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Archive for August 2014

tunnel poster

Kinoposter zu „Tunnel“.

Für „The Tunnel“ oder auch bekannt als „Tunnel 3D“ wurde ordentlich die Werbetrommel gerührt. Aber mal wieder zeigt sich, dass – ähnlich wie in „Sector 7“ – man es mit einem absoluten Rohrkrepierer zu tun hat.

Südkoreas Filmproduzenten schaffen es nicht, 3D mit einer spannenden Story zu verbinden. Das zeigte sich bereits in dem oben genannten Horrorfilm „Sector 7“. „Tunnel“ spielt in einem alten Kohlebergwerk, das nach einem Unfall still gelegt wurde. Nun soll aus dem Areal eine luxuriöse Freizeitanlage gemacht werden. Ein Stollen des Bergwerks dient bereits als Disco. Eine Gruppe Freunde ist ebenfalls zu Einweihungsparty eingeladen. Ein verwirrter Mann, der auf der Party auftaucht, behauptet, ein Fluch würde auf dem Bergwerk liegen und alle würden sterben…

tunnel foto

Wer leuchtet, der findet. Aber leider keine spannende Handlung.

Bis dahin klingt ja die Story noch ganz gut. Doch dann konzentriert sich der Film auf die kleine Freundesgruppe, die dem Mann mitten im Wald nochmals begegnet und, als dieser eine von ihnen umbringen will, ihn kurzerhand erschlagen. Die Leiche verstecken sie in einem Stollen. Und dann verlaufen sich alle beim Rückweg. Tja und dann taucht natürlich ein obligatorisches Geistermädchen auf, das von einer der Frauen besitz ergreift.

Nun, der Film beginnt viel versprechend. Man ist der Meinung, ein koreanisches Remake des 80er Jahre Slashers „My Bloody Valentine“ vor sich zu haben. Doch leider nutzt Regisseur Park Gyu-Taek diese Chance nicht, um einen erstklassigen Teeny-Slasher zu kreieren. Die strikte Handlung wird immer wirrer und holpriger. Die Effekte sind unglaublich langweilig. Nein, „The Tunnel“ macht leider überhaupt keinen Spaß. Hier wurde eindeutig eine Chance vertan. Man könnte es auch als das missglückte Debut eines angehenden Regisseurs betrachten.

tunnel foto1

Da kann man schon ins Grübeln kommen bei solch einem miserablen Film.

Mit unterhaltsamem Horrorkino hat das nichts mehr zu tun. Der Film beginnt einem ab spätetestens einem Viertel der Länge zu nerven und zu langweilen. Da helfen auch nichts die eingestreuten „My Bloody Valentine“-Zitate. Im Gegenteil, diese Zitate scheinen zu zeigen: seht mal, was wir hätten eigentlich machen können, aber nicht gemacht haben. Von uns erhält „Tunnel 3D“ eine glatte sechs.

 

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the quiet onesSeit 2007 versucht man, die Hammer Studios zu reanimieren. Bisher kamen ein paar interessante Produktionen heraus, von denen „Die Frau in Schwarz“ die bisher erfolgreichste ist. Mit „The Quiet Ones“ versucht Regisseur John Pogue, die Hammer-Ära der 70er Jahre wieder aufleben zu lassen.

Es geht um den Psychologieprofessor Joseph Coupland, der beweisen möchte, dass es das Übersinnliche nicht gibt. Um seine Theorie zu untermauern, hat er sich einer jungen Frau angenommen, die angeblich von einem bösen Geist besessen ist. Das Experiment wird an der Universität nicht gut geheißen. Kurzerhand beschließt Coupland, das Vorhaben in einem abgelegenen Haus weiterzuführen. Ihm zur Seite stehen seine beiden Mitarbeiter und ein Kameramann. Das Experiment gerät jedoch außer Kontrolle…

„The Quiet Ones“ könnte man als eine Art Hommage an die Okkult-Thriller der 70er Jahre bezeichnen. In der Tat basiert das Drehbuch auf einem Fall, der sich Mitte der 70er Jahre in Toronto zugetragen haben soll. Pogue verlegte die Handlung nach England. Der Film beginnt mitten im Geschehen. Dem Zuschauer bleibt zunächst nichts anderes übrig, als den einzelnen Situationen zu folgen, die jedoch recht schnell ein klares Bild abliefern. Während der Handlung wandelt Pogue stets zwischen bloßen Andeutungen paranormaler Phänomene und eindeutigen Ereignissen. Am Anfang macht dies noch Spaß. Die Geräusche sind hervorragend und die Schockeffekte, die zum großen Teil rein akustisch inszeniert sind, haben es in sich. Ab der Hälfte des Films aber fällt Pogue nichts mehr Großartiges ein, um seine Zuschauer zu erschrecken. Die unvermeidliche Folge: die Situationen wiederholen sich und werden eher langweilig als unterhaltsam.

