No Way Out – Gegen die Flammen (2017)

Nach dem Katastrophenfilm „Deep Water Horizon“ musste anscheinend ein weiterer Feuerfilm her, der auf realen Begebenheiten basiert – nicht ohne Grund produzierte daher Lorenzo di Bonaventura beide Filme. Herausgekommen ist dabei „Only The Brave“, bei dem sich unsere deutschen Marketingstrategen mal wieder lange den Kopf zerbrochen haben, bis sie auf den englischen Titel „No Way Out“ gekommen sind. Ich frage mich, wann diese Leute z.B. den „Avengers“ einen anderen englischen Titel verpassen.

Nun ja, es lohnt nicht, sich darüber aufzuregen. Früher oder später werden sie es wieder tun und dann werden wir uns wieder darüber aufregen. Aber zum Film: Nachdem sich die örtliche Feuerwehr von Prescot zur Eliteeinheit gewandelt hat, arbeiten die Männer in vorderster Front, wenn es um die Bekämpfung von Waldbränden geht.

Um es vorweg zu nehmen: „No Way Out“ ist durchaus spannend inszeniert, ist aber nicht wirklich das, was man als Katastrophenfilm an und für sich bezeichnet. Regisseur Joseph Kosinski geht es in der Hauptsache um Feuerwehrchef Eric Marsh und den ehemaligen Drogensüchtigen Brendan, der durch die Arbeit bei der Feuerwehr ein neues Leben beginnen möchte.

Auf diese Weise wirkt der Film in großen Strecken dann eher auch wie ein Drama, das jedoch durch die Präsenz von Josh Brolin als Eric Marsh und Miles Teller als Brendan hervorragend besetzt ist. Beide spielen ihre Rollen absolut überzeugend, hier das Rauhbein Marsh, dort der gebrochene junge Mann Brendan, der weg von seiner Drogensucht kommen möchte. Zwar wirkt die Einführung Brendans in die Handlung ein wenig holprig, wenn nicht sogar unbeholfen, doch wirkt sich das nicht auf den restlichen Film aus.

Punktet „No Way Out“ bei den oben genannten Aspekten, so wirkt er dann überraschend farblos, wenn es um die  Feuerbekämpfung geht. Zwar sind die Spezialeffekte absolut hervorragend, sodass man so gut wie nicht zwischen echtem Feuer und CGI unterscheiden kann, damit aber hat es sich dann auch schon. Die einzelnen Einsätze geraten eher kurz, werden eher skizziert als dargestellt, sodass sich daraus keine wirkliche Dramatik ergibt. Dies mach sich dann besonders im Höhepunkt des Films bemerkbar, wenn es zur eigentlichen Tragödie kommt, diese aber weder beklemmend noch bestürzend wirkt. In dieser Hinsicht vergibt der Film viel Potenzial. Dennoch ist „No Way Out“ durchaus sehenswert.

No Way Out – Gegen die Flammen (OT: Only The Brave). Regie: Joseph Kosinski, Drehbuch: Eric Warren Singer, Produktion: Lorenzo di Bonaventura, Darsteller: Josh Brolin, Miles Teller, Jennifer Connely, Pell James, Andie MacDowell, Jeff Bridges. USA 2018, 134 Min.

 

Stürmische Ernte – James Francos Versuch einer Adaption

Mit „Stürmische Ernte“ legte 2016 James Franco bereits seine 16. Regiearbeit vor. Dieses Mal versuchte er sich an John Steinbecks gleichnamigen Roman, in dem es um Wanderarbeiter geht, die während der Großen Rezession in Streik treten, um dadurch mehr Geld zu erhalten.

Der Film bleibt bei einem Versuch. Dies fängt schon damit an, dass Franco sich nicht entscheiden konnte, ob er nun den Film fürs Fernsehen oder fürs Kino drehen sollte. Dementsprechend wirkt die Optik des Films regelrecht unentschlossen. Das Vorhaben, eines epischen Werks ist schon allein dadurch zum Scheitern verurteilt.

