The 80s: Poltergeist (1982)

poltergeist„Poltergeist“ zählt zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte. Im Jahr 1982 gelangte er auf Platz 8 der Filme mit dem besten Einspielergebnis. Das Drehbuch schrieb Steven Spielberg, der den Film auch produzierte. Regie führte Tobe Hooper, ein durchaus strategischer Schachzug, da Hooper durch „Texas Chainsaw Massacre“ (1973) inzwischen Kultstatus unter den Horrorfans erreicht hatte. Alle anderen, die sich mit Horror nicht auskannten, nahmen auf alle Fälle das Image eines Regisseurs wahr, der überaus brutale und unheimliche Filme drehte, Filme also, die nicht für Leute mit schwachen Nerven bestimmt waren.

Erzählt wird die Geschichte der Freelings, die nach Costa Verde ziehen, einer auf dem Reißbrett geplanten Kleinstadt. Der Immobilienmakler Steven Freeling ist für den Erfolg der Siedlung mit verantwortlich. Doch das Glück ändert sich abrupt, als die fünfjährige Carol Anne beginnt, mit dem Fernseher zu reden. Die rätselhaften Zwischenfälle beginnen sich von da an zu häufen. Zunächst ändern Stühle wie von selbst ihre Position, doch dann, in einer Gewitternacht, verschwindet Carol Anne in der Abstellkammer des Kinderzimmers. Da die Familie nicht weiter weiß, sucht Steven schließlich eine Parapsychologin auf, die mit ihrem Team versucht, die Phänomene und das damit zusammenhängende Verschwinden der Tochter zu untersuchen …

„Poltergeist“ ist nicht nur ein Horrorfilm. Ähnlich wie „Ghostbusters“ (1984) nimmt er sich die US-amerikanische Kultur vor und zieht diese gehörig durch den Kakao. Gleich der Anfang, als die Nationalhmyne der USA erklingt, zeigt die Nahaufnahme ein TV-Gerät und später Steven Freeling, der vor dem Fernseher eingeschlafen ist, neben sich eine Bierdose auf dem Boden. Die Eltern, ehemalige Hippies, drehen sich zwar noch immer Joints, fröhnen aber zugleich dem kapitalistischen Wohlstand. Die Aussage ist klar: Die sozialen Bewegungen der 70er Jahre haben nichts verändert. Die ehemaligen Hippies sind zu dem geworden, gegen was sie eigentlich protestiert haben. Dies zeigt sich vor allem im Kinderzimmer, indem so gut wie alles Spielzeug aus Merchandising-Produkten besteht. Traditionelle Spielzeuge wie Puppen, der Clown oder das Kindertelefon erhalten einen befremdlichen und unheimlichen Touch. So gesehen ist „Poltergeist“ eine Abrechnung mit der Hippie-Generation.

Neben den überaus positiven Kritiken, die „Poltergeist“ erhielt, kam gelegentlich auch die Frage auf, ob Hooper tatsächlich Regie geführt habe. Denn in „Poltergeist“ entdeckt man den eigentlichen Stil Hoopers nicht. Alles ist typisch Spielberg, eine lehrbuchartige Inszenierung, die sich exakt an die Regeln hält und daher so große Wirkung erzielt. Von Hoopers provokativen Elemten findet man in „Poltergeist“ so gut wie nichts. Wahrscheinlich, wie oben bereits angedeutet, sollte Hoopers Name eher als Markenzeichen dienen, um dem Film vorab bereits einen unheimlichen Touch zu verleihen. „Poltergeist“ zählt inzwischen zu den Hollywood-Klassikern und führte zu zwei Sequels und einem Remake. Egal, ob nun Hooper oder doch Spielberg Regie geführt haben, der Film ist immer wieder sehenswert.

 

 

The 80s: Die Jugger (1989)

juggerDavid Peoples ist nicht nur als Regisseur tätig, sondern auch als Drehbuchautor. So arbeitete er Anfang der 80er an dem Skript zu „Blade Runner“ mit. Ende der 80er verfasste er das Drehbuch für den Film „Die Jugger“, wobei er auch die Regie übernahm.

