The 80s: Excalibur (1981)

Mitten in der Schlacht; „Excalibur“ (1981); © Warner

Eigentlich hatte John Boorman Tolkiens „Herr der Ringe“ verfilmen wollen, doch wurde das Projekt aus Kostengründen nicht weiter verfolgt. Allerdings verwendete er die Vorarbeiten für einen anderen Fantasy-Epos: „Excalibur“. Damit schuf er nicht nur einen der erfolgreichsten Fantasy-Filme der 80er Jahre, sondern beeinflusste mit der Machart auch spätere Produktionen bis hin zu Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Adaption.

„Excalibur“ galt 1981 als einer der brutalsten Filme. Grund dafür sind die recht heftigen Schlachtenszenen, in denen hier und da mal ein Arm verloren geht und das Kunstblut nur so herumspritzt. Boorman setzte damit einen Kontrastpunkt zu den Ritterfilmen der 50er Jahre, in denen die Helden stets frisch gewaschen sind und saubere Rüstungen anhaben. In „Excalibur“ sind die schweren Rüstungen voller Dreck, die Ritter schwitzen und kämpfen schnaufend und keuchend. Hinzu kommt die damals viel diskutierte Sexszene zwischen Uthar (dem Vater von König Arthur) und Igrayne. während in einer Parallelmontage der Fürst von Cornwall, mit dem Igrayne verheiratet ist, von Lanzen  durchbohrt wird.

Der Film ist eine Adaption von Thomas Malorys „König Arthur und die Ritter der Tafelrunde“ aus dem Jahr 1485. Unversehens wird Arthur König, als er das Schwert Excalibur aus dem Stein zieht. Er versammelt die besten Ritter um sich und bildet mit ihnen die Tafelrunde. Alles scheint gut zu verlaufen, doch nach und nach bricht seine Herrschaft zusammen. Grund dafür ist die Hexe Morgana, Arthurs Schwester, die ihn verzaubert und dabei mit ihm einen Sohn zeugt. Diesen möchte sie statt Arthur auf den Thron heben …

„Excalibur“ ist sehr aufwendig produziert, das Design der Rüstungen phänomenal und die Bildgestaltung, die teilweise an die Gemälde der Romantik erinnert, unglaublich ästhetisch. Hinzu kommt die sensationelle Dramatik, die dem Film fast schon etwas Opernhaftes verleiht. Eigentlich hätte der Film über drei Stunden dauern sollen, doch musste John Boorman den Film auf zwei Stunden kürzen.

König Arthur (Nigel Terry) bei der Hochzeit mit Guenevere (Cherie Lunghi); „Excalibur“ (1981); © Warner

Boorman entschied sich damals, die Rollen mit eher unbekannten Schauspielern zu besetzen, von denen manche heute zu den bekanntesten Darstellern Hollywoods zählen: Liam Neeson (in einer winzigen Nebenrolle), Patrick Steward, Helen Mirren und Gabriel Byrne. Ausgerechnet der Hauptdarsteller Nigel Terry sollte nicht wirklich davon profitieren. Seine spätere Karriere beschränkte sich auf TV-Serien und Nebenrollen.

„Excalibur“ ist schlicht und ergreifend ein wunderbarer Fantasyfilm, der bis heute nichts von seiner Gewaltigkeit verloren hat. Damals war er nominiert für die Goldene Palme, ging aber leider leer aus. Heute zählt der Film zu den Klassikern der 80er Jahre.

Excalibur. Regie u. Produktion: John Boorman, Drehbuch: Rospo Pallenberg, John Boorman, Darsteller:  Nigel Terry, Helen Mirren, Nicholas Clay, Cherie Lunghi, Nicol Williamson. USA 1981

The 80s: Willow (1988)

Zeigt her eure Zähne: das Ungeheuer in „Willow“ ist ein echter Hingucker; „Willow“ (1988); © Lucasfilm/20th Century Fox/Walt Disney

Die Idee zu „Willow“ hatte George Lucas bereits seit Anfang der 70er Jahre. Doch erst Ende der 80er waren die visuellen Möglichkeiten vorhanden, um das Projekt umsetzen zu können. Trotzdem Lucas bekanntlich mit der damaligen Star Wars-Trilogie zu den erfolgreichsten Filmemachern zählte, wollte dennoch kein Studio seinen neuen Film mitfinanzieren. Erst 20th Century Fox entschloss sich, an dem Projekt teilzunehmen, und somit konnten die Dreharbeiten beginnen.

