J-Pop: „Eternal“ – Scandal läuten ihr 15-jähriges Jubiläum ein

Die Girl-Rock-Band „Scandal“ feiert in diesem Jahr ihr 15-jähriges Bestehen. 2006 tourten sie als Indie-Band durch Japan, heute zählen sie zu den erfolgreichsten japanischen Rockbands. Nicht nur das, denn nach Jahren im Mainstream haben sie sich inzwischen wieder dem Indie-Sektor zugewandt, indem sie vergangenes Jahr ihr eigenes Label Her gegründet haben.

Scandal „Eternal“; © Her

Vor wenigen Wochen erschien ihr neuester Song „Eternal“. Nein, es handelt sich hierbei nicht um ein Liebeslied, sondern um einen tiefgründigen Text über das Leben. Die Drummerin Rina Suzuki, die den Text verfasst hat, schrieb dazu, dass sie dabei zwei Dinge zum Ausdruck bringen wollte: zum einen ist es ein Nachdenken über die bisherige Bandgeschichte, zum anderen über die Erfahrungen, die sie dabei gemacht hat. Diese gelten nicht nur für die Band, sondern für das Leben an und für sich. Es sei wichtig, jeden Moment mit allen Sinnen zu erleben und nicht mit seinen Gedanken und Sorgen ständig in der Zukunft zu verharren. Die positiven Augenblicke, auch wenn sie nur kurze Zeit anhalten, soll man für immer in seinem Herzen behalten.

Rinas Text ist überaus poetisch und gleicht in dieser Hinsicht beinahe schon den wundervollen Texten ihrer Bandkollegin Tomomi Ogawa. Es handelt sich um sehr schöne, melancholische Gedanken, die von der Musik, die wie fast immer von der Gitarristin Mami Sasazaki komponiert wurde, auf eine sehr feinfühlige Weise umrahmt wird. Die Mischung aus Pop und Rock geht bei „Eternal“ auf großartige Weise auf.

Für August ist das Jubiläumskonzert in Osaka geplant, woher die vier Damen stammen. Danach soll es auf Welttournee gehen. Diese wurde ja vergangenes Jahr auf dieses Jahr verschoben. Es bleibt abzuwarten, ob die Tour tatsächlich stattfinden kann. Auf jeden Fall kann man den vier Musikerinnen schon jetzt für ihr 15-jähriges Jubiläum gratulieren.

Tür auf, Tür zu: Du hättest gehen sollen (2020)

Eine Spiegelszene darf natürlich auch nicht fehlen; „Du hättest gehen sollen“ (2020); © Universal

Nach „Echoes“ (1999) legt Regisseur und Drehbuchautor David Koepp mit „Du hättest gehen sollen“ nun seinen zweiten Geisterhausfilm vor, kommt dabei jedoch über das Mittelmaß nicht wirklich hinaus. Im Grunde genommen geht es darum, dass ständig Türen geöffnet und geschlossen werden, die zu weiteren sonderbaren Räumen führen.

In diesem Sinne hat es Koepp tatsächlich geschafft, einen Gruselfilm zu drehen, bei dem der Konflikt des Ehepaars Conroy weitaus interessanter ist als das Gruseldrumherum. Es geht um Theo und Susanna Conroy, die zusammen mit ihrer Tochter nach Wales fahren, um dort in einem einsam gelegenen Haus Urlaub zu machen. Allerdings geschehen dort unheimliche Dinge, die das Ehepaar mehr und mehr psychisch belasten.

Hinzu kommt, dass Theo eifersüchtig auf seine Frau ist, die als Schauspielerin meistens unterwegs ist. Theo selbst umgibt jedoch auch ein Geheimnis. Und dieses Geheimnis macht die Sache schon ein wenig unlogisch, da man sich fragt, weswegen Susanna ihn deswegen trotzdem geheiratet hat. Diese Frage ergibt sich daraus, da sie im Film einfach nicht beantwortet wird.

Ist das Spiel von Kevin Bacon und Amanda Seyfried als sich streitende Eheleute recht gelungen und ist auch die Optik und Farbgebung wirklich gut, so kommt die Handlung selbst, wie gesagt, nicht über den üblichen Durchschnitt hinaus. David Koepp ergibt sich der Unorginalität, indem er seinem Film den üblichen 08/15-Spuk verleiht, ja sogar ein wenig darunter liegt. Zwar ist „Du hättest gehen sollen“ durchaus unterhaltsam, doch eben nur das und nicht mehr. Gänge und Räume und das ständige Öffnen und Schließen von Türen reicht nun einmal nicht aus, um etwas Großes zu schaffen.

