Posts Tagged ‘Filmklassiker’

Normalerweise geht man nicht ins Kino, um Nasenbluten zu bekommen. Aber genau das geschah anno 1974, als der Katastrophenfilm „Earthquake“ in die Kinos kam. Für den Film entwickelten die Macher ein spezielles Soundsystem, welches das Dröhnen und Grollen des Erdbebens effektvoll herüberbringen sollte. Die Schwingungen, die diese Geräuschkulisse verursachte, löste jedoch bei vielen Zuschauern das oben genannte Symptom aus.

Also wurde am Sound gebastelt, damit die Schwingungen nicht ganz so extrem waren. Manche Kinos setzten weitere Gimmicks ein, so z.B. wackelten die Sitze bei den jeweiligen Katastrophenszenen. All das führte zu einem bis dahin noch nie dagewesenen Filmerlebnis. Bis heute zählt „Earthquake“ zu den bekanntesten und erfolgreichsten Katastrophenfilmen.

Es geht dabei um „The Big One“, das heißt um das in Los Angeles erwartete Mega-Erdbeben, das zur Zerstörung der ganzen Stadt führen könnte. Bauingenieur Stewart Graff steht kurz vor dem Ziel seiner Karriere: Präsident eines angesehenen, international agierenden Architekturbüros zu werden. Doch hat er Probleme mit seiner alkoholkranken Frau und dummerweise ist diese zugleich die Tochter seines Chefs.

Geschickt fedelt der Film dabei die nahende Katastrophe ein. Gleich beim Beginn des Films, als Graff mit seiner Frau fast schon im Tennessee Williamsschen Sinne streitet, kommt es zu den ersten, wenn auch leichten Erdstößen. Während der Alltag seinen Lauf nimmt, werden die Beben von Mal zu Mal stärker, bis schließlich die Katastrophe hereinbricht.

„Earthquake“ kann es auch heute noch mit aktuellen Katastrophenfilmen aufnehmen. Die Spezialeffekte (alles handgemacht) sind heute nicht weniger beeindruckend als damals. Einstürzende Hochhäuser und Brücken – alles sieht unglaublich echt aus. Auch dann, wenn die Handlung in der zerstörten Stadt weitergeht, wirken die Kulissen bedrückend, ja geradezu bedrohlich.

Regisseur Mark Robson spielte jedoch nicht nur die Spezialeffekte als Trumpfkarten aus, sondern geizte auch nicht bei der Besetzung. Charlton Heston als Architekt Graff und Ava Gardner als seine eifersüchtige Ehefrau verleihen dem Film noch ein zusätzliches Niveau. Selbst bei den Nebenrollen überließ Robson nichts dem Zufall. Ex-Bonanza-Chef Lorne Greene als Graffs Chef, Shaft-Darsteller Richard Roundtree als Stuntman oder Blacksploitation-Ikone Victoria Principal als dessen Freundin überzeugen auf ganzer Linie. Als kleiner Gag spielte auch Walter Matthau als Betrunkener in einer Bar mit. Im Nachspann ließ er sich allerdings Walter Matuschanskayasky nennen.

Der Erfolg des Films war enorm: Einem Budget von sieben Millionen Dollar standen Einnahmen von 85 Millionen Dollar gegenüber. Das Drehbuch verfasste „Der Pate“-Autor Mario Puzo. Allerdings erwies sich die von ihm gestaltete Handlung als zu komplex, sodass George Fox das Drehbuch nochmals umschrieb. Dennoch erweist sich die Handlung gegenüber anderen Katastrophenfilmen schon allein aufgrund der vielschichtigen Figuren als differenzierter und interessanter. Eben ein Klassiker der Filmgeschichte.

Erdbeben (Earthquake). Regie u. Produktion: Mark Robson, Drehbuch: Mario Puzo, George Fox, Darsteller: Charlton Heston, Ava Gardner, Lorne Greene, Genevieve Bujold, Richard Roundtree, Barry Sullivan, Victoria Principal. USA 1974, 117 Min. 

