987 haben es Asamyia Saki und ihre Kampfgenossinnen mit einem Cyborg zu tun, der auf einer abgelegenen Insel Schüler zu Attentätern ausbildet. In Teil 2 ist es ein geisitg verwirrter Jura-Student, der Japan in seine Macht bringen möchte.

„Sukeban Deka – The Movie“; Copyright: Rapid Eye Movies

Ganz klar schwierige Aufgaben. Doch die Supermädels haben es drauf, und schon fliegen die Fetzen. Beide Filme sind gefüllt mit bizarrer Action und haufenweise Explosionen, so dass zum Schluss kaum noch ein Stein auf dem anderen liegt.

Teil 1 ist in dieser Hinsicht eindeutig besser und witziger als sein Nachfolger, der zwischendurch ein, zwei Durchhänger hat, bevor es wieder zur Sache geht. Insgesamt aber liefern beide Filme ein wahren Feuerwerk an trashiger Unterhaltung.

Beide Filme liefen damals sehr erfolgreich in den japanischen Kinos. Nach dem zweiten Film jedoch war Schluss mit Lustig, und auch die Gesangs-Tournee wurde wieder abgesetzt. Die Filme selbst waren übrigens Adaptionen einer damals erfolgreichen Manga-Serie.

Etwa 20 Jahre nach den beiden Erfolgen Sukeban Deka 1 und 2, verfilmten die japanischen Studios erneut eine Geschichte um das Yo-Yo schwingende Supergirl Asamiya Saki. Dabei kommt jedoch alles andere als Freude auf.

Inzwischen lebt die frühere Yo-Yo Kämpferin Saki in den USA, wo sie sich dem tristen Alkoholgenuss hingibt. Ihre Tochter wird der Spionage verdächtigt und zurück nach Japan gebracht. Dort kommt es zwischen ihr und der Polizei zu einem Deal: sie soll merkwürdige Todesfälle unter Schülern untersuchen. Wenn ihr die Lösung des Falles gelingt, so kommt sie frei. Die junge Saki nimmt das Angebot an. Bei ihren Nachforschungen kommt sie auf die Spur einer gemeinen Gaunerbande …

Alles in allem überzeugt der neue Saki-Film nur sehr wenig. Waren die früheren Filme voller kurioser Action und bizarrer Bösewichte, so läuft in Yo-Yo Girlcop alles zu normal ab. Im Zentrum des Films steht die Diskussion über die heutige Jugend von Japan, die sich ganz und gar nicht den alten Traditionen anpassen möchte.

Immer diese Schlägereien auf dem Schulhof …; „Yo-Yo-Girlcop“ (2006); Copyright: Rapid Eye Movies

So kommt Saki hinein in eine Welt, in der Schüler gemobbt und schikaniert werden, in der Joints am Schulklo geraucht werden und in der der Selbstmord von Schülern an der Tagesordnung ist. Der Film liefert dadurch ein extrem pessimistisches Bild der japanischen Gesellschaft. Battle-Royal 2-Regisseur Kenta Fukasaku zeigt ein völlig heruntergekommenes Japan, das fast schon dystopische Merkmale besitzt. Dabei verliert er sich jedoch zu sehr in gesellschaftskritischen Aspekten, sodass die eigentliche Handlung flöten geht. So gesehen ist hier Action Mangelware, die Bösen keineswegs so grotesk wie in den 80ern und von Ironie und Witz kann schon fast gar nicht mehr die Rede sein.

Um die Zuschauer dennoch in die Kinos zu locken, engagierten die Produzenten die drei Mitglieder der damals angesagten Girl-Band Vu-Den, die es inzwischen längst nicht mehr gibt. Zwar spielt die Leadsängerin ihre Rolle als Bösewichtin wirklich gut, doch ist ihre Mühe leider vergeblich. Trotz guter Optik, funktioniert die Neuadaption so gut wie gar nicht.