Die Handlung ist wie folgt: Jahre sind vergangen, seit ein Atomkrieg die Erde verwüstet hat. Die Menschheit ist zurückgefallen in ein mittelalterliches Stadium. Mutanten sind keine Seltenheit. Irgendwann nach diesem Krieg hat sich eine Art Gilde aus Kämpfern gebildet, die von Ort zu Ort ziehen, um für Geld sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen, und die Jugger genannt werden. Ziel eines jeden Juggers ist es, einmal die Rote Stadt zu besuchen, um dort in der Arena zu stehen. Denn während auf dem Land die Jugger eher verrufen sind, gehören die Jugger der Roten Stadt zum Adel. Eine junge Frau hegt seit jeher den Traum, sich den Juggern anzuschließen, um mit ihnen ihr Glück zu versuchen. Als eine Gruppe dieser Gilde ihr Heimatdorf besucht, gelingt es ihr tatsächlich, von ihnen aufgenommen zu werden. Schließlich gelangt sie in die Rote Stadt, wo sie der entscheidende Kampf erwartet …

„Salute to the Jugger“, so der Originaltitel, ist ein Endzeitfilm im Stil von „Mad Max“. Auch wenn es hauptsächlich darum geht, dass sich grunzende Jugger gegenseitig vermöbeln, so schwingt innerhalb der Story eine eher ruhige, leicht melancholische Atmosphäre mit. Diese wird vor allem durch die hervorragende Konstellation der Charaktere hervorgerufen. Nicht zuletzt ist dies ebenfalls auf Schauspieler wie Ex-Replikant Rutger Hauer und Twin Peaks-Veteranin Joan Chen zurückzuführen, die sich später in dem Film „Wedlock“ erneut gegenüberstehen sollten.

Die Zukunft, die „Salute to the Jugger“ zeigt, entspricht den typischen 80er Jahre-Endzeit-Filmen. Obwohl der Atomkrieg schon lange zurückliegt, gibt es noch immer Mutationen als Konsequenz radioaktiver Verstrahlung. Die Leute auf dem Land leben in brüchigen Hütten. Ihr Zahlungsmittel besteht aus Schrauben und Muttern. Was die Ursache für die Gründung der Jugger-Gilde war, ist längst in Vergessenheit geraten. Nicht einmal die Jugger selbst wissen etwas davon. Herrscht auf dem Land große Armut, so leben die Menschen in der Roten Stadt in purer Dekadenz. Die Rote Stadt befindet sich nicht auf, sondern unterhalb der Erde. Der Abstieg erfolgt per Aufzug.

„Die Jugger“ setzt stark auf Atmosphäre und ist für einen Actionfilm fast etwas zu ruhig. Aber gerade das macht den Film aus, denn obwohl er zunächst wir ein einfaches Hau-Drauf-Spektakel wirkt, besitzt er doch eine gewisse Tiefe, die überrascht.

Die Jugger – Kampf der Besten (The Blood of Heroes/Salute to the Juggers), Regie u. Drehbuch: David Peoples, Produktion: Charles Roven, Darsteller: Rutger Hauer, Joan Chen, Max Fairchild, Vincent D’Onofrio, USA/Australien 1989, Laufzeit: ca. 90 Min.

The 80s: Flesh + Blood (1985)

felshandbloodÜber den Sommer hinweg gibt es bei uns ein Special, das sich mit Filmen aus den 80er Jahren beschäftigt. Den Anfang machte „Invasion vom Mars“. Als zweites stellen wir euch den Ritterfilm „Flesh + Blood“ vor. Viel Spaß und einen schönen Sommer.

Die Ritterfilme der 40er und 50er Jahre zeigten in der Regel strahlende Helden, die stets für eine gute Sache eintraten und den Bösewicht spätestens beim Schwertduell zur Strecke brachten. Ein völlig anderes Bild lieferte Paul Verhoeven Mitte der 80er Jahre mit seinem Film Flesh + Blood. Keine strahlenden Helden, keine sauberen Burgen und Tischmanieren gibt es auch nicht. Im Gegensatz zu den früheren Ritterfilmen wollte Verhoeven ein realistischeres Bild der damaligen Zeit liefern. Das Ergebnis war bzw. ist ein moderner Klassiker dieses Genres.

Es geht um den Söldnerführer Martin, der sich zusammen mit seinen Leuten gegen seinen früheren Auftraggeber Lord Arnolfini stellt. Dieser hat ihn nach einem ausgeführten Auftrag betrogen. Aus Rache entführt er Prinzessin Agnes, die für dessen Sohn als Frau vorgesehen war. Nach schweren Misshandlungen verliebt sich Agnes in Martin. Doch Arnolfinis Sohn zieht mit einem Ritterheer gegen Martins Festung, um die Prinzessin zu befreien.

