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Archive for the ‘Diskussion’ Category

„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

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captainamericaRegisseur Joe Johnston bemerkte in einem Interview, dass „Captain America“ nur durch Obamas Politik möglich war. Das Image der USA hatte sich eher ins Positive gewandelt, was natürlich nicht heißt, dass sich die USA wieder als Idealstaat wie in den 50er Jahren fühlte. Doch ein Schwarzer war Präsident und sein Image wurde weltweit positiv aufgenommen.

Die Produktion von „Captain America“ fand also von Anfang an innerhalb eines politischen Rahmens statt. Natürlich ist dies bei allen Filmen so, doch die Produkte der Marvel Studios erscheinen in der Regel frei von irgendwelchen politischen Botschaften oder Hintergründen. Ihre Oberflächlichkeit enttarnt sie als geradezu sterile Objekte, die nicht einmal mehr in Ansätzen soziologisch zu erfassen sind.

Daher ist es umso erstaunlicher, dass der First Avanger im Verhältnis zu den anderen Superheldenfilmen ziemlich politisch ist. Gleich der erste Teil zieht das Thema Patriotismus durch viele ironische Seitenhiebe gehörig durch den Kakao. Captain America, zunächst ein schmächtiger Kerl namens Steve Rogers, der ständig eine verpasst bekommt, aber nie aufgibt, wird von einem Wissenschaftler als das passende Versuchsobjekt betrachtet. Denn aus Rogers soll nichts anderes gemacht werden als eine Art Geheimwaffe, die die Nazis in die Knie zwingt. Bereits hier offenbart sich eine ironische Sichtweise auf den Amerikanismus. So fragt Rogers Freund Bucky ihn immer wieder, wieso er nicht einfach abhaut, als sich ständig verprügeln zu lassen, worauf Rogers vollkommen übertrieben seinen Hang zur Vaterlandsliebe zum Besten gibt. Ähnlich wie Grisu der kleine Drache, der immer Feuerwehrmann werden möchte, so möchte Steve Rogers Soldat werden. Und das wird er dann natürlich auch. Aber mit Hindernissen. Denn zunächst muss er im Captain America-Kostüm die Soldaten an der Front unterhalten und dabei leere Durchhalteparolen von sich geben. Hier stößt das Superheldentum an seine Grenzen, indem es mit der Wirklichkeit konfrontiert wird. Die Soldaten pfeifen auf einen Captain America.

Wie immer, wenn ein Genrefilm während des Zweiten Weltkriegs spielt, so warfen Kritiker auch „Captain America“ ein mangelndes Geschichtsbewusstsein vor, der Zweite Weltkrieg würde in dem Film wie ein Abenteuer abgehandelt werden. Nun ja, dass müsste man dann z.B. auch den Indiana Jones-Filmen vorwerfen, doch hier schwiegen dieselben Kritiker interessanterweise.

Die Ironie, mit welcher der US-amerikanische Patriotismus betrachtet wird, durchzieht den gesamten Film, einschließlich der Szene, in der Captain America sein Kostüm aus dem Museum klaut.

captainamerica1Die Frage war natürlich, ob die nachfolgenden Filme um den First Avanger diesen Stil weiterführen oder ihn für überlange Action-Sequenzen opfern würden. Interessanterweise griffen die Gebrüder Russo, die „The Winter Soldier“ und „Civil War“ schrieben und drehten, das Spiel mit Ironie und Kritik an politischen Machtspielen auf. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Fortsetzung, in der Rogers wieder auf Bucky trifft, allerdings unter eher unglücklichen Umständen, beinahe im Stil eines Agentenen-Thrillers zu drehen. Die komplexe Handlung macht auch diesen Film keineswegs uninteressant. Denn Mitglieder von Hydra agieren innerhalb des Netzwerks von S.H.I.E.L.D. Die Frage ist, wer ist nun wer? Dies verleiht dem Film eine doch ziemlich ernste Note, spielt er doch, wenn auch auf überdrehte Weise, mit realen Bedrohungsszenarien, die sich aus neuartigen Überwachungstechniken ergeben.

