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Archive for August 2012

Genres. Dieser Begriff scheint nichts Diffuses an sich zu haben. Immherin dient er dazu, Kategorien zu bilden. Die Literatur kennt Genres schon seit langem. In die Filmwissenschaft rückte der Begriff und die damit einhergehende Theorie zu Beginn der 1970er Jahre. Dies in einer Zeit, in welcher die französischen Postmodernisten alles hochleben ließen, was sich als Auteur in den Kinos präsentierte und alles verteufelte, was reines Genrekino war. All dies, ohne dafür eine Begründung zu finden. Aber das brauchte es auch nicht. Die Hauptsache war, dass man etwas hatte, um sich darüber aufzuregen.

Welcher Film gehört zu welchem Genre? Die Antwort ist schwierig.

Wie dem auch sei, der Begriff Genre diente im Grunde genommen dazu, bestimmte Merkmale von Filmen herauszuarbeiten. Das wiederum diente dazu, ein Kategoriensystem zu entwerfen, in welchem Filme mit gleichen oder ähnlichen Merkmalen unter jeweils denselben Gliederungspunkt gestellt wurden. Und dies diente sowohl den Produzenten als auch den Zuschauern zur Orientierung. Dreht man z.B. einen Western, so kann man anhand vorangegangener Western die Kosten besser kalkulieren. Man weiß, welche Kulissen, welche Kostüme usw. notwendig sind. Man weiß auch, welche Aspekte eine Handlung beinhalten muss, um die Story interessant zu machen. Das Risiko läßt sich dabei weniger kalkulieren. Es gab immer wieder Filme, auf welche die Produzenten ihre Hoffnungen setzten und die dennoch floppten („Münchausen“, „Die Piratenbraut“ usw.). Auch läßt sich mithilfe der Genreeinteilung das Marketing gezielter umsetzen, in dem man dieses auf ein bestimmtes Publikum gezielt ausrichtet.

Wobei wir beim Zuschauer wären. Dieser orientiert sich ebenfalls anhand der vorgegebenen Kategorien und hat es somit leichter, gemäß seines Geschmacks eine Auswahl zu treffen, sei es im Kino oder in der Videothek.

 

So einfach ist das. Oder besser gesagt, wäre es. Denn die Frage ist, ob es ein konkretes Genre überhaupt gibt. Sind Genres wirklich getrennt von einander? Die Antwort lautet nein. Von Anfang an gibt es Genreüberschneidungen. Es gibt also nicht den reinen Musicalfilm. Dieser ist zugleich Liebesfilm oder auch Drama. Ein Thriller beinhaltet stets Elemente des Krimis und des Horrorfilms. Umgekehrt beinhaltet auch ein Horrorfilm stets Elemente des Thrillers und des Krimis, gelegentlich auch des Liebesfilms und des Dramas. So ist z.B. „Die Weisheit der Krokodile“ eine Überschneidung aus Liebesfilm, Drama, Krimi, Horror und Thriller. Man könnte auch die seit den 90er Jahren existierende Kategorie Mystery ebenfalls hinzunehmen. „West Side Story“  wiederum ist eine Mischung aus Musical, Drama und Liebesfilm. „Gladiator“ eine Mischung aus Historienfilm, Action, Abenteuer, Drama.

„Die Weisheit der Krokodile“: eine Mischung aus unteschiedlichen Genres.

 

 

Auch dieser Film kann keinem exakten Genre zugeordnet werden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wobei wir bei einem weiteren Problem wären. Genres kommen und gehen. Natürlich gibt es die Grundkategorien wie Drama, Liebesfilm, Western usw. Doch kommen gelegentlich neue hinzu, wie eben das bereits genannte Mystery-Genre. Zugleich unterteilen sich Genres immer mehr in Subgenres, was sich vor allem im Horror- und Fantasygenre bemerkbar macht. Dort sind es im Grunde genommen Modeerscheinungen oder Trends, welche durch einen neu erfundenen Genrebegriff legitimiert werden – wie etwa Dark Fantasy, Fantasy Romance usw. Ein erfolgreicher Roman oder Film gibt ein Thema vor, welches dann Nachfolgeprodukte übernehmen. Die Verlage oder Produktionsgesellschaften fertigen schnell einen neuen Genrebegriff, der den Nachfolgern als Marke dient. D.h. nichts anderes als, dass in der Werbung dann ungefähr steht: „Ein Roman im Stil von…“ oder „Ein Film im Stil von…“.

All das macht eine genaue Genreeinteilung schwierig. Da diese durch Marketingstrategien nach Belieben verändert wird, stellt sich auch die Frage, inwieweit man überhaupt noch von einem echten Genre sprechen kann. Dies wiederum stellt die Diskussion über Genres in Frage, da eine Defintion, welche die oben genannten Aspekte mit einschließt, fehlt.