 

 

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Nachdem Regisseur Michael Cimono (1939 – 2016) mit dem Western „Heaven’s Gate“ (1980) einen der größten Flops der Filmgeschichte abgeliefert hatte, der dazu führte, dass die pleite gegangene United Artists an MGM verkauft wurde, hatte er Schwierigkeiten, Gelder für neue Projekte zu erhalten. Doch Mitte der 80er Jahre konnte er den bekannten Filmproduzenten Dino de Laurentis für seine neueste Arbeit gewinnen: „Das Jahr des Drachen“, ein Film, der damals umstritten war, heute aber zu den Klassikern nicht nur der 80er Jahre, sondern auch des Kriminalfilms zählt.

Es geht darin um den neuen Polizeichef Stanley White, der nach Chinatown versetzt wird, wo sich zwei Clans bis aufs Blut bekämpfen. White möchte dem ein Ende setzen und legt sich mit den Bossen der chinesischen Mafia an, allen voran mit dem jungen Gangster Joey Tai, der riesige Mengen Kokain nach New York schmuggeln möchte.

Damalige Kritiker unterstellten dem Film eine rassistische Darstellungsweise, was u.a. dazu führte, dass sinoamerikanische Vereinigungen gegen den Film protestierten. Die Verwaltung von Chinatown befürchtete zudem, dass aufgrund der negativen Darstellungsweise des New Yorker Stadtteils die Touristenzahlen drastisch zurückgehen würden.

Damals wie heute war bei solchen Themen mehr Hysterie als sonst etwas im Gange, denn die Frage lautet, wieso ein Film rassistisch sein soll, wenn er sich mit der in Chinatown ansässigen chinesischen Mafia beschäftigt. „Das Jahr des Drachen“ zeigt die Brutalität der Gangster und setzt diese der Brutalität Stanley Whites gegenüber, der als Einzelkämpfer für Recht und Ordnung sorgt. Von Rassismus keine Spur.

Als Großstadt-Thriller konzipiert, arbeitet er mit Elementen des Neo-Noir, die er mit den Merkmalen des modernen Gangsterfilms verbindet. Später sollte Ridley Scott eine ganz ähnliche Geschichte mit „Black Rain“ auf die Leinwand bringen. Cimono konzentriert sich in seinem Film auf die Charakterisierung der beiden Kontrahenten Joey Tai und Stanley White, wobei er beiden Figuren eine interessante Tiefe verleiht und ihnen gleichzeitig nichts schenkt.

Der Konflikt wird knallhart ausgetragen, die actionreiche Handlung nimmt dabei klare dramatische Züge an, die dem Film eine zusätzliche Wucht verleihen. Bei allem dominiert eine wunderbare Optik, die „Das Jahr des Drachen“ fast schon zu einem cineastischen Rausch werden lässt. Dies führt dazu, dass einem der Film gleich von Anfang an in seinen Bann schlägt.

Hinzu kommt natürlich die spannende Story, die ohne Kompromisse voranschreitet und in einem äußerst intensiven Höhepunkt kumuliert, der seinesgleichen sucht. 2015 erhielt der Regisseur beim Filmfestspiel von Locarno den Ehrenleopard für sein Lebenswerk.

Das Jahr des Drachen (Year of the Dragon). Regie: Michael Cimono, Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimono, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Dennis Dun, Victor Wong. USA 1985, 134 Min.

 

 

 

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Eigentlich ist jeder Film von Harold Lloyd einzigartig. In dieser Hinsicht fällt es wirklich schwer, eine Entscheidung zu treffen, welcher Film sein bester ist. Natürlich gibt es da „Ausgerechnet Wolkenkratzer!“ (Safety Last) aus dem Jahr 1923, der eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte beinhaltet, oder „Why Worry“ (1925), ebenfalls einer seiner besten Filme, eine Mischung aus Komödie und Politsatire.

Bei seinen Tonfilmen zählt „Movie Crazy“ (Filmverrückt) zu den besten Produktionen. In der Komödie um Harold Hall, der bei seinen Eltern lebt, überaus tollpatschig ist und von einer Karriere in Hollywood träumt, reiht sich ein Gag an den anderen. Eines Tages beschließt Hall, auf die Annonce eines Filmstudios in der Zeitung zu antworten und schickt dem Filmproduzenten O’Brian ein Bewerbungsschreiben mit Foto – nur, dass er aus Versehen nicht sein eigenes Foto in den Brief steckt, sondern das eines Schauspielers.