Ein zweites Problem, das er Film hat, hängt mit Franco selbst zusammen, der darin gleichzeitig eine der beiden Hauptrollen spielt. Trotzdem er  die Hauptrolle innehat, versucht er beinahe krampfhaft, sich nicht in den Vordergrund zu drängen, was zur Folge hat, dass man nicht genau weiß, welche Geschichte Franco nun eigentlich erzählen möchte: die des Aktivisten Mac McLeod (James Franco) oder die seines Freundes Jim Nolan (Nat Wolff).

Die Folge davon ist, dass beide Figuren darunter leiden und beide dadurch an Interesse verlieren. Zwar enthält „Stürmische Ernte“ durchaus dramatische und spannende Momente, doch überwiegt im Groben und Ganzen Francos Unsicherheit. Auf diese Weise wird man nicht wirklich in die Geschichte hineingezogen, sondern bleibt als reiner Beobachter davor stehen.

Klarerweise ist ein Film, der sich mit dem Schicksal der Wanderarbeiter der 30er Jahre beschäftigt, verbunden mit einer starken Kapitalismuskritik. Damals entstanden in den USA verschiedene sozialistische und kommunistische Bewegungen, die teilweise untereinander zerstritten waren. Geient hat alle lediglich der Umstand, dass sie von den Behörden und der Polizei auf brutalste Weise gejagt und misshandelt wurden.

Franco stellt dies in Ansätzen auch richtig dar und sein Film ist auch eine klare Ansage gegen die Auswüchse des Kapitalismus. Doch Franco scheint sich auch hier rechtfertigen zu müssen. Denn immer mal wieder schreit jemand „Ich bin kein Kommunist!“ und dies auf eine solche Weise, als würde Franco selbst dies gegenüber dem Publikum klar machen wollen, was an manchen Stellen ein bisschen lächerlich wirkt.

Insgesamt wirkt daher „Stürmische Ernte“ eher unbeholfen. Hier muss man unbedingt noch ein Wort über die Zugfahrt verlieren, bei der Mac und Jim an der offenen Wagontür sitzen. Der Wagon bewegt sich kein bisschen, nur die Windmaschine bläst ein hauchzartes Lüftchen und die Kamera fährt immer mal wieder hin und her. Eine solche schlecht gemachte Szene habe ich, muss ich ehrlich sagen, schon lange nicht mehr gesehen.

Nein, James Francos Steinbeck-Adaption möchte einfach nicht gefallen. Der Regisseur macht einfach zu viel falsch. Das liegt nicht daran, dass das Budget gering war, sondern dass Franco nicht wusste, wie er den literarischen Stoff umsetzen sollte.

Stürmische Ernte (OT: In Dubious Battle). Regie u. Produktion: James Franco, Drehbuch: Matt Rager, Darsteller: James Franco, Nat Wolff, Selena Gomez, Robert Duvall, Ed Harris, Sam Shepard, Vincent D’Onofrio. USA 2016, 114 Min.

Keepers – Die Leuchtturmwärter (2018)

Immer wieder witzig, wenn sich deutsche Verleihe englische Titel ausdenken. Der Originaltitel von „Keepers“ lautet nämlich „The Vanishing“. Soll man dazu jetzt gratulieren? Doch geht es ja um den Film und nicht darum, was für Denkakrobatik so mancher Mitarbeiter in der Marketingabteilung leistet.

Also zum Film. „The Vanishing“ beruht angeblich auf einer wahren Begebenheit, etwas, was zurzeit ja so ziemlich jeder zweite Film vorgibt. Doch bei Kristoffer Nyholms Debut ist dies tatsächlich der Fall. Die Geschichte ereignete sich 1900 auf der Insel Eilean Mòr, auf der drei Leuchtturmwärter spurlos verschwanden. Bis heute gibt es keine Lösung für dieses Rätsel. Ein Grund mehr also, daraus einen Film zu machen.

