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Archive for the ‘Trashfilme’ Category

Die Idee trug Regisseur Tom Holland bereits ein ganzes Jahr mit sich herum, bevor er dazu überging, diese in ein Drehbuch umzuarbeiten. Die Produktionsfirma Columbia Pictures gab ihm das kleinst mögliche Budget und interessierte sich nicht weiter für das Projekt. Als der Film dann 1985 in die Kinos kam, war man in der Chefetage dann doch überrascht. Denn das Einspielergebnis lag bei fast 25 Millionen Dollar – gegenüber dem Budget von knapp 7 Millionen.

„Fright Night“ wurde ein echter Kassenschlager. Und das, obwohl man ihm durchaus das geringe Budget ansieht. Doch Tom Holland machte das Beste daraus – und hinzu kam, dass ihm keiner der Produzenten ins Handwerk pfuschte. Das Ergebnis war eine nette Horrorkomödie, die sich lustig macht über das Leben in den US-amerikanischen Vororten und genau so die durch das Horrorgenre stark geprägte Popkultur.

Horror hatte damals Hochkonjunktur. Umso witziger ist es daher, wenn Charley Brewster, der zusammen mit seiner Mutter neben einem leer stehenden Haus wohnt, vergeblich versucht, ihr zu erklären, dass sie seit letzter Nacht einen Vampir als Nachbar haben. Doch nicht nur seine Mutter hält ihn für ein bisschen zu überdreht (sie schiebt es darauf, dass er in letzter Zeit zu viel gelernt habe), sondern auch seine Freundin Amy und sein Kumpel Edward, den Charley immer Teufel nennt – in der Originalfassung trägt Edward den Spitznamen Evil Ed, als Anspielung auf den Klassiker „Evil Dead“. Als alles nichts hilft und es zu sonderbaren Todesfällen kommt, betrachtet Charley den drittklassigen Schauspieler Peter Vincent, der eine erfolglose Horrorsendung in einem Regionalsender moderiert, als seine letzte Hilfe.

Die Handlung, die sich auf diese Weise weiter entwickelt, ist wirklich witzig, hinzu kommen tolle Spezialeffekte, die sich der Film für die zweite Hälfte des Films aufhebt. Robert Enlund, der ein Jahr davor die Spezialeffekte für „Ghostbusters“ mitentworfen hatte, durfte hier nochmals sein Können zeigen. Trotz des Witzes, der die gesamte Handlung durchzieht, regen die Gags weniger zum Lachen als viel mehr zum Schmunzeln an. In den einzelnen Aufnahmen gibt es immer wieder viele Anspielungen auf das Horrorgenre zu entdecken (wie z.B. der Zaun in Form eines Vampirgebisses), doch der Konflikt zwischen Charley und dem Vampir Jerry Dandridge, der Amy entführt, erscheint dann doch zu sinnlich und zu düster, als dass er als reine Komödie durchgehen könnte, viel eher scheint in diesen Szenen dann eine Hommage an die klassischen Vampirfilme hindurch.

Dies ist andererseits aber auch die Stärke des Films, denn das Düstere und das Lustige schließen sich in dem Film nie gegenseitig aus. Dies liegt vor allem daran, da „Fright Night“ sich nicht lustig über das Horrorgenre macht. Es kommt zu keinen Veralberungen, im Gegenteil, wenn es um Vampirismus geht, so bezieht sich Holland sowohl auf Aspekte des Aberglaubens als auch auf die entsprechenden filmischen Merkmale. Besonders ist hierbei, dass der Vampir als bisexuell charakterisiert wird. Holland bringt diese Merkmale stets in einen alltäglichen Zusammenhang, woraus sich eine originelle Situationskomik ergibt.

„Fright Night“ entwickelte sich rasch zu einem Klassiker des Genres. Ein Jahr darauf sollte Tom Holland (wieder in Zusammenarbeit mit Schauspieler Chris Sarandon) einen weiteren Klassiker der 80er Jahre kreieren: „Child’s Play“, der in Deutschland unter dem Titel „Chucky – Die Mörderpuppe“ in die Kinos kam.

„Fright Night 2“ (1988) war zwar in den Kinos deutlich weniger erfolgreich als das Original, holte dies aber durch den Video-Release nach. Das Remake von 2011 orientierte sich zum großen Teil am Originalfilm, wobei es ihm durchaus gelang, den Humor beizubehalten. Auch zu diesem Film wurde ein Sequel gedreht, das aber nur noch auf DVD erschien.

Fright Night. Regie u. Drehbuch: Tom Holland, Produktion: Herb Jaffe, Darsteller: Chris Sarandon, William Ragsdale, Amanda Bearse, Stephen Geoffreys, Roddy McDowall. USA 1985, 106 Min.

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Besonders in den 50er Jahren war das Personalpronomen „It“ in den Filmtiteln recht beliebt. Es stand schlicht und ergreifend für das Andere, das Nicht-Weltliche und damit für eine überaus fremdartige Bedrohung. Das Wörtchen it wurde danach seltener, doch gelegentlich tauchte es wieder auf. Im folgenden haben wir daher eine kleine Liste mit den entsprechenden Filmen aufgestellt:

It came from Outer Space (1953) ist nicht nur ein Filmklassiker, sondern wurde zudem in 3D gedreht. Die damalige 3D-Welle sollte – nicht weniger wie heute – die Zuschauer wieder zurück in die Kinos bringen, die ab den 50er Jahren lieber vor dem Fernseher saßen. Parallel dazu wurde für denselben Zweck auch Cinemascope entwickelt. Jack Arnolds SF-Thriller nimmt zudem die Idee von „Invasion der Körperfresser“ vorweg: Bizarre Außerirdische übernehmen menschliche Körper. Also Paranoia-Kino pur. Das Monster mit dem Glotzauge ist rasch zum Bestandteil der Popkultur geworden. Für das Drehbuch war übrigens der amerikanische SF-Autor Ray Bradbury verantwortlich.