Verhoeven liefert ein extrem düsteres, schmutziges und blutiges Bild des Mittelalters. Die Brutalität nimmt stellenweise solche Ausmaße an, dass die FSK-Stelle den Film indizierte. Erst eine Neuprüfung im Jahr 2013 ließ eine Veröffentlichung der ungekürzten Version mit einer Altersbeschränkung ab 18 zu. Einen richtigen Helden gibt es nicht. Es bleibt den Zuschauern überlassen, zu entscheiden, ob sie sich mit dem Sohn Arnolfinis identifizieren, der seine Zukünftige aus den Fängen der Söldner befreien möchte, oder mit Martin, dem Anführer der Söldner, der einerseits hintergangen wurde, andererseits aber auch nicht das ist, was man als einen Helden bezeichnen könnte. Genau das aber macht Verhoevens Film interessant. Die Charaktere sind keine klischeehaften Stereotypen wie in den Klassikern der 40er und 50er Jahre, sondern verhalten sich ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Milieu entsprechend, wobei sie auch dessen jeweilige moralischen bzw. unmoralischen Vorstellungen übernehmen. Die Figuren wirken damit realer als ihre Hollywood-Vorgänger.

Action und Spannung kommen in dem Film ebenfalls nicht zu kurz. Gleich der Beginn des Films zeigt eine Schlacht, in der Martin und seine Söldner versuchen, eine Burg einzunehmen. Nicht nur mit dieser Anfangssequenz wird der Film seinem Titel gerecht. Mordend und kämpfend geht es weiter bis zum großartigen Finale.

Flesh + Blood gehört zu den besten Ritterfilmen, die bisher gedreht wurden. Es war zudem Verhoevens letzte europäische Produktion, bevor er von Hollywood engagiert wurde.

Regie: Paul Verhoeven, Drehbuch: Gerard Soeteman, Paul Verhoeven, Produktion: Gijs Versluys, Darsteller: Rutger Hauer, Jennifer Jason Leigh, Tom Burlinson, Brion James, Jack Thompson. USA/Niederlande/Spanien 1985, Laufzeit: 123 Minuten

FuBs Fundgrube: Der große Computer

godmachineMartin Caidin (1927-1997) war sowohl Autor von Sachbüchern als auch von diversen SF-Romanen. Letztere zeichnen sich vor allem durch eine hohe Spannung aus, sodass man sie als eine Mischung aus Thriller und Science Fiction betrachten kann. Einer dieser Romane trägt den Titel „Der große Computer“, der im Original „The God Machine“ lautet.

Der Roman stammt aus dem Jahr 1968 und erzählt die Geschichte des Kybernetikers Steven Rand, der Leiter eines Geheimprojekts wird, in dem es um den Bau und die Programmierung eines Riesencomupters geht. Doch schon bald bemerkt Rand, dass mit dem Computer etwas nicht stimmt. Leute um Rand herum benehmen sich zunehmend merkwürdig. Der Kybernetiker versucht, hinter das Rätsel zu kommen, wobei er feststellt, dass 79, so der Name des Computers, Menschen hypnotisiert, um sie zu seinen willenlosen Werkzeug zu machen. Das Ziel der Maschine: Weltherrschaft.

Ja, so etwas hat man doch schon öfters gehört. D. F. Jones‘ „Colossus“ zum Beispiel oder Heinrich Hausers „Gigant Hirn“ schlagen so ziemlich in dieselbe Bresche. Was ist daher anders an Caidins SF-Thriller? Caidin verbindet in seinem Roman die Angst vor Maschinen, die nicht mehr vom Menschen kontrolliert werden können, mit der Paranoia von Jack Finneys „Körperfressern“. Diese Kombination macht den Roman hochspannend.

Der Roman beginnt damit, dass Rand eines Abends von seiner Freundin Barbara unerwarteten Besuch erhält. Schnell ist klar, dass etwas mit ihr nicht stimmt. In der Tat zückt sie ein Messer, um Rand damit umzubringen. Diesem Hook folgt die eigentliche Geschichte, die erklärt, wie es zu diesem Zwischenfall kommen konnte. Hier lässt sich Caidin viel Zeit, indem er die Geschichte des Projekts ziemlich genau verfolgt. Von Rands Einstellung, über die ersten Programmierungen bis hin zu den ersten ominösen Zwischenfällen liegt ein langer Weg, doch Caidin weiß sich zu helfen, um keine Langeweile aufkommen zu lassen. Alles erzählt er in einem geradezu rasanten Schreibstil, der auch dann zur Geltung kommt, wenn gerade einmal nichts passiert. Zugute kommt Caidin hierbei vor allem sein Fachwissen, das er sich als Autor diverser Sachbücher angeeignet hat. Dadurch wirkt der Roman überzeugend und zugleich faszinierend. Natürlich muss man hier betonen, dass Caidin mit Fachwissen aus den 60er Jahren hantiert und man daher keinen modernen Science-Thriller vor sich hat. Insgesamt ist „Der große Computer“ ein sehr unterhaltsames und spannendes Buch. Es ist schnell zu lesen und hat an der einen und anderen Stelle auch so manchen Gag auf Lager. Echtes Kopfkino eben.

