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Archive for Februar 2014

bela balazs

Béla Balázs

Er war Philosoph, Soziologe, Intellektueller, Drehbuchautor, Stückeschreiber und vor allem auch ein leidenschaftlicher Kinogänger. Der Ungar Béla Balázs war ein Schüler Georg Simmels und befreundet mit Georg Lukács. Seine Leidenschaft für das Kino und sein Interesse am Film als eine Kunstform brachten ihn dazu, den Essay Der sichtbare Mensch zu verfassen, in dem er im Vorwort Kunsttheoretiker dazu auffordert, den Film ebenfalls als eine Kunst, als eine Form der Volkskunst, zu betrachten und wissenschaftlich zu untersuchen.

Dies zeigt, dass bereits in den jungen Jahren des Kinos die Diskussion vorherrschte, was Film eigentlich ist. Haben wir es hier mit einem bloßen Produkt zu tun, mit dem bestimmte Leute Geld verdienen wollen, oder ist Film eine Kunst und damit ähnlich zu bewerten wie die Malerei? Bis heute ist diese Debatte zu keinem zufriedenstellenden Ende gekommen. Die Mitarbeiter der französischen Filmzeitschrift Cahiers du Cinéma zeigten sich wetterwendisch. Sahen sie in Hollywood zunächst eine Filmindustrie, die Produkte, aber keine Kunst hervorbringt, so warfen sie sich später vor Alfred Hitchcock regelrecht auf die Knie, indem sie ihn als Künstler betrachteten. Doch ich schweife ab.

Zurück zu Béla Balácz. Im wahren Leben lautete sein Name Herbert Bauer. Er wurde am 4. August 1884 in Szegedin geboren und starb am 17. Mai 1949 in Budapest. In seiner Schrift Der sichtbare Mensch (1914) versucht er, eine Theorie oder besser eine Kunsttheorie des Films zu erarbeiten. Seine Überlegungen betreffen dabei beinahe sämtliche Aspekte des Films, beginnend von der Schauspielkunst bis hin zur Musik. Er geht auf Actionsequenzen ein, die er als „Verfolgungen“ bezeichnet, und auch auf die Merkmale des Horrorfilms. Seiner Meinung nach sollten Verfolgungsszenen nie übertrieben dargestellt werden, da dies dem Erzählfluss des Films schaden würden. Er war dagegen, Handlungen um Action oder Effekte herum aufzubauen. Interessanterweise aber wird dies vor allem in den neuen Hollywoodfilmen gemacht. Sowohl bei Superheldenfilmen als auch Actionfilmen unterliegt die Handlung den Effekten bzw. den „Verfolgungen“.

Was jedoch seine Theorie über den Horrorfilm betrifft, so ist interessant, dass diese mit den Annahmen des amerikanischen Schriftstellers H. P. Lovecrafts übereinstimmt. Sowohl Balázs (für den Film) als auch Lovecraft (für die Literatur) meinen, dass etwas Übernatürliches nie als etwas Übernatürliches dargestellt werden sollte, sondern als etwas Normales, das jedoch nicht verstanden wird. Es muss zwar außergewöhnlich sein, aber eben nicht wie aus einer anderen Welt. Dies würde den Schrecken bzw. das Unheimliche minimieren. Diese Theorie wird immer wieder aufgegriffen. Zuletzt sprach der japanische Regisseur Hideo Nakata (Ring) darüber, als er in einem Interview über die zentralen Aspekte des Horrorfilms gefragt wurde.

220px-CinemaaustraliaBéla Balázs geht in seinem Werk auch auf das Thema Filmmusik ein, wobei er auch hier als Visionär gelten kann. Er behauptet, dass die Filmmusik nicht zum Film passt. Auch die damals aufkommende Filmmusik, die speziell für Filme komponiert wurde, hält er für untauglich. Im Grunde genommen hält er das Problem, welchen Sinn Musik für einen Film hat für ungelöst. Aber, und das macht die Sache äußerst spannend, meint er, dass man viel eher dazu übergehen sollte, Musik zu verfilmen und hegt den Verdacht, dass dies vielleicht in Zukunft gemacht werden würde. Mit diesem kleinen Abschnitt hatte Balázs in gewissem Sinne das Musikvideo an und für sich prophezeit. Denn was ist ein Musikclip anderes als verfilmte Musik?

