Buddenbrooks – Ein Roman über Emanzipation?

Thomas Manns Buddenbrooks – Verfall einer Familie (1901) wird gerne auch als „Jahrhundertroman“ bezeichnet. Es ist nicht nur der Roman einer Familie, sondern eigentlich der Roman seiner Familie, nahm Mann doch die Geschichte seiner Vorfahren als Blaupause für dieses epische Werk. Als Thomas Mann dafür 1929 den Nobelpreis für Literatur erhielt, ärgerte er sich ein wenig, dass in der Laudatio sein Zauberberg unberücksichtigt geblieben war, den er für stilistisch ausgereifter hielt als die Geschichte über den Untergang einer reichen Kaufmannsfamilie.

Endlich habe ich den Roman ebenfalls gelesen, nachdem ich mich immer wieder davor gedrückt habe. Im Nachhinein bin ich froh, dass ich dieses kolossale Werk erst jetzt für mich entdeckt habe, denn so kam ich in den Genuss eines packenden Familiendramas, das sich zwar über mehrere Generationen erstreckt, sich aber auf das Schicksal von Thomas Buddenbrook und seiner Geschwister konzentriert.

Obwohl Thomas Buddenbrook im Zentrum des Geschehens steht, so fällt auf, dass seiner Schwester Toni Buddenbrook beinahe genauso viel Raum in der Geschichte zukommt. Manchmal dachte ich mir sogar, dass Thomas Mann Antonie interessanter fand als Thomas, vor allem da mit ihr ein weiteres Thema in den Roman Einzug erhält, nämlich das der Emanzipation.

Toni ist von Anfang an ein aufgewecktes Kind, das sich gegen alle Konventionen stellt. Schnell aber muss sie erfahren, dass sie als Frau vollkommen dem Patriarchat unterliegt. Ihre einzige wahre Liebe findet keine Erfüllung. Stattdessen wird sie gezwungen, den widerlichen und aufdringlichen Kaufmann Bendix Grünlich zu heiraten. Bendix hat es natürlich nur auf die Mitgift abgesehen. Die Ehe scheitert. Doch Toni muss von da an mit den Schmähungen fertig werden, welche die Gesellschaft gegenüber geschiedenen Frauen hegt.

Alleinerziehend, lebt sie wieder bei ihrer Familie, bis sie in München einen weiteren sonderbaren Kauz namens Alois Permaneder kennenlernt, dessen Verhalten sie zunächst fasziniert, der sie jedoch später mit dem Hausmädchen betrügt. Wiederum ist Toni geschieden und muss die oben erwähnten Schmähungen erleiden.

Trotz ihres Scheiterns aber lässt sie nicht locker. Sie beginnt, sich mit Wahlrecht auseinanderzusetzen, was die Männerwelt geradezu schockiert. Ich glaube, dass in einem der letzten Kapitel sogar steht, dass sie sich Gedanken über das Frauenwahlrecht macht. Eine ganz kurze Stelle, die Thomas Mann wie nebenbei erwähnt.

Ein weiterer Aspekt, der mit dem Thema Emanzipation einhergeht, findet sich bei Thomas Buddenbrooks Bruder Christian, der immer wieder betont, dass er es in einem Büro nicht aushält, sondern lieber selbständig und frei werden möchte. Ähnlich wie bei Toni, so ist auch sein Streben nach Unabhängigkeit zum Scheitern verurteilt, was jedoch an ihm selbst liegt und nicht an der Gesellschaft.

Er ist überaus naiv und leichtsinnig, möchte so etwas wie ein Bohemien oder Dandy sein, doch prallen seine Vorstellungen mit voller Wucht immer wieder auf die Realität, die so aussieht, dass Christian unter einer immer stärker werdenden Psychose leidet.

Sowohl Toni als auch Christian finde ich aufgrund ihrer Versuche, sich von den traditionellen Regeln zu lösen, am interessantesten in dem Roman. Ihre Schicksale sind überaus bewegend und mitreißend, wobei man jedoch gegenüber Christian stets eine Mischung aus Sympathie und Ablehnung hegt. Sein Verhalten erscheint manchmal extrem egoistisch, was jedoch auch auf seine Psychose zurückzuführen ist.

Emanzipation ist natürlich nur eines von vielen Themen, die in diesem großartigen Roman zu finden sind. Doch verleiht dies, wie ich finde, den Buddenbrooks einen zusätzlichen Reiz und eine zusätzliche Spannung.

Werbeanzeigen

Pierre Boulles „Die Brücke am Kwai“ – Ein Abenteuer- oder ein Kriegsroman?