The 80s: Invasion vom Mars (1986)

invasionvommarsDie 80er Jahre wurden u. a. geprägt durch das Produzentenduo Golan und Globus. Zunächst machten sie sich einen Namen durch Actionfilme mit Sylvester Stalone und Chuck Norris, um sich später auch in anderen Genres zu versuchen. So kam es, dass beide Produzenten eine Spannbreite abdeckten, die vom Kinderfilm über Action und Horror bis zur Literaturverfilmung reichte. Allerdings kreierten sie gegen Ende der 80er Jahre immer mehr Flops, was dazu führte, dass ihre Cannon Group pleite ging.

Einer dieser Flops war der 1986 produzierte Film „Invasion vom Mars“, einem Remake des gleichnamigen SF-Klassikers aus dem Jahre 1953. Es geht um den Jungen David, der in einer Gewitternacht beobachtet, wie ein riesiges UFO in der Nähe seines Hauses landet. Allerdings glaubt ihm niemand. Schon am nächsten Morgen benimmt sich Davids Vater merkwürdig. Später auch seine Mutter. Zusammen mit der Schulpsychologin Linda, der er seine Beobachtungen anvertraut, versucht er, die schleichende Invasion zu stoppen.

invasionvommars1Der Klassiker von William Cameron Manzies ragt aufgrund seiner teils surrealen Optik aus den B-Movies der 50er Jahre weit hinaus. Er erzählt eine Invasion von Außerirdischen aus der Sicht eines Kindes. Die Mischung aus Kinder- , SF- und Paranoia-Film hat bis heute nichts von ihrer Eindringlichkeit und Faszination verloren. Das Remake von Tobe Hooper besitzt zwar diverse Anspielungen auf das Original, aber versucht sich eher, in das SF-Action-Genre einzuordnen. Der Weg, der zum Hügel führt, hinter dem das UFO gelandet ist, wurde fast eins zu eins vom Originalfilm entnommen. Wer genau aufpasst, sieht, dass die Schule William Cameron Manzies School heißt. Der Film steckt voller solcher versteckter Hinweise. Zwischendurch darf auch Tobe Hooper seine eigenen Filme zitieren, wie etwa „Poltergeist“, „Lifeforce“ und, wer genau aufpasst, seinen Klassiker „Texas Chainsaw Massacre“.

Während „Invasion vom Mars“ aus dem Jahr 1953 ein durch und durch ernster Film ist, lockert Hooper die Handlung des Remakes durch jede Menge Gags und skurrile Monster auf. Aus dem einstigen Drama wird eine witzige Mischung aus Monsterkloppen und 50er Jahre-Trash-Nostalgie. Auch wenn die angedeutete Paranoia-Stimmung nicht ganz so gut herüberkommt wie im Original, macht der Film Spaß und bietet äußerst kurzweilige Unterhaltung.

Invasion vom Mars (Invaders from Mars), Regie: Tobe Hooper, Drehbuch: Dan O’Bannon, Don Jakoby, Produktion: Menahem Golan, Yoram Globus, Darsteller: Karen Black, Hunter Carson, Timothy Bottoms, Laraine Newman, James Karen, England 1986, Laufzeit: 96 Min.

Der unheimliche Gast (The Uninvited)

unheimliche gastFast 20 Jahre vor dem Horrorklassiker „The Haunting“ („Bis das Blut gefriert“), sorgte ein anderer Spukhausfilm für Furore. Es handelt sich dabei um den ebenfalls als Genreklassiker bezeichneten „Der unheimliche Gast“, in dem Ray Milland („Der Mann mit den Röntgenaugen“) die Hauptrolle spielte.

Milland spielt darin den jungen Musikjournalisten Rick Fitzgerald, der zusammen mit seiner Schwester Pamela bei einem ihrer gemeinsamen Ausflüge zu einem verlassenen Haus kommt. Das Haus steht direkt an einer Klippe. Pamela gefällt das Gebäude so sehr, dass sie es unbedingt kaufen möchte. Gesagt, getan. Wenige Tage später sind beide stolze Besitzer von Windward House. Doch schon während ihres Einzuges machen sich sonderbare Dinge bemerkbar. Der Hund weigert sich, ins Obergeschoss zu kommen. In einem der Zimmer herrscht ständig eine Eiseskälte. Doch das ist erst der Anfang. Denn kaum haben sich beide einigermaßen eingelebt, als nachts unheimliche Geräusche durch das Gebäude hallen. Rick und Pamela sind immer mehr davon überzeugt, dass es in dem Haus spukt …

