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Posts Tagged ‘Thriller’

Der japanische Autor Keigo Higashino ist bekannt durch seine überaus raffinierten Kriminalromane. In Deutschland wurde er durch „Verdächtige Geliebte“ bekannt, der 2012 in Südkorea unter dem Titel „Perfect Number“ verfilmt wurde. Mit „Unter der Mitternachtssonne“ erschien nun im Tropen Verlag ein weiterer Roman Higashinos aus dem Jahr 1999.

Es geht um einen Mordfall aus dem Jahr 1973. Ein Pfandleiher wird erstochen in einem leeren Gebäude von zwei Kindern entdeckt. Doch so sehr die Polizei auch ermittelt, der Täter wird nicht gefunden. Der Fall lässt Kommissar Junzo Sasagaki jedoch nicht mehr los. 20 Jahre lang versucht er, das Geheimnis um den Mord zu lösen.

„Unter der Mitternachtssonne“ steht in Sachen Spannung den übrigen Romanen von Higashino in nichts nach. Im Gegenteil, sein früher Thriller ist sogar noch dichter und packender. Der Roman konzentriert sich nicht auf die eigentliche Ermittlungstätigkeit, sondern verfolgt die Lebenswege verschiedener Menschen, die alle irgendwie etwas mit dem Mordfall zu tun haben.

Im Zentrum der Geschehnisse stehen dabei zwei Figuren: Ryo Kirihara, der Sohn des ermordeten Pfandleihers, und Yukiho Nishimoto, deren Mutter ebenfalls unter rätselhaften Umständen gestorben ist. Während Ryo eine kriminelle Karriere hinlegt, entwickelt sich Yukiho zu einer erfolgreichen Unternehmerin. Doch beide umgibt stets eine Aura des Bedrohlichen und Unheimlichen.

Mehr soll hier nicht verraten werden, nur so viel: wie in jedem seiner Romane überrascht Higashino den Leser mit einem unerwarteten Ende. Bis dahin ist jede der mehr als 700 Seiten vollgepackt mit Nervenkitzel. Die Zwischenfälle, die sich im Laufe des voluminösen Romans ereignen, sind dermaßen ausgeklügelt und haben es so sehr in sich, dass dem Leser an manchen Stellen regelrecht die Sprache wegbleibt, wenn man bedenkt, wie jemand ticken muss, der solche Taten begeht.

„Unter der Mitternachtssonne“ ist ein erstklassiger Thriller, dessen Handlung den Leser packt und nicht mehr los lässt. Es kommt zu keinen Durchhängern, jede Szene erfüllt ihren eigenen Zweck. Und wenn es schließlich zum Finale kommt, ist es geradezu schwer, die Spannung auszuhalten. Genau so muss ein guter Thriller funktionieren.

Interessant ist, dass Higashino, trotz der Handlung, die sich über 20 Jahre erstreckt, nur selten mit konkreten Jahreszahlen arbeitet. Die Zeitpunkte ergeben sich durch die Beschreibungen der jeweiligen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung, den Hinweisen auf Ereignisse in der Popkultur oder der technischen Innovationen. – Kurz „Unter der Mitternachtssonne“ kann man schon jetzt ohne weiteres als Thriller-Highlight des Jahres bezeichnen.

Keigo Higashino. Unter der Mitternachtssonne. Tropen Verlag 2018 (Übersetzung aus dem Japanischen: Ursula Gräfe), 720 Seiten, 25,00 Euro, ISBN: 978-3-608-50348-7

 

 

 

 

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Es ist interessant, dass Thrillerautor Tetsuya Honda nach dem Roman über einen perversen Serienmörder einen Roman über sonderbare Zwischenfälle im Baugewerbe verfasst hat. Im zweiten Band der Reiko Himekawa-Reihe hat es die Ermittlerin jedenfalls mit einem ungewöhnlichen Mord in der Garage eines Bauschreiners zu tun, der Himekawas Team auf die Spur von Versicherungsbetrug und den Yakuza führt.