Erste deutsche Ausgabe im Rowohlt Verlag aus dem Jahr 1956

Der französische Schriftsteller Pierre Boulle (1912 – 1994) ist auch den Leuten bekannt, die noch nie eines seiner Bücher gelesen haben. Denn sein Roman „Planet der Affen“ (1963) wird immer wieder gerne für die Leinwand adaptiert. Sein erster großer Roman aber war „Die Brücke am Kwai“ (1952), den 1957 David Lean verfilmte.

In dem Roman geht es um eine Einheit britischer Soldaten, die von den Japanern gefangen wurden und nun in den thailändischen Dschungel gebracht werden, um dort eine Brücke über den Fluss Kwai zu bauen, die Thailand mit Burma verbinden soll. Angeführt werden die britischen Soldaten von Oberst Nicholson, einem Mann, der voll und ganz auf die englischen Tugenden setzt. Auf diese Weise bringt er den japanischen Oberst Saito, einem jähzornigen Alkoholiker, mehr und mehr in Rage. Doch mit der Zeit macht Nicholson sich das Bauvorhaben der Japaner zu seinem eigenen, persönlichen Projekt. Was er nicht weiß, ist, dass britische Agenten, die zuvor in Indien stationiert waren, die Brücke sprengen sollen …

„Die Brücke am Kwai“ ist ein durch und durch spannender Roman. Boulle erlebte die japanische Kriegsgefangenschaft ab 1942 am eigenen Leib, konnte aber 1944 fliehen. Anfang der 50er Jahre schließlich begann er, diese Erfahrungen in Form eines Romans umzusetzen, wobei er sich im Hinblick auf den Bau der Brücke auf eine reale Begebenheit bezog.

Und dennoch, obwohl Boulle diese schlimme Zeit selbst erfahren hat, bleibt sein Roman überraschend oberflächlich. Hätte ich über Pierre Boulles Biografie vorab nichts gewusst, so hätte ich nicht vermutet, dass der Autor das Leben in einem solchen Gefangenenlager selbst durchgemacht hat. Alles wirkt doch recht skizziert. Bis auf Oberst Nicholson und seinen Gegenspieler Saito wirken die übrigen Figuren relativ grob gezeichnet. So auch die drei Agenten Joyce, Shears und Warden, obwohl Boulle zu allen dreien – vor allem zu Joyce – eine Hintergrundgeschichte liefert.

Während des Lesens habe ich mich ständig gefragt, über was Boulle eigentlich schreibt. Ich meine damit nicht die Handlung, sondern das zugrunde liegende Thema. Dabei kam mir der Roman in dieser Hinsicht überraschend leer vor. Wie bereits bemerkt, wirkt alles doch recht oberflächlich und diese Oberflächlichkeit setzte sich auch im Thema fort, da – meiner Meinung nach – der Roman kein wirkliches Thema liefert. Es geht weder um den Alltag in einem japanischen Gefangenenlager, da der Roman in dieser Hinsicht kaum historische bzw. (aus Boulles Sicht) autobiographische Informationen liefert, und es geht nicht um den soziokulturellen Gegensatz zwischen Japanern und Briten, da dieser ebenfalls nur knapp skizziert wird.

Erste englische Ausgabe aus dem Jahr 1954

Dies hat mich dann doch gewundert, da ich mir in dieser Hinsicht etwas ganz anderes vorgestellt habe. Längere Zeit davor habe ich Laurens van der Posts Roman „Das Schwert und die Puppe“ gelesen, in dem van der Post ebenfalls seine Erlebnisse in einem japanischen Gefangenenlager verarbeitet hat. Van der Post verlieh seinem Roman durch die Figur Jacques Celliers einen fast mystischen Touch (in der Verfilmung grandios dargestellt von David Bowie).

Doch Pierre Boulles „Die Brücke am Kwai“ wirkt gegenüber van der Posts Roman eher wie ein typischer Abenteuerroman aus der damaligen Zeit, mit den typischen (aus heutiger Sicht rassistischen) Bemerkungen. Obwohl mir der Roman wirklich gut gefallen hat, wurde ich letztendlich nicht wirklich schlau daraus. Denn im Gegensatz dazu besitzt sein Roman „Planet der Affen“ eine ungeheure Tiefe und steckt so voller verschiedener (philosophischer, soziologischer, politischer usw.) Themen, dass man sich immer wieder gerne damit beschäftigt.

