Zeitreise und Sprache – Wieso Zeitreisende unbedingt etwas lernen sollten, bevor sie verschwinden

Sprache ist eine kulturell-biologische Errungenschaft, die sich parallel zum Menschen weiter entwickelt. Talcott Parsons zählte sie daher zu den evolutionären Universalien, also kulturellen Aspekten, die in jeder Gesellschaft zu finden sind. Die Betonung liegt hierbei auf dem Aspekt, dass sich Sprache verändert. Das kann dazu führen, dass es zu regelrechten Sprachproblemen kommen kann, wenn sich zwei Menschen aus unterschiedlichen Zeiten begegnen würden. Man vergleiche nur Mittelhochdeutsch mit Neuhochdeutsch. Aber es würde auch, wie Paul Feyerabend dies in einem seiner Aufsätze erwähnt hat, Probleme geben, wenn wir zurück in die 50er Jahre reisten.

Immerhin gibt es durch die technische Entwicklung heute Begriffe, die früher überhaupt nicht existiert haben. Damit verbunden sind Adjektive und Verben, die eine Person von früher nicht verstehen würde.

Diese Sprachproblematik scheint sich im Bereich der Zeitreisefilme nicht zu ergeben. Dort verstehen sich der oder die Zeitreisenden mit den Menschen anderer Epochen ohne Probleme. Das Augenmerk wird hier auf unterschiedliche kulturelle Handlungen gelegt, da diese natürlich am leichtesten visualisierbar sind. Doch die unterschiedliche Sprache…  Dieses wesentliche Problem ergibt sich nicht. Gut, es gibt wenige Ausnahmen, die auf die Sprachproblematik ansatzweise eingehen: z.B. „Star Trek IV“ oder auch „Back to the Future“. Doch zeigt sich bei „Zeitmaschine“, dem Klassiker der Zeitreisefilme, diese überhaupt nicht, und dies obwohl der Zeitreisende unendlich weit in die Zukunft reist. Es ist erstaunlich, dass die Eloy überhaupt noch Englisch sprechen. Und man berücksichtige hierbei, dass der Zeitreisende aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Nimmt man es also genau, so könnten sich die meisten Zeitreisenden mit ihren zukünftigen oder vergangenen Mitmenschen nur schwer, vielleicht sogar überhaupt nicht verständigen. Die Geschichten könnten auf die Weise, wie sie erzählt werden, überhaupt nicht passieren, da sie bereits am Basiswerkzeug menschlicher Kommunikation scheitern: der Sprache.

Burgess hat dies sehr schön an „Clockwerk Orange“ gezeigt, in dem die Jugendlichen nicht nur eine andere Sprache als die Erwachsenen sprechen (ganz klar Subkultur), sondern auch völlig andere Begriffe als heute benutzen. Zeitreisende sollten sich daher, bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, durch die Zeit zu reisen, sich darüber klar werden, dass sie sich zunächst mit der Sprache ihrer Zielepoche beschäftigen müssen. Ansonsten führt ihre Reise nicht zu einem gekonnten Zeitparadoxon, sondern schlicht und ergreifend zu gar nichts. Wie denn auch, wenn er oder sie sich nicht mit anderen Menschen verständigen kann?

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