Die Klunkerecke: Die Totenliste (1963)

John Hustons Mystery-Thriller „Die Totenliste“ aus dem Jahr 1963 ist ein Who’s-done-it im doppelten Sinn. Zum einen ist „The List of Adrian Messenger“ ein recht origineller und spannender Krimi, zum anderen ein vergnügliches Ratespiel für die Zuschauer.

Huston kam nämlich auf die Idee, seinen Film voll mit Hollywoodstars zu packen und im wahrsten Sinne des Wortes zu verpacken. Denn Frank Sinatra, Burt Lancaster, Robert Mitchum, Kirk Douglas und Tony Curtis agieren nicht als für alle erkennbare Darsteller, sondern tragen dicke Latexmasken, was dazu führt, dass man neben dem Miträtseln im Hinblick auf den Kriminalfall zugleich ständig am überlegen ist, wer sich hinter welcher Maske verbirgt.

Anthony Gathryn (George C. Scott) versucht, hinter das Geheimnis zu kommen. „Die Totenliste“ (1963); © Universal Pictures

In dem Film geht es um eine sonderbare Mordserie. Alle Opfer stehen auf einer Liste, doch sonst scheinen sie nichts miteinander zu tun zu haben. Dem Schriftsteller Adrian Messenger ist diese Liste in die Hände gefallen und er bittet seinen Freund, den ehemaligen Agenten Anthony Gathryn, zu ergründen, um was für Personen es sich auf dieser Liste handelt. Kurz darauf aber stirbt Messenger bei einem Flugzeugabsturz. Gathryn geht dem Fall nach und kommt dabei tatsächlich auf eine sonderbare Spur …

Wer verbirgt sich hinter dieser Maske? „Die Totenliste“ (1963); © Universal Pictures

„Die Totenliste“ ist ein wahres Spiel mit den Erwartungen der Zuschauer. Denn auch der Mörder ist nicht nur maskiert, sondern erscheint immer wieder in anderen Masken. Aber wer ist nun dieser Mörder und wieso bringt er ausgerechnet diese Leute auf der Liste um? Gathryn bekommt nach und nach heraus, dass auch die Opfer keineswegs ohne dunkles Geheimnis sind. Man muss wirklich sagen, „Die Totenliste“ ist ein absolut außergewöhnlicher Film. Anscheinend war er nicht so erfolgreich in den Kinos, wie man sich aufgrund des Staraufgebots erhofft hatte – den drei Millionen Dollar Produktionskosten standen Einnahmen von knapp zwei Millionen gegenüber. Doch heute zählt das American Film Institute „Die Totenliste“ zu den zehn besten Mystery-Krimis, die jemals gedreht wurden.

Erst am Ende des Films übrigens wird nicht nur das Rätsel gelöst, sondern ziehen die Schauspieler auch ihre Masken ab. Ein wirklich gelungener Filmspaß.

Die Totenliste (OT: The List of Adrian Messenger). Regie: John Huston, Drehbuch: Anthony Veiller, Produktion: Edward Lewis, Darsteller: Kirk Douglas, George C. Scott, Robert Mitchum, Tony Curtis, Frank Sinatra, Dana Wynter, Burt Lancaster. USA 1963, 98 Min.

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FuBs Klassikbox: Die Nacht hat tausend Augen (1948)

Die Nacht hat 1000 Augen (1948); © Koche Media

Für Edward G. Robinson war dieser Film nur eine kleine Randnotiz in seiner Autobiographie wert: er finde „Die Nacht hat tausend Augen“ äußerst misslungen und habe nur wegen des Geldes mitgespielt. Seine Einstellung ist wirklich erstaunlich, handelt es sich bei „The Night has a thousand Eyes“ um einen der wohl faszinierendsten, unheimlichsten und spannendsten Noir-Filme.

„Der Tod kommt um 11“ lautete der deutsche Alternativtitel und lag dabei gar nicht mal so falsch. Es geht nämlich um Jean Courtland, die um 11 Uhr nachts sterben soll. Ihr Tod wurde ihr durch den sonderbaren John Triton vorausgesagt. Triton verdiente in frühen Jahren sein Geld auf Jahrmärkten als vermeintlicher Wahrsager. Bei einer Vorstellung jedoch sah er einen Todesfall voraus. Von da an wird er immer wieder von Visionen heimgesucht, die kurz darauf schreckliche Wirklichkeit werden. So prophezeit er auch den Tod Jeans, mit der er auf eigenartige Weise verbunden ist. Während Triton versucht, Jeans Schicksal aufzuhalten, setzt die Polizei alles daran, ihn hinter Gitter zu bringen, da sie ihn für einen gemeingefährlichen Scharlatan hält.