In Band zwei der Himekawa-Reihe passiert im Grunde genommen nicht wirklich viel. Tatsächlich ist „Stahlblaue Nacht“ eher unterhaltsam als spannend, also genauso wie Hondas Erstling „Blutroter Tod“, wobei dieser zumindest mit einer düsteren und beklemmenden Atmosphäre aufwartete. Genau diese fehlt in dem zweiten Roman. Die Geschichte plätschert vor sich hin, ohne dass irgendetwas Aufregendes geschehen würde. Hondas Problem hierbei ist vor allem, dass er – ähnlich wie in Band eins – Themen anspricht, die er dann jedoch eher oberflächlich abhandelt.

Denn „Stahlblauer Tod“ hätte als Drama unglaublich gut funktioniert. Immerhin geht es um sozialen Abstieg, den Versuch von Wiedergutmachung und zerstörte Familien. Die Machenschaften der Yakuza im Baugewerbe erscheinen hier eher wie nebenbei. Doch Honda begeht den Fehler, dass er versucht, das Drama zu umgehen oder im besten Fall nur anzureißen und stattdessen die Krimiaspekte hervorzuheben.

Hinzu kommt, dass trotz aller Versuche, seine Figuren zu charakterisieren, diese dennoch schemenhaft bzw. oberflächlich bleiben. Mit Ausnahme von Reiko Himekawa, die in Band zwei mit gekonntem Witz besser zur Geltung kommt als in Band eins. In dieser Hinsicht wirken die eingestreuten Gags weitaus gelungener als in Hondas Erstling. Sehr gut kommt hierbei auch Hondas Selbstironie zum Tragen, wenn Reiko Himekawa versucht, ihrem Chef die völlig verwirrende Hintergrundgeschichte zu erklären. Speziell diese Szene ist wirklich köstlich.

Trotzdem fällt „Stahlblaue Nacht“ deutlich hinter „Blutroter Tod“ zurück. Die Story reißt einen nicht wirklich mit, da sie stellenweise zu sehr bemüht wirkt. Es ist erstaunlich, dass Tetsuya Honda mit seinen Himekawa-Romanen in Japan so erfolgreich ist. Möglich, dass die folgenden Romane wieder besser werden, aber weder eine englische noch eine deutsche Übersetzung sind bisher angekündigt.

Wie auch der erste Roman, so ist auch Band zwei der Reihe nicht aus dem Japanischen, sondern aus dem Englischen übersetzt worden. Dieses Mal aber achtete die Übersetzerin darauf, nicht die Anrede Sir zu verwenden, so wie dies in „Blutroter Tod“ der Fall gewesen ist.

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Robert Siodmaks „Die Wendeltreppe“ ist nicht nur einer der bekanntesten Klassiker des Film Noir, sondern zugleich Ursprung des späteren Giallo der 60er und 70er Jahre, sodass manche Filmhistoriker Siodmaks Meisterwerk gerne auch als „Ur-Giallo“ bezeichnen.

Der Film basiert auf dem Bestseller „Some must watch“ der Schriftstellerin Ethel Lina White (1876 – 1944), deren Romane vor allem im englischsprachigen Raum großen Anklang fanden, in Deutschland jedoch nur wenig publiziert wurden. Siodmaks Adaption handelt von der stummen Helen, die als Hausmädchen in einem abgelegenen Haus tätig ist, wo sie sich vor allem um die bettlegrige Mrs. Warren kümmert. Ebenfalls in dem Haus wohnen die beiden Söhne von Mrs Warren, Albert und Steven, sowie Alberts Sekretärin Blanche.

Eines Tages geschieht in einem Hotel ein grausamer Mord an einer behinderten Frau. Der Mörder kann nicht gefasst werden, doch scheint alles darauf hinzudeuten, dass er Helen bis zu dem Haus der Warrens gefolgt ist. Tatsächlich geschehen dort plötzlich seltsame Dinge, bis es schließlich zu einem weiteren Mord kommt …

Die teils extreme Optik diente als Vorbild für die späteren Giallo-Filme; „Die Wendeltreppe“ (1946); Copyright: Anchor Bay

Ein Mörder, der es auf entstellte und behinderte Frauen abgesehen hat, schon allein das war für die damalige Zeit harter Tobak. Doch ging Meisterregisseur Robert Siodmak noch einen Schritt weiter. Denn um das Extreme der Handlung nochmals zu unterstreichen, setzte er in seinem Film verstörende Nahaufnahmen ein und verwendete stellenweise eine Optik, die zu fast surrealen, traumartigen Bildern führen. Die Optik wirkte für die damalige Zeit geradezu radikal. Auch heute hat sie rein gar nichts von ihrer unglaublichen Wucht verloren.

