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Posts Tagged ‘Filmgeschichte’

Die Goldenen Zwanziger waren geprägt von einem weltweiten Wirtschaftsaufschwung, der sich auch im Filmschaffen bemerkbar machte. Die Anzahl der großen Lichtspielhäuser stieg rasant an. In Europa war hierbei Deutschland das Land mit den meisten Kinos. In den 20ern wurden zudem die meisten der heute als Klassiker bezeichneten Stummfilme produziert. Ob es sich dabei um „Panzerkreuzer Potemkin “ (1925) von Sergei Eisenstein, um „Metropolis“ (1927) von Fritz Lang oder um „Ben Hur“ (1925) von Fred Niblo handelt – allen Filmen ist gemeinsam, dass sie bis heute das Filmschaffen beeinflussen und auch immer wieder zitiert werden.

1925 wurde mit „Ben Hur“ einer der teuersten Stummfilme gedreht. Die Kosten betrugen insgesamt fast vier Millionen Dollar, was für die damalige Zeit eine regelrechte Unsumme darstellte. Trotz des enormen Erfolges konnte der 143 minütige Film damals die Kosten nicht einspielen. Dies gelang erst 1930, als der Film erneut in die Kinos gebracht wurde.

Optik und Montage des Wagenrennens dienen bis heute als Vorbild für so ziemlich alle späteren Actionszenen (Copyright: MGM)

Grund für die enormen Ausgaben waren Streitigkeiten zwischen Regisseuren und Produzenten, was dazu führte, dass die Dreharbeiten in die Länge gezogen  und vier Regisseure nach einander gefeuert wurden, bis schließlich Fred Niblo den Film fertig stellte. Die Dreharbeiten begannen 1923 in Italien, wurden jedoch später zurück in die MGM-Studios nach Kalifornien verlagert.

Bis heute gilt das Wagenrennen als eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte. Bei den Aufnahmen soll es mehrere Verletzte und sogar einen Toten gegeben haben. Nicht weniger berühmt ist das Remake von 1959, in dem Charlton Heston Ben Hur spielte. Das Remake von 2016 allerdings floppte auf ganzer Linie.

1925 wurde auch einer der bekanntesten Horrorfilme gedreht. Nachdem Carl Laemmle, der Gründer von Universal Pictures, Gaston Lerouxs Roman „Das Phantom der Oper“ gelesen hatte, erwarb er sofort die Rechte. Als Phantom wurde der damalige Horrorfilmstar Lon Chaney engagiert, dessen selbst entworfene Maske des Phantoms längst zum Bestandteil der Popkultur geworden ist.

Die spezielle Mischung aus Horror, Drama und Liebesfilm fiel allerdings zunächst beim Testpublikum durch. Der Film wirkte zu düster und zu unheimlich. Daher ließ Laemmle den Film umschreiben und fast komplett neu drehen. Nur wenige Szenen des Originals wurden übernommen. Doch dieses Mal, man legte nun mehr Wert auf Humor und Action, war dem Testpublikum der Film zu albern. Erst die dritte Fassung, in der ein Ausgleich zwischen unheimlich-düsteren Szenen und romantischen Aspekten geschaffen wurde, gefiel. Der Schockeffekt, in dem das entstellte Gesicht des Phantoms völlig unerwartet das ganze Bild ausfüllt, hat bis heute nichts von ihrer Wirkung verloren.

Lon Chaneys Darstellung des Phantoms ist heute Bestandteil der Popkultur (Copyright: Universal)

Bis heute gehört Gaston Lerouxs „Das Phantom der Oper“ zu den am meisten verfilmten Romanen – neben Bram Stokers „Dracula“ und Mary Shelleys „Frankenstein“. Neben den Filmen, die sich an die Vorlage halten, ist Brian de Palmers psychedelische Rockoper „Phantom of the Paradise“ (1974) eine der originellsten Umsetzungen, in der de Palmer auch andere Klassiker des Schauerromans einarbeitete. Allerdings wagte sich keine der späteren Produktionen mehr daran, das Phantom so unheimlich aussehen zu lassen wie in Laemmles Stummfilm. Was schade ist, denn Lon Chaneys Maske kommt der Beschreibung in Lerouxs Roman am nächsten.

Ihr wollt noch mehr Double Feature? Hier der Link zu den beiden vorangegangenen Beiträgen 1900 – 1910 und 1910 – 1920: FuBs Double Feature.