John Farrow, der durch John Waynes einzigen 3D-Film „Man nannte mich Hondo“ (1953), bei dem er Regie führte, praktisch in die Filmgeschichte einging, war auch für die Adaption des gleichnamigen Romans von Cornell Woolrich verantwortlich. Woolrich‘ Erzählungen und Romane waren immer wieder für Hollywood interessant, man denke nur an Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ (1954), dennoch starb der Autor völlig verarmt. „Die Nacht hat tausend Augen“ ist das, was man heute als Mystery-Thriller bezeichnen würde.

Von Anfang an herrscht eine düster-unheimliche Atmosphäre, die sich dadurch zunehmend verstärkt, da John Farrow mit den Aspekten des Phantastischen regelrecht spielt. Während die Handlung durchaus realistisch bleibt, schleichen sich dennoch immer wieder rätselhafte Ereignisse ein, die eben mit einer herkömmlichen Rationalität nicht zu erklären sind. John Triton, Jean Courtland und alle anderen, die in diesen Fall involviert sind, scheinen regelrecht von einer unheimlichen, ja unerklärlichen Bedrohung umgeben zu sein.

Die Nacht hat 1000 Augen (1948); © Koche Media

Fast schon wie bei Lovecraft verweist „Die Nacht hat tausend Augen“ dabei auf eine Welt jenseits unseres Verstandes, die sich hinter der Fassade verbirgt, die unseren Alltag definiert. Natürlich kommen keine Monster vor, doch geht es eben um eine Art kosmisches Grauen, wie Lovecraft dies bezeichnen würde, und wahrscheinlich hätte er dem Film 100 Punkte verliehen. Man würde sicherlich zu weit greifen, wenn man in „Die Nacht hat tausend Augen“ erste Ansätze von Clive Barkers „Lords of Illusions“ (1995) sehen würde, doch würde es andererseits auch nicht wundern, wenn Barker sich von diesem Film hat auf irgendeine Weise inspirieren lassen.

„Die Nacht hat tausend Augen“ ist jedenfalls ein spannender, nein, ein hochspannender Thriller, der die Mystery-Elemente bis zuletzt auskostet, wobei das Tempo des Films sich von Szene zu Szene erhöht. Möglich, dass Edward G. Robinson, der ja vor allem in reinen Gangsterfilmen beheimatet war, die übersinnlichen Aspekte des Films für störend hielt, was ihn letztendlich zu seiner oben erwähnten Aussage geführt hat. Ihm zur Seite stand Gail Russell, die schon eher im Mystery-Genre erprobt war, hatte sie doch bereits in dem Gruselkrimi „Der unheimliche Gast“ (1944) mitgewirkt.

„Die Nacht hat tausend Augen“ ist das, was man als vergessene Perle des Film Noir bezeichnen könnte. Kurz: ein großartiger Film.

Die Nacht hat tausend Augen (OT: The Night has a thousand Eyes). Regie: John Farrow, Drehbuch: Jonathan Latimer, Produktion: Endre Bohem, Darsteller: Edward G. Robinson, Gail Russell, John Lund, Virginia Bruce, William Demarest, Richard Webb, Jerome Cowan. USA 1948, 81 Min.

 

Horror de Luxe: Event Horizon (1997)

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

„Wollen sie etwas Heißes, Schwarzes in sich haben? – Wollen sie einen Schluck Kaffee?“ Spätesten bei dieser Dialogzeile ist eines klar: Man befindet sich bereits mitten in der rasanten Handlung einer der SF-Horror-Perlen der 90er Jahre. Obwohl in den 90ern die Hollywoodkrise ihren Anfang nahm, kamen dennoch eine Reihe ganz passabler Filme in die Kinos – vor allem in die kleineren Kinos, denn ein Film wie „Event Horizon“ würde heutzutage entweder gleich auf DVD erscheinen oder von Netflix gekapert werden.

Damals aber wirkten die 80er Jahre noch immer irgendwie nach und vor allem die privat betriebenen Kinos waren froh, wenn sie ihr Stammpublikum mit Filmen wie „Event Horizon“ beglücken durften. Doch leider war diesem Film damals nicht der große Erfolg beschieden. Der Film spielte nicht einmal die Hälfte der Produktionskosten ein. Für Regisseur Paul W. S. Anderson war es nach „Shopping“ (1994) und „Mortal Kombat“ (1995) der dritte Spielfilm. Das Drehbuch schrieb Philip Eisner, der eigentlich Dozent für Drehbuchschreiben an verschiedenen Universitäten ist.

