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Archive for Februar 2016

ghostintheinvisiblebikiniMit Trash der 60er beginnen wir hier auf FILM und BUCH eine neue Reihe. Wie der Titel bereits sagt, beschäftigen wir uns darin mit B-Picture der 60er Jahre. Da die Reihe „Trash der 50er“ immer noch auf großes Interesse stößt, hoffen wir, dass ihr auch an der neuen Reihe viel Spaß habt.

Den Anfang macht die Gruselkomödie „Ghost in the invisible Bikini“, der 1966 produziert wurde und aus dem Hause Nicholson/Arkoff stammt. Das heißt, es handelt sich hierbei um einen weiteren Film der Produktionsfirma American International Pictures, die vor allem in den 60er Jahren mit den englischen Hammer Films konkurrierte. In Deutschland lief der Film damals unter dem unglücklichen Titel „Erbschaft um Mitternacht“. Unglücklich deshalb, da es einen Krimi aus den 30er Jahren mit demselben Titel gibt.

1963 riefen die beiden Produzenten James H. Nicholson und Samuel Z. Arkoff die „Beach Party“-Reihe ins Leben, von denen die wenigsten aber tatsächlich auch an einem Strand spielen. Es handelte sich dabei lediglich um rasante Komödien, die in der Hauptsache die damalige Jugendkultur widerspiegelten. So kommt auch in „Ghost in the invisible Bikini“ kein einziger Strand vor, ja der Film spielt nicht einmal am Meer, geschweige denn in der Nähe eines Meeres.

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Cecily (Susan Hart) kurz vor ihrer nächsten Aktion; „Ghost in the invisible Bikini“ (1966); Copyright: MGM.

Es geht um ein altes Haus, dessen Besitzer Hiram Stokley vor einer Woche gestorben ist. Eines Tages treffen sich seine Erben in dem verlassenen Gebäude, um dort das Testament zu eröffnen. Hiram hat eine Menge Geld hinterlassen, doch dummerweise weiß niemand, wo sich das Geld befindet. Nur eines ist sicher, der alte Mann hat es irgendwo in dem Haus versteckt. Doch auch Hirams Anwalt Reginald Ripper (gespielt von Basil Rathbone) und dessen Gehilfe sind hinter dem Geld her. Am selben Tag, an dem die Erben das Haus betreten, kommt auch Hirams Neffe Bobby zusammen mit seinen Beach Party-Freunden zu dem alten Gebäude, um dort am Pool eine Party zu veranstalten. Damit ist die Besucherliste keineswegs zu ende. Denn der Anwalt hat auch Eric van Zipper und seine Rat Pack Bikers dazu animiert, in dem Haus nach dem Geld zu suchen, genauso wie einen Indianer und eine Frau, die mit ihrem Gorilla Monstro von Ort zu Ort fahren.

Ihr seht, die Handlung hat jede Menge schrulliger Figuren. Nicht weniger schrullig ist der gesamte Film. Von Anfang an legt er ein rasantes Tempo vor, das er bis zum Schluss durchhält. Es gibt keinen einzigen Durchhänger, ein Gag folgt auf den anderen, und wenn es keine Witze hagelt, dann kommt es zu Verfolgungsjagden durch das Gebäude und diversen rockigen Gesangseinlagen, unter anderem mit Nancy Sinatra.

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Anwalt Ripper wird erschreckt; „Ghost in the invisible Bikini“ (1966), Copyright: MGM.

Wieso Nicholson und Arkoff mit der Endfassung des Films nicht zufrieden waren, ist und bleibt ein Rätsel. Anscheinend, da es sich ja um eine Gruselkomödie handelt, fehlte ihnen etwas. So engagierten sie Boris Karloff, der in den 60er Jahren immer wieder mit AIP zusammenarbeitete, für eine Rahmenhandlung. Karloff spielt den verstorbenen Hiram Stokley, der erst in den Himmel kann, wenn das Geld von den richtigen Erben gefunden wurde. Bis dahin sitzt er in der Familiengruft und hofft auf das Beste. Ihm zur Seite steht seine Freundin Cecily, die, mit einem unsichtbaren Bikini bekleidet, Hirams Erben bei der Suche nach dem Geld indirekt unterstützt. Unsichtbar bedeutet hier nicht, dass Schauspielerin Susan Hart völlig nackt auftritt. Vielmehr kann man an den jeweiligen Stellen durch sie hindurchsehen.

