Tag der Heuschrecke – Nathanael Wests Abrechnung mit Hollywood

Cover der deutschen Neuübersetzung

Nathanael Wests Roman „Tag der Heuschrecke“ („The Day of the Locust“) aus dem Jahr 1939 gilt bis heute als einer der besten Romane über Hollywood. West hatte selbst erfolglos als Drehbuchautor gearbeitet und daher das Leben hinter den Kulissen aus erster Hand miterlebt.

In seinem Roman geht es nicht um cholerische Produzenten oder notgeile Regisseure, sondern um die Menschen, deren Träume schlicht und ergreifend zerplatzt sind. Um diejeningen also, die vergeblich versuchen, Erfolg zu haben.

Im Zentrum des Romans steht der Künstler Tod Hackett, der Kostüme und Hintergrundbilder für Filme entwickelt. Gleich zu Anfang musste er einsehen, dass Kunst in Hollywood nichts zählt. Daher arbeitet er in seiner Freizeit an einem riesigen Gemälde mit dem Titel „Der Brand von Los Angeles“. Im selben Wohnhaus lebt auch Fay Greener zusammen mit ihrem Vater Harry, einem völlig heruntergekommenen Variete-Künstler. Um Fay, die nichts anderes als Schauspielerin werden möchte, bemühen sich die skurrilsten Kerle. Natürlich auch Tod. Doch als der überaus schüchterne Homer Simpson auftaucht, nutzt sie diesen gnadenlos aus …

Cover der Originalausgabe von 1939

Ja, richtig, Homer Simpson. In der Tat entlehnte „Simpsons“-Erfinder Matt Groening den Namen seiner berühmten Figur aus Nathanael Wests Roman. Doch Wests letzte Veröffentlichung war alles andere als erfolgreich. Erst Mitte der 50er Jahre wurde die Bedeutung seiner Werke erkannt. Heutzutage zählt Nathanael West (1903 – 1940) zu den wichtigsten Autoren der US-amerikanischen Literatur.

„Der Tag der Heuschrecke“ ist ein überaus düsteres Buch. Es geht um Menschen, die auf ganzer Linie gescheitert sind, die sich auch keine Hoffnung mehr auf bessere Zeiten machen, sondern sich mit ihren geplatzten Träumen irgendwie abfinden. Da ist der Cowboy-Darsteller Earl, der nichts auf die Reihe bekommt und mit seinem mexikanischen Freund Hahnenkämpfe veranstaltet, um über die Runden zu kommen. Fay, die es nicht einmal bis zur Komparsin schafft, ihren Tagträumen nachhängt, sich dennoch aufführt wie eine Diva, in Wirklichkeit aber auf den Strich geht. Dann ist da noch der „Zwerg“ Abe Kunich, ein kleinwüchsiger Halbkrimineller, der sich allen aufdrängt. Oder der bereits erwähnte Vater Fays, der als drittklassiger Variete-Künstler auftrat und nun Putzmittel verkauft. Nur Homer Simpson hat eigentlich mit Hollywood nichts zu tun. Er kommt nach Los Angeles, um sich von einer Krankheit zu erholen. Unglücklicherweise begegnet er der hübschen Fay, die zu seinem düsteren Schicksal wird.

Nathanael West (1903 – 1940)

Nathanael Wests letzter Roman geht einem so leicht nicht mehr aus dem Kopf. Mit bitterem Spott macht er sich über seine Mitmenschen lustig und wirkt dabei erschreckend aktuell. Besonders, als er die dumpfe Masse schreiender Fans beschreibt, die auf einen großen Hollywood-Star warten, möchte man nicht meinen, dass der Roman vor fast 80 Jahren erschienen ist. Hier liefert West das Bild einer Gesellschaft ab, deren Mitglieder in eine Mediensucht fliehen, um ihren stupiden Alltag zu ertragen.

Nathanael West starb ein Jahr nach Veröffentlichung des Romans zusammen mit seiner Frau bei einem schweren Autounfall. 1975 wurde das Buch von John Schlesinger verfilmt, und David Bowie zählte den Roman zu seinen Lieblingsbüchern. Ein großartiger Roman, ein Klassiker eben.

FuBs Klassikbox: Filmverrückt (1932)

Eigentlich ist jeder Film von Harold Lloyd einzigartig. In dieser Hinsicht fällt es wirklich schwer, eine Entscheidung zu treffen, welcher Film sein bester ist. Natürlich gibt es da „Ausgerechnet Wolkenkratzer!“ (Safety Last) aus dem Jahr 1923, der eine der berühmtesten Szenen der Filmgeschichte beinhaltet, oder „Why Worry“ (1925), ebenfalls einer seiner besten Filme, eine Mischung aus Komödie und Politsatire.

