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Posts Tagged ‘Horrorfilmklassiker’

FuBs Double Feature lautet der Titel unserer Jubiläumsreihe zum fünfjährigen Geburtstag von FILM und BUCH. In dieser Reihe wollen wir jeweils zwei Filme aus einem Jahrzehnt vorstellen. Die Auswahl ist dabei rein subjektiv und orientiert sich nicht an filmhistorischem Einfluss, obwohl manche der Filme nicht ohne Einfluss auf spätere Produktionen gewesen sind. Die Spannbreite reicht dabei von den 1900ern bis zu den ersten zehn Jahren nach der Jahrtausendwende. Vor uns liegt also eine lange Reise. Und wir wünschen euch viel Spaß dabei.

Beginnen wollen wir mit dem Zeitraum 1900 bis 1910. Film als Medium ist gerade mal ein paar Jahre alt, da hat sich daraus bereits eine wachsende Industrie entwickelt, in der es nur um eines ging: Gewinnmaximierung. Es kam zu diversen Rechtsstreitigkeiten, da Filmideen munter kopiert und geklaut wurden. Kunsthistoriker stritten darüber, ob Film eine Kunstform sei oder nicht. Die französischen Intellektuellen hatten eine schnelle Antwort parat: Filmeschaffen in den USA bedeutet Fließbandproduktion, Filmeschaffen in Frankreich bedeutet das Erschaffen von Kunst. An dieser Einstellung sollte sich lange Zeit nichts ändern.

Das Haus wird lebendig. „The haunted House“ (1908)

1908 wurde in Frankreich ein wunderbarer Horrorfilm produziert. Eigentlich wurden in jener Zeit sehr viele Horrorfilme und sogar recht intensive Thriller gedreht, die meisten jedoch sind verschollen oder schlicht und ergreifend in Vergessenheit geraten. The haunted House ist eine furiose Mischung aus Horror und Komödie, in der eine Wandergruppe in ein Unwetter gerät. Sie suchen Unterschlupf in einem verlassenen Haus, doch schnell stellt sich heraus, dass es dort nicht mit rechten Dingen zu geht.

Der Dämon, der in dem Haus umgeht, zeigt sich. „The haunted House“ (1908)

Tricktechnisch gesehen lieferte der Film ein Sammelsurium der damaligen Möglichkeiten ab, was die Gruselkomödie auch heute noch zu einem wundervollen Gruselspaß macht. Die leichte Handlung verbindet sich mit viel Witz und Action. Eine der bekanntesten Szenen des Films ist diejenige, in der die Besucher des Hauses regelrecht durchgeschüttelt werden, wobei eine Theaterbühne, auf der die Kulissen errichtet worden waren, heftig hin und her bewegt wurde. Eine weitere Szene zeigt eine Außenansicht des Hauses, während das Gewitter tobt, als sich plötzlich die Fassade des Gebäudes in ein Gesicht verwandelt.

Der Film dauert gerade einmal sechs Minuten, doch besitzt er so viel Situationskomik und geniale Spezialeffekte, dass diese für einen heutigen Spielfilm ausreichen würden. Regie führte der damals bekannte Tricktechniker Segundo de Chomón, der aus Spanien nach Frankreich gezogen war und zusammen mit George Méliès mehrere Filme herstellte.

Eine der ersten Darstellungen von Frankensteins Monster; „Frankenstein“ (1910)

1910 erblickte in den USA eine der ersten filmischen Adaptionen von Frankenstein das Licht der Welt. Regie führte James Searle Dawley, der auch das Drehbuch verfasste. Das Monster spielte der damals bekannte Broadway-Schauspieler James Ogle. Lange Zeit galt der 13-minütige Film als verschollen. Erst in den 70er Jahren tauchte eine Kopie auf, die ein Sammler erstanden hatte. Damals war der Film ein großer Erfolg. Das Monster sieht auch heute noch durchaus gruselig aus. Angeblich soll Ogle selbst die Maske entworfen haben. Die verzerrten Gesichtszüge mit dem wirren Blick haben es in sich und verleihen dem Ungeheuer eine gewisse dramatische Tiefe. Es scheint von seiner eigenen Existenz geradezu erschrocken zu sein.