Nun, der Film hätte auch hervorragend ohne diese Rahmenhandlung funktioniert. Auch der Bikini-Geist ist im Grunde genommen überflüssig. Celily wurde übrigens von James Nicholsons Frau gespielt, um dadurch die zusätzlichen Kosten niedrig zu halten. Dem Erfolg machte die hinzugefügte Handlung jedoch keinen Strich durch die Rechnung. Wie eigentlich bei allen anderen Filmen von Nicholson/Arkoff, spielte er beinahe das Dreifache der Kosten ein.  Leider aber wurde er bisher in Deutschland nicht auf DVD veröffentlicht.

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Szene aus dem Video „Dr. Feel Good“; Coypright: DR Music.

Die Girl Group RaNia wurde 2011 als ein koreanisch-US-amerikanisches Projekt gegründet. Die koreanische Produktionsfirma DR Music ging dabei eine Kooperation mit dem amerikanischen Produzenten und Komponisten Teddy Riley ein, der u. a. auch mit Michael Jackson zusammengearbeit hat. Die Gruppe sollte folglich sowohl auf dem koreanischen als auch auf dem US-amerikanischen Markt Fuß fassen. Letztendlich wurde aus dem US-Plan nichts, die Vermarktung von RaNia blieb auf Südkorea beschränkt.

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Danceshot aus „Dr. Feel Good“. Copyright: DR Music.

Für Tedd Riley bedeutete dies, dass er aus dem Projekt wieder aussteigen wollte, vor allem auch deshalb, da der erwartete Erfolg nicht eintraf. Dieser Hintergrund erklärt, weswegen das erste Video der Gruppe sowohl in einer koreanischen als auch in einer englischen Version vorhanden ist. Der Titel des Songs lautete „Dr. Feel Good“ und löste in Südkorea einen Skandal aus. Das ungekürzte Video erhielt ein Aufführungsverbot und musste daher von DR Music um wenige Sekunden gekürzt werden, manche Szenen mussten mit neuen Kostümen nachgefilmt werden.

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Danceshot aus „Dr. Feel Good“; Copyright: DR Music.

Der Grund: In dem Clip wird zweimal eine Totale der Leistengegend der Leadsängerin gezeigt. Das war Südkoreas Erziehungsministerium zu viel. Auch die Lack und Leder-Kostüme waren den Beamten ein wenig zu anrüchig, weswegen Manches neu gedreht werden musste. Von der Musik her erinnert „Dr. Feel Good“ irgendwie an den Stil  der Eurythmics. Das Alles wäre weniger interessant, wenn nicht die Gruppe RaNia durch dieses Konzept die Entwicklung des K-Pop drastisch verändert hätte. Man kann sagen, dass das Konzept, das DR Music vorlegte, zugleich der Startschuß für die nachfolgende Erotisierung koreanischer Girl Groups darstellte. Hielt sich davor alles in kitschig-bonbonfarbenen Grenzen, wurde ab da eine Art Sexualisierungs-Wettbewerb zwischen den einzelnen Produktionsfirmen losgetreten, jeder wollte das Konzept vorlegen, das in Sachen Erotik alle vorangegangenen Konzepte in den Schatten stellte.

Die Folge davon war, dass das koreanische Erziehungsministerium strengere Altersfreigaben für Videoclips erarbeitete, die zu einer Verunsicherung unter den Produzenten führte. Somit gab es auf einmal eine Phase, welche eine Quasi-Rückkehr zum althergebrachten K-Pop einläutete, die allerdings nur von kurzer Dauer war. Denn statt sich vor dem Ministerium zu ducken, begannen die Produzenten, die Strenge der neuen Regelungen auszutesten und nahmen dabei auch Altersfreigaben „ab 19“ (nur für Erwachsene) in Kauf.

