Fubs Klassikbox: Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine (1965)

Dr. Goldfoot (Vincent Price) in seinem Labor; „Dr. Goldfoot and his Bikini-Machine“ (1965); © MGM

„Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine“ gilt längst als Kultfilm. Zugleich handelt es sich um einen der teuersten Filme, den die auf B-Picture spezialisierte Produktionsfirma American International Pictures auf die Leinwand gebracht hat. Grund dafür war, dass an Originalschauplätzen in San Francisco gedreht wurde.

Es geht um den größenwahnsinnigen Dr. Goldfoot, der eine Maschine erschaffen hat, die hübsche Roboterfauen in goldenen Bikinis produziert. Diese lässt er auf die reichsten Männer der Welt los, um ihnen ihr Vermögen wegzunehmen. Doch immer wieder durchkreuzt der trottelige Agent Craig Gamble seinen Plan …

„Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine“ gehört zu den absolut besten James Bond-Persiflagen, die es gibt. Ausnahmsweise waren sogar die damaligen Kritiker von dem Film begeistert, die sonst um AIP immer einen Bogen machten, denn die diversen Gags und die skurrilen Ideen verleihen „Dr. Goldfoot“ einen solchen Schwung, der einen regelrecht mitreißt.

Vincent Price als verrückter Wissenschaftler ist einfach herrlich, nicht weniger Frankie Avalon als tollpatschiger Agent – und nicht zu vergessen die Bikini-Frauen, bei denen es sich größtenteils um Models bzw. Playmates handelte. Der ganze Spaß kostete dem Studio damals über eine Millionen Dollar, was für AIP eine enorme Summe war, denn in der Regel lag das Budget für die jeweiligen Produktionen weit unterhalb dieser Summe – die beiden Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff verfolgten dasselbe Konzept wie Roger Corman und waren dabei ungefähr genau so erfolgreich wie der Kult-Filmemacher.

Titelsequenz von „Dr. Goldfoot“; © MGM

Wie gesagt, lagen die Kosten deswegen so hoch, da nicht nur im Studio, sondern vor Ort gedreht wurde. Allein an der finalen Verfolgungsjagd wurde fast ein ganzes Monat gearbeitet. Doch die Mühe hat sich gelohnt, denn der Film wurde vor allem in Europa zu einem großen Erfolg. Übrigens wurde der Film in England unter dem Titel „Dr. G. and his Bikini-Machine“ vermarktet, da AIP befürchtete, dass die Produzenten von James Bond sie aufgrund der Namensähnlichkeit zu „Goldfinger“, der ein Jahr zuvor in die Kinos kam, verklagen könnten.

Dr. Goldfoot und seine Bikini-Maschine (OT: Dr. Goldfoot and his Bikini-Machine). Regie: Norman Taurog. Drehbuch: Robert Kaufman, Produktion: James H. Nicholson, Samuel Z. Arkoff, Darsteller: Vincent Price, Frankie Avalon, Dwayne Hickman, Susan Hart. USA 1965

 

Horror de Luxe: Tormented – Der Turm der schreienden Frauen (1960)

Was alles so geschehen kann, wenn ein Mann vom „sexiest ghost“ verfolgt wird, zeigt uns Regisseur Bert I. Gordon in seinem Film „Tormented“. Gordon ist in Deutschland so gut wie unbekannt, in den USA dagegen zählt er neben Roger Corman und William Castle zu den bekanntesten Trash-Ikonen, der für viele seiner Filme auch die Spezialeffekte entwickelte.

In „Tormented“ geht es um den Jazzmusiker Tom Stewart, der auf der Insel Cape Cod lebt und kurz vor seiner Heirat mit Meg Hubbard steht. Doch Tom hat es nicht so mit der Treue. Heimlich trifft er sich mit Vi Mason. Als sich beide auf dem alten Leuchtturm treffen, der demnächst abgerissen werden soll, möchte Tom die heimliche Beziehung beenden. Noch während der Auseinandersetzung gibt ein Teil des Geländers nach und Vi stürzt in die Tiefe. Und damit fängt die Geschichte eigentlich erst an. Denn Tom wird von da an vom Geist Vis, dem oben genannten sexiest ghost, wie es damals im Trailer hieß, verfolgt.