Es geht um den Zwerg Willow, der eines Tages ein Baby am Ufer eines Flusses findet. Die Bewohner des Dorfes, in dem Willow wohnt, haben Angst, dass dies Unglück über sie bringen könnte und fordern Willow auf, das Baby wegzubringen. Was niemand weiß: das Baby namens Elora ist eine große Gefahr für die böse Königin Baymorda. Daher hat sie ihre Reiter ausgesandt, um das Baby zu finden. Willow gerät daher von einer gefährlichen Situation in die andere, wobei ihn der Schwertkämpfer Madmartigan unfreiwillig unterstützt.

„Willow“ wurde zu einem recht großen Erfolg, auch wenn sich George Lucas mehr erhofft hatte. Doch die Fantasy-Welle war Ende der 80er längst wieder am abklingen. Erst durch „Herr der Ringe“ (2001) sollte sie wiederbelebt werden. Die Kritiken waren damals eher negativ als positiv, besonders Warwick Davis kam dabei schlecht weg. In der Tat überzeugt er in seiner Rolle des Willow eher wenig, seine Figur wirkt zu einseitig, ja im Gegensatz zu den anderen Figuren, fast schon fad. Das liegt jedoch nicht an ihm, sondern eben an der schlecht konzipierten Rolle. Denn das Warwick Davis hervorragend schauspielern kann, zeigte er u. a. in „Leprechaun“ (1993).

Willow und seine Gefährten; „Willow“ (1988); © Lucasfilm/20th Century Fox/Walt Disney

Insgesamt aber ist „Willow“ eine nette und witzige Mischung aus Fantasy und Abenteuer, dessen Höhepunkt nicht das Finale, sondern der Kampf in der Festung Bavmorda darstellt, in der es Willow und Madmartigan nicht nur mit den bösen Soldaten der Königin Baymorda zu tun bekommen, sondern ebenso mit fiesen Trollen und einem zweiköpfigen Riesendrachen, dem wahrscheinlich hässlichsten Monster der Filmgeschichte. Hier kommen die großartigen Spezialeffekte so richtig zur Geltung. Jedenfalls wirkt das eigentliche Finale im Gegensatz zu diesem wilden und sehr gut inszenierten Kampfgetümmel eher mager und einfallslos. – Dennoch ist der Film recht sehenswert, auch wenn er mit Sicherheit kein Meisterwerk ist.

Willow. Regie: Ron Howard, Drehbuch: Bob Dolman, Produktion: George Lucas,  Darsteller: Warwick Davis, Val Kilmer, Joanne Whalley, Billy Barty, Jean Marsh. USA 1988

The 80s: Palast der Winde (1984)

Ashton (Ben Cross) und Anjuli (Amy Irving); „Palast der Winde“ (1984); © Concorde/Goldcrest

Für Christopher Lee gehörte Peter Duffell zu den britischen Regisseuren, die nicht den Rang innehatten, der ihnen eigentlich gebührte. In der Tat kam Duffell nie aus dem TV-Bereich heraus. Seine einzige Großproduktion war die Verfilmung des Romans „Palast der Winde“ von M. M. Kaye (1908 – 2004).

In diesem dreiteiligen TV-Film offenbarte Peter Duffell, dass man ihn in der Tat zu den großen Regisseuren zählen müsste. Aus dem tausendseitigen Bestseller (der Roman erschien 1978), schuf Duffell einen großartigen Abenteuerfilm, in dem sich schöne Landschaftsaufnahmen, wilde Kämpfe und leidenschaftliche Romantik die Klinke in die Hand geben.

Es geht um den Engländer Ashton Pelham-Martyn, der unter dem Namen Ashok in Indien als Hindu erzogen wird, was ihn später bei seinen Landsleuten zum Außenseiter abstempelt. Während seiner Kindheit war er mit dem Mädchen Anjuli befreundet, einer Prinzessin, deren Mutter Russin gewesen ist. Als Erwachsener kehrt Ashton nach Indien zurück, um in der britischen Armee zu dienen, doch sein freundliches Verhalten gegenüber den Einheimischen gefällt nicht jedem in der Armee.