Bei seinen Tonfilmen zählt „Movie Crazy“ (Filmverrückt) zu den besten Produktionen. In der Komödie um Harold Hall, der bei seinen Eltern lebt, überaus tollpatschig ist und von einer Karriere in Hollywood träumt, reiht sich ein Gag an den anderen. Eines Tages beschließt Hall, auf die Annonce eines Filmstudios in der Zeitung zu antworten und schickt dem Filmproduzenten O’Brian ein Bewerbungsschreiben mit Foto – nur, dass er aus Versehen nicht sein eigenes Foto in den Brief steckt, sondern das eines Schauspielers.

Prompt wird Hall wegen seines guten Aussehens zu Probeaufnahmen eingeladen. Und da fängt das Chaos schon an. Denn kaum hat Hall das Büro des Produzenten betreten, scheucht dieser  ihn auch schon wieder hinaus, da Hall so gar nicht nach dem Schauspieler auf dem Foto aussieht. Hall gerät dabei von einem Schlamassel ins nächste. Er sorgt für Wirbel bei einer Filmaufnahme, trifft die bekannte Schauspielerin Mary Sears, deren Auto er halb zerstört, und bekommt es dann auch noch mit Marys Liebhaber zu tun.

Höhepunkt des Films ist schließlich Halls vermeintliche Einladung zu einem Filmball, in dem er mächtig für Trubel sorgt, hat er doch aus Versehen das Jackett eines Zauberers angezogen. Und dann ist da natürlich auch noch das Finale, indem Hall in die Schlüsselszene eines Films hineinplatzt und sich einen Kampf mit Marys Liebhaber liefert, wobei die ganzen Kulissen zerstört werden.

„Movie Crazy“ ist ein wahres Meisterwerk in Sachen Komödie. Die rasante Handlung gleitet temporeich voran, und stets dann, wenn man glaubt, dass dem Film die Puste auszugehen droht, setzt Harold Lloyd noch eins oben drauf. Dabei besitzt „Filmverrückt“, wie der Verleihtitel in Deutschland lautete, durchaus autobiographische Züge. Auch Harold Lloyd hatte große Schwierigkeiten, ins Filmgeschäft zu kommen, und nur mit einem Trick (er maskierte sich als schwarzer Statist) konnt er überhaupt das Filmgelände betreten.

Auf diese Weise scheint es, als wäre „Movie Crazy“ Lloyds Abrechnung mit Hollywood: der herrschsüchtige Produzent, die Diva, der Star, der sich als arroganter Wichtigtuer und Alkoholiker entpuppt. Aber dann gibt es auch die andere Seite: die bekannte Schauspielerin, die sich insgeheim nach einem normalen Leben sehnt und von Halls schlichtem Verhalten so sehr fasziniert ist, dass sie sich in ihn verliebt.

Wenn man daher noch keinen Film von Harold Lloyd gesehen hat, so sollte man mit „Movie Crazy“ beginnen. Das rasante Tempo, der Witz und nicht zuletzt die spannende Handlung machen den Film immer wieder von neuem zu einem wahren Vergnügen.

Movie Crazy. Regie: Clyde Bruckman/Harold Lloyd, Drehbuch: Vincent Lawrence, Produktion: Harold Lloyd, Darsteller: Harold Lloyd, Constance Cummings, Kenneth Thomson, Spencer Charters. USA 1932, 90 Min.

 

Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hitler

Im Jahr 2013 erschien unter dem Titel „The Collaboration“ ein Buch, das in den USA sofort hohe Wellen schlug. Eigentlich erregen Abhandlungen, die sich mit der Geschichte Hollywoods beschäftigen, so gut wie nie Aufsehen. Der Historiker Ben Urwand aber beschäftigt sich in seinem nun auf Deutsch erschienenen Sachbuch mit der dunklen Seite der US-amerikanischen Produktionsfirmen.

Deutschland war seit der Stummfilmzeit ein wichtiger Markt für Filme aus den USA. Dies änderte sich auch nicht nach der Machtergreifung Hitlers. Aber um welchen Preis. In den 30er Jahren versuchten 20th Century Fox, MGM, Warner und andere Firmen alles, damit sie weiterhin Geschäfte machen konnten.

Auf diese Weise hatte Nazi-Deutschland Hollywood regelrecht in der Hand, denn den Produzenten wurde diktiert, was sie in ihren Filmen zeigen durften und was nicht. Kamen die Studiobosse den Bestimmungen nicht nach, so drohten die Behörden mit einem Aufführungsverbot. Extra für diese Aufgabe wurde ein deutscher Diplomat namens Georg Gyssling nach Los Angeles gesandt, der die Drehbücher und die fertigen Filme überprüfen sollte. So mussten sämtliche Szenen aus Kriegsfilmen und Dramen entfernt werden, in denen die Deutschen, wenn auch nur ansatzweise, schlecht dargestellt wurden.