Nicht weniger erschrocken ist Dr. Frankenstein, der von dem Monster verfolgt wird. Dabei verliebt sich die Kreatur, die Frankenstein erschaffen hat, in Frankensteins Verlobte. Im Finale kommt es zum Kampf zwischen Monster und seinem Erschaffer. – Frankenstein aus dem Jahr 1910 ist spannend und kurzweilig in Szene gesetzt und liefert so etwas wie eine Kurzfassung von Mary Shelleys Roman. Bereits hier wurde das Monster nicht als einfach nur böse definiert, sondern die Tragik der Handlung erkannt und sehr schön umgesetzt.

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„When it flies, someone dies!“, lautete es in dem Kinotrailer zu dem ‚Horror-Krimi‘ „The Bat“, der in Deutschland unter dem Titel „Das Biest“ vertrieben wurde. Der Film gehört sicherlich zu den weniger gelungenen Streifen mit Vincent Price, ist aber dennoch sehr unterhaltsam.

Es geht darin um eine Krimiautorin, die ein abgelegenes Haus gemietet hat, um dort in Ruhe an ihrem neuen Roman schreiben zu können. Allerdings geht das Gerücht um, dass genau in dieser Gegend das sogenannte Biest sein Unwesen treibt, das Frauen überfällt und ihnen mit seiner Krallenhand den Garaus macht. Als bekannt wird, dass in dem Haus ein betrügerischer Banker einen Haufen Geld versteckt hat, taucht plötzlich das Biest innerhalb der vier Wände auf und sorgt für Unruhe.

Das Biest geht um; „The Bat“ (1959); Copyright: Sunfilm

„The Bat“ besitzt viel Schwung, witzige Dialoge („das war bestimmt die Katze, der das Gebiss herausgefallen ist“) und einen netten Geisterhausflair, der durch grelle Blitze und lauten Donner sowie wehende Vorhänge noch unterstrichen wird. Natürlich gibt es auch etliche Logikfehler, die jedoch nicht so sehr ins Gewicht fallen, machen diese doch überhaupt einen Film dieser Art aus. So schneidet das Biest z. B. die Telefonleitung durch, in einer der folgenden Szenen wird jedoch schon wieder munter mit der Polizei telefoniert.

Vince Price in „The Bat“ (1959); Copyright: Sunfilm

Der Film wurde nach einem Theaterstück gedreht und kursiert um die klassische Frage, ob der Butler als Täter in Frage kommt. Natürlich werden alle Figuren zwielichtig dargestellt, so dass im Grunde genommen jeder als Täter in Frage kommen kann. Sogar Sympathieträger Vincent Price, der einmal mehr in seiner wunderbar schlaksigen Gentlemanart für beste Unterhaltung sorgt.

Die Figur „The Bat“ bzw. „Das Biest“ schrieb in gewisser Weise auch Filmgeschichte. Denn Wes Craven orientierte sich an dem Aussehen dieses Wesens, als er die Idee zu Freddy Krüger konzipierte. Beiden gemeinsam ist der Klingenhandschuh sowie der prägnante Hut. Zugleich ähnelt „The Bat“ ein wenig Francis Ford Coppolas Erstling „Dementia 13“, in dem ebenfalls ein unheimlicher Schlitzer in einem alten Herrenhaus sein Unwesen treibt. Wer daher Spaß hat an alten Gruselfilmen, dem wird „The Bat“ sicherlich gefallen.

The Bat – Die Fledermaus (OT: The Bat), Regie: Crane Wilbur, Drehbuch: Avery Hopwood, Mary Roberts Rinehart, Produktion: C. J. Tevlin, Darsteller: Vincent Price, Agnes Moorhead, Gavin Gordon, John Sutton, John Bryant. USA 1959, 80 Min.

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„Der Fluch von Siniestro“, 1961 produziert in England unter dem Titel „The Curse of the Werewolf“, ist der einzige Werwolffilm der Hammer-Studios. Zunächst war das Drehbuch als Adaption des Romans „Der Werwolf von Paris“ von Guy Endore gedacht. Als jedoch die Beamten der Zensurbehörde das Skript durchlasen, strichen sie gnadenlos so viele Szenen, dass der Film nicht mehr produziert werden konnte.

Also setzte Anthony Hinds zum zweiten Versuch an, wobei er die Handlung vom 19. ins 18. Jahrhundert verlegte und die Story so änderte, dass von Endores Roman im Grunde genommen nichts mehr übrig blieb. Wiederum wurde das Skript eingereicht. Die Zensurbehörden zeigten sich noch immer unerbittlich und strichen beinahe alle Gewaltszenen. Hinds aber reichte es. Die Produktion von „The Curse of the Werewolf“ fand trotzdem statt.