It came from beneath the Sea (1955) hatte den einzigen Zweck, um auf die Zuschauer ein Effektgewitter loszulassen. Ein Riesenkrake greift San Francisco an – und natürlich muss mal wieder die Golden Gate Bridge dran glauben. Ray Harryhausen hatte im wahrsten Sinne des Wortes alle Hände voll zu tun, ging es doch darum, einem achtarmigen Riesenoktopus Leben einzuhauchen. Das Ergebnis lässt sich auch heute noch sehen, ein gelungener und spannender SF-Horror-Monster-Film, der die Stop Motion-Technik voll zur Geltung bringt. Später bezeichnete Harryhausen seine für die Großleinwand kreierten Effekte als Dynamation. Ab den 80er Jahren jedoch erhielt er immer weniger Aufträge, da er seine eigene Technik nicht weiter entwickelte, während andere Firmen bereits mit Computereffekten arbeiteten.

It conquered the World (1956) ist ein typischer Roger Corman Film. Corman, der in seiner gesamten Karriere als Regisseur und Produzent nur zwei Flops hinlegte, erzählt darin die Geschichte von einem Monster von der Venus, das auf der Erde landet, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dabei macht es sich einen Wissenschaftler zunutze, der glaubt, dass das Monster der Welt Frieden bringen wird. Das rettichartige Ungetüm mit Augen und spitzen Zähnen hat Kultcharakter. In England war der Film zunächst nur für Erwachsene zugelassen, da man das Abfackeln des Monsters unter den Aspekt der Tierquälerei betrachtete. Man sieht, nicht nur unsere deutschen Behörden haben einen an der Waffel. Der Film zählt zu den besten Produktionen aus dem Hause Corman.

From Hell it came (1957) dürfte eine der wohl originellsten Handlungen besitzen. Der Prinz eines Südsee-Stammes erhält die Todesstrafe, nachdem er einen Mann ermordet haben soll. Seine Leiche wird in einem hohlen Baumstamm gelegt und begraben. In der Nähe führen Wissenschaftler Experimente mit radioaktiven Elementen durch. Die Radioaktivität erweckt den Prinzen wieder zum Leben – als wandelnden Baumstamm. „From Hell it came“ zählt zu den schlechtesten Filmen der Filmgeschichte. Allerdings ist der Film so schlecht, dass er schon wieder gut ist. Wer auf Baumstämme steht, die kreischende Bikini-Frauen herumschleppen, ist hier genau richtig – Schlammcatchen inklusive.

It! The Terror from Beyond Space (1958) handelt von einer Marsexpedition im Jahr 1973, die eine verschollene Gruppe Wissenschaftler auf dem Roten Planeten aufspüren soll. Tatsächlich finden sie einen Überlebenden. Doch dieser faselt ständig etwas von einem Monster, das auf dem Mars sein Unwesen treibt. Erst glaubt ihm niemand. Doch dann? Genau, dann bekommt einer nach dem anderen eines auf die Mütze. Neben „Planet der Vampire“ gilt auch dieser Film als Inspirationsquelle für Ridley Scotts „Alien“. „It!“ ist ein durchweg spannender Film und das Monster genial in Szene gesetzt.

It (1990) lautet die erste Adaption von Stephen Kings Klassiker. Der zweiteilige TV-Film hätte eigentlich von George A. Romero gedreht werden und Tobe Hooper hätte das Drehbuch schreiben sollen. Doch wurde leider daraus nichts. Stattdessen übernahm Tommy Lee Wallace, der mit „Halloween 2“ sein Debut gefeiert hatte, die Regie und schrieb auch am Drehbuch mit. Mit fast 30 Millionen Zuschauern wurde „It“ zu einem der größten Erfolge der TV-Geschichte. Dies vor allem auch durch Tim Currys Darstellung von Pennywise. Stephen King selbst war von der Adaption begeistert. 1991 erhielt „It“ den Prime Time Emmy Award.

It Follows (2014) übernahm wieder das Pronomen aus den SF-Horror-Filmen der 50er Jahre. Das Debut von Regisseur David Robert Mitchell handelt von einem unheimlichen Wesen, das Jugendliche verfolgt. Erst wenn sie mit einer anderen Person Sex haben, wird der „Fluch“ auf jemand anderen übertragen. „It Follows“ ist vor allem ein gut gemachter Zitatenschatz, der von „Halloween“ bis zu „Ring“ reicht. Die einfache Handlung ist dicht und spannend umgesetzt, wobei die Musik nicht weniger interessant ist und sich irgendwie an Dario Argentos Hausband Goblin orientiert. Die Low Budget-Produktion wurde ein Riesenerfolg. Leider wird zurzeit an einem zweiten Teil gebastelt, der wahrscheinlich wieder alles vermasselt.

