Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘Klassiker’

In den 40er Jahren stoppte Hollywood aufgrund des Kriegseintritts der USA den Filmexport ins Deutsche Reich. Es war das Jahrzehnt des Film Noir, der Komödien, doch nicht mehr des Horrorfilms. Zwar wurden weiterhin Horrorfilme produziert, doch weitaus weniger als noch in den 30er Jahren. Klassiker wie „Casablanca“ (1942) beschäftigten sich mit dem Schicksal der Menschen, die vor dem Nationalsozialismus flohen. Andere Filme wie „Sein oder Nichtsein“ (1942) machten sich über das Deutsche Reich lustig. 1948 begann mit „Fahrraddiebe“ der italienische Neorealismus, der wiederum den Film Noir beeinflussen sollte. Beide Strömungen beeinflussen bis heute die Filmästhetik.

Die Verfilmung von Daphne du Mauriers Roman „Rebecca“ (erschienen 1938) war Alfred Hitchcocks erste Hollywood-Produktion. Davor hatte er in England gearbeitet. Hitchcock hatte eigentlich selbst die Rechte an der Verfilmung erwerben wollen, doch waren für ihn die Kosten zu hoch gewesen. Daher erstand der bekannte Produzent David O. Selznick diese, um daraufhin Hitchcock mit der Verfilmung zu beauftragen.

Noch scheint alles in Ordnung zu sein; „Rebecca“ (1940); Copyright: United Artists

Die Adaption war 1941 in fast allen Kategorien für einen Oskar nominiert, wobei er schließlich zwei der Trophäen erhielt: als bester Film und für die beste Kamera. Es geht um eine junge Gesellschafterin (ihr Name wird nie genannt), die in einem Ferienort den mysteriösen Maxim de Winter kennenlernt, der sich Hals über Kopf in sie verliebt. Beide heiraten schon bald, worauf de Winter sie mit auf sein Anwesen Manderley nimmt. Doch dort stößt sie auf die bösartige Haushälterin Mrs. Danvers, die der ersten Frau de Winters, Rebecca, vollkommen verfallen war. Aus Eifersucht versucht Mrs. Denvers, der neuen Frau de Winters das Leben zur Qual zu machen. Doch auch Maxim de Winter scheint von Rebecca noch immer beherrscht zu werden, obwohl diese bereits seit längerer Zeit tot ist. Daher versucht Maxims neue Frau, hinter das Geheimnis ihrer Vorgängerin zu kommen.

„Rebecca“ hält sich sehr an du Mauriers unheimlichen Thriller, übernimmt sogar den berühmten Anfangssatz des Romans: „Letzte Nacht träumte ich wieder von Manderley.“ Das gewaltige Gebäude erscheint dann auch am Ende des Hooks als düsteres Spukhaus, und dies ist keineswegs abwegig, geht doch noch immer die Erinnerung an Rebecca in den Zimmern und Fluren des Anwesens um.

Mrs. Denvers enthüllt der zweiten Mrs. de Winter ein schreckliches Geheimnis; „Rebecca“ (1940); Copyright: United Artists

Joan Fontaine spielte die schüchterne zweite Frau de Winters großartig. Ihre Gestig und Mimik, ja ihr ganzes Verhalten und auch ihr Aussehen scheinen direkt aus dem Roman entsprungen zu sein. Im Gegensatz dazu wirkt Laurence Olivier doch irgendwie fehl am Platz. Nicht, dass Fontaine ihm die Show stehlen würde, doch besitzt Olivier nicht das im Roman beschriebene düstere Aussehen des geplagten Mannes, der von Rebecca noch immer besessen ist. Rebecca selbst tritt zwar nie in Erscheinung, doch wirkt ihre Präsenz noch immer so intensiv, dass das ganze Leben auf dem Anwesen davon beeinflusst wird.