Dennoch ist es falsch, zu behaupten, der Film sei schlecht. Die Optik ist gut und orientiert sich – wie oben bereit erwähnt – an den Produktionen der 70er Jahre. Dies betrifft auch die Farbgebung des Films. Doch Pogue gelingt es nie, richtigen Grusel zu erzeugen. Dafür wirkt dann doch alles etwas zu flach. Die Idee, einen altmodischen Gruselfilm zu drehen, ist durchaus sympathisch. Die Umsetzung dagegen nicht wirklich gelungen.

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dracula3dDario Argento, der nicht nur Klassiker des Horrorgenres schuf, sondern auch mit der kompliziertesten Kamerafahrt, die jemals für eine Szene entworfen wurde (für den Film „Tenebre“), in die Filmgeschichte einging, hat sich nun an einen Klassiker der Schauerliteratur herangewagt. Gemeint ist „Dracula“ von Bram Stoker.

Für seinen Film, der in 3D produziert wurde, wandelte er die Handlung um. Sie spielt nun in einem Dorf in Transsilvanien. Jonathan Harker kommt zum Grafen Dracula, um dessen Bibliothek zu katalogisieren. Seine Frau Mina zieht in Kürze nach. Doch nach und nach erweist sich der Graf und alle, die mit ihm zu tun haben, als äußerst sonderbar.

Viele, die Argento als postmodernen Ästheten kennen, haben sich sicherlich bereits vorfreudig die Hände gerieben und gehofft, ein farbenfrohes Spektakel zu erleben, das Coppolas Adaption aus den 90ern in den Schatten stellt. Doch weit gefehlt. Kein Big Budget-Euro-Kino, aber immerhin echtes europäisches Kino wird hier dem Zuschauer präsentiert. Argento kehrt quasi zurück in die 60er und 70er Jahre des europäischen Horrorkinos, in dem natürliche und echte Kulissen als schauerliche Burgen und verfluchte Orte herhalten mussten. In Gedanken laufen beim Betrachten von Argentos neuestem Streich parallel sämtliche Mario Bava-Filme ab. Sei es nun „Die Jungfrau und die Peitsche“ oder „Baron Blood“, „Die drei Gesichter der Furcht“ usw. Bava, der das europäische Trash-Kino quasi erfand, stand sicherlich (jedenfalls im Geiste) Pate beim Konzipieren des Drehbuchs. Man könnte fast sagen, Argento verneigt sich vor den Pionieren und den von sich selbst überzeugten Regisseuren des Trashfilms, welche mit ihren obskuren Ideen und ihrem Hang fürs Schmuddelige den Boden für das schufen, was danach kam. So gesehen ist Argentos Vorhaben durchaus gelungen. Zuschauer, welche die alten Trash-Filme jedoch nicht kennen, werden sich wahrscheinlich ärgern und sich fragen, was das Ganze soll.

Einen deutlichen Abzug erhält Argento für die CGI-Effekte. Diese stören nicht nur die Hinwendung zum Ursprung, sondern sind derart schlecht, dass es fast schon wehtut. Wieso Argento hier nicht einfach auf Puppeneffekte zurückgegriffen hat, bleibt rätselhaft. Diese hätten dem trashigen Ganzen noch das I-Tüpfelchen verliehen.

Dario Argentos Dracula (Dracula 3D), Regie: Dario Argento, Drehbuch: Dario Argento, Enrique Cerezo, Stefano Piani, Produktion: Enrique Cerezo, Darsteller: Thomas Kretschmann, Asia Argento, Rutger Hauer, Marta Gastini. Italien 2012. Laufzeit: 106 Min.

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no tears for the dead

No Tears for the Dead (2014); Kinoplakat

Vor wenigen Jahren bewies Regisseur und Drehbuchautor Lee Jeong-Beom, das er ein geschicktes Händchen für düstere Actionfilme hat. Sein Werk „Man from Nowhere“ war der erfolgreichste koreanische Film des Jahres 2010. Vier Jahre später versucht er nun, eines draufzusetzen. „No Tears for the Dead“ lautet der Titel, doch der Erfolg blieb etwas hinter „Man from Nowhere“ zurück.