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RaNia beim Stöckeschwingen: Danceshot aus „Pop Pop Pop“; Copyright: DR Music.

Diese Entwicklung tat RaNia nicht gerade gut. Das Konzept war klar als Provokation ausgelegt, doch musste DR Music die Notbremse ziehen. Gleich das Nachfolgevideo „Pop Pop Pop“ beschränkte sich auf einzelne Danceshots, niemand räkelte sich mehr lüstern auf dem Boden. DR Music wollte daraufhin zu dem eigentlichen Erotikkonzept mit dem Song „Killer“ zurückkehren, doch da genau in dieser Planungsphase die strengeren Altersfreigaben eintraten, entschied man sich für ein eher normales, teils ironisches Konzept mit dem Titel „Style“, in dem sich die Gruppe lustig macht über typisch männliches Verhalten.

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Szene aus „Style“; Copyright: DR Music.

Mit „Just Go“ beschränkte man sich wieder auf Danceshots, ebenso wie in „Push up“, das zugleich RaNia in die „Normalo“-Ecke verfrachtete. Es handelte sich dabei um einen banalen Sommersong, den die Sängerinnen in Bikinis in einem Schwimmbad zum Besten geben. Danach herrschte erst einmal für längere Zeit Funkpause.

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Danceshot aus „Demonstrate“; Copyright: DR Music.

Erst in diesem Jahr kehrte die Gruppe mit dem Song „Demonstrate“ zurück. Drei der Sängerinnen schieden inzwischen aus, dafür kamen zwei neue Mitglieder hinzu. Das Konzept ist wiederum eine Aneinanderreihung verschiedener Danceshots, die genauso austauschbar sind wie der Song. Die Gruppe, die 2011 mit ihrem Debut Koreas Medien aufgewirbelt hat, ist nun einfacher Mainstream. Was jedoch bleibt, ist ein weiterhin existierender Einfluss von „Dr. Feel Good“ auf andere koreanische Musikvideos.

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clownClowns sind so eine Art Randerscheinung im Horrorfilmgenre. Die Filme, in denen es konkret um einen Clown geht, lassen sich beinahe an einer Hand abzählen. Am bekanntesten dürfte hierbei sicherlich die Adaption von Stephen Kings „Es“ sein, in dem Tim Curry die Rolle des Clowns übernahm.

Vergangenes Jahr hat nun auch Eli Roth einen Film zusammen mit den Gebrüdern Weinstein produziert, in dem ein Clown sein Unwesen treibt. Es geht darin um Kent, der seinem Sohn eine Freude zu seinem 10. Geburtstag machen möchte. Denn dieser wünscht sich nichts sehnlicher, als dass ein Clown bei seiner Feier vorbeischaut. Als der eigentliche Clown, der Kents Sohn besuchen soll, absagt, sucht Kent verzweifelt nach einer anderen Lösung. Da findet er auf dem Dachboden ein altes Clownkostüm, das er sich kurzerhand anzieht und damit auf der Party seines Sohns erscheint. Das Problem jedoch ist, dass Kent das Kostüm nicht mehr abbekommt. Zugleich spürt er eine unheimliche Veränderung in sich vorgehen. Denn auf einmal bekommt er Hunger auf Kinder.