Sein Buch oder besser Büchlein Der sichtbare Mensch ist auch heute noch sehr lesenswert. Die Schrift ist weniger eine Abhandlung als vielmehr eine Aneinanderrehung von Gedankenskizzen. Sie beschreiben das Kino von damals, sind teilweise aber auch noch heute aktuell. Bela Balázs zeigt sich darin als Vordenker des Kinos. Und vielleicht sogar als „Vorkritiker“ des modernen Hollywoodfilms.

 

 

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Eine Unterhaltungssendung, in der es um das Alltagsleben beim Militär geht? Würde eine solche Sendung im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, dann würde es Kritik en masse hageln. Begriffe wie Militarismus und Ähnliches würden die Debatte anführen. Nicht so in Südkorea. Seit dem Frühjahr 2013 plagen sich sieben Prominente (Schauspieler und Sänger) durch das koreanische Militärwesen. In den ersten Tagen absolvierten sie eine Grundausbildung, bevor sie dann zu diversen Truppen und Spezialeinheiten geschickt wurden. Eine Besonderheit dabei ist, neben den koreanischen Teilnehmern ist auch der australische Komiker Sam Hammington mit von der Partie, der in seinem Heimatland Koreanistik studierte, bevor er im wahrsten Sinne des Wortes Südkorea eroberte.

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Real Men (진짜 사나이). Werbeplakat für die erste Sendung, in der es nur sechs Teilnehmer gab. Inzwischen sind es sieben.

진짜 사나이 (Zinza sanai) ist bei weitem keine Werbung für das koreanische Militär und alles andere als militaristisch. Die Sendung, die sonntags auf MBC ausgestrahlt wird,  ist eher zu verstehen als eine Mischung aus Wissensvermittlung und Unterhaltung, sprich Infotainment pur, und zwar in einer Weise, von der Deutschland noch Lichtjahre entfernt ist. Ironie und Selbstironie gepaart mit Spaß und Einblicken in das südkoreanische Militärwesen prägen die Sendung. Der Witz, der die gesamte Sendung durchzieht, ergibt sich in der Hauptsache aus (ungewollter) Situationskomik. Mal sind die Teilnehmer zu ungeschickt, manchmal wissen sie einfach nicht, was zu tun ist, was natürlich die Ausbilder gelegentlich auf die Palme bringt. Manchmal führen die Anstrengungen aber auch dazu, dass mancher der Teilnehmer psychisch und körperlich fast am Ende ist.

Die Promis sind den Vorgesetzten völlig ausgeliefert. Es gibt kein Pardon. Dies führt zu gelegentlicher Kritik an der militärischen Ausbildung, da hin und wieder die Vorgesetzten ihre Stellung ausnutzen, um ihre Macht zu demonstrieren. In Südkorea gibt es eine 24 monatige Wehrpflicht, welche sämtliche jungen Männer für ihr Leben prägt. Das Alltagsleben dieser Akteure und ihre Biographien sind ebenfalls ein sich durchziehendes Thema der Sendung. Auch die Bedrohung durch Nordkorea kommt bzw. kam in der Sendung zur Sprache, indem die sieben Teilnehmer den nördlichsten Seeposten Südkoreas aufsuchten, der aus einer Reihe zusammengelegter Kriegsschiffe besteht und dadurch wie eine sonderbare künstliche Insel wirkt. Speziell in dieser Sendung wurde der Alltag auf dieser „Insel“ gezeigt und über die Bedrohung durch den Norden gesprochen.

