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Posts Tagged ‘Filmklassiker’

Larry (Tyrone Power) und Isabel (Gene Tierney) kurz vor ihrer Trennung; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Mit FuBs Klassikbox starten wir in diesem Jahr eine neue Reihe. Wir wollen darin alte bzw. ältere Filme vorstellen, die zu den Filmklassikern zählen, auch wenn manche davon teilweise wieder in Vergessenheit geraten sind. Ein solcher Film ist „Auf Messers Schneide“ aus dem Jahr 1946. Die Adaption des gleichnamigen Romans von William Somerset Maugham war 1947 für vier Oscars nominiert, unter anderem in der Kategorie Bester Film. Vor allem in Deutschland aber kennt diesen tollen Film kaum jemand mehr.

Es geht um Larry Darrel, der als gebrochener Mann aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt und nach dem Sinn des Lebens sucht. Da er aus diesem Grund sein bisheriges Leben nicht weiterführen kann, löst der die Verlobung mit Isabel Bradley auf. Auch schlägt er ein Jobangebot ihres Vaters aus. Stattdessen zieht er zunächst nach Paris, wo er zunächst ein Leben in der Boheme führt, bevor er erneut wegzieht und in einer abgelegenen Kohlenmiene arbeitet. Schließlich fasst er den Entschluss, nach Indien zu reisen, um dort in einem Kloster wieder zu sich zu kommen.

Mit einem neuen Lebensgefühl kehrt er in die USA zurück, wo Isabel bereits verheiratet ist, doch Larry immer noch liebt. Aus diesem Grund versucht sie, seine Beziehung zu einer anderen Frau zu zerstören.

„Auf Messers Schneide“ war die erste ernste und komplexe Rolle des damaligen Stars Tyrone Power, der vor dem Zweiten Weltkrieg nur in Mantel und Degen-Filmen mitgewirkt hatte. Die Rolle des Larry Darnel scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Denn Power geht in dieser vielschichtigen Figur vollkommen auf. Seine Verzweiflung, sein sehnlicher Wunsch, endlich von seinen Schuldgefühlen erlöst zu werden und einen Sinn in dem Ganzen zu finden, zeigt sich in seiner Haltung, seiner Gestik und Mimik und nicht zuletzt auch in seinem stets in eine ungewisse Ferne gerichteten Blick.

Larry (Tyrone Power) an der Wende seines Lebens; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Dem gegenüber stellt Regisseur Edmund Goulding die Oberflächlichkeit und den Materialismus der High Society, wunderbar gebündelt in der zynischen Figur von Isabels Vater, für den es außer Geld nichts anderes gibt. Daher versteht dieser Larrys Verhalten am wenigsten. Aber auch Isabel steht eher hilflos dem veränderten Larry gegenüber. Statt auf ihn zu warten, beschließt sie lieber, sich der Tradition zu fügen und einen anderen Mann zu heiraten.

Doch wird das Leben ihrer Familie nicht weniger von Schicksalsschlägen heimgesucht. Vielleicht liegt auch darin ein zusätzlicher Grund, weswegen Isabel versucht, Larrys Leben zu zerstören. Kann sie nicht glücklich sein, so will sie auch nicht, dass er sein Glück findet – mit schrecklichen Konsequenzen.

„Auf Messers Schneide“ ist ein Film, der einen von der ersten Minute an packt. Die dichte, tragische und konfliktreiche Handlung reißt einen regelrecht mit, sodass die über zwei Stunden Spieldauer wie im Nu vergehen. Fast schon unerbittlich nimmt das Drama seinen Lauf. Manchmal scheint es beinahe so, als haben die Menschen um ihn herum insgeheim eine Wette abgeschlossen, wann Larry doch noch zusammenbricht. Denn das, was Isabel mit seiner neuen Freundin Sophie aufführt, ist wirklich hart.

Natürlich ist das überaus tolle Gelingen des Films auch den erstklassigen Schauspielern zu verdanken. Neben Tyrone Power spielen Noir-Ikone Gene Tierney in der Rolle der Isabel und der auf zynische und eitle Rollen spezialisierte Clifford Webb (als Isabels Vater) mit. Regisseur Edmund Goulding erlaubte sich den Spaß, Sommerset-Maugham als Figur ebenfalls in dem Film auftreten zu lassen, gespielt von Herbert Marshall. Ein Witz, der sich aus der Romanvorlage ergibt, in der der berühmte Schriftsteller behauptet, Larry Darnell auf einem Ozeandampfer tatsächlich begegnet zu sein.

1984 wurde ein gleichnamiges Remake produziert, das jedoch – auch aufgrund seiner absoluten Fehlbesetzung (Bill Murray als Larry Darnell) – nicht einmal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder einspielte. Auch von der Kritik wurde der Film damals regelrecht in der Luft zerrissen. Ganz anders der Originalfilm, bei dem sich die damaligen Kritiker mit Lob überschlugen.

Auf Messers Schneide (The Razor’s Edge). Regie: Edmund Goulding, Drehbuch: Lamar Trotti, Produktion: Darryl F. Zanuck, Darsteller: Tyrone Power, Gene Tierney, Clifford Webb, Herbert Marshall, Ann Baxter. USA 1946, 145 Min.

 

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US-Filmplakat von „La Residencia“

Ende der 60er Jahre wollte die spanische Filmindustrie hoch hinaus. Mit dem Horrorstreifen „La Residencia“ verfolgte man den Plan, auf dem internationalen Filmmarkt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bis dahin waren spanische Filme vor allem für das einheimische Publikum produziert worden. Mit „La Residencia“ sollte sich dies ändern.

Aus diesem Grunde ließ man sich für die Produktion auch Zeit. Beinahe sechs Monate dauerten die Dreharbeiten. Und der Erfolg? Während man in Europa und in Südamerika durchaus positive Resultate erzielen konnte, wurde der Film in den USA, wo er – wie jeder europäische Horrorfilm – von American International Pictures vertrieben wurde, ein Flop.