Die drei Leuchtturmwärter heißen in „The Vanishing“ James Ducat, Thomas und Donald. Nach einem heftigen Unwetter findet Donald ein gestrandetes Ruderboot an der Küste, daneben einen regungslosen Matrosen. Nicht weniger rätselhaft ist die große Holzkiste. Schnell stellt sich heraus, dass sich in der Kiste mehrere Goldbarren befinden. Doch dann tauchen die Besitzer der Kiste auf …

Nein, „The Vanishing“ ist kein Horrorfilm, sondern ein psychologischer Thriller, bei dem es darum geht, wie die Gier aus Freunden Feinde macht. Als Erklärung für das tatsächliche Rätsel von Eilean Mòr taugt dies nicht. Dennoch ist der Film durchaus spannend inszeniert und besitzt eine sehr dichte und vor allem düstere Atmosphäre. Aber wie gesagt, plausibel sieht anders aus, was vor allem daran liegt, dass die drei Hauptprotagonisten nicht fein genug charakterisiert werden. Trotz vieler Bemühungen wirken die Figuren eher flach und auf diese Weise funktioniert dann auch die Sache mit dem „psychologischen“ bei dem Thriller nicht ganz.

Irgendwie erinnert der Film immer wieder an das koreanische Drama „Sea Fog“ von Bong Joon-Ho, obwohl beide Geschichten rein gar nichts miteinander zu tun haben. Möglich, dass sich Nyholm Bongs düstere Parabel als Vorbild genommen hat. Rein optisch ist „The Keepers“ großartig, ansonsten wirken die Nebendarsteller überzeugender als die Hauptdarsteller.

Alles in allem ist „The Keepers“ kein Knaller, aber dennoch ein interessanter Film, der einen neuen Regisseur präsentiert, von dem man sicherlich noch viel erwarten darf.

The Keepers – Die Leuchtturmwärter (OT: The Vanishing). Regie: Kristoffer Nyholm, Drehbuch: Celyn Jones, Joe Bone, Produktion: Gerard Butler, Darsteller: Gerard Butler, Peter Mullan, Connor Swindells, Olafur Darri Olafson. England 2018, 110 Min.

Professor Marston and the Wonder Women (2017)

Der Titel des Films klingt wie der Titel eines Comichefts. Und das soll auch so sein, denn bei dem Protagonisten von „Professor Marston and the Wonder Women“ handelt es sich um den Erschaffer einer der prägendsten Comicfiguren der Popkultur: Wonder Woman.

Regisseurin Angela Robinson geht in ihrem Biopic den Spuren des US-amerikanischen Psychologiedozenten nach, der eine neue Verhaltenstheorie entwickelte, welche er später in seine legendären Comics einbaute. Ebenso war Marston zusammen mit seiner Frau Elizabeth, die ebenfalls als Psychologin an der Uni arbeitete, Erfinder des Lügendetektors, der als „Magisches Lasso“ in den „Wonder Woman“-Comics auftauchen sollte.

Marston lebte einen besonderen Lebenstil, der damals wie heute sämtliche Tabus brach. Er lebte mit zwei Frauen zusammen: mit seiner oben genannten Frau und mit der Studentin Olive Byrne, in die er sich verliebte. Daraus entwickelte sich eine bisexuelle Dreiecksbeziehung, da auch Elizabeth Gefühle für Olive entwickelte – und umgekehrt.

Trotz aller gesellschaftlichen Widerstände, blieben die drei ihrer besonderen Beziehung treu. Um diese Beziehung herum beschreibt Angela Robinson die Entstehungsgeschichte von Wonder Woman, die 1941 zum ersten Mal als Comicfigur in Erscheinung trat. Olive Byrne soll Marston bei der Entwicklung der Figur als Inspirationsquelle gedient haben. Sehr schön setzt dies Robinson um, als alle drei bei einer geheimen Lingerie-Schau teilnehmen und Olive in einer Art Protoversion des Wonder Woman-Kostüms auf der Bühne erscheint.

Der Film besitzt eine stark sinnliche Aura, doch ist das eigentliche Thema, um das es Angela Robinson geht, Toleranz. Toleranz gegenüber anderen Lebensformen, anderen Lebensplanungen und anderen Weltansichten. An einer solchen Toleranz mangelte es damals und mangelt es nicht weniger heute. So beginnt der Film auch damit, das Frauen eine Art Bücherverbrennung abhalten, indem sie Comics ins Feuer werfen – was damals in den USA tatsächlich geschehen ist. Denn vor allem die „Wonder Woman“-Comics galten damals als vollkommen unmoralisch.