Real Men ist, obwohl bereits seit einem Jahr auf Sendung, noch immer unglaublich erfolgreich. Zwar sind inzwischen drei Teilnehmer ausgestiegen, jedoch sind bereits vier neue nach- bzw. eingerückt. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird dieses Konzept auch ein weiteres Jahr überstehen.

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Klaus-Peter Wolf „schrieb zahlreiche Hörspiele, Theaterstücke und mehr als 20 Bücher, die in Millionenauflage erschienen sind.“ (Galgenberg Verlag 1990) – „Bislang sind seine Bücher in 24 Sprachen übersetzt und über neun Millionen Mal verkauft worden. Mehr als 60 seiner Drehbücher wurden verfilmt, darunter viele für ´Tatort´ und ´Polizeiruf 110´.“ (Fischer Taschenbuch Verlag 2014)
Quelle: Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt/Main (2014)

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Klaus-Peter Wolf

I. OSTFRIESENFEUER ist der Titel des achten Ostfriesenkrimi des Berufsautors Klaus-Peter Wolf (*1954). Das Taschenbuch erschien am 20. Februar 2014 im Frankfurter Fischer Taschenbuch Verlag. Und könnte für mich Anlaß sein, die letzten dreißig Jahre deutscher Krimi-Entwicklung kritisch aufzuarbeiten. Das freilich laß´ ich hier besser mal (auch um den Rahmen nicht zu sprengen) zugunsten einiger Hinweise auf das von mir bisher gelesene halbe Dutzend Bücher von Klaus-Peter Wolf.

 
Den Autor Klaus-Peter Wolf erinnere ich seit Mitte der 1970er Jahre: 1976 las ich sowohl seine Kurzerzählungen, darunter den handlungsbezogen Schulklassentext Rache für Boris, als auch seinen zunächst in Fortsetzungen in der damaligen DKP-Tageszeitung unsere zeit gedruckten Zeitroman Die Fliegen kommen als Geschichte eines Ökologieskandals. Drei weitere Romane Wolfs las ich in den 1980er Jahren: die sprachlich wenig durchgearbeitete, Gegenwartsroman genannte, satirische Erzählung des märchenhaften Aufstieg eines Reklamemanagers in einem Kaufhauskonzern; den Ausstei-ger-, Road- und Liebesroman Biscaya; Wolfs männersexkritischen Roman Traumfrau; und Ende 2013 las ich, als sechsten Reihenband, OSTFRIESENANGST (2012).

 
Wolfs Romantexte bewerte ich als Versuch, lebbare Lebensgefühle authentisch und sprachlich verdichtet zu vermitteln. Das kann der Autor, dem diese Fähigkeiten noch 1989 abgesprochen wurde („Die Charakterschilderungen wirken oftmals peinlich“; „Mary. Die Figur bleibt blaß und papiern“) inzwischen nicht nur professionell, routiniert, gekonnt und ohne mit „wo“ beginnende Relativsätze – etwa wenn er gegen ein bundesweit verbreitetes Stereotyp („In Aurich iss´ traurig / In Leer noch mehr“) einen ostfriesischen Ort an der Nordsee kennzeichnet als einen, „an dem die Alltagssorgen sich in Luft auflösen.“