captainamerica2Man kann sagen, dass die Gebrüder Russo zum Glück auch den dritten Film schreiben und drehen durften. Denn hier setzen sie im gewissen Sinne noch eins oben drauf. Nicht nur politische, sondern ethische Fragestellungen durchziehen den Film. Die UN möchte den Superhelden verbieten, selbständig tätig zu sein, da es bei den bisherigen Konflikten zu viele zivile Opfer gegeben hat. Während die eine Hälfte der Heldengruppe daher sich vertraglich der UN verpflichtet, will die andere Hälfte, unter ihnen Captain America, sich nicht als Werkzeug einer politischen Organisation sehen. Dieses Dilemma führt zu vielen, durchaus gut geschriebenen Dialogen, in denen über diese Thematik diskutiert wird.

Die Frage, die sich die Gebrüder Russo stellen, lautete also, was passieren würde, wenn es Superhelden tatsächlich gäbe. Die Bearbeitung dieser Fragestellung ist den beiden Filmemachern durchaus gut gelungen. Und dabei zeigen sie erneut ein recht düsteres Bild unserer Zeit.

Die „Captain America“-Filme veranschaulichen, wie Hollywoodkino auch sein kann: Action-Spektakel, ohne aber diese sterile Oberflächlichkeit, die heutzutage so viele Big Budget-Filme wie leere Hüllen erscheinen lassen. Bei Captain America versucht man zumindest, eine gewisse Tiefe einzubringen, welche die Filme durchaus politisch machen. Leider aber beschränkt sich dies bisher nur auf diese Filmreihe.

 

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starwarsJ. J. Abrams wird anscheinend zurzeit gerne dazu benutzt, um Produkte so zu gestalten, dass sie exakt in die Form passen, die von den Produzenten vorgegeben wird. Abrams daher als Visionär zu bezeichnen, ist eher lächerlich. Viel eher ist er in Hollywood jemand, der nicht aneckt, und genau solche Leute hat man dort gerne.

So ist auch aus „Star Wars VII“ genau das geworden, was man von Abrams erwartet: Ein Film, der nicht aneckt. Denn ihm gelingt das, was sich der Konzern Walt Disney erhofft hat: Ein Star Wars-Film, der den Stil der drei Klassiker wieder aufleben lässt. Dies gelang den drei verkorksten Prequels nicht. Während der Produktion ließ Abrams verlautbaren, dass Teil sieben wieder so sein wird wie die Originalfilme. In einer Randbemerkung fügte er hinzu, dass er in der Wüste das Skelett von Jar Jar Binks zeigen würde, der Figur, welche die Fans wohl am meisten genervt hat. Vielleicht hat er es getan, bei der ersten Sichtung haben wir es jedenfalls nicht entdeckt.

Über die Handlung von Abrams‘ Star Wars-Version muss man nicht mehr viel sagen. Folgt man den Kritiken im Internet, so halten sich Begeisterung und Ärger die Waage. Die einen finde es gut, dass Abrams dem Film den Charme der Klassiker verliehen hat, die anderen finden, dass die Handlung zu sehr dem „Krieg der Sterne“ aus dem Jahr 1977 ähnelt.

In der Tat hat man sich für „Star Wars 7“ kein Bein abgebrochen, was die Story betrifft. Diese ist mehr Remake als Sequel. Alles, was der Film zeigt, gab es bereits in den früheren Filmen. Es wird nichts Neues ausprobiert, es kommt zu keinen Überraschungen und während des Finales wird der Film schlicht und ergreifend langweilig, da er zu sehr alles andere kopiert.