Die Handlung des Films erzählt die Geschichte des Waisenjungen Leon Corledo, der unter einem mysteriösen Fluch leidet: In Vollmondnächten verwandelt er sich in einen äußerst brutalen Werwolf. Zunächst sind nur Tiere von seinen nächtlichen Eskapaden betroffen, doch als immer mehr Menschen Opfer dieser unheimlichen Serie von Tötungsfällen werden, bricht in der Bevölkerung Panik aus. Leons Stiefvater ist der einzige, der weiß, wie man diesem Grauen ein Ende setzen kann …

Oliver Reed als Werwolf in „Der Fluch von Siniestro“ (1961); Copyright: Koch Media

Bei „Der Fluch von Siniestro“ führte einmal mehr Dracula-Regisseur Terence Fisher Regie. Mit Sicherheit gelang ihm dabei einer der intensivsten Hammer-Filme, der durch eine überaus tiefe Tragik besticht und die Kreatur nicht als rein böse darstellt, sondern als ein in sich zerrissenes Wesen, dem das Leben als normaler Mensch verwehrt bleibt. Die sexuellen Anspielungen sind dabei nicht zu übersehen, da bei Leon die Verwandlungen erst bei Beginn seiner Pubertät ihren Anfang nehmen.

Die Hammer-Studios drehten den Film mit allen von der Zensurbehörde gestrichenen Szenen und brachten ihn auch so in die Kinos. Als die Beamten jedoch davon erfuhren, wurde der Film kurzerhand verboten. Hammer-Film blieb daher nichts anderes übrig, als den Film wieder zu kürzen, um damit doch irgendwie die Kosten wieder einspielen zu können. Der Erfolg blieb aber weit hinter dem anderer Hammer-Filme zurück. Grund dafür waren eben jene Kürzungen, durch die sämtliche Horrorszenen entfielen und die Handlung verstümmelt wurde.

Die Darstellung des Werwolfs war eine Paraderolle für Oliver Reed, dessen Karriere bei Hammer begann. Richard Wordsworth, der Hammer-Fans aus dem ersten Quatermass-Film „The Quatermass X-Periment“ bekannt ist und durch sein überaus feinfühlig-tragisches Spiel jedes Mal überzeugt, war ebenfalls in einer Nebenrolle mit von der Partie. In späteren Jahren wurden die zensierten Szenen in den Film wieder eingefügt.

Der Fluch von Siniestro (OT: The Curse of the Werewolf), Regie: Terence Fisher, Drehbuch u. Produktion: Anthony Hinds, Darsteller: Oliver Reed, Clifford Evans, Yvonne Romain, Anthony Dawson, Richard Wordsworth. England 1961, 89 Min.

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baronbloodNachdem Mario Bava 1971 mit Im Blutrausch des Satans den Prototyp des Teeny-Slashers gedreht hatte, kehrte er ein Jahr später mit Baron Blood zu seinen eigentlichen Wurzeln des Gothic Horrors zurück. Diesmal aber spielt die Handlung nicht wie sonst im 18. Jahrhundert, sondern, da sich inzwischen das Horrorgenre stark gewandelt hatte, in der Gegenwart.

Ort der Handlung ist Österreich. Der Student Peter von Kleist kehrt nach Österreich zurück, um bei der Versteigerung des Schlosses seiner Vorfahren zugegen zu sein. Das Schloss ist unter der Bevölkerung als das „Schloss des Teufels“ bekannt, da im 16. Jahrhundert darin der Blutbaron von Kleist gehaust hat, der dort unzählige Menschen zu Tode foltern ließ. Gemeinsam mit Eva, einer Kunsthistorikerin, findet Peter eine seltsame Beschwörungsformel, mit deren Hilfe man den Blutbaron wieder zum Leben erwecken kann. Aus Neugier sprechen beide um Mitternacht die Formel aus. Kurz darauf scheint der blutrünstige Baron tatsächlich wieder ins Leben zurückgekehrt zu sein, um neue Opfer für seine Folterkammer zu suchen …

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Gestatten, Baron Blood. „Baron Blood“ (1972); Copyright: ems.

