The 80s: Angel Heart (1987)

„Angel Heart“ wird von manchen Kritikern als einer der besten Horrorfilme bezeichnet, die jemals gedreht wurden. Obwohl der Film damals nicht den gewünschten Erfolg brachte, gilt er inzwischen als Filmklassiker.

„Angel Heart“ basiert auf dem Roman „Falling Angel“ des US-amerikanischen Drehbuchautors und Schriftstellers William Hjortsberg (1941 – 2017), der u. a. das Drehbuch für Ridley Scotts Fantasy-Film „Legend“ (1986) verfasste. Der Roman erschien bereits 1978 und seitdem arbeitete Hjortsberg die Geschichte in ein Drehbuch um, allerdings ohne jemanden zu finden, der das Skript haben wollte. Erst Alan Parker, der bereits mit Filmen wie „Fame“ (1980) oder „Pink Floyd-The Wall“ (1982) große Erfolge aufweisen konnte, zeigte sich an der Geschichte interessiert, schrieb aber das Drehbuch um.

„Angel Heart“ (übrigens Parkers einziger Horrorfilm) spielt Mitte der 50er Jahre. Der heruntergekommene Privatdetektiv Harry Angel erhält den Auftrag, nach dem Sänger Johnny Favorite zu suchen, der aus dem Zweiten Weltkrieg schwer verwundet zurückkam und seitdem verschwunden ist. Angels Auftraggeber ist der mysteriöse Louis Cyphre, der angeblich mit Johnny noch eine Rechnung offen hat. Also begibt sich Angel auf die suche nach dem verschwundenen Sänger. Doch dabei kommt es zu einer Reihe brutaler Morde …

Alan Parkers Meisterwerk packt den Zuschauer von der ersten Sekunde an, in der die Kamera eine düstere Seitenstraße entlangfährt. Von Anfang an stimmt die bedrohlich-mysteriöse Atmosphäre. Und von Anfang an spielt Mickey Rourke die Rolle des Harry Angel mit so viel Kraft und Energie, dass er den Film richtiggehend beherrscht. Doch auch Robert de Niro als ominöser Auftraggeber überzeugt. Die unterschwellige Bedrohlichkeit, die von seiner Figur ausgeht, bereitet einem auch nach mehrmaligem Sehen eine wahre Gänsehaut.

Die Mischung aus Hard-Boiled-Krimi und Horror geht in „Angel Heart“ perfekt auf. Der Film schwankt zwischen der Coolness eines Philip Marlow, der Brutalität und Rohheit eines Jim Thomson-Romans und unheimlichen Horrorelementen, was zu einer packenden Dichte führt, der man sich absolut nicht entziehen kann.Trotz dieser meisterhaften Inszenierung, erregte der Film Bedenken bei der Altersfreigabe. Aufgrund der ziemlich gewagten Sexszene gegen Ende des Films wollte man den Film nur für Erwachsene freigeben. Daher musste Alan Parker diese Szene um mehrere Sekunde kürzen, um eine Freigabe „ab 16“ zu erhalten. Erst später wurde die Szene wieder komplettiert.

Für die Schauspielerin Lisa Bonet hatte dies dennoch Konsquenzen. Denn aufgrund dieser Szene wurde sie aus der damals beliebten „Bing Crosby Show“ geworfen, da man ihre Darstellung als extrem skandalös betrachtete.

„Angel Heart“ ist einer der Filme, die man gesehen haben muss. Ein echtes Meisterwerk und ein großartiger Horrorthriller.

Angel Heart. Regie u. Drehbuch: Alan Parker, Produktion: Mario Kassar, Darsteller: Mickey Rourke, Robert de Niro, Lisa Bonet, Charlotte Rampling. USA 1987, 113 Min.

 

The 80s: The lost Boys (1987)

Ende der 80er versuchte sich Action-Regisseur Joel Schumacher im Vampirfilm und schuf dabei einen der Klassiker des Horrorgenres. Nicht im klassischen Outfit, sondern als Rockerbande verunsichert eine Gruppe untoter Blutsauger den kleinen Küstenort Santa Carla. Und genau dorthin zieht auch Lucy Emerson mit ihren beiden Söhnen Michael und Sam, nachdem sie sich von ihrem Mann getrennt hat.

Während Sam Freundschaft mit zwei ziemlich abgedrehten Besitzern eines Comicladens knüpft, die behaupten, Vampirjäger zu sein, gerät sein älterer Bruder Michael in den Bann der Vampirbande, wobei die hübsche Star als Lockvogel dient. Das Ergebnis: Michael droht selbst, zum Vampir zu werden. Sein Bruder und dessen beiden neuen Freunde setzen alles daran, ihn zu retten.