„Ich würde für dich sterben!“ oder Wieso koreanische Schülerinnen Angst vor Geistern haben

Park Jae-Jin als die Schülerin Hyo-Shin in „Memento Mori“ (1999); © e-m-s

„Ich würde für dich sterben!“ Dieser Ausbruch von Leidenschaft findet im Finale eines der bekanntesten koreanischen Horrorfilme statt. Titel: Memento Mori. Produktionsjahr 1999. Der Film erregte dazumal großes Aufsehen. Nicht nur national, sondern auch international wurde er mit diversen Nominierungen beehrt. Hinzu kam ein weiterer Aspekt, der Memento Mori zu einem außergewöhnlichen Werk werden ließ. Wie kein anderer Film zuvor sprachen die beiden Regisseure Kim Tae-Yong und Min Kyu-Dong das Thema Homosexualität an. Dies anscheinend auf eine so direkte Weise, dass die koreanische Zensurbehörde die Produktionsfirma dazu aufforderte, ganze zwanzig Minuten herauszuschneiden. Was soll’s, dachten sich die beiden und kamen der Aufforderung nach. Fünf Jahre später wurden diese Szenen dem fertigen Film wieder hinzugefügt. Aber dabei blieb es nicht. Denn der Director’s Cut, der zum fünfjährigen Jubiläum (leider nur in Korea) erschien, besitzt eine Länge von sage und schreibe drei Stunden.

Doch um was geht es überhaupt in Memento Mori und in welchem Zusammenhang steht dieser Film eigentlich?

Kinoplakat von „Memento Mori“

Memento Mori erzählt die tragische Liebesbeziehung zwischen den beiden Schülerinnen Hyo-Shin und Min-Ah. Während sowohl Lehrer als auch Schüler Min-Ah aufgrund ihrer Leistungen als Schnellläuferin gleichermaßen respektieren, wird Hyo-Shin zur Außenseiterin abgestempelt. Grund ist, dass ihre lesbischen Neigungen offensichtlich sind. Zugleich benimmt sie sich seltsam und besitzt eine düstere Aura. Die heimliche Beziehung zwischen ihr und Min-Ah halten beide in einem gemeinsamen Tagebuch fest. Doch Min-Ah beginnt plötzlich, sich von ihrer Freundin zu distanzieren. Erst zu spät merkt sie, welche leidenschaftlichen Gefühle Hyo-Shin für sie empfindet. Hyo-Shin hält den Schmerz der Trennung nicht aus und bringt sich um. Von da an geschehen unheimliche Dinge in der Schule, auf der zudem ein Fluch lasten soll. Denn bereits zuvor starben dort sechs Mädchen auf seltsame Weise.

Min-Ah (Gong Hyo-Jin) und Hyo-Shin (Park Jae-Jin) verstecken sich; „Memento Mori“ (1999); © e-m-s

Wer der Inhaltsangabe folgt und sich fragt, ob Memento Mori nicht eher ein Drama als ein Horrorfilm ist, steht nicht alleine da. Denn Kim Tae-Yong und Min Kyu-Dong hatten während der Schreibphase ein Drama im Sinn, in dem die unheimlichen Momente eine sehr geringe Rolle spielen sollten. Doch ihr eigentlicher Plan ging nicht auf. Nachdem die Produzenten das Skript gelesen hatten, lautete es: mehr Horror, weniger Drama, sonst könnt ihr die Tür von außen zumachen. Also schrieben beide das Drehbuch um und wurstelten in das Liebesdrama eine Gruselgeschichte ein. Übrigens stellte dies die erste Regiearbeit der beiden dar. Die Produzenten waren allerdings noch immer nicht ganz zufrieden. Der Titel musste leicht geändert werden. Doch dieser war schnell gefunden: Yeogo Geodam 2: Memento Mori. Wahrscheinlich wird sich der ein oder andere Leser jetzt fragen: Teil 2? Hab ich gerade etwas verpasst? Die Antwort darauf setzt Memento Mori in einen größeren Zusammenhang, bei dem auch ein winziger historischer Einblick in die Filmindustrie Südkoreas nicht fehlen darf.

„Shiri“ (1999) ist der erste koreanische Blockbuster

Fasst man die Geschichte des koreanischen Films in einem kurzen Satz zusammen, so lautet dieser: vorher keine Zuschauer, nachher volle Kinosäle. In der Tat wurden vor Mitte der 90er Jahre koreanische Filme in koreanischen Kinos nur gezeigt, da die Kinobesitzer gesetzlich dazu verpflichtet wurden. Das Problem war, dass die gesamte Filmbranche in staatlicher Hand lag und dementsprechend nur das in den Kinos lief, was vielleicht gerade einmal ein, zwei verstaubte Beamte hinter dem Ofen hervorlockte. Das heißt nicht, dass diese Filme handwerklich schlecht waren. Das heißt aber, dass sie im Vergleich zum bunten und glitzernden Hollywoodkino eindeutig den Kürzeren zogen. Den Filmen vor den 90ern merkt man eindeutig an, dass nicht sonderlich viel Geld für die Ausstattung vorhanden gewesen ist.