Prompt wird Hall wegen seines guten Aussehens zu Probeaufnahmen eingeladen. Und da fängt das Chaos schon an. Denn kaum hat Hall das Büro des Produzenten betreten, scheucht dieser  ihn auch schon wieder hinaus, da Hall so gar nicht nach dem Schauspieler auf dem Foto aussieht. Hall gerät dabei von einem Schlamassel ins nächste. Er sorgt für Wirbel bei einer Filmaufnahme, trifft die bekannte Schauspielerin Mary Sears, deren Auto er halb zerstört, und bekommt es dann auch noch mit Marys Liebhaber zu tun.

Höhepunkt des Films ist schließlich Halls vermeintliche Einladung zu einem Filmball, in dem er mächtig für Trubel sorgt, hat er doch aus Versehen das Jackett eines Zauberers angezogen. Und dann ist da natürlich auch noch das Finale, indem Hall in die Schlüsselszene eines Films hineinplatzt und sich einen Kampf mit Marys Liebhaber liefert, wobei die ganzen Kulissen zerstört werden.

„Movie Crazy“ ist ein wahres Meisterwerk in Sachen Komödie. Die rasante Handlung gleitet temporeich voran, und stets dann, wenn man glaubt, dass dem Film die Puste auszugehen droht, setzt Harold Lloyd noch eins oben drauf. Dabei besitzt „Filmverrückt“, wie der Verleihtitel in Deutschland lautete, durchaus autobiographische Züge. Auch Harold Lloyd hatte große Schwierigkeiten, ins Filmgeschäft zu kommen, und nur mit einem Trick (er maskierte sich als schwarzer Statist) konnt er überhaupt das Filmgelände betreten.

Auf diese Weise scheint es, als wäre „Movie Crazy“ Lloyds Abrechnung mit Hollywood: der herrschsüchtige Produzent, die Diva, der Star, der sich als arroganter Wichtigtuer und Alkoholiker entpuppt. Aber dann gibt es auch die andere Seite: die bekannte Schauspielerin, die sich insgeheim nach einem normalen Leben sehnt und von Halls schlichtem Verhalten so sehr fasziniert ist, dass sie sich in ihn verliebt.

Wenn man daher noch keinen Film von Harold Lloyd gesehen hat, so sollte man mit „Movie Crazy“ beginnen. Das rasante Tempo, der Witz und nicht zuletzt die spannende Handlung machen den Film immer wieder von neuem zu einem wahren Vergnügen.

Movie Crazy. Regie: Clyde Bruckman/Harold Lloyd, Drehbuch: Vincent Lawrence, Produktion: Harold Lloyd, Darsteller: Harold Lloyd, Constance Cummings, Kenneth Thomson, Spencer Charters. USA 1932, 90 Min.

 

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Robert Siodmaks „Die Wendeltreppe“ ist nicht nur einer der bekanntesten Klassiker des Film Noir, sondern zugleich Ursprung des späteren Giallo der 60er und 70er Jahre, sodass manche Filmhistoriker Siodmaks Meisterwerk gerne auch als „Ur-Giallo“ bezeichnen.

Der Film basiert auf dem Bestseller „Some must watch“ der Schriftstellerin Ethel Lina White (1876 – 1944), deren Romane vor allem im englischsprachigen Raum großen Anklang fanden, in Deutschland jedoch nur wenig publiziert wurden. Siodmaks Adaption handelt von der stummen Helen, die als Hausmädchen in einem abgelegenen Haus tätig ist, wo sie sich vor allem um die bettlegrige Mrs. Warren kümmert. Ebenfalls in dem Haus wohnen die beiden Söhne von Mrs Warren, Albert und Steven, sowie Alberts Sekretärin Blanche.

Eines Tages geschieht in einem Hotel ein grausamer Mord an einer behinderten Frau. Der Mörder kann nicht gefasst werden, doch scheint alles darauf hinzudeuten, dass er Helen bis zu dem Haus der Warrens gefolgt ist. Tatsächlich geschehen dort plötzlich seltsame Dinge, bis es schließlich zu einem weiteren Mord kommt …

Die teils extreme Optik diente als Vorbild für die späteren Giallo-Filme; „Die Wendeltreppe“ (1946); Copyright: Anchor Bay

Ein Mörder, der es auf entstellte und behinderte Frauen abgesehen hat, schon allein das war für die damalige Zeit harter Tobak. Doch ging Meisterregisseur Robert Siodmak noch einen Schritt weiter. Denn um das Extreme der Handlung nochmals zu unterstreichen, setzte er in seinem Film verstörende Nahaufnahmen ein und verwendete stellenweise eine Optik, die zu fast surrealen, traumartigen Bildern führen. Die Optik wirkte für die damalige Zeit geradezu radikal. Auch heute hat sie rein gar nichts von ihrer unglaublichen Wucht verloren.