Später durften auch keine Filme vertrieben werden, in denen jüdische Figuren vorkamen oder an denen jüdische Regisseure, Kameramänner etc. mitgearbeitet hatten. Die Produzenten, die selbst Juden waren, fügten sich dem Verbot, um im Deutschen Reich weiterhin Filme vermarkten zu können. Erst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges, als sowieso keine US-Filme mehr in deutschen Kinos gezeigt wurden, änderte sich das Verhalten der Produzenten nach und nach, und es kam zu Filmen wie „Casablanca“, welche veranschaulichten, für welche Politik das Deutsche Reich tatsächlich stand.

Ben Urwand schildert diese Geschehnisse nicht nur extrem spannend, sondern überaus detailliert. In einem flotten Schreibstil beschreibt er, was niemand für möglich gehalten hätte,  nämlich, dass sich Hollywoods Produzenten quasi zu Lakaien des Deustchen Reiches degradierten, nur aus dem Grund, um weiter im Geschäft zu bleiben.  Dabei lesen sich manche Ereignisse so, als seien sie einer Satire entsprungen. Aber nein, das, was Urwand herausfand, ist zwar unglaublich, aber wahr. Über neun Jahre verbrachte der Historiker damit, nach Quellen zu recherchieren und diese auszuwerten. „Der Pakt“ ist ein wichtiges Buch, das die goldene Ära Hollywoods in einem völlig anderen, geradezu erschreckenden Bild zeigt. Für jeden, der sich für Filme und Filmgeschichte interessiert, ist Ben Urwands Abhandlung ein echter Gewinn.

Ben Urwand. Der Pakt – Hollywoods Geschäfte mit Hilter. Theiss Verlag 2017, 320 Seiten, 29,95 Euro, ISBN: 978-3806233711

 

 

 

Ein Captain für America oder Kehrt die Politik ins Actionkino zurück?

captainamericaRegisseur Joe Johnston bemerkte in einem Interview, dass „Captain America“ nur durch Obamas Politik möglich war. Das Image der USA hatte sich eher ins Positive gewandelt, was natürlich nicht heißt, dass sich die USA wieder als Idealstaat wie in den 50er Jahren fühlte. Doch ein Schwarzer war Präsident und sein Image wurde weltweit positiv aufgenommen.

Die Produktion von „Captain America“ fand also von Anfang an innerhalb eines politischen Rahmens statt. Natürlich ist dies bei allen Filmen so, doch die Produkte der Marvel Studios erscheinen in der Regel frei von irgendwelchen politischen Botschaften oder Hintergründen. Ihre Oberflächlichkeit enttarnt sie als geradezu sterile Objekte, die nicht einmal mehr in Ansätzen soziologisch zu erfassen sind.

Daher ist es umso erstaunlicher, dass der First Avanger im Verhältnis zu den anderen Superheldenfilmen ziemlich politisch ist. Gleich der erste Teil zieht das Thema Patriotismus durch viele ironische Seitenhiebe gehörig durch den Kakao. Captain America, zunächst ein schmächtiger Kerl namens Steve Rogers, der ständig eine verpasst bekommt, aber nie aufgibt, wird von einem Wissenschaftler als das passende Versuchsobjekt betrachtet. Denn aus Rogers soll nichts anderes gemacht werden als eine Art Geheimwaffe, die die Nazis in die Knie zwingt. Bereits hier offenbart sich eine ironische Sichtweise auf den Amerikanismus. So fragt Rogers Freund Bucky ihn immer wieder, wieso er nicht einfach abhaut, als sich ständig verprügeln zu lassen, worauf Rogers vollkommen übertrieben seinen Hang zur Vaterlandsliebe zum Besten gibt. Ähnlich wie Grisu der kleine Drache, der immer Feuerwehrmann werden möchte, so möchte Steve Rogers Soldat werden. Und das wird er dann natürlich auch. Aber mit Hindernissen. Denn zunächst muss er im Captain America-Kostüm die Soldaten an der Front unterhalten und dabei leere Durchhalteparolen von sich geben. Hier stößt das Superheldentum an seine Grenzen, indem es mit der Wirklichkeit konfrontiert wird. Die Soldaten pfeifen auf einen Captain America.