Die Figur Wonder Woman wird dadurch nicht als bloße Superheldin stilisiert, sondern vielmehr als ein Symbol für eine wünschenswerte Utopie: eine Gesellschaft, in der jeder so leben kann wie er möchte. Doch ist es eben die nicht vorhandene Toleranz auch in den modernen Gesellschaften, die eine solche Utopie als Tagträumerei erscheinen lassen.

„Professor Marsten and the Wonder Women“ ist ein eher ruhiger Film, der bewusst auf überkandidelte Dramatik verzichtet, sondern lieber in leisen, aber dennoch bemerkenswerten Tönen eine faszinierende und durchaus auch spannende wahre Geschichte erzählt. – Sehr sehenswert.

Professor Marston and the Wonder Women. Regie u. Drehbuch: Angela Robinson, Produktion: Amy Redford, Darsteller: Luke Evans, Rebecca Hall, Bella Heathcote, Maggie Castle, JJ Feild. USA 2017, 109 Min.

Die Klunkerecke: Il Mare – Das Haus am Meer

Poster für den US-Release

Es ist interessant, dass einer der Klassiker des modernen koreanischen Kinos eigentlich ein finanzieller Flop war. „Il Mare“, so der internationale Titel von Lee Hyun-Seungs drittem Spielfilm „Siworae“, wollte zunächst kaum jemand im Kino sehen. Anscheinend konnten die koreanischen Zuschauer mit dem Thema nicht viel anfangen. Ironischerweise erst mit der Zeit (und das ist ja u. a. auch eines der Themen von „Il Mare“) wurde der Film bekannter und gilt inzwischen als einer der wichtigsten Filme der Korean Hallyu.

Es geht darin um den Architekten Sung-Hyun, der in seinem Briefkasten eine sonderbare Postkarte aus dem Jahr 1999 findet, in der ihm eine Frau namens Eun-Joo bittet, ihr die Post nachzuschicken. Nur, Sung-Hyun lebt im Jahr 1997 und er ist der erste Bewohner des Hauses, das ihm sein Vater gebaut hat. Schnell stellt sich heraus, dass der Briefkasten vor dem Haus wie eine Zeitmaschine funktioniert und Eun-Joos Briefe in die Vergangenheit bzw. Sung-Hyuns Briefe in die Zukunft befördert. Nach und nach entwickelt sich zwischen beiden ein reger Briefwechsel, bis schließlich Sung-Hyun fragt, ob sie sich einmal in ihrer Zeit treffen könnten. Ein Termin wird gefunden, doch als Sung-Hyun nicht erscheint, fragen sich beide, was mit ihm passiert sein könnte …

Das Besondere an „Il Mare“ ist, dass der Film vollkommen ohne Kitsch auskommt. Lee Hyun-Seung erzählt die außergewöhnliche und nicht weniger originelle Liebesgeschichte auf eine sehr melancholische Weise, ohne es jedoch an Humor fehlen zu lassen. Der Witz liegt jedoch meistens zwischen den Zeilen, sodass man eher schmunzeln als lachen muss. Besonders, wenn Sung-Hyun Eun-Joo in seiner Zeit am Bahnhof begegnet, macht sich dies auf geradezu geniale Weise bemerkbar.

Koreanische Alterantivposter zu „Il Mare“

Doch geht es Regisseur Lee, der 2011 nochmals mit dem genialen Noir-Thriller „Hindsight“ auftrumpfen sollte, mehr als nur um eine Liebesgeschichte. In seinem Film lichtet er sozusagen den extremsten Zustand einer postmodernen Gesellschaft ab, in der jeder nur mehr für sich lebt und kaum noch Kontakte zu anderen hat – die Reinform der Individualisierung, wenn man so möchte, die der Soziologe Richard Sennet in seinem Buch „Der bewegte Mensch“ skizziert. So sind Eun-Joo und Sung-Hyun geradezu vollkommen vereinzelt, was ihre sozialen Kontakte betrifft. Immer wieder taucht dabei die Bemerkung auf, dass alle ihre näheren Bekannten viel zu weit weg von ihnen leben.