Man könnte beinahe sagen, dass der Film die Redewendung „Ich habe dich zum Fressen gern“ wortwörtlich nimmt. Denn Kent ist davor nicht gefeit, auch Appetit auf seinen eigenen Sohn zu entwickeln. Davor aber versucht er alles Mögliche, um seine kannibalische Neigung zu unterdrücken. Natürlich ohne Erfolg. Die Phase, in der sich Kent von einem Immobilienmakler zum Monsterclown entwickelt ist fast schon minutiös dargestellt. Es gibt keine größeren Sprünge in der Handlung, der Zuschauer erlebt quasi kompromisslos mit, wie die unheimlich-makabre Transformation voranschreitet. Diese Erzählweise macht „Clown“ nicht nur spannend, sondern unglaublich dicht. Gewürzt mit klassischen Schockeffekten, sorgt der Film zusätzlich für Spaß. Aber auch der Humor kommt hier keineswegs zu kurz, auch wenn er nicht offensichtlich wirkt, sondern quasi zwischen den Zeilen hervorschimmert. Die Szene, in der Kent im Wartesaal des Krankenhauses sitzt, nachdem er erfolglos versucht hat, das Kostüm auszuziehen, oder als er versucht, sich mithilfe einer selbst konstruierten Sägevorrichtung umzubringen, beherbergen einen leisen Humor, der sicherlich makaber ist, aber aufgrund der gelungenen Machart zum Schmunzeln anregt.

Was die Erklärung für das Kostüm betrifft, so hätte diese nicht unbedingt sein müssen, da sie irgendwie verkrampft wirkt und nicht wirklich ins Konzept passt. Die Story an sich aber wird dadurch kaum beeinträchtigt. Jon Watts gelang im Groben und Ganzen ein kurzweiliger Horrorfilm, der mit guten Schauspielern bespickt ist. Für einen Horrorfilmabend auf jeden Fall geeignet.

Clown, Regie: Jon Watts, Drehbuch: Jon Watts, Christopher Ford, Produktion: Eli Roth, Bob Weinstein, Harvey Weinstein, Darsteller: Laura Allen, Andy Powers, Peter Storemare, USA 2014, Laufzeit: 95 Min.

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yakuzaapocalypseTakashi Miike zählt neben Sion Sono zu den derzeit kreativsten Regisseuren Japans. International wurde Miike durch seinen J-Horror-Beitrag „Audition“ (1999) bekannt. Seine Filme sind nie wirklich einem einzigen Genre zuzuordnen, sondern stets eine Mischung unterschiedlicher Stile.

Mit seiner neuesten Produktion kehrt Miike quasi zu seinen Anfängen zurück, als er einen Film nach dem anderen raus haute und dabei vor allem den Direct to Video-Markt bediente. In der Tat fühlt man sich bei „Yakuza Apocalypse“ ansatzweise an „Full Metal Yakuza“ (1997) erinnert, wobei sich Miike in seinem neuen Film wenig provokativ gibt, wie etwa in seinen früheren Werken, die gelegentlich in manchen Szenen ins Pornografische hinüber gleiten (wie etwa in der bizarren Satire „Vistor Q“ aus dem Jahr 2001). Nein, Miike verhält sich in seinem neuesten Streich relativ brav, präsentiert aber dennoch einen Film, der völlig plemplem ist und wie eine Achterbahnfahrt kurioser Ideen wirkt.

Es geht um einen Yakuza, der von einem anderen Yakuza gebissen wurde und sich daraufhin in einen Vampir verwandelt. Gejagt von einem Priester und dessen Begleiter, einem Kung Fu-Meister, sorgt dies auch bei den übrigen Yakuza-Clans für Aufregung. Schon bald ist die halbe Tokioter Unterwelt auf den Beinen, um gegen den Yakuza-Vampir anzutreten.

Bemerkenswert an Miikes neuem Film ist die Farbgebung, denn wenn man von einem Film behaupten kann, dass er regelrecht bunt ist, dann von diesem. Miike deckt so ziemlich das gesamte Farbspektrum ab, das von düster-schmutzig bis zu grell und bonbonfarben reicht. Hinzu kommt jede Menge Martial Arts-Action, die hier gekonnt in Szene gesetzt ist, und natürlich eine irrwitzige Story, die genauso sinnlos ist wie sie Spaß macht. Miike scheint sich hier an eines seiner früheren Zitate zu erinnern, als er einmal sagte, er drehe Filme so wie er möchte, da sie sich sowieso niemand anschauen würde. Genau dieser Satz trifft auf „Yakuza Apocalypse“ zu, denn Miike gibt sich mal wieder recht eigenwillig, die Produzenten haben ihm zum Glück freie Hand gelassen, und dennoch zeigt er, was für ein genialer Filmemacher er ist.

