Golden Gate – Eine Brücke, viele Filme

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Foto von Bill Ebbesen. Quelle: Wikipedia.

In letzter Zeit musste vor allem ein Bauwerk herhalten, wenn es darum geht, es zu Kleinholz zu verarbeiten: Die Golden Gate Bridge in San Francisco. Die imposante Brücke, die 1937 fertig gestellt wurde, diente für unzählige Filme als schmückende Kulisse. Doch seit 2010 häufen sich Filme, die in San Francisco spielen und in denen daher der Brücke eine zentrale Rolle zukommt.

Frei nach dem Motto „Let’s go to San Francisco“ begeben sich Filmemacher in Zeiten der Krise in eben diese Stadt, um Produktionsgelder zu sparen.

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Eine der bekanntesten Sequenzen stammt allerdings nicht aus dem 21. Jahrhundert, sondern aus dem Jahr 1986, als Captain Kirk und seine Mannschaft mit einem geklauten Klingonenraumschiff unter der Golden Gate Bridge hindurchfliegen. Nun, so schön und eindrucksvoll die Szene auch ist, in der Realität hätte aufgrund seiner Größe das Raumschiff die Brücke wohl eher gerammt. Das Ergebnis wäre ein kolossaler Brückeneinsturz gewesen.

Ein Grund, weswegen zurzeit so viele Filme in San Francisco spielen, dürfte in den Vergünstigungen für die Produktionen seitens der Stadtverwaltung liegen, die sich dadurch mehr Touristen erhoffen. So kommt seit „Rise of The Planet of the Apes“ die Brücke immer wieder für Kampf- und Desasterszenen in Frage.

planetderaffenIn dem Reboot der „Planet der Affen“-Filme aus dem Jahr 2011, in dem es um die Hintergrundgeschichte geht, die zur Herrschaft der Affen über die Menschen führt (und sich in Ansätzen an die Hintergrundgeschichte in Pierre Boulles Roman hält), kommt es im Schlussszenario auf der Golden Gate Bridge zur Massenkeilerei zwischen Menschen und Schimpansen. Die Brücke selbst geht dabei nicht kaputt, aber immerhin werden ein paar Autos demoliert und ein Helikopter stürzt ab.

pazfiic rimIn „Pacific Rim“ (2013) zeigt eine der Anfangssequenzen ein Riesenmonster, während dieses die Brücke attackiert und zum Einsturz bringt. Von einem der überflüssigsten Filme, die je für teures Geld gedreht wurden, ist dies die einzig sehenswerte Szene. Leider droht del Toro mit einem Sequel, das wahrscheinlich genauso sinnfrei sein wird wie sein Vorgänger.

Godzilla_(2014)_posterNatürlich darf auch Godzilla in dem gleichnamigen Remake aus dem Jahr 2014 die Brücke ordentlich durchschütteln. Trotz Blockbuster-Niveau gelang es Indie-Regisseur Gareth Edwards, ein wenig den Charm des Monsters in die Postmoderne hinüberzuretten. Der übliche Vater-Sohn-Konflikt, die üblichen Dialoge, aber die Optik des Films weiß dennoch zu überzeugen.

terminatorIn dem Film „Terminator: Genesys“ (2015) darf eine Actionszene auf der Golden Gate Bridge ebenfalls nicht fehlen. Einfallsreich wie Hollywood nun einmal ist, erzählt der Film mehr oder weniger dieselbe Story wie bereits 1984. Der koreanische Schauspieler Lee Byung-Hun übernimmt die Rolle von Robert Patrick aus dem 1991er Sequel. Man darf sich also zurücklehnen und gelangweilt gähnen.

Mit Sicherheit gibt es noch eine größere Zahl an Filmen, die in den vergangenen Jahren produziert wurden und in denen die Golden Gate Bridge eine bestimmte Funktion für Action oder Zerstörung übernimmt. Auffallend ist außerdem, dass die Winkel, in denen die Brücke in den verschiedenen Filmen aufgenommen wurde, sich beinahe aufs Haar gleichen. Wahrscheinlich lässt sich dies auf eine Absprache mit der Stadtbehörde zurückführen, die natürlich das Wahrzeichen von San Francisco so vorteilhaft wie möglich abgelichtet haben möchte. – Die Stadt kann froh sein, dass sie die Brücke nicht jedes Mal neu bauen muss.

 

Zeitreise und Sprache – Wieso Zeitreisende unbedingt etwas lernen sollten, bevor sie verschwinden

Sprache ist eine kulturell-biologische Errungenschaft, die sich parallel zum Menschen weiter entwickelt. Talcott Parsons zählte sie daher zu den evolutionären Universalien, also kulturellen Aspekten, die in jeder Gesellschaft zu finden sind. Die Betonung liegt hierbei auf dem Aspekt, dass sich Sprache verändert. Das kann dazu führen, dass es zu regelrechten Sprachproblemen kommen kann, wenn sich zwei Menschen aus unterschiedlichen Zeiten begegnen würden. Man vergleiche nur Mittelhochdeutsch mit Neuhochdeutsch. Aber es würde auch, wie Paul Feyerabend dies in einem seiner Aufsätze erwähnt hat, Probleme geben, wenn wir zurück in die 50er Jahre reisten.

Immerhin gibt es durch die technische Entwicklung heute Begriffe, die früher überhaupt nicht existiert haben. Damit verbunden sind Adjektive und Verben, die eine Person von früher nicht verstehen würde.

Diese Sprachproblematik scheint sich im Bereich der Zeitreisefilme nicht zu ergeben. Dort verstehen sich der oder die Zeitreisenden mit den Menschen anderer Epochen ohne Probleme. Das Augenmerk wird hier auf unterschiedliche kulturelle Handlungen gelegt, da diese natürlich am leichtesten visualisierbar sind. Doch die unterschiedliche Sprache…  Dieses wesentliche Problem ergibt sich nicht. Gut, es gibt wenige Ausnahmen, die auf die Sprachproblematik ansatzweise eingehen: z.B. „Star Trek IV“ oder auch „Back to the Future“. Doch zeigt sich bei „Zeitmaschine“, dem Klassiker der Zeitreisefilme, diese überhaupt nicht, und dies obwohl der Zeitreisende unendlich weit in die Zukunft reist. Es ist erstaunlich, dass die Eloy überhaupt noch Englisch sprechen. Und man berücksichtige hierbei, dass der Zeitreisende aus dem 19. Jahrhundert stammt.

Nimmt man es also genau, so könnten sich die meisten Zeitreisenden mit ihren zukünftigen oder vergangenen Mitmenschen nur schwer, vielleicht sogar überhaupt nicht verständigen. Die Geschichten könnten auf die Weise, wie sie erzählt werden, überhaupt nicht passieren, da sie bereits am Basiswerkzeug menschlicher Kommunikation scheitern: der Sprache.

Burgess hat dies sehr schön an „Clockwerk Orange“ gezeigt, in dem die Jugendlichen nicht nur eine andere Sprache als die Erwachsenen sprechen (ganz klar Subkultur), sondern auch völlig andere Begriffe als heute benutzen. Zeitreisende sollten sich daher, bevor sie überhaupt auf die Idee kommen, durch die Zeit zu reisen, sich darüber klar werden, dass sie sich zunächst mit der Sprache ihrer Zielepoche beschäftigen müssen. Ansonsten führt ihre Reise nicht zu einem gekonnten Zeitparadoxon, sondern schlicht und ergreifend zu gar nichts. Wie denn auch, wenn er oder sie sich nicht mit anderen Menschen verständigen kann?