Fubs Klassikbox: Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine (1965)

Dr. Goldfoot (Vincent Price) in seinem Labor; „Dr. Goldfoot and his Bikini-Machine“ (1965); © MGM

„Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine“ gilt längst als Kultfilm. Zugleich handelt es sich um einen der teuersten Filme, den die auf B-Picture spezialisierte Produktionsfirma American International Pictures auf die Leinwand gebracht hat. Grund dafür war, dass an Originalschauplätzen in San Francisco gedreht wurde.

Es geht um den größenwahnsinnigen Dr. Goldfoot, der eine Maschine erschaffen hat, die hübsche Roboterfauen in goldenen Bikinis produziert. Diese lässt er auf die reichsten Männer der Welt los, um ihnen ihr Vermögen wegzunehmen. Doch immer wieder durchkreuzt der trottelige Agent Craig Gamble seinen Plan …

„Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine“ gehört zu den absolut besten James Bond-Persiflagen, die es gibt. Ausnahmsweise waren sogar die damaligen Kritiker von dem Film begeistert, die sonst um AIP immer einen Bogen machten, denn die diversen Gags und die skurrilen Ideen verleihen „Dr. Goldfoot“ einen solchen Schwung, der einen regelrecht mitreißt.

Vincent Price als verrückter Wissenschaftler ist einfach herrlich, nicht weniger Frankie Avalon als tollpatschiger Agent – und nicht zu vergessen die Bikini-Frauen, bei denen es sich größtenteils um Models bzw. Playmates handelte. Der ganze Spaß kostete dem Studio damals über eine Millionen Dollar, was für AIP eine enorme Summe war, denn in der Regel lag das Budget für die jeweiligen Produktionen weit unterhalb dieser Summe – die beiden Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff verfolgten dasselbe Konzept wie Roger Corman und waren dabei ungefähr genau so erfolgreich wie der Kult-Filmemacher.

Titelsequenz von „Dr. Goldfoot“; © MGM

Wie gesagt, lagen die Kosten deswegen so hoch, da nicht nur im Studio, sondern vor Ort gedreht wurde. Allein an der finalen Verfolgungsjagd wurde fast ein ganzes Monat gearbeitet. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn der Film wurde vor allem in Europa zu einem großen Erfolg. Übrigens wurde der Film in England unter dem Titel „Dr. G. and his Bikini-Machine“ vermarktet, da AIP befürchtete, dass die Produzenten von James Bond sie aufgrund der Namensähnlichkeit zu „Goldfinger“, der ein Jahr zuvor in die Kinos kam, verklagen könnten.

Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine (OT: Dr. Goldfoot and his Bikini-Machine). Regie: Norman Taurog. Drehbuch: Robert Kaufman, Produktion: James H. Nicholson, Samuel Z. Arkoff, Darsteller: Vincent Price, Frankie Avalon, Dwayne Hickman, Susan Hart. USA 1965

 

Horror de Luxe: The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (1973)

Sylvia Tortosa als Leherin Elke Ackermann bringt selbst die ärgsten Filmkritiker zum Schwärmen. „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Amando de Ossorio wollte es anscheinend nochmals wissen. Berühmt geworden durch die „Reitenden Leichen“-Filme, drehte er 1973 den Horrorstreifen „The Loreley’s Grasp“, der in Deutschland den Zusatztitel „Die Bestie im Mädchenpensionat“ erhielt, um möglichst viele Zuschauer in die Bahnhofskinos zu locken.

Basierend auf Clemens Brentanos Kunstmärchen über die Lorelei, einer Nixe, die durch ihre Schönheit Männern den Tod bringt, verfasste er ein Drehbuch, in dem eben diese Nixe ein Mädchenpensionat am Rheinufer unsicher macht. Jäger Sigurd wird angeheurt, um dem Ungeheuer den Garaus zu machen. Doch ist das leichter gesagt als getan. Denn das Lorelei-Monster lässt sich nicht so leicht lumpen …

Kritiker teilen sich bis heute in genau zwei Lager, was diesen Film betrifft. Die einen halten ihn für unterirdisch schlecht, die anderen für eine vergessene Perle des Horrorfilms. Nun, irgendwie trifft bei „The Loreley’s Grasp“ beides zu. Denn der Film ist einerseits schlecht, andererseits unfreiwillig komisch und drittens wiederum wirklich gut.

