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Posts Tagged ‘Thriller’

Die Zeit des Kalten Krieges spiegelt sich in fast allen Spionagefilmen aus jener Epoche wider. Die Drehbuchautoren wussten genau, wer die „Bösen“ und wer die „Guten“ waren, und alles, was sich hinter dem Eisernen Vorhang abspielte, kam bedrohlich und irgendwie fremdartig vor. Natürlich setzte sich das politische Schwarzweißdenken auch in so manchem SF-Thriller fest. Zu den bekanntesten Beispielen zählt sicherlich „Der gefährlichste Mann der Welt“ aus dem Jahr 1969, auch wenn hier auf Seiten der Bösen Russland durch China ersetzt wurde. Ein weiterer Film, der vor allem durch seine Spannung hervorsticht, ist „Who?“, der in Deutschland unter dem Titel „Der Mann aus Metall“ in die Kinos kam.

Dieser Film basiert auf dem SF-Roman „Zwischen den Welten“ (im Original ebenfalls „Who?“) des Schriftstellers Algis Budrys. Die Geschichte handelt von dem Atomphysiker Dr. Martino, der in der DDR bei einem Autounfall schwer verletzt wird. Russische Ärzte ersetzen sein Gesicht sowie seinen Rumpf durch Metall. Als er an der Innerdeutschengrenze den USA übergeben wird, zweifelt man an seiner Identität. Er wird für einen russischen Geheimagenten gehalten …

Rogers (Elliott Gould) ist von der Identität Dr. Martinos (Joseph Bova) nicht überzeugt; „Der Mann aus Metall“ (1974); Copyright: e-m-s

„Der Mann aus Metall“ ist ein sehr spannender Thriller, der von der ersten Minute an fesselt und äußerst überzeugend dargestellt ist. Vor allem sticht hierbei der Konflikt zwischen Dr. Martino und dem überaus skeptischen FBI-Agenten Sean Rogers heraus. Die Tragik, die sich daraus ergibt, ist durchaus nachvollziehbar. Der Atomphysiker, der durch seine Verwandlung in einen Mann aus Metall genug zu leiden hat, wird durch die staatliche Behörde seines Heimatlandes daran gehindert, wieder ein normales Leben zu führen.

Stattdessen wird seine gesamte Biographie bis hin zu den intimsten Details überprüft. Aber egal, welche Antwort Dr. Martino gibt, die Behörde bleibt weiter dabei, seine Identität als zweifelhaft zu beurteilen. Interessant ist hierbei, dass die Rückblenden aus Martinos früherem Leben stets aus der Perspektive einer subjektiven Kamera gedreht sind, so dass man sein richtiges Gesicht nie zu sehen bekommt. Natürlich versuchen auch die Russen, bestimmte Informationen aus Martino herauszubekommen, um dadurch an Informationen über das geheime Neptun-Projekt zu erhalten, an dem Martino arbeitet. Dabei schneidet der Film zwischen dem russischen und dem amerikanischen Verhör hin und her, was eine sehr hohe dramatische Dichte verursacht.

Die Metallmaske besitzt natürlich den Charme der frühen 70er Jahre. Das Design wirkt hierbei nicht aus der Luft gegriffen, sondern durchaus realistisch. „Der Mann aus Metall“ ist auf jeden Fall ein überaus sehenswerter SF-Film.

Der Mann aus Metall (OT: Who?), Regie: Jack Gold, Drehbuch: John Gould, Produktion: Barry Levinson, Darsteller: Elliott Gould, Trevor Howard, Joseph Bova. England 1974, 89 Min.

 

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aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

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Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

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Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

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unterverdachtDem Film „Unter Verdacht“ liegt der Kriminalfall des Frauenmörders Dr. Crippen zugrunde. Dieser brachte seine Ehefrau um und mauerte sie danach in seinem Haus ein. In dem Klassiker von Robert Siodmak wurde aus Dr. Crippen der sanftmütige und zurückhaltende Tabakwarenverkäufer Philip Marshall. Seine Frau ist eine wahre Xanthippe, die ihm das Leben zur Hölle macht. Als ihr gemeinsamer Sohn auszieht, bringt dies den Konflikt zum überlaufen. Er möchte, dass sie einer Scheidung einwilligt, was diese jedoch ablehnt. Da lernt Marshall die viel jüngere Mary Gray kennen (dargestellt von dem damaligen Pin up-Girl Ella Raines), die in dem Tabakladen eine Anstellung sucht. Sie freunden sich schnell an. Aus der Freundschaft wird eine Affäre. Als Marshalls Frau dies mitbekommt, droht sie ihm, die Affäre seinem Chef zu verraten, was ihm seinen Job kosten würde. Bevor sie ihre Aktion durchführen kann, bringt er sie um.