Kaum ein Vampirfilm liefert so viel gelungene Gags und so viel cool inszenierte Action wie eben „The lost Boys“. Keine herumsülzenden Blutsauger, sondern fiese, ja bösartige Gesellen, die einen kleinen Touristenort verunsichern, in dem immer wieder Kinder und Jugendliche spurlos verschwinden. Joel Schumacher macht aus dieser einfachen Handlung ein witziges Filmerlebnis, das noch dazu mit einem hervorragenden Soundtrack auftrumpft.

Dabei vergisst er auch nicht, die klassischen Merkmale des Vampirglaubens mit einfließen zu lassen, wie z.B. dass man einen Vampir nicht zu sich ins Haus bitten darf. Diese spezielle Mischung aus folkloristischen Zitaten und 80er Jahre Popkultur machen eindeutig den Reiz des Filmes aus. Mit von der Partie Kiefer Sutherland, der einfach hervorragend in die Rolle des Gangleaders passt.

Unvergessen auch die Szene mit Saxophinist Tim Cappello, der bei einer Tanzveranstaltung seinen Song „I still believe“ zum besten gibt. Die Montage, die Live-Konzert, Massenszene und die erste, leicht surreal angehauchte Begegnung zwischen Michael und Star auf einen Nenner bringt, schafft eine düster angehauchte Poetik inmitten der Spaßgesellschaft der 80er Jahre.

Auch sonst überzeugt der Film durch eine grandiose Optik, so z.B. die Liebesszene, die übergeht in einen Flug über den morgendlichen Himmel, wobei die Gegenübestellungen absichtlich verdreht werden: die Dunkelheit verbunden mit dem Liebesakt, die Hellligkeit des anbrechenden Morgens verbunden mit dem angedeuteten Bösen.

Die Story selbst wird von einer gewitzten Selbstironie beherrscht, bei der auch, wenn man genau hinsieht, die Verbindung zwischen Horrorboom und Videofilm aufs Korn genommen wird. „The lost Boys“ ist ein durch und durch gelungener Film, der die gesamten Aspekte des Horrorgenres abdeckt, die von subtilen Andeutungen bis zum Actionspektakel reichen. Unheimlich ist der Film in keiner Weise, doch das war auch nicht das Ziel der Produktion. Man wollte das Vampirgenre auf eine moderne Ebene hieven. Und genau das ist überaus gelungen.

The lost Boys. Regie: Joel Schumacher, Drehbuch: Janice Fischer, James Jeremias, Jeffrey Boam, Produktion: Richard Donner, Darsteller: Kiefer Sutherland, Corey Haim, Jason Patric, Dianne West, Corey Feldman, Jamison Newlander, Jami Gertz, Edward Hermann. USA 1987, 97 Min.

The 80s: Dawn of the Mummy (1981)

dawnofthemummyAgramas Dawn of the Mummy steht im Subgenre des Mumienfilms einzigartig dar. Er ist der einzige Mumienfilm mit kannibalischen Einschüben. Bis dahin erwürgten die wiedererweckten Mumien ihre Opfer, schickten ihnen diverse Plagen hinterher oder erschreckten sie einfach. Bei Dawn of the Mummy aber haben wir es mit Mumien zu tun, die es auf Menschenfleisch abgesehen haben.

Die Handlung ist folgende: Vier Models reisen mit ihrem Fotographen für ein Fotoshooting nach Ägypten. Als geeignetes Set bietet sich ein gerade eben entdecktes Grab des mysteriösen Pharaos Safiram an. Niemand von ihnen weiß, dass ein entsetzlicher Fluch auf diesem Grab lastet. Tatsächlich erwacht die Mumie zum Leben. Nach und nach werden die Models Opfer des untoten Pharaos. Doch dabei bleibt es nicht. Denn zusammen mit Safiram ist auch seine Armee aus Zombies erwacht. Der Kampf der Lebenden gegen die Toten hat somit begonnen …

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Die Mumien kommen! „Dawn of the Mummy“ (1980); Copyright: Eurovideo

