FuBs Fundgrube: Griff nach den Sternen

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Cover der Erstausgabe aus dem Jahr 1959

John Wyndhams Roman „Griff nach den Sternen“ zählt zu den zehn besten SF-Romanen aus dem Jahr 1959. Im Gegensatz zu seinem sonstigen Stil, schuf Wyndham mit „The Outward Urge“, so der Originaltitel, einen Hard-SF-Roman, in dem es um die Besiedelung des Weltalls geht.

Erzählt wird dies in vier längeren Episoden. Die erste handelt vom Bau der ersten Raumstation im Jahr 1994. Die zweite Episode spielt im Jahr 2044 auf der ersten Mondstation, während auf der Erde ein Atomkrieg wütet. Die dritte Episode handelt von der ersten Marsexpedition im Jahr 2094. Die letzte Episode schließlich beschreibt eine Expedition zur Venus im Jahr 2144.

John Wyndham, der eigentlich für seine spannenden Invasions-Romane bekannt ist („The Day of the Triffids“ oder „The Midwich Cuckoos“ sind Klassiker des SF-Genres) versuchte mit „Griff nach den Sternen“ einen realistischen SF-Roman zu schreiben, was ihm auch durchaus gelungen ist. So erscheinen die von ihm gewählten Jahreszahlen, in denen die jeweiligen Geschichten spielen, alles andere als aus der Luft gegriffen. 1990 wurde zum Beispiel die erste internationale Raumstation in Betrieb genommen. Die erste bemannte Marsexpedition soll etwa im Jahr 2050 stattfinden.

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Cover der Penguin-Ausgabe aus dem Jahr 1962

Wyndhams Buch war so untypisch für ihn, dass ihm der Verleger vorschlug, für die Veröffentlichung entweder ein Pseudonym oder einen zweiten Autor zu nennen. John Wyndham entschloss sich daraufhin für einen Weg, der irgendwie beides umschloss. Lucas Parkes war eines seiner verschiedenen Pseudonyme. Dieses wählte er als Name für den (eigentlich nicht vorhandenen) Zweitautoren aus.

Doch egal, ob Pseudonym oder Zweitautor, das Buch muss sich hinter den anderen Romanen, die John Wyndham geschrieben hat, nicht verstecken. In einem flotten, ja fast schon rasanten Stil schildert er vier überaus spannende Ereignisse, die durch den Namen Troon miteinander verbunden sind. Troon ist der Name einer Familie aus Weltraumpionieren, die alle ihrem inneren Drang folgen, die Sterne zu erforschen. Dadurch erzählt der Roman zugleich eine Art Familiengeschichte, die ebenso ereignisreich wie tragisch ist.

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Cover der ersten deutschen Übersetzung aus dem Jahr 1965

Überaus intensiv wirkt gleich die erste Episode, in der Ticker Troon am Bau der ersten Weltraumstation mitarbeitet. Er sehnt sich bereits nach dem Urlaub auf der Erde, dieses Mal besonders, da er soeben von der Geburt seines ersten Sohnes erfahren hat, als auf die Station plötzlich eine Atomrakete zufliegt, abgefeuert von einer feindlichen Nation. 2044 droht auf der Mondstation ein Aufstand, da die Besatzung Angst hat, von Raketen der Sowjetunion beschossen zu werden. Ticker Troons Sohn Michael hat das Kommando über die Station und muss entscheiden, was er tun soll.

Schlag auf Schlag geht es auf diese Weise weiter. Den Mars beschreibt Wyndham dabei keineswegs als bewohnt, sondern als Felswüste. Auf der Venus, die er als eine Art Wasserplanet beschreibt, tummeln sich verschiedene Fische in den Meeren. Alles in allem ist „Griff nach den Sternen“ ein toller Roman, der den Leser regelrecht mitreißt. Auf Deutsch erschien der Roman 1965 im Heyne Verlag unter der Nummer 3055 der damaligen SF-Reihe.