Dies änderte sich schlagartig Mitte der 90er Jahre. Die Verstaatlichung der Filmindustrie wurde aufgehoben. Von nun an standen sich vier Produktionsfirmen gegenüber: Cinema Service, CJ Entertainment, Showbox und Lotte Cinema. Diese pumpten riesige Mengen Gelder in ihre Produktionen. Das Ergebnis: gleich die erste Großproduktion, der Thriller Shiri, erzielte an den koreanischen Kinokassen einen weit höheren Umsatz als Titanic, der zur selben Zeit lief. Fasst man diese Veränderung in einen noch größeren Zusammenhang, so findet man diesen in der in den 90er Jahren aufgekommenen Krise in Hollywood, welche den Filmindustrien auch in anderen Ländern Auftrieb verlieh.

In Südkorea ist Hollywood aufgrund der hervorragenden koreanischen Eigenproduktionen inzwischen so sehr in Bedrängnis gekommen, dass z.B. Filmgrößen wie Steven Spielberg versuchen, Gemeinschaftsproduktionen anzuzetteln, da die eigenen Produkte nicht mehr genug einbringen. Und zum Schluss noch ein weiterer Ausholer: der große Erfolg der modernen japanischen Horrorfilme, welche traditionellen Geisterglauben mit dem modernen Großstadtleben verbinden und Mitte/Ende der 90er Jahre ins Leben gerufen wurden, führte dazu, dass sich die Industrien in Südkorea ebenfalls dem Horrorgenre zuwandten, das bis dahin eher geschmäht worden war. Die erste Produktion trug den Titel Yeogo Geodam – Whispering Corridors (1998). In diesem Film tauchten nicht gerade Geister auf. Vielmehr kann dieser Streifen als Psychothriller bezeichnet werden, dessen Schauplatz eine Schule ist, in der die Schülerinnen von den Lehrern auf jede Art und Weise schikaniert werden. Dabei kommt es zu mehreren unheimlichen Morden.

Die Schülerinnen werden von ihrem Lehrer schikaniert; „Whispering Corridors“ (1998); © Cinema Service

Der Film wurde ein voller Erfolg. Mit seiner Darstellung der Misshandlungen von Schülern durch Lehrer übte er scharfe Kritik am südkoreanischen Schulsystem. Die Diskussion über dieses System hält bis heute an. Während man seit der PISA-Studie ehrfürchtig von Deutschland aus nach Südkorea und Japan blickt, denkt man dort darüber nach, wie man den teils unmenschlichen Leistungsdruck nach und nach lockern kann. Eine Folge dieses Drucks ist eine hohe Selbstmordrate unter Schülern. Diese Selbstmorde wiederum sind Auslöser für so genannte urbane Legenden, welche dem tragischen Schicksal einer Schülerin oder eines Schülers eine düster-romantische Note verleiht.

Man kann sagen, fast jede Schule hat ihre eigenen Geistergeschichten, in denen es um unglücklich verliebte Jugendliche geht oder auch um bizarre Flüche. Nicht selten vernimmt man die Geschichte, dass der Geist eines Mädchens durch das Klassenzimmerfenster blickt, während ihr Lieblingslehrer gerade Unterricht hält. Stirbt jemand in der Schule, so wird sogleich spekuliert, ob der Geist einer Schülerin die unglückliche Person heimgesucht hat. Diese Legenden oder Spukgeschichten griff Whispering Corridors auf. Der eigentliche Titel Yeogo Geodam bedeutet übrigens Geistergeschichten aus der Schule. Der Titel macht noch einmal deutlich, dass sich der Film (und auch die nachfolgenden Filme) auf eben diese Legenden und Gerüchte beziehen, welche sich bei den Schülerinnen und Schülern großer Beliebtheit erfreuen.

