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Archive for the ‘Buchvorstellung’ Category

Mit dem Titel „Invasion der Doppelgänger“ ist nun bereits der fünfte Band der erfolgreichen eBook-Serie „Prähuman“ erschienen. Der Titel ist Programm, denn der Grenzwissenschaftler Frederic Tubb und seine beiden Mitarbeiter Maki Asakawa und Hans Schmeißer werden auf einmal von Leuten heimgesucht, die ihnen bis aufs Haar gleichen.

Hier der Inhalt: Frederic Tubbs Ruf als Grenzwissenschaftler ist ruiniert, nachdem er auf einem Kongress in Lissabon verkündet hat, dass die prähumane Hyperzivilisation überhaupt nicht existiert. Doch gibt es da ein noch viel größeres Problem: Denn Tubb befand sich gar nicht auf dem Kongress. Wer aber war dann der Mann, der sich als Tubb ausgegeben hat? Als wäre dies noch nicht genug, ereignen sich in London auf einmal sonderbare Zwischenfälle, in denen wie aus dem Nichts Doppelgänger erscheinen und für Unruhe sorgen. Auch Tubbs Mitarbeiter Hans Schmeißer und Maki Asakawa bleiben davon nicht verschont. Und als Maki auf einmal spurlos verschwindet, nimmt die Bedrohung eine weitaus größere Form an …

Auch Band fünf ist eine Mischung aus SF, Action und Abenteuer, wobei dieser Band doch wiederum anders ist als die vorangegegangenen vier. Die Story rast beinahe atemlos voran und die Gags sind wieder einmal herrlich skurril. Dieses Mal nimmt die Handlung teilweise surreale Züge an, besonders die zweite Hälfte des Bandes ist davon geprägt. Insgesamt macht Band fünf genauso Spaß wie die ersten vier. Und die dichte, spannende Handlung bringt einen dazu, das eBook in einem Rutsch durchzulesen.

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Der hässliche, gelbe Aufkleber befindet sich übrigens nicht auf dem Buchcover, sondern auf der Folie 😉

H. P. Lovecraft ist der Autor, der, neben Edgar Allan Poe, die phantastische Literatur beeinflusste wie kein anderer. Und dies, obwohl er nur eine längere Erzählung und mehrere Kurzgeschichten veröffentlichte. All seine anderen Werke erschienen erst postum, vor allem dank der Herausgeberschaft von August Derleth, der Lovecraft allerdings nie begegnet war.

Im Laufe der Zeit erschienen auf diese Weise mehr und mehr Sammelbände, die Geschichten Lovecrafts beinhalteten. In Deutschland erschien 1965 eine erste deutsche Sammlung mit Lovecraft-Geschichten im Heyne Verlag. Von da an häuften sich die Anthologien, doch das Problem war, dass die Übersetzungen nie den jeweiligen Originalwerken gerecht wurden oder manche Begriffe, die Lovecraft verwendete, falsch übersetzt wurden, woraus sich dann auch verzerrte Zusammenhänge ergaben.

In der gewaltigen Lovecraft-Ausgabe, die nun bei Fischer/TOR erschienen ist, versuchten die Übersetzer, genau diese Fehler zu vermeiden, und waren, neben der eigentlichen Übersetzungsarbeit, auch stark am Recherchieren. Das Ergebnis lässt sich sehen. Denn die Geschichten und Romane, die in dem Band versammelt sind, erscheinen somit in einem völlig neuen Glanz. Man kann hier wirklich sagen: in diesem Buch liest sich Lovecraft anders.

Doch ist dies nicht das Einzige, was diesen Koloss von Sammelband ausmacht. Bei dem Buch handelt es sich um eine von Leslie S. Klinger herausgegebene Sammlung, bei der die Werke Lovecrafts nicht nur zusammengestellt, sondern auch ausführlich kommentiert wurden. Für die deutsche Ausgabe wurden die Kommentare von den beiden Lovecraft-Experten und Übersetzern Andreas Fliedner und Alexander Pechmann erweitert und, wenn nötig, ergänzt.

Ein ausführliches Vorwort, das sich mit dem Leben und dem Werk Lovecrafts befasst, und ein überaus ausführlicher Anhang, der unzählige weitere Informationen liefert und bei dem auch FILM und BUCH-Herausgeber Max Pechmann ein wenig seine Hand im Spiel hatte (er ergänzte die Liste der Lovecraft-Verfilmungen bzw. Lovecraft-Filme), runden das Buch ab. Das Ergebnis ist eine wahre Bibel für Lovecraft-Fans und solche, die es werden wollen, bespickt mit vielen Bildern und einem Layout, bei dem man sich die Finger leckt.