Sukeban Deka 1 u. 2 sind jedoch bis heute Kult und gelten als Actionklassiker des japanischen (Trash-)Kinos.

Sukeban Deka – Der Film/Sukeban Deka 2 – Die Kazama-Schwestern schlagen zurück (OT: Sukeban Deka 1 + 2), Regie: Hideo Tanaka, Drehbuch: Izo Hashimoto, Darsteller: Yui Asaka, Masato Ibu, Keizo Hanie, Goro Kataoka. Japan 1987/88, jeweils 90 Min

Yo-Yo Girl Cop (OT: Sukeban Deka: Kodo nemu = Asamiya Saki), Regie: Kenta Fukasaku, Drehbuch: Shoichi Maruyama, Darsteller: Aya Mahuura, Rika Ishikawa, Shunsuke Ishikawa. Japan 2006, 98 Min

Ghost in the Shell (2017)

Wenn der Manga-Adaption „Ghost in the Shell“ von Kritikern eines vorgworfen wurde, dann Seelenlosigkeit. Aber kann man das denn überhaupt als Vorwurf gelten lassen? Schließlich geht es um Maschinen, zwar um „beseelte“ Maschinen, aber eben um Maschinen. Und die Gradwanderung zwischen dieser Form einer mechanischen Seelenlosigkeit und dem Versuch, in der Maschine so etwas wie eine Seele zu finden, erarbeitet der Film eigentlich recht gut.

Dies liegt auch daran, da der Film die speziellen Begriffe des Mangas übernimmt und dadurch auch Masamune Shirows Grundideen einwebt, auch wenn die Figuren nicht immer dieselbe Hintergrundgeschichte besitzen wie in der Vorlage. Natürlich reicht die Umsetzung dieser Thematik nicht an „Blade Runner 2049“ heran, der regelrecht darüber meditiert. In diesem Punkt setzt „Ghost in the Shell“ dann doch zu sehr auf Action, was dazu führt, dass es so scheint, als würde das eigentliche Thema der Identitätsfindung an den Rand gedrängt werden.

Doch hat es eben nur den Anschein, denn Sanders arbeitet auch zwischen den Zeilen, sodass Gesten, Blicke und kurze Situationen zu Symbolen werden, in denen sich die Suche nach einer Maschinenseele widerspiegelt. „Ghost in the Shell“ ist ein durch und durch gelungener SF-Film, der sich einerseits am Cyberpunk der 80er Jahre orientiert, andererseits versucht, eine bessere Version von Luc Bessons „Lucy“ zu sein. Der Film ist durch und durch interessant, das Setdesign faszinierend und auch die Spannung kommt keineswegs zu kurz.

Doch egal, wie man es auch betrachtet, dem Film nutzte weder der Versuch einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Maschine/Seele noch die gut dargestellte Action. „Ghost in the Shell“ floppte. Sehenswert ist der Film auf jeden Fall.

Ghost in the Shell. Regie: Rupert Sanders, Drehbuch: William Wheeler, Jamie Moss, Produktion: Avi Arad, Darsteller: Scarlett Johansson, Pilou Asbæk, Takeshi Kitano, Juliette Binoche, Michael Pitt. USA 2017, 106 Min.

 

 

 

Die Klunkerecke: Il Mare – Das Haus am Meer

Poster für den US-Release

Es ist interessant, dass einer der Klassiker des modernen koreanischen Kinos eigentlich ein finanzieller Flop war. „Il Mare“, so der internationale Titel von Lee Hyun-Seungs drittem Spielfilm „Siworae“, wollte zunächst kaum jemand im Kino sehen. Anscheinend konnten die koreanischen Zuschauer mit dem Thema nicht viel anfangen. Ironischerweise erst mit der Zeit (und das ist ja u. a. auch eines der Themen von „Il Mare“) wurde der Film bekannter und gilt inzwischen als einer der wichtigsten Filme der Korean Hallyu.

