The 80s: Wiedersehen mit Brideshead (1981)

Sebastian (Anthony Andrews), Julia (Diana Quick) und Charles (Jeremy Irons); „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Wer den Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ von Evelyn Waugh gelesen hat, vergisst diese unvergleichliche Familiengeschichte nicht so schnell wieder. Die wundervolle Geschichte des Studenten und späteren Malers Charles Ryder, der in die diversen Konflikte der Familie Flyte durch seine Freundschaft mit Sebastian Flyte hineingezogen wird, ist komisch und tragisch zugleich, halb Satire, halb Drama und stets umgeben von einer sanften Melancholie.

Ende der 70er Jahre nahm sich die englische Produktionsfirma Granada dieses Stoffes an und schuf daraus eine siebenteilige Serie, die gleich mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Auszeichnungen erhielt die Serie zurecht. Denn mit absoluter Sicherheit handelt es sich dabei um eine der besten Literaturverfilmugen überhaupt.

Cover der Jubiläumsausgabe

Während des Zweiten Weltkriegs wird Charles Ryder zu einem neuen Stützpunkt versetzt, in der Erwartung, bald an die Front zu müssen. Der neue Stützpunkt befindet sich direkt bei Brideshead, dem Haus, in dem er in den 20er und 30er Jahren nicht nur immer wieder Gast war, sondern im engen Kontakt zur Familie Flyte stand. Er erinnert sich an seine enge Freundschaft mit Sebastian, die jedoch aufgrund dessen Trunksucht zu Bruch ging, und an seine Beziehung zu Sebastians Schwester Julia. Der strenge Katholizismus der Mutter führte dazu, dass sich ihr Mann nach Venedig absetzte, wo er seitdem mit seiner Geliebten lebt. Auch die Kinder leiden unter dem religiös geprägten Verhalten der Mutter, was zu weiteren Konflikten führt.

Das größte Problem aber ist Sebastians zunehmender Alkoholismus, der die Familie auf eine weitere harte Probe stellt, weswegen die Hoffnungen auf Charles liegen. Dieser ist jedoch hin- und hergerissen zwischen seiner Liebe zu Sebastian und den Erwartungen der Mutter. Als er diese nicht erfüllen kann, verstößt ihn die Mutter aus dem Haus. Doch zehn Jahre später begegnet er Julia auf einem Passagierschiff, was ihn erneut in Beziehung zur Familie Flyte bringt …

10 Jahre später; „Wiedersehen in Brideshead (1981); © New KSM/Granada International

Das Drehbuch, das vom englischen Schriftsteller John Mortimer verfasst wurde, wurde mehrfach umgeschrieben, bis es sich exakt an der Romanvorlage orientierte. Sogar die meisten Dialoge wurden aus dem Roman übernommen. Die Dreharbeiten dauerten insgesamt eineinhalb Jahre, da sie zwischendurch unterbrochen werden mussten. Jeremy Irons, der Charles Ryder spielt, arbeitete parallel dazu an einem Spielfilm, sodass er nicht immer zur Verfügung stand. Auch wurde der Regisseur zwischendurch gewechselt. Begann Michael Lindsay-Hogg mit den Dreharbeiten, so übernahm diese später der noch eher unerfahrene Charles Sturridge. Gedreht wurde in Oxford, Venedig, auf der Queen Elisabeth 2 und in Marokko. Castle Howard diente als Brideshead House.

Wie oben schon bemerkt, ist die Verfilmung des Romans von Evelyn Waugh über alle Maßen gut, dass man sie sich gerne immer wieder ansieht, genauso wie man den Roman immer wieder zur Hand nimmt, da die Geschichte von Charles Ryder und der Familie Flyte jedes Mal sehr bewegend, doch zugleich durchzogen ist von einem herrlichen Witz. Nicht nur die Hauptfiguren lassen einem nicht mehr los, sondern auch die Nebenfiguren, allen voran der exzentrische Anthony Blanche (hervorragend gespielt von Nickolas Grace) bleiben für immer im Gedächtnis.

Wie schon erwähnt, spielt Jeremy Irons, der damals noch am Anfang seiner Karriere stand, Charles Ryder. Sebastian wird von Anthony Andrews gespielt, Julia von Diana Quick und der älteste Sohn Lord Brideshead von Simon Jones, der u. a. auch durch seine Rolle des Arthur Dent in der Mini-Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ (1981) bekannt ist. Mit von der Partie sind ebenfalls Laurence Olivier als Vater, Claire Bloom als Mutter und John Gielgud als Charles‘ Vater.

In England zählt die TV-Serie längst zu den (Fernsehfilm-)Klassikern, in Deutschland jedoch ist sie leider fast völlig in Vergessenheit geraten.

Wiedersehen mit Brideshead (OT: Brideshead Rivisited). Regie: Michael Lindsay-Hogg, Charles Sturridge, Drehbuch: John Mortimer, Darsteller: Jeremy Irons, Anthony Andrews, Dians Quick, Simon Jones, Laurence Olivier, Claire Bloom, John Gielgud. England 1981

 

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