Zuschauer, die sich mit dem europäischen Trash-Kino der 70er Jahre nicht auskennen, werden mit Sicherheit auch mit diesem Film nichts anfangen können. Für alle anderen aber dürfte Ossorios unbekannter Streifen eine echte Entdeckung sein. Die Optik des Films ähnelt derjenigen der „Reitenden Leichen“. Es gibt tolle, atmosphärische Aufnahmen, die an die Schilderungen klassischer Gespenstergeschichten erinnern, und dann natürlich wieder die typischen Trash-Sequenzen – für beides liebt man Ossorios Filme.

Jäger Sigurd (Tony Kendall) pirscht sich an die Lorelei (Helga Liné) heran; „The Loreley’s Grasp“ (1973); © JSV

Überraschend gelungen sind die Szenen, in denen das Ungeheuer sein Unwesen treibt. Zwar ist das Monster selbst nicht wirklich gut getroffen, doch seine Angriffe auf die Bewohner des Mädchenpensionats besitzen ein erstaunlich hohes Tempo, die Schnittfolge dabei ist großartig, sodass man gelegentlich an die Meister des italienischen Horrorkinos denken muss.

Für eher Heiterkeit sorgt Hauptdarsteller Tony Kendall, der nicht wirklich in die Rolle passt bzw. vergeblich versucht, diese darzustellen. Doch dafür sind die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnern geradezu einzigartig: sowohl im Hinblick auf ihre Darstellungsweise als auch ihr Aussehen. Silvia Tortosa spielt Elke Ackermann, die Lehrerin des Mädchenpensionats, wobei selbst die ärgsten Kritiker des Films nicht umhin konnten und können, ihre faszinierende Attraktivität zu würdigen. Nicht anders verhält es sich bei Helga Liné, welche die Wassernixe spielt.

Alles zusammen macht „The Loreley’s Grasp“ zu einem interessanten Film, der zwar nie wirklich spannend wird, aber dennoch hervorragend unterhält. Für Liebhaber des europäischen Horrorfilms ist dies mit Sicherheit eine nette Entdeckung.

The Loreley’s Grasp – Die Bestie im Mädchenpensionat (OT: Las Garras de Lorelei). Regie u. Drehbuch: Amando de Ossorio, Produkion: Ricardo Munoz Suay, Darsteller: Tony Kendall, Silvia Tortosa, Helga Liné. Spanien 1973, 85 Min.

 

Die Klunkerecke: Weltraumbestien (1957)

Einmal gegrilltes Huhn bitte; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Wenn es einen Regisseur gibt, der mit dem Phantastischen Film eng verbunden ist, so ist dies Ishiro Honda. Auf sein Konto geht nicht nur „Godzilla“, sondern auch jede Menge weiterer Monsterfilme, die das Image des japanischen Films (neben den Werken Akira Kurosawas) im Ausland prägten.

1957 drehte Honda den SF-Film „Weltraumbestien“, den Kritiker gelegentlich als die japanische Version von „Krieg der Welten“ bezeichnen. In Hondas Film als auch in der berühmten Adaption von H. G. Wells‘ Klassiker geht es um eine Invasion vom Mars. Nur, dass sich die Hintergründe der Invasion in „Weltraumbestien“ ein wenig komplexer gestalten.

Originalplakat von „Weltraumbestien“

Denn in diesem Film stammen die außerirdischen Invasoren von einem Asteroiden namens Mysteroid, der einst Teil eines Planeten gewesen sein soll. Von dort seien die Außerirdischen auf den Mars geflohen und wollen nun die Erde besetzen. Das alles beginnt mit einem sonderbaren Waldbrand, der bereits das erste Anzeichen der Landung der Mysteroiden ist. Kurz darauf greift ein Riesenroboter eine kleine Stadt an. Während das Militär vergeblich gegen die Invasoren kämpft, versucht eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, eine Waffe zu entwickeln, die gegen die überlegene Technik der Außerirdischen doch noch etwas bewirken kann …

„Weltraumbestien“ weist in allererster Linie eine hervorragende Optik auf. Auch wenn aus heutiger Sicht der Roboter ziemlich trashig wirkt, so ist die riesige Kampfmaschine dennoch genial in Szene gesetzt. Doch bleibt es nicht allein bei dem Angriff der gewaltigen Maschine, sondern es kommt zu Erdbeben und Überflutungen – und nicht zuletzt ist da der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die Außerirdischen.

Aber das ist … das ist doch … :) ; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Es ist also mächtig was los in dem Film, der, ähnlich wie in „Godzilla“, die Verzweiflung und die Tragik der Katastrophe hervorhebt, was „Weltraumbestien“ recht düster und ernst erscheinen lässt. Man sieht, dass hier die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet wurden. Die Bilder der fliehenden Bewohner der Stadt erscheinen beinahe wie aus einer Wochenschau.