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Zum fünfjährigen Jubiläum gibt es eine neue Reihe auf FILM und BUCH. Eigentlich wollten wir diese ja Five Years nennen, da diese als Jubiläums-Special gedacht war. Doch der Titel zeigte sich als Rohrkrepierer 😀 . Daher haben wir die Serie jetzt umbenannt in FuBs Double Feature, was auch dem eigentlichen Hintergedanken nahe kommt.

In FuBs Double Feature geht es um jeweils zwei Filme aus einem Jahrzehnt. Begonnen haben wir bereits mit 1900 -1910. In diesem ersten Beitrag stellten wir die beiden Filme „The haunted House“ aus dem Jahr 1908 und „Frankenstein“ aus dem Jahr 1910 vor. Als nächstes wird es zwei Filme von 1910 – 1920 geben. Die Reihe wird bis zum vergangenen Jahrzehnt, also 2000 – 2010 gehen.

Die Auswahl der Filme erfolgt dabei eher subjektiv, das heißt, wir wollen nicht nur Filme vorstellen, die jeder kennt, sondern auch über Filme schreiben, die zwar überaus sehenswert sind, die aber zugleich einen eher geringeren Bekanntheitsgrad haben. Auf diese Weise wird sich dann auch das jeweilige Double Feature aufteilen.

Hier der Link zum ersten Artikel aus der Reihe: FuBs Double Feature (1900 – 1910).

Viel Spaß! 🙂

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Im Jahr 2013 erschien unter dem Titel „The Collaboration“ ein Buch, das in den USA sofort hohe Wellen schlug. Eigentlich erregen Abhandlungen, die sich mit der Geschichte Hollywoods beschäftigen, so gut wie nie Aufsehen. Der Historiker Ben Urwand aber beschäftigt sich in seinem nun auf Deutsch erschienenen Sachbuch mit der dunklen Seite der US-amerikanischen Produktionsfirmen.

Deutschland war seit der Stummfilmzeit ein wichtiger Markt für Filme aus den USA. Dies änderte sich auch nicht nach der Machtergreifung Hitlers. Aber um welchen Preis. In den 30er Jahren versuchten 20th Century Fox, MGM, Warner und andere Firmen alles, damit sie weiterhin Geschäfte machen konnten.

Auf diese Weise hatte Nazi-Deutschland Hollywood regelrecht in der Hand, denn den Produzenten wurde diktiert, was sie in ihren Filmen zeigen durften und was nicht. Kamen die Studiobosse den Bestimmungen nicht nach, so drohten die Behörden mit einem Aufführungsverbot. Extra für diese Aufgabe wurde ein deutscher Diplomat namens Georg Gyssling nach Los Angeles gesandt, der die Drehbücher und die fertigen Filme überprüfen sollte. So mussten sämtliche Szenen aus Kriegsfilmen und Dramen entfernt werden, in denen die Deutschen, wenn auch nur ansatzweise, schlecht dargestellt wurden.

Später durften auch keine Filme vertrieben werden, in denen jüdische Figuren vorkamen oder an denen jüdische Regisseure, Kameramänner etc. mitgearbeitet hatten. Die Produzenten, die selbst Juden waren, fügten sich dem Verbot, um im Deutschen Reich weiterhin Filme vermarkten zu können. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, als sowieso keine US-Filme mehr in deutschen Kinos gezeigt wurden, änderte sich das Verhalten der Produzenten nach und nach, und es kam zu Filmen wie „Casablanca“, welche veranschaulichten, für welche Politik das Deutsche Reich tatsächlich stand.

Ben Urwand schildert diese Geschehnisse nicht nur extrem spannend, sondern überaus detailliert. In einem flotten Schreibstil beschreibt er, was niemand für möglich gehalten hätte,  nämlich, dass sich Hollywoods Produzenten quasi zu Lakaien des Deustchen Reiches degradierten, nur aus dem Grund, um weiter im Geschäft zu bleiben.  Dabei lesen sich manche Ereignisse so, als seien sie einer Satire entsprungen. Aber nein, das, was Urwand herausfand, ist zwar unglaublich, aber wahr. Über neun Jahre verbrachte der Historiker damit, nach Quellen zu recherchieren und diese auszuwerten. „Der Pakt“ ist ein wichtiges Buch, das die goldene Ära Hollywoods in einem völlig anderen, geradezu erschreckenden Bild zeigt. Für jeden, der sich für Filme und Filmgeschichte interessiert, ist Ben Urwands Abhandlung ein echter Gewinn.