It (2017) ist die zweite Adaption von Stephen Kings Roman. Schon jetzt zählt er zu den erfolgreichsten Horrorfilmen der Filmgeschichte und zu den erfolgreichsten Filmen des Jahres 2017. Allerdings wurde nur die erste Hälfte des Romans verfilmt. Die zweite Hälfte soll angeblich 2018 in die Kinos kommen. Irgendwie hat die Neuverfilmung anscheinend den Zahn der Zeit getroffen. Nur so ist der Erfolg zu erklären. Auf jeden Fall zeigt sich einmal mehr, dass Horror längst zum Mainstream gehört, auch wenn unsere Pädagogen noch immer dagegen angehen. Zu dem Film selbst kann ich nichts sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe. Aber das Plakat sieht nicht schlecht aus 😀 .

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Obwohl die Hochphase des neuen spanischen Horrorfilms, die etwa Anfang 2000 begann, längst wieder verpufft ist, so kommen dennoch immer mal wieder interessante und vor allem sehenswerte Genrefilme über die Pyrenäen. So z.B. der Thriller „El Bar“ des Regisseurs Alex de la Iglesia.

Iglesia ist einer der wenigen spanischen Regisseure, der sich voll und ganz auf das Horror- und Thrillergenre spezialisiert hat und dabei fast schon regelmäßig Preise einheimst. Sein neuester Streich spielt, wie es der Titel bereits verrät, in einer Bar in der Innenstadt von Madrid. Dort befindet sich gerade eine Handvoll Leute, als auf einmal ein hustender Mann das Lokal betritt und sich in der Toilette verschanzt. Kurz darauf wird ein Kunde, der die Bar verläßt, erschossen und die Umgebung, in der sich die Bar befindet, weiträumig abgesperrt. Für die kleine Gruppe in der Kneipe ist nur eines klar: sie müssen einen Weg hinaus finden. Denn die Lage wird immer bedrohlicher.

„El Bar“ ist eine durch und durch gelungene Mischung aus Thriller, Horror und schwarzer Komödie. Die Anspielungen auf „Rec“ sind gewollt und werden in einer Szene auch mit viel Selbsironie angesprochen. Während „Rec“ aber direkt zeigt, was los ist, so setzt „El Bar“ auf Andeutungen. Dies führt zu einem spannenden Rahmen, innerhalb dessen sich dann die eigentliche Story entfaltet.

Denn diese geht darum, wie die Lage in der Bar nach und nach eskaliert. Sind sich alle zunächst im Klaren, dass sie zusammenhalten müssen, so bröckelt dieser Zusammenhalt sofort, als es nur darum geht, wer mit dem noch einzigen funktionierenden Handy telefonieren darf. Immer weiter spitzt sich die Situation zu, bis diese völlig außer Kontrolle gerät.

Iglesia zeigt auch in diesem Film, dass er sein Handwerk versteht. Die Geschichte rast ungebremst voran, wird dabei von Mal zu Mal dichter und spannender, wobei sich parallel dazu die Konflikte radikalisieren und regelrecht ausarten. All dies aber stets versehen mit einem ironischen Schmunzeln, das aus all den Geschehnissen eine bissige Horrorkomödie macht, die das zwischenmenschliche Verhalten und die Moral in unserer Gesellschaft aufs Korn nimmt. Dies macht „El Bar“ zu einem äußerst kurzweiligen und witzigen Filmvergnügen. Kurz: Sehenswert.

El Bar. Regie: Alex de La Iglesia, Drehbuch: Alex de la Iglesia, Jorge Guerricaechevarria, Produktion: Carolina Bang, Alex de la Isglesia, Darsteller: Mario Casas, Blanca Suarez, Alejandro Awada, Carmen Machi, Terele Pavez, Jaime Orodnez. Spanien 2017, 98 Min.

 

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Einmal gegrilltes Huhn bitte; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Wenn es einen Regisseur gibt, der mit dem Phantastischen Film eng verbunden ist, so ist dies Ishiro Honda. Auf sein Konto geht nicht nur „Godzilla“, sondern auch jede Menge weiterer Monsterfilme, die das Image des japanischen Films (neben den Werken Akira Kurosawas) im Ausland prägten.

1957 drehte Honda den SF-Film „Weltraumbestien“, den Kritiker gelegentlich als die japanische Version von „Krieg der Welten“ bezeichnen. In Hondas Film als auch in der berühmten Adaption von H. G. Wells‘ Klassiker geht es um eine Invasion vom Mars. Nur, dass sich die Hintergründe der Invasion in „Weltraumbestien“ ein wenig komplexer gestalten.

Originalplakat von „Weltraumbestien“

Denn in diesem Film stammen die außerirdischen Invasoren von einem Asteroiden namens Mysteroid, der einst Teil eines Planeten gewesen sein soll. Von dort seien die Außerirdischen auf den Mars geflohen und wollen nun die Erde besetzen. Das alles beginnt mit einem sonderbaren Waldbrand, der bereits das erste Anzeichen der Landung der Mysteroiden ist. Kurz darauf greift ein Riesenroboter eine kleine Stadt an. Während das Militär vergeblich gegen die Invasoren kämpft, versucht eine Gruppe internationaler Wissenschaftler, eine Waffe zu entwickeln, die gegen die überlegene Technik der Außerirdischen doch noch etwas bewirken kann …

„Weltraumbestien“ weist in allererster Linie eine hervorragende Optik auf. Auch wenn aus heutiger Sicht der Roboter ziemlich trashig wirkt, so ist die riesige Kampfmaschine dennoch genial in Szene gesetzt. Doch bleibt es nicht allein bei dem Angriff der gewaltigen Maschine, sondern es kommt zu Erdbeben und Überflutungen – und nicht zuletzt ist da der verzweifelte Kampf der Menschen gegen die Außerirdischen.

