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Archive for April 2015

americanhorrormovies

Das Buch erschien 2010 und wurde 2013 neu aufgelegt. Darin befindet sich auch die Untersuchung von Davis/Natale.

Vor wenigen Jahren veröffentlichten die beiden Kulturwissenschaftler Blair Davis und Kial Natale eine Untersuchung über den Gore-Gehalt von Horrorfilmen, die zwischen den Jahren 1997 und 2007 erschienen sind. Für jedes Jahr suchten sie zehn Filme aus und überprüften, wieviel Sekunden/Minuten an Gore-Szenen im jeweiligen Film vorkommen. Das Ziel ihrer Untersuchung war es oder besser sollte es sein, einen Überblick darüber zu erhalten, ob sich der Gore-Gehalt von Horrorfilmen über die Jahre hinweg verringert oder vergrößert hat.

Sie kamen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2003 der Gore-Gehalt von Horrorfilmen am höchsten war (alle rezipierten Filme kamen insgesamt auf ca. 400 Sekunden). Danach ging der Gehalt wieder zurück. Und was sagt uns das? Im Grunde genommen überhaupt nichts. Denn Davis und Natale können mit ihrer Untersuchung nicht wirklich etwas über den Gore-Gehalt von Horrorfilmen innerhalb des angegebenen Zeitraums aussagen.

eventhorizon

Die Auswahl der Filme erfolgte rein subjektiv. Der wichtige Film „Event Horizon“ wurde z.B. nicht ausgewählt.

Sie wählten die Filme rein subjektiv aus, sodass – wie sie selbst in ihrer Untersuchung zugeben -, es schwer fiel, für manche Jahre zehn Filme zusammenzubekommen. Zweitens wählten sie nur Filme aus, die im Kino liefen. Drittens berücksichtigten sie überhaupt nicht Filme, die direkt für den Video- bzw. DVD-Markt produziert wurden, also sog. Direct to Video-Productions.

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Direct to Video-Productions wurden nicht in die Untersuchung aufgenommen, was die Ergebnisse zusätzlich verfälschen.

Das Problem an Horrorfilmen, die für die Leinwand produziert wurden, ist, dass sie eigentlich nicht als Horrorfilme vermarktet werden, obwohl sie natürlich dem Genre nach Horrorfilme sind. Dies hat den Grund, um auch Leute ins Kino zu locken, die Horror gegenüber abgeneigt sind. Die Produktionsfirma vermarktet folglich den Film eher als eine Art Event. Eine solche Marketingstrategie ist seit Ende der 90er Jahre festzustellen. Bestimmte Horrorfilme wurden nun einmal für ein breiteres Publikum konzipiert und genau auf diese Filme gehen die beiden Forscher ein, obwohl sie behaupten, dadurch ein Gesamtbild der Entwicklung innerhalb des Genres zeichnen zu können.

Dass beide Autoren die Direct to Video-Productions, in denen normalerweise mehr Gore-Szenen enthalten sind, da sie für ein spezielles Publikum produziert wurden, nicht berücksichtigten, ist ein großer Fehler und verzerrt nicht nur die gewonnenen Erkenntnisse, sondern macht diese völlig unbrauchbar. Auch die Beschränkung der Auswahl auf zehn Filme pro Jahr ist fragwürdig, da selbst dadurch kein Gesamtbild entworfen werden kann. Davis und Natale gingen nie wieder daran, um die Untersuchung erneut durchzuführen. Was bleibt sind Schaubilder und Tabellen, die niemandem etwas nützen.

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electric boogalooDie Story könnte man so zusammenfassen: Anfang der 80er Jahre machten sich zwei israelische Cousins auf, um den Rest der Welt zu erobern. – Gemeint sind Menahem Golan und Yoram Globus, die mit der „Eis am Stil“-Reihe die bis heute erfolgreichsten israelischen Filme drehten. Danach zog es beide nach Hollywood. Und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Eine Abhandlung über die Popkultur der 80er Jahre wäre ohne die Erwähnung der Produktionsfirma Cannon Group schlicht und ergreifend nicht komplett. Kein anderes Filmstudio beeinflusste das Trash-Genre so sehr wie eben diese Firma, die von Golan und Globus gekauft wurde, um auf diese Weise ihre Leidenschaft für das Kino auszuleben. Dabei gingen sie ein irrwitziges Risiko ein, indem sie einfach … nun ja Filme drehten. Mehr durch Zufall wurden manche Produktionen zu großen Erfolgen. Das Problem war, sie produzierten Filme, wie sie sie selbst gerne sehen wollten und dachten dabei weniger an das Publikum. Auch wenn die beiden Cousins davon überzeugt waren, dass der nächste Film garantiert ein Blockbuster werden würde oder sie garantiert einen Oskar bekommen würden, so sah die Realität dann doch etwas anders aus.

