The 80s: A Chinese Ghost Story (1987)

Das Aufsehen war groß, als 1987 mehrere Artikel über den chinesischen Spielfilm „A Chinese Ghost Story“ in den damaligen Phanastik-Magazinen erschienen. Bisher war man ja nur Kung Fu-Filme aus der damaligen britischen Kolonie gewöhnt. Doch mit der Mischung aus Fantasy, Horror und Liebesfilm schlugen die dortigen Filmstudios ein neues Kapitel des phantastischen Films auf.

„A Chinese Ghost Story“ von Regisseur Ching Siu-Tung basiert auf klassischen chinesischen Geistergeschichten aus dem 17. Jahrhundert. Speziell wird hierbei immer wieder der Autor Pu Sonling (1640 – 1715) genannt, der diese unheimlichen Legenden und Geschichten sammelte und in einem Band veröffentlichte.

In dem Film geht es um den jungen und etwas naiven Schuldeneintreiber Ling, der bei einem Unwetter in einen verlassenen Tempel flüchtet. Während er versucht, das durch den Regen zerstörte Schuldenbuch wieder zu trocknen, vernimmt er auf einmal wunderschöne Klänge, die vom Ufer des in der Nähe liegenden Sees herkommen. Ling möchte der Sache auf den Grund gehen und trifft dort die hübsche Siu Sin, die jedoch ein Geist ist und den Auftrag hat, einem alten Baumdämon männliche Opfer darzubringen. Siu Sin aber verliebt sich in den Schuldeneintreiber und versucht, ihn vor dem Dämon zu schützen …

Der Film ist längst ein Klassiker des Hong Kong-Kinos und nicht weniger ein Klassiker des Fantasy-Films. Mit einer ungeheuren Farbenpracht inszenierte Ching Siu-Tung, der zu den wichtigsten chinesischen Regisseuren zählt, ein furioses Grusel-Abenteuer, das von Szene zu Szene mit immer spektakuläreren Ideen und Effekten aufwartet.

Zwar steht eindeutig die Action im Vordergrund, doch legte Ching genauso Wert darauf, die besondere Atmosphäre der klassischen Geistergeschichten beizubehalten. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass diese unheimlichen Erzählungen aus dem 17. Jahrhundert zugleich Liebesgeschichten sind, woraus sich eine ganz spezielle dichterische Komposition ergibt. Genau diese findet sich auch in „A Chinese Ghost Story“ wieder, wenn sich Ling und Siu Sin ineinander verlieben. Denn die Frage ist ja, kann eine solche Beziehung überhaupt gut gehen?

Auf diese Weise schleicht sich in das wilde Geschehen eine sanfte Melancholie, welche den gesamten Film bestimmt. Mit jeder Menge Spezial- und Puppeneffekten erweckt Ching dabei ganze Geisterheere zum Leben oder lässt den bösartigen Baumdämon sein Unwesen treiben. Kurz: mit „A Chinese Ghost Story“ gelang dem Regisseur ein wundervoller Film, der später Filme wie „Bram Stokers Dracula“ beeinflussen sollte.

Ching Siu-Tung drehte Anfang der 90er Jahre zwei Fortsetzungen, wobei der dritte Teil eindeutig der schwächste der Trilogie ist und im Grunde genommen eher halbherzig die Geschichte des Originalfilms wiedergibt. 2011 wurde ein Remake produziert, dass ebenfalls nicht die Qualität des Klassikers erreicht. „A Chinese Ghost Story“ jedoch ist und bleibt einer der faszinierendsten und witzigsten Fantasyfilme, die in diesem Bereich jemals gedreht wurden.

A Chinese Ghost Story. Regie: Ching Siu-Tung, Drehbuch: Yun Kai-Chi, Produktion: Tsui Hark, Darsteller: Leslie Cheung, Joey Wong, Wu Ma,

 

The great Wall (2016)

Nachdem sich Regisseur Zhang Yimou ein wenig in die chinesische Propaganditis verirrt hatte, versuchte er 2016 sein Revival in den internationalen Kinosälen. Dieses Mal ließ er die Propaganda beiseite und konzentrierte sich auf ein Monster-Action-Spektakel, das bei den Kritikern vollkommen durchfiel, was die Zuschauer aber nicht davon abhielt, scharenweise ins Kino zu gehen.

Mit „The great Wall“ liefert Yimou die etwas andere Erklärung dafür, weswegen die chinesische Mauer errichtet wurde. Nein, nicht wegen den Mongolen (was für ein Witz!), sondern wegen einem Rudel grüner Monster, die alle 60 Jahre versuchen, China zu überrennen. Genau in dieses Schlamassel geraten die beiden Söldner William Garin und Pero Tovar. Beide müssen der hübschen Generalin Lin Mae beistehen, damit die Monster einmal (frei nach SPD-Manier) so richtig in die Fresse kriegen.

Auch wenn die Kritiker sich mit diesem Film nicht anfreunden konnten, so hat er den Erfolg trotzdem verdient. Denn dieses unglaublich kurzweilige Monster-Kloppen ist dermaßen rasant in Szene gesetzt, dass es einfach nur eine Freude ist. Schöne Farben (die Kostüme der chinesischen Garde sind erstklassig), witzige Ideen und Monster, die endlich mal grünes Blut haben – mehr braucht es nicht, um den Trash-Freund bei Laune zu halten.

Dabei verliert sich der Film auch keineswegs in allzu große Oberflächlichkeit, sondern sorgt für schöne moralische Standpunkte, was ja der großteil der Hollywood-Blockbuster zurzeit vermissen lässt. Eingebunden in den Stil eines klassischen Abenteuerfilms, wirft Yimou dennoch so ziemlich alle Kategorien über den Haufen, so als habe er sich plötzlich Takashi Miike als Vorbild genommen, der einmal sagte, er drehe die Filme so wie er möchte, da sie sich sowieso niemand ansehe. Dies sorgt für eine ungeheure Frische, da hier bewusst Historie mit Fantasy vermischt wurde, auch auf die Gefahr hin, als völlig plemplem zu gelten und dadurch bei den Kritikern anzuecken (was ja auch erreicht wurde).