Um dieser unheimlichen Macht Ausdruck zu verleihen, kam Hitchcock auf eine geniale Idee. Er stellte Rebeccas früheres Zimmer überproportional groß dar, sodass die zweite Mrs. de Winter, Mrs. Denver und auch Maxim de Winter im Verhältnis dazu geradezu klein und verloren wirken. Zwar ist die Hintergrundgeschichte dann doch (aus moralischen Gründen) abgeschwächt worden, insgesamt aber zieht einen der Film genauso in den Bann wie der unübertroffene Roman du Mauriers.

Zwei Jahre nach „Rebecca“ brachte der französische Regisseur Jacques Tourneur sein Debut auf die Leinwand. Davor war er als Regieassistent tätig und hatte einen Kurzfilm hergestellt. Mit „Katzenmenschen“ schuf er den Klassiker des Noir-Horrorfilms, eine Mischung aus (wie die Bezeichnung schon sagt) Elementen des Film Noir und des klassischen Horrors. Wobei „klassisch“ dem kongenialen Werk nicht wirklich gerecht wird.

Jacques Tourneur erneuerte das Horrorfilmgenre, indem er die Handlung in das Alltagsleben einer Großstadt einwebte. Zwar spielten bereits in den 30er Jahren Horrorfilme im urbanen Raum (wie z.B. „Dr. X“), doch gingen diese nicht auf den modernen Alltag der Protagonisten ein. Ganz im Gegensatz zu „Katzenmenschen“, der die negativen Aspekte des Großstadtlebens wie Vereinsamung, fehlendes Vertrauen und Angst vor dem Anderen aufzeigte.

Irena erzählt Oliver die sonderbare Legende der Katzenmenschen; „Cat People“ (1942); Copyright: Universal Pictures

Es geht darin um den Ingenieur Oliver Reed, der eines Tages die sinnlich-mysteriöse Irena Dubrovna kennenlernt und sich schlagartig in sie verliebt. Irenas Aura besitzt einen seltsamen Effekt auf die Raubtiere im Zoo, werden diese doch extrem unruhig und angriffslustig. Von ihrer Sinnlichkeit angezogen, kommt Oliver von Irena nicht mehr los, und beide heiraten. Doch Irena leidet unter einer Art Sexphobie. Aus diesem Grund beginnt Oliver fremd zu gehen. Als Irena eines Abends mitbekommt, wie sich Oliver mit seiner Kollegin Alice trifft, werden ihre raubtierhaften Instinkte wach …

„Katzenmenschen“ ist ein Film, der damalige Tabus brach. Einerseits symbolisch, doch dabei unwahrscheinlich direkt geht Tourneur ein auf das Thema Sexualität. Irena kann nicht mit Oliver schlafen, da sie Angst hat, die Kontrolle über sich zu verlieren. Oliver zeigt sich dabei zunächst verständnisvoll, doch je länger dieser Zustand andauert, desto frustrierter wird er. Er schickt Irena zum Psychiater, um ihre Phobie zu heilen, doch auch dies gelingt nicht, im Gegenteil, auch der Arzt gerät in den Bann ihrer unheimlichen Sinnlichkeit.

Alice wird verfolgt; „Cat People“ (1942); Copyright: Universal Pictures

Ganz im Stil des Film Noir ist „Katzenmenschen“ zugleich ein kunstvolles Spiel mit Licht und Schatten, der beinahe den Neorealismus vorwegnimmt, indem er den beruflichen Alltag eines Schiffbauingenieurs verfolgt. Auf eine überaus nüchterne Art erzählt er dabei von der schicksalhaften Beziehung zwischen Oliver und Irena. Die übersinnlichen Aspekte sind dabei wie zufällige Ereignisse in die Geschichte eingeflochten. So z.B. die Szene, in der Irena in einem Lokal eine andere Frau ihrer Art trifft und vor ihr erschrickt. Nicht zu vergessen auch die berühmteste Szene des Films, in dem Alice am späten Abend im Pool schwimmt und plötzlich von einer schattenhaften Riesenkatze bedroht wird. Diese äußerst intensive Szene wird bis heute immer wieder zitiert.