So zeigt Siodmak extreme Nahaufnahmen vom Auge des psychopathischen Mörders, während dieser sein Opfer beobachtet. Gleich am Anfang, als die oben erwähnte Frau ermordet wird, sieht man deren in die Höhe gestreckten Hände, wie diese sich auf fast schon unnatürliche Weise verkrampfen. In einer weiteren Szene ist es ein schwarz gekleideter Mann, der Helen auf sonderbare Weise folgt, als diese im beginnenden Unwetter über den Hof zum Eingang des Hauses rennt. Dieser Hang zum Surrealen beeinflusste 20 Jahre später die italienischen Horror- und Giallo-Regisseure, allen voran Mario Bava und Dario Argento.

Licht und Schatten: Film Noir in Reinform; „Die Wendeltreppe“ (1946); Copyright: Anchor Bay

Tatsächlich übernahmen beide viele Aspekte von „Die Wendeltreppe“ in ihre eigenen Filme. So unter anderem auch das Markenzeichen des Giallo: den schwarzen Handschuh. Dario Argento zitierte in „Tenebre“ (1982) die berühmte Szene aus „Die Wendeltreppe“, in der Helen einen Zaun entlanggeht, während der Gewittersturm losbricht. Um sich Mut zu machen, verursacht Helen mit einem Stock, den sie gegen den Zaun schlägt, selbst Geräusche. Argento verändert diese Szene in „Tenebre“ insoweit, indem er hinter dem Zaun einen aggressiven Hund hochspringen lässt, der plötzlich auf die junge Frau Jagd macht.

Um die Handlung noch zu verdichten, lässt Robert Siodmak seinen Film in einer einzigen Gewitternacht spielen. Auf diese Weise drängen sich die Zwischenfälle, ohne dass der Zuschauer die Möglichkeit bekommt, zwischendurch zur Ruhe zu kommen. Die Spannung wird durch den Umstand zusätzlich angestachelt, da man unweigerlich beginnt, mitzurätseln, wer denn nun der Mörder ist. All dies macht „Die Wendeltreppe“ auch heute noch zu einem extrem packenden und fasziniernden Filmerlebnis.

Die Wendeltreppe (OT: The Spiral Staircase). Regie: Robert Siodmak, Drehbuch: Mel Dinelli, Produktion: Dore Schary, Darsteller: Dorothy McGuire, George Brent, Ethel Barrymore, Kent Smith, Gordon Oliver, Rhonda Flemin. USA 1946, 99 Min.

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Larry (Tyrone Power) und Isabel (Gene Tierney) kurz vor ihrer Trennung; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Mit FuBs Klassikbox starten wir in diesem Jahr eine neue Reihe. Wir wollen darin alte bzw. ältere Filme vorstellen, die zu den Filmklassikern zählen, auch wenn manche davon teilweise wieder in Vergessenheit geraten sind. Ein solcher Film ist „Auf Messers Schneide“ aus dem Jahr 1946. Die Adaption des gleichnamigen Romans von William Somerset Maugham war 1947 für vier Oscars nominiert, unter anderem in der Kategorie Bester Film. Vor allem in Deutschland aber kennt diesen tollen Film kaum jemand mehr.

Es geht um Larry Darrel, der als gebrochener Mann aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt und nach dem Sinn des Lebens sucht. Da er aus diesem Grund sein bisheriges Leben nicht weiterführen kann, löst der die Verlobung mit Isabel Bradley auf. Auch schlägt er ein Jobangebot ihres Vaters aus. Stattdessen zieht er zunächst nach Paris, wo er zunächst ein Leben in der Boheme führt, bevor er erneut wegzieht und in einer abgelegenen Kohlenmiene arbeitet. Schließlich fasst er den Entschluss, nach Indien zu reisen, um dort in einem Kloster wieder zu sich zu kommen.

Mit einem neuen Lebensgefühl kehrt er in die USA zurück, wo Isabel bereits verheiratet ist, doch Larry immer noch liebt. Aus diesem Grund versucht sie, seine Beziehung zu einer anderen Frau zu zerstören.