So zeigt Siodmak extreme Nahaufnahmen vom Auge des psychopathischen Mörders, während dieser sein Opfer beobachtet. Gleich am Anfang, als die oben erwähnte Frau ermordet wird, sieht man deren in die Höhe gestreckten Hände, wie diese sich auf fast schon unnatürliche Weise verkrampfen. In einer weiteren Szene ist es ein schwarz gekleideter Mann, der Helen auf sonderbare Weise folgt, als diese im beginnenden Unwetter über den Hof zum Eingang des Hauses rennt. Dieser Hang zum Surrealen beeinflusste 20 Jahre später die italienischen Horror- und Giallo-Regisseure, allen voran Mario Bava und Dario Argento.

Licht und Schatten: Film Noir in Reinform; „Die Wendeltreppe“ (1946); Copyright: Anchor Bay

Tatsächlich übernahmen beide viele Aspekte von „Die Wendeltreppe“ in ihre eigenen Filme. So unter anderem auch das Markenzeichen des Giallo: den schwarzen Handschuh. Dario Argento zitierte in „Tenebre“ (1982) die berühmte Szene aus „Die Wendeltreppe“, in der Helen einen Zaun entlanggeht, während der Gewittersturm losbricht. Um sich Mut zu machen, verursacht Helen mit einem Stock, den sie gegen den Zaun schlägt, selbst Geräusche. Argento verändert diese Szene in „Tenebre“ insoweit, indem er hinter dem Zaun einen aggressiven Hund hochspringen lässt, der plötzlich auf die junge Frau Jagd macht.

Um die Handlung noch zu verdichten, lässt Robert Siodmak seinen Film in einer einzigen Gewitternacht spielen. Auf diese Weise drängen sich die Zwischenfälle, ohne dass der Zuschauer die Möglichkeit bekommt, zwischendurch zur Ruhe zu kommen. Die Spannung wird durch den Umstand zusätzlich angestachelt, da man unweigerlich beginnt, mitzurätseln, wer denn nun der Mörder ist. All dies macht „Die Wendeltreppe“ auch heute noch zu einem extrem packenden und fasziniernden Filmerlebnis.

Die Wendeltreppe (OT: The Spiral Staircase). Regie: Robert Siodmak, Drehbuch: Mel Dinelli, Produktion: Dore Schary, Darsteller: Dorothy McGuire, George Brent, Ethel Barrymore, Kent Smith, Gordon Oliver, Rhonda Flemin. USA 1946, 99 Min.

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Mit der Ermittlerin Reiko Himekawa schuf der Thrillerautor Tetsuya Honda eine der erfolgreichsten Krimiserien in Japan. Fünf Romane sind bisher erschienen, einer davon wurde für das Kino adaptiert und sogar eine TV-Serie wurde nach der Vorlage Hondas produziert. Ins Englische bzw. ins Deutsche wurden bisher leider nur die beiden ersten Romane übersetzt.

Gleich in ihrem ersten Fall geht es für Reiko Himekawa ans Eingemachte. Nicht nur muss sie sich gegenüber ihren männlichen Kollegen behaupten, sondern auch noch den Neid der anderen ertragen, da sie es als Frau mit nur 28 Jahren bereits zur Kriminalpolizei geschafft hat. Doch ist dies nur der Rahmen, denn eigentich geht es um eine überaus grausame Mordserie. Verstümmelte Leichen werden gefunden, eingewickelt in blaue Planen. Nach und nach kommen Reiko und ihr Team einem unheimlichen Mörder auf die Spur.