Die geniale Idee bei „Event Horizon“ ist zugleich ganz simpel: Eisner verlegte einfach die Aspekte des Geisterhausfilms in den Weltraum, und dies auf eine so überragende Weise, dass der Film einen immer wieder gefällt, selbst dann, wenn man sämtliche Dialoge auswendig kann. In dieser Hinsicht lässt sich auch die Handlung in wenigen Sätzen zusammenfassen: Die Besatzung eines Rettungsschiffs erhält den Auftrag, einem Signal nachzugehen, das in der Nähe von Proxima Centauri plötzlich aufgetaucht ist. Ursprung des Signals soll die Event Horizon sein, die vor sieben Jahren dort spurlos verschwunden ist. Tatsächlich finden Captain Miller und sein Team das Schiff. Zusammen mit Dr. Weir, der das Schiff und den Antrieb entworfen hat, gehen sie an Bord …

Erst vor wenigen Tagen, als das Foto eines Schwarzen Lochs durch die Medien geisterte, twitterte Sam Neill, der Dr. Weir spielt, dass er bereits dort gewesen sei. Alle SF-Fans waren darüber hellauf begeistert, war dies doch als nette Anspielung auf „Event Horizon“ gemeint. Dass der Film damals floppte, lag wahrscheinlich auch an der recht unglücklichen Ankündigung von Paramount, dass es sich dabei um einen unheimlichen Film handele, bei dem man die Bedrohung jedoch nicht wirklich sehen würde. Man könnte sagen, dass damit das Schicksal des Films bereits besiegelt war. Denn vor allem die voreingenommenen Filmkritiker konnten mit „Event Horizon“ nicht wirklich etwas anfangen.

„Event Horizon“ (1997); © Paramount Pictures

Wie gesagt, orientiert sich der Film am Geisterhausgenre, was dazu führt, dass er genauso auch funktioniert. Dementsprechend tauchen auch keine Monster auf, sondern die Besatzung des Rettungsschiffs hat es teilweise mit klassischen Spukphänomenen zu tun. Wenn dann etwas von außen gegen die Tür der Brücke der Event Horizon klopft, dann ist der Bezug noch deutlicher, handelt es sich dabei doch um ein Zitat aus dem Klassiker „Bis das Blut gefriert“ (1963).

Spannungsaufbau, Action und Dialoge erscheinen dabei wie aus dem Lehrbuch, was, wie bereits erwähnt, kein Wunder ist, gehört Philip Eisner doch zu den renommiertesten Dozenten für Drehbuchschreiben. Actionregisseur Paul W. S. Anderson tat sein Übriges und fertig war einer der unterhaltsamsten SF-Horror-Filme überhaupt – mit einem der besten Raumschiffdesgins. Der Film hat bis heute nichts von seiner Frische verloren. Die Darsteller sind voll bei der Sache und steigern sich gegenseitig richtig in ihre Rollen hinein, was dazu führt, dass ihre Lust am Spiel dem Film eine ungeheure Lebendigkeit verleiht. Kurz: „Event Horizon“ ist schlicht und ergreifend ein klasse Film.

Event Horizon. Regie: Paul W. S. Anderson, Drehbuch: Philip Eisner, Produktion: Lawrence Gordon, Darsteller: Laurence Fishburn, Sam Neill, Kathleen Quinlan, Jason Isaacs, Richard T. Jones, Sean Pertwee, Jack Noseworthy, Joely Richardson. England/USA 1997, 96 Min.

 

No Way Out – Gegen die Flammen (2017)

Nach dem Katastrophenfilm „Deep Water Horizon“ musste anscheinend ein weiterer Feuerfilm her, der auf realen Begebenheiten basiert – nicht ohne Grund produzierte daher Lorenzo di Bonaventura beide Filme. Herausgekommen ist dabei „Only The Brave“, bei dem sich unsere deutschen Marketingstrategen mal wieder lange den Kopf zerbrochen haben, bis sie auf den englischen Titel „No Way Out“ gekommen sind. Ich frage mich, wann diese Leute z.B. den „Avengers“ einen anderen englischen Titel verpassen.

Nun ja, es lohnt nicht, sich darüber aufzuregen. Früher oder später werden sie es wieder tun und dann werden wir uns wieder darüber aufregen. Aber zum Film: Nachdem sich die örtliche Feuerwehr von Prescot zur Eliteeinheit gewandelt hat, arbeiten die Männer in vorderster Front, wenn es um die Bekämpfung von Waldbränden geht.

