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Posts Tagged ‘Thriller’

Mit der Ermittlerin Reiko Himekawa schuf der Thrillerautor Tetsuya Honda eine der erfolgreichsten Krimiserien in Japan. Fünf Romane sind bisher erschienen, einer davon wurde für das Kino adaptiert und sogar eine TV-Serie wurde nach der Vorlage Hondas produziert. Ins Englische bzw. ins Deutsche wurden bisher leider nur die beiden ersten Romane übersetzt.

Gleich in ihrem ersten Fall geht es für Reiko Himekawa ans Eingemachte. Nicht nur muss sie sich gegenüber ihren männlichen Kollegen behaupten, sondern auch noch den Neid der anderen ertragen, da sie es als Frau mit nur 28 Jahren bereits zur Kriminalpolizei geschafft hat. Doch ist dies nur der Rahmen, denn eigentich geht es um eine überaus grausame Mordserie. Verstümmelte Leichen werden gefunden, eingewickelt in blaue Planen. Nach und nach kommen Reiko und ihr Team einem unheimlichen Mörder auf die Spur.

Der Roman ist durchaus spannend, vor allem aber sehr unterhaltsam. Die dichte Handlung schreitet schnell voran, Hondas hervorragende Recherche über den Polizeialltag würzen das Ganze auch mit einem gewissen Realismus. Hinzu kommen ein paar typische japanische Gags. Doch hapert es dann doch ein wenig an den Figuren. Denn der Autor zeigt diese gerne in einem völlig überdrehten Zustand.

Dies macht sich in negativer Weise vor allem bei Reikos Gegenspieler Katsumata bemerkbar, der aufgrund seines einseitigen und überaus aggressiven und hasserfüllten Charakters wie eine Mangafigur wirkt. Erst am Ende erhält Katsumata eine interessante Vielschichtigkeit, doch da ist eben der Roman aus und Hondas Bemühung bringt nicht mehr viel.

Reiko selbst ist eine von Selbstzweifeln beherrschte Frau, die versucht, ihre Vergangenheit zu bewältigen, was ihr allerdings überaus schwer fällt. Bei ihrem Team ist sie zwar sehr beliebt, doch alle anderen stehen ihr eher abneigend gegenüber. Obwohl es Honda ganz klar um Emanzipation innerhalb eines von strengen Traditionen bestimmten Patriarchats geht, so bleibt der Autor dann doch eher skizzenhaft, wenn er sich in manchen Situationen mit diesem Thema direkt beschäftigt. Viel eher stützt er sich auf Wiederholungen, indem immer wieder betont wird, dass Reiko mit 28 Jahren das geschafft hat, wovon ihre männlichen Kollegen nur träumen.

Der Fall selbst entwickelt sich wie in einem typischen Polizeikrimi. In dieser Hinsicht erfindet Honda das Rad wirklich nicht neu. Trotzdem macht es Spaß, der Handlung zu folgen. Was jedoch stört, sind die teils willkürlich wirkenden Figurenwechsel. Folgt der Leser zunächst Reiko, so wird wie aus heiterem Himmel zu ihrem Kollegen Otsuka oder ihrem Gegenspieler Katsumata „umgeschnitten“, beinahe so, als habe Honda bei bestimmten Situationen erst einmal nicht weiter gewusst. Im Laufe des Romans aber findet Honda einen passenden Rhythmus, sodass die späteren Wechsel einer gewissen Handlungslogik folgen.

Leider wurde der Roman nicht aus dem Japanischen übersetzt, sondern die englischsprachige Übersetzung quasi nochmals übersetzt, was Verlage dann gerne machen, wenn sie Zeit und Geld sparen wollen. Doch auf diese Weise schleichen sich dann auch peinliche Fehler ein. So z.B., wenn die Polizisten ihre Vorgesetzten mit Sir ansprechen. Man kann nur hoffen, dass sich dies bei den nächsten Romanen ändert und diese aus dem Japanischen direkt übersetzt werden – doch wird es wohl eher bei der Hoffnung bleiben. Insgesamt aber ist Hondas erster Roman „Blutroter Tod“ kurzweilige Krimikost, die aufgrund ihres Unterhaltungswerts Lust macht auf den zweiten Roman.