„Whishing Stairs“ (2003)

Memento Mori setzte diese Form des Horrorfilms fort. Doch nun waren es nicht mehr die bösen Lehrer, sondern die Schülerinnen untereinander, die sich schikanierten, um dadurch den Druck abzubauen, der aufgrund des Schulsystems auf ihnen lastet. Geschickt webt der Film die Spuklegenden gleich am Anfang in die Erzählung ein, um kurz darauf mit der unglücklichen Beziehung zwischen Hyo-Shin und Min-Ah fortzufahren, welche letztendlich in tatsächlichen Spukphänomenen mündet. Äußerst komplex verbinden Kim und Min die eigentliche Handlung mit Rückblenden, sodass man nach dem ersten Anschauen zunächst einmal unter einer gewissen Ratlosigkeit leidet.

Erst nach mehrmaligem Ansehen ist es möglich, die unterschiedlichen Erzählebenen voneinander zu trennen und damit die ganze Story aufzulösen. Die Komplexität verbindet sich mit einer ungeheuren Ästhetik, welche den Film radikal aus der Yeogo Geodam-Reihe hervorhebt. Ebenso ist die Tragik der Handlung in keiner der anderen vier Filme derart ausgeprägt wie hier. Hyo-Shins verzweifelter Ausruf „Ich würde für dich sterben!“ löst auch nach mehrmaligem Ansehen eine regelrechte Gänsehaut aus.

„Voice“ (2005)

Diese Intensität ist vor allem den beiden hervorragenden Hauptdarstellerinnen zu verdanken, hierbei allen voran Park Yae-Jin, welche für ihre Rolle der sinnlich-düsteren Hyo-Shin gleich bei zwei Filmfestivals als beste Newcomerin ausgezeichnet wurde. Ihre darauf folgende Karriere ist nicht weniger erfolgreich, beschränkt sich allerdings in der Hauptsache auf Rollen in den so genannten Dramas, den berühmtberüchtigten koreanischen Fernsehserien. Wie bei allen Yeogo Geodam-Filmen wurden die Darstellerinnen aus speziellen Castings ausgewählt, an denen tausende von Bewerberinnen, in der Regel unerfahrene Schauspielerinnen oder junge Frauen, die von einer Filmkarriere träumen, teilnahmen. Dieses Vorgehen sowie die Strategie, unbekannte Regisseure die Arbeit machen zu lassen, dient allein dazu, die Produktionskosten so gering wie möglich zu halten.

„A Blood Pledge“ (2009)

Vier Jahre nach Memento Mori ging der dritte Teil der Schulhorrorreihe an den Start. Mit Yeogo Geodam 3 – Wishing Stairs machte man zwar erneut Kasse, doch ließ die Qualität zu Wünschen übrig. Regisseurin Yoon Jae-Yeon fiel nichts anderes ein, als aus der Handlung einer Mädchenschule, hinter der sich eine geheimnisvolle Wunschtreppe befindet, einen miserablen Argento-Abklatsch zu liefern. Die Qualität steigerte sich zum Glück wieder bei den Teilen vier und fünf. Yeogo Geodam 4 – Voice aus dem Jahr 2005 bringt wiederum das Thema Homosexualität ins Spiel, wenn auch nicht so sinnlich-tragisch wie in Memento Mori. Hier geht es um den Tod einer Schülerin, die besonders gut singen konnte. Ihre Freundin findet heraus, dass sie eine Beziehung zu ihrer Musiklehrerin hatte.

„Ghost“ (2004)

Es geht um Eifersüchteleien und die Aufklärung eines weiteren Todesfalles. Alles in allem ein recht gut in Szene gesetzter Film, der jedoch aufgrund seiner Längen etwas Durchhaltevermögen abverlangt. Mit Yeogo Geodam 5 – A Blood Pledge von 2009 erreichte die Reihe ihr vorläufiges Ende. Das Schulgebäude erinnert stark an dasjenige aus Memento Mori, allerdings befindet sich jetzt darin eine streng katholische Einrichtung. Vier Mädchen beschließen einen Selbstmordpakt. Nur eines der Mädchen setzt das Vorhaben auch tatsächlich um. Kurz darauf werden die anderen drei Schülerinnen von ihrem Geist ermordet. Der fünfte Teil ist eindeutig der blutigste von allen. Zugleich ist er auch der schnellste und kurzweiligste. Trotz der Konzentration auf Blut und Action ist A Blood Pledge hervorragend gefilmt, zitiert gelegentlich Memento Mori und weist auch wie dieser ein Durcheinander aus eigentlicher Handlung und Rückblenden auf. Es kommt einem fast so vor, als wollte man mit einem gehörigen Paukenschlag die Reihe zu einem Ende führen. Da die Besucherzahlen gegenüber Voice aber fast um das Doppelte gestiegen waren, dürften die Produzenten gerade am Überlegen sein, ob man nicht doch noch ein kleines Filmchen hinzufügen könnte.