unterverdacht2Damit endet der Film keineswegs und es geht auch gar nicht darum, wer der Mörder ist. Siodmak kreiert die Spannung auf eine ganz andere Weise. Der Zuschauer hofft inständig, dass Marschall nicht als Mörder entlarvt wird. Von Anfang an wird die Figur als ein sehr höflicher und gutmütiger Mann charakterisiert. Seine Frau dagegen ist schlicht und ergreifend eine Hexe. Die Lage, in die sie Marshall durch ihre Streitlust und ihren Hass bringt, lässt ihm gar keine andere Wahl, als sie auf recht rabiate Art und Weise zum Schweigen zu bringen. Als nun Philip Marshall endlich seine Ruhe hat und nachdem er und seine Geliebte geheiratet haben, taucht ein Inspektor auf, der nicht ganz glauben möchte, dass Marshalls Frau die Treppe hinuntergestürzt ist. Und da ist natürlich auch Marshalls alkoholsüchtiger Nachbar, der versucht, ihn zu erpressen.

unterverdacht1All dies macht „Unter Verdacht“ zu einem extrem spannenden Psychothriller. Zugleich liefert Robert Siodmak ein äußerst sozialkritisches Bild einer modernen Gesellschaft. Die Moral verkommt zu einer reinen Oberflächlichkeit. Es geht um gescheiterte Existenzen und zerrüttete Familien. Sehr direkt geht der Film auf das Thema Gewalt in der Ehe ein, wenn er Marschalls Nachbarin, deren Mann Alkoholiker ist, mit blauen Flecken zeigt. Siodmak nimmt hierbei keineswegs eine feministische Sichtweise ein. Bei ihm sind sowohl Frauen als auch Männer Opfer. Die oben erwähnte Direktheit ließ den Film damals als moralisch bedenklich erscheinen, was dazu führte, dass er nur für Erwachsene freigegeben wurde.

Was den Film nicht weniger interessant macht, ist der Umstand, dass zwischen Philip Marshall und seiner Geliebten und späteren Frau ein recht großer Altersunterschied herrscht. Eine ziemlich außergewöhnliche Figurenkonstellation für die damalige Zeit. Die in „Unter Verdacht“ angesprochenen Themen lassen den Film überaus aktuell erscheinen. Aber das macht echte Klassiker aus: sie sind praktisch zeitlos.

Unter Verdacht (The Suspect), Regie: Robert Siodmak, Drehbuch: Bertram Milhauser, Arthur T. Horman,  Produktion: Islin Auster, Darsteller: Charles Laughton, Ella Raines, Dean Harms, Stanley Ridges, Rosalind Ivan. USA 1944, Laufzeit: 85 Min.

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27etageMan könnte annehmen, dass sich mit dem Beginn der 60er Jahre die Paranoia der 50er Jahre in Luft aufgelöst hatte. Jedenfalls, was die Filminhalte anbelangt. Doch weit gefehlt. Denn Mitte der 60er Jahre zeigte Regisseur Edward Dmytryk, dass die Paranoia noch immer existierte – und zwar ausgeprägter als zuvor.

 

Paranoides im Kino

Die Paranoia-Filme der 50er Jahre waren bestimmt von einer heimlichen Invasion fremder politischer Mächte, allen voran natürlich der Sowjetunion, welche die USA unterwandern wollten. Paradebeispiel für jene Zeit war und ist „Invasion of the Bodysnatchers“ (1956) nach dem Roman von Jack Finney, in dem ein Psychiater bemerkt, wie sich um ihn herum die Gesellschaft verändert und er dadurch zum Gejagten wird.

Alfred Hitchcock machte Schluss mit diesen Wahnvorstellungen, indem er mit „Psycho“ neue Ängste heraufbeschwor: die Angst vor dem Fremden innerhalb der eigenen Gesellschaft – und zwar ohne äußere Einflüsse. Norman Bates ist der Psychopath par excellence, doch niemand sieht es ihm von außen an. Somit schlich sich die Angst vor den Mitmenschen, die in einer modernen Gesellschaft eigentlich fast alle Fremde sind, von der Realität in die Kinosäle. Vertrauen konnte man ab da im Grunde genommen niemanden mehr. Fünf Jahre nach „Psycho“ und fast zehn Jahre nach den „Körperfressern“ griff Edward Dmytryk diese neue Paranoia auf und schuf mit „Die 27. Etage“ ein Meisterstück des Mystery-Thrillers, dessen Einfluss bis heute nicht nachgelassen hat.

