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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Zeitgleich zum Release ihres ersten Albums, veröffentlichte die Girl Group Red Velvet den Titelsong „Dumb Dumb“. Über Red Velvet haben wir bereits einen eigenen Artikel verfasst, inzwischen aber hat sich die Gruppe innerhalb des K-Pop etabliert, obwohl sie durch ihre skurrilen Songs und ihre Videoclips eine Ausnahmeerscheinung darstellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright SM Entertainment)

Bereits mit ihrem ersten Clip „Happiness“ erregten sie in Japan Empörung, da in einer der Bildmontagen der Atompilz von Hiroshima zu sehen war. Das Video musste umgeschnitten werden und liegt seitdem nur in der zensierten Version vor. Es folgte das elegante, nur aus Danceshots bestehende Video zu „Be Natural“ und das eher schwächelnde Video zu „Automatic“, das in denselben Kulissen gedreht wurde. Mit „Ice Cream Cake“ brachen sie ihre Soul-Phase ab und kehrten zu ihren skurrilen Anfängen zurück.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Mit dem Clip zu „Dumb Dumb“ erreichten sie nun einen neuen Höhepunkt, neben dem so ziemlich alle anderen Clips langweilig wirken. In der Tat ist K-Pop längst nicht mehr das, was es mal war. Hin und wieder wachen die Produzenten auf und entwickeln interessante Konzepte, im Großen und Ganzen aber zeigt sich eine Ideenlosigkeit. Die Gruppe Red Velvet kommt hier gerade richtig, denn ihre Videoclips überschreiten die Grenze zwischen Kommerz und Kunst.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

„Dumb Dumb“ beginnt recht harmlos. Auffällig sind zugleich die hellen, reinen Farben. Als Zuschauer ist man zunächst enttäuscht, doch schon wenige Sekunden später erfolgt der Paukenschlag. Der Clip wandelt sich schalgartig von Durchschnitt zu Aberwitz. Bewegungsstudien, Spiegelungen und Videoeffekte, die an die 80er Jahre erinnern, werden überdreht dargestellt.

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Red Velvet „Dumb Dumb“ (Copyright: SM Entertainment)

Das Video beginnt banal, wird dann aber zu einem bizarren Rausch fast schon unheimlicher Ideen, die beinahe an Wahnsinn grenzen. Doppelgängerinnen stehen emotionslos um eine Holzkiste und schlagen mit einem Hammer darauf, menschliche Puppen werden am Fließband gefertigt und erinnern dabei an Werbeplakate aus den 50er Jahren. Die oben genannten Bewegungsstudien zitieren die Anfänge des Films und verdrehen diese zugleich ins Obskure. „Dumb Dumb“ wird damit zu einer visuellen Achterbahnfahrt zwischen Kafkaeskem und Postmoderne, die ihresgleichen sucht.

Einmal mehr beweist die Girl Group, dass man mit ihr rechnen muss. Die Produktionsfirma SM Entertainment, die sonst eher für üblichen K-Pop a la Girl’s Generation bekannt ist, zeigt, dass es auch anders geht. Das macht Red Velvet und ihre Videoclips zurzeit einzigartig im K-Pop.

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Wir erinnern uns: am 18. August 2012 trat in Südkorea ein Gesetz in Kraft, welches dem Ministerium für Gesundheit und Kultur erlaubt, Musikvideos zu zensieren. Diese Zensur betrifft auch Videoclips, welche auf Internetplattformen wie YouTube gestellt werden. Die Aufregung in der Musikbranche war dementsprechend groß. Drei Monate nach dem Inkrafttreten stellt sich die Frage: Kann man Auswirkungen auf die danach produzierten Musikvideos feststellen, welche auf dieses Gesetz zurück zu führen sind?

