Feeds:
Beiträge
Kommentare

Posts Tagged ‘John Carpenter’

Die dritte Sonderausgabe von FILM und BUCH beschäftigt sich mit dem Thema Sozialer Wandel im Film. Am Beispiel des SF-Klassikers „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus dem Jahr 1951 und dessen beiden Remakes von 1982 und 2011 untersucht der Beitrag, auf welche Weise die Gesellschaft in den drei Filmen jeweils dargestellt wird. Wie sieht es z.B. aus mit der Rolle der Frau oder mit sozialen Ängsten? Zwischen den drei Filmen liegt jeweils eine Zeitspanne von ca. 30 Jahren. Daher erscheinen gerade „Das Ding“ und seine beiden Nachfolger überaus geeignet, um sozialen Wandel im Film zu untersuchen.

Achtung: Der Text ist urheberrechtlich geschützt und zudem mit vielen wichtigen und bekannten sozial- und kulturwissenschaftlichen Organisationen verlinkt.

Hier könnt ihr Sonderausgabe 3 gratis downloaden: Das Ding mal drei

Advertisements

Read Full Post »

aussaultMit „Assault on Precinct 13“ schuf Starregisseur John Carpenter einen unheimlichen Thriller, in dem er Aspekte des Western mit denen des Zombiefilms a la Romero verknüpft und zusätzlich Elemente des Blacksploitation-Genres übernimmt. Zugleich ist Carpenters Film ein wesentliches Beispiel für den Anfang der 70er Jahre entstandenen modernen amerikanischen Horrorfilm, in dem nicht mehr außerirdische Monster, sondern der Mensch bzw. die Gesellschaft selbst zu einem unerklärlichen, bedrohlichen und unheimlichen Phänomen wird.

Die Handlung: Eine Polizeistation in einem heruntergekommenen Bezirk in Los Angeles. Nur noch für eine Nacht steht die Station offen. Am nächsten Morgen soll sie geschlossen werden. Aus diesem Grunde ist sie auch nur mit einer kleinen Notbesetzung bestückt. Doch gerade in dieser Nacht kommt es zum Ausnahmezustand. Die Station wird von verschiedenen Jugendbanden belagert. Der zunächst noch rein kriminelle Aspekt wird zunehmend zu einer bizarren und unheimlichen Bedrohung …

assault1

Mehrere Gangmitglieder nähern sich der Polizeistation. „Assault – Anschlag bei Nacht“ (1976). Copyright: Image Entertainment

Nach „Dark Star“ war „Aussault on Precinct 13“ Carpenters zweiter Spielfilm. Eigentlich hatte er vor, einen Western im Stil seines Vorbilds Howard Hawks zu drehen, doch wurde daraus nichts, da das Projekt auf kein Interesse stieß. Daher kam er auf die Idee, das Westernthema der Belagerung mit dem des modernen Zombiefilms zu verbinden. Die Kriminellen, die sich um die Polizeistation versammeln und immer wieder versuchen, sie zu stürmen, scheinen nicht normal zu agieren, sondern viel eher wie wandelnde Tote ihre Untaten zu verrichten. Eine kurze Erklärung für das sonderbare Verhalten gibt der Film, indem Polizist Ethan Bishop von sonderbar starken Sonneneruptionen spricht, von denen im Radio die Rede ist. Völlig willenlos marschieren die Jugendlichen auf die Station zu, wobei es zu heftigen Shoot-Outs kommt.

assault2

Das Plattencover des Soundtracks von 1976 ziert die bekannteste Szene von „Assault“.

Berühmt wurde der Film nicht nur durch die Musik, von der damals auch eine Disco-Version produziert wurde, sondern vor allem durch die extreme Schockszene, in der einer der Warlords ohne mit der Wimper zu zucken ein kleines Mädchen auf offener Straße erschießt. Der Vertrieb wollte, dass Carpenter diese Szene wieder herausnahm. Carpenter schnitt die Szene heraus, doch setzte sie kurz vor dem Kinostart wieder ein.