Mit Sicherheit ist Baron Blood nicht der beste Film Mario Bavas, dennoch ist er sehr spannend und kurzweilig inszeniert. Im Grunde genommen gibt sich Baron Blood als eine genau abgestimmte Mischung aus typisch italienischem Horrofilm und den Produktionen der American International Pictures der 60er Jahre, in denen vor allem Vince Price auftrat. Das Monster, das Eva und Peter aus seinem Grab holen, hat einen recht hohen Gruselfaktor und wurde von niemand anderem als Carlo Rambaldi geschaffen, der sich etwa zehn Jahre später ebenfalls für das E.T.-Design auszeichnen sollte. Als Kulisse für das Schloss wurde das Museum Burg Korneuberg in Österreich gewählt, wo auch der gesamte Film gedreht wurde.

Baron Blood versucht zwar, die Aspekte des postmodernen Horrorfilms aufzugreifen, bleibt aber zu sehr den klassischen Aspekten treu. Dies führt dazu, dass er für einen klassischen Horrorfilm recht brutal, für einen postmodernen Horrorfilm, der 1969 durch „Nacht der lebenden Toten“ ins Leben gerufen wurde, jedoch zu naiv wirkt. Die Nahaufnahmen der Untaten des Barons sowie das von einer Eisernen Jungfrau durchbohrte Gesicht seines Dieners sind Beispiele für diesen Stil. So gesehen bewegt sich Baron Blood exakt entlang einer der prägendsten filmhistorischen Übergangsphasen.

Baron Blood, Regie: Mario Bava, Drehbuch: Vincent Fotre, Mario Bava, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Joseph Cotten, Massimo Girotti, Luciano Pigozzi. Italien/Deutschland 1972, 94 Min.

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reitendeleichenMit Die Nacht der reitenden Leichen schuf Regisseur Amando de Ossorio einen zeitlosen Klassiker des spanischen Horrorkinos. Der Film hat die Legenden der grauenvollen Riten der Tempelritter zum Thema, die auch noch nach ihrem Tod als blutgierige Zombiegerippe durch die Landschaft reiten.

Der Film beginnt mit dem Wanderurlaub eines jungen Paars, das plötzlich in Streit gerät. Die Folge des Streits: Virginia flüchtet in die Ruinen eines verfallenen Klosters, um dort zu übernachten. Doch sobald die Sonne untergeht, kommen die Templer aus ihren Gräbern. Als ihrem Freund Roger es doch etwas zu merkwürdig vorkommt, dass Virginia nicht mehr zurückkehrt, beschließt er, sie auf eigene Faust zu suchen. Dabei kommt er ebenfalls zu dem abgelegenen Kloster …

Die beiden größten Fragen, die dieser Film seit jeher aufgeworfen hat, lauten: wieso 1. die Pferde der Tempelritter nicht auch nur aus Knochen bestehen und 2. woher diese Pferde überhaupt stammen. Wenn man sich jedoch nicht weiter darüber den Kopf zerbrechen möchte, so bietet Die Nacht der reitenden Leichen eine schöne Geistermär, in der um Mitternacht die Geisterglocke durch das Kloster hallt, die Einwohner jene gespenstische Gegend seit jeher meiden und furchtbar langsame Gerippe in staubigen Mönchskutten auf Opfersuche gehen. In der Tat wundert man sich immer wieder, wieso die Menschen diesen extrem langsamen Knochenmännern nicht entkommen können. Aber sei’s drum. Wenn die Leichen erst auf ihren Pferden sitzen, liefern sie eine herrliche Gespensterästhetik, die jedes Mal von neuem begeistert.

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Die Tempelritter sind erwacht. „Die Nacht der reitenden Leichen“ (1971); Copyright: Atlas Film

Insgesamt drehte Ossorio noch drei Fortsetzungen mit den Titeln Die Rückkehr der reitenden Leichen, Das Geisterschiff der reitenden Leichen sowie Das Blutgericht der reitenden Leichen. Während im zweiten Teil die knöchernen Tempelritter eine spanische Kleinstadt überfallen und dieser Film mit einem gewissen Tempo aufwartet (manche halten ihn sogar für besser als das Original), besitzt Teil drei eine sehr schöne Geisterschiffkulisse. Hinzu kommt eine angenehm trashige Handlung, in der es darum geht, dass eine Gruppe Fotomodells auf das Schiff der reitenden Leichen gerät. Teil vier schließlich ist der schlechteste Film der Reihe. Hier zieht ein Ehepaar in einen kleinen Küstenort, dessen Einwohner alle sieben Jahre den Templern Opfer darbringen.

