FuBs Jukebox: The rough guide to Avant-Garde Japan

In Sachen Avant-Garde ist Japan sicherlich eine der ersten Adressen, besonders wenn es um Musik geht. In kaum einem anderen Land gibt es so viele abgedrehte Bands. In der Reihe „Rough Guides“ des Labels World Music Network ist nun ein Compilation-Album erschienen, das sich diesem Thema annimmt.

Das Album beinhaltet 14 außergewöhnliche Künstler, die sich voll und ganz den experimentellen Klängen verschrieben haben. Daher findet man hier alles, außer Mainstream. Die meisten der Musiker sind im Ausland kaum bekannt, in Japan jedoch besitzen sie eine feste Fan-Gemeinde.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die CD ist ein wahres Fest für Leute, die gerne Neues entdecken. Abstrakte Klänge treffen hier auf experimentellen Jazz und verbinden sich dabei zugleich mit traditioneller japanischer Musik. Das Ergebnis ist ein überaus unterhaltsames Album, ja eine wahre Entdeckungsreise in den Bereich japanischer Musik jenseits von J-Pop und J-Rock.

Leute, die Musik als akustisches Erlebnis empfinden und daher offen sind für einen Blick über den Tellerrand, für den dürfte „The rough Guide to Avant-Garde Japan“ ein echter Glücksfall sein. Hier begegnet man wirklich außergewöhnlichen Künstlern bzw. ihren außergewöhnlichen Werken. Den Anfang macht Michiyo Yogi mit „Rogue“ und liefert dabei gleich den Ansatz dafür, wohin die Reise auf diesem Album gehen soll: aus einem Wirrwarr an Klängen entwickelt sich eine einprägende sanfte Melodie, die gegen Ende wieder in dem postmodernen Anti-Rhythmus untergeht. Auf ähnliche Weise konzipieren auch die anderen Musiker ihre Stücke. Fast immer entstehen aus der Hektik und dem Chaos witzige und interessante Melodien, mit denen man sich auch nach dem Hören weiter beschäftigt.

Wunderbar an der Zusammenstellung ist, dass sie kein bisschen einseitig ist, sondern eine spannende Vielfalt präsentiert, die dem Hörer einen großartigen Blick in die japanische avantgardistische Musik bietet. Einfach großartig.

FuBs Jukebox: „Shock“ – Gruseljazz vom Creed Taylor Orchestra

1958 begann die Ära des Exotic-Jazz, angeführt von den Kompositionen Martin Dennys. Der Erfolg dieser Mischung aus Musik und Soundeffekten führte zu einer Vielzahl weiterer Schallplatten, die sich in diesem neuen Genre versuchten. Darunter gehört „Shock“ des Creed Taylor Orchestras.

Creed Taylor war Jazz- und Filmkomponist, genauso wie sein Freund Ken Hopkins. Beide kamen eines Tages auf die Idee, Jazz mit unheimlichen Soundeffekten zu würzen. Die Idee von „Shock“ war damit geboren. Was beide noch benötigten, war jemanden, der diese Effekte schuf. Dieser Jemand war Keene Crockett, der ebenfalls für den Film tätig war. Zwei Schauspielerinnen (Toni Darney und Gertrude Warner, die beide vor allem in TV-Serien auftraten) wurden ebenfalls engagiert – und schon konnte es losgehen.

Auf „Shock“ befinden sich 12 Stücke, die jeweils bestimmte unheimliche, bedrohliche oder mysteriöse Situationen musikalisch – und untermalt mit Stimmen und Geräuschen – beschreiben. Da ist z.B. gleich am Anfang „Heartbeat“, in dem ein Mann auf dem Bett liegt, während sich jemand seinem Zimmer nähert. Währenddessen beginnt sein Herz schneller zu schlagen und sein Atem schneller zu gehen.

In dem Stück „The Crank“ ruft ein Psychopath ständig eine Frau an. Natürlich darf auf einer Schallplatte, die sich dem Gruseln verschrieben hat, auch das Spukhaus nicht fehlen. In „The haunted House“ geben sich heulende Gespenster alle Mühe, um Gänsehaut beim Hörer zu erzeugen.

Die jeweilige Beschreibung der Situationen befindet sich auf der Rückseite des Plattencovers, sodass der Hörer stets weiß, um was es dabei geht. Sehr gut ist dabei auch das Stück „The Secret“, in dem bei Jazzklängen sich Leute flüsternd unterhalten und dabei immer wieder spöttisch lachen.