Eines Tages erhält er den Auftrag, einen Hochzeitszug zweier Prinzessinnen zu begleiten, der quer durch Indien zieht. Was Ashton völlig unerwartet erfährt, ist, dass eine der jungen Frauen Anjuli ist. Von da an befindet sich Ashton im Konflikt zwischen der ihm auferlegten Pflicht und seiner Liebe zur Prinzessin.

Man kann es nur wiederholen: „Palast der Winde“ (der Originaltitel lautet „The far Pavilions“) ist ein wunderbarer, aufregend inszenierter Abenteuerfilm. Ashton gerät von einer brenzligen Situation in die nächste, wobei er auch diverse Kämpfe bestehen muss. Als er am Schluss seiner militärischen Laufbahn als Spion nach Afghanistan abkommandiert wird, kommt es zu einer packenden Schlacht um die englische Botschaft.

Englisches Buchcover des Bestsellers von M. M. Kaye

Trotz Staraufgebot (Ben Cross als Ashton, Amy Irving als Anjuli, Christopher Lee als Rao-Sahib, Omar Sharif als Koda Dad), war das Interesse an der Romanverfilmung weniger groß, als sich die Produktionsfirma Goldcrest erhofft hatte. Den Produktionskosten von knapp 7 Millionen Pfund standen Einnahmen von knapp 5 Millionen Pfund gegenüber. Nach und nach aber entwickelte sich die Miniserie zu einem echten Klassiker.

Um doch noch einen Gewinn zu erzielen, brachte Goldcrest die Serie damals nochmals als einen auf 90 Minuten zusammengeschnittenen Spielfilm heraus, doch geriet diese Version schnell wieder in Vergessenheit.

The 80s: Straßen in Flammen (1984)

Tom (Michael Páre) und Ellen (Diane Lane); „Streets of Flame“ (1984); © Universal Pictures

Es gibt Filme, die filmhistorisch bedeutsam sind, zur Zeit ihrer Veröffentlichung aber gnadenlos floppten. Dieses Schicksal „genießt“ Walter Hills Mischung aus Motorradgang- und Noir-Film „Streets of Fire“ aus dem Jahr 1984.

Damals spielte der Film gerade einmal die Hälfte seiner Produktionskosten ein. Heute zählt der Film zu den bedeutensten der 80er Jahre. Grund dafür ist, dass damals ein neuartiges Filmmaterial verwendet wurde, womit Nachtaufnahmen praktisch ohne zusätzliche Beleuchtung gedreht werden konnten, was zur außergewöhnlichen Farbgebung des Film und auch späterer Filme beitrug.

„Straßen in Flammen“ ist in einer Quasi-50er-Jahre-Epoche angesiedelt, vermischt diese Elemente jedoch mit dem Stil der 80er Jahre. Es geht um die Bomber, eine Motorradgang, die eine Stadt terrorisiert. Eines Tages entführt Raven, der Anführer der Gang, die Sängerin Ellen. Dies führt dazu, dass Reva ihren Bruder Tom bittet, in die Stadt zu kommen, um zu helfen, Ellen aus den Fängen der Gang zu befreien. Tom kommt der Bitte nach, immerhin war Ellen früher einmal seine Freundin. Schließlich stehen sich Raven und Tom gegenüber …

Wer einmal Willem Defoe in schwarzer Latexlatzhose sehen möchte, der ist bei „Straßen in Flammen“ genau richtig. Eigentlich ist das Kostüm eich echter Hingucker und stellt alles andere in den Schatten, besonders, da Defoe darin wie ein wirklicher Bösewicht aussieht. Doch unabhängig davon, spielt Willem Defoe als Raven so ziemlich alle übrigen Schauspieler gegen die Wand. Sogar Rick Moranis, der hier ausnahmsweise nicht für die Comedyeinlagen zuständig ist, sondern Billy Fish, einen schleimigen Manager, der es nur aufs Geld abgesehen hat, spielt. Allerdings nimmt man ihm die Rolle nicht ganz ab, irgendwie wirkt er immer wieder unbeholfen.