„Star Wars 7“ ist ein Beispiel dafür, woran Hollywood zurzeit krankt: an Ideenlosigkeit, an der Angst vor dem Risiko, an dem Glauben, alles zu vereinheitlichen, da man nur so Geld machen kann. Hollywood hat sozusagen den Fordismus auf die Filmwirtschaft übertragen. Jeder Arbeitschritt ist der gleiche und das fertig gestellte Produkt darf sich von allen anderen Produkten nicht unterscheiden. Die großen Studios haben es geschafft, die Frage, ob Film Kunst oder eine bloße Ware ist, für sich beantwortet. Leider.

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Erst zögerlich, doch seit etwa 2005 verstärkt kommen wissenschaftliche Abhandlungen auf dem Markt, die sich mit Horrorfilmen auseinandersetzen. Bereits in den 70er Jahren tauchten die ersten Untersuchungen über Horrorfilme auf, allen voran sei hier Robin Wood zu nennen, der als einer der ersten versuchte, Horrorfilme zu kategorisieren. All dies vollzog und vollzieht sich in den USA, aber auch teilweise in England.

horrorfilme1Die Untersuchungen stammen aus so unterschiedlichen Bereichen wie Geschichte, Theologie, Wirtschaftswissenschaften, Soziologie oder Kulturwissenschaften. Das heißt allerdings nicht, dass alle Untersuchungen interessante und nachprüfbare Informationen liefern. Vor allem bei den Kulturwissenschaften entsteht hierbei erheblicher Murks, da viele der Untersuchungen keine Belege liefern für das, was sie versuchen zu beweisen. In früheren Beiträgen auf dem Blog sind wir bereits darauf eingegangen. Hier soll nur als Beispiel nochmals Stefan Hantkes Buch „American Horror Film“ erwähnt werden, dessen enthaltene Beiträge bis auf einen einzigen fehlerhaft bis hin zu nichtssagend sind. Davon ist auch Hantkes Vorwort nicht verschont. Zum anderen betrifft dies die sogenannten Gender Studies, deren Untersuchungen zum großen Teil ebenfalls mit Fehlern behaftet sind. Auch darüber haben wir bereits in einem früheren Blog-Beitrag berichtet. Ganz schlimm wird es aber bei dem neu herausgegebenen wissenschaftlichen Klassiker „Men, Women and Chainsaws“ von Carol J. Clover (zum ersten Mal 1992 erschienen), die in ihrem ganzen Buch nichts anderes macht, als herumzuzicken. Nicht einmal Stephen King kommt mit einem blauen Auge davon. Manchmal fragt man sich, ob Carol Clover selbst nicht gemerkt hat, wie lächerlich sie sich dabei macht. Nun, den Gender Studies-Betreibern scheint dies zu gefallen. Dann gönnen wir ihnen halt den Spaß, aber dennoch – objektiv betrachtet – taugt das nicht viel.

horrorfilmeInteressant allerdings wird es bei Untersuchungen, die die wirtschaftlichen Aspekte des Filmemachens berücksichtigen und versuchen, aus dieser Perspektive zu erklären, wie es zu bestimmen Produktionen und Genres gekommen ist. Die Untersuchungen sind stark historisch geprägt und liefern sehr spannende Ergebnisse, die durch Zahlen, Interviews und konkrete Quellen belegt werden. Also all das, wovor sich Kulturwissenschaftler beim Thema Film scheuen. Allen voran sei hier Kevin Heffernan zu nennen, der sich in seinem Buch „Ghouls, Gimmicks, and Gold“ mit dem (Horror-)Filmgeschäft der 50er und 60er Jahre beschäftigt und kürzlich in einem Artikel („Risen from the Vaults“) auf die Veränderungen nach 2000 eingegangen ist. Auch der Sammelband „Merchants of Menace“ (herausgegeben von Richard Nowell) liefert zu diesem Thema sehr interessante Beiträge. Nicht weniger interessant ist die soziologische Untersuchung über die Darstellung der Schwarzen in Horrorfilmen von Robin Coleman mit dem Titel „Horror Noire“. Er deckt den kompletten Zeitraum der Filmgeschichte vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in unsere Zeit ab.