Man wäre beinahe geneigt, „Der unheimliche Gast“ als romantisch zu bezeichnen. Doch nur zu Anfang. Ähnlich wie bei einer Geschichte von Daphne du Maurier entwickelt sich aus der recht harmlos erscheinenden Handlung eine immer dichter werdende Gruselstory. Es geht um Mord, Ehebruch und eine lesbische Liebesbeziehung. Regisseur Lewis Allan, der mit diesem Film damals sein Debüt feierte, zeigt sich dabei als ein Könner in Sachen Spannungsaufbau und Gruseleffekten. Die Geräusche, die nachts durch das Haus hallen, haben es in sich und befinden sich, was ihre Qualität anbelangt, auf demselben Niveau wie die Soundeffekte in „The Haunting“ aus dem Jahr 1963. Die Wirkung wird dadurch verstärkt, da das erste Spukgeräusch völlig unerwartet in Erscheinung tritt. Es bildet quasi einen konkreten Wendepunkt, ab dem der Film sich immer mehr in einen Horrorfilm transformiert. Lewis Allan verleiht seinem Erstlingswerk durch die schwungvollen und durchaus witzigen Dialoge einen zusätzlichen Charme. Besonders der von Rick Fitzgerald geäußerte Schlusssatz des Films ist ein echter Knaller.

Für Liebhaber von Geisterhausfilmen ist „Der unheimliche Gast“ eine schöne (Wieder-)Entdeckung. In den 80ern lief der Film gelegentlich in den dritten Programmen. Seitdem aber wurde er nicht mehr gezeigt. Die Veröffentlichung auf DVD ist daher eine wahre Freude für jeden, der sich gerne gruselt.

Der unheimliche Gast (The Uninvited), Regie: Lewis Allen, Drehbuch: Frank Partos, Dodie Smith, Produktion: Charles Breckett, Darsteller: Ray Milland, Ruth Hussey, Donald Crisp, Cornelia Otis Skinner, Alan Napie, USA 1944, Laufzeit: 99 Min.

Train to Busan – In Südkorea sind die Zombies los

traintobusanNachdem es in den vergangenen Jahren schien, als würde sich K-Horror langsam aber sicher von den Bühnen dieser Welt verabschieden (die meisten Filme, die produziert wurden, waren einfach nur schlecht), sorgt nun die Produktionsfirma Next World Entertainment für einen wahren Paukenschlag. Die Firma hat sich bereits 2013 einen Namen durch den Verleih des Indie-Films „Hide and Seek“ gemacht, einem hervorragend inszenierten Psycho-Thriller. Nun sprang NWE auf die Zombiewelle auf und liefert mit „Train to Busan“ einen ultimativen Horror-Actioner.

Gut, die Handlung ist alles andere als originell, doch liefert dafür eine Straight Story, die sich gegen Ende auch nicht in unzählige Ungereimtheiten verheddert, so wie man dies von den letzten paar Horrorfilmen aus Korea inzwischen gewohnt war. Nein, die Story ist konzipiert, um Action und Spezialeffekte so gut wie möglich in Szene zu setzen. Und das gelingt „Train to Busan“ durchaus. Es geht um nichts anders, als dass mal wieder ein Virus ausgebrochen ist, der Menschen in Sekundenschnelle in rasende Zombies verwandelt. Auf der Zugfahrt von Seoul nach Busan versuchen sich die Passagiere, gegen das unendlich erscheinende Heer aus Zombies zu wehren.

traintobusan1
Jin-Hee (Ahn So-Hee) auf der Flucht vor den Zombies. „Train to Busan“, Copyright: Next World Entertainment.

Mit der Wahl der Schauspieler konnte man nichts falsch machen. Hauptdarsteller Gong Yoo, der durch die Drama-Serie „Coffee Prince“ bekannt wurde, ist seit dem Agententhriller „The Suspect“ auch im Action-Genre beheimatet. Hier spielt er den Angestellten Seok-Woo, der seine Exfrau in Busan besuchen möchte. Seine Tochte ist ebenfalls mit auf der Reise, auch wenn die Beziehung zwischen beiden nicht gerade die beste ist. Doch der Kampf gegen die Zombies wirkt sozusagen als Familientherapie. So ganz ohne Kitsch kommt „Train to Busan“ deswegen dann doch nicht weg, allerdings stört dieser weniger, da Regisseur Yeong Sang-Ho lieber aufs Gaspedal drückt.

traintobusan3
Seok-Woo (Gong Yoo) bereitet sich auf das nächste Schlamassel vor. „Train to Busan“, Copyright: Next World Entertainment.