Zwischendurch versucht Koepp, sich an klassischen englischen Gespenstergeschichten zu orientieren, was jedoch nur kurz gelingt. Danach schert er wieder ein in den üblichen Trott. Auf diese Weise wirkt schließlich auch das Finale einfach nur banal.

Du hättest gehen sollen (OT: You should have left). Regie, Drehbuch: David Koepp, Produktion: Kevin Bacon, Darsteller: Kevin Bacon, Amanda Seyfried, Avery Essex. USA 2020

Tenet – Zwischen Science Fiction- und Agentenfilm

Der Protagonist (John David Washington) und sein Mitstreiter (Robert Pattinson) vor einem Rätsel; „Tenet“ (2020); © Warner

Bei Zeitreisefilmen denkt man als erstes an den Klassiker „Die Zeitmaschine“ (1960) nach dem Roman von H. G. Wells. Dass das Thema allerdings auch anders bearbeitet werden kann, zeigt Regisseur Christopher Nolan in seinem SF-Thriller „Tenet“ (2020).

Es geht um einen Protagonisten, der die Welt vor der kompletten Vernichtung retten soll. Denn der russische Oligarch Andrei Saltor ist im Besitz einer Maschine, die das Zeitgefüge verändern kann.

In „Tenet“ herrscht ein solches Durcheinander, dass man sich zunächst wundert, ob Nolan selbst noch wusste, was gerade geschieht. Doch ist dieses Chaos keineswegs negativ gemeint, denn was Nolan dabei entwirft, ist ein absolutes Highlight des Filmschaffens. Die Bilder gehen gleichzeitig vor und zurück, entwickeln einen wahren Rausch von Bewegungen, wobei Nolan gleichzeitig auf die Grundidee des Kinos verweist: eben bewegte Bilder. Nolan schafft aus dieser Grundidee einen gewitzten und überaus unterhaltsamen Film, der sich frech an James Bond anlehnt und dies mit einer fast schon klassisch anmutenden SF-Geschichte verbindet.

Auch wenn die Action im Vordergrund steht, so lässt Nolan die Handlung sich nicht auf eine 08/15-Weise entwickeln. So kommt es während der Geschichte immer wieder zu auffallenden Lücken, die im Laufe des Films jedoch nach und nach gefüllt werden. Dies gilt ebenfalls für die Figuren, deren Hintergrund zunächst unklar ist, deren Funktion und Beziehungen untereinander jedoch auf geradezu elegante Weise gelöst werden. Dadurch ergibt sich eine interessante Komplexität, die schließlich in einem absolut chaosartigen Finale gipfelt. In diesem Sinne definiert Nolan das Thema Zeitreise neu, indem er unterschiedliche Zeitstränge miteinander verknüpft und diese aus der jeweils entgegengesetzten Perspektive ablaufen lässt, was zu einer Vielzahl origineller Effekte und Zwischenfälle führt.

„Tenet“ gehört, was die Machart betrifft, mit Sicherheit zu den besten Filmen der letzten Jahre. Und die Frage, die sich am Ende stellt, lautet, ob man so etwas überhaupt noch toppen kann.

Tenet. Regie, Drehbuch, Produkion: Christopher Nolan; Darsteller: John David Washington, Robert Pattinson, Elizabeth Debizki, Kenneth Branagh. USA 2020

FuBs Fundgrube: „Kontrolle“ von Robert Charles Wilson

Cover der im Heyne-Verlag erschienenen Übersetzung

Robert Charles Wilson zählt zu den bekanntesten SF-Autoren. Sein Roman „Kontrolle“ (OT: „Burning Paradise“) hat vor allem in Deutschland die Gemüter gespalten. In den USA sah es da anders aus, wo sein Roman mehr positive als negative Kritiken erhielt.