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Nach dem Erfolg von „Die Frau in Schwarz“ hatte man gehofft, dass Hammer Films wieder zu ihrem ursprünglichen Stil zurückgefunden haben. Doch konnten die folgenden Produktionen nicht mehr an die klassische Machart und die schaurig-schöne Eleganz heranreichen. So versuchte nun die Produktionsfirma Number 9 Films, diesem Stil wieder gerecht zu werden. Und dies mit Bravour.

Der Film spielt im Jahr 1880 und handelt von Inspector John Kildare, der einen brutalen Mörder dingfest machen soll, der in dem Londoner Stadtteil Limehouse sein Unwesen treibt. Unter den Bewohnern wird der unheimliche Mörder als der Limehouse Golem bezeichnet. Wie es scheint, wählt er seine Opfer willkürlich aus und hinterlässt an den Tatorten rätselhafte Botschaften. Der Fall erweist sich als überaus verstrickt. Es gibt mehrere Verdächtige, unter ihnen die Sängerin Elizabeth Cree, die ihren Mann vergiftet hat. Mehr und mehr steigert sich Kildare in den Fall hinein …

Regisseur Juan Carlos Medina schuf mit „The Limehouse Golem“ – seinem zweiten Spielfilm – einen stark atmosphärischen Horrorthriller, der sich an den klassischen englischen Horrorfilmen wie etwa die späte Hammer-Produktion „Hands of the Ripper“ (1971) orientiert. Als Grundlage diente der Roman „The Limehouse Golem“ des englischen Schriftstellers Peter Ackroyd aus dem Jahr 1994.

Interessanterweise war es ausgerechnet Jane Goldman, die das Drehbuch für „The Limehouse Golem“ verfasst hat, hatte sie doch auch das Drehbuch für „Die Frau in Schwarz“ geschrieben und dadurch Hammer Films in gewissem Sinne reanimiert. Es wirkt daher beinahe so, als hätten Hammer kein Interesse an diesem Stoff gezeigt. Dabei hätte er so gut in das Portfolio von Hammer gepasst. Dies schon allein wegen der wunderbaren Ausstattung, die der Film aufweist.

Er schwelgt beinahe in seinen Kulissen, die das England des 19. Jahrhunderts wieder auferstehen lassen, gibt sich zudem ziemlich düster und lässt auch hin und wieder seine Anerkennung gegenüber Horrorfilmmeister Mario Bava hindurchschimmern, besonders dann, wenn es um die Beleuchtung und die Farbgebung geht.

Die Story selbst ist intelligent erzählt, lässt den Zuschauer mitraten, wer denn nun der Mörder ist, und sorgt am Ende auch noch für eine regelrechte Überraschung. Somit kombiniert der Film das typische „Who’s done it?“ mit den Merkmalen des englischen Horrorkinos der 60er und 70er Jahre, was, aufgrund der sorgfältigen Produktion, überaus gut gelingt.

„The Limehouse Golem“ bietet auf diese Weise eine schön-schaurige Unterhaltung, die vor allem Fans der Hammer Film-Ära erfreuen wird.

The Limehouse Golem. Regie: Juan Carlos Medina, Drehbuch: Jane Goldman, Produktion: Elizabeth Karlson, Stephen Wolley, Darsteller: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays. England 2017, 105 Min.

 

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Graham Masterton ist einer der bekanntesten Horrorautoren aus England. Mit „Gequälte Engel“ erscheint nun der zweite Roman aus der Serie um die Ermittlerin Katie Maguire, die es in der irischen Hafenstadt Cork vor allem mit unheimlichen und brutalen Fällen zu tun hat. Bereits der erste Roman „Bleiche Knochen“ machte deutlich, dass Masterton keinen „normalen“ Krimi abliefern wollte, sondern interessante Charaktere in eine spannende und komplexe Story einbettete, die die Aspekte des Mystery-Thriller mit denen des Horror- und Kriminalromans verbindet.

Masterton ist ein Meister darin, reale Vorkommnisse mit mystischen und folkloristischen Merkmalen zu verbinden und dadurch eine ungewöhnliche und beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die den Leser nicht mehr loslässt. Genau dies gelingt ihm auch in dem zweiten Katie Maguire-Fall, in dem es um eine äußerst brutale Mordserie geht. Die Opfer sind alle Priester. Und je mehr Katie Maguire und ihr Ermittlerteam dem mysteriösen Fall nachgeht, desto bizarrere Ausmaße nimmt der Fall an.