Neben dieser kunstvoll eingewebten soziologischen Perspektive, ist „Il Mare“ auch, vielleicht sogar vor allem ein optischer Höhenflug. Lee Hyun-Seung schafft in seinem Klassiker Bilder, die dem Film eine ungeheure emotionale Dichte verleihen – wie gesagt, ohne auch nur ein bisschen kitschig zu wirken. Immer wieder gelingt es ihm, die beiden Hauptdarsteller Jun Ji-Hyun (bekannt aus „My sassy Girl“ oder „The Berlin File“) und Lee Jung-Jae (bekannt aus „Das Hausmädchen“ oder dem kongenialen Gangsterfilm „New World“) so ins Bild zu stellen, dass um sie herum eine tiefe Leere herrscht, selbst dann, wenn sie sich in der Stadt oder eben auf dem oben erwähnten Bahnhof befinden.

All das macht „Il Mare“ zu einem der besten koreanischen Filme und mit Sicherheit auch zu einem der besten Liebesfilme, die jemals gedreht wurden. Wer das Remake „Das Haus am See“ mit Sandra Bullock und Keanu Reeves kennt, wird bei der Sichtung des Originals aus allen Wolken fallen. Denn einmal mehr zeigt sich, wie Hollywood einen wunderbaren Film verhunzen kann.

Il Mare (OT: Siworae), Regie: Lee Hyun-Seung, Drehbuch: Yeo Ji-Na, Produktion: Cho Min-Hwan, Darsteller: Jun Ji-Hyun, Lee Jung-Jae. Südkorea 2000, 96 Min.

6 Jahre FILM und BUCH: Die 6 größten Flops der Filmgeschichte

Und schon wieder gibt es etwas zu feiern: Unseren Blog gibt es nun schon seit sechs Jahren! Alles hat ja eigentlich mit unserem PDF-Magazin begonnen. Da wir damals keine Ahnung hatten, wo man dieses unterbringen könnte, sind wir schließlich auf die Idee eines eigenen Blogs gekommen, von dem man das kostenlose eMagazin herunterladen kann.

Aus einem Magazin wurden dann 11 und drei Sonderausgaben. Und auf dem Blog befinden sich inzwischen über 580 Beiträge. Wenn das kein Grund ist, mal wieder bei uns herumzustöbern. Und von den Amateuren, die sich das neue EU-Datenschutzgesetz ausgedacht haben, lassen wir uns sowieso nicht ins Bockshorn jagen – vor allem, da nicht einmal die Behörden wissen, was sie mit diesem Sch… anfangen sollen.

Doch genug geärgert: 6 Jahre FILM und BUCH bedeuten 6 Jahre Ruhm und Ehre – oder waren es nach der neuen deutschen Rechtschreibung Rum und Ähre? :D  – Jedenfalls haben wir hier für euch die sechs größten Flops der Filmgeschichte:

Platz 1: „Der 13. Krieger“ (1999) gilt bis heute als der größte Flop der Filmgeschichte. Die Adaption eines Romans von Michael Crichton wollte niemand sehen. Eigentlich schade, denn der Film ist ein netter Abenteuerfilm nach klassischem Muster. Schuld an der Misere war, dass das Testpublikum mit keiner Version des Films zufrieden war, weswegen „Der 13. Krieger“ mehrmals umgeschnitten wurde und sogar mehrere Szenen nachgedreht wurden. Letztendlich versuchte Crichton das Desaster noch abzuwenden, indem er selbst die Regie übernahm, doch auch das half nichts mehr.

Auf Platz 2 der Rangliste der größten Flops der Filmgeschichte befindet sich „47 Ronin“ (2013), die freie visuelle Umsetzung eines historischen Ereignisses – also nach dem 13. Krieger, schaffen es auch keine 47 weiteren Kämpfer. Der Film ist eigentlich ganz nett, doch die schlechten Kritiken und dazu noch das geringe Interesse an der Handlung machte den Produzenten einen Strich durch die Rechnung. Schade für Regisseur Carl Rinsch, der damit sein Debut ablieferte und mitten ins Fettnäpfchen trat. Nach diesem Desaster war für ihn Schluss mit lustig, und er bekam 2015 nur nur noch mehr Gelder für einen Kurzfilm.

Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ (1988) nehmen Platz 3 der größten Flops der Filmgeschichte ein. Eigentlich müsste man sagen, dass dies kaum verwunderlich ist, kreiert Terry Gilliam zwar stets interessante und originelle Filme, doch bringt er den Produzenten so gut wie nie Geld ein. So eben auch bei „Münchhausen“, der voller Effekte und Spielereien steckt, sich gegen Ende hin jedoch zu sehr in die Länge zieht. Dennoch waren die Kritiker von dem Film begeistert, nicht aber das Publikum, dass mit den Münchhausiaden nichts anfangen konnte. Ein weiterer Grund lag im Streit zwischen Gilliam und dem Produzenten David Puttnam, der dazu führte, dass „Münchhausen“ in den USA in nur wenigen Lichtspieltheatern gezeigt wurde.

Auf Platz 4 steht die Komödie „Pluto Nash – Im Kampf gegen die Mondmafia“ (2002), die jedoch niemand witzig fand. Die Produktion zog sich über zwei Jahre hin, da das Drehbuch x-mal um- und schließlich neu geschrieben wurde. Schon allein das verhieß nichts Gutes, und als dann noch die Kritiker den Film nicht nur unwitzig, sondern einfach nur dämlich fanden, war damit das Urteil über John Underwoods Film gesprochen. Nicht einmal Eddy Murphy-Fans können diesem Machwerk etwas abgewinnen. Letztendlich schaffte es „Pluto Nash“ dennoch zu einer gewissen Ehre: nämlich zu den 100 schlechtesten Filmen der Filmgeschichte zu zählen.

Auf Platz 5 befindet sich der Animationsfilm „Die Abenteuer von Rocky und Bullwinkle“ (2000), eigentlich kein reiner Animationsfilm, sondern mit sog. Live Action durchsetzt. Auch diesen Film, der auf einer in den USA bekannten TV-Serie basiert, fand niemand witzig oder interessant, was dazu führte, dass er gerade einmal die Hälfte seiner Produktionskosten einbrachte. In Deutschland kam der Film nicht einmal in die Kinos, sondern wurde gleich auf DVD veröffentlicht.

Und schließlich Platz 6: „Alamo“ (2004), ein Film, der sich mit der Schlacht um Fort Alamo befasst. Produziert wurde „Alamo“ von George Lucas‘ Mann für alle Fälle Ron Howard. Doch das Problem des Films war, dass er sich zwar sehr genau an die historischen Fakten hielt, es jedoch nicht schaffte, Spannung oder irgendeine Form von Dramatik zu erzeugen. Auf diese Weise fließt der Film träge dahin, an die Version mit John Wayne aus dem Jahr 1960 reicht „Alamo“ schon gar nicht heran. Auf diese Weise gelang es auch „Alamo“ nicht, die Produktionskosten zu tilgen. In Deutschland kam der Film ebenfalls nicht in die Kinos.

Und das waren sie, die sechs größten Flops der Filmgeschichte zum sechsjährigen Jubiläum von FILM und BUCH. :)

 

 

FuBs Klassikbox: Auf Messers Schneide (1946)

Larry (Tyrone Power) und Isabel (Gene Tierney) kurz vor ihrer Trennung; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Mit FuBs Klassikbox starten wir in diesem Jahr eine neue Reihe. Wir wollen darin alte bzw. ältere Filme vorstellen, die zu den Filmklassikern zählen, auch wenn manche davon teilweise wieder in Vergessenheit geraten sind. Ein solcher Film ist „Auf Messers Schneide“ aus dem Jahr 1946. Die Adaption des gleichnamigen Romans von William Somerset Maugham war 1947 für vier Oscars nominiert, unter anderem in der Kategorie Bester Film. Vor allem in Deutschland aber kennt diesen tollen Film kaum jemand mehr.

Es geht um Larry Darrel, der als gebrochener Mann aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrt und nach dem Sinn des Lebens sucht. Da er aus diesem Grund sein bisheriges Leben nicht weiterführen kann, löst der die Verlobung mit Isabel Bradley auf. Auch schlägt er ein Jobangebot ihres Vaters aus. Stattdessen zieht er zunächst nach Paris, wo er zunächst ein Leben in der Boheme führt, bevor er erneut wegzieht und in einer abgelegenen Kohlenmiene arbeitet. Schließlich fasst er den Entschluss, nach Indien zu reisen, um dort in einem Kloster wieder zu sich zu kommen.