„Kontrolle“ hat mich irgendwie an die Romane von John Christopher erinnert, in denen es gelegentlich darum geht, wie die Protagonisten durch eine durch eine Katastrophe veränderte und zerstörte Gesellschaft wandern (z.B. „Inseln ohne Meer“, „Die dreibeinigen Monster“). Etwas in dieser Art geschieht auch in Wilsons „Kontrolle“. Es geht darum, dass die Menschheit von einer außerirdischen Intelligenz beherrscht wird, die dafür sorgt, dass Großkonflikte wie Kriege nicht mehr stattfinden. So hat es seit dem Ersten Weltkrieg keine weiteren weltweiten Konflikte mehr gegeben. Doch macht sich plötzlich eine bedrohliche Veränderung bemerkbar. Denn sog. Simulakren (Außerirdische, die sich als Menschen tarnen) tauchen auf, die Jagd auf Wissenschaftler machen, welche versuchen, das Geheimnis der fremdartigen Intelligenz zu lösen.

„Kontrolle“ ist ein Roman, der einen wunderbar unterhält. Dabei muss betont werden, dass bereits von Anfang an klar ist, dass diese außerirdische Intelligenz die Erde beherrscht. In diesem Sinn berschreibt Wilson von der ersten Seite an eine Alternativwelt, in der es keinen Zweiten Weltkrieg gegeben hat und in der bestimmte Erfindungen wie Computer über ein bestimmtes Entwicklungslevel nicht hinausgekommen sind. Im Kern aber geht es um eine Gruppe Jugendlicher, die vor den Außerirdischen fliehen und dabei quer durch die USA reisen.

Mit Sicherheit hätte Wilson mehr aus seiner Idee machen können, besonders im Hinblick auf die veränderte Weltgeschichte. Aus diesem Grund liest sich der Roman dann auch wie eine Mischung aus SF und Roadtrip, wobei die Jugendlichen immer wieder in gefährliche Situationen geraten. Erst ab der zweiten Hälfte des Romans werden die SF-Elemte deutlicher, wobei es auch zu der einen und anderen überraschenden Wendung kommt.

Ob Wilson mit „Kontrolle“ einen Jugendroman vorlegen wollte, ist schwer zu beurteilen. Teils scheint es so, teils ist der Roman dann doch eher für ein älteres Lesepublikum. Wie gesagt, erinnert der Roman an die Werke John Christophers, daher wäre es durchaus möglich, dass dies Wilsons Hommage an diesen großartigen SF-Schriftsteller darstellt.

In Deutschland erlebte der Roman leider keine zweite Auflage (er erschien 2017, – in den USA bereits 2013) und ist nur noch antiquarisch zu erhalten. „Kontrolle“ ist mit Sicherheit nicht Wilsons bester Roman, dennoch ist er recht spannend und überaus flüssig zu lesen.

Robert Charles Wilson. Kontrolle. Heyne Verlag 2017, 398 Seiten

Erschienen: „Unheil“ von Carl Denning

Mit „Unheil“ legt der bekannte Horrorautor Carl Denning seinen elften Roman vor. Nach fünf Susan Gant-Romanen, die sich immer größerer Beliebtheit erfreuen (ein sechster Roman ist in Planung), handelt „Unheil“ von der Psychologiedozentin Natasha Wharton, deren Tochter vor vier Monaten spurlos verschwunden ist.

Natasha lebt in San Francisco. Ihr Ex-Freund Jo Doyle, ein ehemaliger Police Detective, wurde in einem Hotelzimmer brutal ermordet. Einen Tag zuvor hatte er versucht, sie zu kontaktieren. An der Wand des Hotelzimmers wurde ein sonderbares, mit Blut gezeichnetes Symbol hinterlassen. Natasha, die sich als Dozentin vor allem mit Sekten und Okkultismus befasst, soll der Polizei dabei helfen, die Bedeutung des Symbols aufzudecken, da alles wie ein Ritualmord wirkt. Aber Natasha hat noch einen anderen Grund, um auf eigene Faust zu ermitteln. Hatte Jo etwas über das Schicksal ihrer Tochter herausbekommen? Wieso hält die Polizei seit einem Jahr die Akten eines Falls unter Verschluss, bei dem eine Schülerin auf merkwürdige Weise ums Leben kam? Und was hat es mit den anderen grausamen Morden auf sich, die sich in San Francisco ereignen?

„Unheil“ ist ein sehr spannender und dichter Roman, den man sofort in einem Stück durchliest. In diesem Sinne steht er Dennings Susan Gant-Romanen in nichts nach. Denning kreiert eine recht düstere und beklemmende Atmosphäre, in der Natasha Wharton versucht herauszufinden, wieso Jo sie hatte treffen wollen. Davor hatten sie sich ein Jahr nicht mehr gesehen. Jo litt unter einem Trauma, das letztendlich zum Bruch der Beziehung führte. Ihre Suche nach Antworten führt sie mehr und mehr in einen regelrechten Albtraum.