All dies macht „Katzenmenschen“ zu einem ganz besonderen Film und letztendlich zu einem Klassiker des Horrorfilms. Jacques Tourneur zählt bis heute zu den wichtigsten Horror- und Thrillerregisseuren.

 

 

Read Full Post »

Cover der Originalausgabe von 1958

Mit seiner Novelle „Frühstück bei Tiffany“ hatte der Exzentriker Truman Capote (1924 – 1984) endgültig das Podest der amerikanischen Literatur erklommen. Seine Novelle wurde quasi über Nacht zum Bestseller und Paramount erwarb die Filmrechte, um 1961 (also drei Jahre nach Erscheinen des Buches) einen der Klassiker der Filmgeschichte zu produzieren.

Die Frage, die ich mir immer stelle, lautet, was ist so herausragend an dieser Geschichte? Was so einzigartig? Ich habe keine Ahnung, ob es darauf eine klare Antwort geben kann, sicher ist nur, dass, wer Capotes Novelle liest, sich in diese genauso heimlich verliebt wie der Erzähler in Holly, den sie den Namen ihres Bruders Fred gibt.

Eigentlich erzählt Truman Capote lediglich die freundschaftliche Beziehung zwischen einem Mann, der Schriftsteller werden möchte, und einer jungen Frau, die sich leichtfüssig durchs Leben schlägt. Halb Prostituierte, halb It Girl gelingt es ihr im Handumdrehen, reiche Männer an sich zu binden. Dass sie jedoch nebenher mit der New Yorker Unterwelt verkehrt, scheint niemanden groß zu stören.

Capote erzählt die Novelle mit einer unerhörten Leichtigkeit, die dem Namen der weiblichen Hauptfigur alle Ehre erweist. Voller Witz, voller überraschender Wendungen, ist „Frühstück bei Tiffany“ ein wahres literarisches Feuerwerk. Doch so leicht Capote über „Freds“ Beziehung mit Holly schreibt, so schwer und tragisch sind zugleich die Themen, die darin anklingen.

So unter anderem um Eltern, die ihre Kinder aussetzen, um schwere Verluste, um das Verdrängen von Wirklichkeit – immer dann, wenn Holly sich an ihr wahres Ich erinnert, geht sie zu Tiffany’s, um sich wieder zu beruhigen und sich dem Trug hinzugeben -, es geht um Einsamkeit und um zerstörte Träume. Es wäre unfair gegenüber Lesern, die die Novelle noch nicht kennen, auf die einzelnen Aspekte genauer einzugehen, da sie die Überraschungsmomente und die Spannung wegnehmen würden.

Capote glingt jedenfalls das Meisterstück, all diese Themen in eine Art melancholische Sichtweise zu verpacken, die der Novelle diese ganz spezielle Atmosphäre verleiht. Die Tragik ist stets allgegenwärtig, doch Holly gelingt es immer wieder, sich zu behaupten. Sie ist eine Kämpfernatur, da sie von Anfang an hatte kämpfen müssen. Schließlich macht sie sich ihr Aussehen zunutze und verdient dadurch ihr Geld.

Man merkt regelrecht, dass der Erzähler bei Hollys rasantem Lebenswandel kaum oder so gut wie gar nicht mithalten kann. Er beobachtet völlig erstaunt und beinahe hilflos ihre spontanen Handlungen und merkt dabei zugleich, wie er sich in sie zu verlieben beginnt. Doch der Erzähler bewahrt, manchmal beinahe mit sich selbst ringend, die Distanz, so als sei ihm ihre Lebensart nicht ganz geheuer. Ist sie ihm zu wild, zu unberechenbar?