Die vielen Actionszenen zeigen, dass sich Yeong stark an dem Blockbuster „Worldwar Z“ orientiert. Eigentlich findet man in dem Film so ziemlich alles, was seit „28 Days later“ an rasenden Zombies über die Leinwand gelaufen ist. Dennoch macht der Film Spaß und ist überaus spannend inszeniert. Yeong kann es dabei nicht lassen, hin und wieder koreanische Horror und Thriller-Klassiker zu zitieren, wie etwa den Film „Oldboy“, wenn Sang-Hwa (gespielt von Gangstermime Ma Dong-Seok) im Wagon auf die Zombies losgeht.

„Train to Busan“ zählt bereits jetzt zu den erfolgreichsten koreanischen Filmen und schaffte es auch in die US-amerikanischen Kinos. Zwar läuft der Film in Deutschland auf dem Fantasy Filmfest, doch ob er danach seinen Weg in die regulären Kinosäle finden wird, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall hat mit „Train to Busan“ das koreanische Kino nach „Snowpiercer“ erneut ein Zeichen gesetzt und damit gezeigt, dass es sich vor Hollywood nicht verstecken muss.

 

 

Film als Erlebnis oder B-Picture der 50er: Mehr als nur Mono und Schwarzweiß

In den 50er Jahren wurde das Kino quasi neu erfunden. Der Grund: Die Zuschauerzahlen gingen rapide zurück. Das Fernsehen führte dazu, dass immer mehr Leute zuhause blieben und sich Filme und Serien in den eigenen vier Wänden ansahen. So standen vor allem die großen Produktionsfirmen vor einem Riesenproblem. Denn die Kosten für die Filme konnten nur noch schwer eingefahren werden.

50erJahre1Im selben Zeitraum kam es allerdings zu einer technischen Innovation. Zum einen experimentierten verschiedene Firmen mit 3D-Kameras und Projektoren und zum anderen revolutionierte man den Sound, indem man von Mono auf Stereo umsattelte. Das Problem war jedoch, dass dafür die Kinobesitzer ihre vorhandene Technik umrüsten mussten. Und das war teuer (manche Quellen geben einen Betrag von 100.000 Dollar an). Kleinere Lichtspieltheater konnten sich das nicht leisten. Ein weiteres Problem lag darin, dass verschiedene Produktionsfirmen mit unterschiedlichen 3D-Techniken hantierten, was im schlimmsten Fall bedeutete, dass manche Filme auf den umgerüsteten Projektoren nicht abgespielt werden konnten. Erst die Pola-Light-Linse führte dazu, dass alles wieder ins rechte Lot gerückt wurde, sodass nun, aufgrund der äußerst geringen Umrüstungskosten von ca. 100 Dollar jeder mitmachen konnte, also sowohl die großen Kinoketten als auch die privaten Lichtspielhäuser in den Seitenstraßen.

Einer der ersten 3D-Farbfilme mit Dolby Stereo-Sound war der Horrorfilm „House of Wax“ (1953), ein Remake der gleichnamigen Produktion aus den 30er Jahren. In Deutschland lief der Film unter dem Titel „Das Kabinett des Professor Bondi“. Warner entschied sich aus Kostengründen für eine Neuverfilmung. Die Rechte waren bereits im Besitz der Firma und der Originalfilm war bereits sehr erfolgreich in den Kinos gelaufen. Vincent Price spielt darin einen Bildhauer, der ein sonderbares Wachsmuseum betreibt. Manche der Figuren ähneln kürzlich Verstorbenen. Zugleich treibt ein unheimlicher Mörder sein Unwesen in den nächtlichen Straßen der Stadt. Und schon bald wittert die Polizei einen schrecklichen Zusammenhang zwischen den Mordfällen und dem Museum.

50erJahre2Der Film war ein Riesenerfolg. Er spielte in nur einer Woche das dreifache seiner Produktionskosten wieder ein. „House of Wax“ stellte echtes Sensationskino dar. Die Story war so konzipiert worden, dass die 3D-Technik voll zur Geltung kommen konnte. Hinzu kam der Sound, der aus allen Richtungen zugleich zu kommen schien. Der Filmhistoriker Kevin Heffernan beschreibt die Wirkung der Soundeffekte in seinem Buch „Gimmicks, Ghouls, and Gold“ recht genau. In einer Szene zum Beispiel, in der ein Mann einen Stuhl in Richtung Kamera wirft, scheint der Stuhl aus der Leinwand über die Zuschauer hinweg zu fliegen. Das Aufprallen des Stuhls erklang dann aus dem rücktwärtigen Kinosaal. Der ganze Film war bespickt mit solchen Effekten.

