Falsch informiert – Über Fehler und Nichtssagendes in wissenschaftlichen Filmanalysen

Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen, um Filme zu analysieren. Eine davon ist die psychoanalythische Untersuchung. In dieser Hinsicht werden Filme wie Träume analysiert und mithilfe von Freuds Methode symbolisch abgeklopft.

falschinformiert3Im April diesen Jahres erschien der Sammelband „The Dread of Difference“, der sich mit der Rolle der Frau in Horrorfilmen auseinandersetzt. Unter anderem ist darin ein Artikel der Kulturwissenschaftlerin Barbara Creed enthalten, die darin versucht, eine psychoanalythische Gender-Forschung auf den Film anzuwenden.

Nun, der Versuch kann durchaus als Fehlschlag beurteilt werden. Der Artikel wirkt beinahe schon paranoid. Es gibt kaum einen Satz, in dem nicht die Begriffe Phallus oder bezahnte Vagina vorkommen. Hinzu kommen Kastrationsängste und die Abwendung von der eigenen Mutter.

All dies, behauptet Creed, fände man in dem Film „Alien“. Nun gut, die Sexualsymbolik des Aliens sowie des außerirdischen Raumschiffs sind nicht zu übersehen. Und dass eine Frau dem Monster entkommt, nimmt quasi den Aspekt des Final Girl vorweg. Aber was hat das nun wieder mit der Abwendung von der Mutter zu tun? Genau: nichts. Dennoch beißt sich Creed daran fest und sucht nach allen nur möglichen und unmöglichen Gründen, um ihre Behauptung als richtig hinzustellen, frei nach dem Motto: Nur ich habe Recht.

Creed gerät in ihrem Artikel geradezu außer sich. Man glaubt, eine Hardcore-Vertreterin der Gender-Studies haue auf die Tasten ihres Laptops. Dabei geht sie soweit, völlig falsche Informationen in ihren Text einzubauen. So verwechselt sie ständig Hitchcocks „Vögel“ mit „Psycho“ und reitet darauf herum, dass die Abwendung von der Mutter im Zentrum des erstgenannten Filmes stehen würde. Tut es dummerweise aber nicht. Das Thema Mutter-Sohn-Beziehung spielt zwar in „Die Vögel“ eine gewisse Rolle, steht aber nicht im Vordergrund wie in dem anderen Klassiker.

Nichtzuletzt setzt sie noch eins drauf, indem sie „Blade Runner“ als Horrorfilm bezeichnet. Spätestens hier sollten bei sämtlichen Lesern die Alarmglocken schrillen.

falschinformiert1In dem Buch „Korean Horror Cinema“ behaupten die beiden Herausgeber Alison Peirse und Daniel Martin, dass es sich bei dem koreanischen Film „Howling“ um einen Werwolffilm handelt. Das tut es aber nicht. Zwar ist der Titel identisch mit dem Werwolfklassiker „The Howling“, doch hat es sich damit auch schon. In der Tat handelt es sich um einen Thriller im Stil der Trashfilme der 70er Jahre.

Mitsuyo Wada-Marciano behauptet in ihrem Artikel über J-Horror (erschienen in dem Sammelband „Horror of the Extreme“), dass die modernen japanischen Horrorfilme nichts mit Emanzipation zu tun haben würden. Hier liegt sie leider vollkommen falsch. Denn J-Horrorfilme gelten quasi als Sprachrohr der Emanzipationsbewegung der 90er Jahre und des Beginns des neuen Jahrtausends. Die Themen dieser Filme handeln von den Problemen, vor denen Frauen in Japan stehen, die versuchen, ihr eigenes Leben zu leben.

James Kendrick ist in seinem Artikel „Return of the Graveyard“ (erschienen in dem Sammelband „American Horror Film“) der Meinung, dass das verstärkte Aufkommen der Geisterfilme Ende der 90er Jahre etwas mit den Gothic Novels des 18. Jahrhunderts zu tun habe. Nur was? Genau diese Antwort bleibt der gute Mann uns schuldig. Er verweist nicht einmal auf Interviews mit Regisseuren oder Autoren, die seine Theorie belegen könnten. Nichts. Der Artikel ist bloßes Gerede, ohne die einzelnen Thesen zu untermauern.