In Deutschland lief „La Residencia“ unter dem Titel „Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat“ und war dadurch vor allem an die Bahnhofskinos gekettet. Der englische Verleihtitel lautet „The House that screamed“. Bis heute gilt der von Narciso Ibáñez Serrador gedrehte Film als ein Meilenstein in der Geschichte des spanischen Films. Davor hatte Serrador nur für das Fernsehen gearbeitet.

„La Residencia“ spielt im 19. Jahrhundert. Die 19jährige Teresa kommt in ein abgelegenes Mädchenpensionat und muss bald feststellten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Bisher sind drei junge Frauen spurlos verschwunden. Das Pensionat wird von der sadistischen Señora Fourneau geleitet, die zusammen mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt. Als es Teresa in dem Heim nicht mehr länger aushält, versucht sie zu fliehen …

Serradors Film beeinflusste viele spätere Horrorfilme, so u. a. auch Dario Argentos „Suspiria“ (1978). Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der die Mädchen Tanzunterricht haben. Argento übernahm diese Szene beinahe eins zu eins, sodass man sich in der Rolle der Señora Fourneau (gespielt von Lilli Palma) nur Alida Valli vorstellen muss, um auf Argentos Meisterwerk zu kommen. Aber auch die spezielle Optik, die „La Residencia“ aufweist, findet sich in „Suspiria“ wieder.

Italienisches Filmplakat

Nicht zuletzt beeinflusste der spanische Film auch die koreanische Horrorfilm-Reihe „Yeogogoedam dubeonchae iyagi“ (Geistergeschichten aus der Schule), von der leider nur „Memento Mori“ (1999) und „Wishing Stairs“ (2003) in Deutschland erschienen sind. Vor allem im ersten Film dieser außergewöhnlichen Filmreihe „Whispering Corridors“ (1998) macht sich der Einfluss bemerkbar. Die beiden letzten Filme lauten „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009).

In „La Residencia“ wollte man alles richtig machen. Stimmte bei einer Szene auch nur eine Kleinigkeit nicht, so wurde sie komplett neu gedreht. Dabei beherrscht vor allem die deutsche Schauspielerin Lilli Palmer die Szenerie. Sie geht vollkommen in ihrer Rolle auf und sorgt dabei für eine gehörige Portion Beklemmung, welche den gesamten Film durchzieht. Doch war Regisseur Serrador im Ganzen seiner Zeit voraus. Als Beispiel seien hier die Death Scenes genannt, in denen Serrador eine radikale Zeitlupe verwendet, die er bis zum Stillstand der Bilder vorantreibt. In einem anderen Zusammenhang verwendete Peter Fonda diese Technik 1971 für seinen Western „Der lange Ritt“.

„La Residencia“ vermischt dabei unterschiedliche Stile des Trash-Films. Vom Gothic-Horror mit vielen unheimlichen Momenten ausgehend, gelingt es ihm mühelos in das Sexploitation-Genre überzugehen, wenn Señora Fourneau eine der jungen Frauen von drei anderen Schülerinnen auspeitschen lässt. Auf dieser Ebene nimmt der Film bereits alles vorweg, was dann in der berühmten Schmuddelfilm-Ära auf der Leinwand erscheinen sollte.

Damit das Projekt auch gelingen konnte, wurde es teilweise von der spanischen Regierung mitfinanziert. Die Ironie dabei: der Film kritisiert indirekt Francos Regime, was anscheinend von den Geldgebern nicht bemerkt wurde. Doch unabhängig davon ist „La Residencia“ einer der Horrorfilme, die man gesehen haben muss.

Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat (La Residencia). Regie u. Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador, Produktion: Arturo Gonzales, Darsteller: Lilli Palmer, Cristina Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude, Candida Losada. Spanien 1969, 104 Min.

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Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

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Besonders in den 50er Jahren war das Personalpronomen „It“ in den Filmtiteln recht beliebt. Es stand schlicht und ergreifend für das Andere, das Nicht-Weltliche und damit für eine überaus fremdartige Bedrohung. Das Wörtchen it wurde danach seltener, doch gelegentlich tauchte es wieder auf. Im folgenden haben wir daher eine kleine Liste mit den entsprechenden Filmen aufgestellt:

It came from Outer Space (1953) ist nicht nur ein Filmklassiker, sondern wurde zudem in 3D gedreht. Die damalige 3D-Welle sollte – nicht weniger wie heute – die Zuschauer wieder zurück in die Kinos bringen, die ab den 50er Jahren lieber vor dem Fernseher saßen. Parallel dazu wurde für denselben Zweck auch Cinemascope entwickelt. Jack Arnolds SF-Thriller nimmt zudem die Idee von „Invasion der Körperfresser“ vorweg: Bizarre Außerirdische übernehmen menschliche Körper. Also Paranoia-Kino pur. Das Monster mit dem Glotzauge ist rasch zum Bestandteil der Popkultur geworden. Für das Drehbuch war übrigens der amerikanische SF-Autor Ray Bradbury verantwortlich.

It came from beneath the Sea (1955) hatte den einzigen Zweck, um auf die Zuschauer ein Effektgewitter loszulassen. Ein Riesenkrake greift San Francisco an – und natürlich muss mal wieder die Golden Gate Bridge dran glauben. Ray Harryhausen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, ging es doch darum, einem achtarmigen Riesenoktopus Leben einzuhauchen. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch sehen, ein gelungener und spannender SF-Horror-Monster-Film, der die Stop Motion-Technik voll zur Geltung bringt. Später bezeichnete Harryhausen seine für die Großleinwand kreierten Effekte als Dynamation. Ab den 80er Jahren jedoch erhielt er immer weniger Aufträge, da er seine eigene Technik nicht weiter entwickelte, während andere Firmen bereits mit Computereffekten arbeiteten.