US-Plakat von „Weltraumbestien“

Diesem Realismus gegenüber stehen die detailverliebten Spezialeffekte sowie der geniale Trash-Faktor des Films, der sich z.B. bei der Entführung der Frauen bemerkbar macht, da die Außerirdischen sich mit ihnen paaren wollen, um den zunehmenden Mutationen entgegenzuwirken. So steht plötzlich einer der fremden Besucher im Garten, schnappt sich die Frau und zieht sie mit sich hoch in das im Himmel schwebende UFO, was ungefähr so aussieht, als würde ein verkleideter Ken auf einem unsichbaren Seil Barbie in die Höhe ziehen. Immerhin handelt es sich bei der Darstellerin um Momoko Kochi, die durch ihre Rolle in Hondas „Godzilla“ weltberühmt wurde.

Auf jeden Fall ist „Weltraumbestien“ ein durch und durch sehenswerter Film, bei dem einem aufgrund seines Lärmpegels nur so die Ohren dröhnen. Während der Film in Japan ein großer Erfolg war, wollte sich dieser im Ausland und vor allem in den USA leider nicht einstellen.

Weltraumbestien (OT: Chikyū Bōeigun). Regie: Ishiro Honda, Drehbuch: Takeshi Kimura, Produktion: Tomoyuki Tanaka, Darsteller: Kenji Sahara, Yumi Shirakawa, Momoko Kochi, Akihito Hirata, Takashi Shimura. Japan 1957, 89 Min.

Trash der 60er (12): Die Gruft der toten Frauen

gruftderfrauenNeben den Hammer-Studios gab  es in den 60er Jahren noch andere Produktionsfirmen in England, die im Fahrwasser des Erfolgs der beliebten Gothic-Horrorfilme ihre Produktionen auf den Markt zu brachten. Eine dieser Firmen hieß Planet Films, die immer wieder versuchte, auf den „Hammer-Zug“ aufzuspringen. Doch fehlten den Filmen dieser Firma eindeutig der Witz, der Charme und die Leidenschaft, so dass sie nicht aus dem Schatten von Hammer herausragten.

Ein Beispiel hierfür ist „Die Gruft der toten Frauen“, eine recht klassische Gruselgeschichte, die mehr schlecht als recht die damalige Okkultismuswelle aufgreift. Es geht darin um den Schriftsteller Paul Baxter, der zusammen mit seinen beiden Schwestern Urlaub in der Bretagne macht. Bei einem Abendspaziergang werden alle drei von einer alten Zigeunerin gewarnt, da der Fürst der Finsternis hier sein Unwesen treiben soll. Unsere Rationalisten sehen das locker, doch müssen sie kurz danach einsehen, dass sie falsch lagen. Denn Baxters Schwestern werden tot aufgefunden. Da die Polizei ratlos ist, nimmt Baxter die Suche nach dem Mörder selbst in die Hand und kommt so einem Vampir auf die Spur, der vorhat, die Welt zu beherrschen …

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Ein kleines Ritual für zwischendurch; „Die Gruft der toten Frauen“ (1968); Copyright: e-m-s

Im Gegensatz zu den Hammerfilmen, möchte Regisseur Lance Comfort dadurch an Originalität gewinnen, indem er seinen Film in der Gegenwart spielen lässt. So gelingt es ihm tatsächlich, die damalige okkulte Modeerscheinung interessant und nicht ohne Witz einzufangen. Hätte sich der Film komplett in diesem Milieu der Anhänger von Esoterik und Okkultem abgespielt, so wäre ihm sicherlich eine moderne Mischung aus Krimi und Phantastik gelungen.

Leider aber biegt Comfort die Handlung zurück in die klassische und bereits zigmal durchgekaute Vampir-schleicht-durch-die-Nacht-Variante, was eindeutig die Schwäche dieses Filmes ausmacht. Denn die Szenen, in denen der Vampir und seine Gemeinschaft in Aktion treten, erscheinen hier banal und reichen keineswegs an die großartigen Vampirszenarien der Hammer-Produktionen heran. Dadurch ergibt sich ein in Ansätzen gut gemachter Prototyp des Mystery-Thillers, der jedoch beim Abdriften ins Übernatürliche schwächelt.

Die Gruft der toten Frauen (OT: Devils of Darkness), Regie: Lance Comfort, Drehbuch: Lyn Fairhurst, Produktion: Tom Blakeley, Darsteller: William Sylvester, Hubert Noel, Carol Gray, Diana Decker, Tracy Reed. England 1968, 82 Min.