Tom Stewart (Richard Carlson) in der Zwickmühle; „Tormented“ (1960)

„Tormented“ ist ein kurzweiliger und durchaus spannender Horrorfilm, dem man sicherlich ansieht, dass nicht viel Geld für die Produktion vorhanden war, der jedoch das Beste daraus macht. Die Effekte sind witzig in Szene gesetzt, von einer Geisterhand, die Tom den Ehering stielt, bis zu dem Geist mit wehendem Gewand ist alles vorhanden. Wirklich gut wird Tom Stewart von Richard Carlson dargestellt, der selbst Regisseur und Produzent gewesen war. Er zeigt Tom als einen Mann, der zunehmend von Schuldgefühlen geplagt wird und der bald nicht mehr weiß, ob er deshalb unter Wahnvorstellungen leidet oder ob er es mit tatsächlichem Spuk zu tun hat.

Vi (Juli Reding) lässt das Spuken nicht; „Tormented“ (1960)

Gordon mischt dabei recht schön modernen Grusel mit klassischem Geisterspuk. Das zusätzliche Thema der Schuld verleiht „Tormented“ eine gewisse Tiefe, was dazu führt, dass der Film durchaus aus Gordons übrigem Werk hervorsticht, in dem es meistens um die Flucht vor riesigen Monstern geht – wie z.B. in „The Cyclops“ (1957) oder in „Attack of the Puppet People“ (1958). Natürlich ist der Film kein Meisterwerk, aber ihm gelingt eine recht schöne, teils subtile Spukatmosphäre, die unter anderem durch den alten Leuchtturm aufrechterhalten wird, der stets wie ein Symbol des Unheils und des Geheimnisvollen wirkt. Das einzige Manko, den Film gibt es zurzeit in keiner guten Bildqualität. Aber vielleicht findet sich ja einmal ein Restaurator, der sich dem annimmt.

Horror de Luxe: Arac Attack (2002)

„Arac Attack“ (2002); © Warner Bros

Für den neuseeländischen Regisseur Ellory Elkayem hätte „Eight Legged Freaks“ der Sprung vom Direct-To-Video-Bereich ins Kino werden sollen. Für diesen Film, der u. a. von Roland Emmerich mit produziert wurde, hatte es auch tatsächlich geklappt. Aber eben nur für diesen einen Film. Danach verschwand der Regisseur wieder in der Versenkung.

Höchstwahrscheinlich lag dies daran, dass der Film nicht den Erfolg erzielte, den sich Warner Bros. gewünscht hatte. Der Film kostete 30 Millionen Dollar und spielte 45 Millionen Dollar ein. Doch sagt das alles nichts über die Qualität von „Arac Attack“ aus. Der Film macht von Anfang bis Ende Spaß.

In der Kleinstadt Prosperity sind die Spinnen los, nachdem ein Lastwagen eine Ladung gefährlicher Chemikalien verloren hat. Denn Spinnenzüchter Joshua füttert seine Tierchen mit verseuchten Grillen, was dazu führt, dass die Spinnen riesige Ausmaße annehmen …

Man könnte „Arac Attack“ als ein Remake von „Earth vs. The Spider“ (1958) betrachten, in dem eine riesige Vogelspinne eine Kleinstadt attackiert. Die Handlung ist durchaus ähnlich, auch wenn bei Elkayems Film eindeutig mehr Spinnen ihr Unwesen treiben. Sozusagen als Gegenstück zu dem eher ernsten Tierhorrorstreifen „Arachnophobia“ (1990) von Frank Marshall, bietet „Eight Legged Freaks“ witzige Horrorunterhaltung. Zudem weist der Film auch eine erstklassige Optik und Farbgebung auf, die beide angelehnt sind an die 50er Jahre. Natürlich gab es wieder die Extremkritiker, die bemängelten, dass die Umweltthematik nicht richtig ausgearbeitet wurde, denen kann man nur antworten: Ja, es stimmt, ein Arthouse-Film sieht anders aus. „Arac Attack“ möchte nichts anderes als unterhalten und das gelingt dem Film zu über 100 Prozent.

Spinnenalram; „Arac Attack“ (2002); © Warner Bros

Der Fokus liegt dabei klarerweise auf den Spezialeffekten, die unglaublich gut in Szene gesetzt sind. Meistens überwiegen CGI-Effekte, doch gelegentlich taucht auch eine Plastikspinne oder ein riesiges Spinnenbein (ebenfalls aus Plastik) auf. All das ist untermalt mit einem schrägen Humor, bei dem sogar die Spinnen mitwirken. Interessant ist, während Scarlett Johansson bei „Arac Attack“ kurz vor ihrem Karrieredurchbruch stand, war es für Kari Wuhrer, die den weiblichen Sheriff der Kleinstadt spielt, die einzige Hauptrolle in ihrer Karriere. Inzwischen ist sie überhaupt nicht mehr als Schauspielerin tätig. Wie bereits erwähnt, konnte auch Regisseur Ellory Elkayem karrieremäßig nicht von dem Film profitieren. Schade, denn in „Arac Attack“ beweist er, dass er sein Handwerk richtig gut versteht.