Einzig und allein der Titel der Sammlung ist mit „Das Werk“ ein wenig irreführend, beinhaltet der Band doch nicht sämtliche Erzählungen Lovecrafts, sondern eine Auswahl davon. Doch spätestens beim Durchblättern dieses gewaltigen Buches, hat man den Kritikpunkt schon wieder vergessen.

H. P. Lovecraft. Das Werk (Hrsg. Leslie S. Klinger). Fischer/TOR 2017, 912 Seiten (gebunden mit Schutzumschlag), 68,00 Euro

 

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Band vier der eBook-Serie „Prähuman“ ist erschienen. Auch dieses Mal bietet die Mischung aus SF, Fantasy und Abenteuer spannende Unterhaltung.

Die Handlung:

Ist Shangri-La eine bloße Legende? Seitdem Frederic Tubb in New York auf die Spur einer Expedition aus dem Jahr 1933 gekommen ist, ist er anderer Meinung. Denn damals suchten zwei umstrittene Forscher nach dem sagenumwobenen Ort und brachten von ihrer Reise sonderbare Artefakte mit, die seitdem in einem Berliner Museum lagern. Als Tubbs Mitarbeiter Maki Asakawa und Hans Schmeißer die Artefakte besichtigen, kommt es zu einem mysteriösen Zwischenfall, durch den die eigenartigen Objekte auf einmal ein zerstörerisches Eigenleben entwickeln. Kurz darauf empfängt die Zentrale der LOGE rätselhafte Funksignale, deren Ursprung in einem abgelegenen Gebiet des Himalajagebirges liegen.

Sogleich reist Tubb zusammen mit seinem Team nach Tibet, um die Quelle der Signale ausfindig zu machen. Doch sind sie nicht allein. Ein zwielichtiger Mann namens Viktor Leng möchte ebenfalls das Geheimnis um Shangri-La lüften und geht dabei über Leichen. Doch die Gefahr, die von diesem Menschen ausgeht, ist nichts im Vergleich zu dem, was sie in dem entlegenen Gebiet des Himalaja erwartet …

Bei Prähuman 04 handelt es sich um den bisher umfangreichsten Band der Serie. Und als kleiner Hinweis: Die Expedition, von der die Rede ist, hat es tatsächlich gegeben.

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Eine Illustration aus einer Ausgabe von 1796

Wenige Jahre vor der Französischen Revolution veröffentlichte der Offizier Choderlos de Laclos (1741 – 1803) einen Briefroman mit dem Titel „Les Liaisons dangereuses“, auf deutsch „Gefährliche Beziehungen“, der sofort zum Bestseller wurde. Innerhalb nur eines Monats war die Auflage von 2000 Exemplaren ausverkauft, sodass nachgedruckt werden musste. Bis heute zählt de Laclos‘ einziger Roman als eines der wichtigsten Werke der französischen Literatur.

De Laclos schrieb seinen Roman aus einer gewissen Laune heraus. Als Offizier, der sich eine weitere Karriere beim Militär ausmalte, überging man ihn, da er nicht adelig genug war. Dies brachte ihn in Rage. Aus Wut gegenüber der höfischen Gesellschaft verfasste er eine Geschichte um den dekadenten und intriganten Vicomte de Valmont, der sich an der Frau eines Offiziers rächen möchte, da sie mit ihm nicht ins Bett will. Zugleich ist da aber auch die hinterhältige Marquise de Merteuil, die aus Rache eine junge Frau, die gerade aus der Klosterschule kommt, ins Verderben führen will.

Choderlos de Laclos (1741 – 1803)

Mit dem Vicomte und der Marquise schuf de Laclos zwei Figuren, die es ohne Wenn und Aber in die Hall of Fame der literarischen Fieslinge bringen würden, wenn sie dort nicht schon längst Einzug gehalten haben. Ihre Briefe, die sie sich regelmäßig schicken, strotzen nur so vor Bosheit und Gemeinheit, dass man den beiden wirklich nichts Gutes wünscht.