Trash der 60er (10): Die Bande des Captain Clegg

captaincleggDie Produktionen der Hammer-Studios prägten das Gesicht des Horrorfilms in den 60er Jahren. Schauspieler wie Peter Cushing, Christopher Lee oder auch Oliver Reed begannen ihre Karrieren mit Filmen dieser inzwischen legendären Produktionsfirma. Mit „Die Bande des Captain Clegg“ verbindet Regisseur Peter Graham Scott ein Piratenabenteuer mit den schaurig-schönen Elementen einer viktorianischen Geistergeschichte.

Die Handlung erzählt von einer kleinen Küstenstadt, die im Rufe steht, dem berüchtigten Piratenkapitän Captain Clegg Unterschlupf zu bieten. Aus diesem Grunde wird der Marine-Hauptmann Captain Collier in diesen Ort geschickt, um den Gerüchten nachzuspüren. Doch mit der Kleinstadt scheint irgendetwas nicht zu stimmen. Dies liegt nicht allein an den Piratengeschichten, sondern auch an einer nagenden Angst der Bewohner vor Moorgeistern, die dort ihr Unwesen treiben sollen.

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Plakat mit dem alternativen Filmtitel „Night Creatures“.

Wie in den meisten Fällen der Hammer-Produktionen, bietet auch dieser Film aus dem Jahr 1962 beste Unterhaltung. Was zunächst wie ein Piratenabenteuer beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einer Geschichte über Gespenster, Geheimgänge und sonderbare Geheimnisse. Wie in einem Roman von Sheridan LeFanu oder Wilkie Collins bewegt sich die Story zwischen unheimlichem Schauer, rätselhaften Morden und tragischen Familienschicksalen. Hierbei geht Scott stark auf die Zwielichtigkeit der einzelnen Charaktere ein. Nichts ist so wie es zunächst scheint. Diese Thematik durchzieht den gesamten Film. Egal ob es sich um Gräber, Wandverzierungen oder eben Menschen handelt. Alles bzw. jeder besitzt einen sprichwörtlichen doppelten Boden. Aus diesem Spiel zwischen Schein und Sein kreiert Peter Graham Scott eine dichte Spannung, die nichts zu wünschen übrig lässt.

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Wem man im Moor so begegnen kann … „Captain Clegg“ (1962); Copyright: Hammer Productions

Die Kulissen sind wie in fast allen Hammer-Filmen äußerst liebevoll und bis ins kleinste Detail gestaltet. Schon allein die düsteren, windgepeitschten Häuser der Kleinstadt machen dem Zuschauer deutlich, dass hier unheimliche Dinge vor sich gehen. Die Szenen, die auf dem Moor spielen, sind teilweise in einer gelungenen Gespensterästhetik photographiert, die an die unheimlichen Geschichten eines M. R. James erinnert. „Die Bande des Captain Clegg“ ist dadurch ein schönes Beispiel für die Kunst der Hammer-Studios.

Das Geheimnis von Schloss Monte Christo (1970)

schlossmontechristo1Ab Ende der 60er Jahre wurde das italienische Horrorkino unter Genrefans immer beliebter, gefolgt von den Genrefilmen aus Spanien. Eine Ursache dafür waren die Filme von Mario Bava, dem Begründer des modernen Horrorfilms. Durch Filme wie Die Stunde wenn Dracula kommt, Baron Blood oder Die drei Gesichter der Furcht setzte Bava im internationalen Vergleich sehr hohe Maßstäbe, sodass selbst Vertreter der American International Pictures, welche Vincent Price unter Vertrag hatten und mit Filmen wie Der Untergang des Hauses Usher oder Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes für volle Kinokassen sorgten, vor Staunen kein Wort mehr herausbrachten, als sie sich bei den italienischen Produktionsfirmen umsahen.

Der Grund, weswegen die amerikanischen Produzenten aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, war ganz einfach der, dass man im italienischen Horrorkino den Zuschauern viel mehr Blut, Sex und Gewalt zumutete als in den damaligen amerikanischen Filmen, die im Vergleich zu den italienischen Produktionen einfach zu brav wirkten.

Ein Beispiel für das italienische Horrorkino Ende der 60er/Anfang der 70er Jahre ist Das Geheimnis von Schloss Monte Christo des sonst im Italowestern beheimateten Regisseurs José Luis Merino. Der Film erzählt die Geschichte der Chemikerin Ivana Rakowsky, die eine Anstellung auf Schloss Dalmar angenommen hat. Sie soll helfen, ein Elixier zu suchen, das den toten Bruder des Grafen wieder lebendig werden lässt. Doch kaum ist Ivana bei der Arbeit, als sie beginnt, unter bizarren Alpträumen zu leiden, in denen sie von einem Fremden auf einer Folterbank gequält wird. Als zu diesen Träumen auch noch unheimliche Morde geschehen, lässt Ivana ihre Arbeit ruhen und beginnt, nach der Lösung des Geheimnisses von Schloss Dalmar zu suchen.