Der Filmtitel sollte eine Anspielung auf Romeros ein Jahr zuvor erschienenen Zombiefilm Dawn of the Dead sein. Natürlich versteckte Agrama zwischen den Zeilen seines Drehbuchs keine sozialkritischen Aspekte, wie dies seinerzeit Romero tat. Vielmehr wollte er den einschlägigen Mumienfan einfach überraschen und dieses Genre etwas auffrischen. Seine Idee: die Brutalität des Films von Szene zu Szene steigern, um zum Schluss in eine regelrechte Splatterorgie auszuarten. Dabei wirkt Dawn of the Mummy subgenreüberschreitend. Er macht zum einen Anleihen bei den sog. Kannibalenfilmen, die durch Joe D’Amatos Ende der 70er entstandenen Cannibal Holocaust für Furore sorgten. Zum anderen greift Agrama zu Aspekten des klassischen Zombiefilms. Dadurch schrieb Dawn of the Mummy sozusagen Mumienfilmgeschichte, da diese Kombination davor noch nie gewagt wurde. Mit mehreren überraschendenWendungen und einer insgesamt spannenden Inszenierung wurde der Film zum heimlichen Klassiker von Horror- und Trash-Fans.

Nach Dawn of the Mummy kehrte erst einmal für sehr lange Zeit Ruhe in Sachen Mumienfilm ein. Zwar wurden ein paar Fernsehfilme produziert, doch die Kinos durften die Mumien erst einmal nicht mehr unsicher machen. Erst Talos – Die Mumie aus den 90er Jahren schlug wieder Wellen und schließlich Sam Raimis Die Mumie, die (wie soll’s anders sein) ein Remake des gleichnamigen Films aus den 30er Jahren war. Doch eine Verbindung zwischen Kannibalen- und Mumienfilm hat bisher niemand mehr in Angriff genommen.

Dawn of the Mummy, Regie u. Drehbuch: Frank Agrama, Produktion: Ahmed Agrama, Darsteller: Brenda King, Barry Sattles, George Peck, John Salvo, Ibrahim Kahn, USA/Italien 1981, 88 Min.

The 80s: Inferno (1980)

infernoNach dem großartigen Erfolg von „Suspiria“ (1977) wollten die Produzenten, dass Dario Argento ihnen etwas Ähnliches ablieferte. Das Ergebnis war „Inferno“, eine Fortsetzung des Klassikers aller Horror-Klassiker. Nun, eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist „Inferno“ nicht. Dennoch geht es wiederum um die Drei Mütter, drei geheimnisvolle Hexen, von denen eine in Rom, eine in München (in „Inferno“ ist es plötzlich Freiburg) und eine in New York haust.

Rose Elliot, die in New York lebt, findet in einem Buch, das den Titel „Die drei Mütter“ trägt, heraus, dass sie in dem Haus der Mutter Tenebrarum lebt, einem riesigen, sonderbaren und verwinkelten Gebäude. Sie schreibt daraufhin ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert. Doch noch bevor er den Brief erhält, wird Rose ermordet. Nachdem Mark in New York angekommen ist, beschließt er, dem Geheimnis um Roses Tod nachzugehen …

Es gibt Kritiker, die von „Inferno“ schlicht und ergreifend enttäuscht sind. Anscheinend hatten sie sich etwas ähnlich Berauschendes wie „Suspiria“ erwartet. In der Tat wirkt „Inferno“ in seiner Gesamtheit wie ein Film, der nicht wirklich geplant war. Argento aber versuchte dennoch, sein Publikum nicht zu enttäuschen, sondern setzte alles daran, um dem Sequel eine ähnliche surreale Ästhetik zu verleihen wie „Suspiria“.

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Mater Lacrimarum (Ania Pieroni) aus einer POV-Perspektive Marks.

Dies gelang ihm vor allem dadurch, da ihm zur Seite (und leider zum letzten Mal) Mario Bava stand, der viele der (alb-)traumartigen Szenen mitentwarf. Beide versuchten erneut, einen Film zu schaffen, der mehr als Kunstwerk und weniger aufgrund seiner Handlung funktioniert. Obwohl die Story an sich geradlinig erscheint, wirkt sie in der Tat teilweise fast willkürlich. So erhält z.B. als erstes eine Komilitonin Marks den Brief, den sie öffnet und der sie vollkommen verstört. Kurz darauf stirbt sie einen argentoesken Tod – ein Handlungsstrang, der zwar unglaublich wirksam in Szene gesetzt ist, dennoch irgendwie überflüssig wirkt. Auch Marks Begegnung mit Mater Lacrimarum während einer Vorlesung ist ein Meisterstück der Verstörung, wird aber nicht weiter verfolgt.

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Das Haus der Mutter Tenebrarum, eingetaucht in Mario Bavas Farbspiel.