Und in Deutschland? Hier sieht es – wie immer – mehr als nur armselig aus. Deutsche Soziologen, Kulturwissenschaftler usw. trauen sich weder an das Thema Film und schon gar nicht an das Thema Horrorfilm heran. Das Horrorgenre wird hier noch immer als trivial und lächerlich empfunden. Was hier auf den Markt kommt, sind in der Regel Doktorarbeiten. Aus dem kulturwissenschaftlichen Bereich. Und daher … aber das wisst ihr jetzt schon. 🙂 Auf jeden Fall ist dieses Scheuklappendenken nicht nachzuvollziehen und spiegelt wohl eher eine gewisse Arroganz wider. Selbst Schuld, kann man da nur sagen. Denn die Forschung vor allem in den USA schreitet zügig voran.

 

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Nachdem der Trailer zum Ghostbusters-Remake es nun geschafft hat, zum unbeliebtesten Trailer auf Youtube zu werden, bleibt Warner/Sony nichts anderes übrig, als eine neue Marktetingstrategie zu schaffen, um das Schlimmste zu verhindern.

Es geht um den Artikel über den neuen Ghostbusters-Film im aktuellen TIME-Magazin. Der Text ist ohne Titel und ohne Nennung des Autors. Er geht auf das Ghostbusters-Bashing ein, das existiert, seit zum ersen Mal Informationen über ein Remake im Internet kursierten. Vergeblich aber versucht sich der Artikel in einem objektiven Ton, es ist klar ersichtlich, von welcher Seite (Warner/Sony) der Inhalt des Texts kommt.

Gleich zu Anfang versucht man verkrampft, mithilfe kulturwissenschaftlicher Theorie das Remake zu rechtfertigen, indem man Remakes mit dem Covern von Popsongs vergleicht. D.h. Remakes bzw. Cover spiegeln den jeweiligen gesellschaftlichen Rahmen wider, der sich zwischen Original und Remake aufgrund des sozialen Wandels geändert hat. Das stimmt natürlich und diese Aussage findet man in so ziemlich jeder wissenschaftlichen Abhandlung über Remakes. Kurz darauf lässt der Autor (wahrscheinlich ein Kerl von der Marketingabteilung von Warner Bros. oder Sony) diese Anmerkung links liegen und fängt nun seinerseits an, eine Art Kritiker-Bashing durchzuführen. So werden die Leute, die sich negativ über den Film geäußert haben, schlichtweg als „idiots“ bezeichnet. Regisseur Paul Feig soll die Kritiker sogar „assholes“ genannt haben. Die Vielzahl an negativen Kommentaren zum Trailer wird als eine Troll-Attacke heruntergespielt.

Der Text zeigt einerseits, dass hier Warner/Sony die Hose voll haben, da sie befürchten, der Film könnte sich als Mega-Flopp erweisen. Zum anderen weist er auf eine Veränderung der Marketingstrategie in quasi letzter Minute hin. Nachdem es nicht mehr möglich ist, den Film schön zu reden, geht man mit offener Kritik gegen die Kritiker vor und bauscht das Ganze zu einer Art Staatsaffäre auf, indem manche Kritiker als frauenfeindlich eingestuft werden, da sie sich darüber geärgert haben, dass das Team aus Frauen besteht (was aber keine Frauenfeindlichkeit zum Ausdruck bringt, sondern einfach zeigt, dass derjenige mit dem Cast unzufrieden ist). Und so, als müssten sich Warner/Sony mal richtig Luft machen, lautet ein Satz: „We’re living in pissed-off times.“

Nun, wahrscheinlich werden ähnliche Artikel auch in anderen Magazinen erscheinen (sog. bezahlte Artikel), um dadurch die Neugierde potentieller Zuschauer zu wecken und zu hoffen, sie dadurch doch noch irgendwie ins Kino zu locken. Unserer Meinung nach bedeutet das, dass das Produkt, das hier geschaffen wurde, anscheinend wirklich nichts taugt.