Truman Capote (1958)

Holly verhält sich gegenüber „Fred“ völlig anders als zu allen anderen Figuren. Sie mag ihn, seine zurückhaltende und zugleich hilflose Art scheint sie auf eine gewisse Art anzuziehen, sie aber keineswegs zu bändigen. Gleich am Anfang nennt sie ihn Fred, als zeichen für Leute, die sie gerne hat und die sie an ihren Bruder erinnern, der eingezogen wurde und nun an der Front in Europa kämpfen muss. Auf diese Weise bekommt der Erzähler so gut wie alles mit, was mit Holly und ihrem sprunghaften Leben zu tun hat. Doch gelingt es ihm nie, sie vor bestimmten Dingen zurückzuhalten. Sie lässt sich nichts sagen und hat es nicht gerne, wenn man sie mit der Wahrheit konfrontiert. Auf diese Weise wirkt Holly, als sei sie ständig auf der Flucht, und zwar auf der Flucht vor sich selbst.

Es scheint manchmal so, als versuchte Capote selbst, seine Figur wieder einzufangen, um sie im Rahmen der Handlung zu belassen, als versuchte er zu verhindern, dass Holly seine Geschichte übernimmt. Auf diese Weise entsteht eine ungeheure Lebendigkeit und Schnelligkeit, bei der man als Leser selbst aufpassen muss, dass man nicht aus der Puste kommt.

Wenn ich nur drei Bücher mit auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, so wäre „Frühstück bei Tiffany“ auf jeden Fall dabei. Es ist ein Buch, das man immer wieder liest, in das man sich immer wieder von neuem verliebt und das man vor allem immer wieder von neuem erleben kann. In der Tat gibt es nicht viele Romane oder Novellen, die man wirklich erlebt. Truman Capotes Meisterwerk ist solch eine wundervolle Ausnahme.

 

Read Full Post »

„Der Seewolf“ war und ist der Klassiker der damaligen ZDF-Adventsvierteiler

Heute mag man es kaum glauben, doch in früheren Zeiten produzierte das ZDF hochkarätige Abenteuerfilme, die in der Regel zur Weihnachtszeit ausgestrahlt wurden. Das Besondere war, dass alle Filme vier Teile hatten, was letztendlich zum Namen Adventsvierteiler führte. Es handelte sich dabei um europäische Gemeinschaftsproduktionen, bei denen außer Deutschland auch noch Frankreich, Italien und Bulgarien beteilgt waren.

Begonnen hatte alles 1964 mit der Verfilmung „Robinson Crusoe“, in dem der bekannte österreichische Schauspieler und damalige Bravo-Star Robert Hoffmann die Titelrolle spielte. Es folgten beinahe jedes Jahr weitere Vierteiler, so im Jahr 1965 „Don Quijote“ und ein Jahr darauf „Die Schatzinsel“. 1967 blieb der erwartete Vierteiler aus, doch 1968 folgte „Tom Sawyer und Huckleberry Finns Abenteuer“ und 1969 „Die Lederstrumpferzählungen“.

Den Höhepunkt der Reihe erlebten die Adventsvierteiler aber mit dem absoluten Klassiker der ZDF-Produktionen, nämlich 1971 mit Jack Londons „Der Seewolf.“ Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Kapitän Wolf Larson spielte, sagte bereits während der Dreharbeiten, dass die Kartoffel sein Schicksal werden würde.

Der erste Adventsvierteiler aus dem Jahr 1964

Gemeint ist damit die wohl berühmteste Szene des deutschen TV-Films: Wolf Larson, der in der Kombüse der Ghost steht, eine rohe Kartoffel aus dem Eimer nimmt und diese vor den Augen Humphrey van Weydens (gespielt von Edward Meeks) mit seiner rechten Hand zerquetscht. Es war die Szene, die bis heute für Gesprächsstoff sorgt und an die sich jeder erinnert, der damals den Film gesehen hat.

Zwar spielte Harmstorf auch noch 1976 in dem Vierteiler „Michael Strogoff“ die Titelrolle und später war er immer mal wieder in „Bud Spencer“-Filmen zu sehen, dennoch assoziierten ihn alle Zuschauer stets nur mit seiner Rolle des brutalen Wolf Larson und eben mit dieser unglaublich starken Szene.