Der Erfolg von „Shock“ führte 1960 zu einer weiteren Produktion mit dem Titel „Panic – The Son of Shock“, doch reicht diese so gut wie gar nicht mehr an die ursprüngliche Schallplatte heran. „Shock“ macht auch heute noch jede Menge Spaß beim Anhören. Am besten man macht dies abends und schaltet dabei das Licht aus.

Anhören kann man die Schallplatte „Shock“ auf YouTube.

FuBs Jukebox: En Davy – Zwischen Pop und Disco der 70er Jahre

En Davy lautet der Künstlername der philipinischen Sängerin Enry David. Bekannt wurde sie vor allem durch ihren Hit „You set my Heart on Fire“ aus dem Jahr 1974, der u. a. in Schweden zwei Wochen lang in den Charts platziert gewesen war. Nicht weniger bekannt ist sie als Mitglied der Les Humphries Singers, bei denen sie von Gründung Ende der 60er Jahre bis Anfang der 70er Jahre gewesen war – teilweise zusammen mit ihrer Schwester Myrna. Gleich beim ersten Hit der Les Humphries Singers „To my Fathers House“ (1969) übernahm sie den Sologesang.

Plattencover von En Davys einzigem Hit

Parallel zu ihrer Arbeit bei den Les Humphries Singers und auch danach versuchte sie sich zusammen mit ihren beiden Schwestern Myrna und July und später auch solo im Pop-Business: als Enry & Myrna und als Enry & July (unter dem Namen Big Secret). Trotz Auftritte in TV-Shows wurde aus dem ganz großen Erfolg leider nichts. Es erschienen von ihr im Laufe der 70er Jahre lediglich vereinzelte Singles, jedoch kein richtiges Album. Jedenfalls konnte ich bei meinen Recherchen keines finden.

Zusammen mit ihrer Schwester Myrna sang sie den Ohrwurm „Your Time, My Time“

En Davys Stil ist schwer auf einen Punkt zu bringen. Sie war im Glampoprock genauso zuhause wie im Disco-Bereich. „Ride, Captain, Ride“ (1974) ist eine Mischung aus Schlager und Pop, ebenso ihr Song „Si, Si, Si, Senorita“ (1971). Im Gegensatz dazu ist „Desert Train“, der sich auf der B-Seite von „Ride, Captain, Ride“ befindet, eher eine Mischung aus Pop und Rock. Der Song „It’s on my mind“ kann durchaus als Vertreter des Glamrocks bezeichnet werden.

Ein echter Ohrwurm ist „Your Time, My Time“ aus dem Jahr 1971 (zusammen mit „Si, Si, Si, Senorita“ veröffentlicht). Dieser wunderbare Pop-Song lässt einen nicht mehr los, auch vom Text ist das melancholisch-schwungvolle Lied genial. Es ist rätselhaft, dass dieser Song nie gecovert wurde.

Am Ende ihrer Karriere versuchte sich En Davy mit Disco-Musik

Gecovert wurde allerdings ihr oben erwähnter Hit „You set my heart on fire“. Sängerin Tina Charles machte daraus noch im selben Jahr einen weltweiten Erfolg. Als Produzent war übrigens Frank Dostal tätig, der mitbegründer der „Rattles“.

Zusammen mit Achim Reichel versuchte sich En Davy Mitte der 70er Jahre im Disco-Fieber. Heraus kamen dabei zwei Songs: „Okay, I am k.o.“ und „Going, Going, Gone“. Beide erschienen 1976 auf einer Single, inwieweit diese Erfolg hatte, darüber gibt es leider keinerlei Informationen. Danach wurde es still um En Davy. Mitte der 90er Jahre war sie nochmals bei den Les Humphries Singers dabei, danach jedoch trat sie nicht mehr auf.

Ihre Songs, die sie alleine oder zusammen mit ihren Schwestern Myrna und July herausbrachte, gerieten leider fast völlig in Vergessenheit. Doch es lohnt sich, auf Entdeckungsreise zu gehen und sie sich anzuhören (auf YouTube kann man dies tun). Es sind schnelle, witzige Songs, die gute Laune machen und die man sich immer wieder anhören kann, ohne dass sie langweilig werden.