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dermannderzuvielwusste„Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) mit James Stewart und Doris Day in den Hauptrollen zählt zu Alfred Hitchcocks bekanntesten Filmen. Es handelt sich dabei um eine Neuverfilmung seines erfolgreichsten Films seiner Londoner Zeit aus dem Jahr 1934, welche denselben Titel trägt. Damals engagierte Hitchcock Peter Lorre für die Rolle des Bösewichts Abott, der ein Attentat auf einen wichtigen Staatsmann plant.

Die Geschichte beginnt in der Schweiz, wo das Ehepaar Bob und Jill Lawrence gerade Urlaub machen. Auch ihre Tochter Betty ist mit dabei. Alle sind vergnügt, doch dann, bei einer Party, kommt es zu einem Mord. Ein Freund der Familie wird erschossen. Seine letzten Worte richten sich an Jill, die ihrem Mann ausrichten soll, dass er nach einem Zettel in einem Rasierpinsel suchen soll. In der Tat findet Bob den Zettel, auf dem sich eine verschlüsselte Botschaft befindet. Zugleich wird seine Tochter entführt. Bob und Jill kehren aufgebracht zurück nach London, wo sie wegen des Mordfalls in der Schweiz von der Polizei verhört werden. Beide aber dürfen nichts sagen, denn sonst würde Betty sterben. Also machen sich Bob, Jill und ein Freund Bobs auf eigene Faust auf die Suche nach den Verbrechern, um Betty zu befreien.

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Peter Lorre als Abott in „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934).

Hitchcock fand die Originalversion von 1934 nicht schlecht, doch betrachtete er sein Remake als weitaus besser. Das erstaunt, denn im Unterschied zu der Version von 1956 ist die Version von 1934 schneller, dichter und auch drastischer. Wirkt der Film aus dem Jahr 1956 in manchen Squenzen etwas zu brav, so schlägt der Originalfilm so ziemlich alle Register. Vor allem verdankt dies der Film Peter Lorre, der als Abott eine wirkliche Glanzleistung in Sachen Übeltäter abliefert. Nicht nur widerwärtig, sondern regelrecht schmierig kommt Lorre daher, auffallend hierbei seine breite, helle Haarsträhne.

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Bob und Jill Lawremce (Leslie Banks und Edna Best) als Gefangene Abotts (Peter Lorre). In: „Der Mann, der zuviel wusste“ (1934).

Hitchcock machte aus Charles Bennetts Stoff eine rasante Verfolgungsjagd, in der es vor allem um eines geht: um die Zeit. Denn viel Zeit haben die Protagonisten nicht, wenn sie Betty retten und zugleich einen Mordanschlag verhindern wollen. Tatsächlich kommt der Film nie zur Ruhe, ständig geschieht etwas, eine der Actionhöhepunkte ist die Szene, in der sich die Kontrahenten mit Stühlen bewerfen. Eine nicht weniger einprägende Szene ist diejenige, in  welcher Bob zusammen mit seinem Freund einen falschen Zahnarzt aufsuchen, um an nähere Informationen über das Versteck der Attentäter zu erhalten. Es wird offensichtlich, dass der „Zahnarzt“ ein Sadist ist und man fühlt sich erinnert an die Zahnarztszene in „Der Marathon Mann“ und zwar so sehr, dass man nicht umhin kommt zu denken, dass John Schlesinger diese Szene an Hitchcock angelehnt hat.

Wenn man also darüber nachdenkt, so ist zwar „Der Mann, der zuviel wusste“ aus dem Jahr 1956 die eindeutig teuerere Version, „Der Mann, der zuviel wusste“ aus dem Jahr 1934 aber die doch irgendwie unterhaltsamere.