Es folgten weitere Verfilmungen: „Cagliostro“ nach Alexandre Dumas, den das ZDF allerdings 1973 nur in drei Teilen ausstrahlte, die Jules Verne-Adaption „Zwei Jahre Ferien“ (1974), „Lockruf des Goldes“ (1975) und der bereits erwähnte „Michael Strogoff“ aus dem Jahr 1976. 1978 landete das ZDF mit der Stevenson-Adaption „Die Abenteuer des David Balfour“ einen erneuten Hit, dieses Mal auch in Sachen Musik. Denn die Titelmelodie wurde so bekannt, dass sie als Schallplatte veröffentlicht wurde. 1979 folgte eine weitere Jules Verne-Verfilmung mit dem Titel „Matthias Sandorf“.

Einer der letzten Vierteiler aus dem Jahr 1981

Danach näherte sich das Konzept der Adventsvierteiler so langsam dem Ende. Der Grund war, dass die Produzenten keine geeigneten Vorlagen mehr fanden, die man als Vierteiler hätte verfilmen können. So griff man 1980 zu William Godwins Klassiker „Caleb Williams“, der in Deutschland damals völlig unbekannt war, was sich dann durch die TV-Verfilmung schlagartig änderte. William Godwin war übrigens der Vater von „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley.

Es folgten noch „Wettlauf nach Bombay“ (1981), „Der schwarze Bumerang“ (1982) und schließlich „Der Mann vom Suez“ (1983), wobei „Der schwarze Bumerang“ der einzige Vierteiler ist, der nicht auf einem Roman basiert. Danach folgten keine weiteren Vierteiler mehr. Es wurden zwar immer mal wieder Abenteuerfilme als Mehrteiler produziert, wobei „Das Geheimnis der Sahara“ (1987) am erfolgreichsten war und in einer umgeschnittenen Fassung sogar in die Kinos kam, doch mit den einzigartigen Adventsvierteilern war es aus.

Den Versuch eines Mehrteilers übernahm 2016/2017 RTL mit den Winnetou-Filmen, die durchaus ihren Reiz hatten und in die richtige Richtung wiesen, allerdings immer weniger Zuschauer bekamen. Daher ist die Frage groß, ob der Sender ein solches Projekt nochmals wiederholen wird. Das ZDF jedenfalls garantiert nicht, denn was dort heutzutage so produziert wird, darüber sollte man größtenteils lieber schweigen.

 

Read Full Post »

Die junge Amerikanerin Lisa Reiner verläuft sich in einem Labyrinth aus kleinen Straßen und Gassen in einer spanischen Kleinstadt. Schließlich gelangt sie zu einer seltsamen Villa, in der eine Gräfin, ihr Sohn und ein Butler wohnen. Der Sohn ist davon überzeugt, in Lisa die Reinkarnation seiner verstorbenen Frau zu sehen. Der Butler schleppt stets eine eigenartige Puppe mit sich herum. Auch die alte Gräfin scheint irgendwie nicht ganz in Ordnung zu sein. Auf Lisa wartet eine Nacht voller Schrecken und Alpträume…

Mit seinem Werk „Lisa und der Teufel“ kommt Bava dem Traumhaften so nahe wie in keinem anderen seiner Filme. „Lisa e il Diavolo“, so der Originaltitel, ist ein Film, der im Grunde genommen keine Geschichte erzählt, sondern eine Ansammlung an surrealen Elementen ist.