FuBs Jukebox: Plung: Genre

„Welches Genre?“, könnte man rätseln, nachdem man die so betitelte neue CD von plung eingeworfen hat. Doch einfache Zuordnungen und Schubladen sind Andreas Lang, dem Mastermind hinter diesem Projekt, fremd. Mit Unterstützung von Joel Büttner am Bass und Klemens Fregin am Schlagzeug präsentiert er einen Blumenstrauß aus dreizehn ebenso eigenwilligen wie eingängigen Songs und Instrumentals.

Unterschiedlichste Musikstile, von Jazz bis Klassik, von empfindsamen Folk-Chansons wie „lark“ zu flirrenden Prog-Rock-Skizzen wie das Titelstück „genre“ und „kill the imperatives“, stehen gleichberechtigt nebeneinander und verbünden sich in den Gehörgängen zu etwas Neuem: einem Soundtrack zu dem Film, den Peter Greenaway gerne gedreht hätte, wäre er nur rund fünfzig Jahre jünger.

Gerade in den jazzigen, von Langs virtuosem Klavierspiel getragenen Stücken, die aus einfachen Melodien Klangteppiche knüpfen, scheint Greenaways Hofkomponist Michael Nyman aus der Ferne zu grüßen. Doch kaum glaubt man, das richtige Etikett gefunden zu haben, wird man von neuen kauzigen Einfällen überrascht, die wieder alles infrage stellen.

So folgt auf eine melancholische Ballade eine Anekdote über einen platten Reifen, umrahmt von donnerndem Gitarrengewitter. Ironie heißt das Zauberwort, das die mal deutschen mal englischen Songtexte von Schwermut und Weltschmerz erlöst und den geneigten Hörer zwingt, die Ohren zu spitzen. Vieldeutigkeit ist Trumpf, textlich wie musikalisch, und wer dasBesondere sucht, wird bei diesem originellen Album garantiert fündig.

plung: genreMusik und Texte: Andreas LangMix und Mastering: Jörg Bielfeldt Housemeister Records 2020

Alexander Pechmann

Reinhören in das Album kann man auf Spotify und auf musicapple.com

Und hier gibt es das Album zu bestellen: Plung: Genre

 

FuBs Jukebox: One stormy Night oder Was Züge mit der Schmuddel-Ära zu tun haben

Das Cover des ersten Albums des Mystic Mood Orchestras aus dem Jahr 1966; © Philips

Im Bereich des Easy Listening nimmt der sog. Porn-Tune eine besondere Rolle ein. Mit dieser Musik wurden in den 70er Jahren europäische Trash-, Horror- und (Soft-)Pornofilme unterlegt. Als absoluter Klassiker hierbei zählt u. a. das Stück „Pearls“ aus Ridley Metzgers Film „Kameliendame 2000“ (eine freie Adaption des berühmten Romans von Alexandre Dumas d. J. von 1969), das von Piero Piccioni komponiert wurde.

Zurück geht jedoch alles auf eine Schallplatte des Mystic Mood Orchestras mit dem Titel „One Stormy Night“ aus dem Jahr 1966. Gründer dieses Jazz-Ensambles war Brad Miller. Miller interessierte sich seit seiner Kindheit für Züge. Mitte der 50er Jahre kam er auf die Idee, Zuggeräusche aufzunehmen. Aus diesem Hobby wurde ein Beruf, als er die Mobile Fidelity Records gründete, die Aufnahmen von Zuggeräuschen an Zugmagazine verkaufte.

Das berühmte Cover der Platte „Erogenous“ des Mystic Mood Orchestras; © Warner

Eines Tages wurde der Radiomoderator Ernie McDaniel auf Millers Geräusch-Schallplatten aufmerksam und er kam in einer seiner Sendungen auf die Idee, die Geräusche und Easy Listening-Musik gleichzeitig laufen zu lassen. Die begeisterten Reaktionen der Zuhörer waren enorm.

Motiviert durch dieses Experiment tat sich Brad Miller mit dem Komponisten Don Ralke zusammen und nannten sich Mystic Mood Orchestra. Auf diese Weise entstand das erste Album „One Stormy Night“, das sich schnell zu einem enormen Erfolg entwickelte und dazu führte, dass Miller und Ralke weitere Platten in diesem Stil veröffentlichten.

„One Stormy Night“ gilt als erste Schallplatte, in der es keine Pause zwischen den Stücken gibt. Die „Lücken“ füllt das ständige Geräusch des Regens aus, wobei hin und wieder auch Donnergrollen zu hören ist. Und dann ist da natürlich auch der Zug, der durch die Nacht rattert und sein schrilles Pfeifen von sich gibt. Auch bei den Musikstücken selbst ist stets der Regen zu hören.