Erst ab dem Moment, ab dem sich Mark schließlich in New York befindet, entwickelt der Film eine Straight Story, wird zu einer Mischung aus Kriminalfilm, Mystery und Horror. Dabei geizt „Inferno“ keineswegs an bizarren Einfällen und an Szenen, in denen sich Traum und Wirklichkeit miteinander verbinden. Argento begeht zum Glück nicht den Fehler, „Suspiria“ zu wiederholen. Zusammen mit seinem Lehrmeister Mario Bava entwickelt er einen anderen Stil, der zwar einerseits vertraut erscheint, andererseits aber auch Neues zeigt. Interessant hierbei ist, dass er kaum die Architektur New Yorks in seinen Film miteinbezieht, was viele Horrorfilme ja gerne machen, um den Kontrast zwischen Realität und Irrealität zu betonen. Diese scheint überhaupt nicht zu existieren. Man sieht lediglich verschwommene Hausfassaden. Erst als das Haus, in dem Rose gewohnt hat, ganz zu sehen ist, lassen sich im Hintergrund konturhaft Wolkenkratzer erkennen. Das Haus der Mutter Tenebrarum, das – wie in „Suspiria“ – sich in seinem Erscheinen ganz dem Jugendstil hingibt, wird von Bavas berühmten Blau- und Rottönen geradezu überflutet und verdrängt dabei die Stadtkulisse zu einem fast bedeutungslosen Hintergrund, was die Bedrohung und die Dominanz der Hexe mehr als nur betont.

All das macht „Inferno“ zu einem weiteren Meisterstück Argentos. Man sollte daher nicht auf die schlechten Kritiken hören, sondern den Film schlicht und ergreifend genießen.

Inferno. Regie u. Drehbuch: Dario Argento, Produktion: Claudio Argento, Darsteller: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Alida Valli. Italien 1980, 107 Min.

 

 

The 80s: Die phantastische Reise ins Jenseits (1988)

ladyinwhiteEs gibt viele Beispiele in der Geschichte des Films, die zeigen, dass Qualität nicht unbedingt mit Erfolg einhergeht. Eines davon ist „Lady in White“ aus dem Jahr 1988, der in Deutschland den esoterisch-angehauchten Verleihtitel „Die phantastische Reise ins Jenseits“ aufgedrückt bekam. Der Film spielte gerade einmal ein Viertel seiner Produktionskosten ein. Auch heute noch ist der Film relativ unbekannt, zählt in den USA aber als eine Art geheimer Klassiker des 80er Jahre Horrorfilms.

Regisseur Frank LaLoggia erzählt darin die Geschichte des Jungen Frankie, der in den 60er Jahren in der Kleinstadt Willowpoint lebt. An Halloween wird er Opfer eines gemeinen Streichs, sodass er, unbemerkt von allen anderen, in der Schule eingeschlossen wird. Dort wird er in der Nacht Zeuge einer unheimlichen Erscheinung: ein geisterhaftes Mädchen erscheint, das von einem Unsichtbaren ermordet und weggetragen wird. Der Unbekannte verliert dabei seinen Ring. Kurz nach diesem gespenstischen Zwischenfall kehrt der Mörder unerwartet zurück, um den Ring zu holen. Dabei entdeckt er Frankie und erwürgt ihn. Der Junge ist allerdings nur bewusstlos. Nachdem sich Frankie von dem Mordversuch erholt hat, versucht er, das Rätsel des Zwischenfalls zu lösen.

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Frankie (Lukas Haas) auf dem Weg zur Schule.

„Lady in White“ ist eine Mischung aus Kinder-, Mystery- und Horrorfilm, der ganz ohne Blut auskommt. Vielmehr setzt LaLoggia voll und ganz auf Atmosphäre. Er vermischt den Stil klassischer Gespenstergeschichten mit dem Stil moderner Horrorstorys. Das Resultat ist ein Film, der spanned und stellenweise auch unheimlich ist, nie aber über die Stränge schlägt. Geschickt fedelt LaLoggia die damaligen sozialen und politischen Konflikte in die rätselhafte Story mit ein. Denn als erstes wird der schwarze Hausmeister der Schule verdächtigt, der Mörder an dem Mädchen zu sein. Was Frankie nicht ahnt, ist, dass sich der Mörder stets in seiner Nähe befindet und eigentlich nur darauf wartet, ein weiteres Mal zuzuschlagen.