Mir persönlich gefällt der Originalfilm am besten. Die Darstellung des auf Volksglauben basierenden Spuks ist hier überaus gelungen. Dieser Film macht aufgrund seiner Mischung aus wundervoll gefilmter Gruselästhetik und Trash einfach immer wieder Spaß. Natürlich drehte Ossorio auch noch weitere Trash- und Horrorfilme, doch wurden diese nie auf dieselbe Weise wahrgenommen wie seine Filme über die reitenden Leichen.

Die Nacht der reitenden Leichen (OT: La Noche del terror ciego), Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produktion: Jose Antonio Perez Giner, Darsteller: Lone Fleming, Cesar Burner, Elena Apron, Joseph Thelman, Maria Silva. Spanien 1971, 97 Min.

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dellamortedellamoreItaliens Horrorruhm war schon längst vergangen, als in eben diesem Land ein Film gedreht wurde, der bereits kurz nach seiner Kinopremiere als moderner Klassiker des Genrefilms gefeiert wurde.

Es handelt sich dabei um die Geschichte des einsamen Friedhofswärters Francesco Dellamorte, der zusammen mit seinem stummen Assistenten Gnaghi für Ruhe und Ordnung auf dem Friedhof sorgt. Und dies ist alles andere als leicht. Denn Menschen, die hier begraben werden, kommen sieben Tage nach ihrer Beerdigung wieder aus ihren Gräbern, um dort ihren kannibalischen Neigungen nachzugehen. Als Francesco eine Frau, in die er sich kopfüber verliebt hat, als Zombie erschießen muss, gleitet er in eine immer stärkere geistige Verwirrung hinein, bis er schon bald nicht mehr die Lebenden von den Toten unterscheiden kann.

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Eine Wahnvorstellung oder Wirklichkeit? Die Friedhofsstatue wird lebendig. „DellaMorte, DellAmore“ (1994); Copyright: Medusa Home Entertainment

DellaMorte, DellAmore ist eine geradezu vollendete Mischung aus Komödie, Drama, Horror, Splatter und poetischer Gruselmär. Soavi bringt in seinem Werk so unterschiedliche Aspekte wie Zombiefilm und Tragikomödie unter einen Hut, ohne dabei verkitscht oder trashig zu wirken, und dabei gelingt es ihm zugleich, sich in der Ästhetik des europäischen Kinos zu schwelgen. Man glaubt es nicht, doch alles passt zusammen.

Die liebevoll erdachten Charaktere besitzen eine ungeheure Tiefe und wirken dadurch überzeugend und lebendig zugleich. Es gibt eine hohe Anzahl an Untoten, die Dellamorte und sein Freund Gnaghi mit Revolver und Gewehr wieder in ihre Gräber befördern. Die dabei verwendeten Splattereffekte sind hervorragend und lassen den Charme des italienischen Horrorkinos der 80er Jahre auferstehen.

DellaMorte, DellAmore war nicht nur Michele Soavis größter Wurf, sondern für lange Jahre auch sein letzter.  Mit seinen späteren Filmen konnte er weder an den Erfolg noch an die Kunst seines Meisterwerks anknüpfen. Dellamorte, Dellamore ist und bleibt aber ein Klassiker des Horrorfilms, dessen schön-schaurige Ästhetik immer wieder fasziniert, egal wie oft man den Film bereits gesehen hat.

Dellamorte, Dellamore, Regie: Michele Soavi, Drehbuch: Gianni Romoli, Produktion: Michele Soavi, Gianni Romoli, Darsteller: Rupert Everett, Francois Hadji-Lazaro, Anna Falchi, Mickey Knox, Fabiana Formica. Italien 1994, 99 Min.

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infernoNach dem großartigen Erfolg von „Suspiria“ (1977) wollten die Produzenten, dass Dario Argento ihnen etwas Ähnliches ablieferte. Das Ergebnis war „Inferno“, eine Fortsetzung des Klassikers aller Horror-Klassiker. Nun, eine Fortsetzung im eigentlichen Sinne ist „Inferno“ nicht. Dennoch geht es wiederum um die Drei Mütter, drei geheimnisvolle Hexen, von denen eine in Rom, eine in München (in „Inferno“ ist es plötzlich Freiburg) und eine in New York haust.