„Aussault on Precinct 13“ ist ein absolutes Meisterwerk und gehört bis heute zu den verstörendsten und zugleich interessantesten Genrefilmen. John Carpenter drehte Ende der 80er Jahre ein Quasi-Remake von „Assault“ mit dem Titel „Fürsten der Dunkelheit“. Dort wurde die Polizeistation durch ein Kloster und die Jugendgang durch wirkliche Zombies (bzw. Streetshizos, wie es im Nachspann heißt) ersetzt.

Im Jahr 2005 kam es zu einem Remake des Klassikers, der jedoch auf verstörende Elemente verzichtet und aus der Story eine bloße Mischung aus Polizei- und Actionfilm macht.

Assault – Anschlag bei Nacht (OT: Assault on Precinct 13), Regie u. Drehbuch: John Carpenter, Produktion: J. S. Kaplan, Darsteller: Austin Stoker, Darwin Joston, Laurie Zimmer, Martin West, USA 1976, 91 Min.

Read Full Post »

princeofdarkness„Dies ist kein Traum …“ Es ist tatsächlich kein Traum, denn in den Gewölben eines längst geschlossenen Klosters irgendwo in Los Angeles befindet sich ein ominöser Behälter, der von der Bruderschaft des Schlafes bewacht wird. Doch seit einiger Zeit passieren dort seltsame Dinge.

Obwohl als Low-Budget-Film produziert, schrieb John Carpenter mit „Prince of Darkness“ (der deutsche Verleih wandelte den Titel um ins Plural) Filmgeschichte. Denn „Fürsten der Dunkelheit“ beinhaltet den längsten Vorspann überhaupt: ganze 10 Minuten. In diesen 10 Minuten wird fast alles erzählt, was vor dem Aufenthalt der Wissenschaftler in dem Kloster passiert. Pater Loomis beauftragt Howard Birack, Professor für theoretische Physik, die seltsamen Phänomene zu untersuchen, die sich in dem Kloster abspielen. Birack bringt seine Studenten mit, die ihm bei der Erforschung der Ursachen unterstützen sollen. Doch das, was sich wie eine grüne Flüssigkeit in dem Behälter befindet, beginnt, die Forscher mehr und mehr zu beeinflussen …

John Carpenter führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch. Im Vorspann nennt er sich allerdings Martin Quatermass, als eine Art Anspielung auf die Quatermass-Filme der Hammer-Studios aus den 50er und 60er Jahren, wobei Carpenter sich vor allem vor dem dritten Film „Das grüne Blut der Dämonen“ verneigt, dem ultimativen Klassiker des SF-Horror-Genres. Doch steckt in seinem Film nicht nur diese eine Anspielung, sondern ist voller Zitate, die von Lovecraft bis zu seinen eigenen Filmen reichen, hier vor allem „Halloween“ und „Anschlag bei Nacht“. Neben bekannten Darstellern wie Victor Wong und Donald Pleasance, ist auch Alice Cooper in einer kleiner Nebenrolle zu sehen, als Streetshizo, wie seine Figur im Nachspann bezeichnet wird. Bei den Streetshizos handelt es sich um Obdachlose, die um das Kloster herum leben und sich in eine Art Zombies verwandeln. Carpenter verband damit das Bedrohungsszenario aus „Anschlag bei Nacht“ mit demjenigen aus „Das Ding aus einer anderen Welt“. Während beim ersten Film die Bedrohung von außen kommt, entsteht im zweiten Film die Bedrohung innerhalb der Gruppe. Tatsächlich betrachtet Carpenter „Prince of Darkness“ als Teil einer Trilogie, die mit „Das Ding“ beginnt und deren letzter Teil „Die Mächte des Wahnsinns“ ist. Es hätte durchaus eine Quadrologie sein können, da sich eben viele Aspekte von „Anschlag bei Nacht“ auch in „Fürsten der Finsternis“ wiederfinden.