Lisa verliert sich immer mehr in einem Labyrinth aus seltsamen Geschehnissen, für die sie keine Erklärung findet. In dem Butler glaubt sie das Ebenbild des Teufels zu erkennen, das sie auf einem merkwürdigen Gemälde in einer Kirche gesehen hat. Sie wird von einem mysteriösen Mann verfolgt, der einer menschengroßen Puppe sehr ähnlich sieht. Zugleich liegt ein tiefer Schatten über der Verträumtheit der Villa, der die düstere Atmosphäre dieses Ortes widerspiegelt. „Lisa und der Teufel“ lässt sich mit Filmen wie Jess Francos „Eugenie“ oder Jean Rollins „The Naked Vampire“ vergleichen, die ungefähr im selben Zeitraum entstanden. Aber auch „Tanz der toten Seelen“ von Herk Harvey aus dem Jahr 1962 scheint dem Film Pate gestanden zu haben, zumindest zitiert Bava vor allem am Anfang und im Finale eben diesen Klassiker.

Lisa (Elke Sommer) findet die unheimliche Puppensammlung; „Lisa und der Teufel“ (1972); Copyright: e-m-s

Bei „Lisa und der Teufel“ liegt der Fokus nicht auf einer zu erzählenden Geschichte, sondern auf einer Aneinanderreihung von surrealen Begebenheiten. In dem Film ging Bava voll in seinem Sinn fürs Schauerliche, in seiner Liebe zum Surrealen und in seiner Ästhetik auf. Das Problem jedoch war, dass damals kein Verleih diesen Film haben wollte. Produzent Alfredo Leone drehte auf rasche und völlig unprofessionelle Weise zusätzliche Szenen, die mit Bavas Werk gar nichts mehr zu tun hatten, sondern ihm einen Touch von „Der Exorzist“ verliehen, da die Vertriebe damals Filme dieser Art besser vermarkten konnten. Die veränderte Fassung kam letztendlich auch in die Kinos. Bavas ursprüngliches Werk jedoch wurde damals nie aufgeführt. Erst zu Beginn der 2000er wurde die von Bava gedrehte ursprüngliche Fassung restauriert und veröffentlicht.

Als Regieassistent agierte übrigens sein Sohn Lamberto Bava, der sich in den 80er Jahren einen Namen durch die „Demons“-Trilogie machte. Bavas Filme sind hervorragende Beispiele für die Ästhetik des Grauens und beeinflussen bis heute das Genrekino. Der Einfluss von Mario Bava ist sogar im koreanischen Horrorgenre zu bemerken. Filme wie „A Tale of Two Sisters“ oder „Wishing Stairs“ sprechen eindeutig eine bavasche Sprache. So gesehen könnte man durchaus behaupten, dass Mario Bava nicht nur der Vater des modernen italienischen Horrorfilms ist, sondern des modernen Horrorfilms überhaupt.

Lisa und der Teufel (OT: Lisa el i Diavolo), Regie: Mario Bava, Drehbuch: Mario Bava, Alfredo Leone, Produktion: Alfredo Leone, Darsteller: Elke Sommer, Telly Savalas, Silva Koscina, Alida Valli, Alessio Orano. Italien/Deutschland/Spanien 1972, 92 Min.

Read Full Post »

Obwohl Jane Austen (1775 – 1817) nie verheiratet gewesen war, schrieb sie vornehmlich über das Heiraten. Dennoch sind ihre Romane alles andere als bloße Liebesromane. Im Gegenteil, Austens Romane sind vor allem handlungsreiche und äußerst unterhaltsame Gesellschaftsporträts, die sie mit einer gehörigen Portion Satire und Spott würzt.

So auch ihr erster veröffentlichter Roman Verstand und Gefühl (Northanger Abbey erschien erst nach ihrem frühen Tod), in dem es um die beiden Schwestern Elinor und Marianne Dashwood geht, die jede auf eine andere Art enttäuscht wird. Marianne verliebt sich Hals über Kopf in den charmanten John Willoughby, ohne zu ahnen, dass dieser sich vor allem von seiner Vergnügungssucht leiten lässt, was ihn in finanzielle Schwierigkeiten gebracht hat. Elinor dagegen hat Edward Ferrars gerne, doch ihr Glück nimmt ein plötzliches Ende, als sie feststellen muss, dass Edward bereits mit der heimtückischen Lucy Steele verlobt ist, die so ziemlich alles tut, um ans große Geld zu kommen.