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Graf Dalmar reitet aus. Ein Beispiel für die hervorragende Optik des Films.

Typisch für italienische Horrorfilme der 60er und 70er Jahre ist, dass 1. der deutsche Titel nichts mit dem Film zu tun hat und 2. unzählige internationale Alternativtitel zu diesem Film bestehen. So lautet der Originaltitel ganz einfach Ivanna. Mit Schloss Monte Christo hat dies nun wirklich nichts zu tun. Andere internationale Verleihtitel lauten z.B. Altar of Blood oder Scream of the Demon Lover.

Zum Film selbst ist zu sagen, dass Regisseur Merino einen recht guten und spannenden Horrorfilm im Stile der Gothic Novels kreierte. Vor allem fallen die überdurchschnittlich guten Dialoge auf. Besondere Spannung erhält der Film durch den Konflikt zwischen der überaus selbstbewussten Protagonistin und dem charismatischen Grafen Dalmar. Seine Herrschsucht trifft bei ihr zum ersten Mal in seinem Leben auf Widerstand. Dieser Streit zwischen der Chemikerin und dem Grafen ist von Merino sehr einfühlsam und mitreißend in Szene gesetzt worden, im entfernten Sinne erinnert die Figurenkonstellation an diejenige zwischen Jane und Lord Rochester in dem Roman Jane Eyre. Dies wirkt sich durchaus positiv auf den Film aus, erhalten Ivana und Graf Dalmar dadurch eine gewisse Tiefe, die in anderen Filmen dieses Genres größtenteils fehlt.

Die Szenen im Folterkeller erweisen sich geradezu typisch für damalige Horrorfilme und dienen hier eher dazu, dem Film einen Hauch von Sexploitation zu verleihen, was von den Produzenten zwecks Vermarktungsstrategie stets verlangt wurde. dabei liefern die teils natürlichen Kulissen des geheimnisvollen Schlosses einen passenden Hintergrund für die Geschichte. Man merkt, dass sich Merino für diesen Film viel Mühe gegeben hat. Das Geheimnis von Schloss Monte Christo ist somit auf jeden Fall eine kleine Entdeckung für Horrorliebhaber.

Trash der 60er (9): Goke – Vampir aus dem Weltall

goke2Fast 20 Jahre vor Tobe Hoopers „Lifeforce“ gelangte schon einmal ein außerirdischer Vampir auf die Erde und zwar in Hajime Satos Film „Goke“. Hajime Sato (1929-1995) war im Trash-Genre beheimatet, wobei „Goke – Vampir aus dem Weltall“ sein bekanntestes Werk darstellt.

„Goke“ hat so ziemlich alles, was ein guter Trash-Film braucht: einen heldenhaften Flugzeugpiloten, einen fiesen Politiker, einen Gangster und einen Außerirdischen. Der Film beginnt damit, dass immer mehr Vögel grundlos gegen die Fenster des Flugzeugs knallen. Kurz darauf erscheint der Himmel blutrot. Im selben Moment erhält der Pilot von der Flugsicherung eine Warnung, dass sich eine Bombe an Bord befindet. Das Gepäck wird durchsucht, der Terrorist gibt sich zu erkennen. Mit vorgehaltener Waffe will er eine Kursänderung erzwingen, doch da kollidiert das Flugzeug beinahe mit einem UFO. Es kommt zur Bruchlandung. In unmittelbarer Nähe befindet sich das unbekannte Flugobjekt. Als der Gangster dieses betritt, wird er von einem Alienparasiten befallen und mutiert dadurch zu einem willenlosen Blutsauger, der Passagiere und Crew an den Kragen will …

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Der außerirdische Vampir (Hideo Ko) macht sich an sein nächstes Opfer (Kathy Horan) ran.

Schon die Handlung beweist, dass hier Trash-Freunde voll auf ihre Kosten kommen. Dennoch ist Satos Film keineswegs eine bloße Aneinanderreihung skurriler Begebenheiten. Sato will eindeutig mehr und seinem Werk eine gewisse Tiefe verleihen. Auf diese Weise überrascht der Film durch seine harsche Kritik an Politik und einer Mahnung über die Sinnlosigkeit des Krieges. Diese Aspekte versinnbildlichen sich in der Figur des Politikers, dessen Charakter überaus unsympathisch, man möchte schon fast sagen widerlich erscheint. Im Gegensatz dazu sind die übrigen Figuren, der Gangster eingeschlossen, Sowohl-als-auch-Charaktere. Nicht weniger erstaunlich ist auch das Ende des Films, das einen regelrecht endzeitlichen Charakter besitzt, das „Goke“ schließlich zu einem überaus düsteren Film werden lässt.