Ein Beispiel für die großartige Optik des Films; „Streets of Flame“ (1984); © Universal Pictures

Wirklich hervorragend ist allerdings die Optik des Films, die gekonnt den klassischen Noir-Stil mit den Neonfarben der 80er Jahre vermischt, was dazu führt, dass hin und wieder ein in leichten Ansätzen „Blade Runner“-artiges Gefühl aufkommt. Sehr gut choreographiert sind die einzelnen Actionsequenzen. Für den Endkampf zwischen Raven und Tom benötigte die Crew ganze zwei Wochen, bis er im Kasten war.

Walter Hill überließ praktisch nichts dem Zufall, sondern sorgte dafür, dass auch wirklich alles genauso funktionierte, wie er es haben wollte. Diese Sorgfalt führt letztendlich zu den großartigen Bildkompositionen, in denen der Film geradezu schwelgt und für die „Straßen in Flammen“ berühmt geworden ist.

The 80s: Interceptor (1986)

Mit dem Film „Interceptor“ machte sich Regisseur Mike Marvin bei den Kritikern keine Freunde. Die einen bezeichneten ihn als langweilig, die anderen als albern. Nun, große Kinokunst sieht in der Tat anders aus. Aber langweilig ist der Film trotzdem nicht.

Es geht um James Hankins, der als Rennfahrerphantom aus dem Jenseits zurückkehrt, um sich an seinen Mördern, einer Jugendgang, zu rächen. Die Gang steht auf Autorennen und terrorisiert zudem auch noch eine Kleinstadt. The Wraith (Das Gespenst) zeigt den Mitgliedern der Bande, wo der Hammer hängt, und bringt einen nach dem anderen bei verschiedenen Autorennen um.

Was man Mike Marvin durchaus vorwerfen kann, ist, dass der Film nicht viel Abwechslung bietet. Es gibt lediglich drei Handlungsorte: die Straße, das Schnellrestaurant und die Scheune, in der die Gangmitglieder ihre Autos auf Hochglanz polieren. Das war es dann auch schon.

Das letzte Rennen; „Interceptor“ (1986); Copyright: NSM

Dass „Interceptor“ trotzdem nicht langweilig wird, hängt damit zusammen, dass die Geschichte rasant voranschreitet. Die Autorennen sind durchaus gut gefilmt, – dass jedes mit einer Explosion endet, spricht jedoch ebenfalls nicht gerade für großen Einfallsreichtum. Gegen Ende des Films explodiert allerdings auch die Scheune, vielleicht tut man dem Regisseur mit der vorherigen Behauptung daher Unrecht.

Interessant im ironischen Sinne ist natürlich das Kostüm des Gespensts. In schwarzem Lederanzug und schwarzem Rennfahrerhelm und natürlich dem blitzblank geputzten Rennschlitten scheint das Jenseits der Traum eines jeden Autoschraubers zu sein. Mike Marvin erklärte das Aussehen einmal damit, dass James Hankins von außerirdischen Mächten wieder zurück zur Erde gebracht wird. Nun, da er auch selbst das Drehbuch geschrieben hat, müssen wir ihm das glauben.

Im Grobe und Ganzen kommt „The Wraith“ nicht aus dem Rahmen eines TV-Films hinaus. Das wundert auch nicht, da Marvin mehr im Bereich der Fernsehproduktionen und selten im Kinobereich unterwegs ist. Der Soundtrack u. a. mit Songs von Robert Pamer, Billy Idol und Ozzy Osbourne hat allerdings etwas für sich.

The 80s: Absolute Beginners (1986)

Colin (Eddie O’Connell) und Suzette (Patsy Kensit) haben unterschiedliche Zukunftspläne. „Absolute Beginners“ (1986); © Eurovideo

Mitte der 80er Jahre hoffte die Produktionsfirma Goldcrest auf einen Erfolg. Sie stand kurz vor der Pleite. Das von Julien Temple geplante Projekt sollte die Firma vor dem finanziellen Ruin retten. Doch das Resultat hätte nicht desaströser sein können. „Absolute Beginners“, der damals der teuerste britische Film aller Zeiten war, erhielt nicht nur schlechte Kritiken, sondern floppte zudem auf ganzer Linie.