Ein Plattencover des Mystic Mood Orchestras aus den 70er Jahren; © Decca

Wie oben bereits erwähnt, gehört die Stilrichtung dem Easy Listening an. Leute, die gerne James Last oder Bert Kämpfert hören, werden von „One stormy Night“ mit Sicherheit begeistert sein. Für alle anderen ist es auf jeden Fall ein spannender und unterhaltsamer Blick in eine durchaus außergewöhnliche Produktion.

Aber was hat das nun alles mit Porn-Tune zu tun? Die ersten Platten wurden von Philips veröffentlicht. Anfang der 70er Jahre wanderte das Mystic Mood Orchestra dann zu Warner. Die 70er Jahre werden medial gesehen gerne auch als Schmuddel-Ära bezeichnet, da dort die Hochphase der Erotik- und Pornofilme begann. Und wie ebenfalls bereits erwähnt, wurde zur Untermalung der entsprechenden Szenen Easy Listening-Musik verwendet.

Warner machte sich diesen Umstand zu nutze und veröffentlichte sämtliche bereits erschienenen Alben des Mystic Mood Orchestra nochmals mit anderem Cover. Auf diesen waren vor allem nackte Paare in eindeutigen Situationen zu sehen. Eines der bekanntesten späteren Alben war „Erogenous“ (1974), auf dessen Cover ein psychedelisch designter Phallus zu sehen ist.

Wer einen akustischen  Versuch starten möchte, kann dies auf YouTube machen, wo man sich „One Stormy Night“ anhören kann. Das Mystic Modd Orchestra agierte noch bis 1993. Später wurden manche der Platten auf CD wiederveröffentlicht.  

FuBs Jukebox: Frankie Stein and his Ghouls

© Power Records 1965/2005

In unserer Jukebox sind wir mal wieder fündig geworden. Hierbei müssen wir ein wenig ausholen. Bei unserem letzten Jukebox-Artikel beschäftigten wir uns mit Exotica-Music. Dieser Jazzstil entstand in den 50er Jahren, wobei als Vorreiter der Komponist Martin Denny gilt, der mit dem Stück „Quiet Village“ eines der Kompositionen des Exotica-Stils schuf.

Das Besondere an Exotica ist, dass nicht nur Vogellaute in die Musik eingewoben werden, sondern auch traditionelle Musikinstrumente aus verschiedensten Ländern der Welt verwendet werden. „Quiet Village“ ist solch ein Beispiel, aber auch sicherlich Martin Dennys geniales Stück „Burma Train“, beide von 1955/56.

© Power Records 1965/2005

Der Stil war so erfolgreich, dass er sich auf verschiedene Art weiter entwickelte. The Mystic Mood Orchestra landete z. B. 1966 einen Hit mit einem Stück, in dem lediglich ein Zug zu hören ist, der durch eine regnerische Nacht fährt, wobei hin und wieder Donnergrollen zu hören ist. Bereits 1950 schuf The Creed Taylor Orchestra mit der LP „Shock“ eine Art Grusel-Jazz, in dem seufzende Geister, unheimliche Schritte und schwere Atemgeräusche zu hören waren.

Genau hier schließt sich Frankie Stein and his Ghouls an. Zwischen den Jahren 1964 und 1965 brachte die Studioband fünf LPs heraus, in denen zu rockigen Beats Werwölfe heulen, Mumien seufzen und Knochen klappern. Bis heute weiß niemand, wer hinter dieser Band steckt. Auf den Rückseiten der Schallplatten ist lediglich vom „Monster Maestro“ die Rede. Live-Auftritte hatte die Band nie.

© Power Records 1965/2005

In den 60er Jahren hatte Horror durch die Filme der Hammer Studios sowie die Edgar Allan Poe-Filme von Roger Corman Hochkonjunktur. Im Grunde genommen war es nur eine Frage der Zeit, bis ein gewitzter Produzent auf die Idee kam, anhand von Gruselrockmusik auf den Zug aufzuspringen.

Erschienen sind die fünf LPs damals bei Power Records, einem Label, das sich auf Hörspiele für Kinder spezialiert hat. Anscheinend kamen die LPs stets vor Halloween heraus und waren damals überaus erfolgreich. So erfolgreich, dass sie 2005 nochmals als CD veröffentlicht wurden.