Regisseur Mark Hartley hat in seiner durch und durch unterhaltsamen Dokumentation die Geschichte der Cannon Group und damit die Geschichte von Menahem Golan und Yoram Globus nachgezeichnet. Anhand vieler Filmausschnitte und Interviews mit Regisseuren wie Tobe Hooper und Schauspielern wie Richard Chamberlain, Franco Nero, Bo Derek und Michael Dudikoff lässt er den kompletten Wahnwitz, der im Zusammenhang mit dieser Firma steht, nochmals auferstehen. Es wird u. a. berichtet, wie es zu den Chuck Norris-Filmen kam, wie Jean-Claude van Damme seine erste Rolle erhielt und wieso niemand Sharon Stone leiden konnte.

Hartley unterstreicht den filmischen Wahnsinn zusätzlich durch eine rasante Schnittfolge, in der Interviews mit Filmszenen und Ausschnitten von damaligen Reportagen unaufhörlich abwechseln. Er zeigt, wie Golan und Globus aufgrund ihrer Vielzahl an Filmen, die zum Teil gleichzeitig produziert wurden, nach und nach den Überblick verloren, was Ende der 80er zum unvermeidlichen Ende der legendären Firma führte.

Für Trash-Fans und Liebhaber von Filmen der 80er Jahre ist „Electric Boogaloo“ so gut wie unverzichtbar. Die Doku macht ungeheuren Spaß, ist überaus informativ und lässt einem aufgrund der Verrücktheiten, für die die beiden Cousins bekannt waren, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kurz: Absolut zu empfehlen.

Titel: Electric Boogaloo, Regie: Mark Hartley, Produktion: Brett Ratner, Interviewpartner: Tobe Hooper, Franco Nero, Michael Dudikoff, Richard Chamberlain, Bo Derek, Dolph Lundgren u. a., Australien/USA 2014, Laufzeit: 103 Min.

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hollywoodBereits der erste Trailer von Star Wars VII ließ die Herzen der Fans höher schlagen. Umso größer wurde die Euphorie, als vergangene Woche ein weiteres Appetithäppchen in Umlauf gebracht wurde. Liest man in diversen Foren, so zeigt sich, dass die Mehrheit mit den ersten Eindrücken zufrieden ist, scheint sich doch das Sequel in Sachen Aufmachung an den Klassikern sehr zu orientieren.

Eines ist sicher, die Kosten von 200 Millionen Dollar werden die Walt Disney Studios ab Mitte Dezember garantiert innerhalb kürzester Zeit wieder einnehmen. J. J. Abrams, der bereits Star Trek durch zwei Prequels wiederbelebte, hat nun auch Star Wars in gewisser Weise reanimiert. In gewisser Weise deshalb, da Star Wars ja nie richtig „weg vom Fenster“ gewesen ist.

Zugleich verdeutlicht die groß angelegte Werbekampagne allzu genau, dass die Krise in Hollywood weitergeht. Man setzt auf Altbekanntes. Statt neuer Ideen und statt einen Schritt in die Originalität zu wagen, klammern sich Hollywoodproduzenten – und mit ihnen auch die Regisseure – an bekannten Storys und Figuren fest, um ja kein Geld zu verlieren. Mit einer Neuauflage von Star Wars geht man garantiert kein Risiko ein, es sei denn, man ist völlig auf den Kopf gefallen.