Gut, mit 120 Minuten ist die Trash-Granate etwas zu lang geraten (90 Minuten hätten dem Film eindeutig besser getan), doch wollte sich Miike anscheinend einmal wieder so richtig austoben, nachdem er sich ja eine zeitlang brav an die Vorgaben der jeweiligen Produzenten gehalten hatte. Wer also einmal wieder ein richtiges Trash-Feuerwerk sehen will, ist bei Miikes neuem Streifen gut aufgehoben.

Yakuza Apocalypse, Regie: Takashi Miike, Drehbuch: Yoshitaka Yamaguchi, Produktion: Yoshiori Chiba, Darsteller: Hayato Ichihara, Yayan Ruhian, Riko Narumi, Japan 2015, Laufzeit: 120 Min.

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gothicplakatDie Geschichte des Romans „Frankenstein“ ist verbunden mit Mary Shelleys Aufenthalt in der Villa Diodati am Genfer See. Dorthin reiste sie zusammen mit ihrem Mann Percy, um Lord Byron zu besuchen, der dort zusammen mit seinem Leibarzt John Polidori wohnte. Die Tage waren jedoch völlig verregnet, sodass sie die Villa kaum verlassen konnten. Die Abende verbrachten sie daher damit, sich gegenseitig deutsche Gespenstergeschichten vorzulesen.

Dieser Sommer des Jahres 1816 gilt als die Geburtsstunde der Horrorliteratur. Polidori dachte sich die Erzählung „Der Vampyr“ aus und schuf mit seiner Figur Lord Ruthvan zugleich den Prototypen des sinnlich-galanten Vampirs, wie er auch heute noch in Filmen und Romanen dargestellt wird. Byrons Vampirgeschichte blieb unvollendet. Mary Shelley dachte in eine ganz andere Richtung. Sie überlegte sich die Geschichte eines künstlich geschaffenen Menschen, dessen Leben so unglücklich verläuft, dass er auf schreckliche Rache sinnt.

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Percy Shelley (Julian Sands), Mary (Natasha Richardson) und Polidori (Timothy Spall) in der Villa Diodati; „Gothic“ (1986), Copyright MGM.

Der britische Regisseur Ken Russell, der bereits davor durch Filme wie „Der Höllentrip“ (1980) oder der Groteske „Lisztomania“ (1975) mit dem Horror- bzw. Phantastikgenre geliebäugelt hatte, verarbeitete eben jene Nacht, in der die Idee zu „Frankenstein“ geboren wurde, 1986 in einen Horrorfilm, der zwar an den Kinokassen floppte, doch später in seiner Zweitverwertung als Videofilm seinen verdienten Erfolg erlangte.

Erzählt wird darin genau die oben geschilderte Handlung. Allerdings würzt Russell diese mit seinem Sinn fürs Bizarre und Schräge. Denn in eben jener Nacht, in der sich die Bewohner der Villa unheimliche Geschichten vorlesen und danach das Spiel des Geschichtenerfindens beginnen, geschehen in und um das Haus herum unheimliche Dinge. Die Angstzustände von Percy, Mary, ihrer Halbschwester Claire und nicht zuletzt von Polidori nehmen immer extremere Formen an. So wird Claire in einer der bekanntesten Szenen des Films von einem Ritter mit Stahlphallus verfolgt. Als Percy in einer späteren Szene auf Claire trifft, lautet ihr berühmt gewordener Satz: „Ich sagte, sieh mir in die Augen“, worauf sie auf ihre Brüste deutet, auf denen zwei Augen Percy entgegen glotzen.

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Percy Shelley (Julian Sands) liest aus dem Gespensterbuch vor; „Gothic“ 1986, Copyright: MGM.