Es geht darin um den Architekten Sung-Hyun, der in seinem Briefkasten eine sonderbare Postkarte aus dem Jahr 1999 findet, in der ihm eine Frau namens Eun-Joo bittet, ihr die Post nachzuschicken. Nur, Sung-Hyun lebt im Jahr 1997 und er ist der erste Bewohner des Hauses, das ihm sein Vater gebaut hat. Schnell stellt sich heraus, dass der Briefkasten vor dem Haus wie eine Zeitmaschine funktioniert und Eun-Joos Briefe in die Vergangenheit bzw. Sung-Hyuns Briefe in die Zukunft befördert. Nach und nach entwickelt sich zwischen beiden ein reger Briefwechsel, bis schließlich Sung-Hyun fragt, ob sie sich einmal in ihrer Zeit treffen könnten. Ein Termin wird gefunden, doch als Sung-Hyun nicht erscheint, fragen sich beide, was mit ihm passiert sein könnte …

Das Besondere an „Il Mare“ ist, dass der Film vollkommen ohne Kitsch auskommt. Lee Hyun-Seung erzählt die außergewöhnliche und nicht weniger originelle Liebesgeschichte auf eine sehr melancholische Weise, ohne es jedoch an Humor fehlen zu lassen. Der Witz liegt jedoch meistens zwischen den Zeilen, sodass man eher schmunzeln als lachen muss. Besonders, wenn Sung-Hyun Eun-Joo in seiner Zeit am Bahnhof begegnet, macht sich dies auf geradezu geniale Weise bemerkbar.

Koreanische Alterantivposter zu „Il Mare“

Doch geht es Regisseur Lee, der 2011 nochmals mit dem genialen Noir-Thriller „Hindsight“ auftrumpfen sollte, mehr als nur um eine Liebesgeschichte. In seinem Film lichtet er sozusagen den extremsten Zustand einer postmodernen Gesellschaft ab, in der jeder nur mehr für sich lebt und kaum noch Kontakte zu anderen hat – die Reinform der Individualisierung, wenn man so möchte, die der Soziologe Richard Sennet in seinem Buch „Der bewegte Mensch“ skizziert. So sind Eun-Joo und Sung-Hyun geradezu vollkommen vereinzelt, was ihre sozialen Kontakte betrifft. Immer wieder taucht dabei die Bemerkung auf, dass alle ihre näheren Bekannten viel zu weit weg von ihnen leben.

Neben dieser kunstvoll eingewebten soziologischen Perspektive, ist „Il Mare“ auch, vielleicht sogar vor allem ein optischer Höhenflug. Lee Hyun-Seung schafft in seinem Klassiker Bilder, die dem Film eine ungeheure emotionale Dichte verleihen – wie gesagt, ohne auch nur ein bisschen kitschig zu wirken. Immer wieder gelingt es ihm, die beiden Hauptdarsteller Jun Ji-Hyun (bekannt aus „My sassy Girl“ oder „The Berlin File“) und Lee Jung-Jae (bekannt aus „Das Hausmädchen“ oder dem kongenialen Gangsterfilm „New World“) so ins Bild zu stellen, dass um sie herum eine tiefe Leere herrscht, selbst dann, wenn sie sich in der Stadt oder eben auf dem oben erwähnten Bahnhof befinden.

All das macht „Il Mare“ zu einem der besten koreanischen Filme und mit Sicherheit auch zu einem der besten Liebesfilme, die jemals gedreht wurden. Wer das Remake „Das Haus am See“ mit Sandra Bullock und Keanu Reeves kennt, wird bei der Sichtung des Originals aus allen Wolken fallen. Denn einmal mehr zeigt sich, wie Hollywood einen wunderbaren Film verhunzen kann.

Il Mare (OT: Siworae), Regie: Lee Hyun-Seung, Drehbuch: Yeo Ji-Na, Produktion: Cho Min-Hwan, Darsteller: Jun Ji-Hyun, Lee Jung-Jae. Südkorea 2000, 96 Min.