LaLoggia, der auch das Drehbuch schrieb, orientierte sich bei seiner Arbeit an einer amerikanischen Legende über die Weiße Frau, die dazu verdammt ist, auf ewig nach ihrer verschwundenen Tochter zu suchen. So ist es nicht verwunderlich, dass LaLoggia auch ein wenig Folklore mit in die Geschichte einbaut. Manchmal scheint es daher beinahe so, als sei der Film von unterschiedlichen Stilen des Unheimlichen fast schon überfrachtet. Irgendwie wollte der Regisseur alles Mögliche in einen Topf schmeißen. Interessanterweise aber entsteht dadurch keineswegs irgendein Kuddelmuddel. LaLoggia versteht es, den Zuschauer von Anfang an zu packen und die Story nicht nur unterhaltsam, sondern auch durchgehend spannend zu erzählen. Dieser Aspekt wird von einer manchmal ein wenig an Steven Spielberg erinnernden Optik unterstrichen.

Frank LaLoggia gelang mit „Die phantastische Reise ins Jenseits“ ein wirklich wunderbarer Film, den man sich immer wieder mal ansehen kann, ohne dass er langweilig wird. Aber das haben Klassiker bekannterweise an sich.

Die phantastische Reise ins Jenseits (OT: Lady in White). Regie, Drehbuch u. Produktion: Frank LaLoggia, Darsteller: Lukas Haas, Len Cariou, Alex Rocco, Katherine Helmond, Jason Presson. USA 1988, 112 Min.

 

The 80s: Sundown (1989)

sundownEs gibt Vampirfilme und es gibt Vampirfilme. Anthony Hickox drehte mit „Sundown“ eindeutig einen überaus originellen Vampirfilm, der zugleich Western, Action, Splatter und Satire ist. Die Geschichte spielt in der Wüstenstadt Purgatory, die von dem Fürsten Graf Mardulak beherrscht wird. Hier leben die letzten Vampire zurückgezogen und ernähren sich von Kunstblut. Einer Gruppe Blutsauger möchte jedoch wieder den alten Zustand herstellen und giert nach echtem Menschenblut. Daraus entwickelt sich schließlich ein Konflikt, der mit Eichenholz geladenen Pistolen und Armbrüsten ausgefochten wird. Mitten drin eine vierköpfige Familie, die zunächst glaubt, dass die Bewohner dieser Kleinstadt nicht alle Tassen im Schrank haben.

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Robert van Helsing (Bruce Campbell) wird gebissen. „Sundown“ (1989).

Wie bereits in „Waxwork“, zeichnet sich Anthony Hickox auch in „Sundown“ als Meister der Groteske aus. Der Film ist gefüllt mit skurrilen Ideen, witzigen Charakteren und jeder Menge Action. Eigentlich besteht beinahe die Hälfte des Films aus einem einzigen Herumgeballere. Und da es sich hierbei ja auch um einen Western handelt, kommt es beim Finale auch zum Duell zwischen dem Guten und dem Bösewicht.

Um sich den Anschein einer normalen Stadt zu bewahren, wagen sich die Vampire auch bei Tageslicht hinaus. Allerdings nicht ohne sich zuvor mit Sonnencreme einzuschmieren. Daraus ergibt sich natürlich eine Reihe nicht enden wollender Gags sowie allerhand Situationskomik. Anthony Hickox versteht es, den Witz und die Ironie, die die Story beherrschen, gekonnt auszureizen. Zugleich gelingen ihm dabei Szenen, die sich stark an den Filmen der Hammer-Productions orientieren, und zeigen, dass Hickox sein Handwerk versteht. Es ist wahrlich ein großes Glück, dass Anthony Hickox überhaupt jemanden gefunden hat, der sein Vorhaben finanzierte. Denn so gelang eine wahre Genreperle, die ihresgleichen sucht.

Sundown – Rückzug der Vampire (OT: Sundown – The Vampire in Retreat), Regie u. Drehbuch: Anthony Hickox, Produktion: Jefferson Richard, Darsteller: David Carradine, Bruce Campbell, Morgan Brittany, Jim Metzler, Maxwell Caulfield. USA 1989, 104 Min.

The 80s: Link, der Butler (1986)

linkEs gibt Filme, die bei ihrem Erscheinen Aufsehen erregen, doch kurz darauf fast völlig in Vergessenheit geraten. Dieses Schicksal ereilte unter anderem „Link, der Butler“, einem intensiven Tierhorrorfilm, der Mitte der 80er Jahre zum einen hoch gelobt, zum anderen zutiefst kritisiert wurde. Gelobt wurde die Tierdressur, kritisiert die bösartige Darstellung des Orang Utan.