Aber das ist … das ist doch … 🙂 ; „Weltraumbestien“ (1957); Copyright: JSV

Es ist also mächtig was los in dem Film, der, ähnlich wie in „Godzilla“, die Verzweiflung und die Tragik der Katastrophe hervorhebt, was „Weltraumbestien“ recht düster und ernst erscheinen lässt. Man sieht, dass hier die Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg verarbeitet wurden. Die Bilder der fliehenden Bewohner der Stadt erscheinen beinahe wie aus einer Wochenschau.

US-Plakat von „Weltraumbestien“

Diesem Realismus gegenüber stehen die detailverliebten Spezialeffekte sowie der geniale Trash-Faktor des Films, der sich z.B. bei der Entführung der Frauen bemerkbar macht, da die Außerirdischen sich mit ihnen paaren wollen, um den zunehmenden Mutationen entgegenzuwirken. So steht plötzlich einer der fremden Besucher im Garten, schnappt sich die Frau und zieht sie mit sich hoch in das im Himmel schwebende UFO, was ungefähr so aussieht, als würde ein verkleideter Ken auf einem unsichbaren Seil Barbie in die Höhe ziehen. Immerhin handelt es sich bei der Darstellerin um Momoko Kochi, die durch ihre Rolle in Hondas „Godzilla“ weltberühmt wurde.

Auf jeden Fall ist „Weltraumbestien“ ein durch und durch sehenswerter Film, bei dem einem aufgrund seines Lärmpegels nur so die Ohren dröhnen. Während der Film in Japan ein großer Erfolg war, wollte sich dieser im Ausland und vor allem in den USA leider nicht einstellen.

Weltraumbestien (OT: Chikyū Bōeigun). Regie: Ishiro Honda, Drehbuch: Takeshi Kimura, Produktion: Tomoyuki Tanaka, Darsteller: Kenji Sahara, Yumi Shirakawa, Momoko Kochi, Akihito Hirata, Takashi Shimura. Japan 1957, 89 Min.

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Eigentlich wie immer: Als der neueste Film von Mario Bava 1968 herauskam, mochten ihn die Kritiker nicht. Heute zählt die Comicadaption „Danger: Diabolik“ zu den besten Trash-Filmen der 60er Jahre. Und das zu recht. Denn kaum ein anderer Film aus dieser Zeit dürfte derart bunt, durchgeknallt und rasant sein wie eben dieses herrliche James Bond-Imitat.

Es geht um den Meisterdieb Diabolik, dem die Polizei seit Jahren vergeblich das Handwerk legen will. Seine Verbrechen erheben ihn zu einer Art Staatsfeind. Während die Polizei weiterhin versucht, ihm eine Falle nach der anderen zu stellen, vollbringt Diabolik zusammen mit seiner hübschen Freundin Eva ein kriminelles Meisterstück nach dem anderen.

Diabolik (John Philip Law) und Eva (Marisa Mell) bringen das Gold zum Schmelzen; „Danger: Diabolik“ (1968); Copyright: Paramount

Diabolik wäre kein Superganove, wenn er keine unterirdische Festung hätte. Und schon allein das poppige Design der Kulissen ist es wert, sich diesen Film anzusehen. Doch Mario Bava wäre nicht er selbst gewesen, wenn er seinen gesamten Film nicht mit seinen Lieblingsfarben und seinem Hang zum Künsterlischen gewürzt hätte.

Gleich zu Anfang, wenn Diabolik die Millionen Dollar der Polizei abnimmt, indem er am Hafen einen Nebel austreten lässt, ist es nicht einfach irgendein Rauch, sondern ein wundervoller Farbenmix aus knalligem Gelb und sattem Violett. Diesem Geschehen folgt wohl eine der längsten Kussszenen der Filmgeschichte. Denn kaum ist Diabolik mit Eva wieder in seiner Festung, als sich beide in die Arme fallen, wobei diese Kussszene verbunden ist mit einem Hin- und Herschieben von Art Deco- und Pop Art-Kulissen, dass man gar nicht weiß, wo man vor Begeisterung hinschauen soll – in erster Linie natürlich auf Trash-Ikone Marisa Mell mit ihrem orangefarbenen Ausschnitt von einem Kleid, aber die Szenerie als Ganzes ist geradezu einmalig und liegt irgendwo zwischen „Barbarella“, „Camille 2000“ und „James Bond“.

Diabolik (John Philip Law) und Eva (Marisa Mell) nach einem ihrer genialen Streiche; „Danger: Diabolik“ (1968); Copyright: Paramount

Nicht weniger faszinierend sind Bavas Ausflüge ins Surreale. Hier wäre z. B. die Disco-Szene zu erwähnen, in denen die Kulissen lediglich angedeutet sind, in der ein tiefes Blau vorherrscht und in der sich die Statisten wie in einem postmodernen Theaterstück bewegen.

Bava gelingt nun das geniale Kunststück, all diese optischen Feinheiten in eine rasante und Action reiche Story zu packen, die voller Witz und Selbstironie steckt. Fast schon besser als der eigentliche James Bond, erhebt Bava damit das Actiongenre zu einem Kunstwerk, das untermalt ist von Ennio Morricones coolem Easy Listening-Sound und dem genialen Titelsong „Deep Deep Down“, der so ziemlich alles schlägt, was man als Titelsong bezeichnet. Kurz gesagt, ein echter Knaller.