Graham Mastertons zweiter Katie Maguire-Roman ist um ein Vielfaches düsterer als „Bleiche Knochen“. Das liegt vor allem auch an der intensiven Thematik, mit der sich der Autor in „Gequälte Engel“ beschäftigt. Es ist schwer, über diesen Roman zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Daher soll hier lediglich erwähnt werden, dass es um ein entsetzliches Geheimnis innerhalb der katholischen Kirche in Irland geht. Auf diese Weise setzt sich Masterton auch mit den aktuellen Skandalen auseinander, die dem Roman, trotz mancher satirischer Seitenhiebe, eine durchaus realistische Note verleihen. Es scheint so, als habe Masterton diese Thematik schon seit langem unter den Nägeln gebrannt. Mit dem zweiten Katie Magurie-Roman hat er schließlich einen Weg gefunden, um diese gekonnt zu verarbeiten.

„Gequälte Engel“ ist nicht nur genauso spannend wie „Bleiche Knochen“, sondern übertrifft Band eins in dieser Hinsicht sogar. Dies liegt vor allem daran, da Masterton dieses ernste Thema mit einer unheimlich-mystischen Aura verbindet, die dem Fall seine bizarre Note verleiht. Wie jeder Roman Mastertons, so ist auch „Gequälte Engel“ hervorragend geschrieben. Aufgrund des dichten Schreibstils schreitet die Handlung in rasendem Tempo voran, wobei die Beklemmung und die Spannung von Seite zu Seite zunehmen.

Graham Masterton gelingt stets das Meisterstück, in jedem seiner Romane den Nervenkitzel neu zu erfinden. So auch in „Gequälte Engel“, wobei der Roman einem aufgrund seiner Intensität auch nicht mehr so leicht aus dem Kopf geht. Kurz: ein erstklassiger Horrorthriller.

Graham Masterton. Gequälte Engel. Festa Verlag 2017, 457 Seiten, 13,99 Euro, ISBN: 978-3-86552-575-8

 

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Was im Jahr 1828 an Bord der Mary Russell geschehen ist, gehört bis heute zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der Seefahrtsgeschichte. Nun hat der bekannte Übersetzer Alexander Pechmann, der erst kürzlich an dem gewaltigen Lovecraft-Band Das Werk mitgearbeitet hat, daraus einen historischen Kriminalroman geschrieben, den man nicht so schnell aus der Hand legt.

Der berühmte Arktisforscher und Theologe William Scoresby möchte unbedingt in Erfahrung bringen, was an Bord der Mary Russell tatsächlich geschehen ist. Nur so viel ist sicher: sieben Mitglieder der Besatzung wurden brutal ermordet. Der Kapitän ist verschwunden. Scoresby beginnt nun, die Überlebenden des Massakers zu befragen. Doch die Geschichte wird von Mal zu Mal mysteriöser, je mehr er über das Geschehen an Bord erfährt.

Sieben Lichter gestaltet sich als eine Mischung aus klassischem Kriminalroman und Mystery-Thriller. Alexander Pechmann gelingt es dabei, von Anfang an eine dichte und rätselhafte Atmosphäre zu gestalten, die das gesamte Buch durchzieht. Besonders gut gelingen ihm dabei atmosphärische Momentaufnahmen, wie etwa die Mischung aus Schock und Bedrückung, die Scoresby entgegen schlägt, als er zum ersten Mal an Bord des Schiffes kommt.

Verfasst in einem erstklassigen Schreibstil wird der Roman zu einem wahren Pageturner, der noch dazu bis ins kleinste Detail hervorragend recherchiert ist. Man merkt, dass sich der Autor schon seit Jahren mit der Geschichte der Seefahrt auseinandersetzt, was dem Roman eine zusätzliche realistische Note verleiht.

Die Spannung nimmt dabei von Kapitel zu Kapitel zu, sodass man kaum noch mit dem Lesen aufhören kann. Stets möchte man wissen, welche Informationen Scoresby noch herausfindet, um dadurch hinter das Geheimnis des unheimlichen Falls zu kommen. Dies macht Sieben Lichter zu einem echten Leckerbissen nicht nur für Krimifans, sondern überhaupt für Leute, die auf der Suche nach einem wirklich guten Buch sind

Alexander Pechmann. Sieben Lichter. Steidl Verlag 2017, 166 Seiten, 18,00 Euro, ISBN: 978-3-95829-370-0

 

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Obwohl die Hochphase des neuen spanischen Horrorfilms, die etwa Anfang 2000 begann, längst wieder verpufft ist, so kommen dennoch immer mal wieder interessante und vor allem sehenswerte Genrefilme über die Pyrenäen. So z.B. der Thriller „El Bar“ des Regisseurs Alex de la Iglesia.