Regisseur Julien Temple floh in die USA, da man ihn für das Fiasko verantwortlich machte. Temple hatte bis dahin als Regisseur von Musikvideos und Dokumentarfilmen gearbeitet. Nach dem Megaflop „Absolute Beginners“ drehte er in Hollywood „Zebo, der Dritte, aus der Sternenmitte“ – man kann sich schon anhand des deutschen Verleihtitels zusammenreimen, welchen miesen Umsatz auch dieser Film an den Kinokassen machte.

„Absolute Beginners“ ist inzwischen mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. Nur der gleichnamige Song von David Bowie erinnert im Groben und Ganzen noch daran. Doch was war das Problem an dem Film? Das Problem lag darin, dass Temple aus dem Roman von Colin McInnes einen Musikfilm machte, wobei er sich nicht entscheiden konnte, ob es sich nun um ein Musical handeln soll oder einfach nur um einen Film mit Tanzszenen.

Dennoch besitzt der Film durchaus seinen Reiz. Wir schreiben das Jahr 1958. Der Fotograf Colin gerät mitten hinein in von Investoren angestachelten Rassenunruhen. Die Unternehmer wollen aus dem Stadtviertel, in dem vor allem Bohemians und Arbeiter leben, ein Viertel für Reiche machen.

Temples Film beginnt wie ein Rausch aus Musik, Tanz und schnellen Dialogen. Ein großartiges Durcheinander, dem jedoch nach knapp 20 Minuten langsam die Puste ausgeht. Erst dann kommt die erste Gesangseinlage von Patsy Kensit, die damals mit ihrer Band Eighth Wonder großen Erfolg hatte. Ab da trudelt der Film wie eine bunte Mischung aus „Blow Up“ und Salingers „Der Fänger im Roggen“ weiter.

Trotz allem sind die Choreographien der einzelnen Tanzszenen erstklassig und auch die Optik und Farbgebung sind hervorragend. Man merkt zudem, wie viel Geld vor allem auf die wunderbaren Kulissen draufgegangen ist. Allein schon deswegen ist „Absolute Beginners“, trotz der schlechten Kritiken, sehenswert. Dennoch zieht sich der Film ein wenig, was daran liegt, dass Temple nicht mehr zurück zum Schwung des Anfangs findet. Zum Schluss versucht er sich in einer bitterbösen Satire, indem Nazis den Plan verfolgen, den Stadtteil zu übernehmen, verliert dabei aber die eigentliche Handlung völlig aus den Augen. Selbst Fans von David Bowie kommen nicht wirklich auf ihre Kosten, da dieser nur am Rande erscheint.

Es ist durchaus nachvollziehbar, weswegen „Absolute Beginners“ dermaßen floppte. Er schlägt keine Richtung wirklich ein, sondern nimmt einmal von hier und einmal von da etwas, ohne konkret zu werden. Was bleibt, sind eine Aneinanderreihung schön inszenierter, detailverliebter Szenen. Mehr aber nicht.

The 80s: Alien Nation – Space Cop L.A. 1991 (1988)

James Caan und Mandy Patinkin als Matthew Sykes und Sam Francisco; „Alien Nation“ (1988), © 20th Century Fox

Aufgrund seiner Thematik könnte Alien Nation genauso gut aus diesem Jahrzehnt stammen. Es geht um Immigration und Integration mit allen denkbaren Konsequenzen.

Alien Nation, der in Deutschland den Zusatztitel Space Cop L.A. 1991 erhielt, spielt in eben diesem Jahr. 1988 landete in den USA ein UFO, bei dessen Besatzung es sich um geflohene Sklaven handelte. Da die Außerirdischen, die als Slags bezeichnet werden, menschenähnlich sind, wurde versucht, diese in die Gesellschaft zu integrieren, was teilweise tatsächlich funktioniert hat. Teilweise aber auch nicht.