Parallel zur Yeogo Geodam-Reihe entstanden und entstehen weitere Schulhorrorfilme, die allerdings nicht die Eigentümlichkeiten dieser Serie aufweisen. Es handelt sich dabei um so unterschiedliche Filme wie Ghost, der mit einem freudianischen Konzept aufwartet, oder um Slasher-Movies wie Death Bell, die sich ansatzweise an den Produktionen von Eli Roth orientieren. Die Herstellung dieser Filme zeigt, wie stark das Thema Schule auf negative Weise in das Bewusstsein der koreanischen Gesellschaft eingewebt ist. Die Angst vor den Geistern, die in den Schulgebäuden lauern, entpuppt sich aus dieser Perspektive als eine Angst vor der Schule selbst.

FuBs Best of 2017

Das Jubiläumsjahr (5 Jahre FILM und BUCH) geht langsam aber sicher zu ende. Aber keine Angst, der 550. Beitrag ist auch nicht mehr fern. Es gibt also schon bald wieder etwas zu feiern :) .  Auf jeden Fall haben wir uns Gedanken darüber gemacht, was uns in diesem Jahr am besten an Büchern, Filmen und K-Pop/J-Pop-Videoclips gefallen hat.

Cover des Albums „Yellow“; © Epic Records

In der Kategorie Videoclips fiel uns die Entscheidung mehr als nur leicht. Zwar gibt es die Band schon seit 11 Jahren, doch haben wir sie erst in diesem Jahr entdeckt: Scandal, eine japanische Girl-Indie-Rock-Band, die ihre Songs stets selbst schreiben und sich irgendwo zwischen Alternative Rock, Punk-Rock und Pop-Rock befinden. Sehr poetisch-melancholische Texte verbinden sich dabei mit eingehenden Melodien, die genauso hart wie weich sein können. Ein neues Album ist für das kommende Jahr geplant und in Sachen Videoclips darf man gespannt sein, wie sich die Visualisierung der Band in dieser Hinsicht weiter entwickeln wird, hat doch der Clip „Koisuru Universe“ (Universe of Love) aufgrund seiner sinnlichen Symbolik für viel Diskussionsstoff gesorgt. Interessanterweise orientiert sich die Band bei ihren aktuellen Auftritten nicht daran, sondern gibt sich dem Schlabberlook hin.

In der Kategorie Film haben uns eine neue Produktion und ein Klassiker am besten gefallen. Wonder Woman hat gezeigt, dass Hollywood auch anders kann. Für uns war es die Überraschung des Jahres, einen witzigen, actionreichen und zugleich durchaus tiefgründigen Superheldenfilm zu sehen, also etwas, an das man schon gar nicht mehr glauben wollte. Aber Regisseurin Patty Jenkins hat dies möglich gemacht und ging dafür sogar in die Filmgeschichte ein.

Bei den Klassikern fiel uns die Entscheidung ebenfalls recht leicht. The Ghost and Mrs Muir ist eine wundervolle, zeitlose Mischung aus Tragikomödie, Fantasy und Romance, die mit schlagfertigen Dialogen, einer unglaublich guten Optik und einer tollen Story daher kommt und dabei ganz ohne Kitsch auskommt. In Deutschland ist der Film leider noch immer unbekannt, während er in den USA zu den Klassikern Hollywoods zählt und vom American Film Institute auf Platz 10 der besten Fantasyfilme gewählt wurde.

Auch in der Kategorie Buch wählten wir zwei Romane aus. Beides Klassiker. Zum einen Schau heimwärts, Engel von Thomas Wolfe (1900 – 1938), der darin über die Geschichte seiner Familie schreibt und dies in einem solchen Sprachrausch, einem solchen Witz und einer solchen Tragik, das einen der Roman schlicht und ergreifend packt und mitreißt. Die knapp 800 Seiten liest man in einem Rutsch durch. Leider verstarb Wolfe bereits im Alter von nur 38 Jahren, sodass er lediglich zwei Romane veröffentlichen konnte. „Zeit und Fluss“ ist mit ca. 1200 Seiten noch umfangreicher und setzte die Geschichte um Eugene Gant fort. Diesen Roman werden wir uns im kommenden Jahr vornehmen.