 

Die 27. Etage

Eines Abends fällt in einem Bürohaus plötzlich der Strom aus. Im selben Moment befindet sich der Angestellte David Stillwell im Treppenhaus, wo er versucht, ins Erdgeschoß zu gelangen. Er trifft auf Shela, die ihm merkwürdig bekannt vorkommt, die er aber zugleich nicht zu kennen scheint, und folgt ihr hinunter in das vierte Untergeschoß. Nur, wie sich später herausstellt, das Gebäude besitzt kein einziges Untergeschoss, sondern nur einen Heizungskeller. Doch damit hat es sich noch längst nicht. Stillwell sieht sich auf einmal einer unheimlichen Gefahr gegenüber, Fremde bedrohen ihn mit Pistolen, versuchen, ihn zu entführen oder ihn dazu zu bringen, mit bestimmten Menschen in Kontakt zu treten. Im Gegenzug dazu verschwinden Leute, die er kannte, als hätte sie der Erdboden verschluckt. Stillwell sucht letztendlich einen Privatdetektiv auf, der ihm dabei helfen soll, Licht ins Dunkel zu bringen …

„Mirage“, so der Originaltitel, ist Spannung pur. Ohne langes Vorspiel, beginnt der Film mitten in der Handlung. Und ohne Durchhänger fährt Dmytryk mit dem Spiel fort, lässt den Zuschauer bis zum Schluss im Unklaren, was eigentlich wirklich mit Stillwell passiert ist. Allein Sheila scheint eine Verbindung zu Stillwells Vergangenheit zu sein, an die er sich, wie er plötzlich merkt, überhaupt nicht mehr erinnern kann. Doch die Frau, die ihm einerseits bekannt, andererseits völlig fremd ist, scheint mit ihm ebenfalls ein zwielichtiges Spiel zu spielen.

 

Die neue Paranoia

So als wollte Dmytryk die paranoide Atmosphäre des Films nochmals unterstreichen, erlaubte er sich einen kongenialen Scherz, indem er Kevin McCarthy, der 1956 den Psychiater in „Invasion of the Bodysnatchers“ gespielt hatte, in „Die 27. Etage“ mitagieren lässt. Gregory Peck, der den völlig zurückgezogenen David Stillwell spielt, überzeugt in dem Film auf ganzer Linie. Seine Figur wird zum Symbol von Individuen in einer modernen Gesellschaft, die niemandem und nichts mehr vertrauen können. Nicht einmal mehr sich selbst. Auf diese Weise verbindet Dmytryk die Paranoia der 50er mir derjenigen der 60er und schafft dadurch eine neue Form der sozialen Angst, die bis heute das Mystery-Genre prägt.

Auf diese Weise funktioniert der Film heute genauso gut, wenn nicht sogar noch besser als damals. Mystery-Thriller wie „The Game“ schauen gegenüber der „27. Etage“ alt aus, erreichen nicht die Intensität und keineswegs die Eleganz, die jener Klassiker aufweist. Es handelt sich schlichtweg um ein Meisterwerk, in dem eine hervorragende, teils an Hitchcock erinnernde Optik dominiert, die Reales surreal erscheinen lässt und umgekehrt. Kurz: ein erstklassiger Thriller.

Die 27. Etage (Mirage). Regie: Edward Dmytryk, Drehbuch: Peter Stone, Darsteller: Gregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Kevin McCarthy, George Kennedy. USA 1965, 108 Min.

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injuFrankreichs Filmindustrie ist seit jeher bekannt durch seine spannenden Thriller. Mit „Das Geheimnis der Geisha“ lenkt Regisseur Barbet Schroeder das Genre in eine Richtung, die den Film zwischen europäischem B-Picture im allgemeinen und Giallo im speziellen verortet.

„Inju“, so der Originaltitel, handelt von Alex Fayard, einem französischen Bestseller Autor von Kriminalromanen, der sein neuestes Werk in Japan vorstellen will. Er ist fasziniert von dem japanischen Thriller-Autor Shindei Oe, über den sich bizarre Gerüchte ranken. Bisher hat ihn noch niemand zu Gesicht bekommen. Manche halten ihn für einen Psychopathen. Kaum ist Fayard in Japan angekommen, bedroht ihn ein eigenartiger Anrufer während einer TV-Sendung, Japan so schnell wie möglich zu verlassen. Kurz darauf lernt Fayard die Geisha Tamao kennen, die behauptet, Oes Geliebte zu sein. Er verliebt sich in sie und erhofft sich zugleich, nähere Informationen über diesen mysteriösen Autor zu erhalten. Bei seinen Nachforschungen gerät er immer tiefer in ein unheimliches Geheimnis.