It conquered the World (1956) ist ein typischer Roger Corman Film. Corman, der in seiner gesamten Karriere als Regisseur und Produzent nur zwei Flops hinlegte, erzählt darin die Geschichte von einem Monster von der Venus, das auf der Erde landet, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei macht es sich einen Wissenschaftler zunutze, der glaubt, dass das Monster der Welt Frieden bringen wird. Das rettichartige Ungetüm mit Augen und spitzen Zähnen hat Kultcharakter. In England war der Film zunächst nur für Erwachsene zugelassen, da man das Abfackeln des Monsters unter den Aspekt der Tierquälerei betrachtete. Man sieht, nicht nur unsere deutschen Behörden haben einen an der Waffel. Der Film zählt zu den besten Produktionen aus dem Hause Corman.

From Hell it came (1957) dürfte eine der wohl originellsten Handlungen besitzen. Der Prinz eines Südsee-Stammes erhält die Todesstrafe, nachdem er einen Mann ermordet haben soll. Seine Leiche wird in einem hohlen Baumstamm gelegt und begraben. In der Nähe führen Wissenschaftler Experimente mit radioaktiven Elementen durch. Die Radioaktivität erweckt den Prinzen wieder zum Leben – als wandelnden Baumstamm. „From Hell it came“ zählt zu den schlechtesten Filmen der Filmgeschichte. Allerdings ist der Film so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wer auf Baumstämme steht, die kreischende Bikini-Frauen herumschleppen, ist hier genau richtig – Schlammcatchen inklusive.

It! The Terror from Beyond Space (1958) handelt von einer Marsexpedition im Jahr 1973, die eine verschollene Gruppe Wissenschaftler auf dem Roten Planeten aufspüren soll. Tatsächlich finden sie einen Überlebenden. Doch dieser faselt ständig etwas von einem Monster, das auf dem Mars sein Unwesen treibt. Erst glaubt ihm niemand. Doch dann? Genau, dann bekommt einer nach dem anderen eines auf die Mütze. Neben „Planet der Vampire“ gilt auch dieser Film als Inspirationsquelle für Ridley Scotts „Alien“. „It!“ ist ein durchweg spannender Film und das Monster genial in Szene gesetzt.

It (1990) lautet die erste Adaption von Stephen Kings Klassiker. Der zweiteilige TV-Film hätte eigentlich von George A. Romero gedreht werden und Tobe Hooper hätte das Drehbuch schreiben sollen. Doch wurde leider daraus nichts. Stattdessen übernahm Tommy Lee Wallace, der mit „Halloween 2“ sein Debut gefeiert hatte, die Regie und schrieb auch am Drehbuch mit. Mit fast 30 Millionen Zuschauern wurde „It“ zu einem der größten Erfolge der TV-Geschichte. Dies vor allem auch durch Tim Currys Darstellung von Pennywise. Stephen King selbst war von der Adaption begeistert. 1991 erhielt „It“ den Prime Time Emmy Award.

It Follows (2014) übernahm wieder das Pronomen aus den SF-Horror-Filmen der 50er Jahre. Das Debut von Regisseur David Robert Mitchell handelt von einem unheimlichen Wesen, das Jugendliche verfolgt. Erst wenn sie mit einer anderen Person Sex haben, wird der „Fluch“ auf jemand anderen übertragen. „It Follows“ ist vor allem ein gut gemachter Zitatenschatz, der von „Halloween“ bis zu „Ring“ reicht. Die einfache Handlung ist dicht und spannend umgesetzt, wobei die Musik nicht weniger interessant ist und sich irgendwie an Dario Argentos Hausband Goblin orientiert. Die Low Budget-Produktion wurde ein Riesenerfolg. Leider wird zurzeit an einem zweiten Teil gebastelt, der wahrscheinlich wieder alles vermasselt.

It (2017) ist die zweite Adaption von Stephen Kings Roman. Schon jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2017. Allerdings wurde nur die erste Hälfte des Romans verfilmt. Die zweite Hälfte soll angeblich 2018 in die Kinos kommen. Irgendwie hat die Neuverfilmung anscheinend den Zahn der Zeit getroffen. Nur so ist der Erfolg zu erklären. Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr, dass Horror längst zum Mainstream gehört, auch wenn unsere Pädagogen noch immer dagegen angehen. Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber das Plakat sieht nicht schlecht aus 😀 .

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Das Kinoerlebnis in den 80er Jahren war vor allem geprägt durch die Eiswerbung, die kurz vor dem Film lief. Untermalt von dem Song „Like Ice in the Sunhshine“ von  Beagle Music Ltd. wurde die Werbung rasch zum Kult und zum Wahrzeichen der Spaßgesellschaft. Und dennoch steckte das Kino damals wieder einmal in der Krise.

Der Video-Boom führte dazu, dass die Leute Filme lieber in ihren eigenen vier Wänden ansahen, als ins Kino zu gehen. Die sog. Direct-to-Video-Produktionen kamen auf. Das Kino musste reagieren. Und wie? – Und wie! Denn in den 80er Jahren wurde Trash zum Mainstream erklärt. Die großen Studios produzierten Filme, die nach denselben Konzepten wie diejenigen von Roger Corman funktionierten, nur waren sie eben besser. Der Grund dafür ist ganz einfach: ein viel größeres Budget.

Corman und seinen Kollegen wurde dadurch der Markt weggeschnappt. Doch erfanden sich Corman und Co. neu, indem sie auf den damals boomenden Videomarkt auswichen. Die Folge: eine Flut an Horrorfilmen, welche Pädagogen und unsere bekannte Zensurstelle FSK zum Schwitzen brachten.

Der deutsche Film konnte da nicht mithalten und geriet in eine lang anhaltende Krise. Gedreht wurden allerhöchstens Filme wie „Otto – Der Film“ oder „Die Supernasen“, womit sich Deutschland in Sachen Filmkunst international ganz weit hinten anstellen musste.