„Prince of Darkness“ ist auf jeden Fall, und das trifft ja auf fast alle Filme von Carpenter zu, ein kleines Meisterwerk (klein daher, da er ja nur ein geringes Budget – gerade einmal 3 Millionen Dollar – zur Verfügung hatte). Von Anfang an herrscht durch das Hin- und Herspringen der Handlungsorte eine dichte Atmosphäre, die von Carpenters typischer Musik untermalt wird. Carpenter erzählt die Story geradlinig, der Film schreitet schnell voran, und dennoch findet Carpenter immer wieder Zeit dafür, um unheimliche Momente regelrecht auszukosten. Obwohl ihm eine gewisse Actionlastigkeit vorgworfen wurde, so bietet der Film trotzdem viele, an klassische Gruselgeschichten erinnernde Momente des Unheimlichen, die dem Film seinen besonderen Reiz verleihen und, egal wie oft man ihn schon gesehen hat, ihre Wirkung nie verfehlen. Und ja, auch dieser Film wurde von unseren FSKlern indiziert (der Grund dafür dürfte den dortigen Mitarbeitern selbst unbekannt sein), die Indizierung aber vor wenigen Jahren wieder aufgehoben.

Fürsten der Dunkelheit (OT: Prince of Darkness), Regie und Drehbuch: John Carpenter, Produktion: Larry J. Franco, Darsteller: Victor Wong, Donald Pleasance, Lisa Blount, Jameson Parker. USA 1987, 101 Min.

 

Read Full Post »

klapperschlange„Nenn mich Snake“, erwidert Snake Plissken, wenn ihn jemand mit seinem Nachnamen anspricht. Mit dieser Figur schuf John Carpenter nicht nur einen 80er Jahre-Kult, sondern auch einen seiner erfolgreichsten Filme.

Die Handlung spielt im Jahr 1997. Ganz Manhattan ist ein Hochsicherheitsgefängnis und von einer Mauer umschlossen. Minen erschweren zusätzlich eine Flucht. Wer als Gefangener nach Manhattan reinkommt, kommt nie wieder raus. In dem Stadtteil haben sich über die Jahre hinweg (1988 wurden die ersten Gefangenen nach Manhattan verlegt) eigene Gesellschaftsstrukturen entwickelt. Unterirdisch leben die Crazys, die sich von Menschenfleisch ernähren, auf den Straßen herrscht der Duke, der seine Macht durch Gewalt aufrecht erhält. Eines Tages stürzt das Flugzeug des Präsidenten über Manhattan ab. Snake Plissken, der als Gefangener ebenfalls eingebuchtet werden soll, erhält dadurch noch eine Chance: Wenn er den Präsidenten findet und zurückbringt, wird er begnadigt.

„Escape from New York“, so der Originaltitel, kommt als sehr düstere Dystopie daher, in der sich die Welt im Krieg befindet und Gesellschaften verrohen. Die USA ist zu einer Art Polizeistaat geworden, eine linke Gruppierung versucht, gegen das System anzukämpfen. Das ist der Rahmen, innerhalb dessen sich Carpenters zweiter SF-Film bewegt. Doch ist sein Film keineswegs ernst. „Die Klapperschlange“ ist gewürzt mit viel Ironie und überaus schwarzem Humor. Schon allein die überzeichneten Figuren tragen dazu bei, dass man bei ziemlich vielen Szenen einfach Schmunzeln muss. Aber auch so manche Idee zeichnet sich durch gekonnten Witz aus. So z.B.  die Limousine des Duke, die mit Kronleuchtern auf der Kühlerhaube ausgestattet ist. Andererseits aber kommt der Film auch ziemlich hart daher, obwohl Vieles eher angedeutet ist.

Carpenter symbolisiert mithilfe der Kulissen, die leere und halb zerfallende Gebäude zeigen, eine vollkommen kaputte Gesellschaft. In dieser Gesellschaft regiert nur das Gesetz des Stärkeren. Aber auch die Welt außerhalb der Gefängnismauern ist alles andere als human. Flüchtende werden auf der Stelle erschossen. Dadurch wirkt der Film trotz seiner Ironie auch recht beklemmend.

