FuBs Double Feature (1990 – 2000): Jurassic Park (1993) und Ring (1998)

So schlimm waren die 90er Jahre eigentlich gar nicht. Irgendwie versuchte man, die 80er Jahre in den 90ern weiterzuführen. Und dennoch wollte es nicht mehr so recht klappen. Denn die viel diskutierte Hollywoodkrise nahm ihren Anfang, was Ende der 90er Jahre dazu führte, dass auf einmal andere Filmländer ihre Chance witterten und auf den internationalen Filmmarkt traten. Am überraschendsten dürfte in dieser Hinsicht sicherlich Südkorea sein, das mit dem Horrorfilm „Whispering Corridors“ (1998) den Startschuss für die Korean Hallyu gab, die koreanische Welle in der Popkultur. International trat Südkorea erst 2000 auf der Berlinale mit dem Drama „JSA“ (1999) auf und sorgte ab da für Furore.

Doch der Film, der Hollywood am meisten beeinflussen sollte, war die japanische Produktion „Ringu“ (1998). Der Film löste sowohl in Hollywood als auch in so gut wie allen anderen Ländern Produktionen aus, die diese besondere Machart übernahmen, wenn auch in jeweils anderen Zusammenhängen.

In den 90ern kamen verstärkt auch die CGI-Effekte auf, die immer mehr das Filmemachen bestimmen sollten. Natürlich gab es Computer generierte Effekte auch schon in den 80ern, doch wurde damals noch verstärkt auf gute alte Handarbeit Wert gelegt. Auf diese Weise konnte T-1000 noch gemeingefährlicher werden und auf dieselbe Weise kehrten die geliebten Dinos zurück auf die Leinwand.

Jurassic Park gilt als Meilenstein in Sachen CGI. Der Film reizte die Effekte bis ins letzte Detail aus. Wer damals im Kino saß, der musste sich immer wieder vergegenwärtigen, dass die Urviecher nur aus Bits und Bytes bestanden. So erging es jedenfalls mir, für den das höchste der Gefühle bis dahin die guten alten Stop Motion-Effekte gewesen waren. Ja, und auf die Dinokacke hatte man auch nicht vergessen, aber die war sozusagen handgerührt.

In Deutschland schlugen unsere hysterischen Pädagogen einmal mehr die Hände über den Kopf zusammen und sorgten für Tobsuchtsanfälle bei den Kindern, die endlich ihre Lieblingssaurier in Aktion sehen wollten. Denn sie durften das nicht, weil unseren Damen und Herren Hysteriker nichts anderes einfiel, als Kindern den Eintritt ins Kino zu verbieten. – Typisch für die von Filmtheoretiker I. C. Jarvie bereits Ende der 60er Jahre bezeichneten PPs, die einmal mehr ein absolutes Unwissen und Unverständnis gegenüber dem Medium Film bewiesen.

In Japan kam es Ende der 90er Jahre zu einem enormen Produktionsschub, was das Filmemachen anbelangt. Aufgrund der asiatischen Wirtschaftskrise lag die japanische Filmwirtschaft beinahe am Boden. Zudem mussten viele Lichtspielhäuser schließen. Doch 1998 wurde plötzlich alles anders, als Regisseur Hideo Nakata mit seinem Meisterwerk Ring auftrat und dadurch die Kassen wieder klingeln ließ.

„Ring“ verband als einer der ersten japanischen Horrorfilme folkloristische Elemente mit aktuellen gesellschaftlichen Problemen, sodass das Unheimliche nicht wie aus der Mottenkiste wirkte, sondern als etwas Bedrohliches und Fremdartiges für jede Menge Gänsehaut sorgte. Zugleich wurde „Ring“ aufgrund seiner feministischen Thematik zum Sprachrohr der damaligen Emanzipationsbewegung in Japan. Dies hatte zur Folge, dass auch alle weiteren Horrorfilme, denen man schließlich das Siegel J-Horror verpasste, das traditionelle Patriarchat in Frage stellten und die sozialen Probleme aufzeigten, vor denen Frauen in Japan standen und teilweise immer noch stehen.

Zulu – Spannend, aber nicht wirklich originell

ZuluÜber manche Filme lässt sich streiten. So auch über den Thriller „Zulu“ des französischen Regisseurs Jérome Salle. Die Handlung spielt in Kapstadt. Eines Tages wird dort die Leiche einer brutal ermordeten Frau gefunden. Zunächst scheint alles auf einen Mord innerhalb des Drogenmilieus zu schließen. Doch je genauer Ali Sokhela, der Chef der Mordkommission, den Fall untersucht, desto deutlicher wird, dass weit mehr dahinter steckt. Zusammen mit seinem Kollegen Brian Epkeen stößt er auf eine Spur, die bis in die Zeit der Apartheid reicht.