So bleibt auch dieses Jahr einmal mehr den Sequels und Remakes überlassen. Obwohl manche Kritiker in veränderten Erzählstrukturen mancher Hollywoodfilme doch eine ästhtetische Neuausrichtung sehen, bleibt der Großteil dem Ewiggleichen überlassen. So müssen sich die Big Six nicht wundern, wenn auch dieses Jahr die Anzahl der Ticketverkäufe zurückgehen wird. Wahrscheinlich werden sie dies wieder auf Filmpiraterie zurückführen, wie in so vielen Berichten, die in den letzten paar Jahren von der MPAA (Motion Picture Association of America) herausgegeben wurden. In der Tat aber liegt es an den Filmen selbst, dass sich immer mehr potentielle Zuschauer entscheiden, diese lieber zuhause anzusehen, als dafür überteuerte Preise für 3D-Vorstellungen zu zahlen.

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remakesremakingWährend sich die Remakeforschung in den USA, England und Frankreich seit den 90ern stark entwickelt, steckt diese Disziplin in Deutschland beinahe noch in den Kinderschuhen. Zwar erscheinen immer wieder Dissertationen, die sich mit Remakes beschäftigen, doch so richtig in Fahrt kommen will das Ganze noch lange nicht.

Nun haben Rüdiger Heinze und Lucia Krämer einen Sammelband herausgebracht, dessen Beiträge sich dem Thema Remake aus verschiedenen Perspektiven nähern. Die Einleitung sowie sämtliche Beiträge sind auf Englisch, um sich wahrscheinlich einen besseren Platz in der Zitations-Riege zu sichern. Den Band auf Deutsch herauszubringen, wäre in diesem Fall aber weitaus besser gewesen, da die deutsche kulturwissenschaftliche Forschung nun einmal (oder wie fast immer) im internationalen Vergleich hinterherhinkt.

Neben Artikeln über Remakes finden sich auch Texte, die sich mit Adaptionen, also dem Remaking, beschäftigen, in dem Band wieder. Sämtliche Artikel sind durchaus interessant, flüssig geschrieben und betrachten die Thematik aus verschiedenen Richtungen. Besonders lesenswert sind die Texte über Bollywood und über den Vergleich zwischen „Internal Affairs“ und „The Departed“, da diese das Thema in einen globalen Zusammenhang setzen.

Was jedoch einem etwas die Stimmung vermiest, ist die Einleitung. Besonders Leser, die sich bereits seit längerem mit Remakes auseinandersetzen, werden sich darüber ärgern, denn der kurze, einfach nur oberflächliche Text (knapp sechs Seiten, der Rest geht für die Vorstellung der einzelnen Artikel drauf) kommt über eine knappe Zusammenfassung der Thematik nicht hinaus. Während z.B. Jennifer Forrest und Leonard Koos in ihrem Sammelband „Dead Ringers“ (2010) fundiertes Wissen vermitteln, fragt man sich bei der Einleitung von „Remakes and Remaking“, was die beiden Herausgeber eigentlich damit bezwecken wollten. Rüdiger Heinze und Lucia Krämer begingen hier einen großen Fehler,  da die Remakeforschung in Deutschland nicht oder noch immer nicht den Rang einnimmt, den sie einnehmen sollte. Ansonsten aber ist der Band für Einsteiger in die Remake-Thematik durchaus zu empfehlen.

Rüdiger Heinze/Lucia Krämer (Hrsg). Remakes and Remaking. Concepts, Media, Practices. Transcript Verlag 2015, 184 Seiten, 29,99€, ISBN: 978-3-8376-2894-4

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geflügelte worteKein anderer Sachbuchautor hat die Archäologie dermaßen durcheinander gewirbelt wie Erich von Däniken. Sein Buch Erinnerungen an die Zukunft, erschienen 1968, wurde über Nacht zum Bestseller. Seitdem veröffentlichte EvD 40 weitere Bücher, die sich mit der Frage beschäftigen, ob unsere Vorfahren Kontakt mit außerirdischen Wesen hatten. Damit begründete der erfolgreichste deutschsprachige Sachbuchautor zugleich die grenzwissenschaftliche Disziplin der Paläo-SETI-Forschung.

Erich von Dänikens Theorien wurden vor allem von Archäologen stark kritisiert. Man kann zu EvDs Theorien stehen wie man möchte, nur eines ist sicher: EvD machte offensichtlich, dass es historische Rätsel gibt, für die bisher keine Erklärungen vorhanden sind und dass manche Experten versuchen, alternative Lösungsvorschläge nicht zur Geltung kommen zu lassen. Somit ist auch EvDs Tätigkeit als Kritiker der Akteure der herkömmlichen Wissenschaft nicht zu unterschätzen.