Im Grunde genommen kann man Barbet Schroeders Film als eine Art Nachdenken über das Scheitern bezeichnen. Diese menschliche Tragik verpackt er in eine Mischung aus Mystery und Suspense, die „Das Geheimnis der Geisha“ wie einen Giallo von Mario Bava erscheinen lassen, der bespickt ist mit einer düsteren Erotik. Auf diese Weise überzeugt das Werk von Anfang an durch eine dichte und geheimnisvolle Atmosphäre, welche die Handlung elektrisierend vorantreibt und sich dabei zugleich als eine Art Hommage an das europäische Trash-Kino versteht.

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Die geheimnisvolle Tamao (Lika Minamoto) deutet ihren Hang für Fesselspielchen an. „Das Geheimnis der Geisha“ (Frankreich 2008). Copyright: Sunfilm Entertainment.

Alex Fayard, ein Experte darin, Literatur und Film zu analysieren, gerät auf einmal in einen Bereich, der verworrener nicht sein kann. Sein fast schon überhebliches Auftreten wird auf einmal erschüttert. Denn das, was zunächst klar und deutlich erscheint, erhält einen doppelten Boden. Von da an ist nichts mehr so, wie es aussieht. Doch von der Idee besessen, den eigentlichen Charakter des ominösen Schriftstellers Shindei Oes in seinen Werken erkannt zu haben, glaubt er, letztendlich als Sieger hervorzugehen.

Barbet Schroeder nutzt diese Grundlage, um damit sowohl die Figur Alex Fayard als auch den Zuschauer an der Nase herumzuführen. Die klassische Variante des „Who’s done it“ verbindet sich dabei mit der stets präsenten Atmosphäre der Unsicherheit und des Unheimlichen. Dabei darf natürlich eine femme fatale nicht fehlen, die von Lika Minamoto verkörpert wird und Fayard gehörig den Kopf verdreht. Alles in Allem macht dies den Film zu einem durchaus interessanten und spannenden Vergnügen, vor allem für Liebhaber leicht trashiger Kost.

Das Geheimnis der Geisha (OT: Inju), Regie: Barbet Schroeder, Drehbuch: Jean-Armand Bougrelle, Frederique Henri, Barbet Schroeder, Produktion: Said Ben Said, Darsteller: Benoit Magimel, Lika Minamoto, Ryo Ishibashi. Frankreich/Japan 2008, Laufzeit: 101 Min.

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killersOhne Übertreibung lässt sich sagen, dass Regisseur Robert Siodmak als der Meister des Film Noir bezeichnet werden kann. Seine spannenden, düsteren und durchaus extremen Werke beeinflussen das Thrillergenre bis heute. Mit der Literaturverfilmung „The Killers“ (eine Adaption einer Kurzgeschichte von Ernest Hemingway) schuf er einen Film, der als Paradebeispiel des Film Noirs gilt.

Es geht um den Versicherungsagenten James Readon, der einen rätselhaften Mordfall aufklären soll. In einer Kleinstadt wurde der Tankwart Ole Anderson, der vor allem unter dem Namen „Der Schwede“ bekannt war, von zwei Auftragskillern erschossen. Ole war bei Readons Versicherungsgesellschaft Mitglied. Je mehr Readon die Vergangenheit des Schweden untersucht, desto offensichtlicher wird sein tragisches Leben.

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Die beiden Auftragskiller betreten das Zimmer des Schweden.

Schon die Anfangssequenz von „The Killers“ ist ein wahres Meisterstück, als die beiden Auftragsmörder ein kleines Lokal betreten, um dort auf Ole Anderson zu warten. Siodmak kreiert in dieser Szene eine Spannung, die er von Sekunde zu Sekunde steigert. Unglaublich realistisch und zugleich düster-poetisch zeigt der Meister hier sein Können. Im Laufe des Films nimmt die Spannung keineswegs ab. In kurzen Episoden erfährt der Zuschauer nach und nach immer mehr Details aus dem tragischen Leben des ehemaligen Profiboxers Ole Anderson, der aufgrund seiner Beziehung zu Kitty, einer Femme fatale erster Güte, zum Kriminellen wird.