„Zulu“ ist ein sehr düsterer Film, der zwischen brutalem Thriller und normalem Polizeifilm hin- und herpendelt. Das Duo besteht aus einem schwarzen und einem weißen Ermittler, gespielt von Forest Whitaker und Orlando Bloom. Während Whitaker seinen Job wie immer hervorragend meistert, nimmt man Bloom die Rolle des alkoholkranken und sexsüchtigen Polizisten nicht ab. Er wirkt ständig wie jemand, der versucht, eine solche Rolle zu mimen. In dieser Hinsicht ist er als eindeutige Fehlbesetzung zu bezeichnen.

Die Handlung als solche ist zwar durchaus spannend, leider aber auch vorhersehbar. Es geschieht nichts, was nicht außerhalb eines bestimmten Rahmens verläuft. Das ist schade, denn der konfliktreiche und durchaus denkwürdige Plot hätte Potential gehabt, um mehr daraus zu machen. So aber lässt Regisseur Salle lieber seinen Maskenbildner heran, um den Zuschauer mit ein paar deftigen Szenen zu erschrecken. Trotz allem weist der Film eine erstklassige Kameraarbeit auf. Die Szenen sind eindrucksvoll visualisiert und aufgrund der interessanten Montage ergeben sich zwischen dem sozialen Albtraum immer wieder kurze Einschübe einer düsteren Poesie. Manche dieser Einschübe dauern nur wenige Sekunden, dienen aber dazu, den seelischen Zustand der Protagonisten beinahe minutiös zu durchleuchten.

Salle zeigt in seinem Film ein kaputtes Land, das beherrscht wird von Kriminalität und sozialer Desillusion. Dabei bleibt er rein objektiv und versucht nicht, zu moralisieren. Die nüchterne Darstellung des Schreckens ist mit Sicherheit eine Stärke, die dieser Film besitzt und die der Handlung eine dichte und bedrohliche Atmosphäre verleiht. Das macht „Zulu“ zwar zu keinem originellen, aber zu einem spannenden Thriller.

Zulu
Regie: Jérome Salle, Drehbuch: Julien Rappeneau, Jérome Salle, Produktion: Richard Grandpierre, Darsteller: Forest Whitaker, Orlando Bloom, Conrad Kemp, Inge Beckmann.
Frankreich 2014
Laufzeit: 111 Min.

Korea goes Hollywood – Südkoreas Filmindustrie beweist ihr Können nun auch international

Seit 2013 tut sich etwas im Hollywood- und dem europäischen Kino. Für Mainstream-Seher scheinen koreanische Regisseure und Schauspieler quasi wie aus dem Nichts auf der internationalen Kinobühne zu erscheinen. Das kommt jedoch nicht von ungefähr. Seit Jahren beweist das südkoreanische Kino, dass es den Produktionen Hollywoods nicht nur gleichwertig, sondern in Sachen Story und Anspruch weit überlegen ist. Seit ca. 2010 deutlich erkennbar, entwickelte sich ein südkoreanischer Film Noir, parallel dazu ein südkoreanisches Cinema du Look.

Es scheint so, als hätten koreanische Filmemacher die Lehrbücher für Regisseure auf ihre eigenen Bedingungen umgeschrieben. Das Ergebnis ist eine Reihe hochgradiger Produktionen, die international Aufsehen erregen und speziell in Südkorea Hollywood den Umsatz vermiesen. 60% aller 2013 in Südkorea gezeigten Filme waren einheimische Produktionen. Hollywood und europäische Filme mussten sich mit den restlichen 40% begnügen.

Dass südkoreanische Regisseure wahre Könner sind, haben nun auch die Produzenten Hollywoods erkannt. 2013 verpflichtete man dort gleich zwei koreanische Regisseure. Zum einen Park Chan Wook für den Thriller „Stoker“, zum anderen Kim Jee Woon für den Actionfilm „Last Stand“, in dem Arnold Schwarzenegger die Hauptrolle spielte.

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„Stoker“ (2013). Regie führte der Koreaner Park Chan Wook.