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Gangster Hirofumi (Hideo Ko) Geht auf das UFO zu. Ein Beispiel für die teils intensive Farbgebung des Films.

Bis dahin jedoch wechselt der Parasit öfters seinen Wirt, sodass die Spannung, ähnlich wie in anderen Filmen, die das „Bodysnatcher“-Thema aufgreifen, durch die allgegenwärtige Bedrohung und die daraus resultierende paranoide Angst stets aufrecht erhalten bleibt.

Noch ein Wort zum Vergleich mit Mario Bava: Dieser kam wahrscheinlich durch die Betonung der intensiven Farbgebung zustande. Bava liebte starke, leuchtende Farben, die seine Filme stellenweise wie Gemälde erscheinen lassen. Ähnliches findet man bei „Goke“. Auch hier strahlen die Farben und geben dem Film damit einen bis ins Surreale reichenden Charakter.

Goke – Vampir aus dem Weltall (OT: Kyuketsuki Gokemidoro), Regie: Hajime Sato, Drehbuch: Kyuzo Kobayashi, Susumu Takahisa, Kathy Horan, Produktion: Takashi Inomata, Darsteller: Hideo Ko, Teru Yushida, Tomomi Sato, Japan 1968, 81 Min

Die Nacht der Vampire – Eine Orgie des Grauens

nachtdervampireAb den 60er Jahren begann sich auch in Spanien eine eigene Horrorindustrie zu gründen, die den italienischen Trash-Granaten in nichts nachstanden. Mit Filmen wie „Die Nacht der reitenden Leichen“ oder „Die Nacht der grausamen Leichen“ wurden Klassiker des europäischen Horrorkinos geschaffen. Zu diesen Ikonen des B-Movies zählt auch die tragische Figur des Waldemar Daninsky, eines Mannes, der sich bei Vollmond in einen Werwolf verwandelt. Diese Figur bescherte dem Schauspieler Paul Naschy einen bis heute bestehenden Kultstatus innerhalb des Horrorgenres.

„Nacht der Vampire“ (der damalige deutsche Untertitel lautete: „Eine Orgie des Horrors“) erzählt von zwei Studentinnen, die an einer Arbeit über Vampirismus und Satanismus arbeiten. Während ihrer Recherchen besuchen sie einen abgelegenen Ort, an dem im Mittelalter eine wahnsinnige Gräfin brutale Menschenopfer dargebracht haben soll. Natürlich geht das Auto der beiden Studentinnen kaputt, worauf ein Mann (natürlich Daninsky) ihnen anbietet, in seinem Haus zu übernachten. Doch schon recht bald müssen beide erfahren, dass dieser Ort auch heute nicht ganz geheuer ist, sondern von Vampiren und eben Werwolf Daninsky heimgesucht wird. Noch dazu erwacht die wahnsinnige Blutgräfin zu neuem Leben und hofft durch ein weiteres Opfer in der Walpurgisnacht Satan zur Weltherrschaft zu verhelfen.

Regisseur Leon Klimovsky gelang es, die Trash-Rakete mit einer geradezu wundervollen Geisterästhetik auszufüllen. Zum einen warf er so ziemlich alles in einen Topf, was einen klassischen Gruselschocker ausmacht: ein einsam gelegenes Haus, eine verfallene Ruine, eine eingesperrte Wahnsinnige, Vampire, einen Werwolf und sogar einen Zombie-Mönch, der aber mit dem übrigen Film rein gar nichts zu tun hat, sondern nur als kleiner Gag am Rande verstanden werden soll. Zum anderen verblüfft der Film durch eine überaus gekonnte Darstellung unheimlicher Begebenheiten, die auch heute noch einen nicht zu verachtenden Gruselcharakter besitzen. Das Erscheinen der Vampire in wehenden Gewändern sowie die dabei verwendete Zeitlupe verleihen dem Film eine Ästhetik, die Jahre später unter anderem in „A Chinese Ghoststory“ wieder verwendet werden sollte.