Wie immer, wenn ein Genrefilm während des Zweiten Weltkriegs spielt, so warfen Kritiker auch „Captain America“ ein mangelndes Geschichtsbewusstsein vor, der Zweite Weltkrieg würde in dem Film wie ein Abenteuer abgehandelt werden. Nun ja, dass müsste man dann z.B. auch den Indiana Jones-Filmen vorwerfen, doch hier schwiegen dieselben Kritiker interessanterweise.

Die Ironie, mit welcher der US-amerikanische Patriotismus betrachtet wird, durchzieht den gesamten Film, einschließlich der Szene, in der Captain America sein Kostüm aus dem Museum klaut.

captainamerica1Die Frage war natürlich, ob die nachfolgenden Filme um den First Avanger diesen Stil weiterführen oder ihn für überlange Action-Sequenzen opfern würden. Interessanterweise griffen die Gebrüder Russo, die „The Winter Soldier“ und „Civil War“ schrieben und drehten, das Spiel mit Ironie und Kritik an politischen Machtspielen auf. Auf diese Weise gelang es ihnen, die Fortsetzung, in der Rogers wieder auf Bucky trifft, allerdings unter eher unglücklichen Umständen, beinahe im Stil eines Agentenen-Thrillers zu drehen. Die komplexe Handlung macht auch diesen Film keineswegs uninteressant. Denn Mitglieder von Hydra agieren innerhalb des Netzwerks von S.H.I.E.L.D. Die Frage ist, wer ist nun wer? Dies verleiht dem Film eine doch ziemlich ernste Note, spielt er doch, wenn auch auf überdrehte Weise, mit realen Bedrohungsszenarien, die sich aus neuartigen Überwachungstechniken ergeben.

captainamerica2Man kann sagen, dass die Gebrüder Russo zum Glück auch den dritten Film schreiben und drehen durften. Denn hier setzen sie im gewissen Sinne noch eins oben drauf. Nicht nur politische, sondern ethische Fragestellungen durchziehen den Film. Die UN möchte den Superhelden verbieten, selbständig tätig zu sein, da es bei den bisherigen Konflikten zu viele zivile Opfer gegeben hat. Während die eine Hälfte der Heldengruppe daher sich vertraglich der UN verpflichtet, will die andere Hälfte, unter ihnen Captain America, sich nicht als Werkzeug einer politischen Organisation sehen. Dieses Dilemma führt zu vielen, durchaus gut geschriebenen Dialogen, in denen über diese Thematik diskutiert wird.

Die Frage, die sich die Gebrüder Russo stellen, lautete also, was passieren würde, wenn es Superhelden tatsächlich gäbe. Die Bearbeitung dieser Fragestellung ist den beiden Filmemachern durchaus gut gelungen. Und dabei zeigen sie erneut ein recht düsteres Bild unserer Zeit.

Die „Captain America“-Filme veranschaulichen, wie Hollywoodkino auch sein kann: Action-Spektakel, ohne aber diese sterile Oberflächlichkeit, die heutzutage so viele Big Budget-Filme wie leere Hüllen erscheinen lassen. Bei Captain America versucht man zumindest, eine gewisse Tiefe einzubringen, welche die Filme durchaus politisch machen. Leider aber beschränkt sich dies bisher nur auf diese Filmreihe.

 

300 mal FILM und BUCH: The 80s – Die erfolgreichsten Filme der 80er

In diesem Jubiläumsbeitrag geht es um die kommerziell erfolgreichsten Filme der Jahre 1980 bis 1989. Überraschend dabei ist, dass „Dirty Dancing“ nicht dazu gehört, obwohl der Film aus den Kinos nicht wegzubringen war. Das war besonders dann schade, wenn es, wie damals bei uns, nur ein einziges Kino mit nur einem Saal gab. Dann konnte man sich praktisch alle anderen Filme selber zeichnen. Aber hier nun die Liste:

80erjahre1980 hatte Luke so richtig Zoff mit seinem Vater. Die Spielindustrie freute es. Und natürlich auch die Zuschauer. Damals waren die Effekte noch alle handgemacht und brachten jede Menge Spaß. Egal ob auf dem Eisplaneten oder in der Stadt in den Wolken, „Das Imerpium schlägt zurück“ schlug alle anderen Filme in jenem Jahr.

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1981 kam der Mann mit dem Hut und der Peitsche in die Kinos. Mit jeder Menge Gags und Action suchte Indiana Jones die Bundeslade. Natürlich wollen die Nazis die Lade ebenfalls in ihre Hände bekommen und jagen daher Indiana Jones hinterher. Als Oberbösewicht erweist sich allerdings der hinterlistige Affe, der Indie verrät.