Gefahr: Diabolik (Danger: Diabolik). Regie: Mario Bava, Drehbuch: Dino Mairui, Brian Degas, Tudor Gates, Mario Bava, Produktion: Dino de Laurentis, Darsteller: John Philip Law, Marisa Mell, Michel Piccoli, Terry-Thomas, Adolfo Celi. Italien/Frankreich 1968, 105 Min.

 

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Fay Wray (1907 – 2004)

Das Horrorgenre begleitet die Geschichte des Films seit dessen Anfängen. Schon immer liebten es die Zuschauer, sich zu gruseln. Was zunächst auf Jahrmärkten und in kleinen, provisorischen Vorführungssälen begann, entwickelte sich zu einem echten Kassenmagnet in den Kinopalästen der 20er und 30er Jahre. Diese Zeit wird als die goldene Ära Hollywoods bezeichnet, da in dieser Zeitspanne nicht nur ästhetisch hochwertige Filme entstanden,  sondern Hollywood weltweit den Markt beherrschte. Vor allem Deutschland, wo es im Vergleich zum übrigen Europa die meisten Kinos gab, war der Absatzmarkt für Hollywood schlechthin.

In dieser Phase des Golden Hollywood entwickelte sich auch das, was wir heute als Starphänomen bezeichnen. Beim Anblick Rudolph Valentinos, dem damals schönsten Mann der Welt, konnte es schon passieren, dass die eine oder andere Frau vor Entzückung in Ohnmacht fiel. Ähnliches wird von Bela Lugosi berichtet, dessen ungarischer Akzent bei manchen Frauen zu einem Orgasmus geführt haben soll.

Aber das nur so nebenbei. Während Valentino nie in einem Horrorfilm mitwirkte, war Lugosi in den 30er Jahren der Horrorstar schlechthin, neben Lon Chaney, dem Mann mit den tausend Masken, der seine Filmfratzen stets selbst entwarf – so u. a. die berühmte Maske des Phantoms der Oper aus dem gleichnamigen Film (1925), die längst Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Neben den Monstern waren es die Schauspielerinnen, die in der Rangliste der wichtigen Figuren eines Horrorfilms auf Platz zwei kamen. Wichtig vor allem: sie mussten hübsch sein. Und im Tonfilm kam dann noch ein Aspekt hinzu: sie mussten ordentlichen schreien können. Und eine Schauspielerin, die sowohl außerordentlich hübsch war und dazu noch außerordentlich schreien konnte, war Fay Wray (1907 – 2004).

Horrorfilmmarketing der 30er Jahre

Um das Publikum zahlreich in die Kinosäle zu locken, entwickelten die Studios damals fantasiereiche Konzepte, die von Anfang an vermitteln sollten, wie gruselig der Streifen ist, der gerade im Kino lief. So wurde z.B. ein Krankenwagen vor dem Eingang geparkt, mit dem Hinweis, dass Zuschauer, die während des Films in Ohnmacht fallen, schnell in die nächste Klinik gebracht werden können. Eine ähnliche Strategie beinhaltete vermeintliche Krankenschwestern, die im Foyer warteten, um, wie es auf den Plakaten hieß, den Leuten, die durch den Film psychische oder körperliche Probleme davontragen würden, erste Hilfe zu leisten. Ein weiterer beliebter Einfall der Studios war die Aushändigung eines Gutscheins für eine kostenlose Beerdigung, falls man vor Schreck während des Films sterben sollte.

All dies sollte, wie oben bereits bemerkt, die Zuschauer auf ein wahrhaft unheimliches Filmerlebnis einstimmen. Doch war das noch nicht alles. Denn die Leute der Marketingabteilungen engagierten Frauen (sog. Scream Girls), die sich in die Kinosäle setzten und bei bestimmten Szenen laut kreischen sollten. – Der berühmte Trash- und Horrorfilmproduzent William Castle sollte diese Konzepte vor allem in den 50er Jahren weiterentwickeln. Hierbei liefert der Film Matineé, der lose auf der Biographie Castles beruht, einen witzigen Einblick in die damalige Kinowelt.

Fay Wray

Kurz und gut, in dieser Phase wurde Fay Wray zum Star – zum ersten weiblichen Horrorfilmstar. Während ihre Kolleginnen – ähnlich wie heute – das Mitwirken in einem Horrorfilm als eine Art Sprungbrett für eine spätere Karriere betrachteten, so spielte Wray eine Zeit lang hauptsächlich in Horrorfilmen mit. Und wer jetzt noch immer nicht weiß, wer diese Dame war, der wird bestimmt hellhörig, wenn ich den Titel King Kong erwähne.

Fay Wray (1930), wenige Jahre vor ihrem Ruhm als Scream Queen

Geboren am 15. September 1907, spielte sie in den 20er Jahren vor allem Nebenrollen in Western und Dramen, wobei sie jedoch – trotz ihrer Attraktivität – kaum auffiel. Erst Regisseur Erich von Strohheim engagierte sie für die Hauptrolle in seinem Film Der Hochzeitsmarsch (1928). Die Etablierung als Star jedoch scheiterte. Doch dann machte sie die Rolle der Tochter des verrückten Wissenschaftlers Xavier in Doctor X  schlagartig bekannt. Durch die darin häufig vorkommenden Scream Scenes wurde ihr die Bezeichnung Scream Queen verliehen. Was folgte, waren eine Reihe weiterer Horrorfilme, in denen Fay Wray mitwirkte und durch welche sie zu einer Ikone des Horrorfilmgenres wurde.