50erJahreMan schien also einen Weg gefunden zu haben, wie man das Publikum doch noch aus dem Fernsehsessel in den Kinosaal bringen konnte. Weitere 3D-Filme mit Stereo-Sound wurden produziert. Allerdings nicht alle in Farbe. Einer der bekanntesten Filme ist „The Creature from the Black Lagoon“ (1954), dessen Erfolg zu zwei Sequels führte (beide ebenfalls in 3D). Regie führte B-Picture-Ikone Jack Arnold, der auch „It came from Outer Space“ (1953) drehte, indem ebenfalls die 3D-Effekte dazu genutzt wurden, um den Horrormomenten eine bessere Wirkung zu verleihen. 3D wurde so populär, dass im Laufe der 50er Jahre nicht nur Horror- und SF-Filme in diesem Format gezeigt wurden, sondern auch Krimis, Thriller und Dramen. Interessant ist, dass man auch den Monsterfilm „Them!“ (1954) zunächst in 3D produzieren wollte, aufgrund von Streitigkeiten zwischen Produzenten und Regisseur diese aber dann doch nicht angewandt wurde. So dürfte „Them!“ der einzige Film sein, dessen Szenenaufbau und Choreographie an einen 3D-Film erinnert, ohne aber wirklich 3D zu sein.

Der 3D-Boom ebbte Ende der 50er Jahre wieder ab. War 3D Anfang der 50er noch eine Sensation, so wurde die Sensation zur Langeweile, da sich die Effekte stets wiederholten. Also blieben die Zuschauer wieder zuhause und sahen lieber Fern. Es folgte erneut eine Krise, die dazu führte, dass die Anzahl der produzierten Filme Ende der 50er Jahre drastisch zurückging, sodass manche Kinobesitzer begannen, sich Sorgen zu machen, da sie über das Jahr hinweg nicht genügend Filme vorführen konnten. Dieses Mal retteten nicht die großen Firmen den Laden, sondern die kleinen Produktionsfirmen, die sich auf die Herstellung von Low-Budget-Filmen spezialisert hatten. Ihre Filme füllten sozusagen die Angebotslücke und beeinflussten das Filmemachen bis heute.

Text enthält Informationen aus:

Kevin Heffernan: Gimmicks, Ghouls, and Gold.

Robin Means Coleman: Horror Noire.

 

 

 

Star Wars VII – Und?

starwarsJ. J. Abrams wird anscheinend zurzeit gerne dazu benutzt, um Produkte so zu gestalten, dass sie exakt in die Form passen, die von den Produzenten vorgegeben wird. Abrams daher als Visionär zu bezeichnen, ist eher lächerlich. Viel eher ist er in Hollywood jemand, der nicht aneckt, und genau solche Leute hat man dort gerne.

So ist auch aus „Star Wars VII“ genau das geworden, was man von Abrams erwartet: Ein Film, der nicht aneckt. Denn ihm gelingt das, was sich der Konzern Walt Disney erhofft hat: Ein Star Wars-Film, der den Stil der drei Klassiker wieder aufleben lässt. Dies gelang den drei verkorksten Prequels nicht. Während der Produktion ließ Abrams verlautbaren, dass Teil sieben wieder so sein wird wie die Originalfilme. In einer Randbemerkung fügte er hinzu, dass er in der Wüste das Skelett von Jar Jar Binks zeigen würde, der Figur, welche die Fans wohl am meisten genervt hat. Vielleicht hat er es getan, bei der ersten Sichtung haben wir es jedenfalls nicht entdeckt.

Über die Handlung von Abrams‘ Star Wars-Version muss man nicht mehr viel sagen. Folgt man den Kritiken im Internet, so halten sich Begeisterung und Ärger die Waage. Die einen finde es gut, dass Abrams dem Film den Charme der Klassiker verliehen hat, die anderen finden, dass die Handlung zu sehr dem „Krieg der Sterne“ aus dem Jahr 1977 ähnelt.

In der Tat hat man sich für „Star Wars 7“ kein Bein abgebrochen, was die Story betrifft. Diese ist mehr Remake als Sequel. Alles, was der Film zeigt, gab es bereits in den früheren Filmen. Es wird nichts Neues ausprobiert, es kommt zu keinen Überraschungen und während des Finales wird der Film schlicht und ergreifend langweilig, da er zu sehr alles andere kopiert.

„Star Wars 7“ ist ein Beispiel dafür, woran Hollywood zurzeit krankt: an Ideenlosigkeit, an der Angst vor dem Risiko, an dem Glauben, alles zu vereinheitlichen, da man nur so Geld machen kann. Hollywood hat sozusagen den Fordismus auf die Filmwirtschaft übertragen. Jeder Arbeitschritt ist der gleiche und das fertig gestellte Produkt darf sich von allen anderen Produkten nicht unterscheiden. Die großen Studios haben es geschafft, die Frage, ob Film Kunst oder eine bloße Ware ist, für sich beantwortet. Leider.