Die Frage, die sich dem Zuschauer dabei stellt, lautet, ob durch das Laudanum, das sich alle vor der Gespensterlektüre genehmigen, bei ihnen Wahnvorstellungen ausgelöst wurden oder ob sich eine tatsächliche unheimliche Macht in das Haus geschlichen hat. Wie dem auch sei, Russell gelingt eine wahre Achterbahnfahrt der Schauerromantik, in welcher der „Sturm und Drang“ nur so gelebt wird und in der immer wieder der ein oder andere Gag auftaucht. Die Schauspieler gehen voll und ganz in ihren Rollen auf und treiben dadurch den Film auf furiose Weise voran. Timothy Spall, der in der Regel nur in Nebenrollen zu sehen ist, glänzt hier in seiner besten Rolle. Auch diverse Zitate aus anderen Horrorfilmen finden sich darin, angefangen von den Poe-Verfilmungen der 60er Jahre bis hin zu Argentos „Suspiria“. Das Großartige des Films ist jedoch, dass es dem Regisseur gelingt, all diese grotesken und unheimlichen Albtraumsequenzen mit der tatsächlichen Historie schnörkellos zu verbinden.

Zwei Jahre nach „Gothic“ wandte sich Ken Russell erneut dem Horrorgenre zu. Dieses Mal mit dem Film „Der Biss der Schlangenfrau“ nach einem Roman von Bram Stoker, der zwar ebenfalls gute Kritiken erntete, aber wie bereits bei „Gothic“ erst als Videoversion auch beim Publikum Beachtung fand.

 

 

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quality tvEU-Kommissar Günther Oettinger hat es auf den Punkt gebracht. In seiner letzten Rede sprach er davon, dass der Schwemme von TV-Serien aus den USA endlich Paroli geboten werden muss, sprich, europäische TV-Sender sollten endlich mehr Geld in ihre Produktionen stecken.

Wie es um unsere europäischen Nachbarn bestellt ist, können wir nicht beurteilen, doch die Kritik trifft auf Deutschland zu hundert Prozent zu. In einer Zeit, in der sich die Qualität von TV-Serien derjenigen von Spielfilmen annähert bzw. so gut wie mit dieser identisch ist, bleiben unsere einheimischen TV-Sender auf ihrem (kaum vorhandenen) Niveau sitzen.

Gegen Hochglanzkrimis, aufwendigen Mystery-Serien oder Fantasyspektakel kommen „Das Traumschiff“ oder „Der Bergdoktor“ nicht an.  Selbst die harmlosen Krimiserien, die vor den jeweiligen Hauptnachrichten des ZDF oder der ARD laufen, sind im Vergleich zu den Produktionen aus den USA einfach nur läppisch.

Einmal mehr zeigt sich, dass Deutschland die Entwicklung völlig verschlafen hat. Die Beamten, die auf das Prinzip des Ewig-Gleichen bestehen, sorgen mit ihrem nicht vorhandenen Engagement dafür, dass die Veränderungen in den TV-Serien nicht Deutschland erreichen. Die damit verbundene Amerikanisierung ist kein neues Phänomen, sondern war eigentlich immer vorhanden, doch gerade in einer Phase, in der das sog. Quality-TV hoch gepriesen wird, sieht es hierzulande düster aus.

Gut, man muss keine aufgestylten, fast schon ins Sterile neigenden Darsteller präsentieren. Es geht auch im Schmuddellook. Aber darum geht es ja gar nicht. Es geht z.B. darum, aus einem langweiligen Popel-Krimi einen spannenden Thriller zu schaffen, der den Zuschauer nicht nur handlungsmäßig, sondern auch optisch vom Hocker haut. Dem ARD-Flaggschiff „Tatort“ gelingt dies nicht. Die Vorabberichte in Radio und Fernsehen über den jeweils neuesten Film wirken bereits völlig verkrampft, so als wüssten die Redakteure, dass man nur noch so tun kann, als habe man es mit Qualität zu tun. Nicht anders verhält es sich dann mit den Kritiken danach, die lobhudeln oder versuchen, eine Bagatelle als Skandalthema zu verkaufen.