Der zweite Roman, der uns regelrecht hinweggefegt hat, ist Zeiten des Aufruhrs von Richard Yates (1926 – 1996) aus dem Jahr 1961. Der Roman eines Ehepaars in den 1950er Jahren, das in einem Vorort lebt, ist einerseits eine grandiose Satire, andererseits aber auch ein packendes Drama, in dem die Verzweiflung der Figuren regelrecht zum Greifen ist. Besonders der Schluss nimmt einen dermaßen mit, dass man nachher fix und fertig ist. Sollte wirklich jeder mal gelesen haben. Richard Yates sagte selbst, dass er seinen besten Roman gleich am Anfang seiner Laufbahn als Schriftsteller geschrieben habe. Und tatsächlich sollte er nie wieder diese Eindringlichkeit erreichen.

Und das war auch schon unser Best of 2017.

Wir wünschen euch allen einen guten Rutsch, Gesundheit und viel Glück für 2018.

 

 

 

 

Die ZDF-Adventsvierteiler – Ein großes Stück TV-Geschichte

„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

Ein Captain für America oder Kehrt die Politik ins Actionkino zurück?

captainamericaRegisseur Joe Johnston bemerkte in einem Interview, dass „Captain America“ nur durch Obamas Politik möglich war. Das Image der USA hatte sich eher ins Positive gewandelt, was natürlich nicht heißt, dass sich die USA wieder als Idealstaat wie in den 50er Jahren fühlte. Doch ein Schwarzer war Präsident und sein Image wurde weltweit positiv aufgenommen.

Die Produktion von „Captain America“ fand also von Anfang an innerhalb eines politischen Rahmens statt. Natürlich ist dies bei allen Filmen so, doch die Produkte der Marvel Studios erscheinen in der Regel frei von irgendwelchen politischen Botschaften oder Hintergründen. Ihre Oberflächlichkeit enttarnt sie als geradezu sterile Objekte, die nicht einmal mehr in Ansätzen soziologisch zu erfassen sind.

Daher ist es umso erstaunlicher, dass der First Avanger im Verhältnis zu den anderen Superheldenfilmen ziemlich politisch ist. Gleich der erste Teil zieht das Thema Patriotismus durch viele ironische Seitenhiebe gehörig durch den Kakao. Captain America, zunächst ein schmächtiger Kerl namens Steve Rogers, der ständig eine verpasst bekommt, aber nie aufgibt, wird von einem Wissenschaftler als das passende Versuchsobjekt betrachtet. Denn aus Rogers soll nichts anderes gemacht werden als eine Art Geheimwaffe, die die Nazis in die Knie zwingt. Bereits hier offenbart sich eine ironische Sichtweise auf den Amerikanismus. So fragt Rogers Freund Bucky ihn immer wieder, wieso er nicht einfach abhaut, als sich ständig verprügeln zu lassen, worauf Rogers vollkommen übertrieben seinen Hang zur Vaterlandsliebe zum Besten gibt. Ähnlich wie Grisu der kleine Drache, der immer Feuerwehrmann werden möchte, so möchte Steve Rogers Soldat werden. Und das wird er dann natürlich auch. Aber mit Hindernissen. Denn zunächst muss er im Captain America-Kostüm die Soldaten an der Front unterhalten und dabei leere Durchhalteparolen von sich geben. Hier stößt das Superheldentum an seine Grenzen, indem es mit der Wirklichkeit konfrontiert wird. Die Soldaten pfeifen auf einen Captain America.

Wie immer, wenn ein Genrefilm während des Zweiten Weltkriegs spielt, so warfen Kritiker auch „Captain America“ ein mangelndes Geschichtsbewusstsein vor, der Zweite Weltkrieg würde in dem Film wie ein Abenteuer abgehandelt werden. Nun ja, dass müsste man dann z.B. auch den Indiana Jones-Filmen vorwerfen, doch hier schwiegen dieselben Kritiker interessanterweise.

Die Ironie, mit welcher der US-amerikanische Patriotismus betrachtet wird, durchzieht den gesamten Film, einschließlich der Szene, in der Captain America sein Kostüm aus dem Museum klaut.

captainamerica1Die Frage war natürlich, ob die nachfolgenden Filme um den First Avanger diesen Stil weiterführen oder ihn für überlange Action-Sequenzen opfern würden. Interessanterweise griffen die Gebrüder Russo, die „The Winter Soldier“ und „Civil War“ schrieben und drehten, das Spiel mit Ironie und Kritik an politischen Machtspielen auf. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Fortsetzung, in der Rogers wieder auf Bucky trifft, allerdings unter eher unglücklichen Umständen, beinahe im Stil eines Agentenen-Thrillers zu drehen. Die komplexe Handlung macht auch diesen Film keineswegs uninteressant. Denn Mitglieder von Hydra agieren innerhalb des Netzwerks von S.H.I.E.L.D. Die Frage ist, wer ist nun wer? Dies verleiht dem Film eine doch ziemlich ernste Note, spielt er doch, wenn auch auf überdrehte Weise, mit realen Bedrohungsszenarien, die sich aus neuartigen Überwachungstechniken ergeben.