Leider ist die Wandlung von Waldemar Daninsky in einen Werwolf eindeutig der Schwachpunkt des Films. Auch das Aussehen des Daninsky-Werwolfs hat eigentlich nichts Gruseliges an sich, sondern erinnert irgendwie an Michael J. Fox als Teenwolf. Andererseits macht dies natürlich auch den Charme alter B-Movies aus. Sieht man davon ab, so ist „Nacht der Vampire“ ein toller Beitrag des europäischen Horrorkinos.

Nach der Vampire – Eine Orgie des Horrors (OT: La Noche de Walpurgis), Regie: Leon Klimovsky, Drehbuch: Paul Naschy (als Jacinto Molina), Hans Munkel, Produktion: Salvadore Romero, Darsteller: Paul Naschy, Gaby Fuchs, Barbara Capell, Patty Shepard, Spanien/Deutschland 1971, 85 Min.

Star Crash oder Star Wars war gestern

starcrashDer Erfolg von „Star Wars“ brachte die italienische Filmindustrie dazu, George Lucas zu zeigen, wo der Hammer hängt. Und schon war „Star Crash“ geboren.

Der Film, der interessanterweise seine Premiere in Deutschland feierte, bevor er ein Monat später in Italien uraufgeführt wurde, handelt von der Schmugglerin Stellar Star, die zusammen mit ihrem Kompagnon Akton den Weltraum unsicher macht. Doch dann werden beide vom galaktischen Imperator gefangen genommen. Erst nachdem sie zugestimmt haben, ihm bei der Suche nach seinem verschollenen Sohn zu helfen, kommen beide wieder frei und geraten von einem Abenteuer ins nächste.

Regie führte bei diesem Trash-Meisterwerk Luigi Cozzi, der zusammen mit Dario Argento das Drehbuch für den Film „Vier Fliegen auf grauem Samt“ geschrieben hat. Im Vorspann nannte er sich vorsichtshalber Lewis Coates. Natürlich nur, damit die Amis glaubten, dass „Star Crash“ ein Landsmann von ihnen gedreht hat, was bis in die 80er Jahre bei italienischen Trash-Filmen üblich gewesen war. Doch die eigentliche Frage lautet doch, ob „Star Crash“ nun besser als „Star Wars“ ist und die Antwort ist ein eindeutiges Ja.

Während sich George Lucas in Sachen Perfektion übte, übte sich Cozzi darin, die physikalischen Gesetze für Null und Nichtig zu erklären. Das bedeutet, wenn das Fenster in einem Raumschiff kaputt geht, passiert in dem Raumschiff nichts. Aber das ist eigentlich nur Nebensache. Hauptsache ist Trash-Ikone Caroline Munroe, die stets im tief ausgeschnittenen Weltraumkostüm zu sehen ist. Ihr zur  Seite stehen The Hoff in einer seiner ersten Rollen und Joe Spinell, der ein Jahr später mit dem Psychothriller „Maniac“ Filmgeschichte schrieb. Als Imperator ist Hollywood-Ikone Christopher Plummer zu sehen, der damals vor allem eines brauchte: Geld.

Luigi Cozzi behauptete später, dass die ersten Arbeiten zu „Star Crash“ beinahe ein Jahr vor „Star Wars“ begonnen hätten. Dabei verzettelte er sich allerdings mit den Jahreszahlen. Denn „Star Wars“ kam 1977 in die Kinos, die Produktion von „Star Crash“ begann 1977. Das heißt, dass Cozzi oder die Produzenten des Films, die auch ein Büro in Hollywood besaßen, von George Lucas‘ Film wussten und das deswegen „Star Crash“ grünes Licht bekam, vorausgesetzt natürlich, dass die Produktion begann, bevor „Star Wars“ in die Kinos kam. Wie dem auch sei, Cozzis Film ist auf jeden Fall ein Klassiker des Trash-Kinos.

Star Crash. Regie: Luigi Cozzi, Drehbuch: Luigi Cozzi, Nat Wachsberger, Produktion: Nat Wachsberger, Darsteller: Caroline Munroe, Joe Spinell, David Hasselhoff, Christopher Plummer. Italien 1978, 97 Min.

 

The Man from Planet X oder Notlandung im Moor

manfromplanetxDie 50er Jahre waren, was die B-Picure betfrifft, das Jahrzehnt der Invasionen. Manchmal verläuft eine solche offensichtlich, manchmal eher heimlich. Fast schon super-heimlich ist die Invasion, die der Trash-Klassiker „The Man from Planet X“ aus dem Jahr 1951 schildert. Denn dort ist ausnahmsweise mal nicht die USA von fliegenden Untertassen bedroht, sondern eine abgelegene Insel vor Schottland.