80erjahre31982 wollte E.T. ständig nachhause telefonieren. Zum Glück hat er das nicht von Deutschland aus versucht. Die Telekom hätte ihm eine Rechnung aufgebrummt, von der er sich nie wieder erholt hätte. E.T. machte Spielberg endgültig zum Erfolgsregisseur. Nach langer Zeit war dies wieder einer der ersten Filme, in denen die Aliens nicht als böse, menschenfressende Ungeheuer dargestellt wurden.

80erjahre21983 hatte George Lucas wieder alle Trümpfe in seiner Hand. „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ sorgte einmal mehr für volle Kinokassen. Wahrscheinlich nur, weil Prinzessin Leia im Bikini zu sehen war. Kein Wunder, dass Han Solo sofort wieder auftaute. Mit viel Action und tollen Effekten sorgte der Film für den damaligen Höhe -und Schlusspunkt der Serie.

80erjahre41984 war es weder ein SF- noch ein Fantasyfilm, der für volle Kinosäle sorgte, sondern Eddie Murphy in der Krimikomödie „Beverly Hills Cop“. Als non-stop-quasselnder Cop jagt er die Verbrecher durch die Stadt. Dabei schrieb er auch Filmgeschichte, da mit Eddie Murphy seit vielen Jahren wieder ein schwarzer Schauspieler die Hauptrolle innehatte. Eigentlich war für die Rolle ein weißer Darsteller vorgesehen gewesen.

80erjahre51985 kehrte Marty McFly „Zurück in die Zukunft“. Die SF-Komödie um einen leicht verwirrten Professor, der ein Auto in eine Zeitmaschine umgebaut hat, gilt inzwischen als Klassiker. McFly rettet sich quasi mit der Zeitmaschine in die Vergangenheit. Doch dort hat er ein erneutes Problem: Seine eigene Mutter verliebt sich in ihn …

80erjahre61986 sorgte Tom Cruise für volle Kassen, nachdem er ein Jahr zuvor mit dem Fantasyfilm „Legend“ einen Flop gelandet hatte. Der Actionfilm „Top Gun“ erhielt für die Produktion zusätzliche Gelder vom Militär. Es geht um Liebe, Schuldgefühle und echte Freundschaft. Wieviele Zuschauer danach freiwillig zum Appell antraten, ist unbekannt.

80erjahre71987 war es wieder eine Komödie, an deren Erfolg alle anderen Filme aus jenem Jahr nicht herankamen. Es handelt sich um das Remake „Noch drei Männer, noch ein Baby“, bei dem Mr. Spock Regie führte. Das Original kam aus Frankreich. Der Film reicht nicht ganz an die französische Komödie heran, ist aber dennoch gut geworden.

80erjahre81988 spielte Tom Cruise an der Seite von Dustin Hoffman in dem Film „Rain Man“. Die Mischung aus Drama und Roadmovie ging auf. „Rain Man“ wurde zum erfolgreichsten Film jenes Jahres. Cruise zeigte, dass er auch ein wenig schauspielern kann, auch wenn ihm Hoffman in der Rolle des Autisten Raymond die Show stahl.

80erjahre91989 erschien ein düsterer Comic-Held auf der Kinoleinwand. Damals verkörperte Michael Keaton „Batman“ und Jack Nicholson zeigte sein Können in der Rolle des Jokers. Damals noch ohne CGI, verprügelte Batman die Bösewichte und donnerte mit seinem Batmobil durch Gotham City. Dank der hervorragenden Schauspieler und der erstklassigen Kulissen ist dieser Film einer der wenigen Comic-Adaptionen, die wirklich sehenswert sind.

 

Star Wars VII – Und?

starwarsJ. J. Abrams wird anscheinend zurzeit gerne dazu benutzt, um Produkte so zu gestalten, dass sie exakt in die Form passen, die von den Produzenten vorgegeben wird. Abrams daher als Visionär zu bezeichnen, ist eher lächerlich. Viel eher ist er in Hollywood jemand, der nicht aneckt, und genau solche Leute hat man dort gerne.

So ist auch aus „Star Wars VII“ genau das geworden, was man von Abrams erwartet: Ein Film, der nicht aneckt. Denn ihm gelingt das, was sich der Konzern Walt Disney erhofft hat: Ein Star Wars-Film, der den Stil der drei Klassiker wieder aufleben lässt. Dies gelang den drei verkorksten Prequels nicht. Während der Produktion ließ Abrams verlautbaren, dass Teil sieben wieder so sein wird wie die Originalfilme. In einer Randbemerkung fügte er hinzu, dass er in der Wüste das Skelett von Jar Jar Binks zeigen würde, der Figur, welche die Fans wohl am meisten genervt hat. Vielleicht hat er es getan, bei der ersten Sichtung haben wir es jedenfalls nicht entdeckt.