Der Roman ist durchaus spannend, vor allem aber sehr unterhaltsam. Die dichte Handlung schreitet schnell voran, Hondas hervorragende Recherche über den Polizeialltag würzen das Ganze auch mit einem gewissen Realismus. Hinzu kommen ein paar typische japanische Gags. Doch hapert es dann doch ein wenig an den Figuren. Denn der Autor zeigt diese gerne in einem völlig überdrehten Zustand.

Dies macht sich in negativer Weise vor allem bei Reikos Gegenspieler Katsumata bemerkbar, der aufgrund seines einseitigen und überaus aggressiven und hasserfüllten Charakters wie eine Mangafigur wirkt. Erst am Ende erhält Katsumata eine interessante Vielschichtigkeit, doch da ist eben der Roman aus und Hondas Bemühung bringt nicht mehr viel.

Reiko selbst ist eine von Selbstzweifeln beherrschte Frau, die versucht, ihre Vergangenheit zu bewältigen, was ihr allerdings überaus schwer fällt. Bei ihrem Team ist sie zwar sehr beliebt, doch alle anderen stehen ihr eher abneigend gegenüber. Obwohl es Honda ganz klar um Emanzipation innerhalb eines von strengen Traditionen bestimmten Patriarchats geht, so bleibt der Autor dann doch eher skizzenhaft, wenn er sich in manchen Situationen mit diesem Thema direkt beschäftigt. Viel eher stützt er sich auf Wiederholungen, indem immer wieder betont wird, dass Reiko mit 28 Jahren das geschafft hat, wovon ihre männlichen Kollegen nur träumen.

Der Fall selbst entwickelt sich wie in einem typischen Polizeikrimi. In dieser Hinsicht erfindet Honda das Rad wirklich nicht neu. Trotzdem macht es Spaß, der Handlung zu folgen. Was jedoch stört, sind die teils willkürlich wirkenden Figurenwechsel. Folgt der Leser zunächst Reiko, so wird wie aus heiterem Himmel zu ihrem Kollegen Otsuka oder ihrem Gegenspieler Katsumata „umgeschnitten“, beinahe so, als habe Honda bei bestimmten Situationen erst einmal nicht weiter gewusst. Im Laufe des Romans aber findet Honda einen passenden Rhythmus, sodass die späteren Wechsel einer gewissen Handlungslogik folgen.

Leider wurde der Roman nicht aus dem Japanischen übersetzt, sondern die englischsprachige Übersetzung quasi nochmals übersetzt, was Verlage dann gerne machen, wenn sie Zeit und Geld sparen wollen. Doch auf diese Weise schleichen sich dann auch peinliche Fehler ein. So z.B., wenn die Polizisten ihre Vorgesetzten mit Sir ansprechen. Man kann nur hoffen, dass sich dies bei den nächsten Romanen ändert und diese aus dem Japanischen direkt übersetzt werden – doch wird es wohl eher bei der Hoffnung bleiben. Insgesamt aber ist Hondas erster Roman „Blutroter Tod“ kurzweilige Krimikost, die aufgrund ihres Unterhaltungswerts Lust macht auf den zweiten Roman.

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Nach dem Erfolg von „Die Frau in Schwarz“ hatte man gehofft, dass Hammer Films wieder zu ihrem ursprünglichen Stil zurückgefunden haben. Doch konnten die folgenden Produktionen nicht mehr an die klassische Machart und die schaurig-schöne Eleganz heranreichen. So versuchte nun die Produktionsfirma Number 9 Films, diesem Stil wieder gerecht zu werden. Und dies mit Bravour.