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In Südkorea kommen Horrorfilme stets im Sommer in die Kinos. An dieser Tradition hat sich auch dieses Jahr nichts geändert. Den Anfang nahm in diesem Jahr „Don’t Click“ des bekannten Regisseurs Kim Tae-Kyeong. Kim wird innerhalb Koreas als der Regisseur gefeiert, welcher das Horrorgenre durch neue Stilelemente geprägt und dadurch die sog. „Zweite Horrorfilmphase“ des modernen koreanischen Kinos eingeläutet hat. In Deutschland ist bisher sein Film „The Ghost“ veröffentlicht worden. Auf sein ästhetisch ausgefeilteres Werk „Muoi“ haben die deutschen Vertriebe bisher leider verzichtet.

„Don’t Click“ führt den ästhetischen Abwärtstrend des koreanischen Horrorkinos weiter.

Nun wartet Kim mit seinem neuesten Streich auf. „Don’t Click“ erzählt die Geschichte zweier Schwestern, welche hinter das Geheimnis eines ominösen Internetvideos kommen. Natürlich werden beide dadurch von unheimlichen Zwischenfällen heimgesucht. Mehr gibt es zur Handlung in der Tat auch nicht zu sagen. Freunde des asiatischen Horrors werden jedoch bereits durch das Stichwort Video aufgemerkt haben. Man braucht nicht länger um den heißen Brei herumreden: Kim kopiert. Galt bis dahin Kim Tae-Kyeong noch als Vertreter des koreanischen Autorenfilms, so büßt er diese Bezeichnung aufgrund seines neuen Werks ein.

In „Don’t Click“ findet der Regisseur und Drehbuchautor alles Mögliche, leider aber nicht seinen eigenen Stil. So beginnt der Film ungewöhnlich westlich, was einem als Zuschauer zu dem Gedanken verleitet, dass der Film speziell für ein westliches Publikum zugeschnitten ist, nur um nach der Eingangssequenz in die gewohnt koreanische Darstellungsweise umzuschlagen. Doch auch hier gelingt es Kim nicht, eine originelle Geschichte zu erzählen bzw. für Überraschung zu sorgen. Im Gegenteil, der Film ist ein Zitatensammelsurium ohne Gleichen. Von Hitchcock über den postmodernen Horrorfilm bis hin zu den asiatischen Genrevertretern ist alles vorhanden. Kim selbst reiht die Zitate lustlos aneinander. Vielleicht aber, kennt man seine vorangegangenen Filme, saßen ihm auch die Produzenten zu sehr im Nacken mit der Vorgabe: bitte von jedem Etwas. Dass es dann aber auch nicht zu arg sein sollte, zeigen solche verpatzten Szenen, in denen in das Splattergenre übergegangen werden soll, man sich aber nicht so recht traut und es bei ein paar Kratzern bleibt, welche die visuellen Vorbereitungen auf diese Szene ad absurdum führen.

„Knock“ – ein interessanter TV-Film, der gekonnt mit Genrestilen hantiert.

Das Aneinanderreihen von Stilelementen, mit dieser Methode wartet der koreanische Fernsehfilm „Knock“ auf. Die bekannte TV-Darstellerin Seo Woo spielt hier eine Volkskundestudentin, welche in unheimliche Geschehnisse verwickelt wird. Nachts vernimmt sie immer wieder ein ominöses Klopfen an der Tür ihres Nachbarn. Auf Basis dieses Gruselelements entwickelt sich eine Schauergeschichte um unglückliche Liebe, Wahnsinn und Hass. Was diesen Film interessant macht, ist die dichte Atmosphäre sowie die gekonnte ästhetische Handhabung unterschiedlicher Stilrichtungen des Gruselgenres. Von der klassischen Gespenstergeschichte bis hin zum postmodernen Horror reicht die Palette, von welcher sich der noch unbekannte Regisseur Lee Joo-Heon bedient, ohne dabei aber einzelne Werke zu zitieren (bis auf eine Szene, in welcher Lee sich anscheinend vor John Carpenter verneigt, indem er seinen Klassiker „The Fog“ zitiert) . In der Tat wirkt „Knock“ dadurch gegenüber „Don’t Click“ durchdachter und handwerklich geschickter. Ein Hoffnungssschimmer also.

Man darf gespannt sein, wie der diesjährige Trend des koreanischen Horrorkinos verlaufen wird. Unsere Einschätzung lautet, dass der ästhetische (nicht kommerzielle) Abwärtstrend, welcher sich vergangenes Jahr eingeschlichen hat, sich dieses Jahr fortsetzen wird. Die Einfallslosigkeit und Lustlosigkeit, mit der gearbeitet wird, scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass das koreanische Horrorgenre langsam seinem Niedergang zu eilt. Ganz ähnlich wie im italienischen Horrorfilm Ende der 80er Jahre, wobei dort die Gründe für den Niedergang allerdings  ganz woanders lagen. Mit Sicherheit wird es weiterhin Horrorfilme aus Korea geben. Die Ästhetik und das erfahrene Handwerk aber konzentriert sich zurzeit in Korea mehr auf das Thriller-Genre, wo mit „Taste of Money“ erneut ein hervorragendes Beispiel koreanischer Filmkunst gegeben wurde.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: Das koreanische Filmjahr 2012.

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