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Ava Gardner als Femme fatal und Burt Lancaster als tragischer Held.

Besonders die kurzen Szenen in „The Killers“ besitzen aufgrund ihrer Symbolik eine Ausdrucksstärke, die den Film zu einem cineastischen Leckerbissen machen. Hervorzuheben ist hierbei u. a. die Szene, in der eine Hotelangestellte Oles Zimmers betritt und dieser völlig benommen durch den Raum wankt, um sich aus dem Fenster zu stürzen. Nicht weniger sensationell ist die Rückblende auf den Raubüberfall auf ein Lohnbüro, die fast schon in einem dokumentarischen Stil gedreht ist und dadurch unglaublich real wirkt.

„The Killers“ wurde zu einem enormen Erfolg und ebnete Siodmaks weitere Karriere als Regisseur düsterer Thriller. Für die beiden Schauspieler Burt Lancaster und Ava Gardner, die beide hier zum ersten Mal auf der Leinwand zu sehen gewesen waren, legte dieser Film den Grundstein für ihre jeweiligen Karrieren.

Die Killer (OT: The Killers). Regie: Robert Siodmak, Drehbuch: Anthony Veiller, Produktion: Mark Hellinger, Darsteller: Burt Lancaster, Ava Gardner, Edmond O’Brian. USA 1946, 98 Min.

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jacktheripperFür die meisten Kritiker ist und bleibt Regisseur Jess Franco lediglich ein Schmuddelregisseur. In der Tat aber war Jess Franco ein Schüler von Orson Welles. Sein Können zeigte er jedoch hauptsächlich in Trash-Filmen. Hierbei überschritt er gerne die Grenze zwischen „normalem“ Film und (soft)pornographischem Film. Und er machte dabei deutlich, dass Erotikfilme nicht banal sein müssen. Mit „Eugenie“ schuf er z.B. ein geradezu surreales Kunstwerk.

Viele seiner Filme wurden von dem schweizerischen Produzenten Erwin C. Dietrich produziert. So auch Francos Verfilmung der Untaten von Jack the Ripper. Darin geht es um den Arzt Dennis Orloff, der tagsüber eine kleine Praxis führt und seine Patienten behandelt, ohne dafür Geld zu verlangen, nachts aber als Serienmörder durch London streift, wo er Prostituierten auflauert und umbringt. Inspektor Selby versucht, den Mörder zu fassen, doch ohne Erfolg. Selbys Verlobte Cynthia, die als Balletttänzerin arbeitet, beschließt heimlich, Selby zu helfen und verkleidet sich als Prostituierte, um damit den Ripper anzulocken. Als dieser tatsächlich auf sie aufmerksam wird, kommt es zu einem Wettlauf zwischen Leben und Tod.

Dennis Orloff alias Jack the Ripper ist geradezu eine Paraderolle für Klaus Kinski gewesen. Er verkörpert den wahnsinnigen Serienmörder auf seine typische Kinskiart und verleiht dadurch der Figur eine schizophrene Ausstrahlung, gepaart jedoch mit einer tragischen Komponente, deren Ursache in Orloffs Kindheit liegt. Neben ihm agieren deutsche Trash-Stars wie Herbert Fux und Andreas Mannkopff, die nicht weniger ihre Rollen überzeugend darstellen.

Im Groben und Ganzen kann man Francos „Jack the Ripper“ als eine Mischung aus Hammer- und Edgar Wallace-Film betrachten. Allerdings kommt hierbei noch eine Menge Kunstblut hinzu. Auch wenn die Morde hauptsächlich angedeutet sind, so liefert Jess Franco gegen Ende des Films doch ein paar Szenen, welche relativ drastische Puppeneffekte beinhalten. Dass Jess Franco durchaus ein Meister seines Fachs war, beweist er u. a. in einer der Hauptszenen des Films, in dem der Ripper eine Prostituierte durch einen Wald verfolgt. Durch die gelungene Optik und die hervorragende Schnittfolge lässt er die Panik des Opfers fast schon greifbar werden. „Jack the Ripper“ zählt bis heute zu den erfolgreichsten Filmen Jess Francos.

Jack the Ripper – Der Dirnenmörder von London (OT: Jack the Ripper), Regie u. Drehbuch: Jess Franco, Produktion: Erwin C. Dietrich, Darsteller: Klaus Kinski, Josephine Chaplin, Herbert Fux, Andreas Mannkopff, Lina Romay. Deutschland/Schweiz 1976, 89 Min.

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