Dass sich z.B. ARD oder ZDF einmal zusammenraufen und versuchen würden, ein aufwendiges Historienspektakel als Mehrteiler zu kreieren (wie dies z.B. in Südkorea Gang und Gäbe ist), davon kann man nur träumen. Dass sich beide Sender einmal in die Gefielde des Fantasy- oder Phantastik-Genres verirren sollten, darüber lohnt es sich nicht einmal zu reden, werden doch diese Genres in Deutschland noch immer als trivial empfunden. Und nein, „Der Bergdoktor“ oder „Notruf Hafenkante“ sind ja überhaupt nicht trivial.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Serien, die in Deutschland produziert werden, sind im Grunde genommen vollkommener Murks. Die Storys sind so konzipiert, dass Tante Trude, die sich diesen Mist ansieht, nachher nicht schlaflos im Bett liegt. Es gibt keine Qualität oder besser keine Quality. Und wenn jemand „Das Traumschiff“ als Quality TV bezeichnet, der sollte lieber einen Psychiater aufsuchen.

Deutschland hat den Wandel verschlafen und daran wird sich, trotz Oettingers Mahnung, nichts ändern. Statt Quality TV, werden wir weiterhin von langweiligen, schlecht gemachten TV-Filmen genervt werden. Und sollte sich da doch etwas tun, so kann man nur hoffen, dass dies nicht allein deswegen geschieht, um die Gebühren zu erhöhen.

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whyhorrorEs gibt eine ganze Reihe sehr interessanter Dokus über Horrorfilme. Man denke nur an „American Nightmare“ über den postmodernen Horrorfilm der 70er Jahre oder „Cut into Pieces“, der sich mit der Geschichte des Slasherfilms in den 80er Jahren befasst. Nun hat der in den USA und Kanada bekannte Essayist und Horrorfan Tal Zimerman sich auf die Suche nach einer grundlgegenden Antwort auf die Frage gemacht, wieso mögen Horrorfans eigentlich Horrorfilme?

Liebhaber von Horrorfilmen werden in der Regel schief angesehen und als äußerst suspekt betrachtet. In der ZDF-Doku „Mama, Papa, Zombie“ aus den 80er Jahren werden Horrorfans im gewissen Sinne als asozial eingestuft. Ein Fan von Horrorfilmen stößt also in aller erster Linie in der Gesellschaft auf Unverständnis für seine Liebhaberei.

Tal Zimerman ist seit seiner Kinderheit von Horrorfilmen begeistert. Da außer ihm in seiner Familie niemand seine Leidenschaft teilt, stellt er sich die Frage, wie es dazu kam, dass er Horrorfilme so sehr mag. Während die beiden oben genannten Dokus das Phänomen Horrorfilm eher kulturhistorisch angehen, geht Zimerman noch einen Schritt weiter. Er lässt nicht nur Kulturwissenschaftler und Regisseure zu Wort kommen. Er unterzieht sich auch neurologischen Tests, um zu untersuchen, ob sein Gehirn auf bestimmte Reize anders reagiert als z.B. bei seiner Mutter, die Horrorfilme nicht mag.

Da das Phänomen Horrorfilm kulturübergreifend ist, spricht Zimerman nicht nur mit amerikanischen Regisseuren und Wissenschaftlern, sondern  auch mit Experten aus Spanien, Südamerika und Japan. Die Interviews, die er führt, und die Ergebnisse, die er sammelt, sind ungeheuer faszinierend. Vor allem beeindruckt die Vielzahl an unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven, durch die er versucht, eine Antwort auf seine Frage zu erhalten.

Dabei ist die Doku keineswegs langatmig oder trocken. Ganz im Gegenteil, Tal Zimeran verbindet spannende Informationen mit viel Witz und Humor. All dies macht „Why Horror?“ zu einer der besten Dokumentationen über den Horrorfilm.

Anmerkung: In Deutschland sollte die Doku eigentlich Anfang März erscheinen. Aufgrund technischer Probleme in der Produktion, wird der Film allerdings erst im Herbst veröffentlicht.

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