Blade Runner 2049

Nun hat es dann doch geklappt. 2011 kam es zu ersten Verhandlungen hinsichtlich einer Fortsetzung von „Blade Runner“. Sechs Jahre danach kam der fertige Film in die Kinos – und war nicht der Erfolg, den man sich erhofft hatte. „Blade Runner 2049“ konnte bisher die Kosten nicht einspielen. Das Hauptproblem: die meisten der jüngeren Zuschauer kennen das Original nicht und daher ging ihnen dieser Film am Allerwertesten vorbei.

Die Frage lautet wirklich, ob es einer Fortsetzung bedurft hätte. Gut, das Original lässt, rein auf die Handlung bezogen, offen, ob Rick Deckard nun auch ein Replikant ist oder nicht, wobei die Symbolik des Films hier eine klarere Sprache spricht. Wie dem auch sei, „Blade Runner 2049“ spielt 30 Jahre nach der Originalhandlung. Dieses Mal ist es der Blade Runner K, der nach einem verschwundenen Kind suchen soll, das eigentlich nicht existieren dürfte, soll es sich dabei doch um das Kind zweier Replikanten handeln.

Regie führte Denis Villeneuve, der spätestens durch seinen SF-Film „Arrival“ (2016) gezeigt hat, dass heutiges Kino auch anders kann, nämlich eine interessante Handlung mit hohem Anspruch zu verbinden. Ein Aspekt also, für den Hollywood seit Jahren nicht mehr steht. Seinen hohen Anspruch an Ästhetik, Handlung und Symbolik übertrug Villeneuve auch auf „Blade Runner 2049“, zum Ärger Ridley Scotts, der das Sequel als viel zu langsam und ereignisarm bezeichnet hat.

Aber genau das macht diesen Film zu einer hervorragenden Produktion, die den Themen, mit denen sich Philip K. Dick in seinen Romanen beschäftigte, gerecht wird. Der Film ist in der Tat langsam, kommt manchmal beinahe zum Stillstand, und schafft dabei einen absoluten Gegenpol zum derzeitgen schnellen und inhaltsleeren Blockbusterkino. Denn „Blade Runner 2049“ ist fast schon so etwas wie eine Meditation um die Frage nach der eigenen Identität, nach der eigenen Herkunft, nach Moral und Religion. Wie gesagt, alles Themen, mit denen sich Dick in seinen Werken auseinandersetzte.

So bezieht sich der Film auch immer wieder auf Kurzgeschichten und Romane Philip K. Dicks, wie etwa die riesigen Müllberge oder eben auch das Kind, das anders ist als die anderen. Hinzu kommen Zitate auf Filmklassiker wie etwa „Solyent Green“ und „M.A.R.K. 13“. Und nicht zuletzt ist natürlich auch der Name der Hauptfigur K eine Anspielung auf den amerikanischen Schriftsteller.

„Blade Runner 2049“ ist ein Film, der sich tatsächlich mit den Themen, die er anspricht, beschäftigt und sie nicht nacheinander abhakt, um danach schnell in sinnlose Daueraction überzugehen. Nein, der Film ist etwas Besonderes. Die elgenate Kameraführung, die bis ins Detail liebevoll gestalteten Kulissen, die Spezialeffekte und nicht zuletzt die wunderbare Farbgebung, die sich klarerweise an dem Original orientiert, sich zusätzlich aber auch auf andere Filme der 80er Jahre bezieht – in Villeneuves Regiearbeit findet Kino zurück zu seiner eigentlichen Ausdrucksstärke.

„Blade Runner 2049“ ist ein Film, der vollkommen überzeugt, eine durchaus mutige Produktion, die sich bewusst gegen den Mainstream stellt, obwohl sie zugleich Mainstream ist. Auf diese Weise wird der Film selbst zu einer Sinnsuche innerhalb des derzeitigen Hollywood-Kinos.