Der Film spielt im Jahr 1880 und handelt von Inspector John Kildare, der einen brutalen Mörder dingfest machen soll, der in dem Londoner Stadtteil Limehouse sein Unwesen treibt. Unter den Bewohnern wird der unheimliche Mörder als der Limehouse Golem bezeichnet. Wie es scheint, wählt er seine Opfer willkürlich aus und hinterlässt an den Tatorten rätselhafte Botschaften. Der Fall erweist sich als überaus verstrickt. Es gibt mehrere Verdächtige, unter ihnen die Sängerin Elizabeth Cree, die ihren Mann vergiftet hat. Mehr und mehr steigert sich Kildare in den Fall hinein …

Regisseur Juan Carlos Medina schuf mit „The Limehouse Golem“ – seinem zweiten Spielfilm – einen stark atmosphärischen Horrorthriller, der sich an den klassischen englischen Horrorfilmen wie etwa die späte Hammer-Produktion „Hands of the Ripper“ (1971) orientiert. Als Grundlage diente der Roman „The Limehouse Golem“ des englischen Schriftstellers Peter Ackroyd aus dem Jahr 1994.

Interessanterweise war es ausgerechnet Jane Goldman, die das Drehbuch für „The Limehouse Golem“ verfasst hat, hatte sie doch auch das Drehbuch für „Die Frau in Schwarz“ geschrieben und dadurch Hammer Films in gewissem Sinne reanimiert. Es wirkt daher beinahe so, als hätten Hammer kein Interesse an diesem Stoff gezeigt. Dabei hätte er so gut in das Portfolio von Hammer gepasst. Dies schon allein wegen der wunderbaren Ausstattung, die der Film aufweist.

Er schwelgt beinahe in seinen Kulissen, die das England des 19. Jahrhunderts wieder auferstehen lassen, gibt sich zudem ziemlich düster und lässt auch hin und wieder seine Anerkennung gegenüber Horrorfilmmeister Mario Bava hindurchschimmern, besonders dann, wenn es um die Beleuchtung und die Farbgebung geht.

Die Story selbst ist intelligent erzählt, lässt den Zuschauer mitraten, wer denn nun der Mörder ist, und sorgt am Ende auch noch für eine regelrechte Überraschung. Somit kombiniert der Film das typische „Who’s done it?“ mit den Merkmalen des englischen Horrorkinos der 60er und 70er Jahre, was, aufgrund der sorgfältigen Produktion, überaus gut gelingt.

„The Limehouse Golem“ bietet auf diese Weise eine schön-schaurige Unterhaltung, die vor allem Fans der Hammer Film-Ära erfreuen wird.

The Limehouse Golem. Regie: Juan Carlos Medina, Drehbuch: Jane Goldman, Produktion: Elizabeth Karlson, Stephen Wolley, Darsteller: Bill Nighy, Olivia Cooke, Douglas Booth, Daniel Mays. England 2017, 105 Min.

 

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Graham Masterton ist einer der bekanntesten Horrorautoren aus England. Mit „Gequälte Engel“ erscheint nun der zweite Roman aus der Serie um die Ermittlerin Katie Maguire, die es in der irischen Hafenstadt Cork vor allem mit unheimlichen und brutalen Fällen zu tun hat. Bereits der erste Roman „Bleiche Knochen“ machte deutlich, dass Masterton keinen „normalen“ Krimi abliefern wollte, sondern interessante Charaktere in eine spannende und komplexe Story einbettete, die die Aspekte des Mystery-Thriller mit denen des Horror- und Kriminalromans verbindet.

Masterton ist ein Meister darin, reale Vorkommnisse mit mystischen und folkloristischen Merkmalen zu verbinden und dadurch eine ungewöhnliche und beklemmende Atmosphäre zu schaffen, die den Leser nicht mehr loslässt. Genau dies gelingt ihm auch in dem zweiten Katie Maguire-Fall, in dem es um eine äußerst brutale Mordserie geht. Die Opfer sind alle Priester. Und je mehr Katie Maguire und ihr Ermittlerteam dem mysteriösen Fall nachgeht, desto bizarrere Ausmaße nimmt der Fall an.