„Link“ ist zugleich der Name eines Affen, mit dem der Wissenschaftler Philip in einem abgelegenen Haus herum experimentiert. Ihm zur Seite steht die Studentin Jane. Doch Philip wird der Orang Utan zu unheimlich, da er eine immer größere Intelligenz entwickelt. Als Philip Link deshalb lieber einschläfern möchte, ist dieser spurlos verschwunden. Dieser aber sinnt in Wirklichkeit nach Rache. Nachdem er Philip aus dem Weg geräumt hat, hat nun Jane alleine gegen Link zu kämpfen. Dieser wird von Mal zu Mal rabiater…

Was den Affen in „Link“ kennzeichnet, sind seine überaus negativen menschlichen Eigenschaften. Im Grunde genommen agiert der Orang Utan wie ein Psychopath. Er schneidet Telefonkabel durch, hindert Jane an der Flucht und versucht, die Studentin kaltblütig zu beseitigen. All dies lässt den Charakter des Tiers natürlich in einem fragwürdigen Licht dastehen. Denn Richard Franklin hinterfragt in seinem Film keineswegs die wissenschaftlichen Experimente und damit die Degradierung des Affen zum bloßen Objekt, sondern konzentriert sich allein auf das gemeine Verhalten von Link, das für Jane lebensbedrohend wird.

Dies ist sicherlich ein gewagtes Vorgehen, da hier der Mensch nicht für das abweichende Verhalten des Tiers verantwortlich gemacht, sondern das Tier schlicht und ergreifend als bösartig hingestellt wird. Man könnte daher diesem Film durchaus eine fehlende Reflexion vorwerfen. Andererseits aber kreiert genau dieser Aspekt zugleich einen gewissen Grad an Originalität. Denn der Orang Utan ist wirklich extrem gemein, so dass Jane keineswegs im Kampf gegen den Affen erfolgreich ist. Dies zeichnet wiederum ein anderes Bild des Films, da hier Franklin darlegt, dass der Mensch die Natur bei weitem unterschätzt. Denn in Wahrheit ist es nun einmal so, dass der moderne Mensch in der Natur kaum Überlebenschancen hat.

Welchen Blinkwinkel man auch immer einnehmen möchte, „Link“ wirkt auf jeden Fall etwas verstörend. Gleichzeitig ist dieser Film jedoch ein sehr spannender Horrorstreifen, der eigentlich zu Unrecht völlig in Vergessenheit geraten ist. Ein kontroverser Film also, der sicherlich auch heutige Zuschauer zum Diskutieren auffordert.

Link, der Butler (OT: Link), Regie u. Produktion: Richard Franklin, Drehbuch: Everett De Roche, Darsteller: Elisabeth Shue, Terence Stamp, Steve Pinner. England 1986, 90 Min.

The 80s: Fürsten der Finsternis (1987)

princeofdarkness„Dies ist kein Traum …“ Es ist tatsächlich kein Traum, denn in den Gewölben eines längst geschlossenen Klosters irgendwo in Los Angeles befindet sich ein ominöser Behälter, der von der Bruderschaft des Schlafes bewacht wird. Doch seit einiger Zeit passieren dort seltsame Dinge.

Obwohl als Low-Budget-Film produziert, schrieb John Carpenter mit „Prince of Darkness“ (der deutsche Verleih wandelte den Titel um ins Plural) Filmgeschichte. Denn „Fürsten der Dunkelheit“ beinhaltet den längsten Vorspann überhaupt: ganze 10 Minuten. In diesen 10 Minuten wird fast alles erzählt, was vor dem Aufenthalt der Wissenschaftler in dem Kloster passiert. Pater Loomis beauftragt Howard Birack, Professor für theoretische Physik, die seltsamen Phänomene zu untersuchen, die sich in dem Kloster abspielen. Birack bringt seine Studenten mit, die ihm bei der Erforschung der Ursachen unterstützen sollen. Doch das, was sich wie eine grüne Flüssigkeit in dem Behälter befindet, beginnt, die Forscher mehr und mehr zu beeinflussen …