Trash der 60er (3): War between the Planets (Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens)

orion3000Um Commander Rod Jackson gibt es eine ganze Filmreihe. Jackson ist ein heldenhafter Weltraumalleskönner, der die Erde stets vor einer tödlichen Gefahr rettet. In dem Film „War between the Planets“ (Italien 1965), der in Deutschland unter dem Titel „Orion 3000 – Raumfahrt des Grauens“ lief, hat Jackson wiederum alle Hände voll zu tun.

Die Erde wird von Tsunamis und noch nie dagewesenen Erdbeben heimgesucht. Europa liegt in Schutt und Asche. Commander Jackson, der der Chef der Raumstation Gamma 1 ist, bekommt den Auftrag, nach der Ursache dieser Katastrophen zu suchen. Denn manche Experten sind der Meinung, dass die katastrophalen Heimsuchungen nur durch einen kosmischen Einfluss hervorgerufen werden. Tatsächlich entdeckt Jacksons Mannschaft einen ominösen Planeten, der sich mit großer Geschwindigkeit der Erde nähert. Bewaffnet mit einer Antimateriebombe fliegt der Commander zusammen mit einer Crew aus Freiwilligen auf den fremden Himmelskörper, um diesen zu vernichten.

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Commander Jackson (Giacomo Rossi Stuart) und seine Freundin Terry (Ombretta Colli).

Die damaligen und auch späteren Kritiken zu „Orion 3000“ waren größtenteils schlecht. Nun ja, Big Budget-Kino sieht anders aus. Aber in der Regel sind es ja auch die B-Picture, die besser unterhalten als die aufgeblasenen Großproduktionen. In dieser Hinsicht liefert auch der Film des italienischen Regisseurs Antonio Margheriti (1930 – 2002) beste Trash-Unterhaltung. „Orion 3000“ ist äußerst kurzweilig. Die Szenen sind stets schnell und hektisch, die Dialoge fliegen wie Pistolenkugeln hin und her. Erst beim Besuch des fremden Planeten drückt Margheriti etwas auf die Bremse, sodass manche Szene auf und im Planeten dann doch ein wenig langatmig wirkt.

Ein interesssantes Bild liefert die Figur des Commander Jackson ab. Ganz Mann, scheißt er erst einmal seine Freundin Terry zusammen, die sehnsüchtig auf ihn in der Raumstation gewartet hat. Diese lässt die nicht enden wollende Schimpftirade tapfer über sich ergehen. Widerworte duldet Jackson nicht. Emanzen haben beim Commander keine Chance. Interessant ist bei der Figur ebenfalls, dass sich herausstellt, dass Terry eigentlich seine Geliebte ist und er auf der Erde noch eine Verlobte hat.

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Commander Jackson (Giacomo Rossi Suart) gibt Anweisungen für den Notfall.

Seine heldenhaften Taten, wie etwa Crewmitglieder davor zu retten, im Weltraum abzudriften, kommentiert Jackson mit Worten wie: „Da kann man schon mal einen halben Arsch riskieren.“ Nur, um später sich mit seinem besten Freund Dobrovski in die Haare zu bekommen und ihn als „dumme Sau“ zu bezeichnen.

Nicht weniger witzig, sind die Szenen, in denen Jackson und andere durch den Weltraum schweben. Irgendwie unbeholfen hängen sie im schwarzen Raum herum, wirken dabei schon fast wie Figuren aus der Augsburger Puppenkiste. Dennoch gab man sich Mühe, die Schwerelosigkeit als solche darzustellen. Recht gelungen ist in dieser Hinsicht die Sequenz, in der für einen kurzen Moment die Schwerkraft auf Gamma 1 aufgehoben wird. Denn im selben Moment beginnen die Gegenstände in der Kommandozentrale unkontrolliert durch die Luft zu schweben.

„War between the Planets“ bzw. „Orion 3000“ macht richtig Spaß. Und wenn sich manche Kritiker darüber geärgert haben bzw. noch immer ärgern, so sind sie selbst schuld.