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Posts Tagged ‘Zombiefilme’

Colm McCarthy hat sich vor allem als Regisseur der „Peaky Blinders“-Serie einen Namen gemacht. Die Darstellung von düster-tragischen Handlungen und physischen wie psychischen Grausamkeiten machte ihn daher für die Adaption des Zombie-Romans von M. R. Carey, der auch selbst das Drehbuch schrieb, durchaus geeignet.

McCarthys erster Kinofilm handelt in einer post-apokalyptischen Welt, in der sich Menschen aufgrund von außergewöhnlichen Sporen in Zombies verwandeln. Während die Gesellschaften zusammengebrochen sind, versuchen die Militärs weiterhin nach einem Impfstoff zu suchen, der die Seuche eindämmt. Als Grundlage der Forschung dienen ihnen Kinder, bei denen sich der Verlauf der Seuche völlig anders verhält. Unter den „Versuchsobjekten“ ist auch das Mädchen Melanie. Als das Lager von Zombies überrannt wird, gelingt ihm zusammen mit einer Handvoll Soldaten die Flucht nach London, wo sie weiteren Gefahren ausgesetzt sind …

„The Girl with all the Gifts“ beginnt wie ein beklemmendes Kammerspiel, in dem Nahaufnahmen und enge Räume eine fast schon klaustrophobische Atmosphäre schaffen. Kinder werden behandelt wie Dinge, nur die Soldatin Helen behandelt sie wie richtige Menschen, wobei ihr besonders die begabte Melanie am Herzen liegt.

Auf diese Weise beschäftig sich die erste viertel Stunde mit dem trostlosen Alltag auf der Station. Doch dann beginnt die plötzliche Wende, als die Station von Zombies überfallen wird. Die Szene, in der in einer Totalen das gesamte Gelände gezeigt wird, vor dessen Umzäunung die Infizierten lauern, ist durchaus beeindruckend und erinnert in seiner Endgültigkeit an den Klassiker „Things to Come“ aus dem Jahr 1936, der sich in mehreren Sequenzen ebenfalls mit einer post-apokalyptischen Welt inklusive Zombies auseinandersetzt.

Überhaupt steckt „The Girls with all the Gifts“ voller Zitate, die durchaus gewitzt in die Handlung eingefügt sind. Ob es sich nun um „Blumen des Schreckens“ handelt, um die Star Trek-Folge „Miri, ein Kleinling“ oder natürlich um „Der Omegamann“, der Film webt diese Querverweise stilsicher in die eigene Geschichte ein. Die Pointe des Ganzen schließlich ist dann wiederum weniger originell. Denn genau da, wo man sich ein überraschendes Ende erwartet, übernimmt der Film die Pointe des Romans „I am Legend“ von Richard Matheson. Dennoch oder vielleicht sogar deswegen bringt dies einem zum Schmunzeln, besitzt Mathesons Roman doch einen der originellsten und faszinierendsten Endgags überhaupt.

Trotz interessanter Story, wollten die Produzenten Colm McCarthy dann doch nicht allzu viel Geld in die Hand geben, sodass er mit einem Budget von vier Millionen Pfund auskommen musste. Auf diese Weise wirkt der Film mehr wie eine Direct to Video-Produktion als wie ein für die Leinwand bestimmter Film. Doch ist dies eigentlich gut so, denn auf diese Weise musste sich der Regisseur auf die Handlung konzentrieren und weniger darauf, ein Zombie-Effekt-Gewitter loszutreten. Dies macht „The Girl with all the Gifts“ zu einem durchaus interessanten Vertreter der Zombie-Welle.

The Girl with all the Gifts. Regie: Colm McCarthy, Drehbuch: M. R. Casey, Produktion: Will Clarke, Angus Lamont, Darsteller: Gemma Aterton, Paddy Considine, Glenn Close, Sennia Nanua. England/USA 2016, 111 Min.

 

 

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Kein anderer Regisseur ist wohl so sehr mit der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und der Kritik am Kapitalismus verbunden wie George R. Romero, der 1968 mit „Night of the Living Dead“ nicht nur Filmgeschichte schrieb, sondern die Filmkunst an sich veränderte.

Es war die Zeit von Vietnam und der sozialen Unruhen, als Romero mit seinem Debut die Zuschauer schockte. Waren Zombies in früheren Filmen durch Voodoo-Zauber ins Leben gerufene Untote, so hatte Romero ganz andere Vorstellungen. Außerirdische Bakterien, die sich auf einem abgestürzten Satelliten befinden, lösen eine ungeahnte Katastrophe aus: Tote werden durch die Bakterien lebendig und sind auf der Suche nach einer ganz speziellen Nahrung: Menschenfleisch.