„Stoker“ wurde von den Brüdern Ridley und Tony Scott produziert. Der Film orientiert sich stark an den Werken Hitchcocks, Drehbuchautor Wentworth Miller bestätigte diesen Einfluss in einem Interview. Es geht um einen geheimnisvollen Onkel, der das Leben einer Familie in einen Albtraum verwandelt. Trotz guter Kritiken, spielte „Stoker“ nicht ganz seine Produktionskosten ein. Dies führte in den koreanischen Medien zur Befürchtung, dass auch Bong Joon-Hos Film „Snowpiercer“ die Kosten nicht einspielen würde. Sogar in den Hauptnachrichten wurde über dieses Thema berichtet.

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„Snowpiercer“ (2013). Eine Comic-Adaption des koreanischen Regisseurs Bong Joon-Ho

Koreas Sorge jedoch erwies sich als grundlos. „Snowpiercer“ hat schon jetzt das Doppelte seiner Kosten wieder eingespielt. Die französisch-koreanische Co-Produktion erhielt nicht nur ausnahmslos positive Kritiken, sondern gilt schon jetzt als einer der intelligentesten und anspruchsvollsten SF-Filme, die je gedreht wurden.

Speziell das Wort Anspruch bereitet Hollywoodproduzenten Kopfschmerzen. Da sie das Publikum für blöde halten, gilt die Regel, Filme einfach und eben ohne Anspruch zu gestalten. Die Konsequenz: eine Flut völlig oberflächlicher Action- und Superheldenfilme. Auf jeden Fall forderte Bob Weinstein, der für „Snowpiercer“ den Vertrieb für die USA übernahm, eine Kürzung von mehr als 20 Minuten. Bong Joon-Ho weigerte sich, diese Cuts durchzuführen, was zur Folge hatte, dass Weinstein den Film nur in Programmkinos laufen ließ.

Neben koreanischen Regisseuren, treten nun auch nach und nach koreanische Schauspieler ins internationale Rampenlicht. In „Snowpiercer“ traten Song Kang Ho und Go Ah Sung auf. Song dürfte Horrorfans vor allem durch den koreanischen Film „Thirst“ bekannt sein. Die Schauspielern Go Ah Sung wurde durch den Monsterfilm „The Host“ bekannt.

Inzwischen hat auch Koreas berühmtester Schauspieler Choi Min Sik die internationale Bühne betreten. Der durch Filme wie „Old Boy“ und „I saw the Devil“ auch außerhalb Südkoreas bekannt gewordene Schauspieler, übernahm in Luc Bessons neuestem Film „Lucy“, der sich noch in der Post-Produktionsphase befindet, die Rolle des Bösewichts.

Mit Sicherheit werden dies nicht die einzigen Ausflüge koreanischer Filmemacher und Schauspieler nach Hollywood bzw. nach Europa gewesen sein. Viel eher dürfte man in dieser Hinsicht von einem gelungenen Anfang sprechen.

Running Man – Eine Filmrezension

RunningMan
„Running Man“

Hollywood hat es in Korea schwer. Aufgrund des koreanischen Vertriebssystems ziehen Filme aus den USA gegenüber den einheimischen Produktionen stets den Kürzeren. Dies hat Hollywood dazu veranlasst, seine Strategie gegenüber der südkoreanischen Filmwirtschaft zu ändern. US-amerikanische Produktionsfirmen produzieren koreanische Filme mit, um dadurch in den Genuss der „Korean Hallyu“ zu kommen.  Der Film „Running Man“ ragt hinsichtlich dieses strategischen Umdenkens heraus, da er komplett von 20th Century Fox produziert wurde.

Der Film handelt von Jong-Woo, der tagsüber in einer Autoreperaturwerkstatt arbeitet und sich nachts als privater Taxifahrer etwas Geld hinzu verdient. Eines nachts wird in seinem Auto ein Mann ermordet, der sich später als amerikanischer Spion erweist. Jong-Woo wird verdächtigt, den Mann ermordet zu haben und von da an nicht nur von der Polizei, sondern auch vom koreanischen Geheimdienst gejagt.

Die Handlung klingt für einen Actionfilm viel versprechend. Das Handlungsmuster lässt darauf schließen, dass hier ein Treatment aus Hollywood für den koreanischen Filmmarkt in ein Drehbuch umgesetzt wurde. Und genau daran hapert es. Irgendwie kommt „Running Man“ nie richtig in die Gänge. Er beginnt zwar durchaus witzig und fulminant – man denke nur an die Verfolgungsjagd durch die engen Gassen eines alten Stadtteils von Seoul. Doch dann wird der Film auf einmal uninteressant. Hin und wieder gelingt es Regisseur Jo Dong-Oh gelungene Gags zu präsentieren, doch reichen diese nicht, um einen Film mit einer Länge von zweieinhalb Stunden auszufüllen. Dafür hätte es mehr aufregende Stunts und einer besseren Optik bedurft. Hauptdarsteller Shin Ha-Kyun beweist zwar hier einmal mehr, dass er zurecht einer der besten Schauspieler Koreas ist – und in der Tat verblassen ihm gegenüber alle anderen Darsteller -, aber auch sein Engangement reicht nicht, um dem Film das zu geben, was er gebraucht hätte: Stil und Klasse. Im Gegenteil, „Running Man“ wirkt wie Durchschnittsware, die hinter Filmen wie „Company Man“ (2012) weit zurückliegt. Er erinnert eher an den Actionfilm „Quick“ (2011). Und wird wahrscheinlich genauso schnell wieder vergessen sein. Schade. Man hätte viel aus dem Film machen können.