 
II. Im neuen Krimi OSTFRIESENFEUER, einem mit 500 Druckseiten so langen wie mit 460 Gramm so gewichtigen Taschenbuch, geht´s um eine aparte Täter-Opfer-Ermittler-Reise in den Ostfriesland genannten ganzdeutschen Norden des ersten Drittels der Zehnerjahre. Als Konstante wirken fiktive Kripoleute der realen Polizeinspektion Aurich: die BKA-umworbene Serienmordspezialistin Hauptkommissarin Ann Kathrin Klaasen, ihr (neuer Ehe-) Mann Kommissar Weller, ihr Chef Kriminaldi-rektor Ubbo Heide, ihr (als frauenfeindlich-verklemmte Männerkarikatur präsentierter) Kollege Rupert sowie ihr lokaljournalistischer Hausfreund Holger Bloem. Variabel ist alles, was den fiktiven Fall, der diesmal mit einer am Hochzeitstag von Klaasen und Weller im Osterfeuer verbrannten männlichen Leiche beginnt, ausmacht, Aspekte einer öffentlichen Inszenierung als Hexenverbrennung eingeschlossen. Wie beim Autor üblich wird unterhaltungsliterarisch unter Einvernahme diverser Spannungsbögen linear erzählt und auch was Vorlieben und Optionen des Autors für deutschsprachige (Krimi-) Autoren betrifft aus dem Nähkästchen geplaudert (etwa durch Hinweise auf historische Romane des Kölner Autors Tilman Röhrig).

600px-Ostfriesland_hervorgehoben.svgAuch im achten Ostfriesenkrimi geht´s im Hauptgeschehen um einen intelligenten Kriminellen als Tä-ter und Rächer und die Detektionsarbeit der Verfolgergruppe. Dazu gibt’s verschiedene, mit dem nach Messerstichen schwerverletzten Kriminaldirektor beginnende, Parallelhandlungen. Erzählt wird unterhaltsam mit Episoden, Überraschungen (wie dem auf Mallorca Popstarautogramme auf Frauentitten schreibenden Hauptkommissar Rupert), Wortwitz (als Antwort auf „wir sind längst über alle Berge“): „Hier sind keine Berge. Hier ist Ostfriesland“ und Kaulauern: als Ausdruck der „tiefen Verbundenheit zu Köln“ wurde am Rechner „die Alt-Taste gegen eine Kölsch-Taste ausgewechselt.“ Und so mag sich denn wer´s mag flott durch die fünfhundert Seiten unterhaltsame Krimiaufklärung aus, von und im Ostfriesland der frühen ganzdeutschen Zehnerjahre lesen …

 
III. Bleibt noch etwas (mit meinen Mitteln nicht Aufklärbares) fragend anzusprechen: Auf der Autorennetzseite finden sich fürs laufende Jahr 2014 drei Seminarangebote: Im Februar Die Worte zu Papier gebracht – Autorenwerkstatt, im August Das Talent begleitet den Lebensweg – Schreibwerkstatt und im September Figurenentwicklung (und Dialoge). Zum ersten Seminar im Europahaus Aurich heißt es: „Gebühr auf Anfrage“; zum zweiten in der Evangelische Landjugendakademie Altenkirchen/Westerwald: „Kosten: 220,00 EUR“; zum dritten im Drehbuchcamp: „Teilnehmerzahl: min. 6, max. 10, Trainer: Klaus-Peter Wolf. Kosten: EUR 495.“ (http://www.klauspeterwolf.de/seminare.html)

 
Da muß nicht nur der sprichwörtliche Arme Schlucker schlucken – zumal Wolfs „Ostfrieslandkrimis mit einer Gesamtauflage von über einer Million ein großer wie überraschender Erfolg“ (so Lars Schafft im Nachwort zu OSTFRIESENFEUER) und (so die letzterschienene Ausgabe von Ostfries-landkrimis) „längst zu einem Wirtschaftfaktor für ganz Ostfriesland geworden“ sind.

 
Klaus-Peter Wolf also auf dem bekannten politischen Schröderfischer-Pfad wie Bastagerd und Joseph-vom-Stamme-Nimm von links unten nach rechts oben? Oder geht´s wie üblich nur um business-as-usual entwickelter kapitalistischer Markt- und Machtwirtschaft, in dem jeder, der´s kann, im Sinne von nach-mir-die-Sintflut rasch noch mitnimmt, was er auch immer kriegen kann?
Lesehinweise

