Undine oder Wieso arbeitet ein Wassergeist im Stadtmuseum?

Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, könnte man einfach sagen: Christian Petzold hätte seinen neuesten Film durchaus besser machen können. Denn irgendwie scheint ihm nicht sehr viel eingefallen zu sein, um eine packende Geschichte abzuliefern. Daher läuft Undine mehr die Treppe im Stadtmuseum auf und ab als das so etwas wie Spannung oder Romantik entstehen würde.

Gleich am Anfang zitiert Petzold mit dem langen Dialog zwischen Undine und ihrem Exfreund ausgerechnet Luc Bessons „Lucy“ (Bessons schlechtesten Film), um danach Undine ewig lange über die Teilung Deutschlands referieren zu lassen. Dass der Taucher Christoph sich unter den Zuhörern befindet wird hierbei zu weniger als zur Nebensache. Schön wäre es gewesen, Christophs Reaktionen auf Undine einzufangen, um dadurch eine gewisse Dichte zu erzeugen. Aber nein, anscheinend geht es auch anders.

Danach plätschert der Film eher lustlos vor sich hin, ohne irgendeine Aussage treffen zu wollen. In dieser Hinsicht wirkt „Undine“ unglaublich oberflächlich. Unfreiwillig komisch wird der Film dann in der Szene, in der Undine im Nachthemd durchs Wasser taucht. Durchaus gewitzt aber wieder dann, wenn Christian Petzold „Species“ (1995) in der Swimmingpool-Szene zitiert.

Was an „Undine“ allerdings wirklich gut und atmosphärisch ist, sind die Unterwasserszenen. Davon hätte man gerne mehr gesehen, besonders, da sich die Crew mit den Unterwasserkulissen große Mühe gegeben hat. Trotz der sehr guten Darstellung von Franz Rogowski (Paula Beer als Undine fällt ihm gegenüber weit zurück), hat „Undine“ weder Hand noch Fuß und driftet in manchen Szenen fast in die Langeweile ab.

Undine. Regie u. Drehbuch: Christian Petzold, Darsteller: Franz Rogowski, Paula Beer, Jacob Matschenz. Deutschland 2020

 

The 80s: Excalibur (1981)

Mitten in der Schlacht; „Excalibur“ (1981); © Warner

Eigentlich hatte John Boorman Tolkiens „Herr der Ringe“ verfilmen wollen, doch wurde das Projekt aus Kostengründen nicht weiter verfolgt. Allerdings verwendete er die Vorarbeiten für einen anderen Fantasy-Epos: „Excalibur“. Damit schuf er nicht nur einen der erfolgreichsten Fantasy-Filme der 80er Jahre, sondern beeinflusste mit der Machart auch spätere Produktionen bis hin zu Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Adaption.

„Excalibur“ galt 1981 als einer der brutalsten Filme. Grund dafür sind die recht heftigen Schlachtenszenen, in denen hier und da mal ein Arm verloren geht und das Kunstblut nur so herumspritzt. Boorman setzte damit einen Kontrastpunkt zu den Ritterfilmen der 50er Jahre, in denen die Helden stets frisch gewaschen sind und saubere Rüstungen anhaben. In „Excalibur“ sind die schweren Rüstungen voller Dreck, die Ritter schwitzen und kämpfen schnaufend und keuchend. Hinzu kommt die damals viel diskutierte Sexszene zwischen Uthar (dem Vater von König Arthur) und Igrayne. während in einer Parallelmontage der Fürst von Cornwall, mit dem Igrayne verheiratet ist, von Lanzen  durchbohrt wird.

Der Film ist eine Adaption von Thomas Malorys „König Arthur und die Ritter der Tafelrunde“ aus dem Jahr 1485. Unversehens wird Arthur König, als er das Schwert Excalibur aus dem Stein zieht. Er versammelt die besten Ritter um sich und bildet mit ihnen die Tafelrunde. Alles scheint gut zu verlaufen, doch nach und nach bricht seine Herrschaft zusammen. Grund dafür ist die Hexe Morgana, Arthurs Schwester, die ihn verzaubert und dabei mit ihm einen Sohn zeugt. Diesen möchte sie statt Arthur auf den Thron heben …

„Excalibur“ ist sehr aufwendig produziert, das Design der Rüstungen phänomenal und die Bildgestaltung, die teilweise an die Gemälde der Romantik erinnert, unglaublich ästhetisch. Hinzu kommt die sensationelle Dramatik, die dem Film fast schon etwas Opernhaftes verleiht. Eigentlich hätte der Film über drei Stunden dauern sollen, doch musste John Boorman den Film auf zwei Stunden kürzen.

König Arthur (Nigel Terry) bei der Hochzeit mit Guenevere (Cherie Lunghi); „Excalibur“ (1981); © Warner

Boorman entschied sich damals, die Rollen mit eher unbekannten Schauspielern zu besetzen, von denen manche heute zu den bekanntesten Darstellern Hollywoods zählen: Liam Neeson (in einer winzigen Nebenrolle), Patrick Steward, Helen Mirren und Gabriel Byrne. Ausgerechnet der Hauptdarsteller Nigel Terry sollte nicht wirklich davon profitieren. Seine spätere Karriere beschränkte sich auf TV-Serien und Nebenrollen.

„Excalibur“ ist schlicht und ergreifend ein wunderbarer Fantasyfilm, der bis heute nichts von seiner Gewaltigkeit verloren hat. Damals war er nominiert für die Goldene Palme, ging aber leider leer aus. Heute zählt der Film zu den Klassikern der 80er Jahre.

Excalibur. Regie u. Produktion: John Boorman, Drehbuch: Rospo Pallenberg, John Boorman, Darsteller:  Nigel Terry, Helen Mirren, Nicholas Clay, Cherie Lunghi, Nicol Williamson. USA 1981