Es geht um den Auftragskiller Gon, der bei einer Aktion ein kleines Mädchen erschießt und seitdem unter Gewissenkonflikten leidet. Er möchte seinen Job an den Nagel hängen, doch sein Boss lässt ihn nicht so einfach gehen. Einen letzten Auftrag gilt es zu erledigen. Ziel: Mo-Gyeong, eine Investment-Bankerin und zugleich Mutter des getöteten Mädchens. Angeblich ist sie im Besitz eines USB-Sticks, auf dem sich wichtige Geheimnummern für diverse Konten auf der ganzen Welt befinden. Doch statt die Frau zu ermorden, versucht er sie zu beschützen und nimmt es dabei mit einer Menge anderer Killer auf.

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No Tears for the Dead (2014); Alternatives Plakat

Killer mit Gewissenskonflikt, das hatten wir doch schon mal. „Man from Nowhere“ präsentierte so ziemlich denselben Charakter. Im Unterschied zu seinem Vorgänger ist „No Tears for the Dead“ jedoch weitaus brutaler und actionreicher in Szene gesetzt. Ganz klar, Lee wurde ein größeres Budget anvertraut. Das erlaubte ihm auch, Actionstars aus dem Ausland zu engangieren. Unter anderem Brian Tee, der aus den „Fast and Furious“-Filmen bekannt ist. Auch was Beleuchtung, Kameraarbeit und Aufwand betrifft, ragt Lees zweiter Wurf über „Man from Nowhere“ deutlich hinaus. Hervorragend inszenierte Shoot outs, gut gemachte CGI-Explosionen – und (fast) alles in überaus düsteren, dunkelblauen Farben.

Leider ist die Schlusssequenz, in der sich Lee unerwartet auf den klassischen koreanischen Gangsterfilm bezieht, keine gelungene Abrundung des Ganzen. Im Gegenteil, hiermit kreiert Lee einen klaren Dämpfer, denn beides passt nicht zusammen. Ob dies von Lee selbst so gewollt war oder die Produzenten ihm diesen Schluss aufgezwungen haben, muss offen bleiben. Das Resultat ist jedenfalls alles andere als gelungen. Schade, wäre dieses kitschige Anhängsel nicht, so hätte Lee seinem Film mit dem eigentlichen Schluss ein Ende verpasst, dass nicht nur ästhetisch einwandfrei, sondern auch in symbolischer Hinsicht kaum zu überbieten gewesen wäre.

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In „No Tears for the Dead“ dominieren dunkelblaue Farben.

Lee Jeong-Beom kann als Auteur des modernen koreanischen Actionfilms bezeichnet werden. Mit seinem zweiten Killer-Film setzt er das Thema von „Man from Nowhere“ auf furiose Art fort. Zwischen äußerster Brutalität und bloßen Andeutungen schwankend, setzt er extreme Eckpunkte, welche das derzeitige Actionkino Südkoreas bestimmen. Man darf gespannt sein, ob Lee zu einer weiteren visuellen Steigerung fähig ist.

Zum Schluss noch ein Wort zum Titel. Die Übersetzung des Originaltitels lautet „Weinender Mann“ (d.h. der internationale Verleihtitel müsste eigentlich „Crying Man“ lauten). Da jedoch der 80er Jahre Klassiker „Crying Freeman“ von Christophe Ganz und Brian Yuzna eine in Grundzügen ähnliche Geschichte erzählt, wurde anscheinend bewusst ein anderer Titel gewählt.

 

 

 

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divine move

The divine Move (2014). Originalkinoplakat.

Regisseur Jo Bum-Gu haben wir noch in Erinnerung durch seinen Actionfilm „Quick“ (2010), der in Ansätzen nostalgisches 80er Jahre Actionkino immitierte, aber darüber hinaus absolut nichts bot. Um so interessanter ist es daher, dass Jo nun mit „The Divine Move“ einen erstklassigen Gangsterfilm im Stil des Film Noir vorlegt.

Es geht um den Go-Spieler Tae-Suk, der es sich bei einem Spiel mit dem Gangsterboss Sal-Soo verscherzt. Sal-Soo tötet daraufhin Tae-Suks Bruder, stellt es aber so hin, dass Tae-Suk als Mörder in Frage kommt. Prompt wird Tae-Suk für sieben Jahre ins Gefängnis gesteckt. Dort sinnt er nach Rache. Er entwickelt einen Plan, wie er es Sal-Soo heimzahlen kann.