 
Richard Albrecht, Literatur/Waren/Produktion, in: die horen, 116/1979: 127-138
-Literarische Unterhaltung als politische Aufklärung: Der neue deutsche Kriminalroman in der Bundesrepublik Deutschland der siebziger Jahre – ein literaturgesellschaftlicher Nekrolog; in: Recherches Germaniques, 14/1984: 119-143
Ostfrieslandkrimis, 1/2013: 1; http://www.klauspeterwolf.de/public/files/krimi-zeitung-jahrgang-5-s1.pdf
Claudia Schmidt, Suche Vagina mit servilem Drumherum; in: UZ MAGAZIN LITERATUR, Oktober 1989: XLVI
Klaus-Peter Wolf, VERSUCHE AUFRECHTZUGEHEN. Leverkusen: Literarischer Verlag Helmut Braun, 1976, 87 p. [= Literarischer Nachwuchs 3]
-Die Fliegen kommen. Roman. Leverkusen: Literarischer Verlag Helmut Braun, 1976, 216 p.
-Das Werden des jungen Leiters. Ein Gegenwartsroman. Frankfurt/Main; Büchergilde Gutenberg, 1986, 270 p.
-Traumfrau. Roman. Hamburg: Galgenberg, 1989, 256 p.
-Vielleicht gibt´s die Biscaya gar nicht. Roman. Hamburg: Galgenberg, 1990, 308 p.
-OSTFRIESENKILLER (2007); OSTFRIESENBLUT (2008); OSTFRIESENGRAB (2009); OSTFRIESEN-SÜNDE (2010); OSTFRIESENFALLE (2011); OSTFRIESENANGST (2012); OSTFRIESENMOOR (2013); OSTFRIESENFEUER (2014); OSTFRIESENWUT (geplanter Erscheinungstermin 15.3.2015). Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch Verlag
-http://www.klauspeterwolf.de/seminare.html

Richard Albrecht ist Sozialwissenschaftler (Diplom, Promotion, Habilitation) und lebt seit seiner Beurlaubung als Privatdozent 1989 als unabhängiger Wissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel. 1991 Veröffentlichung des Forschungsansatzes THE UTOPIAN PARADIGM. 1994/97 Redaktions-leier der Carl-Zuckmayer-Blätter und Hg. Theater- und Kulturwissenschaftliche Studien. 2002/07 Hg. des Netz-magazins rechtskultur.de. 2005/10 Forschungen zum ARMENOZID als erstem Völkermord im 20. Jahrhundert. 2011 erschien Richard Albrechts bisher letzte Buchveröffentlichung HELDENTOD. Kurze Texte aus Langen Jahren. Bio-Bibliographie http://wissenschaftsakademie.net e-Postadresse eingreifendes.denken@gmx.net

©Autor (2014)

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Zugegeben: ich kann mich nicht erinnern, seit den Filmen des Regisseurs Eberhard Itzenplitz (1926-2012) http://www.tvspielfilm.de/kino/stars/star/eberhard-itzenplitz,1578629,ApplicationStar.html in Sachen: Sozial- und Justizkritik als große Fernsehunterhaltung einen inhaltlich so authentischen und formal dramaturgisch so überzeugenden Fernsehfilm wie UNTER ANKLAGE gesehen zu haben.

Und auch die anschließende fernsehöffentliche ARD-Diskussion bei „Anne Will“ mit dem Betroffenem und einem seiner Rechtsvertreter ließ sich, mal abgesehen von einem als Landgerichter vorgestellten ganzdeutschen Berufsrichter als Biertischtypen, hören und sehen: http://www.ardmediathek.de/das-erste/anne-will/unschuldig-hinter-gittern-sind-justizirrtuemer-wirklich?documentId=19396334

UNTER ANKLAGE stand zunächst ein seit 1997 Falschverdächtigter – Harry Wörz: http://www.daserste.de/unterhaltung/film/filmmittwoch-im-ersten/sendung/unter-anklage-der-film-harry-woerz-chronologie-des-realen-falls100.html Wörz wurde im Januar 1998 in einem Indizienprozess vom Landgericht Karlsruhe zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren wegen versuchten Totschlags verurteilt. Weil zudem ein Zivilverfahren gegen ihn eingeleitet wurde, konnte es, weil Harry Wörz nicht verzweifelte, sondern durchhielt und auch so zäh wie kundig anwaltlich vertreten wurde, zur Wiederaufnahme des Strafverfahrens und nach langen Jahren schließlich zum strafprozessualen Freispruch kommen.