Ben Urwand. Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hilter. Theiss Verlag 2017, 320 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3806233711

 

 

 

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whitedogKaum ein anderer Film erregte Anfang der 80er Jahre so viel Aufsehen wie „White Dog“ von Regisseur Samuel Fuller. Der Film geriet bereits kurz nach seiner Fertigstellung ins Kreuzfeuer der Kritik und zwar auf eine solche Weise, dass Paramount den Film in den USA nicht veröffentlichte. Obwohl nur wenige Filmkritiker das Werk überhaupt sichten konnten, transformierte sich die negative Kritik über diesen Film in eine Art Selbstläufer, was soviel heißt wie, dass vor allem Leute den Film kritisierten, die ihn überhaupt nicht gesehen hatten.

„White Dog“ bezeichnet in den USA einen Hund, der von Weißen abgerichtet wurde, um Schwarze anzugreifen und zu töten. Dabei handelt es sich leider um keine urbane Legende, sondern um rassistische Realität. In dem Film läuft der jungen Schauspielerin Julie ein solcher Hund direkt vors Auto. Sie bringt den Hund zum Tierarzt, der sich um die Verletzungen kümmert, und adoptiert ihn schließlich, ohne zu ahnen, was für ein Monster sie sich ins Haus geholt hat. Als sie schließlich selbst merkt, dass etwas mit dem Hund nicht stimmt, bringt sie ihn zu einem Tiertrainer. Dort arbeitet auch Keys, ein Schwarzer, der bereits einmal vergeblich versucht hat, einen White Dog „umzuerziehen“. Nun möchte es Keys noch einmal versuchen …

Die Filmhistorikerin und Bürgerrechtlerin Robin Coleman berichtet in ihrem überaus lesenswerten Buch „Horror Noir“, dass Paramount eigentlich so etwas wie Spielbergs „Weißer Hai“ haben wollte, nur mit einem anderen Tier. Aber außer dem Adjektiv „White“ im Titel gibt es keine Gemeinsamkeiten zwischen dem ersten Blockbuster der Filmgeschichte und der von Samuel Fuller kreierten Parabel. Verärgert darüber, habe sich Paramount nicht weiter um den Film gekümmert. Als aber dann der Aufruhr um den Film immer größer wurde, zog die Produktionsfirma den Film zurück. Zwar wurde er in Europa gezeigt*, wo er u. a. in Cannes positive Kritiken erntete, doch in den USA wurde er erst im Jahr 2008 veröffentlicht.

Die Leute, die den Film in den USA so heftig kritisierten, waren – wie man sich denken kann – Weiße. Sie sahen in dem Film eine verzerrte Darstellung der Realität und vermuteten, dass sich die Bürgerrechtsorganisation NAACP dahinter verberge. Man warf dadurch dem Film einen Rassismus gegen Weiße vor, was aber völliger Quatsch ist.

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Keys beim Versuch, den Hund zu bändigen. „Whiter Dog“ (1982), Copyright: Paramount Pictures.

Obwohl der Film als Tierhorror bezeichnet wird, handelt es sich eigentlich nicht um einen Horrorfilm, sondern – wie oben bereits erwähnt – eher um eine Parabel, die sich mit dem Rassismus in den USA beschäftigt. Fast schon verbissen, versucht der Tiertrainer Keys, den Hund davon abzubringen, auf Schwarze loszugehen. Diese Szenen nehmen den Hauptteil des Films ein. Das Problem: der Hund verändert sich nicht, bricht einmal sogar aus und fällt einen Mann an, der gerade aus der Kirche kommt. Die kurze Sequenz davor, in der der Weiße Hund durch das Schwarzenviertel läuft, wobei er vereinsamte Straßen überquert, sich durch puren Zufall Kinder gerade ins Haus begeben, knapp bevor der Hund sie sieht, ist inzwischen zwar unglaublich berühmt geworden, führte aber dennoch nicht dazu, dass dem Film das Siegel eines B-Movies abgenommen wurde.

Der Grund ist, dass sich Samuel Fuller bei der Inszenierung an den Blacksploitationfilmen der 70er Jahre orientiert. Dies betont Fuller zusätzlich dadurch, indem er Trash-Ikone Paul Winfield als Keys auftreten lässt. Winfield spielt in diesem Film einfach nur überragend, sodass alle anderen Darsteller ihm nicht das Wasser reichen können, obwohl sie natürlich auch ihre Arbeit gut machen. Doch Winfield überzeugt in seiner Rolle über alle Maßen, sein Kampf mit dem Hund ist zugleich der symbolische Versuch, gegen Rassismus und Hetze anzukämpfen. Dies macht „White Dog“ zu einem Film, der einen nachdenklich stimmt und der dadurch noch lange im Gedächtnis bleibt.