Dass der Film so gut funktioniert, verdankt er auch den hervorragenden Darstellern, viele davon gehören zu Carpenters Stammschauspielern. Allen voran natürlich Kurt Russell, der die Rolle des Snake Plissken innehat und mit Augenklappe und Militärhose sein wohl bekanntestes Kostüm trägt. Aber auch Donald Pleasance, der ebenfalls in „Halloween“ und „Fürsten der Dunkelheit“ mitspielte, ist mit von der Partie. Adrienne Barbeau spielte später in „The Fog“ mit. Des weiteren konnte Carpenter Lee Van Cleef und Harry Dean Stanton engagieren. Die wohl unheimlichste Rolle, die zugleich stark die Atmosphäre des Films trägt, ist die des grotesken Romero, eine Art Spion und Schoßhündchen des Duke, gespielt von Frank Doubleday, einem bekannten Schauspiellehrer, der zuvor in Carpenters „Assault – Anschlag bei Nacht“ mitspielte.

„Die Klapperschlange“ ist längst ein Klassiker des SF-Films. 1996 drehte John Carpenter eine Fortsetzung, doch floppte das Sequel an den Kinokassen und kommt auch an das Original nicht heran.

 

 

Read Full Post »

whyhorrorEs gibt eine ganze Reihe sehr interessanter Dokus über Horrorfilme. Man denke nur an „American Nightmare“ über den postmodernen Horrorfilm der 70er Jahre oder „Cut into Pieces“, der sich mit der Geschichte des Slasherfilms in den 80er Jahren befasst. Nun hat der in den USA und Kanada bekannte Essayist und Horrorfan Tal Zimerman sich auf die Suche nach einer grundlgegenden Antwort auf die Frage gemacht, wieso mögen Horrorfans eigentlich Horrorfilme?

Liebhaber von Horrorfilmen werden in der Regel schief angesehen und als äußerst suspekt betrachtet. In der ZDF-Doku „Mama, Papa, Zombie“ aus den 80er Jahren werden Horrorfans im gewissen Sinne als asozial eingestuft. Ein Fan von Horrorfilmen stößt also in aller erster Linie in der Gesellschaft auf Unverständnis für seine Liebhaberei.

Tal Zimerman ist seit seiner Kinderheit von Horrorfilmen begeistert. Da außer ihm in seiner Familie niemand seine Leidenschaft teilt, stellt er sich die Frage, wie es dazu kam, dass er Horrorfilme so sehr mag. Während die beiden oben genannten Dokus das Phänomen Horrorfilm eher kulturhistorisch angehen, geht Zimerman noch einen Schritt weiter. Er lässt nicht nur Kulturwissenschaftler und Regisseure zu Wort kommen. Er unterzieht sich auch neurologischen Tests, um zu untersuchen, ob sein Gehirn auf bestimmte Reize anders reagiert als z.B. bei seiner Mutter, die Horrorfilme nicht mag.

Da das Phänomen Horrorfilm kulturübergreifend ist, spricht Zimerman nicht nur mit amerikanischen Regisseuren und Wissenschaftlern, sondern  auch mit Experten aus Spanien, Südamerika und Japan. Die Interviews, die er führt, und die Ergebnisse, die er sammelt, sind ungeheuer faszinierend. Vor allem beeindruckt die Vielzahl an unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven, durch die er versucht, eine Antwort auf seine Frage zu erhalten.

Dabei ist die Doku keineswegs langatmig oder trocken. Ganz im Gegenteil, Tal Zimeran verbindet spannende Informationen mit viel Witz und Humor. All dies macht „Why Horror?“ zu einer der besten Dokumentationen über den Horrorfilm.

Anmerkung: In Deutschland sollte die Doku eigentlich Anfang März erscheinen. Aufgrund technischer Probleme in der Produktion, wird der Film allerdings erst im Herbst veröffentlicht.

Read Full Post »