Valmont betrachtet Frauen und Männer lediglich als Spielfiguren, mit denen er seinen Spaß haben kann. Er gibt sich nach außen hin höflich und zuvorkommend, in Wirklichkeit aber ist er das, was man einen Wolf im Schafspelz bezeichnet. Er benutzt seine Verführungskünste nicht allein zur Lustbefriedigung, sondern um die Frauen, die sich auf ihn einlassen, ins Unglück zu stürzen. Wegen ihm gerieten bereits mehrere Damen in Skandale und wurden aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Ihm aber sind die Schicksale seiner Opfer egal, im Gegenteil, er brüstet sich sogar mit seinen Untaten und benutzt die Rücken seiner Gespielinnen als Schreibtisch. Die einzige Person, mit der er so etwas wie eine echte Freundschaft unterhält, ist die Marquise de Merteuil, wahrscheinlich aber nur, weil sie ihm in Sachen Bosheit ebenbürtig ist. Gemeinsam hecken sie daher den Plan aus, zwei Personen ins Unglück zu stürzen. Valmont geht nur darauf ein, da die Marquise ihm verspricht, nach Gelingen der Tat mit ihm zu schlafen.

Der Roman war damals ein Skandal, da er die adelige Gesellschaft als dekadent, vergnügungssüchtig und im gewissen Sinne sexbesessen schildert. Die Frauen, die sich mit ihren teils viel zu alten Ehemännern langweilen, gehen fremd, die Ehemänner sind größtenteils zu dumm und zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um dies zu merken. Andeutungsweise geht de Laclos so weit, die Marquise als bisexuell zu skizzieren, was in manchen ihrer Briefe hindurchschimmert.

Doch ist „Gefährliche Liebschaften“ mehr als nur ein Roman über Verführung und Intrige. Er liefert zugleich Einblicke in das damalige Alltagsleben und übt zugleich Kritik daran, wie Frauen an reiche Männer verkuppelt werden, nur um den eigenen Lebensstil erhalten oder sogar verbessern zu können. Dies wird vor allem in den Briefen der jungen Cecile deutlich, die ihre Ängste vor einer solchen Heirat ihre besten Freundin schildert. Verliebt ist Cecile in den jungen Chevalier de Danceny, doch Ceciles Mutter will aus den oben genannten Gründen, dieser Beziehung ein Ende bereiten. Dabei geht Ceciles Mutter so weit, das Zimmer ihrer Tochter zu durchsuchen, um die Briefe Dancenys zu finden und ihm zurückzuschicken.

Manche behaupten, „Gefährliche Liebschaften“ sei ein langweilger Roman. Dem kann ich nicht zustimmen. Ich finde das Werk sehr dicht, spannend und nicht weniger aufreibend, besonders dann, wenn Valmont und die Marquise weiter an ihren hinterhältigen Plänen schmieden. Überaus faszinierend finde ich außerdem, wie de Laclos seinen Figuren in den jeweiligen Briefen Stimmen verleiht, die so lebendig erscheinen, als würde man einen tatsächlichen Brief lesen.

1988 wurde „Gefährliche Liebschaften“ von Stephen Frears verfilmt, wobei das Drehbuch nicht auf dem Roman, sondern auf dem Theaterstück basiert, das sich an dem Roman orientiert. Damals spielten John Malcovich Valmont und Glenn Close die Marquise.

 

 

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Cover der Erstausgabe von 1961

Richard Yates (1926 – 1992) beklagte sich selbst darüber, dass sein erster Roman zugleich sein bester Roman gewesen sei. Gemeint war „Zeiten des Aufruhrs“, der 1961 erschienen ist und seitdem als Klassiker der modernen amerikanischen Literatur gilt.

In dem Roman geht es um das Ehepaar Frank und April Wheeler, die Mitte der 50er Jahre mit ihren beiden kleinen Kindern in einem Vorort von New York wohnen. Beide sind Ende 20 und befinden sich in einer tiefen Krise, die sämtliche Lebensbereiche umfasst. So ist Frank von seiner Tätigkeit bei der Computerfirma Knox nur noch angeödet, während April das Eheleben nicht mehr aushält. Das Einüben eines Theaterstücks soll Abhilfe schaffen, doch die Premiere der Amateurgruppe Laurel Players verkommt zum Desaster. Und dies wirkt sich wiederum negativ auf das Zusammenleben von Frank und April aus. Schließlich hat April die Idee, dass sie alles aufgeben sollten, um nach Frankreich zu ziehen, wo sie gemeinsam von vorne anfangen könnten. Doch alles kommt anders, als geplant …

Yates gelingt in seinem Roman das Kunststück, eine tief ernste und überaus tragische Handlung in die Form einer gelungen Satire zu gießen. Der schöne und ruhig gelegene Vorort entpuppt sich als ein Sammelbecken für Spießer, die sich der Oberflächlichkeit hingeben und hinterrücks über ihre Bekannten und angeblichen Freunde herziehen.