Arac Attack (OT: Eight Legged Freaks); Regie u. Drehbuch: Ellory Elkayem, Produktion: Bruce Berman, Roland Emmerich, Darsteller: David Arquette, Kari Wuhrer, Scarlett Johansson, Scott Terra. USA/Neuseeland 2002, 99 Min.

Horror de Luxe: The Asphyx (1972)

Cunningham (Robert Stevens) und sein Adoptivsohn Giles (Robert Powell) beim Experiment. „The Asphyx“ (1972); © Ostalgica/BBC

Die Hammer-Film-Productions waren gerade im Niedergang, als es David Leans Kameramännern einfiel, einen Horrorfilm im Stil von Hammer zu kreieren. Das Ergebnis war die außergewöhnliche Produktion „The Asphyx“, in England ein Klassiker, in Deutschland so gut wie unbekannt.

Der Film handelt von Sir Hugo Cummingham, der Ende des 19. Jahrhunderts mit seiner Kamera herumexperimentiert. Er ist Mitglied einer parapsychologischen Gesellschaft, die das Übernatürliche wissenschaftlich erfassen möchte. Auf mehreren seiner Fotos, auf denen sterbende Menschen zu sehen sind, entdeckt Cummingham einen sonderbaren dunklen Fleck. Sofort ist das makabre Interesse des Hobby-Wissenschaftlers geweckt und er beschließt, weitere Fotos von Menschen zu machen, die gerade im Sterben liegen.

Als er eine Hinrichtung filmt, kommt es zu einem unheimlichen Zwischenfall. Durch den Lichtverstärker, den Cummingham benutzt, ist plötzlich ein unheimliches Wesen zu sehen, das sich dem Verurteilten nähern möchte. Cummingham kommt auf die Idee, bei der nächsten Gelegenheit, ein solches Wesen zu fangen. Doch hat er nicht mit den Konsequenzen gerechnet, die seine Aktion mit sich bringt …

„The Asphyx“ ist ein unglaublich origineller Film, der in gewisser Weise Steampunk mit den Elementen des Gothic Horror mischt. Dabei schreitet die Handlung rasant voran, ein Zwischenfall folgt dem nächsten – und parallel dazu nimmt ein weiteres, damit verbundenes Drama seinen unheilvollen Lauf: denn Cunningham zerstört durch seine Experimente mehr und mehr das Glück seiner Familie.

Sowohl Peter Newbrook, der Regie führte, als auch Freddie Young, der hinter der Kamera stand, gehörten zur Stammcrew des berühmten Regisseurs David Lean. Was beide dazu gebracht hat, gemeinsam einen Horrorfilm zu drehen, sei einmal dahingestellt. Das Ergebnis lässt sich allerdings sehen. Die ungewöhnliche Thematik des Films umgibt die Handlung mit einem morbid-düsteren Unterton.

Nicht, dass der Film brutal wäre. Es geht um das Spiel mit grundlegenden moralischen Empfindungen und um die Diskussion um moralische Werte an sich. Was darf man, was nicht – im postmodernen Horrorkino rückte diese Fragestellung und ihre unterschiedliche Betrachtungsweise ins Zentrum der Handlung. So auch bei „The Asphyx“. Zwar ist es bei Cummingham zunächst rein wissenschaftliche Neugier, mit der er sein Handeln rechtfertigt, doch auch in der Wissenschaft stellt sich die oben genannte moralische Frage.

„The Asphyx“ wird dadurch zu einem überraschend tiefgründigen Film, der diese Tiefe mit einer überaus unterhaltsamen und spannenden Handlung verbindet. Erst 1988 kam der Film in Deutschland auf Video heraus. Kurz: sehr sehenswert.