„Auf Messers Schneide“ war die erste ernste und komplexe Rolle des damaligen Stars Tyrone Power, der vor dem Zweiten Weltkrieg nur in Mantel und Degen-Filmen mitgewirkt hatte. Die Rolle des Larry Darnel scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Denn Power geht in dieser vielschichtigen Figur vollkommen auf. Seine Verzweiflung, sein sehnlicher Wunsch, endlich von seinen Schuldgefühlen erlöst zu werden und einen Sinn in dem Ganzen zu finden, zeigt sich in seiner Haltung, seiner Gestik und Mimik und nicht zuletzt auch in seinem stets in eine ungewisse Ferne gerichteten Blick.

Larry (Tyrone Power) an der Wende seines Lebens; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Dem gegenüber stellt Regisseur Edmund Goulding die Oberflächlichkeit und den Materialismus der High Society, wunderbar gebündelt in der zynischen Figur von Isabels Vater, für den es außer Geld nichts anderes gibt. Daher versteht dieser Larrys Verhalten am wenigsten. Aber auch Isabel steht eher hilflos dem veränderten Larry gegenüber. Statt auf ihn zu warten, beschließt sie lieber, sich der Tradition zu fügen und einen anderen Mann zu heiraten.

Doch wird das Leben ihrer Familie nicht weniger von Schicksalsschlägen heimgesucht. Vielleicht liegt auch darin ein zusätzlicher Grund, weswegen Isabel versucht, Larrys Leben zu zerstören. Kann sie nicht glücklich sein, so will sie auch nicht, dass er sein Glück findet – mit schrecklichen Konsequenzen.

„Auf Messers Schneide“ ist ein Film, der einen von der ersten Minute an packt. Die dichte, tragische und konfliktreiche Handlung reißt einen regelrecht mit, sodass die über zwei Stunden Spieldauer wie im Nu vergehen. Fast schon unerbittlich nimmt das Drama seinen Lauf. Manchmal scheint es beinahe so, als haben die Menschen um ihn herum insgeheim eine Wette abgeschlossen, wann Larry doch noch zusammenbricht. Denn das, was Isabel mit seiner neuen Freundin Sophie aufführt, ist wirklich hart.

Natürlich ist das überaus tolle Gelingen des Films auch den erstklassigen Schauspielern zu verdanken. Neben Tyrone Power spielen Noir-Ikone Gene Tierney in der Rolle der Isabel und der auf zynische und eitle Rollen spezialisierte Clifford Webb (als Isabels Vater) mit. Regisseur Edmund Goulding erlaubte sich den Spaß, Sommerset-Maugham als Figur ebenfalls in dem Film auftreten zu lassen, gespielt von Herbert Marshall. Ein Witz, der sich aus der Romanvorlage ergibt, in der der berühmte Schriftsteller behauptet, Larry Darnell auf einem Ozeandampfer tatsächlich begegnet zu sein.

1984 wurde ein gleichnamiges Remake produziert, das jedoch – auch aufgrund seiner absoluten Fehlbesetzung (Bill Murray als Larry Darnell) – nicht einmal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder einspielte. Auch von der Kritik wurde der Film damals regelrecht in der Luft zerrissen. Ganz anders der Originalfilm, bei dem sich die damaligen Kritiker mit Lob überschlugen.

Auf Messers Schneide (The Razor’s Edge). Regie: Edmund Goulding, Drehbuch: Lamar Trotti, Produktion: Darryl F. Zanuck, Darsteller: Tyrone Power, Gene Tierney, Clifford Webb, Herbert Marshall, Ann Baxter. USA 1946, 145 Min.

 

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US-Filmplakat von „La Residencia“

Ende der 60er Jahre wollte die spanische Filmindustrie hoch hinaus. Mit dem Horrorstreifen „La Residencia“ verfolgte man den Plan, auf dem internationalen Filmmarkt für Aufmerksamkeit zu sorgen. Bis dahin waren spanische Filme vor allem für das einheimische Publikum produziert worden. Mit „La Residencia“ sollte sich dies ändern.