Schon allein an diesen Beispielen zeigt sich, dass kultur- und medienwissenschaftliche Filmanalyse teilweise voller Fehler steckt. In einem anderen Artikel haben wir auf eine hanebüchene Statistik von Horrorfilmen hingewiesen, die im Grunde genommen keine brauchbaren Ergebnisse liefert. Interessanterweise häufen sich die Fehler und falschen Angaben bei Texten, die von Kultur- und Medienwissenschaftlern verfasst wurden. Und es ist erschreckend, dass diese falschen Angaben von den jeweiligen wissenschaftlichen Kollegen anscheinend nicht bemerkt werden. Hier werden keine Erkenntnisse offenbart, sondern Fehler auf Fehler gehäuft, was dazu führt, dass sich die jeweiligen Autoren ihre eigene Wahrheit zusammenschustern und die Leser, die sich in der Thematik nicht auskennen, falsch informieren.

Wir haben natürlich ein paar der Autoren angeschrieben und, wen wundert’s, keine Antwort erhalten.

 

 

Lauter schöne Menschen oder Äußerlichkeit zahlt sich aus

casting
Casting für den Horrorfilm „The Black Cat“ in den 60er Jahren.

Eine Studie hat ergeben, dass gut aussehende Frauen und Männer mehr verdienen als Kollegen, die mit einem weniger gewinnenden Äußeren gesegnet sind. Gutes Aussehen zahlt sich demnach tatsächlich aus. Was in den Sozialwissenschaften als neueste Erkenntnis hinausposaunt wird, ist in der Medienbranche längst nichts Neues. Nicht ohne Ironie bezeichnete Luhmann vor allem die Soziologen als diejenigen, die nachher immer alles vorher wissen. In den Medien, so kann man durchaus behaupten, ist gutes Aussehen Pflicht.

Und wenn jemand nicht dem neuen Standard entspricht? Dann wird eben nachgeholfen. Seit ein paar Jahren boomen Schönheits-OPs. Südkorea ist hierbei auf Platz eins. In der Tat gibt es dort kaum Frauen, die nicht schon mal mit Hilfe des Onkel Doktors ein wenig „Korrektur“ machen ließen. Nun, die Schönheitschirurgen sprechen ungern von OPs oder Korrekturen, deswegen hat sich der positiv klingende Begriff „Realisation“ eingebürgert. Und um zurück auf Südkorea zu kommen, dort gibt es einen netten Spruch: eine Frau wird zweimal geboren, einmal von ihrer Mutter, ein weiteres Mal von ihrem Schönheitschirurgen.

Der amerikanische Gesellschaftsreporter Joel Stein wies in seinem neuesten Artikel darauf hin, dass selbst Feministinnen diesem Trend erliegen. Doch sind Schönheits-OPs längst nicht nur Frauensache. Auch Männer legen sich immer öfters unters Messer, nicht etwa um ihre Männlichkeit zu korrigieren, sondern ihre Nase. Die meisten Frauen übrigens lassen sich tatsächlich ihre Brüste vergrößern.

logans runDer Schönheitswahn, der interessanterweise einher geht mit dem Sterbethema-Tabu, beeinflusst seit einiger Zeit auch das Filmgeschäft. Die Casting-Agenturen erhalten seitens der Produktionsfirmen verstärkt Aufträge, Schauspieler nicht mehr nach ihrem Können, sondern allein nach ihrem guten Aussehen auszusuchen. Das Ergebnis findet sich dann vor allem in den Blockbustern und TV-Serien wieder, in denen die Normalos zur aussterbenden Rasse gehören. Frauen und Männer müssen jung und sexy sein, alles andere ist egal.

doctorImmer wieder muss ich Larry Fessenden erwähnen, der sagte, dass die Hollywoodkrise in Wirklicheit eine gesellschaftliche Krise sei. Der derzeitige soziale Wandel scheint in der Tat auf eine Krise hinauszulaufen. Was zählt, ist reine Äußerlichkeit, was sich nicht nur anhand der Schönheits-OPs bemerkbar macht, sondern auch im Blockbuster-Kino. Interessanterweise hat ausgerechnet Hollywood mit dem SF-Klassiker „Logan’s Run“ eine Art Satire auf die soziale Angst vorm Altern abgeliefert. Dies war zwar in den 70er Jahren, doch das Wesentliche daran ist, dass die Satire zur Realsatire verkommen ist.

