Chance verpasst? – Der deutsche Film zeigt sich mal wieder unveränderlich

Das Thema ist mit Sicherheit nicht neu. Doch Til Schweigers Versuch, den Vorspann der ARD-Krimireihe „Tatort“ zu ändern, hat in einem gewissen Sinne die Frage, um die es in diesem kurzen Beitrag geht, nochmals aufgeworfen. Schweiger scheiterte, da er versuchte, das System zu  modernisieren. Die Kritik brachte es sogar in die Nachrichtenmeldungen, wo man eigentlich über wichtigere Dinge informiert werden möchte.

Foto von Roman Bonnefoy

Überträgt man das Problem der Modernisierung auf den deutschen Filmmarkt, zeigt sich, dass die deutsche Filmbranche als solche anscheinend nicht dazu bereit ist, sich zu verändern bzw. zu erneuern. Ein wesentlicher Grund hierbei ist, und diesen Aspekt greift der Filmwissenschaftler James Monaco immer wieder auf, dass die Geldgeber der Filmproduktionen vor allem die Bundesländer sind. Man hat hier, um dies überspitzt zu formulieren, mehrere Altherrenclubs, die es sich auf ihren Sesseln bequem gemacht haben, und wehe, jemand wagt es, auch nur eines dieser Möbelstücke zu verschieben. Das heißt nicht, dass in Deutschland nur schlechte Filme gedreht werden. Das heißt aber, dass Deutschland durch sein Problem, sich nicht oder nur schwer verändern zu können, damit die Chance verpasst, die Machart seiner Filme zu modernisieren, um dadurch auch andere Genres bedienen zu können, außer Drama, Komödie und Kriegsfilm.

Was daher nötig ist, wäre eine Privatisierung der deutschen Filmbranche, ähnlich wie in Südkorea Mitte der 90er Jahre. Die Veränderungen führten dort zu international konkurrenzfähigen Produktionen. Die Frage ist, ob eine solche Transformation in Deutschland möglich wäre. Die Politik gibt bekanntlich Macht nur ungern aus ihren Händen und von Veränderungen möchte schon gar keiner hören, wie in der Einleitung bereits aufgegriffen. Eine weitere Frage ist natürlich, ob sich private Firmen finden könnten, welche sich in die Filmproduktion einmischen möchten bzw. überhaupt das Know How dazu haben. In Südkorea hatte man den Vorteil, dass die sog. Chaebols (Familienkonzerne) ihre Finger längst in der Medienbranche gehabt haben und somit die Veränderungen positiv umgesetzt werden konnten. In Deutschland gibt es diesen Vorteil nicht. Und den hier ansässigen Produzenten fehlt es  bereits an dem Notwendigsten: ausreichend Kapital, um gute Ideen umsetzen zu können.

Trotz allem wäre es eine Überlegung wert. Eine andere wäre, dass die oben erwähnten „Altherrenclubs“ ihre verstaubten Schablonen zur Seite legen und nach modernen Konzepten Ausschau halten. Doch wahrscheinlich hofft man auf diesen Punkt eher vergeblich.

7 Gedanken zu “Chance verpasst? – Der deutsche Film zeigt sich mal wieder unveränderlich

  1. Der Rote Baron Oktober 13, 2012 / 12:52 pm

    Angesichts der derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Erfahrungen mit Privatisierungen erscheint es mir (ungeachtet der konkreten Erfahrungen Koreas, zu denen ich nichts sagen kann) doch fraglich, ob die weitere Privatisierung der Filmbranche eine Antwort auf das Problem ist.

    Ist es nicht eher so – um beim Beispiel Til Schweigers zu bleiben -, dass das Können vieler Darsteller begrenzt ist und diese dann noch ihren Einfluss geltend machen (siehe Schweiger, siehe Ochsenkencht), dass deren Kinderlein auch die Bildschirme bevölkern.
    Das ist keine Bestenauslese, das ist Nepotismus.

    Herr Schweiger und seine fraglichen Ambitionen, den detutschen Film in einen Abklatsch amerikanischer Produktionen zu verwandeln, sind daher Teil des Problems. Die Finanzierung eher nicht. Eher der Mut, Drehbücher umzusetzen, die neue Wege beschreiten. Und da denke ich, setzt Korea zunächst einmal auf den nationalen Markt, der dann auf Grund des Neuen, Anderen, Koreanischen Interesse im Ausland weckt.

    Deutsche Schauspieler und Autoren wollen deutsche Blockbuster wie in den USA , aber Made in Germany. Das muss nach hinten losgehen.