John Carpenter führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Im Vorspann nennt er sich allerdings Martin Quatermass, als eine Art Anspielung auf die Quatermass-Filme der Hammer-Studios aus den 50er und 60er Jahren, wobei Carpenter sich vor allem vor dem dritten Film „Das grüne Blut der Dämonen“ verneigt, dem ultimativen Klassiker des SF-Horror-Genres. Doch steckt in seinem Film nicht nur diese eine Anspielung, sondern ist voller Zitate, die von Lovecraft bis zu seinen eigenen Filmen reichen, hier vor allem „Halloween“ und „Anschlag bei Nacht“. Neben bekannten Darstellern wie Victor Wong und Donald Pleasance, ist auch Alice Cooper in einer kleiner Nebenrolle zu sehen, als Streetshizo, wie seine Figur im Nachspann bezeichnet wird. Bei den Streetshizos handelt es sich um Obdachlose, die um das Kloster herum leben und sich in eine Art Zombies verwandeln. Carpenter verband damit das Bedrohungsszenario aus „Anschlag bei Nacht“ mit demjenigen aus „Das Ding aus einer anderen Welt“. Während beim ersten Film die Bedrohung von außen kommt, entsteht im zweiten Film die Bedrohung innerhalb der Gruppe. Tatsächlich betrachtet Carpenter „Prince of Darkness“ als Teil einer Trilogie, die mit „Das Ding“ beginnt und deren letzter Teil „Die Mächte des Wahnsinns“ ist. Es hätte durchaus eine Quadrologie sein können, da sich eben viele Aspekte von „Anschlag bei Nacht“ auch in „Fürsten der Finsternis“ wiederfinden.

„Prince of Darkness“ ist auf jeden Fall, und das trifft ja auf fast alle Filme von Carpenter zu, ein kleines Meisterwerk (klein daher, da er ja nur ein geringes Budget – gerade einmal 3 Millionen Dollar – zur Verfügung hatte). Von Anfang an herrscht durch das Hin- und Herspringen der Handlungsorte eine dichte Atmosphäre, die von Carpenters typischer Musik untermalt wird. Carpenter erzählt die Story geradlinig, der Film schreitet schnell voran, und dennoch findet Carpenter immer wieder Zeit dafür, um unheimliche Momente regelrecht auszukosten. Obwohl ihm eine gewisse Actionlastigkeit vorgworfen wurde, so bietet der Film trotzdem viele, an klassische Gruselgeschichten erinnernde Momente des Unheimlichen, die dem Film seinen besonderen Reiz verleihen und, egal wie oft man ihn schon gesehen hat, ihre Wirkung nie verfehlen. Und ja, auch dieser Film wurde von unseren FSKlern indiziert (der Grund dafür dürfte den dortigen Mitarbeitern selbst unbekannt sein), die Indizierung aber vor wenigen Jahren wieder aufgehoben.

Fürsten der Dunkelheit (OT: Prince of Darkness), Regie und Drehbuch: John Carpenter, Produktion: Larry J. Franco, Darsteller: Victor Wong, Donald Pleasance, Lisa Blount, Jameson Parker. USA 1987, 101 Min.

 

The 80s: The Unholy (1988)

unholyDer Erfolg von “Prince of Darkness” führte zu weiteren Filmen, die das Unheimliche mit der Institution der Kirche verbanden. Die erste Welle dieser Art fand bekanntlich in den 70ern statt, indem es zu mehreren Nachfolgeproduktionen von „Der Exorzist“ kam. John Carpenters Low-Budget-Film aus dem Jahr 1987 sorgte mindestens für eine kleinere Welle. Dadurch kam es u. a. zu dem bis vor wenigen Jahren in Deutschland noch indizierten Film „The Unholy“.

Um indizierte Filme herum baut sich in der Regel ein Gerüst von Gerüchten auf, das sich mit der Zeit noch verstärkt. Bei „The Unholy“ war es nicht anders. Vor allem ein paar als blasphemisch angesehene Szenen sorgten dafür, der Produktion etwas ganz und gar Schreckliches anzulasten, wie etwa ein auf dem Altar geopferter Hund oder ein auf das Kirchenkreuz genagelter Leichnam. Zum Glück wurde die Indizierung aufgehoben, sodass sich jeder Horrorfan nun selbst ein Bild dieses Trash-Klassikers machen kann.