Frank und April sind in dieser Hinsicht nicht anders. Auch sie verstecken sich hinter einer Fassade des Anstands und der Normalität. Dahinter aber brodelt ein Vulkan. Während beide so tun, als wären sie das Vorzeigeehepaar der typischen US-amerikanischen Vorstadt, möchte April aus ihre Rolle als Hausfrau ausbrechen, um ihre eigenen Träume zu erfüllen. Doch Frank hat Angst vor Veränderungen und versucht, seine Frau bei all ihren Aktionen zurückzuhalten.

Auf diese Weise ist alles, was beide anpacken, zum Scheitern verurteilt. Und in dieser Hinsicht schildert Yates ein düsteres Drama, das bar jeglicher Hoffnung ist. Es ist wirklich seltsam, obwohl es Yates versteht, den Leser mit seiner bissigen Satire zu amüsieren, so kommt dabei keineswegs Heiterkeit oder etwas ähnliches auf. Im Gegenteil, das Düstere und Tragische besitzt eine solch intensive Wirkung, dass man beim Lesen stets eine gewisse Traurigkeit und Schwermut empfindet.

Auf eine geradezu minutiöse Art und Weise schildert Yates den Konflikt zwischen den beiden Ehepartnern, ohne aber dabei Stellung zu beziehen. Er ist weder auf der Seite Franks noch auf der Seite Aprils, sondern legt eine geradezu erbarmungslose Objektivität an den Tag, in deren Licht die unterschiedlichen Probleme und Wendungen noch schmerzhafter und trostloser wirken.

Wie eine Art Paradoxon erscheint dabei der federleichte Schreibstil, so als wollte Yates damit ein zusätzliches satirisches Element in den Roman einbringen, ähnlich wie ein hell erleuchtetes Szenario, in dem sich eine finstere Tragödie abspielt. „Revolutionary Road“ lautet sowohl der Originaltitel als auch der Name der Straße, in der die Wheelers wohnen. Der Name ist fast schon Programm, wirken Frank und April inmitten der hoch gehaltenen Moralvorstellungen der 50er Jahre doch wie Ausbrecher, die nach Alternativen suchen. Doch die Straße führt sie nicht dahin, wo sie hinwollen. Das bereits mehrfach erwähnte Drama, das dadurch entsteht, ist ein großartiges Stück Literatur, das man unbedingt einmal gelesen haben sollte.

 

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Band 3 der Serie Prähuman ist erschienen. Die Handlung: Ein Kreuzfahrtschiff mit 3000 Passagieren an Bord ist spurlos verschwunden. An der Stelle, an der die „Expedition“ zum letzten Mal ein Notsignal gesendet hat, befindet sich nun eine bizarre Maschine von gigantischen Ausmaßen. Während die US-Marine mehrere Schiffe zu dem Objekt entsandt hat, erhalten Frederic Tubb, Maki Asakawa und Hans Schmeißer den Auftrag, die unheimliche Konstruktion zu untersuchen. Doch kaum haben sie „Point Zero“, wie das Militär den fremdartigen Koloss bezeichnet, erreicht, als dieser Tubbs Schiff „Argo“ und die US-amerikanische Flotte angreift. Die „Argo“ gerät dabei ins Innere der riesigen Maschine – und für Tubb und sein Team beginnt eines der gefährlichsten Abenteuer …

Frederic Tubb funkt SOS verspricht, wie auch die beiden vorangegangen Bände, jede Menge Action, Spaß und Spannung.

 

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Cover der Originalausgabe von 1958

Mit seiner Novelle „Frühstück bei Tiffany“ hatte der Exzentriker Truman Capote (1924 – 1984) endgültig das Podest der amerikanischen Literatur erklommen. Seine Novelle wurde quasi über Nacht zum Bestseller und Paramount erwarb die Filmrechte, um 1961 (also drei Jahre nach Erscheinen des Buches) einen der Klassiker der Filmgeschichte zu produzieren.

Die Frage, die ich mir immer stelle, lautet, was ist so herausragend an dieser Geschichte? Was so einzigartig? Ich habe keine Ahnung, ob es darauf eine klare Antwort geben kann, sicher ist nur, dass, wer Capotes Novelle liest, sich in diese genauso heimlich verliebt wie der Erzähler in Holly, den sie den Namen ihres Bruders Fred gibt.