Fay Wray gehörte zu den Intellektuellen Hollywoods und war bekannt mit diversen bekannten Schriftstellern und Künstlern. Zusammen mit dem berühmten Autor Sinclair Lewis verfasste sie das Theaterstück Angela is Twenty-Two, das 1935 uraufgeführt wurde. Doch was waren das für Filme, in denen sie mitwirkte?

Doctor X

Begonnen hatte alles ein Jahr vor dem Erscheinen des Monsteraffen, genauer gesagt im Jahr 1932, mit dem ersten Kannibalenfilm der Filmgeschichte. Bei der Diskussion über Kannibalismus im Horrorfilm wird gerne übersehen, dass dieses Phänomen nicht erst seit den 70er und 80er Jahren auf der Leinwand in Erscheinung tritt, sondern bereits Anfang der 30er Jahre eine kleine, aber feine Zuwendung erfuhr. Gemeint ist der Klassiker Doctor X.

Michael Curtiz, der später mit Casablanca Weltruhm erlangen sollte, führte bei diesem exzellenten Film Regie. Die Handlung dreht sich um eine Reihe seltsamer Frauenmorde, die jeweils bei Vollmond begangen werden. Der Reporter Lee Taylor möchte hinter das Geheimnis des Mörders kommen, der den Wunden zufolge, welche die Opfer aufweisen, einen Hang zum Kannibalismus aufweist. Die Spur führt in ein Forschungsinstitut, das von einem gewissen Dr. Xavier geleitet wird. Das Besondere daran, er und seine Mitarbeiter beschäftigen sich mit der Erforschung des Kannibalismus. Hierbei tritt vor allem Dr. Wells in den Focus, der eine Methode entwickelt hat, um Fleisch künstlich herzustellen. Eine weitere Eigenart der Institutsmitarbeiter ist, dass alle nach einem Schiffsunglück gemeinsam auf einem Boot umher getrieben sein sollen, wobei das Gerücht kursiert, sie hätten dabei einen ihrer Kameraden verspeist.

Der unheimliche Mörder geht um; „Doctor X“ (1932); © Universal

Doctor X gehört zu den ersten Farbfilmen jener Zeit und war an den damaligen Kinokassen ein großer Erfolg. Einer der Höhepunkte des Films, in welchem Dr. Xavier mithilfe einer neuartigen Apparatur den wahren Mörder ausfindig machen möchte, ist in Form eines Bühnenspiels gehalten. Michael Curtiz gelang ein schneller, witziger und überaus spannender Film, der später auch im Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show Erwähnung fand. Für Curtiz geht es in dem Film ganz klar darum, den Zuschauer zu erschrecken, auch wenn auf einer zweiten Ebene die Thematik dazu dient, das selbstsüchtige Verhalten von Wissenschaftlern zu kritisieren.

Joan Xavier (Fay Wray) wird von dem Mörder heimgesucht; „Doctor X“ (1932); © Universal

Im Gegensatz zu heutigen Produktionen geht er zwar nicht ans Eingemachte, dafür aber gelingt es ihm, schön-schaurige Bilder zu entwerfen, die es in sich haben. So u. a. die Szene, in welcher der Mörder sein Gesicht mit künstlichem Fleisch beschmiert. Überhaupt kann die Idee eines kannibalisch veranlagten Serienmörders im Hollywood-Kino der 30er Jahre als außergewöhnlich eingestuft werden. Die Thematik erscheint im Vergleich zu den damaligen Horrorfilmen geradezu provokativ. Dennoch beurteilte die Kritik den Streifen wohlmeinend. Mittlerweile zählt Doctor X zu den besten Horrorfilmen, die jemals gedreht wurden.

Und nicht unerwähnt bleiben darf natürlich Fay Wray, die darin Joan Xavier spielt, die Tochter des Forschers Dr. Xavier, die zusammen mit dem eher trotteligen Journalisten versucht, hinter das Geheimnis der Morde zu kommen. Interessant ist, dass es sich bei der Figur nicht um eine Frau handelt, die ständig von einem Mann gerettet werden muss, sondern um eine durchaus emanzipierte Frau, über die zwar ihr Vater „herrscht“, die aber versucht, von dessen Einfluss loszukommen. Mit dieser Rolle symbolisiert sie den Konflikt zwischen Emanzipation und Patriarchat in einer Zeit, in der durch die Frauenbewegung mehr und mehr Frauen Bürojobs übernahmen – es war das Erscheinen der sog. Office Girls, die (zumindest bis zu ihrer Heirat) einer regulären Arbeit nachgingen und dabei versuchten, ein eigenes Leben auf die Beine zu stellen.

The most dangerous Game/Graf Zaroff – Genie des Bösen (1932)

Der riesige Erfolg von Doctor X führte natürlich zu weiteren Horrorfilmen ähnlicher Machart. Noch im selben Jahr wurde der Film The most dangerous Game produziert, in dem es eine Gruppe Schiffbrüchiger auf eine einsame Insel verschlägt, auf der ein psychopathisch veranlagter Graf residiert, der Jagden veranstaltet, bei denen nicht Tiere, sondern Menschen das Ziel sind.

Wiederum war Fay Wray mit von der Partie, die darin Eve spielt, die es zusammen mit ihrem Bruder Robert auf die Insel verschlagen hat. Gedreht wurde der Film in Farbe, was damals ein Mann namens Ray Harrishausen übernahm, der in den 50er Jahren als Special Effect-Künstler Filmgeschichte schreiben sollte.