Die Handlung spielt vor allem in der Kirche St. Agnes in New Orleans, in der vor Jahren zwei Priester brutal ermordet wurden. Nun bekommt Pater Michael den Auftrag, die Kirche für die dort ansässige Gemeinde wieder zu öffnen. Doch kaum finden darin Gottesdienste statt, kommt es bereits zu ersten unheimlichen Zwischenfällen …

„The Unholy“ ist eindeutig einer der besseren Trash-Filme der 80er Jahre. Die Story ist spannend und dicht erzählt. Die Dialoge sind hervorragend, was nicht von ungefähr kommt, da Philip Yordan, der am Drehbuch zum Klassiker „El Cid“ mitgewirkt hat, sich auch hier für das Script verantwortlich zeigt. Dies verleiht dem Film einen gewissen Anspruch, auch wenn das Finale den Anschein einer Trash-Granate besitzt. Die meisten Figuren wirken überzeugend, bei anderen weiß man nicht genau, welche Funktion sie eigentlich einnehmen sollen, da manche Handlungsstränge, an denen sie beteiligt sind, ins Leere laufen. Ähnlich verhält es sich auch mit der Auflösung des Rätsels, was einem zu dem Ausspruch verleitet: Da fehlt doch etwas! Genau deswegen aber erhielt „The Unholy“ ein Trash-Siegel und macht ihn aus dieser Perspektive überaus sympathisch.

Insgesamt kommt „The Unholy“ zwar nicht an die Qualität von „Fürsten der Dunkelheit“ heran, wer aber John Carpenters Meisterstück aus den späten 80ern mag, wird von diesem Film sicherlich nicht enttäuscht sein.

The Unholy – Dämon der Finsternis (OT: The Unholy), Regie: Camilo Vila, Drehbuch: Philip Yordan, Produktion: Mathew Hayden, Darsteller: Ben Cross, Trevor Howard, Hal Holbrook, William Russ, Ruben Rabasa, Ned Beatty. USA 1988, Laufzeit: 102 Min.

The 80s: The Stepfather (1986)

stepfather„Kill Daddy Kill“ lautete in den 80er Jahren der Alternativtitel zu „The Stepfather“. Wie immer brachte dies Pädagogen und Elterninitiativen außer Rand und Band, die ja bereits mit ihrem Slogan „Mama, Papa, Zombie“ in der ersten Hälfte der 80er Jahre auf die angebliche Schädlichkeit von Horrorfilmen aufmerksam machen wollte. Ein weiteres Mal hatte das Horrorgenre gegen sein schlechtes Image zu kämpfen. „The Stepfather“ wurde indiziert. Erst vor wenigen Jahren wurde die Indizierung aufgehoben.

Der Film handelt von Jerry Blake, einem Psychopathen, der auf der Suche nach der perfekten Familie ist. Da trifft er auf Susan Maine, die zusammen mit ihrer Tochter Stephanie in einer netten Vorortsiedlung wohnt. Bereits nach kurzer Zeit heiraten Jerry und Susan. Ihr neuer Ehemann gilt geradezu als vorbildlich. Doch der Schein trügt. Denn Stephanie kann ihn nicht leiden. Dies bringt Jerry immer mehr in Rage.

Was dem Zuschauer hier geboten wird, ist der etwas andere Familienfilm. „The Stepfather“ ist Psycho-Thriller und Gesellschaftssatire zugleich. Er macht sich lustig über das suburbane Spießertum der US-amerikanischen Mittelschicht, indem er ausgerechnet einen völlig gestörten Serienmörder als jemanden auftreten lässt, der nach dem perfekten Familienglück strebt. Dies sorgt für viele ironische Momente und ein paar äußerst schwarzhumoriger Gags. Dabei kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Denn Jerry Blake ist eine tickende Zeitbombe. Alles, was nicht in sein Schema einer vorbildlichen Familie passt, treibt ihn sofort in den Wahnsinn. Mit Stephanie, einer pubertierenden Jugendlichen, stößt er hierbei an seine Grenzen. Denn sie ist ständig am Nörgeln und möchte nichts lieber, als dass Jerry endlich wieder verschwindet.

„The Stepfather“ gehört inzwischen zu den Klassikern des 80er Jahre Horrorfilms. Wie auch „Nightmare on Elmstreet“, „Bloody Valentine“ oder „Poltergeist“ blickt er hinter die ruhigen Fassaden der Vororte der Post-Hippie-Ära. Im Gegensatz zu den oben genannten Filmen ist „The Stepfather“ allerdings kein Teeny-Slasher, sondern ein reiner Psychopathenfilm. Terry O’Quinn haucht der Figur des Jerry Blake ein wirklich fieses Eigenleben ein. Sein Spruch „Wer bin ich hier?“ ist inzwischen einer der bekanntesten des Horrorfilmgenres.

The Stepfather, Regie: Joseph Ruben, Drehbuch: Caroline Lefcourt, Donald E. Westlake, Produktion: Jay Benson, Darsteller: Terry O’Quinn, Jill Schoelen, Shelley Hack. USA 1986, Laufzeit: 86 Min.