Der koreanische Horrorthriller „Doctor“ macht sich über die rasante Zunahme der Schönheits-OPs lustig, indem er einen Schönheits-Chirurgen Amok laufen lässt, nachdem dieser mitbekommen hat, dass seine Frau (übrigens ebenfalls von ihm verjüngt) ein Verhältnis mit einem Fitness-Trainer hat. Der Witz und die Ironie ging am einheimischen Publikum anscheinend völlig vorbei. Der Film floppte.

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„Let me in“. Auch die Moderatorin lag bereits mehrfach unter dem Messer …

Um dem Wahn eine Grenze zu setzen, hat der südkoreanische Musikkonzern YG vergangenes Jahr eine Gegenmaßnahme getroffen: es werden nur noch junge Frauen und Männer gecastet, die noch keine OP gehabt haben. Doch steht die Firma alleine da. Denn eine recht krasse Form nimmt das Thema in der koreanischen TV-Show „Let me in“ an. Dort geht es darum, „hässliche“ Menschen „schön“ zu machen. Der Titel der Sendung ist mehr als nur bedenklich, weist aber auf den derzeitigen gesellschaftlichen Trend hin: wer nicht schön ist, muss draußen bleiben. Anders ausgedrückt, nur „schöne“ Menschen können oder vielleicht sogar dürfen am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Um zurück auf „Logan’s Run“ zu kommen, dort werden Menschen, die das 30. Lebensjahr erreicht haben, in einer Art Zeremonie öffentlich ausgelöscht. In unserer Realität dürften Menschen, die wie 30 aussehen, bald im sozialen Abseits stehen.

 

 

 

Remakes and Remaking – Ein neues Buch über … Remakes

remakesremakingWährend sich die Remakeforschung in den USA, England und Frankreich seit den 90ern stark entwickelt, steckt diese Disziplin in Deutschland beinahe noch in den Kinderschuhen. Zwar erscheinen immer wieder Dissertationen, die sich mit Remakes beschäftigen, doch so richtig in Fahrt kommen will das Ganze noch lange nicht.

Nun haben Rüdiger Heinze und Lucia Krämer einen Sammelband herausgebracht, dessen Beiträge sich dem Thema Remake aus verschiedenen Perspektiven nähern. Die Einleitung sowie sämtliche Beiträge sind auf Englisch, um sich wahrscheinlich einen besseren Platz in der Zitations-Riege zu sichern. Den Band auf Deutsch herauszubringen, wäre in diesem Fall aber weitaus besser gewesen, da die deutsche kulturwissenschaftliche Forschung nun einmal (oder wie fast immer) im internationalen Vergleich hinterherhinkt.

Neben Artikeln über Remakes finden sich auch Texte, die sich mit Adaptionen, also dem Remaking, beschäftigen, in dem Band wieder. Sämtliche Artikel sind durchaus interessant, flüssig geschrieben und betrachten die Thematik aus verschiedenen Richtungen. Besonders lesenswert sind die Texte über Bollywood und über den Vergleich zwischen „Internal Affairs“ und „The Departed“, da diese das Thema in einen globalen Zusammenhang setzen.

