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Archive for September 2012

Kpop ist in aller Munde. Dies nicht allein durch den globalen Hit „Gangnam Sytle“ des koreanischen Sängers Psy. Die internationale Erfolgswelle koreanischer Popmusik ist derzeit nicht zu bremsen. Doch genau in dem Moment, in welchem sich Kpop weltweiter Bekanntheit und Beliebtheit erfreuen darf, zieht das koreanische Ministerium für Gesundheit und Kultur (seiner Meinung nach) die moralische Notbremse.

Was ist passiert? Seit dem 18. August 2012 gilt ein neues Gesetz, welches der Musikindustrie verbietet, Musikvideos ungeprüft zu veröffentlichen. Das Gesetz galt schon seit längerer Zeit für das Fernsehen (dort übernahmen die Sender selbst die Zensur), doch nun soll dies auch Videos betreffen, welche von den Firmen selbst ins Netz gestellt werden. Das bedeutet, bevor das Musikvideo auf Youtube oder ähnlichen Plattformen erscheinen darf, muss es dem Ministerium zur Begutachtung vorgelegt werden. Wer sich nicht an diese Regelung hält, muss im schlimmsten Fall mit zwei Jahren Haft rechnen.

Natürlich bringt dies Künstler und Produzenten auf die Barrikaden. Denn das Gesetz lässt offen, was zensiert wird und gibt auch keine genaue Definition darüber, was eigentlich ein Musikvideo ist (es könnten darunter nicht nur industriell produzierte Videos fallen, sondern genauso Privatvideos, welche mit Musik unterlegt sind).  Das Ministerium nennt als Grund für die Maßnahme, eine zunehmende Gewaltdarstellung sowie eine deutlichere Sexualisierung der Sängerinnen. Daher sieht sich die Behörde in der Pflicht, Kinder und Jugendliche vor dieser extremer werdenden Form der Visualisierung zu schützen.

Die Videoclips der Boyband B.A.P. zeigen in ihrer Choreographie einen (eher symbolischen) Hang zur Gewalt.

Auch bei Videoclips diverser Girlbands kann eine zunehmende Darstellung von Gewalt und Erotik beobachtet werden.

Betrachtet man jedoch die ins Netz gestellten Musikvideos vor und nach dem 18. August, kann man kaum Veränderungen in den Videoclips feststellen. Im Gegenteil, der Trend geht vor allem weiter in Richtung Erotik. Ob das Ministerium sein Vorhaben wieder zurückgezogen hat oder ob die Musikfirmen aus Protest ihre Videos weiterhin ungeprüft ins Netz stellen, kann derzeit nicht beurteilt werden.

Dass Musikvideos in Südkorea zensiert werden, ist allerdings nichts Neues. Das Video „Dr. Feel Good“ der Girlband Rania musste um mehrere Sekunden gekürzt werden, da die choreographischen Anspielungen teilweise zu eindeutig sind. Zudem mussten Nahaufnahmen der Leistengegend der Leadsängerin entfernt werden.

Das Video „Dr. Feel Good“ der Girlband Rania musste aufgrund direkter sexueller Anspielungen gekürzt werden.

Bei dem Videoclip „Pray“ der Band Sunny Hill wurde härter durchgegeriffen. Das Musikvideo wurde aufgrund von moralischen Bedenken in Korea verboten. Der Clip zeigt Experimente an einem deformierten Menschen.  Obwohl das Make-up schlecht ist und die Experimente nur angedeutet sind, gab es hinsichtlich des Videos starke Proteste.

Das Problem liegt wahrscheinlich auch nicht darin, dass Musikvideos zensiert werden können, sondern eher darin, dass dies, da die neue Maßnahme auch Online-Videos berücksichtigt, der schleichende Anfang einer generellen Internetzensur sein könnte. Es bleibt abzuwarten, wie strikt das Ministerium durchgreifen wird. Vieles hängt auch von der ästhetischen Weiterentwicklung der koreanischen Musikvideos selbst ab.  Da diese nun verstärkt versuchen, auf den internationalen Markt zu drängen, wird vor allem der Trend zu mehr Erotik sicherlich beibehalten werden. Schließlich heißt es ja nicht umsonst: Sex sells.

Der Artikel enthält teilweise Informationen aus der Korea Times vom 8 August 2012: YouTube music video rating riles up artists

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