UNTER ANKLAGE steht im Film das Rechts- und Justizsystem, das dieses krasse als „Fehlurteil“ bezeichnete Falschurteil hervorbrachte. Und das nun rumtrixt, um Herrn Wörtz nicht entschädigen zu sollen. Auch deshalb schieb ich am 31. Januar 2014 ins Gästebuch des Betroffenen:

Lieber H. Wörz
gut, daß es diesen guten Film über Ihren „Fall“ gab. Und gar nicht gut, daß Sie Ihrer gewiß nicht üppigen Entschädigung nachlaufen müssen. Auch deshalb kommt von mir als kleine Unterstützung einer großen Sache ein Prozent meines Jänner-Monatsnetto auf Ihr Spendenkonto. Mit solidarischem Gruß, RA.“


Der in Inhalt und Form überzeugende, etwa anderthalbstündige Fernseh(spiel)film UNTER ANKLAGE wurde am 29. April 2014 ab 20:15 Uhr im Ersten ARD gesendet (und bisher am 1. Februar 2014 in EINS FESTIVAL ab 20.15 Uhr wiederholt). Er steht inzwischen ungekürzt hier im Netz:

 

http://www.youtube.com/watch?v=dFk6DgIk2sY

Dr. Richard Albrecht lebt als unabhängiger Sozialwissenschaftsjournalist, Editor und Autor in Bad Münstereifel. Bio-Bibliographie http://wissenschaftsakademie.net e-Korrespondenzadresse eingreifendes.denken@gmx.net

 

 

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Lex Barker und Pierre Brice sind aus dem Genre des Abenteuerfilms nicht wegzudenken. Egal ob sie Seite an Seite in den Karl May-Verfilmungen gegen diverse Bösewichte kämpften oder jeder für sich in unterschiedlichen Abenteuern, die Namen der beiden sind unvermeidlich mit diesem Genre verbunden.  Dies verzerrt jedoch die Realität. Denn sowohl Lex Barker als auch Pierre Brice tauchten in diversen Thrillern auf. Nicht weniger interessant ist, dass beide Schauspieler in jeweils einem Horrorfilm die Hauptrolle inne hatten. So spielte Lex Barker die Rolle des Roger Mont Elise in der deutschen Produktion „Die Schlangengrube und das Pendel“ und Pierre Brice die Rolle des Hans von Arnim in der französisch-italienischen Produktion „Die Mühle der versteinerten Frauen“.

mühle der versteinerten frauen„Die Mühle der versteinerten Frauen“ (Il mulino delle donne di pietra)  stammt aus dem Jahr 1960. Regie führte der für seine Sandalenfilme bekannte Regisseur Giorgio Ferroni. Der Film handelt von dem Kunststudenten Hans von Arnim, der eine Doktorarbeit über Bildhauerhei verfassen möchte. Sein Interesse bringt ihn in Kontakt mit Prof. Gregorius Val, der in einer einsam gelegenen Mühle außergewöhnliche Skulpturen anfertigt. In der Mühle begegnet Hans auch Elfie, der Tochter des Professors, in die er sich Hals über Kopf verliebt. Elfie leidet unter einer seltsamen Krankheit und ihr Vater setzt alles daran, um sie zu heilen. Je mehr sich Hans in der Mühle aufhält, desto augenscheinlicher wird für ihn, auf welche Weise Prof. Val Elfie von ihrer Krankheit befreien möchte. Diese Erkenntnis bringt ihn in Lebensgefahr.

