Sommer = Neue Horrorfilme aus Korea

In Südkorea kommen Horrorfilme stets im Sommer in die Kinos. An dieser Tradition hat sich auch dieses Jahr nichts geändert. Den Anfang nahm in diesem Jahr „Don’t Click“ des bekannten Regisseurs Kim Tae-Kyeong. Kim wird innerhalb Koreas als der Regisseur gefeiert, welcher das Horrorgenre durch neue Stilelemente geprägt und dadurch die sog. „Zweite Horrorfilmphase“ des modernen koreanischen Kinos eingeläutet hat. In Deutschland ist bisher sein Film „The Ghost“ veröffentlicht worden. Auf sein ästhetisch ausgefeilteres Werk „Muoi“ haben die deutschen Vertriebe bisher leider verzichtet.

„Don’t Click“ führt den ästhetischen Abwärtstrend des koreanischen Horrorkinos weiter.

Nun wartet Kim mit seinem neuesten Streich auf. „Don’t Click“ erzählt die Geschichte zweier Schwestern, welche hinter das Geheimnis eines ominösen Internetvideos kommen. Natürlich werden beide dadurch von unheimlichen Zwischenfällen heimgesucht. Mehr gibt es zur Handlung in der Tat auch nicht zu sagen. Freunde des asiatischen Horrors werden jedoch bereits durch das Stichwort Video aufgemerkt haben. Man braucht nicht länger um den heißen Brei herumreden: Kim kopiert. Galt bis dahin Kim Tae-Kyeong noch als Vertreter des koreanischen Autorenfilms, so büßt er diese Bezeichnung aufgrund seines neuen Werks ein.

In „Don’t Click“ findet der Regisseur und Drehbuchautor alles Mögliche, leider aber nicht seinen eigenen Stil. So beginnt der Film ungewöhnlich westlich, was einem als Zuschauer zu dem Gedanken verleitet, dass der Film speziell für ein westliches Publikum zugeschnitten ist, nur um nach der Eingangssequenz in die gewohnt koreanische Darstellungsweise umzuschlagen. Doch auch hier gelingt es Kim nicht, eine originelle Geschichte zu erzählen bzw. für Überraschung zu sorgen. Im Gegenteil, der Film ist ein Zitatensammelsurium ohne Gleichen. Von Hitchcock über den postmodernen Horrorfilm bis hin zu den asiatischen Genrevertretern ist alles vorhanden. Kim selbst reiht die Zitate lustlos aneinander. Vielleicht aber, kennt man seine vorangegangenen Filme, saßen ihm auch die Produzenten zu sehr im Nacken mit der Vorgabe: bitte von jedem Etwas. Dass es dann aber auch nicht zu arg sein sollte, zeigen solche verpatzten Szenen, in denen in das Splattergenre übergegangen werden soll, man sich aber nicht so recht traut und es bei ein paar Kratzern bleibt, welche die visuellen Vorbereitungen auf diese Szene ad absurdum führen.

„Knock“ – ein interessanter TV-Film, der gekonnt mit Genrestilen hantiert.

Das Aneinanderreihen von Stilelementen, mit dieser Methode wartet der koreanische Fernsehfilm „Knock“ auf. Die bekannte TV-Darstellerin Seo Woo spielt hier eine Volkskundestudentin, welche in unheimliche Geschehnisse verwickelt wird. Nachts vernimmt sie immer wieder ein ominöses Klopfen an der Tür ihres Nachbarn. Auf Basis dieses Gruselelements entwickelt sich eine Schauergeschichte um unglückliche Liebe, Wahnsinn und Hass. Was diesen Film interessant macht, ist die dichte Atmosphäre sowie die gekonnte ästhetische Handhabung unterschiedlicher Stilrichtungen des Gruselgenres. Von der klassischen Gespenstergeschichte bis hin zum postmodernen Horror reicht die Palette, von welcher sich der noch unbekannte Regisseur Lee Joo-Heon bedient, ohne dabei aber einzelne Werke zu zitieren (bis auf eine Szene, in welcher Lee sich anscheinend vor John Carpenter verneigt, indem er seinen Klassiker „The Fog“ zitiert) . In der Tat wirkt „Knock“ dadurch gegenüber „Don’t Click“ durchdachter und handwerklich geschickter. Ein Hoffnungssschimmer also.

Man darf gespannt sein, wie der diesjährige Trend des koreanischen Horrorkinos verlaufen wird. Unsere Einschätzung lautet, dass der ästhetische (nicht kommerzielle) Abwärtstrend, welcher sich vergangenes Jahr eingeschlichen hat, sich dieses Jahr fortsetzen wird. Die Einfallslosigkeit und Lustlosigkeit, mit der gearbeitet wird, scheint ein Zeichen dafür zu sein, dass das koreanische Horrorgenre langsam seinem Niedergang zu eilt. Ganz ähnlich wie im italienischen Horrorfilm Ende der 80er Jahre, wobei dort die Gründe für den Niedergang allerdings  ganz woanders lagen. Mit Sicherheit wird es weiterhin Horrorfilme aus Korea geben. Die Ästhetik und das erfahrene Handwerk aber konzentriert sich zurzeit in Korea mehr auf das Thriller-Genre, wo mit „Taste of Money“ erneut ein hervorragendes Beispiel koreanischer Filmkunst gegeben wurde.

Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel: Das koreanische Filmjahr 2012.

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