Aus diesem Grunde ließ man sich für die Produktion auch Zeit. Beinahe sechs Monate dauerten die Dreharbeiten. Und der Erfolg? Während man in Europa und in Südamerika durchaus positive Resultate erzielen konnte, wurde der Film in den USA, wo er – wie jeder europäische Horrorfilm – von American International Pictures vertrieben wurde, ein Flop.

In Deutschland lief „La Residencia“ unter dem Titel „Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat“ und war dadurch vor allem an die Bahnhofskinos gekettet. Der englische Verleihtitel lautet „The House that screamed“. Bis heute gilt der von Narciso Ibáñez Serrador gedrehte Film als ein Meilenstein in der Geschichte des spanischen Films. Davor hatte Serrador nur für das Fernsehen gearbeitet.

„La Residencia“ spielt im 19. Jahrhundert. Die 19jährige Teresa kommt in ein abgelegenes Mädchenpensionat und muss bald feststellten, dass es dort nicht mit rechten Dingen zugeht. Bisher sind drei junge Frauen spurlos verschwunden. Das Pensionat wird von der sadistischen Señora Fourneau geleitet, die zusammen mit ihrem Sohn in dem Haus wohnt. Als es Teresa in dem Heim nicht mehr länger aushält, versucht sie zu fliehen …

Serradors Film beeinflusste viele spätere Horrorfilme, so u. a. auch Dario Argentos „Suspiria“ (1978). Dies macht sich besonders in der Szene bemerkbar, in der die Mädchen Tanzunterricht haben. Argento übernahm diese Szene beinahe eins zu eins, sodass man sich in der Rolle der Señora Fourneau (gespielt von Lilli Palma) nur Alida Valli vorstellen muss, um auf Argentos Meisterwerk zu kommen. Aber auch die spezielle Optik, die „La Residencia“ aufweist, findet sich in „Suspiria“ wieder.

Italienisches Filmplakat

Nicht zuletzt beeinflusste der spanische Film auch die koreanische Horrorfilm-Reihe „Yeogogoedam dubeonchae iyagi“ (Geistergeschichten aus der Schule), von der leider nur „Memento Mori“ (1999) und „Wishing Stairs“ (2003) in Deutschland erschienen sind. Vor allem im ersten Film dieser außergewöhnlichen Filmreihe „Whispering Corridors“ (1998) macht sich der Einfluss bemerkbar. Die beiden letzten Filme lauten „Voice“ (2005) und „A Blood Pledge“ (2009).

In „La Residencia“ wollte man alles richtig machen. Stimmte bei einer Szene auch nur eine Kleinigkeit nicht, so wurde sie komplett neu gedreht. Dabei beherrscht vor allem die deutsche Schauspielerin Lilli Palmer die Szenerie. Sie geht vollkommen in ihrer Rolle auf und sorgt dabei für eine gehörige Portion Beklemmung, welche den gesamten Film durchzieht. Doch war Regisseur Serrador im Ganzen seiner Zeit voraus. Als Beispiel seien hier die Death Scenes genannt, in denen Serrador eine radikale Zeitlupe verwendet, die er bis zum Stillstand der Bilder vorantreibt. In einem anderen Zusammenhang verwendete Peter Fonda diese Technik 1971 für seinen Western „Der lange Ritt“.

„La Residencia“ vermischt dabei unterschiedliche Stile des Trash-Films. Vom Gothic-Horror mit vielen unheimlichen Momenten ausgehend, gelingt es ihm mühelos in das Sexploitation-Genre überzugehen, wenn Señora Fourneau eine der jungen Frauen von drei anderen Schülerinnen auspeitschen lässt. Auf dieser Ebene nimmt der Film bereits alles vorweg, was dann in der berühmten Schmuddelfilm-Ära auf der Leinwand erscheinen sollte.

Damit das Projekt auch gelingen konnte, wurde es teilweise von der spanischen Regierung mitfinanziert. Die Ironie dabei: der Film kritisiert indirekt Francos Regime, was anscheinend von den Geldgebern nicht bemerkt wurde. Doch unabhängig davon ist „La Residencia“ einer der Horrorfilme, die man gesehen haben muss.

Das Versteck – Angst und Mord im Mädchenpensionat (La Residencia). Regie u. Drehbuch: Narciso Ibáñez Serrador, Produktion: Arturo Gonzales, Darsteller: Lilli Palmer, Cristina Galbo, John Moulder-Brown, Mary Maude, Candida Losada. Spanien 1969, 104 Min.

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Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

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