Running Man. Regie u. Drehbuch: Jo Dong-Oh, Produktion: Jeong Jong-Hun, Darsteller: Shin Ha-Kyun, Lee Min-Ho, Jo Eun-Ju. Südkorea 2013. Spielzeit: 127 Min.

 

The Berlin File – Eine Rezension

berlin file
The Berlin File ist ein erstklassiger Agententhriller aus Südkorea.

Kaum ist das Feuer in dem fulminanten Blockbuster The Tower gelöscht, schon liefert Südkoreas Filmindustrie den nächsten Kassenschlager. The Berlin File ist die erste koreanische Produktion, die fast vollständig in Europa gedreht wurde. Hauptschauplatz ist, wie der Titel bereits verrät, Berlin. Dort drehte Regisseur Ryoo Seung-Wan am Brandenburger Tor und weiteren Originalschauplätzen. Die Besetzung ist dementsprechend international. Neben den koreanischen Stars treten sowohl deutsche als auch amerikanische Schauspieler auf.

Der Film handelt von Jong-Seung, einem nordkoreanischen Spion, der plötzlich zwischen die Fronten gerät. Schuld daran ist zum einen ein missglücktes Waffengeschäft, durch das südkoreanische Agenten auf seine Spur kommen, und zum anderen ein nordkoreanischer Botschaftsmitarbeiter, der versucht, überzulaufen. Anscheinend ist Jong-Seungs Frau, die Agentin Jung-Hee, ebenfalls in den geplanten Seitenwechsel verwickelt. Die Regierung in Nordkorea bekommt davon mit und schickt daraufhin einen weiteren Agenten nach Berlin, der für „klare Verhältnisse“ sorgen soll…

Ryoo Seung-Wan gelingt mit seinem selbst produzierten Agententhriller ein spannendes und actionreiches Spektakel. Die Geschichte ist konsequent erzählt, wenn sie auch hin und wieder aufgrund der Vielzahl an Geheimdiensten etwas wirr wird. Doch Ryoo behält stets die Kontrolle und verliert sich nicht in einem Kuddelmuddel. Dabei zitiert er gerne klassische Agententhriller wie etwa Der Spion, der aus der Kälte kam. Als kleiner Gag überrreicht ein südkoreanischer Agent einem Mitarbeiter des CIA dann auch ein Buch von John Le Carre. Viel verdankt der Film natürlich den Originalschauplätzen, die der Handlung die notwendige Atmosphäre verleiht. Die Actionszenen sind erstklassig choreographiert. Einer der Höhepunkt hierbei ist der Sturz Jong-Seungs durch ein Glasdach. Aber auch die Dramatik kommt in diesem Film keineswegs zu kurz. Ha Jong-Woo spielt die Rolle des gegenüber seiner Frau hin- und hergerissenen Agenten Jong-Seung ungeheuer gut.  Er hat die Pflicht, gegen sie vorzugehen, zugleich kann er sich nicht dazu überwinden. Jung-Hee, gespielt von „Sassy Girl“ Jeon Ji-Hyeon, ist ebenfalls gekennzeichnet durch einen gebrochenen Charakter, da sie immer wieder Aufträge bekommt, mit anderen Männern ins Bett zu gehen, um an wichgtige Informationen zu gelangen. Beide Schauspieler wirken in ihren Rollen absolut überzeugend, sodass der Film keineswegs oberflächliches Popkornkino ist, sondern eine dramatische Tiefe erhält, die in vielen Hollywood-Filmen fehlt.

The Berlin File (Originaltitel: Berlin), Regie, Drehbuch, Produktion: Ryoo Seung-Wan, Darsteller: Ha Jung-Woo, Jeon Ji-Hyeon, Han Suk-Kyu, Ryoo Seung-Bum, John Keogh. Südkorea 2013. Laufzeit: 120 Min.