Der Schriftsteller Bob Rainsford (Joel McCrea) und Eve Trowbridge (Fay Wray) auf der Flucht; „The most dangerous Game“ (1932); © Universal

Die Rolle der Eve ist weniger emanzipiert als die der Joan aus Doctor X, doch geht es auch weniger um die Figuren als um die Darstellung des krankhaften Hobbys des Grafen in all seinen Facetten. So sieht man in einer Szene die Köpfe der bisher bei der Jagd „erlegten“ Menschen wie Trophäen arrangiert. Das Spiel wird dermaßen erbarmungslos umgesetzt, dass es einem auch heute noch kalt über den Rücken läuft.

The most dangerous Game, der in Deutschland unter dem Titel Graf Zaroff – Genie des Bösen lief, gilt bis heute als ein wegweisender Film, der einige spätere filmische wie literarische Werke beeinflusst hat (Running Man wäre ein solcher Fall) und mehrfach neu verfilmt wurde.

Wer an Insel und Dschungel denkt, denkt zugleich an King Kong. Und in der Tat, der Film wurde parallel zu The most dangerous Game gedreht, wobei Teile der Kulissen wieder verwendet wurden.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts (1933)

Noch vor dem Riesenaffen kam ein weiterer Horrorklassiker in die Kinos: Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts. Auch dieser Film wurde in Farbe gedreht, doch aufgrund einer falschen Handhabe während der Restaurierung gingen die Farben beinahe vollständig verloren. Der Film galt als verschollen, wurde dann aber Ende der 60er Jahre im Haus eines Produzenten entdeckt. Zum Glück, denn dieser Horrorfilm gehört ebenfalls zu den besten, die jemals gedreht wurden.

In diesem Film spielte Fay Wray Charlotte Duncan, die Freundin einer Reporterin, die zusammen in eine Wohnung leben. Ihre Freundin geht einer Reihe sonderbarer Morde nach (Doctor X lässt grüßen), die angeblich im Zusammenhang mit einem ominösen Wachsfigurenmuseum stehen sollen. Als Charlotte das Museum besucht, ist der Besitzer Ivan Igor von ihrer Erscheinung so fasziniert, dass er sie als Vorbild für sein Meisterwerk, der Figur von Marie Antoinette, nimmt. Mit unangenehmen Folgen …

Fay Wray als Charlotte Duncan in einer ihrer berühmten Scream Scenes; „The Mystery of the Wax Museum“ (1933); © Universal

Im Remake aus dem Jahr 1953 spielte Vince Price den Besitzer des Wachsfigurenkabinetts – in Farbe und in 3D, um die Zuschauer von ihren TV-Geräten zurück in die Kinosäle zu locken, die damals starke Rückgänge bei den Besucherzahlen zu vermelden hatten. 1933 besaß das Kino noch das Monopol auf die bewegten Bilder und so strömten die Besucher auch in diesen Film, was ihn letztendlich zu einem weiteren Kassenschlager werden ließ.

Das Geheimnis des Wachsfigurenkabinetts ist ein schneller, spannender Film, voller witziger Dialoge und vieler unheimlicher Momente, der bis heute nichts von seinem großartigen Unterhaltungswert verloren hat. Dem Remake von 1953 folgten zwei weitere Neuverfilmungen aus den 90er Jahren und aus den 00ern, die jedoch nicht einmal ansatzweise an die Großartigkeit des Originals oder dessen genialen Remake aus den 50ern herankommen.

King Kong (1933)

Dieser Film war sowohl Höhepunkt als auch Endpunkt von Fay Wrays Horrorfilmkarriere und ihrer Karriere als Scream Queen. Es ist offensichtlich, dass Wray ihre Darstellung in dem Klassiker der Monsterfilme nicht mehr hätte toppen können. Einzigartig und bis heute unerreicht spielt sie Ann Darrow, ein Opfer der Weltwirtschaftskrise, die durch Zufall einem Filmregisseur begegnet, der in ihr die ideale Besetzung für dessen Meiserstück sein soll: ein Film mit einem echten Ungeheuer.

King Kong wurde schlagartig zum erfolgreichsten Film der 30er Jahre. Trotz der langen Produktionszeit, die 670.000 Dollar verschlang (damals eine unvorstellbar hohe Summe für eine Produktion) und trotz Wirtschaftskrise, spielte der Film bereits in der ersten Woche mehr als 100.000 Dollar ein (ein Ticket kostete damals 15 Cent!). Also auch in finanzieller Hinsicht war King Kong einfach riesig.

Allerdings fiel die Geschichte um den Monsteraffen gleich nach den ersten Wochen der Zensur zum Opfer. Die Zensoren betrachteten den Film als zu brutal und freizügig. Immerhin gab es Nahaufnahmen, in denen man sah, wie King Kong mit seinen Füßen Eingeborene zertrampelte, wie die getöteten Dinos bluteten und wie King Kong in einer Szene beginnt, Fay Wray zu entkleiden – die Szenen mit Fay Wray in zerrissenem Kleid und Spitzen-BH könnten genauso gut aus unserer Zeit stammen. Somit mussten die Trampel- und Ausziehszene geschnitten werden. Der übrige Film wurde zugleich nachgedunkelt, um das viele Blut nicht so deutlich sehen zu können.