Iglesia ist einer der wenigen spanischen Regisseure, der sich voll und ganz auf das Horror- und Thrillergenre spezialisiert hat und dabei fast schon regelmäßig Preise einheimst. Sein neuester Streich spielt, wie es der Titel bereits verrät, in einer Bar in der Innenstadt von Madrid. Dort befindet sich gerade eine Handvoll Leute, als auf einmal ein hustender Mann das Lokal betritt und sich in der Toilette verschanzt. Kurz darauf wird ein Kunde, der die Bar verläßt, erschossen und die Umgebung, in der sich die Bar befindet, weiträumig abgesperrt. Für die kleine Gruppe in der Kneipe ist nur eines klar: sie müssen einen Weg hinaus finden. Denn die Lage wird immer bedrohlicher.

„El Bar“ ist eine durch und durch gelungene Mischung aus Thriller, Horror und schwarzer Komödie. Die Anspielungen auf „Rec“ sind gewollt und werden in einer Szene auch mit viel Selbsironie angesprochen. Während „Rec“ aber direkt zeigt, was los ist, so setzt „El Bar“ auf Andeutungen. Dies führt zu einem spannenden Rahmen, innerhalb dessen sich dann die eigentliche Story entfaltet.

Denn diese geht darum, wie die Lage in der Bar nach und nach eskaliert. Sind sich alle zunächst im Klaren, dass sie zusammenhalten müssen, so bröckelt dieser Zusammenhalt sofort, als es nur darum geht, wer mit dem noch einzigen funktionierenden Handy telefonieren darf. Immer weiter spitzt sich die Situation zu, bis diese völlig außer Kontrolle gerät.

Iglesia zeigt auch in diesem Film, dass er sein Handwerk versteht. Die Geschichte rast ungebremst voran, wird dabei von Mal zu Mal dichter und spannender, wobei sich parallel dazu die Konflikte radikalisieren und regelrecht ausarten. All dies aber stets versehen mit einem ironischen Schmunzeln, das aus all den Geschehnissen eine bissige Horrorkomödie macht, die das zwischenmenschliche Verhalten und die Moral in unserer Gesellschaft aufs Korn nimmt. Dies macht „El Bar“ zu einem äußerst kurzweiligen und witzigen Filmvergnügen. Kurz: Sehenswert.

El Bar. Regie: Alex de La Iglesia, Drehbuch: Alex de la Iglesia, Jorge Guerricaechevarria, Produktion: Carolina Bang, Alex de la Isglesia, Darsteller: Mario Casas, Blanca Suarez, Alejandro Awada, Carmen Machi, Terele Pavez, Jaime Orodnez. Spanien 2017, 98 Min.

 

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Graham Masterton ist der Meister des Grauens aus England. Seit seinem Debut „Manitou“ ist er aus dem Horrorgenre nicht mehr wegzudenken. In seinem neuen Roman „Bleiche Knochen“ verbindet er gekonnt Krimielemente mit Aspekten des Horrorromans.

Es geht um die Ermittlerin Katie Maguire, die es plötzlich mit einem äußerst unheimlichen Fall zu tun hat. Auf einem Bauernhof werden bei Bauarbeiten die Skelette von elf Frauen gefunden, die dort 1915 vergraben wurden. Die Untersuchung der Knochen ergibt, dass die Frauen bei lebendigem Leib entbeint wurden. Gerade als die Ermittlungen zu den Akten gelegt werden sollen, ereignet sich jedoch ein neuer Fall, der nach demselben Muster verläuft …

Wenn man es genau nimmt, gibt es nicht gerade viele Kriminalromane, die nicht nur spannend, sondern auch hervorragend geschrieben sind. „Bleiche Knochen“ ist solch eine wunderbare Ausnahme. In dem Roman stimmt einfach alles. Nicht nur der perfekte Spannungsaufbau lässt einem das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Hinzu kommt ein wirklich toller Schreibstil, mit dem es Masterton gelingt, eine dichte und mysthisch angehauchte Atmosphäre zu schaffen. Aber das ist noch nicht alles, denn der Roman ist bespickt mit interessanten und vielschichtigen Figuren, denen man gerne durch die Geschichte folgt.