Nie wurde das Spiel Go interessanter und cooler dargestellt als in „The Divine Move“. Das doch eher langsame Spiel, das in Südkorea genauso beliebt ist wie hierzulande Schach, wird zu einem kniffligen Potpouri aus Taktik und hinterlistigen Tricks. Die Kamera fängt dabei das Spielbrett und die gesetzten Steine auf eine geradezu stylische Weise ein. Hinzu kommen die Protagonisten bzw. Antagonisten, die in schicken Anzügen lässige Miene zum bösen Spiel machen. Dunkle Farben und tiefe Schatten beherrschen Jo Bum-Gus neuen Spielfilm, der Anfang Juli in die koreanischen Kinos kam und schon jetzt zu den erfolgreichsten Filmen in diesem Jahr zählt. Die einzelnen Spiele sind schnell geschnitten, stets versetzt mit Parallelmontagen, um dem Konflikt auf dem Spielbrett eine gewisse Tiefe zu verleihen. Immerhin geht es hier nicht bloß ums Gewinnen oder Verlieren, sondern um Leben oder Sterben.

Um seine Rache durchzuführen, versammelt Tae-Suk nach und nach eine kleine Gruppe skurriler Typen um sich. So den blinden Go-Meister „The Lord“ oder den gewieften Trickspieler „Tricks“. Die Figuren verleihen der Handlung fast schon einen mystischen Charakter. Man ist beinahe geneigt, manche Sequenzen in die Kategorie Mystery-Thriller zu stellen. Aber auch das gehört bekanntlich zum Stil des Film Noir.

Jo Bum-Gu hat gelernt. Die Action dient nicht mehr um der Action willen, sondern ist hervorragend in die Handlung integriert. Speziell der Höhepunkt, wenn Sal-Soo seine Leute auf Tae-Suk hetzt, ist gekonnt in Szene gesetzt. „The Divine Move“ dürfte bei den kommenden koreanischen Filmfestivals nicht ohne Preise nachhause gehen. Kamera, Beleuchtung und nichtzuletzt ein sehr gutes Essamble machen den Film zu einem wahren cineastischen Genuss.

 

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vergiss nicht das salz auszuwaschenKimchi ist das koreanische Nationalgericht. Eine Speise, die nicht ohne Kimchi als Beilage serviert wird, gibt es nicht. Und nicht nur das: es gibt wahrscheinlich genauso viele Kimchi-Rezepte wie es Hausfrauen in Korea gibt. Eine jede hat ihren ganz besonderen Tipp, wie Kimchi noch besser schmeckt. Und Kimchi schmeckt. Wer es bisher noch nicht probiert hat, der kann nun das Buch „Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen“ der Künstlerin Sohyun Jung zum Anlass nehmen, dies nachzuholen.

Darin beschreibt die Autorin, wie es ist, als Koreanerin nach Deutschland zu kommen. Die Hauptfigur Hana beginnt ganz plötzlich, Kimchi zu vermissen. Mit ihrer Mutter steht sie gerade in Zwist, möchte diese doch, dass Hana so schnell wie möglich wieder zurück nach Korea kommt. Da Hana ihre Mutter nicht anrufen möchte, um nach dem Rezept für Kimchi zu fragen, macht sie sich selbst auf die Suche nach Zutaten und den Arten der Zubereitung.

Sohyun Jung erzählt die Geschichte mit viel Witz, Phantasie und einer sehr genauen Beobachtungsgabe. Hervorragend sind die Eindrücke, die sie über Deutschland wiedergibt. Wenn sie zum Beispiel deutsches Essen bestellen möchte und aus der Küche jemand auf Italienisch antwortet. Oder der Asien-Shop, der in der Auslage ein Sammelsurium von Krimskrams stehen hat und damit die deutsche Vorstellung von „Asien“ widerspiegelt.

Aber auch der Teil, in welchem Hana versucht, selbst Kimchi zu machen, ist sehr liebevoll und humorvoll umgesetzt. In die Handlung mischt Sohyun Jung Informationen über die Geschichte des Kimchi. Sehr gelungen sind die Zeichnungen und Bilder, die äußerst detailreich sind. Die doch eher dunklen Farben verleihen der Geschichte, trotz ihres Witzes, einen grundlegenden melancholischen Charakter, der sehr schön die anfängliche Einsamkeit und (kulturelle) Verlorenheit der Protagonistin ausdrückt.