Was jedoch einem etwas die Stimmung vermiest, ist die Einleitung. Besonders Leser, die sich bereits seit längerem mit Remakes auseinandersetzen, werden sich darüber ärgern, denn der kurze, einfach nur oberflächliche Text (knapp sechs Seiten, der Rest geht für die Vorstellung der einzelnen Artikel drauf) kommt über eine knappe Zusammenfassung der Thematik nicht hinaus. Während z.B. Jennifer Forrest und Leonard Koos in ihrem Sammelband „Dead Ringers“ (2010) fundiertes Wissen vermitteln, fragt man sich bei der Einleitung von „Remakes and Remaking“, was die beiden Herausgeber eigentlich damit bezwecken wollten. Rüdiger Heinze und Lucia Krämer begingen hier einen großen Fehler,  da die Remakeforschung in Deutschland nicht oder noch immer nicht den Rang einnimmt, den sie einnehmen sollte. Ansonsten aber ist der Band für Einsteiger in die Remake-Thematik durchaus zu empfehlen.

Rüdiger Heinze/Lucia Krämer (Hrsg). Remakes and Remaking. Concepts, Media, Practices. Transcript Verlag 2015, 184 Seiten, 29,99€, ISBN: 978-3-8376-2894-4

Und Schuld daran sind nur die Horrorfilme – Horror als einfache Erklärung für komplizierte Tatsachen

hellraiserEs ist alles andere als eine Neuigkeit, dass Horrorfilmen ein schlechtes Image anhaftet. Dieses Image prägt das Genre praktisch seit Anbeginn des Films. Damals wie heute waren bzw. sind es vor allem Pädagogen, die auf die angebliche schädliche Wirkung von Horrorfilmen aufmerksam machen. Manchmal gezwungen objektiv, manchmal offen hysterisch ziehen sie gegen das Genre ins Feld. Dabei stellt sich jedoch die Frage, ob Horrorfilme tatsächlich einen schädlichen Einfluss auf Rezipienten ausüben.

Interessanterweise nämlich ist diese Frage überhaupt nicht geklärt. Es gibt lediglich Vermutungen und eine Reihe dubioser Statistiken, mit denen dieser negative Einfluss belegt werden soll. Dies ist nicht nur in Deutschland so. Auch in den USA gehen vor allem Elternverbände immer wieder gerne gegen Horrorfilme vor, indem sie diese verbieten lassen wollen. In Südkorea konnten wir mit Studenten über dieses Thema diskutieren und erfuhren, dass auch dort die Behauptung des negativen Einflusses von Horrorfilmen auf (vor allem) Kinder und Jugendliche besteht.

Was innerhalb der in Deutschland geführten Diskussion auffällt, ist, dass in der pädagogischen Fachliteratur, die sich gegen Horrorfilme wendet, auf das eigentliche Wesen des Horrorfilms überhaupt nicht eingegangen wird. Die Analysen, mit denen gezeigt werden soll, wie schlimm diese Filme seien, veranschaulichen vor allem, dass die jeweiligen Autoren die Filme nicht verstanden haben. Eine Entschlüsselung der filmischen Codes ist genauso wenig in den Analysen enthalten wie eine Eingliederung in das Genre als solches. Mitte der 80er Jahte traf die Kritik vor allem Clive Barkers „Hellraiser“. Die Figur Pinhead wurde einfach als Wesen „mit Nadeln auf dem Kopf“ beschrieben – und dies sei schon schlimm genug. Kein Wort zur Ästhetik, keine soziokulturelle Hinterfragung der Darstellungen.

Der Satz „Mama, Papa, Zombie“, der Anfang der 80er Jahre im Laufe der Zunahme von Direct-to-Video-Productions aufkam, unterstreicht nochmals die Hysterie, die damals vorherrschte und heute kaum geringer geworden ist. Der Filmwissenschaftler Rick Altman schreibt in seinem Buch Film/Genre, dass es einfacher sei, Horrorfilmen die Schuld an sozialen Konflikten zu geben als den tatsächlichen sozialen Problemen, die für die tatsächliche Gewalt verantwortlich ist.

evildeadIn Deutschland wird durch die FSK-Regelung Rezipienten eine Hilfestellung bei Entscheidungsprozessen gegeben. Zugleich wird Eltern dadurch vermittelt, welche Filme ihre Kinder unbedenklich sehen können und welche nicht. Es wird dadurch klar, dass ein 12 jähriges Kind keinen Film sehen darf, der ein FSK 18-Siegel besitzt. Dass manche Kinder dann doch Filme sehen, die für ihr Alter nicht geeignet sind, dafür sind nicht die Horrorfilme schuld, sondern diejenigen Personen, die auf ihre Kinder und das, was sie sehen, aufpassen müssen oder – provokativer formuliert – sollten. Dass im Internet Dinge zu sehen sind, die für die Augen von Kindern und empfindliche Personen nicht geeignet sind, ist eine Tatsache. Aber hier sind nicht die Horrorfilme schuld, sondern diejenigen, die nicht auf das achten, was die jeweiligen Personen medial konsumieren.