    • Film und Buch Oktober 16, 2012 / 2:57 pm

      Vielen Dank für Ihren Kommentar. Es stimmt, was deutsche Schauspieler und ihre nicht gerade überragenden Fähigkeiten anbelangt. Auch das mit den Drehbüchern ist ein großes Problem. Es ist nicht nur die Dramaturgie als solche, welche holprig wirkt, sondern fängt bereits bei den Dialogen an. Eine bloße Privatisierung der Filmwirtschaft würde dieses Problem wahrscheinlich (zunächst) nicht lösen. Es würde eher darauf hinauslaufen, dass amerikanische Drehbuchautoren engagiert werden, welche für „bessere“ Skripts sorgen sollen, was zum Teil – siehe wiederum das Beispiel Schweiger – bereits gemacht wird.
      Eine Privatisierung nach koreanischem Vorbild wäre eine rein endogene Umordnung der Filmwirtschaft, durch welche mit neuer Technik, besseren Drehbüchern (und besseren Schauspielern) qualitativ bessere Filme produziert werden können. Davon ist man hier jedoch meilenweit entfernt, da die politischen Rahmenbedingungen Veränderungen nicht wirklich zulassen.
      Im Fall Korea haben Sie ebenfalls recht. Die Umstrukturierung wurde allein aus dem Grund eingeleitet, um Hollywood im eigenen Land Paroli bieten zu können. Dass daraus zugleich ein internationaler Erfolg resultierte, lag damit zusammen, dass im selben Zeitraum Hollywood in der Krise steckte, sodass die Neugierde der Zuschauer auf andere „Produkte“ geweckt wurde. Unterstützt wurde dies zudem durch Plattformen wie Youtube, durch welche koreanische Produktionen rasch international bekannt werden konnten.

  2. Bunte Oktober 31, 2012 / 2:37 pm

    Hi,

    Zustimmung zum Rotbaron: dieser Herr Tilman Schweiger hat doch schon seit 1996 seine eigne Firma – „Mr. Brown Entertainment“ – und kriegt auch mit der wenig auf die Reihe.

    Aber ´s Mail aufreißen kann er, dieser Herr Schweiger (nach Wikipedia): „Am 3. Dezember 2011 gab Schweiger während der letzten von Thomas Gottschalk moderierten Wetten, dass…?-Sendung bekannt, dass er zukünftig im Hamburger Tatort zu sehen sein wird. Im Rahmen der Jupiter-Preisverleihung 2012 antwortete Til Schweiger auf die Frage, ob er irgendetwas am Tatort ändern wolle, dass ihm der Vorspann nicht gefalle und bezeichnete diesen als „outdated” und „irgendwie dämlich”. In den Medien wurde seine Äußerung heftig diskutiert und von Tatort-Kollegen kritisiert, was Schweiger wiederum ärgerte …“

    Dieser Herr Schweiger hat sich im WDR-Interview damit gebrüstet, daß er als neuer „Tatort“-NDR-Kommissarsdarsteller das Drehbuch (mit-) bestimmt.

    Abschließend eine positive Nachricht: am 19. Dezember 2013 soll dieser Herr Schweiger 50 Jahre alt werden. Und dann soll´s heftig und rapide bergab gehen nach dem Motto: je höher die Fallhöhe desto deftiger der Absturz …

    • Film und Buch November 4, 2012 / 12:22 pm

      Hallo, über Qualität seiner Filme lässt sich natürlich streiten. Sicher ist nur, dass er, wie bereits bemerkt, zu den wenigen Reformern innerhalb des deutschen Films zählt und dabei natürlich auf Widerstand stößt, da die deutsche Filmwirtschaft sich nur ungern verändern lassen möchte. Wahrscheinlich sähe es etwas anders aus, wenn es neben Schweiger noch andere prominente Reformer geben und dadurch eine Konkurrenz entstehen würde. Aber darauf kann man wahrscheinlich lange warten.

  3. Bunte März 11, 2013 / 8:17 am

    Hi

    „Tatort“ gestern. Hamburg als Vorwand. Erst ballern. Dann sich als Ermittler ausweisen usw. usf. Herr Schweiger soll am „Drehbuch“ mitgewerkelt haben. …

    Drei Fragen: a) waren die unverkennbar faschistischen Züge des Films und des ihn tragenden „Kommissar“ Schweigers Ding? b) soll an diesem Schweiger-Wesen der ganzdeutsche Film genesen? c) hat der Herr Schweiger denn kein Hobby, z.B. jetzt im Frühjahr Pilze sammmeln im Wald?

    Gruß, Bunte

    • Film und Buch März 30, 2013 / 6:17 pm

      Sorry für die sehr späte Antwort. Die ARD beweist einmal mehr, dass hinter allem, was in Deutschland mit Film zu tun hat, eben jene im Artikel erwähnten Beamten stehen. Vor allem deutsche Fernsehfilme entsprechen zum großen Teil nicht dem, was zurzeit in der Fachwelt als „Quality TV“ bezeichnet wird. Es werden auch keine Versuche dahingehend gemacht. Aus diesem Grund erhalten Produktionen, die sich auf welche Art und Weise auch immer „originell“ geben wollen, in der Regel das Siegel „ich will und kann nicht“. Daher ist auch der Versuch, die Serie „Tatort“ zu reformieren, eindeutig gescheitert.

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