Um es vorweg zu nehmen: „No Way Out“ ist durchaus spannend inszeniert, ist aber nicht wirklich das, was man als Katastrophenfilm an und für sich bezeichnet. Regisseur Joseph Kosinski geht es in der Hauptsache um Feuerwehrchef Eric Marsh und den ehemaligen Drogensüchtigen Brendan, der durch die Arbeit bei der Feuerwehr ein neues Leben beginnen möchte.

Auf diese Weise wirkt der Film in großen Strecken dann eher auch wie ein Drama, das jedoch durch die Präsenz von Josh Brolin als Eric Marsh und Miles Teller als Brendan hervorragend besetzt ist. Beide spielen ihre Rollen absolut überzeugend, hier das Rauhbein Marsh, dort der gebrochene junge Mann Brendan, der weg von seiner Drogensucht kommen möchte. Zwar wirkt die Einführung Brendans in die Handlung ein wenig holprig, wenn nicht sogar unbeholfen, doch wirkt sich das nicht auf den restlichen Film aus.

Punktet „No Way Out“ bei den oben genannten Aspekten, so wirkt er dann überraschend farblos, wenn es um die  Feuerbekämpfung geht. Zwar sind die Spezialeffekte absolut hervorragend, sodass man so gut wie nicht zwischen echtem Feuer und CGI unterscheiden kann, damit aber hat es sich dann auch schon. Die einzelnen Einsätze geraten eher kurz, werden eher skizziert als dargestellt, sodass sich daraus keine wirkliche Dramatik ergibt. Dies mach sich dann besonders im Höhepunkt des Films bemerkbar, wenn es zur eigentlichen Tragödie kommt, diese aber weder beklemmend noch bestürzend wirkt. In dieser Hinsicht vergibt der Film viel Potenzial. Dennoch ist „No Way Out“ durchaus sehenswert.

No Way Out – Gegen die Flammen (OT: Only The Brave). Regie: Joseph Kosinski, Drehbuch: Eric Warren Singer, Produktion: Lorenzo di Bonaventura, Darsteller: Josh Brolin, Miles Teller, Jennifer Connely, Pell James, Andie MacDowell, Jeff Bridges. USA 2018, 134 Min.

 

Horror de Luxe: House on Haunted Hill (1999)

Gleich passiert was! („House on Haunted Hill“ (1999); © Warner Bros.)

Mitte der 90er Jahre kam es zu einem erneuten Aufschwung des Horrorgenres, nachdem sich dieses Ende der 80er Jahre mit Ach und Krach verabschiedet hatte. Wes Cravens „Scream“ gilt hierbei als Startpunkt der neuen Welle, die bis heute anhält, wobei man heutzutage durchaus von einer neuen neuen Horrorwelle sprechen kann.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem sich durch „Scream“ der Slasher-Movie wieder etabliert hatte, kam es Ende der 90er Jahre zu einer Vielzahl an Geisterhausfilmen, die sich an klassischen Motiven orientierten, diese aber mit neuen Effekten verbanden. Wen wundert es da, dass zwei davon Remakes von Horrorklassikern waren.

„Das Geisterschloss“ (1999; im Original „The Haunting“) ist ein Remake des Klassikers „Bis das Blut gefriert“ (1963; im Original ebenfalls „The Haunting“). Beides sind zugleich Adaptionen von Shirley Jacksons großartigen Roman „Spuk von Hill House“. Als zweites haben wir da „House on Haunted Hill“ (1999), bei dem es sich um das Remake des gleichnamigen William Castle-Films aus dem Jahr 1959 handelt – Castles Tochter Terry Castle produzierte das Remake mit.

Um es kurz zu machen: Das Remake besitzt zwar keineswegs den Charme des Originals, kann aber als selbständiger Film durchaus punkten. Zum einen zeigt Regisseur William Malone, wie gelungen man eine Story aus den 50er Jahren in die Gegenwart übertragen kann, zum anderen liefert er – ähnlich wie William Castle – eine rasante Achterbahnfahrt ab – nicht umsonst erweist sich die Achterbahn am Anfang des Films als ein Symbol für die restliche Handlung.

In der Tat rast die Story mit einem ungeheuren Tempo voran, was natürlich dazu führt, dass die einzelnen Figuren eher blass erscheinen. Hier nochmals zur Erinnerung: In „House on Haunted Hill“ geht es um Gäste, die in ein bizarres Haus eingeladen werden, um an einer Geburtstagsparty teilzunehmen. Doch nach und nach geschehen dort unheimliche Dinge und ein Gast nach dem anderen wird Opfer eines unbekannten Täters. Alle nehmen an, dass der Täter niemand anderer als Steve Price ist, der seine Frau umbringen möchte. Anscheinend aber besitzt das Haus ein rätselhaftes Eigenleben.