Als bei einem Einsatz zwei Slags einen Laden überfallen, wird der Partner von Matthew Sykes getötet. Gemeinsam mit einem Slag namens Sam Francisco versucht er, das Verbrechen aufzuklären und kommt dabei einem noch größeren Verbrechen auf die Spur …

Faszinierend an Graham Bakers SF-Cop-Thriller ist die Darstellung der Gesellschaft, in der Menschen und Slags versuchen müssen, miteinander zu leben. Dies gelingt nicht immer. Es gibt diejenigen Slags, die sich in die menschliche Gesellschaft integrieren und diejenigen, die in einer Art Parallelgesellschaft leben und sich kein bisschen integrieren wollen. Heutzutage wirkt der Film ungewollt, als wollte uns Baker ein Spiegelbild in Sachen Flüchtlingskrise vorhalten. Dem ist natürlich nicht so. Man könnte daher sagen, dass der Film vom gesellschaftlichen Wandel eingeholt wurde und er dadurch lediglich so wirkt.

Der Film selbst ist von Anfang an spannend inszeniert, obwohl er in seinen Thriller-Elementen nicht wirklich Neuland schafft. Würde der Aspekt mit den Außerirdischen wegfallen, so hätten wir einen durchschnittlichen Krimi vor uns. So aber besitzt Alien Nation durchaus etwas Originelles. Dies hängt auch damit zusammen, dass Baker versucht, so realistisch wie möglich das Zusammenleben zwischen Menschen und Slags zu skizzieren. Leider aber bleibt es dabei mehr oder weniger beim Skizzenhaften. In diesem Sinne geht der Film kaum in die Tiefe, doch das, was er zeigt, wirkt keineswegs an den Haaren herbeigezogen.

Denn diese Gefahr hätte durchaus bestanden. Um dem entgegenzuwirken, wollten die Macher von Anfang an, dass die Slags nicht wie irgendwelche Monster ausschauen, sondern ihr Äußeres mehr oder weniger menschlich wirkt. Dies alles wird von hervorragenden Schauspielern unterstützt: so spiel James Caan den abgebrannten Cop Matthew Sykes, der mehrfach ausgezeichnete Mandy Patinkin mimt seinen Partner Sam Francisco.

Obwohl der Film damals eher negative Kritiken auslöste, lief er recht erfolgreich in den Kinos. So erfolgreich, dass 1989 daraus eine TV-Serie wurde.

Alien Nation – Space Cop L.A. 1991 (OT: Alien Nation). Regie: Graham Baker, Drehbuch: Rockne S. O’Bannon, Produktion: Gale Anne Hurd, Darsteller: James Caan, Mandy Patinkin, Terence Stamp. USA 1988, 85 Min.

The 80s: The Big Blue – Im Rausch der Tiefe (1988)

1988 konnte Regisseur Luc Besson endlich das Projekt realisieren, an dem er 10 Jahre lang hingearbeitet hatte: den Taucherfilm „Le Grand Bleu“. Besson, der früher selbst als Tauchlehrer gearbeitet hatte, erzählt darin die Geschichte der beiden Extremtaucher Jacques Mayol und Enzo Molinari, die seit ihrer Kindheit befreundet sind und nun gemeinsam an internationalen Tauchwettbewerben teilnehmen.

Der Film entwickelte sich innerhalb kurzer Zeit zum Kultfilm, der allein in Frankreich ein ganzes Jahr lang im Kino lief. Die damalige Version hatte eine Länge von etwa zwei Stunden. Inzwischen allerdings gibt es den Director’s Cut mit einer Länge von etwa 164 Minuten.

„The Big Blue“, so der internationale Verleihtitel, lieferte die Grundlage für die weitere Karriere des Regisseurs, als auch seines Hauptdarstellers Jean Reno. Nur Jean Marc Barr, der den introvertierten Jacques spielt und dafür viel Anerkennung erhielt und damals als erotischter Mann galt, konnte durch den Film seine Karriere nicht wirklich in Schwung bringen. Inzwischen aber ist er nicht nur als Schauspieler, sondern auch als Regisseur tätig.

Dem Film merkt man von der ersten Sekunde Luc Bessons Leidenschaft an der Thematik an. Die grandiosen Bilder wirken geradezu berauschend, die ganze Optik des Films ist eine einzige Wucht. Egal, ob auf oder unter dem Wasser, Luc Besson schafft dabei grandiose Bilder, die zwischen hypnotisch und märchenhaft wirken. Und dabei natürlich darf die Farbe Blau nicht unerwähnt bleiben, die in unterschiedlichen Abstufungen fast alle Szenen bestimmt.