Ich glaube, das ist der Beginn einer langen Freundschaft 🙂 . – Fay Wray als Ann Darrow in einer der vielen berühmten Szenen des Films; „King Kong“ (1933); © Universal

Von da an lief King Kong in einer gekürzten Version in den Kinos. Erst während der Restauration des Films wurden die geschnittenen Szenen wieder eingefügt und die Nachdunklung aufgehoben. Anscheinend enthielt die ursprüngliche Version eine Szene, in welcher die Helden in eine Höhle fallen, in der sie von Riesenspinnen angegriffen werden. Diese Szene gilt heute als verschollen. Nur noch ein einziges Szenenfoto beweist, dass diese Szene tatsächlich gedreht worden war. Cooper entschied sich später jedoch dafür, die Szenen herauszunehmen, da er befürchtete, dass der Film aufgrund der aufwendigen Special Effects zu sehr daran gemessen werden würde. In Peter Jacksons Remake aus dem Jahr 2005 wird auf diese Szene jedoch wieder Bezug genommen, wenn die Protagonisten von einer endlos erscheinenden Schar Riesenspinnen attackiert werden.

King Kong war keineswegs der erste Dino-Action-Film der Filmgeschichte. Diese Ehre kommt dem Stummfilm The lost World zugute, einer Adaption des gleichnamigen Romans von Arthur Conan Doyle aus dem Jahr 1925. Dasselbe Special-Effect-Team sollte acht Jahre später den Ungeheuern in Coopers Film Leben einhauchen, was dazu führte, dass King Kong um ein paar tausend Dollar günstiger wurde als The lost World, da man die Dinofiguren aus dem Stummfilm nochmals verwertete.

Durch King Kong wurde Fay Wray endgültig zur Ikone des Horrorfilms. Ihre Bezeichnung als Scream Queen macht der Film in einem witzigen Selbstbezug alle Ehre, indem der Regisseur an Bord der Schiffes mit  ihr den richtigen Schrei übt.

Und danach?

Fay Wray selbst spielte danach nicht mehr in Horrorfilmen mit, sondern verlegte sich auf Komödien, bevor sie ab Mitte der 50er Jahre in verschiedenen TV-Produktionen mitspielte. Ihr Vermächtnis bleibt in Form des Begriffs Scream Queen weiterhin bestehen, mit dem immer wieder kreischende Horrorfilm-Darstellerinnen gekürt werden. Eine der bekanntesten ist Jamie Lee Curtis, die seit ihrem Debut in Halloween (1978) bis Ende der 90er Jahre immer wieder in Horrorfilmen zu sehen war. Nachdem sich Fay Wray Ende der 60er komplett ins Privatleben zurückgezogen hatte, wollte Peter Jackson sie nochmals für eine kleine Rolle in seinem King Kong-Remake engagieren. Doch Fay Wray starb kurz davor am 8. August 2004 im Alter von 97 Jahren.

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Anspruchsvolle SF-Filme sind eher ein seltenes Vergnügen. Um so schöner ist es, wenn sich einmal wieder ein junger Regisseur daran wagt, eine Geschichte zu kreieren, die abseits des Mainstreams angesiedelt ist. Mit seinem Debüt „Eden Log“ liefert Franck Vestiel ein düsteres Zukunftsszenario, das durchaus mit der Ästhetik des französischen Comickünstlers Bilal zu vergleichen ist.

Der Film handelt von Tolbiac, der durch ein seltsames Höhlensystem kriecht. Hier und da gibt es alte, rostige Aufzüge. In verlassenen Kontrollstationen taucht immer wieder der Name Eden Log auf. Tolbiac versucht herauszufinden, was überhaupt geschehen ist und weswegen er sich in diesem unterirdischen System befindet. Dabei wird er von unheimlichen, halbmenschlichen Kreaturen gejagt, genauso wie von Wachpersonal, das nur in schweren Schutzanzügen das unterirdische Labyrinth betrtt …

Mit Sicherheit ist „Eden Log“ keine leichte Kost, sondern verlangt von dem Zuschauer große Aufmerksamkeit. Insgesamt geht der Film zum großen Teil nur in Bildern auf, indem Vestiel versucht, Dialoge soweit wie möglich zu vermeiden. Dies hat zur Folge, dass er sich voll und ganz auf die Visualisierung der Geschichte konzentriert und diese voll ausreizt.

Wie bei einem Puzzle setzen sich nach und nach die einzelnen Teile zusammen, um schließlich am Ende des Films Vestiels bizarre und erschreckende Vision als Ganzes darzustellen. Die Beleuchtung der einzelnen Szenen ist stark reduziert, so dass dadurch zugleich das Geheimnisvolle und Rätselhafte in einer beinahe klaustrophobischen Dunkelheit zum Tragen kommt.

Vestiel setzte dabei noch eines drauf, indem er eine radikale Farbreduktion durchführte, die den gesamten Film in einer Art metallisch anmutendem Schwarzweiß erscheinen lässt. Das dabei erzeugte extreme Spiel zwischen Licht und Schatten gibt dem Film den Anschein eines Comics, ja, einzelne Bilder erscheinen wie die Eins-zu-eins-Umsetzung einer sog. Graphic Novel. All dies macht „Eden Log“ zu einem sehr dichten und extrem beklemmenden SF-Film, der einem nicht so schnell aus dem Kopf geht.

Eden Log, Regie: Franck Vestiel, Drehbuch: Franck Vestiel, Pierre Boridage, Produktion: Cedric Jimenez, Darsteller: Clovis Cornilliac, Vimala Pons, Zohar Wexler, Sifan Shao, Arben Bajraktaraj, Abdelkader Dahou, Frankreich 2007, 98 Min.

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