Schön bei dem Remake ist, dass der Film das Jugendstildesign des Gebäudes vom Original übernimmt. Der Unterschied liegt lediglich darin, dass das Haus in der William Castle-Version eine Villa ist, während es sich bei dem Gebäude im Remake um eine Art Hochhaus handelt, in der früher einmal eine Klinik für Geisteskranke untergebracht war.

Witzig ist, dass Geoffrey Rush, der Steve Price spielt, sein Aussehen dem des Regisseurs John Waters nachempfinden wollte. Daher waren er und die Crew überrascht, als es überall hieß, er sehe in dem Film wie Vincent Price aus. In der Tat muss man bei manchen Szenen zweimal hinschauen, denn die Ähnlichkeit zwischen Rush und Price ist in dem Film gelegentlich wirklich enorm.

Auf alle Fälle scheinen alle Beteiligten viel Spaß beim Dreh gehabt zu haben, was auch im fertigen Film schön rüberkommt. Die schnelle Handlung und die witzigen Dialoge liefern eine schwarzhumorige Unterhaltung, bei der neben Geoffrey Rush Famke Jansen als seine Ehefrau auftritt. Zusammen mit den Gästen, wirkt dies wie eine Horrorversion von Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“, was vielleicht so gewollt ist, auf jeden Fall aber sehr schön funktioniert.

In ein paar Einstellungen ist auch Jeoffrey Combs als wahnsinniger Psychiater zu sehen. Leider kommt seine Rolle nicht wirklich zur Geltung, sondern geht mehr oder weniger im Trubel des gesamten Films unter. Trotz der eher schlechten Kritiken von damals, ist „House on Haunted Hill“ ein wirklich nettes und witziges Horrorfilmchen, das zwar kein bisschen gruselig ist, davor aber wirklich Spaß macht.

House on Haunted Hill. Regie: William Malone, Drehbuch: Dick Beebe, Produktion: Robert Zemeckis, Joel Silver, Darsteller: Geoffrey Rush, Famke Jansen, Taye Diggs, Ali Larter, Bridgette Wilson, Peter Gallagher, Chris Kattah. USA 1999, 89 Min.

 

Das Skelett am Straßenrand – Ein ehemaliger Kriminaltechniker erzählt

Der Autor Udo Brill arbeitete lange Jahre als Kriminaltechniker in Thüringen. Unter anderem leitete er auch Lehrgänge über Kriminaltechnik in Peru. Im Verlag Kirchschlager, der sich auf Kriminalgeschichte, Kriminalistik und Kriminologie spezialisiert hat, erschien nun sein Buch „Das Skelett am Straßenrand“, in dem er über diverse Fälle schreibt, an deren Aufklärung er mitgewirkt hat.

Dabei geht es um Mord, Suizid, Brandstiftung, aber auch um Fälle, bei denen zunächst nicht klar ist, ob es sich um Mord oder um einen natürlichen Tod handelt. Udo Brill gelingt es dabei, seine Erinnerungen mit einer solchen Lebendigkeit zu schildern, dass man als Leser meint, direkt am Tatort dabei zu sein. Wie nebenbei erfährt man zugleich einiges über den Berufsalltag eines Kriminaltechnikers, was die Schilderungen zusätzlich spannend und interessant macht.

Dabei wird klar, dass man als Kriminaltechniker so einiges aushalten muss, um den Beruf ausüben zu können. Udo Brill konfrontiert den Leser mit teils grauenvollen, teils tragischen Fällen, die es in sich haben. Tragisch zum Beispiel dann, wenn eine Mutter mit der Erziehung ihrer Kinder völlig überfordert ist, grauenvoll, wenn Udo Brill in drei Zentimeter hoher Fäulnisflüssigkeit steht. Ein Fall, bei dem es um die Jagd auf einen russischen Soldaten auf der Flucht geht, liest sich wie ein nervenaufreibender Thriller.

Insgesamt 30 Fälle beinhaltet das Buch, in denen sich Udo Brill nicht nur als hervorragender Kriminalist, sondern auch als hervorragender Autor erweist. Ein Buch also, das zu lesen sich mehr als nur lohnt.

Udo Brill. Das Skelett am Straßenrand. Mord- und Kriminalfälle in Eisenach und dem Wartburgkreis. Verlag Kirchschlager 2019, 180 Seiten, 10,95 Euro