Jean Reno und Jean Marc Barr ließen sich bei den grandiosen Tauchszenen keineswegs doubeln, sondern führten diese selbst aus, nachdem sie ein Tauchtraining absolviert hatten. Im Film tauchen beide bis zu 120 Meter tief – in der Realität waren es immerhin 40 Meter. Untermalt werden diese Szenen von der Musik Eric Serras, dessen Synthisizerklänge längst zum Klassiker geworden sind. Die Ouvertüre zu „Im Rausch der Tiefe“ gilt bis heute als einer der prägendsten und faszinierendsten Filmmelodien. Aus welchem Grund auch immer, ersetzte der US-Verleih die Originalmusik durch Musik von Toni Conti. Auch wurde für die US-amerikanischen Kinos das Ende umgeschnitten. Amis brauchen nun einmal ihr Happy End.

„The Big Blue“ gehört nicht nur zu den Klassikern des Kinos der 80er Jahre, sondern ist einer der Filmklassiker schlechthin. Egal, wie oft man ihn bereits gesehen hat, er ist immer wieder faszinierend und beeindruckend, ja, einfach wunderschön.

The Big Blue – Im Rausch der Tiefe (OT: Le Grand Bleu). Regie, Produktion, Drehbuch: Luc Besson, Darsteller: Jean Reno, Jean Marc Barr, Rosanna Arquette. Frankreich 1988, 164 Min.

 

 

The 80s: Das fliegende Auge (1982)

Szene aus „Das fliegende Auge“ (USA 1982); © Sony Pictures/Columbia Pictures

Die Frage lautet, welcher Film aus den 80er Jahren denn kein Klassiker ist? Einen Film aus diesem Jahrzehnt zu finden, der nicht auf irgendeine Weise prägend gewesen wäre, ist fast unmöglich. Egal ob Mainstream, Arthouse oder Trash, die 80er Jahre beeinflussen bis heute die Art und Weise und den Stil des Filmemachens.

Hierbei natürlich auch das Actiongenre. 1982 drehte John Badham den Thriller „Das fliegende Auge“, dessen Titel im Original „Blue Thunder“ lautet, und landete damit einen Riesenerfolg. Das Drehbuch stammte von Dan O’Bannon, der unter anderem auch das Drehbuch für den SF-Klassiker „Alien“ verfasst hat. In der Hauptrolle brilliert Roy Scheider, der durch Spielbergs „Der weisse Hai“ einen deutlichen Karriereschub erfuhr.

Gleich zu Anfang wird erwähnt, dass alle technischen Aspekte, die in dem Film vorkommen, tatsächlich existieren. Und dennoch wirkte die Thematik damals noch wie Science Fiction – jedenfalls für mich, als ich den Film damals gesehen hab. Heute dagagen wirkt der Film auf berunruhigende Weise real, da sich immer mehr Staaten in Überwachungsstaaten transformieren.

Kinoplakat von „Das fliegende Auge“

Und da wären wir auch schon mitten in der Handlung. Es geht nämlich um den Polizisten Frank Murphy, der als Helikopterpilot die Straßen Los Angeles‘ von oben überwacht. Eines Tages erhält die Polizeizentrale einen neuen Helikopter, den sie testen soll. Die Maschine besitzt nicht nur hochempfindliche Mikrophone, um Gespräche abzuhören, sondern kann auch mithilfe von Spezialkameras durch Wände filmen. Und: der Helikopter ist mit mehreren Waffen ausgestattet.

Murphy kommt bei einem dieser Probeflüge einer Staatsverschwörung namens „Thor“ auf die Spur. Im spanischen Viertel von Los Angeles soll eine Revolte angezettelt werden, um den Helikopter als Probeversuch einsetzen zu können …

Um es gleich zu sagen: „Das fliegende Auge“ ist unglaublich spannend inszeniert. Das erste Viertel des Films zeigt Murphy bei seinem Arbeitsalltag, während er über die Stadt hinwegfliegt und dabei seinen Kollegen bei der Verbrecherjagd hilft. Schon allein diese Szenen sind genial gefilmt und besitzen eine überaus dichte Atmosphäre.