Jane Austen (1775 – 1817)

Wie oben bereits erwähnt, verfasste Jane Austen nicht eine einfache Liebesgeschichte, sondern benutzt diese eher als Aufhänger, um damit eine spannende, witzige und wendungsreiche Geschichte zu erzählen, in der es vor allem darum geht, die Geldgier und Habsucht ihrer Mitmenschen zu karikieren. Dies gelingt Austen auf eine herrliche, ja vollendete Weise.

Dabei erweist sie sich als sehr genaue Beobachterin ihrer Mitmenschen. Es ist geradezu köstlich, wie sie deren Verhalten aufs Korn nimmt. Sie blickt sozusagen hinter die Fassaden von Anstand und Reichtum und entdeckt dabei Dummheit, kaputte Familienverhältnisse und Ungebildetheit. Bücher dienen den Leuten nur dazu, um dadurch ihr Image zu pflegen. Jane Austen macht in dieser Hinsicht die witzige Bemerkung, dass Marianne in allen großen Häusern die Bibliothek findet, wobei es sich ausgerechnet um den Raum handelt, der von den Besitzern am meisten gemieden wird.

Die Autorin nimmt praktisch kein Blatt vor den Mund, sondern sagt bzw. schreibt, was sie denkt. Dabei erweist sie sich zugleich als gnadenlose Realistin, wünscht man sich doch nichts sehnlicher, als dass die widerliche Lucy eines auf den Deckel bekommt. Doch das, was Austen über den weiteren Werdegang ihrer Figur schreibt, ist dann doch wieder das, was eine beißende Satire ausmacht.

Jane Austen zu lesen, ist auf jeden Fall immer ein Gewinn. Egal, ob man Verstand und Gefühl nun als Liebesroman lesen möchte oder eben darin den Witz und die Satire sucht, das Buch ist in jeder Hinsicht ein großartiges Vergnügen.

Jane Austen. Verstand und Gefühl. Insel Verlag 2017, 425 Seiten, 10 Euro, ISBN: 978-3-458-36268-5

Hier gibt es weitere Informationen zur neuen Werkausgabe Jane Austens: http://www.suhrkamp.de/buecher/verstand_und_gefuehl-jane_austen_36268.html

 

 

Read Full Post »

„Five Years“ lautet ein Song von David Bowie, aber natürlich war damit nicht FILM und BUCH gemeint. Aber eine Gemeinsamkeit gibt es dann doch: den Blog gibt es nämlich jetzt seit fünf Jahren. Fünf Jahre bedeutet: 11 Ausgaben und 2 Sonderausgaben des e-Magazins und beinahe 450 Artikel hier auf der Seite.

Außerdem gibt es ja auch noch unsere diversen Themenreihen: Trash der 50er, Trash der 60er, Trash der 70er, The 80s, Die Klunkerecke, in der wir besondere Filme vorstellen, Horror de Luxe, in der wir besondere Horrorfilme vorstellen, und FuBs Fundgrube, wo wir lesenswerte Bücher vorstellen, die es allerdings nur noch antiquarisch gibt. Hinzu kommt immer wieder mal die ein oder andere Film- und Buchrezension.

Zum 5 jährigen Jubiläum gibt es etwas Besonderes: Eine neue Reihe mit dem Titel (Bowie gab mit seinem Song quasi das Stichwort): Five Years. In dieser Reihe möchten wir jeweils ein oder zwei Filme aus einem Jahrzehnt vorstellen – begonnen wird mit den 1910ern. Wir hoffen, dass die Jubiläumsreihe euch viel Spaß macht und ihr dabei den ein oder anderen Film neu oder wieder entdecken könnt.

Wir wünschen euch auf alle Fälle weiterhin viel Vergnügen mit FILM und BUCH!!!!