Besonders Katie Maguire ist Masterton sehr schön gelungen. Kein 08/15-Charakter wie in so vielen anderen Krimis und Thrillern, sondern eine komplexe Figur, die sich gegenüber der Männerwelt behaupten muss und dabei mit ihren Schwächen und Stärken beschrieben wird. Sehr überzeugend stellt Masterton dabei die Skepsis und Abneigung der traditionellen Bewohner der Stadt Cork dar, in der Maguire als Chefermittlerin tätig ist.

Doch ist „Bleiche Knochen“ ja nicht nur ein Kriminalroman, sondern genauso ein Mystery-Thriller und nicht weniger ein Horrorroman. Masterton setzt alles daran, um das Grauen nicht abwegig oder übertrieben darzustellen, sondern ihm liegt daran, sowohl mit direkten als auch mit subtilen Mitteln eine Bedrohung zu schaffen, die einem im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.

Besser als Masterton mit „Bleiche Knochen“ kann man einen Horrorthriller nicht schreiben. Eindeutig das Highlight des Jahres.

Graham Masterton. Bleiche Knochen. Festa Verlag 2017, 441 Seiten, 13,99 Euro, ISBN: 978-3-86552-558-1

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Tobe Hooper meinte immer, dass es sich bei „Texas Chainsaw Massacre“ eigentlich um eine Komödie handelte. Tatsächlich findet man in dem Horrorfilm eine ganze Reihe von schwarzhumorigen Gags, die jedoch den damaligen Kritikern nicht auffielen. Die meisten von ihnen fanden den Film damals „abscheulich“. Heute ist „Blutgericht in Texas“, so der deutsche Verleihtitel, nicht nur ein Klassiker des Horrorgenres, sondern überhaupt ein Klassiker des US-amerikanischen Kinos.

Der Witz an dem Film ist, dass er zwar äußerst brutal tut, in Wirklichkeit aber kaum etwas Brutales geschieht. Die Montage des Films ist dermaßen genial, dass sich das Grauen mehr in der Vorstellung der Zuschauer abspielt, als auf der Leinwand. Zusammen mit „Nacht der lebenden Toten“ (1969) und „Last House on the Left“ (1973) zählt „Texas Chainsaw Massacre“ (1974) zu denjenigen Filmen, welche nicht nur den postmodernen Horrorfilm einläuteten, sondern überhaupt die postmoderne Phase im US-amerikanischen Film vorbereiteten.

Beeinflusst von den Protesbewegungen gegen den Vietnamkrieg, gegen Rassismus und gegen sexuelle Ungleichheit setzte Hooper diese Kritik in seinem Film fort, in dem er die USA nicht mehr als Idealbild stilisierte, sondern als ein Ort der Verunsicherung, der Unsicherheit und der sozialen Konflikte. Er zeigte eine degenerierte Familie, lieferte aber für diesen Zustand eine damals unerhörte Erklärung: denn Schuld für das Verhalten von Leatherface und Co. ist die Modernisierung, die die USA angeblich voranbringen soll.

„Texas Chainsaw Massacre“ wurde ein riesiger Erfolg, von dem die Macher jedoch nicht viel mitbekamen, da die Verleihfirma sie mit obskuren Verträgen übers Ohr haute. An den Stil und die Ästhetik, kurz an die Meisterklasse seines Debuts, sollte Hooper nicht mehr herankommen. Er gehört zu den Regisseuren, die ihren besten Film gleich am Anfang ihrer Karriere drehten.

Steven Spielberg engagierte ihn für die Dreharbeiten zu „Poltergeist“, doch ist eindeutig, dass Spielberg stets das Zepter in der Hand behielt und den Namen Hooper nur als Marketing-Gag gebrauchte. Zwar schuf Hooper in den 80er Jahren mit dem Remake „Invasion vom Mars“ (1986) und „Lifeforce“(1985) zwei Klassiker des Trash-Films und vor allem zwei Klassiker der legendären Cannon-Produktionsfirma, doch brachte dies seine Karriere nicht wesentlich weiter.

Im Laufe der Zeit verlegte er sich daher auf TV- und Low-Budget-Filme, wobei er aber auch als Produzent tätig war. Nun starb der Erfinder von Leatherface im Alter von 75 Jahren.

 

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