Eigentlich erzählt Truman Capote lediglich die freundschaftliche Beziehung zwischen einem Mann, der Schriftsteller werden möchte, und einer jungen Frau, die sich leichtfüssig durchs Leben schlägt. Halb Prostituierte, halb It Girl gelingt es ihr im Handumdrehen, reiche Männer an sich zu binden. Dass sie jedoch nebenher mit der New Yorker Unterwelt verkehrt, scheint niemanden groß zu stören.

Capote erzählt die Novelle mit einer unerhörten Leichtigkeit, die dem Namen der weiblichen Hauptfigur alle Ehre erweist. Voller Witz, voller überraschender Wendungen, ist „Frühstück bei Tiffany“ ein wahres literarisches Feuerwerk. Doch so leicht Capote über „Freds“ Beziehung mit Holly schreibt, so schwer und tragisch sind zugleich die Themen, die darin anklingen.

So unter anderem um Eltern, die ihre Kinder aussetzen, um schwere Verluste, um das Verdrängen von Wirklichkeit – immer dann, wenn Holly sich an ihr wahres Ich erinnert, geht sie zu Tiffany’s, um sich wieder zu beruhigen und sich dem Trug hinzugeben -, es geht um Einsamkeit und um zerstörte Träume. Es wäre unfair gegenüber Lesern, die die Novelle noch nicht kennen, auf die einzelnen Aspekte genauer einzugehen, da sie die Überraschungsmomente und die Spannung wegnehmen würden.

Capote glingt jedenfalls das Meisterstück, all diese Themen in eine Art melancholische Sichtweise zu verpacken, die der Novelle diese ganz spezielle Atmosphäre verleiht. Die Tragik ist stets allgegenwärtig, doch Holly gelingt es immer wieder, sich zu behaupten. Sie ist eine Kämpfernatur, da sie von Anfang an hatte kämpfen müssen. Schließlich macht sie sich ihr Aussehen zunutze und verdient dadurch ihr Geld.

Man merkt regelrecht, dass der Erzähler bei Hollys rasantem Lebenswandel kaum oder so gut wie gar nicht mithalten kann. Er beobachtet völlig erstaunt und beinahe hilflos ihre spontanen Handlungen und merkt dabei zugleich, wie er sich in sie zu verlieben beginnt. Doch der Erzähler bewahrt, manchmal beinahe mit sich selbst ringend, die Distanz, so als sei ihm ihre Lebensart nicht ganz geheuer. Ist sie ihm zu wild, zu unberechenbar?

Truman Capote (1958)

Holly verhält sich gegenüber „Fred“ völlig anders als zu allen anderen Figuren. Sie mag ihn, seine zurückhaltende und zugleich hilflose Art scheint sie auf eine gewisse Art anzuziehen, sie aber keineswegs zu bändigen. Gleich am Anfang nennt sie ihn Fred, als zeichen für Leute, die sie gerne hat und die sie an ihren Bruder erinnern, der eingezogen wurde und nun an der Front in Europa kämpfen muss. Auf diese Weise bekommt der Erzähler so gut wie alles mit, was mit Holly und ihrem sprunghaften Leben zu tun hat. Doch gelingt es ihm nie, sie vor bestimmten Dingen zurückzuhalten. Sie lässt sich nichts sagen und hat es nicht gerne, wenn man sie mit der Wahrheit konfrontiert. Auf diese Weise wirkt Holly, als sei sie ständig auf der Flucht, und zwar auf der Flucht vor sich selbst.

Es scheint manchmal so, als versuchte Capote selbst, seine Figur wieder einzufangen, um sie im Rahmen der Handlung zu belassen, als versuchte er zu verhindern, dass Holly seine Geschichte übernimmt. Auf diese Weise entsteht eine ungeheure Lebendigkeit und Schnelligkeit, bei der man als Leser selbst aufpassen muss, dass man nicht aus der Puste kommt.

Wenn ich nur drei Bücher mit auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, so wäre „Frühstück bei Tiffany“ auf jeden Fall dabei. Es ist ein Buch, das man immer wieder liest, in das man sich immer wieder von neuem verliebt und das man vor allem immer wieder von neuem erleben kann. In der Tat gibt es nicht viele Romane oder Novellen, die man wirklich erlebt. Truman Capotes Meisterwerk ist solch eine wundervolle Ausnahme.

 

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