Über die Handlung von Abrams‘ Star Wars-Version muss man nicht mehr viel sagen. Folgt man den Kritiken im Internet, so halten sich Begeisterung und Ärger die Waage. Die einen finde es gut, dass Abrams dem Film den Charme der Klassiker verliehen hat, die anderen finden, dass die Handlung zu sehr dem „Krieg der Sterne“ aus dem Jahr 1977 ähnelt.

In der Tat hat man sich für „Star Wars 7“ kein Bein abgebrochen, was die Story betrifft. Diese ist mehr Remake als Sequel. Alles, was der Film zeigt, gab es bereits in den früheren Filmen. Es wird nichts Neues ausprobiert, es kommt zu keinen Überraschungen und während des Finales wird der Film schlicht und ergreifend langweilig, da er zu sehr alles andere kopiert.

„Star Wars 7“ ist ein Beispiel dafür, woran Hollywood zurzeit krankt: an Ideenlosigkeit, an der Angst vor dem Risiko, an dem Glauben, alles zu vereinheitlichen, da man nur so Geld machen kann. Hollywood hat sozusagen den Fordismus auf die Filmwirtschaft übertragen. Jeder Arbeitschritt ist der gleiche und das fertig gestellte Produkt darf sich von allen anderen Produkten nicht unterscheiden. Die großen Studios haben es geschafft, die Frage, ob Film Kunst oder eine bloße Ware ist, für sich beantwortet. Leider.

Robert Siodmak – Meister von Licht und Schatten

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Robert Siodmak

Salopp formuliert könnte man sagen, dass der Hauptbestandteil des Film Noir coole Typen und heiße Frauen sind. Doch bezieht man sich dabei mehr auf den historischen Ursprung des Stils, der sich in den Kriminalheftchen der 30er und 40er Jahre findet. Film Noir ist bei weitem mehr. Er ist zum einen eine Hinwendung zur wahren Filmkunst, zum anderen eine Art Spiegelung der jeweiligen Gesellschaft. Im Zentrum stehen vom Schicksal geplagte Figuren, die vergeblich versuchen, den Weg in ein normales Leben zu führen.

Ein weiteres Merkmal, das sich auf die Machart dieser Filme bezieht, ist, dass vornehmlich in Schwarzweiß gedreht wurde. Heute ist dies kein Muss mehr, auch wenn die „Sin City“-Filme teilweise dieses Element als zentralen Aspekt zelebrieren. Auch stammen Filme, die dem Film Noir zugerechnet werden, nicht mehr allein aus den USA. So ist zum Beispiel der koreanische Thriller „Happy End“ (1999) ein vortreffliches Beispiel für das koreanische Äquivalent.

Der erste Film, der dem Film Noir zugesprochen wird, ist der Krimi „Die Spur des Falken“ (1941) von John Hutson. Als einer der wichtigsten Regisseure des Film Noir zählt Robert Siodmak (1900-1973). Der deutsche Regisseure wurde mit seiner UFA-Produktion „Menschen am Sonntag“ (1930) berühmt, einem Film, der hauptsächlich mit Laiendarstellern gedreht wurde. Kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten floh Siodmak zunächst nach Frankreich. Ende der 30er Jahre kam er in die USA, wo er in Hollywood relativ schnell Anschluss fand. Seine erste Dreharbeit war der Universal-Film „Draculas Sohn“ (1943).

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Die Wendeltreppe

Bereits zwei Jahre später sollte er einen ersten Klassiker schaffen. Mit „Die Wendeltreppe“ (1945) kreierte er eine dichte Mischung aus Suspense, vermischt mit Ansätzen des Horrorfilms, dessen Stil in den 70er und 80er Jahren u. a. von Dario Argento übernommen wurde. Die berühmte Szene in „Die Wendeltreppe“, in welcher die gehörlose Helen einen weißen Zaun panisch entlang läuft, da sie sich verfolgt fühlt, findet sich beinahe eins zu eins in Argentos „Tenebre“ (1982) wieder. „Die Wendeltreppe“ handelt von der jungen Frau Helen, die in einem abgelegenen Haus als Dienstmädchen arbeitet. In der unmittelbaren Umgebung geht ein Serienmörder um, dessen Opfer behinderte Frauen sind.