Die Antwort lautet: Ja. In der Tat scheinen sich die Bosse der Musikkonzerne sich diesem Gesetz angepasst zu haben. Andererseits kann man eine gewisse ästhetische Unsicherheit feststellen. Da nicht konkret formuliert wurde, was erlaubt ist und was nicht, gehen die Produzenten auf Nummer Sicher, indem sie Konzepte entwerfen, von denen sie glauben, dass sie nicht der Zensur unterliegen werden. Dies hat zur Folge, dass ganze Bandkonzepte umgeworfen und neu entwickelt werden. Andererseits scheint eine Zeit des Abwartens angebrochen zu sein. Das heißt, man fährt zweigleisig. Während die Videoclips, welche seit September veröffentlicht wurden, harmloser wirken als die vorangegangenen, bleiben die ursprünglichen Konzepte bei Lifeauftritten erhalten.

Die Boyband B.A.P. gibt sich auf einmal brav. Schuld daran das neue Zensurgesetz.

Als Indikatoren können die Boyband B.A.P. sowie die Girlbands Rania und Dalshabet herangezogen werden. B.A.P. wurde vor allem durch seine äußerst aggressiv in Szene gesetzten Choreographien bekannt. Das Video Stop it, welches im Herbst veröffentlicht wurde, zeigt eine ganz anders inszenierte Gruppe. Es dominieren helle, freundliche Farbtöne. Das Video erzählt eine harmlose Liebesgeschichte im Stil von Ghost. Die Dance-Shots symbolisieren keine Aggressivität mehr, sondern wirken eher wie ein nett gemachtes Image-Video. Kennt man die vorangegangenen Clips und das darin aufgebaute Bild einer „Eltern- und Pädagogen-Schreck-Band“, so wirkt die nun veröffentlichte Produktion beinahe lächerlich. Den Mitgliedern der Band, welchen der Stil des gegen das System agierenden Rebellen aufgesetzt wurde, kommen nun als brave Jungs daher, und zwar so brav, dass das Konzept auch für eine Waschmittelwerbung gelten könnte.

Das Konzept der Girlband Rania wurde ebenfalls umgewandelt: vom „Luder-Image“ hin zur emanzipierten Frau.

Das neue Konzept der Girlband Rania ist ähnlich zu bewerten. Die beiden vorangegangenen Videos, hier vor allem Dr. Feel Good, waren geprägt von einer deutlichen erotischen Sprache. Davon ist in dem neuen Videoclip Style, welches ebenfalls im Herbst veröffentlicht wurde, nichts mehr zu sehen. Das Video zeigt eine neu entworfene Band, welche nun über Emanzipation singt und nicht mehr darüber, wilden Sex zu haben. Interessant ist hierbei, dass es offensichtlich eine lange Diskussion darüber gab, wie der Clip gestaltet werden sollte. Geplant war eigentlich ein weiteres „Schmuddelvideo“ mit dem Titel Killer. Dieses Konzept wurde anscheinend aufgrund der Neuregelung verworfen.

Die Girlband Dalshabet schließlich hat das Problem, dass sie kein Konzept mehr zu haben scheint. Die Band erregte aufsehen durch ihre zunehmenden Gewaltdarstellungen in den Videoclips, hierbei vor allem Hit U, in welchem eine Frau kaltblütig ihren Freund und dessen Bekannten erschießt. Das neue Video Have and don’t have ist zu einem nichtssagendem Etwas geworden, welches sich an die zurzeit in Bedrängnis geratene Girlformation T-ara orientiert. Von der vorangegangenen Entwicklung ist nichts mehr übrig geblieben, was höchstwahrscheinlich mit der neuen Gesetzgebung zusammenhängt.

Die eindeutigen Verlierer der durch das Zensurgesetz entstandenen „Verunsicherungswelle“ ist die Girlband Dalshabet, die plötzlich ohne jegliches Konzept dasteht.

Betrachtet man weitere Videos, wie etwa von SPICA oder auch The Seeya, so kann man dort dieselben Veränderungen bzw. Konzepte erkennen. Es wird deutlich versucht, nicht über die Stränge zu schlagen. Das Gothic-Konzept von The Seeya geht dementsprechend nicht auf und wirkt nach dem Motto geschustert: ich will und kann nicht. Dieser Spruch lässt sich zurzeit auf die gesamte Unsicherheit in Sachen Videoclip-Produktion innerhalb der koreanischen Musikbranche übertragen.