Der Film ist ein Klassiker des europäischen Horrorkinos und besticht durch seine überaus düstere Atmosphäre. Die Optik und die Farbgebung lassen bis heute viele Kritiker und Fans darüber spekulieren, ob Ferroni überhaupt als Regisseur von Il mulino delle donne di pietra in Frage kommt. Viel eher erinnert die Machart des Films an den Meister Mario Bava. Ein anderer Aspekt ist dagegen eindeutig. Der Film lehnt sich stark an den Horrorklassiker „House of Wax“ an. Teile des Plots erinnern ebenfalls an den französischen Klassiker „Augen ohne Gesicht“, der im selben Jahr in die Kinos kam. Für längere Zeit galt „Die Mühle der versteinerten Frauen“ als verschollen. So war die Wiederentdeckung natürlich eine kleine Sensation. Mittlerweile wurde der Film restauriert, wobei jedoch die Tonspur an manchen Stellen nicht mehr gerettet werden konnte. Neben Pierre Brice spielten die italienische Schauspielerin Scilla Gabel, die ebenfalls aus verschiedenen Abenteuer- und Sandalenfilmen bekannt ist, und der deutsche Darsteller Wolfgang Preiss, der auch in den Dr. Mabuse-Filmen mitspielte. Der Film ist ein echter Leckerbissen für Liebhaber alter Horror- und Trashfilme und präsentiert die Kunst des europäischen Kinos auf geradezu wunderbare Weise.

schlangengrube und das pendel1967 kam man in Deutschland auf die Idee, auf die von den englischen Hammer-Studios und den amerikanischen Vince Price-Filmen angeführte Horrorfilmwelle aufzuspringen. Regie führte bei „Die Schlangengrube und das Pendel“ Harald Reinl. Es geht um den Anwalt Roger Mont Elise, der eine Einladung des Grafen Regula erhalten hat, ihn in dessen Schloss Andomai zu besuchen, da er dort mehr über seine Vergangenheit erfahren würde. Auf seiner Reise trifft er auf die Baronesse Lilian von Brabant, die ebenfalls eine Einladung auf das Schloss erhalten hat. Mit von der Partie ist auch der Bandit Fabian, der sich zunächst als Pfarrer ausgibt. Bereits auf der Reise zum Schloss kommt es zu allerhand seltsamen und unheimlichen Zwischenfällen. Das Schloss selbst entpuppt sich als eine einzige Falle. Denn Graf Regula hat geschworen, sich an den Nachfahren der Leute, die ihn vor 35 Jahren hingerichtet haben, zu rächen.

„Die Schlangengrube und das Pendel“ ist Unterhaltung pur. Der Film ist eine Aneinanderreihung von abenteuerlichen Ereignissen und phantastischen Zwischenfällen, welche die einfache Handlung rasant vorantreiben. Im Gegensatz zu den Hammer-Filmen aber wirkt Harald Reinls Horrorausflug doch etwas zu brav und harmlos. Dafür aber geizt der Film nicht mit wundervollen surrealen Kulissen, welche stark zur besonderen Atmosphäre des Films beitragen. So wachsen z.B. Arme und Hände aus den Bäumen. Gelegentlich auch ein Kopf. Das riesige Wandgemälde im Schloss erinnert an Hieronymus Bosch. Christoper Lee spielt den ominösen Grafen Regula, dem es mit okkulten Mitteln gelingt, wieder lebendig zu werden. Lex Barker zur Seite steht Karin Dor als Lilian von Brabant, die mehrmals ihre ohrenbetäubenden Schreikünste zum Besten geben darf. Auch Karl May-Veteran Vladimir Medar ist als Räuber Fabian mit von der Partie. Der Film war zwar kein kommerzieller Erfolg, spielte aber mehr schlecht als recht die Kosten wieder ein. Grund für das eher maue Einspielergebnis war, dass sich Ende der 60er Jahre das Horrorgenre stark veränderte. Die deutschen Produzenten hatten diesen Wandel anscheinend nicht in Betracht gezogen. Selbst die Hammer-Studios standen nur wenige Jahre vor ihrem Aus, da sie den Wandel nicht wirklich mitvollzogen. Nichtsdestotrotz gelang mit „Die Schlangengrube und das Pendel“ ein wundervoller, durchaus ästhetischer Gruselfilm, der bis heute nichts von seinem Unterhaltungswert verloren hat.