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Rächer der Unterwelt

Interessanterweise betrachtete Siodmak seine Filme selbst nicht als Kunst, sondern eher als bloße Arbeit, um damit sein Geld zu verdienen. Das änderte sich auch nicht durch seinen zweiten Beitrag zum Film Noir mit dem Titel „The Killers“ (Rächer der Unterwelt; 1946). Darin geht es um die rätselhafte Ermodung eines Tankwarts in einer Kleinstadt. Der Mann war unter der Bevölkerung als der Schwede bekannt. Ein Versicherungsagent versucht das Geheimnis des Mordes zu lösen und deckt dabei die tragische Geschichte des ehemaligen Preisboxers auf. Der Film basiert auf einer Geschichte Ernest Hemingways. Siodmak verbindet in dem Film eine fast vollkommene, düstere Poesie mit drastischer Realität. Die Anfangssequenz, in der zwei Auftragskiller in ein Café kommen und den Besitzer bedrohen, ist unglaublich spannend und nervenzerrend in Szene gesetzt. „The Killers“ wurde ein enormer Erfolg. Robert Siodmak  ebnete damit seine weitere Karriere. Aber auch die beiden damals unbekannten Hauptdarsteller Burt Lancaster und Ava Gardner wurden durch den Film über Nacht zu Stars.

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Der schwarze Spiegel

Noch im selben Jahr brachte Siodmak mit „The dark Mirror“ einen weiteren Kassenschlager in die Kinos. In diesem Film geht es um den Mord an einem Arzt. Verdächtigt wird eine junge Frau, die jedoch ein perfektes Alibi vorweisen kann, das auch bei mehreren Verhören nicht zusammenbricht. Inspector Stevenson ist dennoch überzeugt von ihrer Schuld und lässt daher einen Psychologen den Fall übernehmen. Scott Elliot soll herausfinden, ob Terry schizophren ist. Elliot kommt bei seiner Untersuchung auf ein ganz anderes Ergebnis … – Auch dieser Film ist unglaublich dicht und spannend umgesetzt. Von Anfang an spielt Siodmak mit den Erwartungen der Zuschauer, lässt sie miträtseln und quasi an der Auflösung des Falles direkt teilhaben. „The dark Mirror“ war nominiert für einen Oscar in der Kategorie Bestes Originaldrehbuch.

pyramidedessonnengottesNach seinen letzten beiden Film Noir-Streifen „Schrei der Großstadt“ (Cry of the City; 1948) und „Strafsache Thelma Jordon“ („The File on Thelma Jordon“; 1950), drehte Siodmak den Abenteuerfilm „Der rote Korsar“ (1952), bevor er zurück nach Europa kehrte. Irgendwie verließ ihn hier seine Muse. Seine Filme wirken weniger gekonnt als seine Arbeiten, die er für Hollywood gedreht hatte. Als künstlerischer Tiefpunkt gilt die Karl May-Verfilmung „Die Pyramide des Sonnengottes“ (1965), die, was vor allem die Montage betrifft, überaus schlecht gemacht ist. Selbst die Schauspieler wirken lustlos und scheinen bei den Aufnahmen mit ihren Gedanken ganz woanders gewesen zu sein. Siodmaks letzte Filmproduktion war der Zweiteiler „Kampf um Rom“ (1968).

Über Robert Siodmak, der sich selbst weniger als Künstler, sondern eher als Arbeiter verstand, geht die Meinung von Filmhistorikern und Kritikern weit auseinander. Während die einen ihn als unvergleichlichen Filmemacher feiern, ist er für andere lediglich ein Auftragsregisseur gewesen. Aber egal, in welche Kategorie man ihn einfügt, sicher ist, dass er Klassiker des Kinos geschaffen hat.

 

 

Hollywoodkrise = Gesellschaftskrise?

Stichwort Hollywoodkrise. Schon lange haben wir darüber nichts mehr vernommen. Bedeutet das etwa, dass die Krise überwunden ist? Nun, die Krise ist noch immer vorhanden. Vielleicht sogar stärker denn je. Die Besucherzahlen gehen – laut der Internetplattform boxofficemojo – weiter zurück, auch wenn die Umsatzzahlen etwas anderes zu zeigen scheinen. Doch der gleichbleibende Umsatz täuscht, denn dieser wird lediglich durch angehobene Ticketpreise erzielt. Speziell aus diesem Grund kommen zurzeit viele Filme auch in 3D in die Kinos, egal ob es für die Geschichte Sinn macht oder nicht. Was zählt ist, dass jedes Ticket für eine 3D-Vorstellung teurer verkauft werden kann.

Hollywood steckt noch immer in der Krise. Auch wenn kaum darüber berichtet wird.