captainamerica2Man kann sagen, dass die Gebrüder Russo zum Glück auch den dritten Film schreiben und drehen durften. Denn hier setzen sie im gewissen Sinne noch eins oben drauf. Nicht nur politische, sondern ethische Fragestellungen durchziehen den Film. Die UN möchte den Superhelden verbieten, selbständig tätig zu sein, da es bei den bisherigen Konflikten zu viele zivile Opfer gegeben hat. Während die eine Hälfte der Heldengruppe daher sich vertraglich der UN verpflichtet, will die andere Hälfte, unter ihnen Captain America, sich nicht als Werkzeug einer politischen Organisation sehen. Dieses Dilemma führt zu vielen, durchaus gut geschriebenen Dialogen, in denen über diese Thematik diskutiert wird.

Die Frage, die sich die Gebrüder Russo stellen, lautete also, was passieren würde, wenn es Superhelden tatsächlich gäbe. Die Bearbeitung dieser Fragestellung ist den beiden Filmemachern durchaus gut gelungen. Und dabei zeigen sie erneut ein recht düsteres Bild unserer Zeit.

Die „Captain America“-Filme veranschaulichen, wie Hollywoodkino auch sein kann: Action-Spektakel, ohne aber diese sterile Oberflächlichkeit, die heutzutage so viele Big Budget-Filme wie leere Hüllen erscheinen lassen. Bei Captain America versucht man zumindest, eine gewisse Tiefe einzubringen, welche die Filme durchaus politisch machen. Leider aber beschränkt sich dies bisher nur auf diese Filmreihe.

 

Star Wars VII – Und?

starwarsJ. J. Abrams wird anscheinend zurzeit gerne dazu benutzt, um Produkte so zu gestalten, dass sie exakt in die Form passen, die von den Produzenten vorgegeben wird. Abrams daher als Visionär zu bezeichnen, ist eher lächerlich. Viel eher ist er in Hollywood jemand, der nicht aneckt, und genau solche Leute hat man dort gerne.

So ist auch aus „Star Wars VII“ genau das geworden, was man von Abrams erwartet: Ein Film, der nicht aneckt. Denn ihm gelingt das, was sich der Konzern Walt Disney erhofft hat: Ein Star Wars-Film, der den Stil der drei Klassiker wieder aufleben lässt. Dies gelang den drei verkorksten Prequels nicht. Während der Produktion ließ Abrams verlautbaren, dass Teil sieben wieder so sein wird wie die Originalfilme. In einer Randbemerkung fügte er hinzu, dass er in der Wüste das Skelett von Jar Jar Binks zeigen würde, der Figur, welche die Fans wohl am meisten genervt hat. Vielleicht hat er es getan, bei der ersten Sichtung haben wir es jedenfalls nicht entdeckt.

Über die Handlung von Abrams‘ Star Wars-Version muss man nicht mehr viel sagen. Folgt man den Kritiken im Internet, so halten sich Begeisterung und Ärger die Waage. Die einen finde es gut, dass Abrams dem Film den Charme der Klassiker verliehen hat, die anderen finden, dass die Handlung zu sehr dem „Krieg der Sterne“ aus dem Jahr 1977 ähnelt.

In der Tat hat man sich für „Star Wars 7“ kein Bein abgebrochen, was die Story betrifft. Diese ist mehr Remake als Sequel. Alles, was der Film zeigt, gab es bereits in den früheren Filmen. Es wird nichts Neues ausprobiert, es kommt zu keinen Überraschungen und während des Finales wird der Film schlicht und ergreifend langweilig, da er zu sehr alles andere kopiert.

„Star Wars 7“ ist ein Beispiel dafür, woran Hollywood zurzeit krankt: an Ideenlosigkeit, an der Angst vor dem Risiko, an dem Glauben, alles zu vereinheitlichen, da man nur so Geld machen kann. Hollywood hat sozusagen den Fordismus auf die Filmwirtschaft übertragen. Jeder Arbeitschritt ist der gleiche und das fertig gestellte Produkt darf sich von allen anderen Produkten nicht unterscheiden. Die großen Studios haben es geschafft, die Frage, ob Film Kunst oder eine bloße Ware ist, für sich beantwortet. Leider.