* In Deutschland wurde der Film allerdings um fünf Minuten gekürzt und teilweise falsch synchronisiert, um dadurch die eigentliche Thematik des Films nicht deutlich werden zu lassen.

White Dog (Die weiße Bestie/Der weiße Hund von Beverlyhills), Regie: Samuel Fuller, Drehbuch: Samuel Fuller, Curtis Hanson, Produktion: Jon Davison, Darsteller: Kristy McNichol, Paul Winfield, Burl Ives, Jameson Parker. USA 1982, 90 Min.

 

 

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cormanUm es vorweg zu nehmen: Wer Trashfilme mag, der wird dieses Buch lieben. Roger Corman produziert seit den 50er Jahren Filme. Und seitdem bleibt er seiner Linie treu: Filme mit geringem Bugdet zu drehen. Das Buch „Crab Monsters, Teenage Caveman, and Candy Stripe Nurses“ zeichnet seinen kompletten Werdegang nach. Angefangen von seinem Ingenieurstudium über die Poe-Verfilmungen bis hin zu den Trashgranaten, die er für den Syfy-Channel produziert.

Wer nach Hollywood will, dem bleiben zunächst alle Türen verschlossen. Was also tun? Hollywood ein Schnippchen schlagen, indem man selbst Filme dreht und sie irgendwie auf den Markt bringt. Corman kamen dabei die Autokinos wie gerufen. Denn dort fand sich das Publikum für seine Filme: junge Leute, die sich einfach nur unterhalten wollten. Und Unterhaltung lieferte Corman. Gleich sein erster Film „Monster from the Ocean Floor“ (1954) brachte ihm einen satten Gewinn ein, den er sofort in neue Filme investierte. Obwohl sein Erstling schon damals als einer der schlechtesten Filme, die je gedreht wurden, bezeichnet wurde, brachte Roger Corman dies nicht davon ab, weitere Filme dieser Art zu drehen. Er ließ sich dabei keinem festen Genre zu ordnen, sondern lieferte Filme für jeden Geschmack. So entstand dabei u. a. der Erfolg „The Fast and The Furious“ (1955), der gute 50 Jahre später als Remake nochmals für volle Kinosäle sorgte.

Corman spürte Trends auf, bevor diese von den großen Studios erkannt wurden, und war dadurch stets der erste, der für neuartige Filme sorgte. So lieferte er die ersten Biker-Filme ab und aus seiner Schmiede kamen auch die ersten Knastfrauenfilme. Zugleich förderte er Talente, die es schwer hatten, im Filmgeschäft Fuß zu fassen. Regisseure wie Martin Scorsese, Francis Ford Coppola oder James Cameron erlernten bei ihm das Handwerk. Schauspieler wie Jack Nicholson oder Sylvester Stallone erhielten durch ihn ihre ersten Rollen.

Das Besondere an dem Buch ist, dass der Autor Chris Nashawaty nicht selbst erzählt, sondern erzählen lässt. Denn das komplette Buch besteht in der Hauptsache aus Interviews, die er mit heute bekannten Schauspielern und Regisseuren geführt hat.  Dadurch erhält man als Leser einen direkten Einblick in das Filmschaffen, in die Biographien der Beteiligten und in die Geschichte des B-Movie. Tolle Szenenfotos und Filmplakate machen das Buch zugleich zu einem echten visuellen Erlebnis.

„Crab Monsters, Teenage Caveman, and Candy Stripe Nurses“ ist so ziemlich das beste Filmbuch, das mir je in die Hände gefallen ist. Es ist witzig, unterhaltsam und man erhält zugleich so viele interessante und spannende Informationen, dass es schade ist, dass das Buch nur etwa 250 Seiten hat. Um William Shatner aus dem Buch zu zitieren: „There was hardly time to get an errection.“ Aber das ist auch das einzig Negative daran. 🙂

Chris Nashawaty: Crab Monsters, Teenage Caveman, and Candy Stripe Nurses: Roger Corman – King of the B-Movies. Abrams Books 2013, 247 Seiten. (Preis schwankt je nach Kurs)

 