Wie immer versteht es Denning tadellos, Spannung aufzubauen. Beinahe wie in einem Film entfaltet sich dabei die Handlung, wobei die Hauptfigur Natasha Wharton überaus lebendig und vielschichtig wirkt. Ja, man glaubt regelrecht, sie vor sich stehen zu sehen und erlebt daher den spannenden Verlauf der Geschichte intensiv mit. Das Großartige bei Dennings Romanen ist, wie es ihm stets gelingt, das Grauen in den Alltag einfließen zu lassen. Genau das gelingt ihm in seinem neuen Roman auf wunderbare Weise.

„Unheil“ gehört für mich zu Carl Dennings besten Romanen. Ein toller Horrorthriller, der einen regelrecht mitreißt. Nach „Dunkle Legende“ (dem fünften Susan Gant-Roman) ist „Unheil“ eine weitere Steigerung in seinem Schaffen. Ein tolles und packendes Lesevergnügen von der ersten bis zur letzten Seite.

Die 90er: Exotica (1994)

Christina (Mia Kirshner) erzählt ihr Geheimnis; „Exotica“ (1994); © Miramax

„Exotica“ zählt bis heute zum erfolgreichsten Film des Regisseurs Atom Egoyan. Wahrscheinlich liegt dies an der damaligen Marketingstrategie von Miramax, die den Film als Erotikthriller bewarb. Allerdings handelt es sich doch eher um ein Drama und weniger um einen Thriller.

Es geht um den Steuerprüfer Francis, der jeden zweiten Abend das Striplokal Exotica besucht, um dort die Tänzerin Christina zu treffen. Nach und nach offenbaren sich die Zusammenhänge zwischen den einzelnen, teils zwielichtigen Figuren.

Nicht nur für den Regisseur wurde „Exotica“ zum Durchbruch, sonderen ebenso für Hauptdarsteller Bruce Greenwood, der dadurch international bekannt wurde. Bei den Filmfestspielen in Cannes war der Film für die Goldene Palme nominiert, auf weiteren Filmfestivals wurde „Exotica“ mit Preisen überhäuft.

„Exotica“ ist in der Tat ein Meisterwerk, was nicht allein an der exzellenten Kameraführung liegt. Egoyan gelingt es, eine dichte, sinnliche Atmosphäre voller Geheimnisse zu kreieren, die geradezu hypnotisierend wirkt. Er erschafft dabei ein sonderbares Beziehungsgeflecht zwischen Figuren, die sich besser nie über den Weg gelaufen wären. Daraus ergibt sich nicht nur eine tiefe Tragik, sondern zugleich eine elektrisierende Spannung, die durch die sinnlichen Anspielungen noch intensiviert wird.

Doch wie gesagt, handelt es sich bei „Exotica“ nicht wirklich um einen Thriller, auch wenn er ansatzweise mit Elementen des Krimis und eben des Thrillers arbeitet. Egoyan geht es allein um die Figuren und darum, wie sich nach und nach das Labyrinth aus eigenartigen Beziehungen entwirrt. All dies geschieht auf eine äußerst kunstvolle Weise, wobei die Farbgebung, die noch einen Hauch der 80er Jahre vermittelt, einen traumartigen Rahmen schafft, so als befände man sich in Ansätzen in einer Folge der Serie Twilight Zone (witzigerweise hatte Atom Egoyan tatsächlich eine Folge der in den 80er Jahren reanimierten Serie gedreht).

„Exotica“ ist ein ruhiger Film und dennoch scheint es im Hinblick auf Konflikte regelrecht, wenn auch auf subtile Weise, zu brodeln. Man folgt wie gebannt den Figuren und fragt sich dabei, auf welche Auflösung die Geschichte hinsteuert. Dabei ist der Film dermaßen vielschichtig und voller Symbole und Themen, dass „Exotica“ allein schon dadurch fasziniert.

Exotica. Regie, Drehbuch, Produktion: Atom Egoyan, Darsteller: Bruce Greenwood, Mia Kirshner, Elias Koteas, Sarah Polley. Kanada 1994