Die LPs „Ghoul Music“, „Monster Melodies“, „Shock! Terror! Fear!“, „Monster Sounds and Dance Music“ und „Introducing Fankie Stein and his Ghouls“ enthalten durchweg witzige Nummern, die sich zwar teilweise sehr ähneln, aber durch ihre Gruselgeräusche richtig Spaß machen. Es lohnt sich auf jeden Fall in die einzelnen LPs/CDs mal reinzuhören und dadurch einen Blick in die etwas andere Musikgeschichte zu werfen. Diese akustische Entdeckungsreise kann man auf YouTube unternehmen.

FuBs Jukebox: Exotica – Zwischen Lounge, Jazz und Experimental

Cover des Albums „Primitiva“ aus dem Jahr 1958; © Liberty Records

Wenn man böse sein möchte, so könnte man Lounge Music als eine Art Fahrstuhlmusik bezeichnen. Es ist Musik, die nichts besonderes möchte, als einen klanglichen Hintergrund zu bilden für was auch immer. So auch in den 50er Jahren. Der Komponist und Pianist Martin Denny bezeichnete seine Musik selbst als „Fensterverzierung“.

Doch dann kam wie eigentlich immer alles anders, und eben dieser Martin Denny entwickelte einen Stil, der als Exotica bezeichnet wird. Dabei handelt es sich um Easy Listening und leichte Jazzmusik, die mit Tierlauten untermalt oder in denen traditionelle Instrumente aus Asien, Afrika oder auch aus Südamerika verwendet werden. Gleich seine erste LP aus dem Jahr 1955, der er den Titel Exotica gab, machte diese oben genannten Arrangements zum Programm.

Der Erfolg war riesig, doch so richtig los ging es eigentlich mit seiner LP Primitiva aus dem Jahr 1958. Gleich das erste Stück „Train to Burma“ haut einen regelrecht um, die Tierlaute sind allesamt von den Musikern selbst nachgeahmt, hinzu kommen rasante Percussion-Klänge und eine Melodie, die mehr als nur einprägend ist. Man kommt sich vor, als haben Jim Knopf und sein Freund Lukas Crystal Meth eingeworfen.

Die ganze LP besteht aus ähnlichen Stücken, manche kitschig, manche jazzig und manche irgendwo dazwischen. „Llama Serenade“ wäre ein solches Dazwischen. Beginnt das Stück mit traditionellen tibetischen Klängen, so wandelt es sich in der Mitte um in eine heiße Drum-Session, um zum Schluss wieder in einer Art Weltmusik-Stil zurückzukehren. – Nicht weniger beeindruckend ist übrigens das Cover des Albums mit Fotomodell Sandra Warner, die hier im Stil von Acquanetta in dem Film Jungle Woman (1944) posiert.

Exotica als Musikstil war immer irgendwie dabei, manchmal erfolgreicher, manchmal beinahe am Verschwinden. In den 80er Jahren hatte diese Jazz-Lounge-Easy Listening-World Music-Mischung ein kurzes Rivival, bevor sie dann doch irgendwie verschwand.

Cover des Kult-Albums des Easy Listening-Orchesters 101 Strings aus dem Jahr 1969; © Scamp Records

Einen weiteren Höhepunkt erlebte Exotica davor aber noch. Und zwar Ende der 60er Jahre, als das Orchester 101 Strings ein Album mit dem Titel Astro Sounds from beyond the Year 2000 herausbrachte. Das Orchester hatte sich eigentlich auf Easy Listening à la Bert Kaempfert oder James Last spezialisiert, im Jahr 1969 aber brachten die Musiker die bürgerlichen Stuben außer Rand und Band.

Denn das Album hatte nichts mehr mit braver Hintergrundmusik zu tun, sondern war eine Mischung aus Rock, Easy Listening und Psychedelic. Man könnte auch sagen, 101 Strings flippten hier völlig aus. Stücke wie „Flameout“, „Disappointed love with a desensitized robot“ oder „Where were you in 1982?“ erweisen sich im Grunde genommen als Wegbereiter der Filmmusik der späteren Schmuddelfilm-Ära.

Ein absolutes Unikum ist hierbei das Stück „Instant Nirvana“, das auf der LP leider nicht enthalten ist, sondern extra veröffentlicht wurde. Rockiger Psychedelic-Sound mischt sich hier mit dem Stöhnen einer Frau, die gerade ihren Höhepunkt erreicht. Astro Sound from beyond the Year 2000 gilt als absoluter Klassiker der Exotica-Welle. Das Album wurde erst kürzlich wieder neu veröffentlicht – ebenso wie Primitiva von Martin Denny.