In dem Film entdeckt Professor Elliot einen unbekannten Planeten, den er als Planeten X bezeichnet. Das Besondere daran ist, dass der Himmelskörper seine Position verändert und sich dabei der Erde nähert. Elliot ruft deswegen den Reporter John Lawrence an, da er ihm eine sensationelle Story versprochen hat. Kurz darauf überschlagen sich schon die Ereignisse. Kurz nachdem Lawrence das abgelegene, turmartige Haus des Professors erreicht (es liegt mitten im Moor), entdeckt der Reporter zusammen mit Enid, der Tochter des Professors, seltsame Blitze, die von einem metallenen Gegenstand ausgehen, der mitten im Moor liegt. Schnell finden sie heraus, dass es sich dabei um ein Raumschiff handelt. Und mit dem Außerirdischen ist nicht gut Kirschenessen, plant er doch eine Invasion vom Planeten X auf die Erde …

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Enid (Margaret Fields) begegnet dem Man from Planet X (Pat Goldin).

Bei „The Man from Planet X“ handelt es sich um eine Low-Budget-Produktion, deren Handlung nicht nur originell, sondern überaus spannend in Szene gesetzt ist. Natürlich findet man darin die typischen Elemente der Trash-Filme der 50er Jahre, doch verbindet der Film diese Aspekte mit den Merkmalen eines klassischen Gruselfilms. Natürlich sind fast alle SF-Filme der 50er Jahre eine Mischung aus Horror und SF, doch „Man from Planet X“ verbindet SF mit Schauerromantik, was dem Film eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.

Der österreichische Regisseur Edgar G. Ulmer, der während der Stummfilmzeit an Klassikern wie „Der Golem“ oder „Metropolis“ beteiligt war und in den 30er Jahren nach Hollywood kam, sorgt von Anfang an für Spannung und eine ungeheure Dichte. So beginnt der Film kurz vorm Finale, in dem Lawrence verzweifelt im Haus des Professors sitzt und den Bericht über die seltsamen Ereignisse schreibt, um nach wenigen Minuten die Geschehnisse zu erzählen, die zu eben dieser Situation geführt haben, in der Lawrence praktisch eine Art „Last Man on Earth“ darstellt.

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Eine Optik, die einfach genial ist: Film Noir trifft Horror in „Man from Planet X“.

Eine Besonderheit des Films ist, dass er, im Gegensatz zu vielen anderen B-Movies der 50er Jahre, die Menschen nicht als gut und die Außerirdischen als böse, sondern beide als Sowohl-als-auch-Typen kreiert. So möchte z.B. Elliots Assistent Dr. Mears aus dem ungewöhnlichen Metall, das im Moor gefunden wurde, sofort Geld machen und setzt alles daran, um seine Gier zu befriedigen. Hier wird also der Wissenschaftler keineswegs als Idealbild dargestellt wie in anderen damaligen SF-Filmen, sondern „Man from Planet X“ geht auf die Verbindung zwischen Forschung und Wirtschaft ein, wobei er diese durchaus kritisch betrachtet. Dr. Mears schreckt auch nicht vor Folter zurück, um an das Geheimnis des Metalls zu kommen. Die Szenen, in denen Mears den Außerirdischen quält, sind harter Tobak und nehmen quasi die Verwischung der Grenze zwischen Gut und Böse, die die postmodernen Horrorfilme der 70er Jahre aufgriffen, vorweg. All dies setzt Ulmer mit einer sehr guten Optik um, die dem Film einen Stil verleiht, der irgendwo zwischen deutschem Expressionismus und Film Noir liegt.

Um den Film herum bildete sich in späteren Jahren ein Gerücht, dass der Darsteller des Außerirdischen unbekannt sei. Dieses hat seinen Ursprung anscheinend in einem Interview mit den beiden Hauptdarstellern, die sich nicht mehr erinnern konnten, wer den Außerirdischen gespielt hat. In der Tat aber handelt es sich um den Darsteller Pat Goldin, der immer wieder in Nebenrollen zu sehen war.

„The Man from Planet X“ ist ein heimlicher Klassiker des SF-Films. Heimlich deswegen, da er zwischendurch beinahe in Vergessenheit geraten war. Inzwischen aber wird er – vor allem in den USA – von Kritikern gelobt. Da der Film nie in deutschen Kinos gezeigt wurde, ist Ungers kleines Meisterwerk hierzulande so gut wie unbekannt.

The Man from Planet X. Regie: Edgar G. Ulmer, Drehbuch u. Produktion: Aubrey Wisberg, Jack Pollexfen, Darsteller:  Robert Clarke, Margaret Fields, Raymond Bond, William Schallert. USA 1951, 70 Min.