Als dann auch noch der neue Helikopter Blue Thunder ins Spiel kommt, entwickelt sich der Film zu einem echten Actionhighlight. Etwas mehr als 20 Minuten dauert dann auch der packende Showdown, in dem Murphy mit Blue Thunder zwischen den Hochhäusern herumsaust, während er von zwei Kampfjets verfolgt wird.

Wie bereits erwähnt, sind die Action und die Spannung hochgradig gut inszeniert. Nicht weniger großartig ist die eingewebte Kritik an der Überwachungstechnik und das rücksichtslose Vorgehen seitens der Politik (heute müsste man diverse Konzerne hinzuzählen), diese auf eine Weise einzusetzen, um damit auch unbescholtene Bürger zu kontrollieren. Wie oben bereits erwähnt, ist speziell dieser Aspekt des Films heute noch aktueller als damals und sorgt dabei für ein ungutes Gefühl. Denn das, was damals noch eher wie ein düsterer Blick in eine noch düsterere Zukunft gewirkt hat, ist heute düstere Realität.

Das fliegende Auge (OT: Blue Thunder). Regie: John Badham, Drehbuch: Dan O’Bannon, Don Jakoby, Produktion: Gordon Carroll, Darsteller: Roy Scheider, Warren Oates, Candy Clark, Daniel Stern, Malcom McDowell. USA 1982, 105 Min.

The 80s: Lizenz zum Töten (1989)

„Lizenz zum Töten“ war der zweite und zugleich der letzte James Bond-Film mit Timothy Dalton in der Hauptrolle. Und jedes Mal, wenn man sich den Film ansieht, fragt man sich, was die Produzenten denn nur geritten hat. Denn nach der tollen Mischung aus klassischer Agenten- und Abenteuergeschichte, mit der „Der Hauch des Todes“ (1987) überzeugt, servierte man den Zuschauern zwei Jahre später eine Art aufgeblasene TV-Version.

Für „Lizenz zum Töten“ stand ein etwas geringeres Budget zur Verfügung als für den Vorgänger. Der Film orientiert sich an der klassischen Rächerstory. In diesem Fall rächt James Bond den Mord seines Freundes Felix Leiter. Sein persönlicher Feldzug hat natürlich Konsequenzen: er verliert seine Lizenz zum Töten – was ihn natürlich nicht daran hindert, die Bösewichte zu dezimieren.

Mit Abenteuer- und Agentenfilm hat „Lizenz zum Töten“ nichts zu tun. Viel eher wirkt der Film wie eine Anlehnung an die TV-Serie „Miami Vice“, und da sind wir auch schon wieder bei dem oben genannten Kritikpunkt. Denn der 16. James Bond vermittelt den Eindruck, als seien den Stuntmen, ja eigentlich der gesamten Crew die Ideen ausgegangen. Gut, der Film befindet sich, was Bonds Charakter und die Brutalität anbelangt, näher an der literarischen Vorlage als die übrigen Filme. Und so, als wollte Regisseur John Glen dies mit einem Wink mit dem Zaunpfahl noch unterstreichen, baute er Szenen aus zwei Bond-Romanen in seinen Film ein. Doch alles andere ist doch eher enttäuschend.

Denn, wie bereits zweimal erwähnt, kommt „Lizenz zum Töten“ nicht aus seinem TV-artigen Format heraus, was auch an der Optik liegt, die hier den Anschein vermittelt, als wollte Kameramann Alec Wills schnell Feierabend machen, um nicht die Sportschau zu verpassen.

Nach „Der Hauch des Todes“ lieferte „Lizenz zum Töten“ einen klaren Dämpfer. Selbst die Spannung hält sich eher in Grenzen. Danach war auch erst einmal Schluss mit Bond. Der nächste Film wurde erst Mitte der 90er Jahre produziert.

Lizenz zum Töten (OT: Licence to Kill). Regie: John Glen, Drehbuch: Michael G. Wilson, Richard Maibaum, Produktion: Albert R. Broccoli, Darsteller: Timothy Dalton, Carey Lowell, Robert Davi, Talisa Soto, Anthony Zerbe. England/USA 1989, 128 Min.