 

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100 mal FILM und BUCH

Es gibt einmal wieder einen Grund zum Feiern. Der 100. Blog-Beitrag geht hiermit online. Eine tolle Sache, besonders, da unsere Artikel, Essays und Rezensionen kontinuierlich an Leserschaft zunehmen. Das freut uns und motiviert, in dieser Richtung weiterzumachen. Mit „in dieser Richtung“ ist folgendes gemeint: eine Mischung unterschiedlichster Themen, die jedoch alle irgendwie mit Film und Buch zu tun haben. Positive Rückmeldungen im Hinblick auf unsere Themenvielfalt und -auswahl erhielten und erhalten wir dabei auch von diversen Verlegern und Filmemachern. Ein Highlight war in dieser Hinsicht auch die grandiose Rezension zu unserem e-Magazin Ausgabe 6 im Fandom Observer.

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Bei unserer Vielzahl an Themen, die von Trash über Kunst bis hin zur Wissenschaftskritik reichen, ist es immer wieder überraschend, dass speziell Artikel, von denen wir annahmen, dass sie nicht sonderlich viel Anklang finden würden, besonders viel gelesen wurden und werden. Dies betrifft z.B. den Text über Daphne du Mauriers Erzählung „Monte Verita“. Das Thema interessierte uns, weil innerhalb der Geschichte eindeutige Anlehnungen an Lovecraft und Haggard zu finden sind. Allerdings dachten wir nicht, dass sich viele Leute mit derselben Thematik beschäftigen würden. Weit gefehlt. Es freut uns stets aufs Neue, dass dieser Text auch jetzt noch häufig gelesen wird.

Auch das Kurzporträt über Marie Duplessis, der echten Kameliendame, gehört zu den beliebtesten Beiträgen auf unserem Blog. Hierbei hatten wir ebenfalls nicht geglaubt, dass es so viele interessierte Leser geben könnte. Nicht weniger erfolgreich, sind unsere Kurzkritiken über die medienwissenschaftliche Filmanalyse. Leider erhielten wir seitens der Akteure bisher noch keine Reaktion, was wahrscheinlich bedeutet, dass wir den Nagel auf den Kopf getroffen haben.

Andererseits waren wir natürlich auch erstaunt, dass Artikel, bei denen wir glaubten, auf großes Interesse zu stoßen, kaum Anklang fanden. Vielleicht ändert sich das ja noch. Als Beispiel sei der Beitrag „Emile Zola Horrorstar“ genannt, in dem es darum geht, Zolas ersten Roman als Horrorliteratur einzuordnen, was die Horrorfilmadaptionen erklären würde. Aber auch die Artikel über japanische Horrorfilme stoßen auf ein eher geringes Interesse, was wahrscheinlich darauf hinweist, dass J-Horror im deutschsprachigen Raum nicht mehr gefragt ist.

Im Gegensatz dazu finden unsere Artikel und Rezensionen über koreanische Filme und über K-Pop-Videoclips sehr großen Anklang. Die Korean Hallyu ist noch immer voll im Gange und wird nicht so schnell zum erliegen kommen.

Doch egal, ob Artikel viel beachtet oder nur wenig gelesen werden, ein großer Dank geht an alle Leser, die täglich unsere Seite aufrufen. Wir hoffen, dass Projekt FILM und BUCH weiterhin kontinuierlich verbessern zu können. Und ein nächstes Resümee gibt es dann im 200. Beitrag.

 

 

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