Wenn ein Erwachsener weiß, dass ihn die Darstellungen in Horrorfilmen verstören, ist er quasi selbst schuld, wenn er sich einen ansieht. Bei Kindern ist es das komplizierter. Es ist klar, dass aufgrund der modernen Arbeitswelt, in der in vielen Familien beide Eltern arbeiten müssen, die Erziehung der Kinder manchmal auf der Strecke bleibt. Aber daran sind nicht die Horrorfilme schuld, sondern die derzeitge soziale Situation. Hätten Eltern mehr Zeit für ihre Kinder, könnten sie besser kontrollieren, was sich ihre Kinder im Internet oder im Fernsehen anschauen.

Die Schuld für zunehmende Gewalt unter Kindern und Jugendlichen auf Horrorfilme zu schieben, ist eine einfache und vor allem bequeme Lösung, die aber die sozialen Ursachen für diese zunehmende Konflikthaftigkeit verschleiern. Andere, sinnhafte Lösungen sind gefragt, als einfach Horrorfilme zu verbieten. Horror ist in allererster Linie eine Kunstform und damit eine mögliche Form, sich auszudrücken. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Die Videothek oder Was Sie schon immer über Videotheken wissen wollten

videothekEine Geschichte der Videothek war längst überfällig. So hat es sich der Medienwissenschaftler Tobias Haupts zur Aufgabe gemacht, dies in seinem Buch „Die Videothek“ nachzuholen. Speziell in einer Zeit, in welcher Online-Angebote den klassischen Videotheken das Leben schwer machen, kommt fast schon ein wenig Nostalgie auf, wenn man in dem Buch liest.

Geradezu akribisch ging Haupts auf Spurensuche, sichtete diverse Broschüren, Zeitschriften und Magazine und was ihm sonst noch in die Hände fiel, um die Geschichte einer besonderen Institution nachzeichnen zu können. Dabei lässt er so gut wie kein Thema aus und keine Frage offen. Angefangen von der angestachelten Goldgräberstimmung, die in der Videothek die Möglichkeit sah, auf bequeme und schnelle Art und Weise Geld verdienen zu können, bis hin zum langsamen Niedergang der Videothek geht der Rundumblick. Auch die „Vorläufer“ der Videothek wie etwas das Bahnhofskino oder das Autokino werden nicht außer Acht gelassen.

Unweigerlich verbunden mit der Geschichte der Videothek ist das politische und von Pädagogen initiierte Gerangel um die Indizierung von Filmen. Auch darauf geht Tobias Haupts in mehreren Kapiteln ein, wobei selbst der Klassiker aller Pädagogen-Warnungen „Mama, Papa, Zombie“ nicht fehlt. Haupts nimmt in dieser Debatte keine Stellung, sondern schildert objektiv, welche Hürden den Videothekaren zum Teil aufgestellt wurden, wenn es um Horror-, Action- und Pornofilme ging. Auch die irrwitzige Debatte über „Evil Dead“ wird hier (wenn auch nur am Rande) angeschnitten.

Nein, über dieses Buch kann man nicht meckern. Es macht Spaß, ist hoch informativ und nicht nur etwas für die Wissenschaft, sondern für jeden, der sich mit Mediengeschichte auseinandersetzt. Und wenn man das Buch beendet hat, möchte man nur eines: in die nächste Videothek gehen.

Tobias Haupts: Die Videothek. Zur Geschichte und medialen Praxis einer kulturellen Institution. Transcript Verlag 2014, 422 Seiten, 34,99€. ISBN: 978-3-8376-2628-5.