Blade Runner 2049. Regie: Denis Villeneuve, Drehbuch: Hampton Fancher, Michael Green, Produktion: Andrew A. Kosove, Broderick Johnson, Bud Yorkin, Darsteller: Ryan Gosling, Harrison Ford, Ana de Armas, Sylvia Hoeks, Robin Wright, Carla Juri, Jared Leto. USA 2017, 163 Min.

Die Klunkerecke: Unternehmen Feuergürtel (1961)

Regisseur Irwin Allen war auch unter dem Namen Master of Desaster bekannt, da er sich auf die Produktion von Katastrophenfilmen spezialisiert hatte. Auf sein Konto gehen Filme wie „Die Höllenfahrt der Poseidon“ (1972), „Flammendes Inferno“ (1974) oder auch „Der tödliche Schwarm“ (1978). Nebenher schuf er auch TV-Serien, die inzwischen zu Klassikern geworden sind, wie etwa „Time Tunnel“, „Lost in Space“ oder „Land of the Giants“.

1961 drehte er mit „The Voyage to the Bottom of the Sea“, der unter dem Titel „Unternehmen Feuergürtel“ in die deutschen Kinos kam, eine rasante Mischung aus Action-, SF- und Katastrophenfilm, dessen Erfolg (er spielte mehr als das Dreifache der Produktionskosten ein) ebenfalls zu einer gleichnamigen TV-Serie führte. Es geht um die Abenteuer der Besatzung der Seaview, eines Atom-U-Boots, das von Admiral Nelson selbst entworfen und gebaut wurde. Gerade als sich die Seaview am Rand der Arktis befindet, kommt es zur Katastrophe: ein Meteoritenschauer setzt den Van-Allen-Gürtel, der die Erde umgibt, in Flammen, was zu einem drastischen Temperaturanstieg auf unserem Planeten führt. Admiral Nelson und der Wissenschaftler Lucius Emery berechnen, dass man von einer bestimmten Stelle des Pazifik aus eine Atombombe auf den Van-Allen-Gürtel abfeuern könnte, um durch diese gezielte Explosion das Feuer zu löschen. Doch bis dahin gibt es so allerhand Gefahren zu überstehen.

Dr. Susan Hiller (Joan Fontaine), Cathy Connors (Barbara Eden) und Lucius Emery (Perer Lorre) im Cockpit der Seaview; „Unternehmen Feuergürtel“ (1961), © Koch Media

Die Kritiker mochten den Film nicht. Sie fanden ihn albern und wissenschaftlich völlig plemplem. Aber die Zuschauer störte das nicht – und sie bekamen dafür auch die volle Ladung Spannung, Action und Unterhaltung geboten. Und das ist es ja eigentlich auch, was zählt. Denn in kaum einem anderen Film gibt es so viele Abenteuer zu bestehen und so viele Konflikte zu lösen wie in „Unternehmen Feuergürtel“. Der Kampf mit einem Riesenkraken ist dafür nur ein Beispiel.

Denn während äußere Gefahren lauern – durch Unterwasserminen, zusammenbrechende Eisberge, einem feindlichen U-Boot, das Jagd auf die Seaview macht -, steigern sich die Konflikte an Bord. Aufgrund der globalen Katastrophe möchte die Mannschaft lieber nachhause und beginnt daher zu meutern. Noch dazu ist ein unbekannter Saboteur mit an Bord, der versucht, das U-Boot zu vernichten.

Bei all der Action und Spannung und bei all dem Nervenkitzel vergisst Allen auch nicht, seine Figuren Diskussionen über Religion und das Wesen Gottes führen zu lassen, da es schließlich um das Ende der Welt geht. Ironischer Weise entpuppt sich ausgerechnet einer der Wissenschaftler als ein religiöser Fanatiker, was durchaus originell ist und den Dialogen eine interessante Tiefe verleiht.