Der Regisseur Lovecrafts – Zum Tod von Stuart Gordon

Jeffrey Combs in seiner bekanntesten Rolle als Herbert West; „Re-Animator“ (1985); © Laser Paradise

Stuart Gordon wandte sich dem Theater zu, da er keinen Platz in den Filmkursen der Universität von Wisconsin erhielt. Bekannt wurde Gordon durch seine Organic Theater Company, die er 1969 zusammen mit seiner Frau gründete. Sowohl klassische als auch moderne Stücke gehörten und gehören zum Repertoire der Kompanie. 2011 erregte das Ensemble durch das „Re-Animator“-Musical Aufsehen, das mehrfach vor vollem Haus aufgeführt und mit dem Saturn Award ausgezeichnet wurde.

Zum Film gelangte Stuart Gordon 1985. Sein Freund Brian Yuzna engagierte ihn als Regisseur für den inzwischen zum Klassiker gewordenen „Re-Animator“. Die Machart der Lovecraft-Adaption sollte nicht nur wegweisend für das Horrorgenre sein, sondern auch den weiteren Stil von Gordon bestimmen: eine Mischung aus skurrilen Ideen, erstaunlichen Effekten und schwarzem Humor. Der grandiose Erfolg seines Debuts führte 1986 zu einer weiteren Adaption einer Lovecraft-Erzählung mit dem Titel „From Beyond“.

Doch auch Misserfolge änderten nichts an der Zusammenarbeit zwischen Stuart Gordon und Brian Yuzna. Im Gegenteil, denn nach dem Flop „Dolls“ (1987), in dem sechs Menschen während eines Gewittersturms in einem verlassenen Haus Schutz suchen, nicht ahnend, dass dort unheimliche Puppen ihr Unwesen treiben, drehten beide ihre einzige gemeinsame Großproduktion mit dem Titel „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ (1989) und landeten mit der Walt Dinsey-Produktion einen Megaerfolg.

Dennoch hielt es weder Stuart Gordon noch Brian Yuzna in der Welt der großen Studios. Zwar produzierte Gordon noch das Sequel „Liebling, jetzt haben wir ein Riesenbaby“ (1992) und führte Regie bei dem SF-Film „Fortress“ (1992), doch wandte er sich danach wieder den Lovecraft-Themen zu.

1995 drehte er daher „Castle Freak“, nach der Kurzgeschichte „Der Außenseiter“ von Lovecraft. Erneut spielte Jeffrey Combs die Hauptrolle. Auch wenn der Film nur im Ansatz Lovecrafts Idee wiedergibt, so gehört der Film zu den besten Werken Stuart Gordons, vermischt er darin doch gekonnt klassischen Grusel mit modernem Horror, wobei natürlich die unvergessliche Ganzkörpermaske des Castle Freaks (gespielt von Jonathan Fuller) eindeutig hervorsticht.

Im Jahr 2001 verfilmte Stuart Gordon Lovecrafts Roman „Schatten über Innsmouth“ unter dem Titel „Dagon“. Zwar vermengt Gordon den Roman mit den typischen Merkmalen des Teeny-Horrors, dennoch ist der Film eine Art Verneigung vor dem Meister der amerikanischen Horrorliteratur, indem sich Gordon stärker auf Lovecrafts Gesamtwertk bezieht als in seinen früheren Filmen

Stuart Gordon (1947 – 2020) wird für immer als der Regisseur in Erinnerung bleiben, der die Ideen H. P. Lovecrafts am eindrucksvollsten auf die Leinwand brachte. Nicht nur das, denn sein Stil prägt bis heute viele Regisseure.

Die 90er: Die Mumie (1999)

Rick O’Connell (Brendan Fraser) und Evelyn Carnahan (Rachel Weisz) in Bedrängnis; „Die Mumie“ (1999); © Universal Pictures

Auf den Erfolg von Stephen Sommers Abenteuer-Horror-Film „The Mummy“ hatte wohl niemand gewettet. Bis heute gilt er als einer der größten Überraschungshits der 90er Jahre. Bei Kosten von 80 Millionen Dollar spielte er weit über 400 Millionen Dollar ein.

Der Film ist ein Remake des Universal-Horrorklassikers „Die Mumie“ (1932) mit Boris Karloff. Während Karloff noch mit Baumwolle umwickelt wurde, damit er als Mumie durchging, besorgen dies bei Arnold Vosloo CGI-Effekte. Stephen Sommers, der Trash-Freunden durch den Film „Octalus“ bestens bekannt ist, behielt die grundlegende Handlung bei, doch statt Karl Freunds draculaartige Geschichte zu übernehmen, machte er daraus einen klassisch anmutenden Abenteuerfilm mit viel Klamauk und diversen Horrorelementen. Die Mischung passte und sorgte dafür, dass die Produzenten vor Freude in die Hände klatschten.