Die Klunkerecke: The Bunker

bunkerNeun Wehrmachtssoldaten bewachen einen Bunker an der deutsch-belgischen Grenze. Das Jahr 1944. Schüsse fallen. Doch die vergessene Einheit sieht niemanden, der sie angreift. Keiner kann genau sagen, wieso sie eigentlich den Bunker bewachen sollen, wurde er doch aus unbekannten Gründen nie fertig gestellt.

So beginnt „The Bunker“ (2001), eine Mischung aus Horror- und Kriegsfilm aus der Sicht deutscher Soldaten. Die Produktion darf sich als eine der ersten Filme bezeichnen, die (jedenfalls teilweise) durch Crowdfunding finanziert wurde. Der englische Regisseur Rob Green teilte den Spendern mit, dass der Film garantiert keinen großen Umsatz und schon gar keinen Gewinn erzielen werde. Als Gegenleistung durften sie daher bei den Dreharbeiten zusehen. Die privaten Geldgeber waren damit einverstanden und Green konnte sein Projekt beenden.

Zum Glück konnte er es beenden, denn „The Bunker“ ist eine tolle Geistermär, in der das Grauen auf subtile Weise in Erscheinung tritt und die neun Soldaten zunehmend in Panik und Wahnsinn treibt. Dabei ist der Film keineswegs schnell, sondern ergeht sich in sorgfältigen, langsamen Kamerafahrten, setzt auf merkwürdige Geräusche und lässt hier und da einen Schatten vorbei huschen. Die Düsternis in den leeren Gängen des Bunkers führt zu einer unangenehmen Beklemmung. Nur die elektrischen Lampen sorgen für ein wenig Helligkeit. Kein Wunder, dass so mancher Schatten nicht ganz geheuer ist.

Mit wenig Geld, wenigen Scheinwerfern und einer Handvoll Schauspielern (u. a. Jason Flemyng) , die auf ihre Gagen verzichteten, gelang Green ein echtes Meisterstück. „The Bunker“ ist eine wunderbare Gespenstergeschichte, irgendwie im Stil von M. R. James, dem Autor englischer Gruselstorys. Green verzichtet auf blutige Effekte oder auf wankende Zombies, die der dichten Atmosphäre nur geschadet hätten. Er setzt ganz auf die Optik, spielt mit unterschiedlichen Tiefenschärfen und lässt den Zuschauer dadurch an den Wahnvorstellungen oder an den wahren unheimlichen Begebenheiten (wer weiß?) teilhaben.

bunker1
Einer der verlassenen Gänge im Bunker. „The Bunker“ (2001).

Natürlich erntete Rob Green auch Kritik. Dass er die Geschichte aus der Sicht deutscher Soldaten schildert, ließ manche Kritiker dazu verleiten, ihm ein mangelndes Geschichtsbewusstsein vorzuwerfen. Dieselbe Kritik musste sich 1981 Regisseur Michael Mann gefallen lassen, als sein Horrorfilm „The Keep“ in die Kinos kam. Auch dort wird aus der Sicht deutscher Soldaten, die eine Festung in den Karpaten bewachen, eine unheimliche Begebenheit geschildert. Interessanterweise wurde F. Paul Wilson, von dem die Romanvorlage zu „The Keep“ stammte, dies nicht vorgeworfen.

Green (wie auch damals Michael Mann) schildert die Ereignisse rein objektiv. Ihm geht es allein um die Situation und um das Verhalten der neun Männer. Diese erweisen sich als Sowohl-als-auch-Charaktere, als normale Menschen also. Hatten die einen Kritiker ihre Bedenken, so wurde Greens erster Spielfilm von anderen Kritikern überaus gelobt und die Perspektive als mutig bezeichnet.

Interessanterweise kam es im Zeitraum, in dem „The Bunker“ entstand, gleich zu mehreren Kriegshorrorfilmen, von denen vor allem „Below“ (2001), der in einem englischen U-Boot spielt und den wir bereits in der „Klunkerecke“ vorgestellt haben, sehenswert ist. Interessant ist auch „Death Watch“ (2002), der in einem verlassenen Schützengraben spielt, in den es eine kleine Gruppe englischer Soldaten verschlägt, die sich im Nebel verlaufen haben. Etwas trashig ist dagegen „The Outpost“ (2008), der die Ideen von „The Bunker“ nochmals aufwärmt, dieses Mal aber eher als Action-Variante.

Neben ein paar Kurzfilmen, drehte Rob Green ein paar Jahre nach „The Bunker“ noch den Geisterhausfilm „House“ (2008). Mit seinem nächsten Projekt möchte er sich dem Werwolf-Thema zu wenden. Genaueres aber ist darüber noch nicht bekannt. Sein Debut „The Bunker“ ist ein Film, den man durchaus gesehen haben sollte.