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In Deutschland ist die Produktionsfirma Glass Eye Pix nur wenigen Leuten ein Begriff. Auch bei der Erwähnung des Namens Larry Fessenden sorgt man eher für ein Schulterzucken. Ganz anders sieht es in den USA aus. Dort zählt die Produktionsfirma zu den wichtigsten Indie-Firmen und Larry Fessenden ist dort einer der bekanntesten Indie-Regisseure. Im Frühjahr 2013 konnten wir mit ihm ein ausführliches Interview führen, das in unserem fünften Magazin zu finden ist.

glasseyepix3Zwar wurde Glass Eye Pix bereits 1985 gegründet, doch den entscheidenden Erfolg erzielte Fessenden erst 1997 mit seinem Vampirfilm Habit, der auf diversen Filmfestivals für viel Aufsehen gesorgt hatte. Das Magazin Fangoria kührte Habit zu einem der besten zehn Horrorfilme der 90er Jahre. Es geht darin um den Bohemian Sam, der auf einer Party die geheimnisvolle Anna trifft. Von ihrer Sinnlichkeit angezogen, kommt es zwischen beiden zu einem rein sexuellen Verhältnis. Jedenfalls so lange, bis Sam an sich Anzeichen einer sonderbaren Krankheit bemerkt. Die Low Budget-Produktion besitzt eine unglaubliche Dichte, spielt mit den Erwartungen des Zuschauers und sorgt für stilvollen Nervenkitzel. Bereits hier macht sich Fessendens düstere Poetik bemerkbar, die er in seinen späteren Filmen fortführte. Die Mischung aus Taxi Driver und Horrorfilm wurde mehrfach nominiert und ausgezeichnet. Dennoch blieb eine Veröffentlichung in Deutschland bisher aus.

glasseyepix1Der erste Film Larry Fessendens und damit der Firma Glass Eye Pix, der in Deutschland veröffentlicht wurde, war Wendigo (2001), in dem es um eine Familie geht, die in eine Kleinstadt zieht. Doch kaum dort angekommen, ereignen sich seltsame Zwischenfälle. – Der Film hat nichts mit Algernon Blackwoods Erzählung „Wendigo“ zu tun. Vielmehr, so erwähnte Fessenden FILM und BUCH gegenüber, verarbeitete er darin seine Kindheitserlebnisse. Leider wurde der Film hierzulande kaum wahrgenommen und wenn, dann erhielt er meistens schlechte Kritiken. Anders sah es in den USA aus, wo sein zweiter Kinofilm hoch gelobt wurde, wobei vor allem Fessendens überragende Ästhetik hervorgehoben wurde. Er zeigte sich hier als Poet des Unheimlichen, wobei das Unheimliche und Unerklärbare aus der Sicht eines kleinen Jungen erzählt wird.

glasseyepix2Die erste internationale Produktion von Glass Eye Pix fand mit der isländischen Filmfirma Zik Zak Films statt. Es handelte sich um den Horrorfilm The last Winter (2006), in dem Ron Perlman mitspielte. Es geht um seltsame Vorkommnisse in und um eine Forschungsstation am Nordpol. Erneut zeigt sich Fessendens Können in einer genialen Optik, die dem Film eine überaus ästhetische Note verleiht. Obwohl das Thema Klimawandel anklingt, möchte Fessenden seinen Film nicht als Öko-Thriller mit mahnendem Unterton verstanden wissen. Es geht ihm darum, den Kontrast zwischen Erklärlichem und Unerklärlichem zu zeigen und dabei eine Art Endzeitfilm zu schaffen. So betrachtet er Habit, Wendigo und The last Winter als eine Trilogie, die mit dem oben erwähnten Sam ihren Anfang nimmt und in den düsteren Geschehnissen in der Arktis endet.

glasseyepix5In seinem neuesten Film Beneath (2013) wandte er sich dem 80er Jahre Trashfilm zu, in dem er sechs junge Leute, die an einem See ihren Urlaub verbringen wollen, mit einem mutieren Riesenwells in eine unheilvolle Verbindung bringt. Nun ja, die Kritik zu diesem Fall fiel nicht immer wohlwollend aus. Dennoch schuf Fessenden, nach seinen poetischen Werken, ein schwarzhumoriges Trash-Vergnügen.