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Südkorea ist inzwischen auch bekannt im Hinblick auf seine Popmusik. In keinem anderen Land werden Boy- und Girlgroups fast schon fließbandartig auf den heimischen Musikmarkt geworfen wie in dem einstigen „hermit kingdom“. Was zum einen wie ein reiner „Popkultur-Kapitalismus“ erscheint, nimmt bei genauerer Betrachtung der sog. Promotional Videos interessanterweise eine sozialkritische Form an. Dies zeigt sich besonders bei den Videos der Girlgroups.

Betrachtet man die Videoclips rein oberflächlich, so scheint die Präsentation der Sängerinnen dem zu unterliegen, was man als den „männlichen Blick“ bezeichnet. Es scheint also, als symbolisiere die Kamera die sexuell beeinflusste Sichtweise eines Mannes auf eine Frau bzw. auf einen weiblichen Körper.

In der Tat jedoch stellen die meisten dieser Musikvideos eine emanzipierte Darstellung von Frauen dar. Man nehme hierbei u. a. als Beispiel den Videoclip „Good Girl, Bad Girl“ der Girlband Miss A , in welchem es um den Unterschied zwischen äußerem Schein und innerem Sein geht, wobei zugleich die oben genannte Perspektive in Frage gestellt wird. Ein anderes Beispiel wäre das Musikvideo „Nowadays You“ der Girlband Brave Girls. Hier präsentieren sich die Sängerinnern in Hosenanzügen, wobei sie von männlichen Symbolen umgeben sind (Auto, Zahnräder als Symbol für Maschinenteile usw.). Dazu passt der Kommentar eines der Mitglieder: sie seien im Grunde genommen eine männliche Girlband. Weitere Videos wären „So hot“ der Wondergirls oder auch „Bo Pe“ der Gruppe T-ARA. In beiden wird die Frau als das „stärkere Geschlecht“ dargestellt.

In dem neuen Videoclip der Gruppe „After School“ wehrt sich eine der Sängerinnen mithilfe einer Pistole gegen den männlichen Blick.

In neueren Videoclips kommt es zu einer direkten Symbolik von Emanzipation. Es handelt sich hierbei u. a. um die Videos „Hit U“ von Dalshabet und um „Flashback“ von After School. In beiden Clips verschaffen sich die Frauen durch ein durchaus männliches Symbol Gehör und verweisen dabei nicht nur auf Selbständigkeit, sondern auch auf eine soziale Gleichrangigkeit. In beiden Videoclips bedroht eine Frau einen Mann mit einer Pistole. Die Pistole gilt als ein Symbol für das männliche Geschlecht. Die Frauen erobern sich ihren sozialen Status, indem sie dieselben Mittel wie ihre männlichen Konkurrenten verwenden. In „Hit U“ ist dies um ein Vielfaches drastischer dargestellt als in „Flashback“, da hier eine Frau sämtliche Männer erschießt, die sie unterschätzt und damit ins Lächerliche gezogen haben. Als zusätzliches Symbol ihrer Rache kann das pinkfarbene Blut angesehen werden, das dabei durch die Gegend spritzt und aufgrund seiner Farbe einen weiblichen Aspekt aufweist (ein zusätzlicher Grund für die Farbgebung liegt natürlich auch darin, der Szene ihre Brutalität zu nehmen. Immerhin erschießt die Frau äußerst kaltblütig mehrere Männer, die ihr schutzlos ausgeliefert sind).

In dem Videoclip der Girl-Group „Dalshabet“ erschießt eine Frau ihren Exfreund und seine Gefährten.

After School und Dalshabet haben in diesem Sinne die Emanzipation der Frau in Korea, jedenfalls im medialen Sinne, auf eine neue Stufe gehoben. Natürlich gibt es auch weiterhin Musikvideos, in denen die Frau schlicht und ergreifend als Sexobjekt dargestellt wird wie dies vor allem in den Clips der Gruppe Sistar der Fall ist. Dennoch dürften die beiden Musikvideos in Sachen Emanzipation eine neue Richtung vorgegeben haben.

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