Zu seinem 80. Geburtstag hat nun der mit ihm befreundete Autor und Illustrator Reinhard Habeck ein Buch veröffentlicht, das eine Vielzahl von Erich von Dänikens Zitaten enthält. Die Zusammenstellung ist überaus liebevoll gestaltet und zeigt von Däniken als einen Menschen, der etwas zu sagen hat. Die Sammlung umfasst EvDs Gedanken über seine Arbeit als Forscher und Autor, seine Träume und Wünsche, seine Gedanken über Politik und seine unzähligen Reisen. Doch die Sammlung geht sogar noch weiter, gibt Einblicke in von Dänikens ganz private Welt. Bei all seinen Aussagen erweist sich EvD zugleich als ein äußerst humorvoller Mensch, der gekonnt Pointen setzen kann.

Reinhard Habeck hat das Buch mit witzigen Illustrationen ausgestaltet, sodass die „Geflügelten Worte“ nicht nur ein reines Lese-, sondern zugleich ein optisches Vergnügen darstellen. Das Buch wird jedem gefallen, der sich mit EvD auseinandersetzt, egal ob als Befürworter oder als Kritiker.

Reinhard Habeck: Erich von Dänikens geflügelte Worte. Kopp Verlag 2015, 160 Seiten, 9,95€, ISBN: 978-3-86445-205-5

 

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zero theoremTerry Gilliam bleibt seinem Hang zum Skurrilen treu. Nach dem Beinahe-Fiasko um „Dr. Parnassus“, setzt Gilliam in „The Zero Theorem“ einmal mehr auf ein dystopisches Zukunftsszenario, das entfernt an seinen Film „Brazil“ erinnert.

Es geht um den Computerexperten Qohen Leth, der sehnsüchtig auf einen Anruf wartet, der ihm den Sinn des Lebens mitteilen soll. Aus diesem Grund möchte er nicht mehr in die Firma kommen, sondern von zuhause aus arbeiten. Dieser Wunsch wird ihm gewährt, allerdings unter der Bedingung, dass er versuchen soll, das Zero Theorem zu knacken.

Die neueste Produktion von Terry Gilliam erhielt erst grünes Licht, nachdem Christoph Waltz für die Rolle des psychisch labilen Qohen Leth engagiert werden konnte. Waltz’ Zusage erweist sich für den Film als echter Glücksfall. Die überaus schwierige Rolle stellt der österreichische Mime mit einer überragenden Kunst dar, welche zugleich verhindert, dass die düstere Grundstimmung der Geschichte als zu trostlos empfunden wird.

Terry Gilliam geht es um die Suche nach dem Sinn im Leben bzw. um den Verlust dieses Sinns in der Postmoderne. Um dies zu unterstreichen, zeichnet er eine zukünftige Gesellschaft, in der Oberflächlichkeit das Maß aller Dinge ist. Er betrachtet somit das menschliche Dasein aus dem Blickwinkel der völligen Sinnlosigkeit. Egal ob im Privatleben oder am Arbeitsplatz, alles erscheint chaotisch und im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos. Nicht zuletzt deswegen erhofft Qohen sehnlich den Anruf, der ihm diesen verloren gegangenen Sinn vermittelt. Trotz dieser Thematik verliert sich der Film in keinem philosophischen Ernst. Neben Waltz’ Schauspielkunst, ist es die typische Verspieltheit Gilliams, die sich in den Kulissen, Kostümen und den skurrilen Nebenfiguren offenbart und dem Thema dadurch einen ironischen Unterton verleiht. – Zum großen Glück entsagt sich Terry Gilliam in „The Zero Theorem“ mal wieder dem Mainstream. Es tut gut, zu wissen, dass es in der Zeit der Remakes und Seuqels/Prequels noch so etwas wie Filmkunst gibt. Und Terry Gilliam gehört ohne Abstriche zu den Großen dieser Kunst.

Titel: The Zero Theorem, Regie: Terry Gilliam, Drehbuch: Pat Rushin, Produktion: Nicolas Charlier, Dean Zanuck, Darsteller: Christoph Waltz, Melanie Thierry, David Thewlis, Matt Damon, Tilda Swinton, Peter Stormare, England/Rumänien/Frankreich 2013, Laufzeit: 107 Min.

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