Normalerweise stellen wir in unserer Reihe „Double Feature“ jeweils zwei Filme vor, von denen wir glauben, dass  sie das jeweilige Jahrzehnt besonders gut abbilden. Bei den 80er Jahren ist dies unmöglich, da dieses Jahrzehnt so viele prägende Filme hervorgebracht hat, dass man dieser einzigartigen Hochphase der Popkultur mit nur zwei Filmen einfach nicht gerecht wird. Daher haben wir von verschiedenen Genres jeweils zwei Filme genommen: Action, Science Fiction, Fantasy, Horror, Liebesfilm/Drama. – Viel Spaß dabei! 🙂

Actionfilme der 80er

In Sachen Action kamen in den 80er Jahren durch den Erfolg von „Rambo“ (1982) die Militär-Actionfilme auf, von denen sicherlich „Missing in Action“ mit Chuck Norris am dümmsten abschnitt. Parallel dazu wurde eine Vielzahl von Polizei-Filmen produziert (weißer Einzelgänger mit schwarzem Kollegen), mal als Komödie, mal als Drama und mal als Mischung aus allem. Ab 1981 entwickelte sich aber auch eine Mischung aus Fantasy- und Abenteuerfilmen, von denen die „Indian Jones“-Filme am bekanntesten sind. Harrison Ford spielte den Helden und suchte in seinem ersten Abenteuer „Jäger des verlorenen Schatzes“ (1981) nach der Bundeslade. Mit vielen Effekten, viel Humor und jeder Menge Action wurde der Film zum absoluten Hit, auch wenn Steven Spielberg noch ein Jahr warten musste, bis er den Zenit seines Erfolgs als Regisseur erreichen sollte.

Und ja, in den 80er Jahren konnte man auch ohne weiteres einen Film übers Armdrücken drehen. „Over the Top“ (1987) hätte man vielleicht eher „Over the Flop“ bezeichnen sollen, denn das Sport-Trucker-Familiendrama, basierend auf einem Drehbuch von Sylvester Stallone, wollte nicht jeder sehen. Heute zählt der Film zu den Trash-Klassikern, damals jedoch begannen Cannon Films damit, ihr eigenes Grab zu schaufeln und gingen wenige Jahre später pleite. Aber grunzende, Schweiß triefende Männer in Unterhemden waren nun einmal nicht jedermanns Sache – obwohl sie ebenfalls ein typisches Merkmal der Actionfilme der 80er Jahre waren.

Science Fiction-Filme der 80er

Natürlich beherrschten die „Star Wars“-Filme die erste Hälfte der 80er Jahre. Doch die SF-Fantasy-Horror-Welle, welche das Jahrzehnt bestimmte, brachte noch viele andere sehenswerte Filme heraus. So versuchte sich John Carpenter 1982 an einer Neuverfilmung von „Das Ding“ und landete einen Flop. Damals galt das Remake, das Carpenter nicht als Remake verstanden wissen wollte, als der brutalste Film überhaupt. Die mechanischen Puppeneffekte sind grandios und die Story orientiert sich stärker an der literarischen Vorlage „Who goes there?“ von John W. Campbell als der Klassiker aus dem Jahr 1951.

Das Gegenstück zu „Das Ding“ schuf Steven Spielberg mit „E.T.“ (1982). Kein bluttriefender Gestaltwandler, sondern ein kleines, hässliches Knuddelalien strandet auf der Erde und will – wer kann es ihm verdenken – so schnell wie möglich wieder nachhause. Der Film zählt nicht nur zu den erfolgreichsten Filmen der Filmgeschichte, sondern ebnete Spielberg endgültig den Weg zum Podest der wichtigsten Regisseure Hollywoods. Seitdem darf in jedem Film, der in den 80er Jahren spielt, das BMX-Rad nicht fehlen. Drew Barrymore, die die kleine Gertie spielte, ist heute selbst Filmproduzentin und finanzierte u. a. „Donnie Darko“.

Fantasy-Filme der 80er

Mit dem Film „Krull“ (1983) hoffte Regisseur Peter Yates aufgrund der Fantasywelle zu punkten, landete aber einen gewaltigen Flop. Heute zählt der Film zu den Klassikern des Fantasy-Genres, damals aber wollte ihn kaum einer sehen. Trotz toller Effekte, konzentrierte sich Yates nicht auf ein reines Actionspektakel, sondern viel mehr darauf, eine durchgängig spannende Story zu kreieren. Irgendwie zwischen „Star Wars“ und „Excalibur“ angesiedelt, verbindet der Film gekonnt beide Genres miteinander. In einer Nebenrolle darf auch Liam Neeson mitspielen – ein bisschen mehr, als ihm zwei Jahre zuvor in „Excalibur“ zugestanden wurde.

Wieso wurden in den 80er Jahren so viele Fantasyfilme gedreht, wenn doch die Mehrzahl davon floppte? So auch „Legend“ (1985) von Ridley Scott. Der Film floppte nicht nur, sondern Scott und sein Team brachten es sogar fertig, die berühmten Pinewood Studios, in denen der Film gedreht wurde, abzufackeln. Stellenweise ist der Film unglaublich kitschig, an anderen Stellen aber schuf Scott eine wunderbare düstere Fantasy-Horror-Mischung, die immer wieder fasziniert. Tragend hierbei ist natürlich Tim Curry als Herr der Finsternis. Tom Cruise dagegen wirkte in der Rolle als Jack ziemlich belämmert.

Horrorfilme der 80er

Die 80er Jahre waren das Jahrzehnt der Splatter- und Slasher-Filme. Besonders ins Visier unserer Zensur- bzw. FSK-Stelle geriet „Tanz der Teufel“ (1981). Die Mischung aus Horror und Slapstick führte in Deutschland dazu, dass Sam Raimis Debut beschlagnahmt wurde. Erst 2017 wurde diese aufgehoben. Fünf Freunde verbringen eine Nacht in einer einsam gelegenen Hütte und werden dabei von Dämonen überfallen. So einfach und so genial funktionieren eben nur Horrorfilme. Besonders originell an dem Film ist die Kameraführung, die „Tanz der Teufel“ fast schon zu einer Art „Handbuch“ für angehende Kameraleute werden lässt. Denn darin findet man nicht nur jede Einstellung, die es überhaupt gibt, sondern zulgeich eine grandiose Experimentierfreude. Die deutschen Behörden verstanden den Film dennoch nicht und machten sich zudem auch international lächerlich, indem sie darüber diskutierten, ob Zombies nun Menschen seien oder nicht.