Als Produzent ist es Larry Fessenden vor allem ein Anliegen, junge Regisseure zu fördern. Allen voran unterstützte er Ti West bei seinen diversen Filmen, nachdem dieser durch seine Mitarbeit an Cabin Fever 2 eine tiefe Enttäuschung erlebt hatte. Zusammen mit Fessenden schuf er Filme wie die Low Budget-Produktion The Roost (2005) und den mehrfach nominierten Geisterhausfilm The Innkeepers (2011). Ebenfalls aufs Konto der Firma Glass Eye Pix geht die freie Stevenson-Adaption I sell the Dead (2008), in der neben Ron Perlman auch Horrorikone Angus Scrimm zu sehen ist.

glasseyepix4Inzwischen versucht sich Glass Eye Pix auch an größeren Produktionen. So ist ein Film geplant, in dem John Travolta die Hauptrolle spielen und wiederum Ti West Regie führen soll. Ebenfalls bekannt gegeben wurde, dass Larry Fessenden die Regie beim Remake des spanischen Horrorfilms Das Waisenhaus übernehmen wird. Hatte Fessenden damit begonnen, an den Straßen Plakate für seinen Film Habit aufzuhängen, um auf seine Produktion mindestens irgendwie aufmerksam zu machen, so ist er nun auf dem Weg, ein gefragter Regisseur zu werden. Das 30jährige Jubiläum von Glass Eye Pix ist also durchaus verbunden mit einer wahren Erfolgsgeschichte.

 

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electric boogalooDie Story könnte man so zusammenfassen: Anfang der 80er Jahre machten sich zwei israelische Cousins auf, um den Rest der Welt zu erobern. – Gemeint sind Menahem Golan und Yoram Globus, die mit der „Eis am Stil“-Reihe die bis heute erfolgreichsten israelischen Filme drehten. Danach zog es beide nach Hollywood. Und der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Eine Abhandlung über die Popkultur der 80er Jahre wäre ohne die Erwähnung der Produktionsfirma Cannon Group schlicht und ergreifend nicht komplett. Kein anderes Filmstudio beeinflusste das Trash-Genre so sehr wie eben diese Firma, die von Golan und Globus gekauft wurde, um auf diese Weise ihre Leidenschaft für das Kino auszuleben. Dabei gingen sie ein irrwitziges Risiko ein, indem sie einfach … nun ja Filme drehten. Mehr durch Zufall wurden manche Produktionen zu großen Erfolgen. Das Problem war, sie produzierten Filme, wie sie sie selbst gerne sehen wollten und dachten dabei weniger an das Publikum. Auch wenn die beiden Cousins davon überzeugt waren, dass der nächste Film garantiert ein Blockbuster werden würde oder sie garantiert einen Oskar bekommen würden, so sah die Realität dann doch etwas anders aus.

Regisseur Mark Hartley hat in seiner durch und durch unterhaltsamen Dokumentation die Geschichte der Cannon Group und damit die Geschichte von Menahem Golan und Yoram Globus nachgezeichnet. Anhand vieler Filmausschnitte und Interviews mit Regisseuren wie Tobe Hooper und Schauspielern wie Richard Chamberlain, Franco Nero, Bo Derek und Michael Dudikoff lässt er den kompletten Wahnwitz, der im Zusammenhang mit dieser Firma steht, nochmals auferstehen. Es wird u. a. berichtet, wie es zu den Chuck Norris-Filmen kam, wie Jean-Claude van Damme seine erste Rolle erhielt und wieso niemand Sharon Stone leiden konnte.

Hartley unterstreicht den filmischen Wahnsinn zusätzlich durch eine rasante Schnittfolge, in der Interviews mit Filmszenen und Ausschnitten von damaligen Reportagen unaufhörlich abwechseln. Er zeigt, wie Golan und Globus aufgrund ihrer Vielzahl an Filmen, die zum Teil gleichzeitig produziert wurden, nach und nach den Überblick verloren, was Ende der 80er zum unvermeidlichen Ende der legendären Firma führte.

Für Trash-Fans und Liebhaber von Filmen der 80er Jahre ist „Electric Boogaloo“ so gut wie unverzichtbar. Die Doku macht ungeheuren Spaß, ist überaus informativ und lässt einem aufgrund der Verrücktheiten, für die die beiden Cousins bekannt waren, aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kurz: Absolut zu empfehlen.

Titel: Electric Boogaloo, Regie: Mark Hartley, Produktion: Brett Ratner, Interviewpartner: Tobe Hooper, Franco Nero, Michael Dudikoff, Richard Chamberlain, Bo Derek, Dolph Lundgren u. a., Australien/USA 2014, Laufzeit: 103 Min.

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