So etwas hatte es zuvor im Kino noch nicht gegeben. Der Schwarzweiß-Stil war bewusst gewählt, da, wie Romero in einem Interview sagte, das Geschehen dadurch realistischer wirkte. Doch war „Nacht der lebenden Toten“ weit mehr als ein Horrorfilm. Es war eine Abrechnung mit dem Vietnamkrieg und dem in den USA herrschenden Rassismus. Die grobkörnigen Stills am Ende des Films, die an Fotos in den Tageszeitungen erinnern sollen, zeigen stiernackige Weiße, die Jagd auf die Zombies machen und dabei ihren Spaß zu haben scheinen. Es könnte sich genauso um Aufnahmen von Jagden auf Schwarze in den Südstaaten handeln. Eine eindeutigere Kritik an der Gesellschaft hätte es nicht geben können.

Mit „Dawn ot the Dead“, in dem Zombies ein Einkaufszentrum belagern, schuf Romero quasi die Mutter aller Kapitalismuskritik. „We are the living dead“, sagte er damals und sah in den Zombies die vom Kaufrausch besessenen Konsumenten der westlichen Industriestaaten. Und ist das zombiehafte Verhalten nicht tatsächlich so? Man denke nur an die Furore, wenn ein neues Smartphone auf den Markt kommt und sich lange Schlangen vor den Läden bilden.

Obwohl Romero mit seinen anderen Filmen an den Erfolg von „Nacht der lebenden Toten“ nicht mehr anknüpfen konnte, so veränderte er mit seinem Klassiker nicht nur das Horrorgenre, sondern den gesamten US-amerikanischen Film. Danach war nichts mehr so wie früher. Die Filme aus Hollywood muckten auf, zeigten, was in der Gesellschaft falsch lief und übten damit heftige Kritik. Das Blacksploitation-Genre entstand, ein überaus wichtiges Merkmal der damaligen Bürgerrechtsbewegungen. Denn Filme wie „Shaft“ stellten Schwarze und Weiße auf eine gleiche Ebene.

Das Kino und die Gesellschaft haben George R. Romero viel zu verdanken. Am 16. Juli starb der großartige Regisseur mit 77 Jahren.

 

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Im Jahr 2000 tat sich etwas bei der größten spanischen Produktionsfirma Filmax. Eine kleine Firma, die sich ausschließlich auf die Herstellung von Horrorfilmen konzentrieren sollte, wurde von Regisseur Brian Yuzna und Filmax-Chef Julio Fernández gegründet. Die Euphorie war groß, befand sich doch das Horrorgenre im Aufwind. Den Anstoß für die Reanimierung des Horrorfilms hatte Wes Craven 1996 mit „Scream“ gegeben. Seit dem gab es kein Halten mehr. Angestachelt durch die Krise in Hollywood und dem gleichzeitigen Erfolg japanischer und koreanischer Horrorfilme, wagten sich nun auch mehr und mehr andere nicht-us-amerikanische Filmfirmen auf den internationalen Markt.

faustDie Firma, welche von Brian Yuzna und Filmax gegründet wurde, trug den Namen Fantastic Factory. Den Anfang machte eine Comic-Adaption mit dem Titel „Faust – Love of the Damned“ (2000), in dem der nach Rache sinnende Künstler John Jaspers Bekanntschaft macht mit einem mysteriösen Mann namens M. Dieser verleiht ihm übermenschliche Kräfte, allerdings muss Jaspers dafür mit ihm einen Vertrag über seine Seele abschließen. Doch Jaspers ist dies in diesem Moment egal. Was er möchte, ist Rache an den Mördern seiner Frau zu nehmen. Sein blutiger Rachefeldzug wurde mithilfe der bizarren Spezial- und Make up-Effekte des japanisch-amerikanischen Künstlers Screaming Mad George umgesetzt. Der Film entwickelte sich, trotz eher schlechter Kritiken, zum Geheimtipp und gilt inzwischen als heimlicher (moderner) Klassiker des spanischen Horrorfilms. Nun, die Effekte sind wirklich hervorragend, kein 08/15-Schnickschnack wie in US-Filmen, sondern geradezu surreal. In Deutschland kam (natürlich) nur eine völlig geschnittene Fassung heraus, in der sämtliche Spezialeffekte herausgeschnitten worden waren. Erst später veröffentlichte Legend Films den Film in einer ungeschnittenen Fassung als numerierte Sammleredition.

dagonKurz darauf ging es Schlag auf Schlag. Der Name Fantastic Factory war bekannt. Also musste Yuzna schnell nachliefern, um die Gunst der Stunde voll ausnützen zu können. 2001 brachte Fantastic Factory gleich zwei Filme heraus: „Dagon“, eine Lovecraftadaption, basierend auf „Der Schatten über Insmouth“, und den Spinnenmonsterfilm „Arachnid“. Beide Filme liefern beste Trash-Unterhaltung. Besonders „Dagon“ versucht, die düster-glitschige Atmosphäre von Lovecrafts Erzählungen visuell umzusetzen und gibt sich dabei regelrecht Mühe. Zwar wurde Lovecrafts Vorlage in eine Teeny-Slasher-Parade umgeschrieben, doch wesentliche Aspekte des Romans blieben erhalten. So z.B. die Szene in dem Hotelzimmer, in welcher der Protagonist versucht, die Türen zu verriegeln, damit die heimlichen Besucher ihn nicht erwischen können.