Rose Elliot, die in New York lebt, findet in einem Buch, das den Titel „Die drei Mütter“ trägt, heraus, dass sie in dem Haus der Mutter Tenebrarum lebt, einem riesigen, sonderbaren und verwinkelten Gebäude. Sie schreibt daraufhin ihrem Bruder Mark, der in Rom Musik studiert. Doch noch bevor er den Brief erhält, wird Rose ermordet. Nachdem Mark in New York angekommen ist, beschließt er, dem Geheimnis um Roses Tod nachzugehen …

Es gibt Kritiker, die von „Inferno“ schlicht und ergreifend enttäuscht sind. Anscheinend hatten sie sich etwas ähnlich Berauschendes wie „Suspiria“ erwartet. In der Tat wirkt „Inferno“ in seiner Gesamtheit wie ein Film, der nicht wirklich geplant war. Argento aber versuchte dennoch, sein Publikum nicht zu enttäuschen, sondern setzte alles daran, um dem Sequel eine ähnliche surreale Ästhetik zu verleihen wie „Suspiria“.

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Mater Lacrimarum (Ania Pieroni) aus einer POV-Perspektive Marks.

Dies gelang ihm vor allem dadurch, da ihm zur Seite (und leider zum letzten Mal) Mario Bava stand, der viele der (alb-)traumartigen Szenen mitentwarf. Beide versuchten erneut, einen Film zu schaffen, der mehr als Kunstwerk und weniger aufgrund seiner Handlung funktioniert. Obwohl die Story an sich geradlinig erscheint, wirkt sie in der Tat teilweise fast willkürlich. So erhält z.B. als erstes eine Komilitonin Marks den Brief, den sie öffnet und der sie vollkommen verstört. Kurz darauf stirbt sie einen argentoesken Tod – ein Handlungsstrang, der zwar unglaublich wirksam in Szene gesetzt ist, dennoch irgendwie überflüssig wirkt. Auch Marks Begegnung mit Mater Lacrimarum während einer Vorlesung ist ein Meisterstück der Verstörung, wird aber nicht weiter verfolgt.

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Das Haus der Mutter Tenebrarum, eingetaucht in Mario Bavas Farbspiel.

Erst ab dem Moment, ab dem sich Mark schließlich in New York befindet, entwickelt der Film eine Straight Story, wird zu einer Mischung aus Kriminalfilm, Mystery und Horror. Dabei geizt „Inferno“ keineswegs an bizarren Einfällen und an Szenen, in denen sich Traum und Wirklichkeit miteinander verbinden. Argento begeht zum Glück nicht den Fehler, „Suspiria“ zu wiederholen. Zusammen mit seinem Lehrmeister Mario Bava entwickelt er einen anderen Stil, der zwar einerseits vertraut erscheint, andererseits aber auch Neues zeigt. Interessant hierbei ist, dass er kaum die Architektur New Yorks in seinen Film miteinbezieht, was viele Horrorfilme ja gerne machen, um den Kontrast zwischen Realität und Irrealität zu betonen. Diese scheint überhaupt nicht zu existieren. Man sieht lediglich verschwommene Hausfassaden. Erst als das Haus, in dem Rose gewohnt hat, ganz zu sehen ist, lassen sich im Hintergrund konturhaft Wolkenkratzer erkennen. Das Haus der Mutter Tenebrarum, das – wie in „Suspiria“ – sich in seinem Erscheinen ganz dem Jugendstil hingibt, wird von Bavas berühmten Blau- und Rottönen geradezu überflutet und verdrängt dabei die Stadtkulisse zu einem fast bedeutungslosen Hintergrund, was die Bedrohung und die Dominanz der Hexe mehr als nur betont.

All das macht „Inferno“ zu einem weiteren Meisterstück Argentos. Man sollte daher nicht auf die schlechten Kritiken hören, sondern den Film schlicht und ergreifend genießen.

Inferno. Regie u. Drehbuch: Dario Argento, Produktion: Claudio Argento, Darsteller: Leigh McCloskey, Irene Miracle, Eleonora Giorgi, Daria Nicolodi, Alida Valli. Italien 1980, 107 Min.

 

 

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