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quality tvEU-Kommissar Günther Oettinger hat es auf den Punkt gebracht. In seiner letzten Rede sprach er davon, dass der Schwemme von TV-Serien aus den USA endlich Paroli geboten werden muss, sprich, europäische TV-Sender sollten endlich mehr Geld in ihre Produktionen stecken.

Wie es um unsere europäischen Nachbarn bestellt ist, können wir nicht beurteilen, doch die Kritik trifft auf Deutschland zu hundert Prozent zu. In einer Zeit, in der sich die Qualität von TV-Serien derjenigen von Spielfilmen annähert bzw. so gut wie mit dieser identisch ist, bleiben unsere einheimischen TV-Sender auf ihrem (kaum vorhandenen) Niveau sitzen.

Gegen Hochglanzkrimis, aufwendigen Mystery-Serien oder Fantasyspektakel kommen „Das Traumschiff“ oder „Der Bergdoktor“ nicht an.  Selbst die harmlosen Krimiserien, die vor den jeweiligen Hauptnachrichten des ZDF oder der ARD laufen, sind im Vergleich zu den Produktionen aus den USA einfach nur läppisch.

Einmal mehr zeigt sich, dass Deutschland die Entwicklung völlig verschlafen hat. Die Beamten, die auf das Prinzip des Ewig-Gleichen bestehen, sorgen mit ihrem nicht vorhandenen Engagement dafür, dass die Veränderungen in den TV-Serien nicht Deutschland erreichen. Die damit verbundene Amerikanisierung ist kein neues Phänomen, sondern war eigentlich immer vorhanden, doch gerade in einer Phase, in der das sog. Quality-TV hoch gepriesen wird, sieht es hierzulande düster aus.

Gut, man muss keine aufgestylten, fast schon ins Sterile neigenden Darsteller präsentieren. Es geht auch im Schmuddellook. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht z.B. darum, aus einem langweiligen Popel-Krimi einen spannenden Thriller zu schaffen, der den Zuschauer nicht nur handlungsmäßig, sondern auch optisch vom Hocker haut. Dem ARD-Flaggschiff „Tatort“ gelingt dies nicht. Die Vorabberichte in Radio und Fernsehen über den jeweils neuesten Film wirken bereits völlig verkrampft, so als wüssten die Redakteure, dass man nur noch so tun kann, als habe man es mit Qualität zu tun. Nicht anders verhält es sich dann mit den Kritiken danach, die lobhudeln oder versuchen, eine Bagatelle als Skandalthema zu verkaufen.

Dass sich z.B. ARD oder ZDF einmal zusammenraufen und versuchen würden, ein aufwendiges Historienspektakel als Mehrteiler zu kreieren (wie dies z.B. in Südkorea Gang und Gäbe ist), davon kann man nur träumen. Dass sich beide Sender einmal in die Gefielde des Fantasy- oder Phantastik-Genres verirren sollten, darüber lohnt es sich nicht einmal zu reden, werden doch diese Genres in Deutschland noch immer als trivial empfunden. Und nein, „Der Bergdoktor“ oder „Notruf Hafenkante“ sind ja überhaupt nicht trivial.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Serien, die in Deutschland produziert werden, sind im Grunde genommen vollkommener Murks. Die Storys sind so konzipiert, dass Tante Trude, die sich diesen Mist ansieht, nachher nicht schlaflos im Bett liegt. Es gibt keine Qualität oder besser keine Quality. Und wenn jemand „Das Traumschiff“ als Quality TV bezeichnet, der sollte lieber einen Psychiater aufsuchen.

Deutschland hat den Wandel verschlafen und daran wird sich, trotz Oettingers Mahnung, nichts ändern. Statt Quality TV, werden wir weiterhin von langweiligen, schlecht gemachten TV-Filmen genervt werden. Und sollte sich da doch etwas tun, so kann man nur hoffen, dass dies nicht allein deswegen geschieht, um die Gebühren zu erhöhen.

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