Schon allein das Intro des Films ist so etwas wie ein Meilenstein der Überraschung. Denn nach einem furiosen Orchesterauftakt, setzt auf einmal Frankie Avalons Sülzsong „A Voyage to the Bottom of the Sea“ ein. Doch kaum sind auch diese Klänge verhallt, als mit einem riesen Spektakel die Seaview aus dem Meer geschossen kommt – und schon beginnt der rasante Teil des Films, der ohne Durchhänger bis zum Ende fortläuft.

All dies  macht „Unternehmen Feuergürtel“ zu einem der mit Sicherheit unterhaltsamsten Filme überhaupt, der noch dazu mit allerhand überraschender Wendungen aufwartet.

Unternehmen Feuergürtel (Voyage to the Bottom of the Sea). Regie u. Produktion: Irwin Allen, Drehbuch: Irwin Allen, Charles Bennett, Darsteller: Walter Pidgeon, Joan Fontaine, Peter Lorre, Barbara Eden, Frankie Avalon, Robert Sterling. USA 1961, 105 Min.

Valerian (2017)

Knapp vorbei ist auch daneben. Ungefähr so könnte man Luc Bessons neuesten Streich zusammenfassen. Und es zeigt sich, dass es nicht reicht, die Leinwand voll mit CGI zu stopfen – nein, es sollte auch so etwas wie eine spannende Story haben und interessante Charaktere wären auch ganz nett. Doch von den letzten beiden Punkten besitzt „Valerian“ leider nichts.

Die „Valerian“-Comics von Pierre Christin und Jean-Claude Mézières sind längst Kult und ein wichtiger Bestandteil der französischen Comic-Historie. 1967 erschien der erste Band und 2010 der bisher letzte. Auch wenn in Deutschland der Bekanntheitsgrad sich in Grenzen hält, so haben die Ideen von Christin und Mézières viele spätere Autoren beeinflusst.

Valerian und Veronique (im Original Laureline), die sich immer wieder in die Haare bekommen, werden in Luc Bessons Umsetzung von Dane DeHane und Cara Delevingne verkörpert – und dies war schon der erste große Fehler. Denn beide Darsteller wirken so flach wie noch etwas. Schuld daran ist sicherlich auch, dass beide Figuren im Film den Figuren im Comic so gut wie nicht gleichen. Es ist wirklich schade, dass hier der gelungene Witz nicht übernommen, sondern durch äußerst lustlose Gags und diverse Rohrkrepierer verdrängt wurde. Auf diese Weise wirken DeHane und Delevingne ständig verkrampft und unbeholfen, ja eigentlich so, als hätten sie ihre Rollen in der Lotterie gewonnen.

Von der Story bekommt man eigentlich nicht viel mit. Die Handlung ist mit der Dampfhammermethode in eine so komplexe Form gegossen worden, was dazu führt, dass man irgendwann einfach den Faden verliert und den Rest des Films nur mehr gelangweilt folgt. So als wollte Besson die Zuschauer zwischendrin wieder aufwecken, gibt es eine dämliche Tanzeinlage von Rihanna, die anscheinend nur dazu dient, den Spielfilm auf die gewünschte Länge zu dehnen. Ganz witzig, aber genauso überflüssig ist Ethan Hawk als Zuhälter. Man brauchte halt Namen, um den Film finanziert zu bekommen.

So ist das einzige, das an Bessons Valerian-Adaption wirklich gut ist, das Design, das sich in der Tat sehr an den Comiczeichnungen orientiert. Hätte Besson die Muse besessen, diese Genauigkeit auch auf die Figuren und die Handlung zu übertragen, so wäre daraus sicherlich ein ansehnlicher Film geworden. So aber kann man nur den Kopf schütteln.

Valerian. Regie, Drehbuch, Produktion: Luc Besson, Darsteller: Dane DeHane, Cara Delevingne, Clive Owen, Sam Spruell, Kris Wu, Ethan Hawk. Frankreich 2017, 138 Min.