Doch ist die Krise nicht nur eine ökonomisch bedingte. Vielmehr ist sie eine ästhetische Krise. Diese ästhetische Krise ist einerseits eine Folge der zurückgehenden Umsatzzahlen, andererseits scheint Hollywoods Drehbuchautoren wirklich nichts mehr Neues einzufallen. Bereits 2001 bemerkte der bekannte Drehbuchautor William Golding in einem Interview mit Spiegel-Online, dass die Krise eher in den Köpfen der Autoren herrsche. Keine neuen Einfälle, schlechte Skripte, austauschbare Geschichten. Regisseur Paul Schrader schließt sich dem in gewisser Weise an. In einem Interview mit der österreischischen Zeitung Kurier aus dem Jahr 2011 weist er ebenfalls daraufhin, dass die Krise in Hollywood nicht überwunden ist. Es handelt sich um eine ästhetische Krise, die noch lange anhalten wird. Produzenten möchten nichts riskieren, daher sitzt bei ihnen das Geld auch nicht mehr so locker. Dies ist auch der Grund, weswegen es zu dieser ästhetischen Krise gekommen ist. Die großen Studios bringen keine Vielfalt hervor, sondern ihre Produktionen gleichen wie ein Ei dem anderen. Der amerikansiche Indie-Regeisseur Larry Fessenden betonte uns gegenüber, dass in Hollywood nur mehr Superheldenfilme gedreht werden. Diese verlaufen nach jeweils  demselben Konzept. Das heißt, die Charaktere, die Handlungen, ja sogar die Dialoge sind austauschbar. Es ist nichts Neues. Es ist nur lauter geworden. Selbst eine überteuerte Produktionen wie „Pacific Rim“ weist keine einzige originelle Idee auf. Alles ist bereits schon einmal dagewesen. Wer es genau wissen möchte, der sehe sich einmal den 80er Jahre Trashfilm „Robojox“ an. Das Geschichtenerzählen ist zum Stillstand gekommen.

Film galt früher als Kunst. Gilt dieser Begriff auch noch für heutige Blockbuster?

Was auf Hollywoodproduktionen zutrifft, trifft nicht weniger auf den Buchmarkt zu. Die in den Buchläden ausliegenden Bestseller sind austauschbare Produkte. Es scheint so, als findet man x-mal dasselbe Buch, nur mit anderem Cover. Auch hier also ein Stillstand. Verleger wollen genauso wie Filmproduzenten kein Risiko mehr eingehen. Sie setzen auf Nummer Sicher und das Ergebnis ist ein völliger Wegfall von Originalität.

Fasst man die obigen Punkte zusammen, so zeigt sich, dass Kunst als Massenproduktion nicht unbedingt positive Effekte mit sich bringt. Georg Simmel verwies bereits um die Jahrhundertwende auf das Drama der Kultur. Dieses macht sich nun deutlich in der Eintönigkeit der Film- und Buchproduktionen. Larry Fessenden wies in einem früheren Interview daraufhin, dass speziell diese Entwicklung hin zur Gleichförmigkeit und Austauschbarkeit negative gesellschaftliche Konsequenzen haben kann. Betroffen davon vor allem jugendliche Zuschauer, die keine Filmkunst mehr erleben, sondern inhaltsleere Produkte, die nur dazu dienen, die Zuschauer zum Konsum zu animieren. George R. Romero hatte in den 70er Jahren recht, wenn er die Menschen als kaufsüchtige Zombies darstellte.

Zurzeit werden in Hollywood nur noch Superheldenfilme gedreht. Film verkommt dadurch vollständig zum bloßen Produkt.

Ob dieser Wegfall von der Kunst hin zu bloßen Produkten, die nichts anderes mehr sind als Propagandamechanismen, tatsächlich negative Konsequenzen für die Gesellschaft haben kann, ist nicht klar. Der Biologe Thomas Junker weist in seinem Buch „Die Evolution der Phantasie“ darauf hin, dass bisherige Untersuchungen, welche den Einfluss von Reizüberflutung auf den IQ-Wert unter die Lupe nahmen, keine negativen Merkmale feststellen konnten. Allerdings ist eine Verkümmerung der Kunst bisher noch nie ein positives Merkmal für gesellschaftlichen Wandel gewesen. Diese geht einher mit Dekadenz. Und dies ist letztendlich ein Anzeichen für eine soziale Fehl- oder Rückentwicklung.

Man muss hierbei jedoch hinzufügen, dass zum Glück die Filmwelt nicht nur aus Hollywoodgroßproduktionen besteht. Man darf den Indie-Sektor nicht vergessen, der durchaus mit originellen Ideen und Geschichten aufwartet. Ähnlich verhält es sich auf dem Buchmarkt. Während Bestseller inzwischen zum Synonym für Einheitsbrei geworden sind, tummeln sich unzählige Autoren im Kleinverlag- und Indie-Bereich. So lange dort keine kreative Stagnation auftritt, darf also noch gehofft werden. Für Hollywood aber heißt es, dass es früher oder später nicht anders kann, als umzudenken. Denn die Besucherzahlen werden weiter zurückgehen.