Es geht um den Hohepriester Imhotep und dessen heimliche Liebesbeziehung zur Mätresse des Pharaos. Als beide in flagranti erwischt werden, wird Anck-Su-Namun von den Wachen ermordet und Imhotep lebendig in einen Sarkophag eingeschlossen, nicht ohne ihn zuvor mit einem Fluch belegt zu haben. Im Jahr 1923 kommen der Abenteurer Rick O’Connell, die Ägyptologin Evelyn Carnahan sowie ihr Bruder Jonathan auf die Spur einer geheimnisvollen Grabstätte, in der ein sagenhafter Schatz vermutet wird. Bei der Suche danach erwecken sie Imhotep zum Leben, der in Evelyn seine einstige Geliebte sieht …

„Die Mumie“ ist zwar keineswegs gruselig, dafür aber sorgt Sommers, der auch das Drehbuch verfasste, für viel großangelegte Action. Der Film kennt nur wenige ruhige Momente, in den meisten Szenen wird geschrien, gerannt und gekämpft, wobei Sommers gekonnt immer wieder klassische Horrorelemente einwebt. Da in den 90er Jahren immer mehr CGI angewandt wurde, so strotzt auch „Die Mumie“ vor lauter Computereffekten, die jedoch keineswegs so aufdringlich sind wie in den beiden Fortsetzungen. Immer wieder lässt Sommers auch Puppen oder als Mumien verkleidete Stuntmen in Aktion treten, was dem Film zusätzlich seine klassisch anmutende Note verleiht.

Insgesamt ist „Die Mumie“ ein Riesenspaß. Die beiden Sequels (Sommers führte auch bei „Die Mumie kehrt zurück“ Regie) reichen allerdings an das Remake nicht mehr heran.

Die Klunkerecke: The Amityville Horror (1979)

Das berühmte Spukhaus wartet auf seine neuen Bewohner; „The Amityville Horror“ (1979); © MGM

Bis heute zählt das Haus in Amityville zu den bekanntesten Spukhäusern der USA. Ob es dort tatsächlich umgeht, ist eine andere Frage. Die derzeitigen Bewohner beschweren sich weniger über Spukerscheinungen als viel mehr über die vielen lästigen Touristen, die das Haus aufsuchen.

1974 tötete dort Ronald DeFeo seine Eltern und seine vier Geschwister. Der Fall gilt bis heute als ungeklärt und noch immer gehen (Hobby-)Journalisten und Ermittler der Sache nach. DeFeo selbst, der für seine Tat eine lebenslängliche Freiheitsstrafe erhalten hat, machte immer wieder andere Aussagen über die Schreckensnacht in dem Haus. Behauptete er zunächst, dass ihn Stimmen dazu gebracht hätten, sagte er später aus, dass seine Mutter für die Morde verantwortlich sei.

Etwa ein Jahr später zog die Familie Lutz in das Haus ein, nur um es wenige Wochen später wieder zu verlassen, mit der Behauptung, dass es dort spuke. In Interviews erzählten sie von den unheimlichen Vorkommnissen in dem Haus. Skeptiker nehmen bis heute an, dass das Ehepaar sich beim Kauf des Hauses finanziell übernommen habe und daher die Geschichte mit dem Spuk erfand.

Wie dem auch sei, für Hollywood war der Stoff ein gefundenes Fressen, besonders da zuvor das Buch „The Amityville Horror“ der Journalistin Jay Anson ein wahrer Bestseller geworden war. Die auf Trash- und Horrorfilme spezialisierte Firma American International Pictures erstand die Rechte und drehte mit James Brolin, Margot Kidder und Rod Steiger in den Hauptrollen einen Film, der bis heute in die Riege der erfolgreichsten Horrorfilme gehört. Die Produktionskosten betrugen 4,7 Millionen Dollar, die Einnahmen lagen bei über 86 Millionen Dollar.

Der Film erzählt im Grunde genommen das nach, was die Familie Lutz an unheimlichen Vorkommnissen geschildert hat. Kaum sind George und Kathleen Lutz mit ihren Kindern in das Haus eingezogen, ereignen sich schon die seltsamsten Dinge. Tochter Amy behauptet, dass in dem Haus ein Mädchen wohne, George verhält sich von Tag zu Tag eigenartiger und aggressiver. Jede Nacht um genau 3:15 Uhr wacht er auf – der Zeitpunkt der Morde.