Mit einem neuen Lebensgefühl kehrt er in die USA zurück, wo Isabel bereits verheiratet ist, doch Larry immer noch liebt. Aus diesem Grund versucht sie, seine Beziehung zu einer anderen Frau zu zerstören.

„Auf Messers Schneide“ war die erste ernste und komplexe Rolle des damaligen Stars Tyrone Power, der vor dem Zweiten Weltkrieg nur in Mantel und Degen-Filmen mitgewirkt hatte. Die Rolle des Larry Darnel scheint ihm wie auf den Leib geschrieben. Denn Power geht in dieser vielschichtigen Figur vollkommen auf. Seine Verzweiflung, sein sehnlicher Wunsch, endlich von seinen Schuldgefühlen erlöst zu werden und einen Sinn in dem Ganzen zu finden, zeigt sich in seiner Haltung, seiner Gestik und Mimik und nicht zuletzt auch in seinem stets in eine ungewisse Ferne gerichteten Blick.

Larry (Tyrone Power) an der Wende seines Lebens; „Auf Messers Schneide“ (1946); © 20th Century Fox

Dem gegenüber stellt Regisseur Edmund Goulding die Oberflächlichkeit und den Materialismus der High Society, wunderbar gebündelt in der zynischen Figur von Isabels Vater, für den es außer Geld nichts anderes gibt. Daher versteht dieser Larrys Verhalten am wenigsten. Aber auch Isabel steht eher hilflos dem veränderten Larry gegenüber. Statt auf ihn zu warten, beschließt sie lieber, sich der Tradition zu fügen und einen anderen Mann zu heiraten.

Doch wird das Leben ihrer Familie nicht weniger von Schicksalsschlägen heimgesucht. Vielleicht liegt auch darin ein zusätzlicher Grund, weswegen Isabel versucht, Larrys Leben zu zerstören. Kann sie nicht glücklich sein, so will sie auch nicht, dass er sein Glück findet – mit schrecklichen Konsequenzen.

„Auf Messers Schneide“ ist ein Film, der einen von der ersten Minute an packt. Die dichte, tragische und konfliktreiche Handlung reißt einen regelrecht mit, sodass die über zwei Stunden Spieldauer wie im Nu vergehen. Fast schon unerbittlich nimmt das Drama seinen Lauf. Manchmal scheint es beinahe so, als haben die Menschen um ihn herum insgeheim eine Wette abgeschlossen, wann Larry doch noch zusammenbricht. Denn das, was Isabel mit seiner neuen Freundin Sophie aufführt, ist wirklich hart.

Natürlich ist das überaus tolle Gelingen des Films auch den erstklassigen Schauspielern zu verdanken. Neben Tyrone Power spielen Noir-Ikone Gene Tierney in der Rolle der Isabel und der auf zynische und eitle Rollen spezialisierte Clifford Webb (als Isabels Vater) mit. Regisseur Edmund Goulding erlaubte sich den Spaß, Sommerset-Maugham als Figur ebenfalls in dem Film auftreten zu lassen, gespielt von Herbert Marshall. Ein Witz, der sich aus der Romanvorlage ergibt, in der der berühmte Schriftsteller behauptet, Larry Darnell auf einem Ozeandampfer tatsächlich begegnet zu sein.

1984 wurde ein gleichnamiges Remake produziert, das jedoch – auch aufgrund seiner absoluten Fehlbesetzung (Bill Murray als Larry Darnell) – nicht einmal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder einspielte. Auch von der Kritik wurde der Film damals regelrecht in der Luft zerrissen. Ganz anders der Originalfilm, bei dem sich die damaligen Kritiker mit Lob überschlugen.

Auf Messers Schneide (The Razor’s Edge). Regie: Edmund Goulding, Drehbuch: Lamar Trotti, Produktion: Darryl F. Zanuck, Darsteller: Tyrone Power, Gene Tierney, Clifford Webb, Herbert Marshall, Ann Baxter. USA 1946, 145 Min.