Und wer das Zubereiten von Kimchi selbst ausprobieren möchte, der erhält in dem Buch auch noch ein genaues Rezept.

Sohyun Jung. Vergiss nicht, das Salz auszuwaschen. Mairisch Verlag 2014, 80 Seiten, 14,90€, ISBN: 978-3-938539-31-6

 

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4L - Move

Die Schlusssequenz des umstrittenen Videos. Psychopathin oder einfach nur Vamp? Diese Frage bleibt offen. (Copyright: Jade Conent Media)

Ende Juli wurde zu später Stunde im koreanischen Fernsehen ein Videoclip gezeigt, der seitdem die Gemüter der K-Pop-Fans erregt. Der Titel des Clips lautete „Move“ und stellte zugleich die erste Single der neuen Girl-Group Four Ladies (auch als 4L bekannt) dar. Seitdem müssen sich die vier jungen Frauen übelste Schimpfwörter gefallen lassen.

4L - Move1

Die Dance Shots werden bestimmt von einer gewagten Choreographie. Im Ganzen aber wirkt diese eher unfreiwillig komisch als erotisch. (Copyright: Jade Content Media)

Der Clip konzentriert sich sehr auf die Sexualisierung der Sängerinnen. Die direkte Form der Choreographie lässt die Erotik allerdings über weite Teile des Videos plump und unfreiwillig komisch erscheinen. Andeutungsweise reiben sich die Sängerinnen zwischen den Beinen oder spreizen diese in einer Totalen. Die durchsichtigen Nylonkostüme verstärken dabei die Intension der Produktionsfirma. Zwischen den Dance Shots ist eine lesbische Liebesbeziehung eingeflochten, wobei der Fokus auf einem angedeuteten Liebesakt zwischen den beiden Protagonistinnen liegt. Diese kurzen Sequenzen sind – trotz Andeutung – sehr intensiv und durchaus gut gemacht. Die Deutung der narrativen Elemente bleibt offen und lässt daher verschiedene Möglichkeiten zu: eine gescheiterte Liebesbeziehung; eine Frau, die zum ersten Mal Sex mit einer anderen Frau hat; eine Psychopathin, deren Opfer gerade nochmals entkommen ist.

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Die eingewobene Narration bezieht sich auf eine lesbische Liebesbeziehung. (Copyright: Jade Content Media)

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Geküsst wird dann aber doch nur der Spiegel. (Copyright: Jade Content Media)

Nach der Erstaustrahlung des Clips im koreanischen Fernsehen, wurde die Produktionsfirma Jade Contents Media gefragt, aus welchem Grund das Musikvideo so stark erotisiert wurde. Die Antwort lautete, dass dies das grundlegende Konzept von 4L sei und sich die Zuschauer auf noch gewagtere Clips gefasst machen sollten. Nun, dahinter steckt sicher eine Menge Angeberei. Denn das Video ist – was die oben erwähnten Dance Shots betrifft – eher vulgär als gekonnt erotisch. Zudem wurden aus anderen Clips wie etwa „Marionette“ der Girl Group Stellar oder „Dr. Feel Good“ von Rania Ideen übernommen. Etwas, das typisch für 4L sein könnte, findet sich in dem Clip eigentlich nicht.

Das Basiskonzept der Gruppe spiegelt sich auf der seit Ende Juli bestehenden Facebook-Seite von 4L wider. Leicht freizügige Porträtfotos stellen die vier Mitlgieder dar. Es ist fraglich, ob das Konzept tatsächlich auf diese Weise aufrecht erhalten werden kann. Bereits die Formation Rania zeigte, dass es viel eher zu Veränderungen hin zu „harmlosen“ Varianten geben wird. Rania war die erste Girl Group, die mit direkten erotischen Anspielungen arbeitete. Das Video „Dr. Feel Good“ musste um mehrere Sekunden gekürzt werden, um einem Sendeverbot zu entgehen. Die folgenden Clips zeigten die Gruppe dann in weniger freizügigen Outfits.

Interessanterweise musste der Clip „Move“ nicht gekürzt werden. Stattdessen erhielt er eine Freigabe „ab 19“, was heißt: nur für Erwachsene. Die Aufregung wird sich schnell wieder legen. In Südkorea erscheinen und verschwinden Girl Groups wöchentlich. Nun, das Video hat zumindest für den angezielten Medienrummel gesorgt. Und das ist ja schon einmal etwas.

 

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