George (James Brolin) und Kathleen (Margot Kidder) vor ihrem neuen Haus; „The Amityville Horror“ (1979); © MGM

„The Amityville Horror“ ist ein hervorragend gespielter und spannender Gruselfilm, der sich zum einen an den klassischen Spukhausgeschichten orientiert, andererseits die durch „Der Exorzist“ (1973) eingeleitete Okkult-Welle aufgreift. Dadurch entsteht eine recht dichte und bedrohliche Atmosphäre, die den ganzen Film über anhält. Die seit 2015 erhältliche ungeschnittene 114-Minuten-Fassung weist ein paar unglückliche Schnitte auf, sodass man hin und wieder ein bisschen verwirrt dem Geschehen folgt, doch die ursprüngliche Kinofassung hat bis heute nichts von ihrer Beklemmung und ihrem Grusel verloren.

Der Film brachte es auf 12 Sequels und einem Prequel sowie einem Remake. Von den Sequels sind jedoch gerade mal Teil 2 und Teil 3 ansehbar, danach werden die Filme von Mal zu Mal schlechter. Das Remake besitzt zwar nicht den Charme des Originals, ist aber dennoch ein recht netter und spannender Horrorfilm.

Die Klunkerecke: Die Insel des Dr. Moreau (1977)

Die Tiermenschen proben den Aufstand; „The Island of Dr. Mureau“ (1977); © 20th Century Fox

Auch Leute, die den Roman von H. G. Wells nie gelesen haben, kennen die Insel, auf der Dr. Moreau seine Tiermenschen züchtet. Mehrfach verfilmt, gilt vor allem die Version von Regisseur Don Taylor als herausragend.

Die 70er Jahre waren das Jahrzehnt des Öko-Horrorfilms. Innerhalb dieses Rahmens wurde King Kong wiederbelebt und natürlich passte eine Insel, auf der ein verrückter Wissenschaftler Gott spielt ebenso ins Raster. Michael York spielt darin den Schiffsingenieur Andrew Braddock, der zusammen mit zwei Besatzungsmitgliedern eines untergangenen Schiffes an die Küste der unheimlichen Insel gespült wird. Schnell merken er und seine Freunde, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Und schon bald kommt Andrew hinter das Geheimnis der eigenartigen Tiermenschen …

Dr. Paul Moreau wurde von Burt Lancaster gespielt, der in dieser Rolle absolut überzeugt. Auch Michael York geht in seiner Rolle des gestrandeten Schiffbrüchigen voll und ganz auf. Bondgirl und Trash-Ikone Barbara Carrera spielte Maria, Moreaus hübsche Tochter. Das berühmt gewordene Foto, das seitdem quasi eine Art Eigenleben führt, zeigt sie umringt von mehreren Tiermenschen.

Damals gingen die Kritiken weit auseinander. Die einen fanden den Film schlicht und ergreifend dämlich, die anderen für zu altmodisch und wieder andere fanden ihn einfach nur großartig. Wie auch immer, Don Taylor, der davor 1971 mit „Flucht vom Planet der Affen“ den dritten Film dieser Serie drehte und 1980 für den Science Fiction-Film „Der letzte Countdown“ verantwortlich war, liefert mit seiner Version von Wells‘ Roman die durchaus düsterste Version ab.

Maria (Barbara Carrera) umringt von ihren Lieblingen – eines der bekanntesten Filmbilder der 70er Jahre; „The Island of Dr. Mureau“ (1977); © 20th Century Fox

Andrew Braddock ist Dr. Moreau nicht nur völlig ausgeliefert, sondern wird selbst Teil des Experiments, während die Tiermenschen die Gesetze, die ihnen der Wissenschaftler aufgezwungen hat, mehr und mehr in Frage stellen. Der Film beschäftigt sich Jahre vor tatsächlichen Genmanipulationen mit eben diesem Thema und betrachtet dieses aus unterschiedlichen Perspektiven. Daraus ergibt sich eine wunderbare und spannende Diskussion zwischen Für und Wider dieser Wissenschaft, die in heutigen Filmen lediglich stichwortartig abgehandelt werden würde. „Die Insel des Dr. Moreau“ erhält aber auch durch die feine Charakterisierung der Figuren eine Tiefe, welche Dr. Moreau und Braddock eine faszinierende Vielschichtigkeit verleiht. Ist Dr. Moreau einfach nur wahnsinnig oder verfolgt er tatsächlich Ziele, welche die Menschheit in ihrer Entwicklung weiterbringen könnte?