arachnid„Archnid“ zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass Yuzna auf CGI-Effekte weitestgehend verzichtete, sondern handgemachte Monsterspinnen präsentierte. Diese kommen aus dem Weltall und verschlingen nun alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Man fühlt sich irgendwie an John Wyndhams SF-Roman „Web“ erinnert, in dem eine ganz ähnliche Geschichte erzählt wird. Ob diese als Vorlage diente, ist aber nicht ersichtlich.

2003 kehrte Yuzna zu den Anfängen seiner Karriere zurück, indem er sich erneut an den „Reanimator“-Stoff heranwagte. „Beyond Re-Animator“ aber kommt nicht mehr an den Klassiker aus dem Jahr 1984 heran, er versucht eher, die bizarr-groteske Horror-Action des zweiten Teils auf die Spitze zu treiben. Nun ja, die Zombies sind mal wieder los und alles bewegt sich zwischen doch irgendwie witzig und eher albern. Ein Meisterwerk ist ihm allerdings ganz und gar nicht gelungen.

„Beyond Re-Animator“ läutete zugleich das Ende von Fantastic Factory ein. Das Ziel der Firma war es, Horrorfilme kostengünstig herzustellen und dadurch zugleich unbekannten Schauspielern eine Chance zu geben, einen Fuß zwischen die Tür zu bekommen. Also eine ganz ähnliche Strategie, die Roger Corman seit den 50er Jahren verfolgt. Doch ging bei Yuzna die Rechnung nicht ganz auf.

romasanta2004 brachte die Firma zwei Filme heraus: „Romasanta“ und „Rottweiler“. Bei „Romasanta“ handelte es sich um einen Werwolffilm, der sich auf einen historisch belegten Fall bezieht. Die Hauptrolle spielte Julian Sands. Doch konnte der Film als Ganzes nicht wirklich überzeugen. Er ist ein wenig zu langatmig geworden. Zwar gab sich Yuzna große Mühe dabei, eine dichte und geheimnisvoll-bedrohliche Atmosphäre und eine gute Optik zu gestalten, doch half dies nicht viel. Die Kritiker mochten „Romasanta“ nicht wirklich.

Noch schlimmer sah es bei „Rottweiler“ aus. Es geht darin um einen Cyborg-Hund, der einen geflohenen Häftling hinterher jagt. Mehr muss man über den Film nicht wissen. Er gilt als Yuznas unglücklichste Produktion. Nicht einmal der Auftritt des spanischen Horrorstars der 70er und 80er Jahre Paul Nashy konnte etwas daran ändern.

2005 und 2006 kam es zu den beiden letzten Produktionen von Fantastic Factory. Mit „The Nun“ versuchte Yuzna, auf die Teeny-Slasher-Welle aufzuspringen. Aber die Geschichte über eine Geisternonne namens Schwester Ursula, die ihre früheren Schülerinnen heimsucht, fand niemand so toll. An sich ist der Film durchaus sehenswert und besticht durch eine hervorragende Optik. Auch Beleuchtung und Farbgebung sind überdurchschnittlich. Dennoch schreckte die Nonnen-Idee anscheinend eher ab.

beneathDas unrühmliche Ende von Fantastic Factory lieferte „Beneath Still Waters“. Der Film basiert auf einem spanischen Horrorroman und erzählt von der Kleinstadt Marienbad, die in einem See versinkt, nachdem dort satanische Rituale durchgeführt wurden. Am Rand des Sees entstand eine neue Stadt. Doch kommt es dort seit einiger Zeit zu unheimlichen Todesfällen. Ein Fotojournalist versucht, hinter das Geheimnis zu kommen.

Oh weh, kann man da nur noch sagen. Der Film ist ein Stückwerk unterschiedlicher Szenen, die alle irgendwie nicht zusammenpassen. Es scheint fast so, als habe Yuzna einfach keine Lust mehr gehabt und mit den Worten „scheiß drauf“ die Tür hinter sich zugemacht.

Seitdem ist es still um die Firma Fantastic Factory. Da die Firmenhomepage nicht mehr existiert, ist anzunehmen, dass die Produktionsfirma dicht gemacht wurde. Ein Grund dürfte der sinkende Umsatz gewesen sein, der aufgrund der zunehmenden schlechten Kritiken entstand. Yuzna selbst ist seit 2013 wieder als Regisseur tätig.

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