Was wären die 80er Jahre ohne Freddy? Freddy Krüger gehört inzwischen ebenso zum festen Bestandteil der Popkultur wie seine Kollegen Jason oder Michael Meyers. Einen hässlichen Ringelpullover, Klingenhandschuhe und einen fransigen Hut, und fertig war eine der berühmtesten Horrorfiguren. Darsteller Robert Englund, der bis dahin nur in Nebenrollen zu sehen gewesen war, wurde dadurch über Nacht berühmt. Wes Craven, der u. a. Psychologie studiert hatte, brachte mit „Nightmare on Elmstreet“ (1984) die Thematik des Horrorgenres auf den Punkt: Albträume. Für Johnny Depp war dies die erste Rolle – sein filmischer Abgang in der berühmten Bettszene stellt eine gewitzte Parodie auf Kubricks „Shining“ dar.

Liebesfilme und Dramen der 80er

Frankreich brachte in den 80er Jahren nicht nur Actionfilme auf den Markt, sondern auch die eine oder andere Komödie. Eine der berühmtesten Liebeskomödien ist „La Boum – Die Fete“ (1980), die Sophie Marceau mit nur 13 Jahren zum internationalen Star machte. Der Song „Reality“ wird auch heute noch im Radio gespielt und hat nichts von seiner Ohrwurmqualität eingebüßt. Apropos Ohrwurm, der Film machte den Walkman zum Verkaufsschlager. Und zugleich führte der Film nicht nur zu einer Fortsetzung, sondern zu einer ganzen Reihe ähnlich gestrickter Teenager-Komödien, welche ein zentraler Aspekt der 80er Jahre waren.

Wer wie ich in einer Kleinstadt mit nur einem Kino aufwuchs, der hat sich wahrscheinlich genauso geärgert, als 1987 wochenlang eben dieses eine Kino von nur einem Film blockiert wurde: „Dirty Dancing“ (1987). Damals ging absolut nichts mehr, alle anderen Filme konnte man sich praktisch selbst malen. Patrick Swayze machte dieser Film zum Star. Davor kämpfte er in der TV-Serie „Fackeln im Sturm“ mit. Niemand weiß eigentlich, wieso „Dirty Dancing“ solch ein Erfolg wurde. Dem hauptsächlich weiblichem Publikum hat der Film gefallen – niemand hatte anscheinend gewusst, dass Swayze seit Mitte der 70er verheiratet gewesen war. Als ich den Film dann später im Fernsehen sah, fand ich ihn auch nicht so schlecht wie befürchtet, aber ein Knaller war er auch nicht.

 

 

 

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Einmal gegrilltes Huhn bitte; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Wenn es einen Regisseur gibt, der mit dem Phantastischen Film eng verbunden ist, so ist dies Ishiro Honda. Auf sein Konto geht nicht nur „Godzilla“, sondern auch jede Menge weiterer Monsterfilme, die das Image des japanischen Films (neben den Werken Akira Kurosawas) im Ausland prägten.

1957 drehte Honda den SF-Film „Weltraumbestien“, den Kritiker gelegentlich als die japanische Version von „Krieg der Welten“ bezeichnen. In Hondas Film als auch in der berühmten Adaption von H. G. Wells‘ Klassiker geht es um eine Invasion vom Mars. Nur, dass sich die Hintergründe der Invasion in „Weltraumbestien“ ein wenig komplexer gestalten.

Originalplakat von „Weltraumbestien“

Denn in diesem Film stammen die außerirdischen Invasoren von einem Asteroiden namens Mysteroid, der einst Teil eines Planeten gewesen sein soll. Von dort seien die Außerirdischen auf den Mars geflohen und wollen nun die Erde besetzen. Das alles beginnt mit einem sonderbaren Waldbrand, der bereits das erste Anzeichen der Landung der Mysteroiden ist. Kurz darauf greift ein Riesenroboter eine kleine Stadt an. Während das Militär vergeblich gegen die Invasoren kämpft, versucht eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, eine Waffe zu entwickeln, die gegen die überlegene Technik der Außerirdischen doch noch etwas bewirken kann …

„Weltraumbestien“ weist in allererster Linie eine hervorragende Optik auf. Auch wenn aus heutiger Sicht der Roboter ziemlich trashig wirkt, so ist die riesige Kampfmaschine dennoch genial in Szene gesetzt. Doch bleibt es nicht allein bei dem Angriff der gewaltigen Maschine, sondern es kommt zu Erdbeben und Überflutungen – und nicht zuletzt ist da der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die Außerirdischen.

Aber das ist … das ist doch … 🙂 ; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Es ist also mächtig was los in dem Film, der, ähnlich wie in „Godzilla“, die Verzweiflung und die Tragik der Katastrophe hervorhebt, was „Weltraumbestien“ recht düster und ernst erscheinen lässt. Man sieht, dass hier die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet wurden. Die Bilder der fliehenden Bewohner der Stadt erscheinen beinahe wie aus einer Wochenschau.

US-Plakat von „Weltraumbestien“

Diesem Realismus gegenüber stehen die detailverliebten Spezialeffekte sowie der geniale Trash-Faktor des Films, der sich z.B. bei der Entführung der Frauen bemerkbar macht, da die Außerirdischen sich mit ihnen paaren wollen, um den zunehmenden Mutationen entgegenzuwirken. So steht plötzlich einer der fremden Besucher im Garten, schnappt sich die Frau und zieht sie mit sich hoch in das im Himmel schwebende UFO, was ungefähr so aussieht, als würde ein verkleideter Ken auf einem unsichbaren Seil Barbie in die Höhe ziehen. Immerhin handelt es sich bei der Darstellerin um Momoko Kochi, die durch ihre Rolle in Hondas „Godzilla“ weltberühmt wurde.