Diese Fragen ziehen sich durch den ganzen Film, sodass Burt Lancasters Darbietung die klassische Rolle des verrückten Wissenschaftlers sprengt und stattdessen eine düstere, nachdenkliche und auch verbitterte Version schafft, die durch die ständige Beschäftigung mit diesem Thema in eine Art Wahn verfallen ist. Erst wenn es um seine Tochter Maria geht, wird Moreau zum „normalen“ Menschen.

Angeblich war für den Film ein ganz anderes Ende vorgesehen. Bis heute kursiert das Gerücht, dass für das Ende des Films eine Szene gedreht wurde, in der Maria ein Tiermenschenbaby zur Welt bringt. Don Taylor sagte später, dass eine solche Szene tatsächlich einmal besprochen, die Idee aber wieder fallen gelassen wurde, da man befürchtete, das Ende könnte dadurch überaus lächerlich wirken. Aber auch ohne Monsterbaby ist „Die Insel des Dr. Moreau“ aus dem Jahr 1977 immer wieder sehenswert.

The 80s: Straßen in Flammen (1984)

Tom (Michael Páre) und Ellen (Diane Lane); „Streets of Flame“ (1984); © Universal Pictures

Es gibt Filme, die filmhistorisch bedeutsam sind, zur Zeit ihrer Veröffentlichung aber gnadenlos floppten. Dieses Schicksal „genießt“ Walter Hills Mischung aus Motorradgang- und Noir-Film „Streets of Fire“ aus dem Jahr 1984.

Damals spielte der Film gerade einmal die Hälfte seiner Produktionskosten ein. Heute zählt der Film zu den bedeutensten der 80er Jahre. Grund dafür ist, dass damals ein neuartiges Filmmaterial verwendet wurde, womit Nachtaufnahmen praktisch ohne zusätzliche Beleuchtung gedreht werden konnten, was zur außergewöhnlichen Farbgebung des Film und auch späterer Filme beitrug.

„Straßen in Flammen“ ist in einer Quasi-50er-Jahre-Epoche angesiedelt, vermischt diese Elemente jedoch mit dem Stil der 80er Jahre. Es geht um die Bomber, eine Motorradgang, die eine Stadt terrorisiert. Eines Tages entführt Raven, der Anführer der Gang, die Sängerin Ellen. Dies führt dazu, dass Reva ihren Bruder Tom bittet, in die Stadt zu kommen, um zu helfen, Ellen aus den Fängen der Gang zu befreien. Tom kommt der Bitte nach, immerhin war Ellen früher einmal seine Freundin. Schließlich stehen sich Raven und Tom gegenüber …

Wer einmal Willem Defoe in schwarzer Latexlatzhose sehen möchte, der ist bei „Straßen in Flammen“ genau richtig. Eigentlich ist das Kostüm eich echter Hingucker und stellt alles andere in den Schatten, besonders, da Defoe darin wie ein wirklicher Bösewicht aussieht. Doch unabhängig davon, spielt Willem Defoe als Raven so ziemlich alle übrigen Schauspieler gegen die Wand. Sogar Rick Moranis, der hier ausnahmsweise nicht für die Comedyeinlagen zuständig ist, sondern Billy Fish, einen schleimigen Manager, der es nur aufs Geld abgesehen hat, spielt. Allerdings nimmt man ihm die Rolle nicht ganz ab, irgendwie wirkt er immer wieder unbeholfen.

Ein Beispiel für die großartige Optik des Films; „Streets of Flame“ (1984); © Universal Pictures

Wirklich hervorragend ist allerdings die Optik des Films, die gekonnt den klassischen Noir-Stil mit den Neonfarben der 80er Jahre vermischt, was dazu führt, dass hin und wieder ein in leichten Ansätzen „Blade Runner“-artiges Gefühl aufkommt. Sehr gut choreographiert sind die einzelnen Actionsequenzen. Für den Endkampf zwischen Raven und Tom benötigte die Crew ganze zwei Wochen, bis er im Kasten war.

Walter Hill überließ praktisch nichts dem Zufall, sondern sorgte dafür, dass auch wirklich alles genauso funktionierte, wie er es haben wollte. Diese Sorgfalt führt letztendlich zu den großartigen Bildkompositionen, in denen der Film geradezu schwelgt und für die „Straßen in Flammen“ berühmt geworden ist.