 

Read Full Post »

Normalerweise lässt sich darüber streiten, inwieweit es sinnvoll ist, Klassiker neu zu übersetzen, besonders dann, wenn es bereits diverse Übersetzungen gibt, von denen behauptet wird, dass sie die besten und genauesten seien. Besonders gilt dies für die jetzige Zeit, in der es Neuübersetzungen nur so hagelt.  – Doch gibt es hier auch Ausnahmen.

Eine geradezu originelle Veröffentlichung ist kürzlich bei DTV erschienen. Man könnte fast sagen, dass hier jemand eine wirklich schöne Idee hatte. Der Autor, der neu übersetzt wurde, ist der Großmeister der Gänsehaut Edgar Allan Poe.

Es handelt sich dabei jedoch nicht um einfach irgendeine neue Sammlung seiner Erzählungen, sondern um eine ganz spezielle Veröffentlichung, nämlich um die Zusammenstellung, die Poe-Fan Charles Baudelaire 1856 veröffentlichte. Baudelaire war von dem amerikanischen Schriftsteller mehr als nur begeistert. In seinem Nachwort gibt er zu, dass er sich von Eddie, wie Baudelaire ihn liebevoll nannte, ganz falsche Vorstellungen machte. Er glaubte, dass ein solches Genie von seinen Veröffentlichungen leben könne und daher reich und angesehen sei. Wie erstaunt war er dann, als er erfuhr, dass Poe zeit seines Lebens an Geldmangel litt.

Edgar Allan Poe (1809-1849)

Um Edgar Allan Poe in Frankreich und letztendlich auch in Europa bekannt zu machen, beschloss Baudelaire, eine fünfbändige Sammlung von Poes Erzählungen herauszugeben. Der erste Band dieser Sammlung ist nun bei DTV unter dem Titel „Unheimliche Geschichten“ erschienen. Im Original lautet der erste Band „Histoires Extraordinaires“ , also eigentlich „außergewöhnliche Geschichten“. Und in der Tat trifft der französische Titel den Inhalt des ersten Bandes besser als derjenige der deutschen Übesetzung, handelt es sich hierbei doch vor allem um eine Art Überblick über die unterschiedlichen Genres, in denen Poe tätig gewesen war.

So befinden sich darin sowohl die berühmten Kriminalgeschichten um den Privatermittler Auguste Dupin, als auch zwei von Poes genialen Satiren, aber ebenso eine Auswahl seiner unheimlichen Geschichten, wie etwa „Die Fakten im Fall M. Valdemar“. Andreas Nohl hat diese Klassiker wunderbar übersetzt. Es macht Spaß, Poe auf diese Weise neu zu entdecken.

Charles Baudelaire (1821-1867)

Der Band beinhaltet ebenfalls Schriften von Charles Baueldaire über Poe (übersetzt von Kristian Wachinger). Hierbei vor allem hervorzuheben ist der etwa dreißigseitige Überblick über Poes Leben und Werk, in dem der Dichter der „Blumen des Bösen“ nicht nur seiner Bewunderung über Poe Ausdruck verleiht, sondern viele interessante Informationen wiedergibt, wie z.B. Francis Osgoods liebevolle Erinnerung an ein Treffen mit Poe und dessen Frau.

Nicht weniger wichtig zu erwähnen, ist die wundervolle Aufmachung des Bandes. Dem DTV-Verlag ist hier ein sehr schönes Buch gelungen, das man eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Auch ein netter grafischer Gag ist gelungen: Auf dem Cover befindet sich die Zeichnung eines Schwans. Nimmt man den Schutzumschlag herunter, so ist auf dem Einband derselbe Schwan als Skelett abgebildet. Nein, an dieser Ausgabe gibt es nichts zu meckern. Besser hätte man Edgar Allan Poe nicht neu veröffentlichen können.

Edgar Allan Poe. Unheimliche Geschichten. Hausgegegben von Charles Baudelaire. DTV 2017, 421 Seiten, 28,00 Euro, ISBN: 978-3-423-28118-8

 

 

Read Full Post »

Older Posts »