Auf jeden Fall ist „Weltraumbestien“ ein durch und durch sehenswerter Film, bei dem einem aufgrund seines Lärmpegels nur so die Ohren dröhnen. Während der Film in Japan ein großer Erfolg war, wollte sich dieser im Ausland und vor allem in den USA leider nicht einstellen.

Weltraumbestien (OT: Chikyū Bōeigun). Regie: Ishiro Honda, Drehbuch: Takeshi Kimura, Produktion: Tomoyuki Tanaka, Darsteller: Kenji Sahara, Yumi Shirakawa, Momoko Kochi, Akihito Hirata, Takashi Shimura. Japan 1957, 89 Min.

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Fay Wray (1907 – 2004)

Das Horrorgenre begleitet die Geschichte des Films seit dessen Anfängen. Schon immer liebten es die Zuschauer, sich zu gruseln. Was zunächst auf Jahrmärkten und in kleinen, provisorischen Vorführungssälen begann, entwickelte sich zu einem echten Kassenmagnet in den Kinopalästen der 20er und 30er Jahre. Diese Zeit wird als die goldene Ära Hollywoods bezeichnet, da in dieser Zeitspanne nicht nur ästhetisch hochwertige Filme entstanden,  sondern Hollywood weltweit den Markt beherrschte. Vor allem Deutschland, wo es im Vergleich zum übrigen Europa die meisten Kinos gab, war der Absatzmarkt für Hollywood schlechthin.

In dieser Phase des Golden Hollywood entwickelte sich auch das, was wir heute als Starphänomen bezeichnen. Beim Anblick Rudolph Valentinos, dem damals schönsten Mann der Welt, konnte es schon passieren, dass die eine oder andere Frau vor Entzückung in Ohnmacht fiel. Ähnliches wird von Bela Lugosi berichtet, dessen ungarischer Akzent bei manchen Frauen zu einem Orgasmus geführt haben soll.

Aber das nur so nebenbei. Während Valentino nie in einem Horrorfilm mitwirkte, war Lugosi in den 30er Jahren der Horrorstar schlechthin, neben Lon Chaney, dem Mann mit den tausend Masken, der seine Filmfratzen stets selbst entwarf – so u. a. die berühmte Maske des Phantoms der Oper aus dem gleichnamigen Film (1925), die längst Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Neben den Monstern waren es die Schauspielerinnen, die in der Rangliste der wichtigen Figuren eines Horrorfilms auf Platz zwei kamen. Wichtig vor allem: sie mussten hübsch sein. Und im Tonfilm kam dann noch ein Aspekt hinzu: sie mussten ordentlichen schreien können. Und eine Schauspielerin, die sowohl außerordentlich hübsch war und dazu noch außerordentlich schreien konnte, war Fay Wray (1907 – 2004).

Horrorfilmmarketing der 30er Jahre

Um das Publikum zahlreich in die Kinosäle zu locken, entwickelten die Studios damals fantasiereiche Konzepte, die von Anfang an vermitteln sollten, wie gruselig der Streifen ist, der gerade im Kino lief. So wurde z.B. ein Krankenwagen vor dem Eingang geparkt, mit dem Hinweis, dass Zuschauer, die während des Films in Ohnmacht fallen, schnell in die nächste Klinik gebracht werden können. Eine ähnliche Strategie beinhaltete vermeintliche Krankenschwestern, die im Foyer warteten, um, wie es auf den Plakaten hieß, den Leuten, die durch den Film psychische oder körperliche Probleme davontragen würden, erste Hilfe zu leisten. Ein weiterer beliebter Einfall der Studios war die Aushändigung eines Gutscheins für eine kostenlose Beerdigung, falls man vor Schreck während des Films sterben sollte.

All dies sollte, wie oben bereits bemerkt, die Zuschauer auf ein wahrhaft unheimliches Filmerlebnis einstimmen. Doch war das noch nicht alles. Denn die Leute der Marketingabteilungen engagierten Frauen (sog. Scream Girls), die sich in die Kinosäle setzten und bei bestimmten Szenen laut kreischen sollten. – Der berühmte Trash- und Horrorfilmproduzent William Castle sollte diese Konzepte vor allem in den 50er Jahren weiterentwickeln. Hierbei liefert der Film Matineé, der lose auf der Biographie Castles beruht, einen witzigen Einblick in die damalige Kinowelt.

Fay Wray

Kurz und gut, in dieser Phase wurde Fay Wray zum Star – zum ersten weiblichen Horrorfilmstar. Während ihre Kolleginnen – ähnlich wie heute – das Mitwirken in einem Horrorfilm als eine Art Sprungbrett für eine spätere Karriere betrachteten, so spielte Wray eine Zeit lang hauptsächlich in Horrorfilmen mit. Und wer jetzt noch immer nicht weiß, wer diese Dame war, der wird bestimmt hellhörig, wenn ich den Titel King Kong erwähne.

Fay Wray (1930), wenige Jahre vor ihrem Ruhm als Scream Queen

Geboren am 15. September 1907, spielte sie in den 20er Jahren vor allem Nebenrollen in Western und Dramen, wobei sie jedoch – trotz ihrer Attraktivität – kaum auffiel. Erst Regisseur Erich von Strohheim engagierte sie für die Hauptrolle in seinem Film Der Hochzeitsmarsch (1928). Die Etablierung als Star jedoch scheiterte. Doch dann machte sie die Rolle der Tochter des verrückten Wissenschaftlers Xavier in Doctor X  schlagartig bekannt. Durch die darin häufig vorkommenden Scream Scenes wurde ihr die Bezeichnung Scream Queen verliehen. Was folgte, waren eine Reihe weiterer Horrorfilme, in denen Fay Wray mitwirkte und durch welche sie zu einer Ikone des Horrorfilmgenres wurde.