Twin Peaks (2017)

Mit der Fortsetzung von „Twin Peaks“ verblüffte David Lynch so ziemlich jeden Filmkritiker. Als die ersten beiden Episoden der 18-teiligen Serie in Cannes als Spielfilm gezeigt wurden, führte dies zu lang anhaltendem stehenden Applaus. Der Meister war wieder zurück und er zeigte nicht nur, was Filmkunst ist, sondern dass man diese auch mit einem TV-Format verbinden kann.

Noch komplexer als die Originalserie aus den Jahren 1991 und 1992, führt David Lynch die Serie nach 25 Jahren fort. Nicht nur in unserer Realität, sondern auch in der Twin Peaks-Handlung sind seit dem rätselhaften Mord an Laura Palmer 25 Jahre vergangen. Und es geschehen erneut seltsame Dinge. Denn zwei Coopers sind aus der ominösen Zwischenwelt zurückgekehrt. Während der eine von Bob besessen ist, kann sich der andere an nichts erinnern und wird von allen als Versicherungsvertreter Dougy Jones gehalten. Zugleich findet die Polizei in Twin Peaks die fehlende Seite aus Laura Palmers Tagebuch, was dazu führt, dass sie den alten Fall wieder aufrollt.

Viele Zuschauer gaben nach Episode 8 „Gotta Light?“ auf, die Serie weiterzuverfolgen. Der Grund: hier greift David Lynch so richtig in die Vollen und präsentiert eine der wohl bizarrsten TV-Episoden überhaupt. Eine Andernanderreihung sonderbarer Geschehnisse, die zugleich als  Experimentalfilm konzipiert sind und teilweise an Lynch‘ „Earaserhead“ erinnern. Kurz: surreal und bizarr auf höchster filmkünstlerischer Ebene.

David Lynch liefert alles andere ab als eine flache, austauschbare TV-Serie. Da er und Mark Frost die 18-teilige Serie auch selbst produzierten, hatten sie absolut freie Hand und diese künstlerische Freiheit schöpften sie auch mit allen Mitteln aus. Schon allein die Tatsache, dass, wenn man alle 18 Teile aneinanderfügt, einen 18-stündigen Spielfilm vor sich hat, zeigt, dass Lynch keine normale Serie abliefern wollte.

Wie auch in der Originalserie, so bewegt sich die neue Staffel zwischen Kriminal- und Horrorfilm, Familiendrama und Experimentalfilm hin und her. Dieses Mal spielt die Handlung nicht nur in Twin Peaks, sondern ebenso in Las Vegas, South Dakota, Philadelphia und New Mexico. Doch sämtliche wirr erscheinenden Handlungsstränge werden nach und nach zusammengeführt. Bespickt mit skurrilen Figuren, eigenwilligen Gags und auch immer wieder einer brutalen Ernsthaftigkeit wird nicht nur dem Geheimnis um Laura Palmer, sondern auch um Cooper und der mysteriösen Zwischenwelt auf die Spur gekommen.

Man sollte die ersten beiden Staffeln und auch den Spielfilm „Twin Peaks – Fire walk with me“ vorher gesehen haben, damit man den Geschehnissen in der dritten Staffel auch wirklich folgen kann. Denn viele Anspielungen finden sich in winzigen Details. Die Optik ist wie immer erstklassig, manchmal verwendet Lynch eine starre Kamera und lässt den Zuschauer einfach einen Raum oder einen Menschen mehrere Sekunden lang beobachten, bevor es dann an anderer Stelle wieder weitergeht. Diese Eigenwilligkeit, diese Liebe zum Detail und dieses Sich-Zeit-lassen steht im vollen Kontrast zu den raschen Szenenabfolgen anderer oder eher typischer TV-Serien. Lynch macht es klar und deutlich: er möchte, dass sich der Zuschauer mit seinem Werk auseinandersetzt und es nicht einfach bloß konsumiert.

Auch in der neuen Serie um Twin Peaks lässt David Lynch den Zuschauern viel Raum für Spekulationen. Man sollte auch Spaß am Analysieren von Bildern und Filmen überhaupt haben, um in den vollen Genuss dieser Serie zu kommen. Wenn man es auf den Punkt bringen möchte, so lässt sich einfach sagen, dass die dritte Staffel von „Twin Peaks“ so ziemlich alles schlägt, was jahrelang über die Bildschirme geflimmert ist. Für 2020 ist eine vierte Staffel geplant.