Emanzipation auf Koreanisch – Neue Darstellungen von Frauen in Musikvideos

Südkorea ist inzwischen auch bekannt im Hinblick auf seine Popmusik. In keinem anderen Land werden Boy- und Girlgroups fast schon fließbandartig auf den heimischen Musikmarkt geworfen wie in dem einstigen „hermit kingdom“. Was zum einen wie ein reiner „Popkultur-Kapitalismus“ erscheint, nimmt bei genauerer Betrachtung der sog. Promotional Videos interessanterweise eine sozialkritische Form an. Dies zeigt sich besonders bei den Videos der Girlgroups.

Betrachtet man die Videoclips rein oberflächlich, so scheint die Präsentation der Sängerinnen dem zu unterliegen, was man als den „männlichen Blick“ bezeichnet. Es scheint also, als symbolisiere die Kamera die sexuell beeinflusste Sichtweise eines Mannes auf eine Frau bzw. auf einen weiblichen Körper.

In der Tat jedoch stellen die meisten dieser Musikvideos eine emanzipierte Darstellung von Frauen dar. Man nehme hierbei u. a. als Beispiel den Videoclip „Good Girl, Bad Girl“ der Girlband Miss A , in welchem es um den Unterschied zwischen äußerem Schein und innerem Sein geht, wobei zugleich die oben genannte Perspektive in Frage gestellt wird. Ein anderes Beispiel wäre das Musikvideo „Nowadays You“ der Girlband Brave Girls. Hier präsentieren sich die Sängerinnern in Hosenanzügen, wobei sie von männlichen Symbolen umgeben sind (Auto, Zahnräder als Symbol für Maschinenteile usw.). Dazu passt der Kommentar eines der Mitglieder: sie seien im Grunde genommen eine männliche Girlband. Weitere Videos wären „So hot“ der Wondergirls oder auch „Bo Pe“ der Gruppe T-ARA. In beiden wird die Frau als das „stärkere Geschlecht“ dargestellt.

In dem neuen Videoclip der Gruppe „After School“ wehrt sich eine der Sängerinnen mithilfe einer Pistole gegen den männlichen Blick.

In neueren Videoclips kommt es zu einer direkten Symbolik von Emanzipation. Es handelt sich hierbei u. a. um die Videos „Hit U“ von Dalshabet und um „Flashback“ von After School. In beiden Clips verschaffen sich die Frauen durch ein durchaus männliches Symbol Gehör und verweisen dabei nicht nur auf Selbständigkeit, sondern auch auf eine soziale Gleichrangigkeit. In beiden Videoclips bedroht eine Frau einen Mann mit einer Pistole. Die Pistole gilt als ein Symbol für das männliche Geschlecht. Die Frauen erobern sich ihren sozialen Status, indem sie dieselben Mittel wie ihre männlichen Konkurrenten verwenden. In „Hit U“ ist dies um ein Vielfaches drastischer dargestellt als in „Flashback“, da hier eine Frau sämtliche Männer erschießt, die sie unterschätzt und damit ins Lächerliche gezogen haben. Als zusätzliches Symbol ihrer Rache kann das pinkfarbene Blut angesehen werden, das dabei durch die Gegend spritzt und aufgrund seiner Farbe einen weiblichen Aspekt aufweist (ein zusätzlicher Grund für die Farbgebung liegt natürlich auch darin, der Szene ihre Brutalität zu nehmen. Immerhin erschießt die Frau äußerst kaltblütig mehrere Männer, die ihr schutzlos ausgeliefert sind).

In dem Videoclip der Girl-Group „Dalshabet“ erschießt eine Frau ihren Exfreund und seine Gefährten.

After School und Dalshabet haben in diesem Sinne die Emanzipation der Frau in Korea, jedenfalls im medialen Sinne, auf eine neue Stufe gehoben. Natürlich gibt es auch weiterhin Musikvideos, in denen die Frau schlicht und ergreifend als Sexobjekt dargestellt wird wie dies vor allem in den Clips der Gruppe Sistar der Fall ist. Dennoch dürften die beiden Musikvideos in Sachen Emanzipation eine neue Richtung vorgegeben haben.

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