Fay Wray gehörte zu den Intellektuellen Hollywoods und war bekannt mit diversen bekannten Schriftstellern und Künstlern. Zusammen mit dem berühmten Autor Sinclair Lewis verfasste sie das Theaterstück Angela is Twenty-Two, das 1935 uraufgeführt wurde. Doch was waren das für Filme, in denen sie mitwirkte?

Doctor X

Begonnen hatte alles ein Jahr vor dem Erscheinen des Monsteraffen, genauer gesagt im Jahr 1932, mit dem ersten Kannibalenfilm der Filmgeschichte. Bei der Diskussion über Kannibalismus im Horrorfilm wird gerne übersehen, dass dieses Phänomen nicht erst seit den 70er und 80er Jahren auf der Leinwand in Erscheinung tritt, sondern bereits Anfang der 30er Jahre eine kleine, aber feine Zuwendung erfuhr. Gemeint ist der Klassiker Doctor X.

Michael Curtiz, der später mit Casablanca Weltruhm erlangen sollte, führte bei diesem exzellenten Film Regie. Die Handlung dreht sich um eine Reihe seltsamer Frauenmorde, die jeweils bei Vollmond begangen werden. Der Reporter Lee Taylor möchte hinter das Geheimnis des Mörders kommen, der den Wunden zufolge, welche die Opfer aufweisen, einen Hang zum Kannibalismus aufweist. Die Spur führt in ein Forschungsinstitut, das von einem gewissen Dr. Xavier geleitet wird. Das Besondere daran, er und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Erforschung des Kannibalismus. Hierbei tritt vor allem Dr. Wells in den Focus, der eine Methode entwickelt hat, um Fleisch künstlich herzustellen. Eine weitere Eigenart der Institutsmitarbeiter ist, dass alle nach einem Schiffsunglück gemeinsam auf einem Boot umher getrieben sein sollen, wobei das Gerücht kursiert, sie hätten dabei einen ihrer Kameraden verspeist.

Der unheimliche Mörder geht um; „Doctor X“ (1932); © Universal

Doctor X gehört zu den ersten Farbfilmen jener Zeit und war an den damaligen Kinokassen ein großer Erfolg. Einer der Höhepunkte des Films, in welchem Dr. Xavier mithilfe einer neuartigen Apparatur den wahren Mörder ausfindig machen möchte, ist in Form eines Bühnenspiels gehalten. Michael Curtiz gelang ein schneller, witziger und überaus spannender Film, der später auch im Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show Erwähnung fand. Für Curtiz geht es in dem Film ganz klar darum, den Zuschauer zu erschrecken, auch wenn auf einer zweiten Ebene die Thematik dazu dient, das selbstsüchtige Verhalten von Wissenschaftlern zu kritisieren.

Joan Xavier (Fay Wray) wird von dem Mörder heimgesucht; „Doctor X“ (1932); © Universal

Im Gegensatz zu heutigen Produktionen geht er zwar nicht ans Eingemachte, dafür aber gelingt es ihm, schön-schaurige Bilder zu entwerfen, die es in sich haben. So u. a. die Szene, in welcher der Mörder sein Gesicht mit künstlichem Fleisch beschmiert. Überhaupt kann die Idee eines kannibalisch veranlagten Serienmörders im Hollywood-Kino der 30er Jahre als außergewöhnlich eingestuft werden. Die Thematik erscheint im Vergleich zu den damaligen Horrorfilmen geradezu provokativ. Dennoch beurteilte die Kritik den Streifen wohlmeinend. Mittlerweile zählt Doctor X zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

Und nicht unerwähnt bleiben darf natürlich Fay Wray, die darin Joan Xavier spielt, die Tochter des Forschers Dr. Xavier, die zusammen mit dem eher trotteligen Journalisten versucht, hinter das Geheimnis der Morde zu kommen. Interessant ist, dass es sich bei der Figur nicht um eine Frau handelt, die ständig von einem Mann gerettet werden muss, sondern um eine durchaus emanzipierte Frau, über die zwar ihr Vater „herrscht“, die aber versucht, von dessen Einfluss loszukommen. Mit dieser Rolle symbolisiert sie den Konflikt zwischen Emanzipation und Patriarchat in einer Zeit, in der durch die Frauenbewegung mehr und mehr Frauen Bürojobs übernahmen – es war das Erscheinen der sog. Office Girls, die (zumindest bis zu ihrer Heirat) einer regulären Arbeit nachgingen und dabei versuchten, ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen.

The most dangerous Game/Graf Zaroff – Genie des Bösen (1932)

Der riesige Erfolg von Doctor X führte natürlich zu weiteren Horrorfilmen ähnlicher Machart. Noch im selben Jahr wurde der Film The most dangerous Game produziert, in dem es eine Gruppe Schiffbrüchiger auf eine einsame Insel verschlägt, auf der ein psychopathisch veranlagter Graf residiert, der Jagden veranstaltet, bei denen nicht Tiere, sondern Menschen das Ziel sind.

Wiederum war Fay Wray mit von der Partie, die darin Eve spielt, die es zusammen mit ihrem Bruder Robert auf die Insel verschlagen hat. Gedreht wurde der Film in Farbe, was damals ein Mann namens Ray Harrishausen übernahm, der in den 50er Jahren als Special Effect-Künstler Filmgeschichte schreiben sollte.

Der Schriftsteller Bob Rainsford (Joel McCrea) und Eve Trowbridge (Fay Wray) auf der Flucht; „The most dangerous Game“ (1932); © Universal

Die Rolle der Eve ist weniger emanzipiert als die der Joan aus Doctor X, doch geht es auch weniger um die Figuren als um die Darstellung des krankhaften Hobbys des Grafen in all seinen Facetten. So sieht man in einer Szene die Köpfe der bisher bei der Jagd „erlegten“ Menschen wie Trophäen arrangiert. Das Spiel wird dermaßen erbarmungslos umgesetzt, dass es einem auch heute noch kalt über den Rücken läuft.