Graham Mastertons zweiter Katie Maguire-Roman ist um ein Vielfaches düsterer als „Bleiche Knochen“. Das liegt vor allem auch an der intensiven Thematik, mit der sich der Autor in „Gequälte Engel“ beschäftigt. Es ist schwer, über diesen Roman zu schreiben, ohne zu viel zu verraten. Daher soll hier lediglich erwähnt werden, dass es um ein entsetzliches Geheimnis innerhalb der katholischen Kirche in Irland geht. Auf diese Weise setzt sich Masterton auch mit den aktuellen Skandalen auseinander, die dem Roman, trotz mancher satirischer Seitenhiebe, eine durchaus realistische Note verleihen. Es scheint so, als habe Masterton diese Thematik schon seit langem unter den Nägeln gebrannt. Mit dem zweiten Katie Magurie-Roman hat er schließlich einen Weg gefunden, um diese gekonnt zu verarbeiten.

„Gequälte Engel“ ist nicht nur genauso spannend wie „Bleiche Knochen“, sondern übertrifft Band eins in dieser Hinsicht sogar. Dies liegt vor allem daran, da Masterton dieses ernste Thema mit einer unheimlich-mystischen Aura verbindet, die dem Fall seine bizarre Note verleiht. Wie jeder Roman Mastertons, so ist auch „Gequälte Engel“ hervorragend geschrieben. Aufgrund des dichten Schreibstils schreitet die Handlung in rasendem Tempo voran, wobei die Beklemmung und die Spannung von Seite zu Seite zunehmen.

Graham Masterton gelingt stets das Meisterstück, in jedem seiner Romane den Nervenkitzel neu zu erfinden. So auch in „Gequälte Engel“, wobei der Roman einem aufgrund seiner Intensität auch nicht mehr so leicht aus dem Kopf geht. Kurz: ein erstklassiger Horrorthriller.

Graham Masterton. Gequälte Engel. Festa Verlag 2017, 457 Seiten, 13,99 Euro, ISBN: 978-3-86552-575-8

 

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Was im Jahr 1828 an Bord der Mary Russell geschehen ist, gehört bis heute zu den rätselhaftesten Kriminalfällen der Seefahrtsgeschichte. Nun hat der bekannte Übersetzer Alexander Pechmann, der erst kürzlich an dem gewaltigen Lovecraft-Band Das Werk mitgearbeitet hat, daraus einen historischen Kriminalroman geschrieben, den man nicht so schnell aus der Hand legt.

Der berühmte Arktisforscher und Theologe William Scoresby möchte unbedingt in Erfahrung bringen, was an Bord der Mary Russell tatsächlich geschehen ist. Nur so viel ist sicher: sieben Mitglieder der Besatzung wurden brutal ermordet. Der Kapitän ist verschwunden. Scoresby beginnt nun, die Überlebenden des Massakers zu befragen. Doch die Geschichte wird von Mal zu Mal mysteriöser, je mehr er über das Geschehen an Bord erfährt.

Sieben Lichter gestaltet sich als eine Mischung aus klassischem Kriminalroman und Mystery-Thriller. Alexander Pechmann gelingt es dabei, von Anfang an eine dichte und rätselhafte Atmosphäre zu gestalten, die das gesamte Buch durchzieht. Besonders gut gelingen ihm dabei atmosphärische Momentaufnahmen, wie etwa die Mischung aus Schock und Bedrückung, die Scoresby entgegen schlägt, als er zum ersten Mal an Bord des Schiffes kommt.

Verfasst in einem erstklassigen Schreibstil wird der Roman zu einem wahren Pageturner, der noch dazu bis ins kleinste Detail hervorragend recherchiert ist. Man merkt, dass sich der Autor schon seit Jahren mit der Geschichte der Seefahrt auseinandersetzt, was dem Roman eine zusätzliche realistische Note verleiht.

Die Spannung nimmt dabei von Kapitel zu Kapitel zu, sodass man kaum noch mit dem Lesen aufhören kann. Stets möchte man wissen, welche Informationen Scoresby noch herausfindet, um dadurch hinter das Geheimnis des unheimlichen Falls zu kommen. Dies macht Sieben Lichter zu einem echten Leckerbissen nicht nur für Krimifans, sondern überhaupt für Leute, die auf der Suche nach einem wirklich guten Buch sind

Alexander Pechmann. Sieben Lichter. Steidl Verlag 2017, 166 Seiten, 18,00 Euro, ISBN: 978-3-95829-370-0

 

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