Der Angriff der Monster erinnert entfernt an die Hauptsequenz von „Tauchfahrt des Grauens“ (1978), in der ebenfalls Monster eine Festung angreifen. Möglich, dass Zhang Yimou sich dies als eine Art Blaupause für seinen eigenen Film genommen hat. Sicher ist nur, dass sich mal wieder alle aufregten. Denn nun war es niemanden recht, dass ein weißer Schauspieler die Hauptrolle in einem chinesischen Film inne hatte. Aber egal, zu meckern gibt es in dieser Hinsicht zurzeit anscheinend immer etwas. Aus Sicht der Handlung fragt man sich lediglich, was Willem Dafoe darin verloren hat. Seine Rolle ist im Grunde genommen überflüssig, was dazu führt, dass Dafoe seinen Platz im Film nicht wirklich findet. Ansonsten ist der von „Wonder Woman“-Produzent Charles Roven mitproduzierte Film echtes Popcornkino und hat das Zeug zu einem echten Trash-Klassiker.

The great Wall. Regie: Zhang Yimou, Drehbuch: Carlo Bernard, Doug Miro, Tony Gilroy, Produktion: Thomas Tull, Charles Roven, Darsteller: Matt Damon, Jing Tian, Pedro Pascal, Willem Dafoe, Andy Lau. USA/China 2016, 103 Min.

The 80s: Time Bandits (1981)

timebanditsEines ist sicher: Terry Gilliam mangelt es keineswegs an Einfallsreichtum. Dies bezeugt der Regisseur in jedem seiner Filme aufs neue. Besonders ins Herz geschlossen aber wurde sein dritter Film „Time Bandits“, eine Independent-Produktion, deren Vertrieb George Harrisons HandMade Films übernommen hatte.

Der Film handelt von Kevin, einem elfjährigen Jungen, der sich sehr für Geschichte interessiert. Seine Eltern kümmern sich nicht sonderlich um ihn. Eines Nachts erhält Kevin unerwarteten Besuch: eine Gruppe von sechs Zwergen, die mithilfe einer Karte durch die Zeit reisen, landen genau in seinem Kleiderschrank. Ihnen auf den Versen ist das Oberste Wesen, dem sie die Karte gestohlen haben. Aber auch das Böse ist hinter der Karte her, um die Herrschaft über das Universum zu erlangen. Als das Oberste Wesen ebenfalls in Kevins Zimmer erscheint, flieht Kevin kurzerhand zusammen mit den sechs Zeitreisenden und kommt dadurch von einem Abenteuer ins nächste.

Das Besondere an „Time Bandits“ ist, dass er auf allen Ebenen funktioniert: als Kinderfilm, als Groteske, als SF-Fantasy-Film, als Komödie oder aber auch als Satire. Ganz egal, was man in „Time Bandits“ sieht, der Film liefert stets die dazu passenden Pointen. Allerdings dürften junge Zuschauer es schwer haben, alle Gags nachvollziehen zu können. Denn bei aller Verspieltheit, so ist Terry Gilliams Klassiker alles andere als ein oberflächlicher Unterhaltungsfilm. Der Witz ist tiefgründig, wird z.B. in der Napoleon-Episode zu einer bitterbösen Satire auf Macht und Politik oder deutet in der Agamemnon-Episode finstere Hofintrigen an, während er sich in der Robin Hood-Episode über Englands Sozialpolitik lustig macht. Interessanterweise findet sich Kevin besonders bei Agamemnon wie zu Hause, begegnet er doch hier endlich einem Erwachsenen, der sich um ihn kümmert und ihn wie einen „eigenen Sohn“ betrachtet.

An diesem Punkt macht sich die im ganzen Film herrschende unterschwellige Tragik bemerkbar. Kevins Glück ist nur von sehr kurzer Dauer, wollen ihn doch die sechs Zwerge retten, was für ihn aber eher einer Entführung gleich kommt. Die Schlusseinstellung der Episode, in der Agamemnon wie erstarrt auf die Bühne blickt, wo sich zuvor noch Kevin und seine „Freunde“ aufgehalten haben, besitzt daher einen sehr nachdenklichen Beiklang.

Doch egal, ob tragisch, lustig oder nachdenklich, der Film strotzt nur so vor lauter Einfällen. Da Terry Gilliam den Film selbst produzierte, gab es niemanden, der ihm hätte dazwischen funken können. So konnte sich der Regisseur voll und ganz austoben, skurrile Gags einstreuen, wie und wo er wollte, und dem Ganzen noch zusätzlich ein wenig Monthy Python-Flair verpassen.

Nach „Time Bandits“ landete Gilliam mehrere Flops, was dazu führte, dass er für seine eigenen Ideen keine Produzenten mehr fand und daher Auftragsarbeiten annehmen musste. Eine gewisse Zeit lang gab es Gerüchte, dass ein Sequel zu „Time Bandits“ geplant sei, doch wurde die Produktion anscheinend nicht mehr weiter verfolgt.

Time Bandits. Regie u. Produktion: Terry Gilliam, Drehbuch: Terry Gilliam, Michael Palin, Darsteller: Craig Warnock, David Rappaport, Jack Purivs, Kenny Baker, Malcom Dixon, Mike Edmonds, Tiny Ross, David Warner, Ian Holm, John Cleese, Michael Palin, Sean Connery, Shelly Duvall. England 1981, 112 Min.