The most dangerous Game, der in Deutschland unter dem Titel Graf Zaroff – Genie des Bösen lief, gilt bis heute als ein wegweisender Film, der einige spätere filmische wie literarische Werke beeinflusst hat (Running Man wäre ein solcher Fall) und mehrfach neu verfilmt wurde.

Wer an Insel und Dschungel denkt, denkt zugleich an King Kong. Und in der Tat, der Film wurde parallel zu The most dangerous Game gedreht, wobei Teile der Kulissen wieder verwendet wurden.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933)

Noch vor dem Riesenaffen kam ein weiterer Horrorklassiker in die Kinos: Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts. Auch dieser Film wurde in Farbe gedreht, doch aufgrund einer falschen Handhabe während der Restaurierung gingen die Farben beinahe vollständig verloren. Der Film galt als verschollen, wurde dann aber Ende der 60er Jahre im Haus eines Produzenten entdeckt. Zum Glück, denn dieser Horrorfilm gehört ebenfalls zu den besten, die jemals gedreht wurden.

In diesem Film spielte Fay Wray Charlotte Duncan, die Freundin einer Reporterin, die zusammen in eine Wohnung leben. Ihre Freundin geht einer Reihe sonderbarer Morde nach (Doctor X lässt grüßen), die angeblich im Zusammenhang mit einem ominösen Wachsfigurenmuseum stehen sollen. Als Charlotte das Museum besucht, ist der Besitzer Ivan Igor von ihrer Erscheinung so fasziniert, dass er sie als Vorbild für sein Meisterwerk, der Figur von Marie Antoinette, nimmt. Mit unangenehmen Folgen …

Fay Wray als Charlotte Duncan in einer ihrer berühmten Scream Scenes; „The Mystery of the Wax Museum“ (1933); © Universal

Im Remake aus dem Jahr 1953 spielte Vince Price den Besitzer des Wachsfigurenkabinetts – in Farbe und in 3D, um die Zuschauer von ihren TV-Geräten zurück in die Kinosäle zu locken, die damals starke Rückgänge bei den Besucherzahlen zu vermelden hatten. 1933 besaß das Kino noch das Monopol auf die bewegten Bilder und so strömten die Besucher auch in diesen Film, was ihn letztendlich zu einem weiteren Kassenschlager werden ließ.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts ist ein schneller, spannender Film, voller witziger Dialoge und vieler unheimlicher Momente, der bis heute nichts von seinem großartigen Unterhaltungswert verloren hat. Dem Remake von 1953 folgten zwei weitere Neuverfilmungen aus den 90er Jahren und aus den 00ern, die jedoch nicht einmal ansatzweise an die Großartigkeit des Originals oder dessen genialen Remake aus den 50ern herankommen.

King Kong (1933)

Dieser Film war sowohl Höhepunkt als auch Endpunkt von Fay Wrays Horrorfilmkarriere und ihrer Karriere als Scream Queen. Es ist offensichtlich, dass Wray ihre Darstellung in dem Klassiker der Monsterfilme nicht mehr hätte toppen können. Einzigartig und bis heute unerreicht spielt sie Ann Darrow, ein Opfer der Weltwirtschaftskrise, die durch Zufall einem Filmregisseur begegnet, der in ihr die ideale Besetzung für dessen Meiserstück sein soll: ein Film mit einem echten Ungeheuer.

King Kong wurde schlagartig zum erfolgreichsten Film der 30er Jahre. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion) und trotz Wirtschaftskrise, spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war King Kong einfach riesig.

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten den Film als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden – die Szenen mit Fay Wray in zerrissenem Kleid und Spitzen-BH könnten genauso gut aus unserer Zeit stammen. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Ich glaube, das ist der Beginn einer langen Freundschaft 🙂 . – Fay Wray als Ann Darrow in einer der vielen berühmten Szenen des Films; „King Kong“ (1933); © Universal

Von da an lief King Kong in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake aus dem Jahr 2005 wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

King Kong war keineswegs der erste Dino-Action-Film der Filmgeschichte. Diese Ehre kommt dem Stummfilm The lost World zugute, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Arthur Conan Doyle aus dem Jahr 1925. Dasselbe Special-Effect-Team sollte acht Jahre später den Ungeheuern in Coopers Film Leben einhauchen, was dazu führte, dass King Kong um ein paar tausend Dollar günstiger wurde als The lost World, da man die Dinofiguren aus dem Stummfilm nochmals verwertete.

Durch King Kong wurde Fay Wray endgültig zur Ikone des Horrorfilms. Ihre Bezeichnung als Scream Queen macht der Film in einem witzigen Selbstbezug alle Ehre, indem der Regisseur an Bord der Schiffes mit  ihr den richtigen Schrei übt.

Und danach?

Fay Wray selbst spielte danach nicht mehr in Horrorfilmen mit, sondern verlegte sich auf Komödien, bevor sie ab Mitte der 50er Jahre in verschiedenen TV-Produktionen mitspielte. Ihr Vermächtnis bleibt in Form des Begriffs Scream Queen weiterhin bestehen, mit dem immer wieder kreischende Horrorfilm-Darstellerinnen gekürt werden. Eine der bekanntesten ist Jamie Lee Curtis, die seit ihrem Debut in Halloween (1978) bis Ende der 90er Jahre immer wieder in Horrorfilmen zu sehen war. Nachdem sich Fay Wray Ende der 60er komplett ins Privatleben zurückgezogen hatte, wollte Peter Jackson sie nochmals für eine kleine Rolle in seinem King Kong-Remake engagieren. Doch Fay Wray starb kurz davor am 8. August 2004 im Alter von 97 Jahren.

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